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Will Kim kämpfen?

Nordkorea versetzt Streitkräfte in volle Gefechtsbereitschaft und deutet Satellitenstart während US-südkoreanischem Manöver an.

Nordkorea hat am Montag die Kommunikation mit Südkorea vollständig abgebrochen und seine Streitkräfte in volle Kampfbereitschaft versetzt. Damit reagierte Pjöngjang auf den Beginn eines zwölftägigen Gemeinschaftsmanövers US-amerikanischer und südkoreanischer Truppen. An der jährlichen Militärübung nehmen diesmal 26 000 US-Soldaten und 30 000 Südkoreaner teil.

In den vergangenen Jahren war Nordkoreas Protest diplomatischer ausgefallen, doch die Beziehungen haben sich verschlechtert. Die beiden Koreas befänden sich am „Vorabend eines Krieges“, hieß es in einer Meldung der offiziellen Nachrichtenagentur KCNA, die für ihre drastischen Formulierungen bekannt ist. Das Manöver sei „beispiellos in der Zahl der beteiligten Aggressortruppen“ und zwinge die Volksarmee zu Maßnahmen „für die Selbstverteidigung und zum Schutz der Souveränität und Würde des Landes“.

Zwar halten Experten die Drohungen für Säbelrasseln, aber in den kommenden Tagen könnte sich die Situation weiter zuspitzen. Denn Nordkorea deutete an, womöglich ausgerechnet während des Manövers einen seit Wochen angekündigten Raketentest ausführen zu wollen. Sollten die „US-Imperialisten und die Kriegstreiber der südkoreanischen Marionetten-Armee“ den Start der mehrstufigen Rakete behindern oder diese abschießen, bedeute das Krieg, verkündete der Generalstab.

Nordkorea will nach eigenen Angaben seinen ersten eigenen Satelliten ins All schießen. Nach Auffassung westlicher Militärexperten ist dies jedoch nur der Vorwand für den Test einer neuen Langstreckenrakete, die theoretisch den US-Bundesstaat Alaska erreichen könnte. Praktische Auswirkungen hatte Pjöngjangs Zorn bisher nur auf rund 700 Südkoreaner, die am Montag nicht in den gemeinsam betriebenen Industriekomplex Kaesong im Norden gelangen konnten. Weil Nordkorea alle Kommunikationsleitungen gekappt hat, blieb die benötigte telefonische Erlaubnis aus.

Doch der Fall erinnert auch daran, dass Pjöngjangs Drohungen längst nicht immer Taten folgen: Bereits im November hatte Nordkorea die vollständige Schließung der Grenze angekündigt, diese dann aber nicht vollzogen. Experten gehen davon aus, dass auch der „heiße Draht “ zwischen Pjöngjang und Seoul nach Ende des Manövers wieder geöffnet wird.

In Nordkorea standen die staatlichen Nachrichten am Montag ohnehin nicht im Zeichen eines nahenden Krieges, sondern feierten den Sieg von Kim Jong Ils Arbeiterpartei bei den Parlamentswahlen am Sonntag. Das Regime wurde mit 100 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt – denn in jedem Wahlkreis stand nur ein Kandidat zur Wahl, und die Stimmabgabe war Pflicht. Der „Geliebte Führer “ stellte sich in Distrikt 333 zur Wahl und gab dort auch seine Stimme ab. Sein 26-jähriger Sohn Kim Jong Un war nicht unter den gewählten Vertretern, wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap meldete.Von ihm hatte es geheißen, er solle als Nachfolger aufgebaut werden.

Erschienen in: Frankfurter Rundschau, 10. März 2009

Bernhard Bartsch | 10. März 2009 um 01:27 Uhr

 

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