Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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Weiche Worte, harte Haltung

China schickt erstmals seinen Außenminister zur Münchner Sicherheitskonferenz.

Diplomaten und Offiziere sind meist Menschen mit Manieren. So werden sie höflich applaudieren, wenn Chinas Außenminister Yang Jiechi heute die Auftaktrede der Münchner Sicherheitskonferenz hält – auch wenn viele Zuhörer die Volksrepublik bei zentralen globalen Konflikten bislang eher als Teil des Problems als der Lösung sehen…

Bernhard Bartsch | 05. Februar 2010 um 06:42 Uhr

 

Falschgeld online

In China floriert der Handel mit Blüten. In der Krise verbessern Unternehmen damit ihre Zahlungsfähigkeit.

Kürzlich hat mir der Bankautomat wieder Falschgeld ausgespuckt. Meistens merke ich das erst, wenn mir ein Verkäufer oder Taxifahrer einen Schein kopfschüttelnd zurückgibt. Ich stecke die Blüte dann in meinem Geldbeutel ganz nach vorne, um sie bei nächster Gelegenheit wieder loswerden. Sitzen geblieben bin ich darauf noch nie, denn im Grunde wird Falschgeld in China genauso benutzt wie echtes…

Bernhard Bartsch | 04. Februar 2010 um 16:40 Uhr

 

Enkel in Not

Akio Toyoda sollte den Autokonzern Toyota durch die Krise steuern. Jetzt steckt er mittendrin.

“Ich werde wieder zu den Grundsätzen zurückkehren, auf denen dieses Unternehmen aufgebaut wurde”, sagte Akio Toyoda im Januar 2009. Damals war der Enkel des Toyota-Gründers gerade zum neuen Vorstandschef des weltgrößten Autokonzerns erkoren worden und wollte das Unternehmen, das durch die Finanzkrise erstmals in seiner 75jährigen Geschichte in die roten Zahlen gerutscht war, wieder in die Profitzone steuern…

Bernhard Bartsch | 03. Februar 2010 um 04:20 Uhr

 

Reichlich Potential

Die OECD traut China langfristig hohes Wachstum zu – vorausgesetzt, die Wirtschaftsreformen gehen weiter.

Die heikelste Frage bleibt an diesem Morgen unbeantwortet: Wie stark unterbewertet ist wohl der chinesische Yuan, will ein Reporter wissen. Wie groß ist also der Wettbewerbsvorteil, den China seiner Exportwirtschaft durch Währungsmanipulation verschafft? Pier Carlo Padoan und Richard Herd, kühlköpfige Ökonomen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), können sich ein Lachen nicht verkneifen…

Bernhard Bartsch | 02. Februar 2010 um 12:22 Uhr

 

Vereiste Fronten

Gespräche zwischen China und Exilvertretern sind wieder einmal gescheitert.

Die Erwartungen waren gering, und sie wurden nicht übertroffen: Die jüngste Gesprächsrunde zwischen der chinesischen Regierung und Vertretern des Dalai Lama hat keinerlei Fortschritte gebracht. Stattdessen machte Peking die Exiltibeter gestern erneut in gewohnt scharfer Rhetorik für die ethnischen Probleme in der Himalaja-Region verantwortlich…

Bernhard Bartsch | 02. Februar 2010 um 10:32 Uhr

 

Diplomatischer Stellungskrieg

Peking droht den USA wegen eines Waffenhandels mit Taiwan Sanktionen an.

Chinesische Diplomaten schieben nicht gerne Wochenenddienste, doch in den vergangenen zwei Tagen waren die Sonderschichten unumgänglich. Nachdem die US-Regierung dem Kongress am Freitag vorgeschlagen hatte, Taiwan moderne Waffensysteme im Wert von 6,4 Milliarden Dollar zu liefern, startete Peking umgehend eine Gegenoffensive…

Bernhard Bartsch | 01. Februar 2010 um 04:27 Uhr

 

Entsetzt und verletzt

Chinas Intellektuelle diskutieren im Internet über das harsche Urteil gegen den Demokratieaktivisten Liu Xiaobo.

Als Chinas Kommunistische Partei Ende Dezember den Dissidenten Liu Xiaobo zu elf Jahren Haft verurteilte, war sie auf harsche Kritik ausländischer Medien und Politiker vorbereitet. Sollte die Pekinger Führung jedoch gehofft haben, zumindest im eigenen Land die Debatte über Lius Demokratiemanifest „Charta 08“ beenden zu können, so hat sie sich getäuscht…

Bernhard Bartsch | 30. Januar 2010 um 05:35 Uhr

 

Klemmender Mythos

Toyota muss wegen klemmender Gaspedale bis zu acht Millionen Fahrzeuge zurückrufen. Es ist der größte Image-Unfall in der Konzerngeschichte.

„Nichts ist unmöglich. Toyota“ lautet der Werbeslogan des weltgrößten Autobauers. Nun ist tatsächlich das scheinbar Unmögliche eingetreten: Die Japaner, die über drei Jahrzehnte lang branchenweit den Ruf der zuverlässigsten Produktionsqualität genossen, müssen bis zu acht Millionen Autos aus dem Verkehr ziehen und mit dem größten Image-Unfall der Konzerngeschichte rechnen…

Bernhard Bartsch | 29. Januar 2010 um 05:20 Uhr

 

Ewige Wiederkehr

Der Dalai Lama schickt Abgesandte in die Volksrepublik. Doch auch diesmal sind die Erwartungen an die Gespräche gering.

Das Rad der ewigen Wiederkehr gehört zu den zentralen Glaubenssätzen des Buddhismus: Alles passiert in unendlichen Repetitionen, zwar in stets neuen Variationen, aber letztlich trotzdem immer gleich. Auch die Gespräche zwischen den Exiltibetern und der chinesischen Regierung gleichen diesem Muster. Seit Jahren treffen sich Abgesandte des Dalai Lama und der Kommunistischen Partei, um eine Einigung in der Tibetfrage zu erörtern – bisher jedes Mal vergeblich…

Bernhard Bartsch | 27. Januar 2010 um 05:55 Uhr

 

Tritt auf die Kreditbremse

Peking zieht in der Geldpolitik die Zügel an und schaltet vom Krisenmodus zurück in den Kampf gegen eine Überhitzung der Konjunktur.

Als im Herbst 2008 die Finanzkrise über die Welt hineinbrach, befand sich China mitten im Dauerkampf gegen die Überhitzung der Konjunktur. 16 Monate und einen globalen Jahrhunderteinbruch später machen Pekings Wirtschaftslenker nun dort weiter, wo sie aufgehört haben…

Bernhard Bartsch | 27. Januar 2010 um 05:45 Uhr

 

Mord im Namen des Volkes

In einem chinesischen Dorf gilt ein 18-Jähriger als Held, weil er den korrupten Parteisekretär erstochen hat.

“Es war ein guter Stich”, sagen die Leute und heben die Daumen. Die Messerspitze traf Parteisekretär Li Shiming direkt ins Herz, er brach auf der Stelle tot zusammen. Der Täter, der 18-jährige Zhang Xuping, war schnell gefasst. Mehrere Anwohner hatten ihn davonlaufen sehen und wiesen den Polizisten den Weg. Doch heute ärgern sich einige, dass sie damals nicht die Geistesgegenwart besaßen, die Beamten in die falsche Richtung zu schicken. Zwar war der Stich ins Herz von Parteisekretär Li eine Art Auftragsmord. Die Bezahlung: Handy-Guthabenkarten im Wert von 1 000 Yuan (100 Euro)…

Bernhard Bartsch | 26. Januar 2010 um 05:26 Uhr

 

Autos aus China – nächster Versuch

Chinas größter Autobauer SAIC will mit eigenen Fahrzeugen in Europa Fuß fassen – unter der britischen Traditionsmarke MG.

Der “Landwind” hat es nicht geschafft, auch nicht der “Brilliance” oder der “Great Wall”. Trotzdem startet Chinas Automobilindustrie einen neuen Versuch, um auf dem europäischen Markt Fuß zu fassen. Die Shanghai Automotive Industry Corp. (SAIC), größter Fahrzeughersteller der Volksrepublik, will noch in diesem Jahr in Europa mit dem Verkauf eigener Autos beginnen und wird dafür das Label der britischen Traditionsmarke MG bemühen, die SAIC seit 2005 besitzt…

Bernhard Bartsch | 25. Januar 2010 um 05:42 Uhr

 

China wächst – aber wohin?

Chinesisches BIP legte 2009 um 8,7 Prozent zu. Doch ein Teil der staatlichen Konjunkturspritzen fließt in neue Spekulationsblasen.

James Chanos lebt davon, gegen den Trend zu denken. Vor neun Jahren hat der amerikanische Hedgefonds-Manager ein Vermögen verdient, als er zum richtigen Zeitpunkt auf einen Kursverfall der Aktie des Energiekonzerns Enron wettete. Seitdem wird seinen Prognosen in Investorenkreisen Gewicht beigemessen, weshalb es für ein gewisses Aufsehen sorgte, als Chanos kürzlich über den Absturz der chinesischen Wirtschaft orakelte. Der Immobilienmarkt sei völlig überhitzt, sagt Chanos, und die Volksrepublik sei deshalb “wie Dubai mal tausend – oder schlimmer”…

Bernhard Bartsch | 22. Januar 2010 um 05:51 Uhr

 

Rot stoppt blau

Chinas Zensoren bremsen “Avatar” aus. Die Geschichte der blauen Rebellen weckte bei den Chinesen politisch unkorrekte Assoziationen.

Chinas Zensoren haben offenbar noch freie Kapazitäten: Mitten im Streit um Googles möglichen Rückzug aus der Volksrepublik haben die Behörden sich mit einem zweiten großen US-Konzern angelegt: dem Filmverleiher 21. Century Fox.Dessen Blockbuster „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ soll trotz gewaltigen Besucheransturms aus der Mehrheit der chinesischen Kinos verschwinden…

Bernhard Bartsch | 19. Januar 2010 um 15:45 Uhr

 

Chuzpe statt Change

Chimerica muss warten: Peking will keinen Schulterschluss mit Washington – und beschert Obama eine der größten Pleiten seines ersten Präsidentschaftsjahres.

„No, you can’t“ – das ist die Botschaft, die Barack Obama kurz vor Ende seines ersten Präsidentschaftsjahres aus China erhalten hat. Bei den Klimaschutzverhandlungen in Kopenhagen bescherte Peking dem international gefeierten Politsuperstar eine seiner schmerzlichsten Pleiten: Nicht nur verweigerte Chinas Premier Wen Jiabao Obama den erhofften Minimalkompromiss und zeigte dem sogenannten „mächtigsten Mann der Welt“ die engen Grenzen seines Handlungsspielraums auf…

Bernhard Bartsch | 19. Januar 2010 um 09:53 Uhr

 

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