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Zurück in die Rezession

Nach der humanitären und nuklearen Katastrophe des Erdbebens vom 11. März droht Japan nun auch der wirtschaftliche Absturz.

Die Rezession kehrt zurück: Japans Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte im ersten Quartal um 0,9 Prozent. Auf das Gesamtjahr gerechnet entspricht das einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 3,7 Prozent. Schon im letzten Quartal 2010 hatte es einen Rückgang gegeben. Der Konjunktureinbruch übertrifft die Befürchtungen vieler Experten.

Obwohl in den Quartalszahlen nur 20 Tage aus der Zeit nach dem Erdbeben enthalten sind, erweisen sich die Auswirkungen als gewaltig. Die Industrieproduktion brach im März um 15,5 Prozent ein. Der ohnehin schwache Privatkonsum, der fast zwei Drittel der japanischen Wirtschaft ausmacht, sank um 0,6 Prozent. Der Einbruch hat vor allem zwei Ursachen: zum einen die Stromrationierungsmaßnahmen aufgrund des Ausfalls des Atomkraftwerks Fukushima und anderer Reaktoren, zum anderen die Lieferengpässe von Unternehmen in der vom Erdbeben betroffenen Region.

Die Regierung hofft dennoch, dass die drittgrößte Wirtschaftsmacht der Welt in der zweiten Jahreshälfte wieder wächst. „Die Wirtschaft hat die Kraft, ein Comeback zu feiern“, erklärte Wirtschaftsminister Kaoru Yosano. Der Einbruch sei nur vorübergehend. Die Zuliefererketten in der Industrie seien dabei, sich zu stabilisieren. Außerdem werde der Wiederaufbau die Konjunktur beflügeln. Deshalb halte die Regierung an ihrer Prognose fest, dass Japan in dem im April begonnenen Fiskaljahr mit knapp einem Prozent Wachstum rechnen könne.

Das Land kämpft seit Jahren mit niedrigen Wachstumsraten, ein Ergebnis des niedrigen Konsums, schwacher Exporte aufgrund des hohen Yen-Kurses und einer zunehmend ungünstigen Sozialstruktur. Erst im zweiten Quartal 2009 hatte sich Japan aus der schwersten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg gelöst. Im letzten Quartal 2010 hatte das Land allerdings erneut ein Negativwachstum verzeichnet. Experten waren schon vor der Katastrophe vom 11. März davon ausgegangen, dass Japans Wirtschaft in den ersten drei Monaten weiter schrumpfen werde.

Das verheerende Erdbeben forderte etwa 24000 Menschenleben. Der materielle Schaden wird auf über 200 Milliarden Euro geschätzt. Zumindest moralische Unterstützung erhält Japan von seinen Nachbarn China und Südkorea. Die Regierungschefs beider Länder wollen den geplanten Dreiergipfel am Wochenende nutzen, um die Katastrophenregion zu besuchen. Ob die Nachbarn den Japanern allerdings konkrete Zugeständnisse machen, etwa die von Tokio erbetene Erleichterung von japanischen Lebensmittelimporten, ist unklar.

Bernhard Bartsch | 19. Mai 2011 um 12:49 Uhr

 

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