RSS Home | Archiv | ImpressumKontakt

Wegen Hiroschima

Der Japaner Yukiya Amano, 62, übernimmt die Führung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA).

Als zum Ende des Zweiten Weltkriegs die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki fielen, war Yukiya Amano noch nicht geboren. Als Japaner fühle er sich jedoch besonders in der Pflicht, für die Nichtverbreitung von Atomwaffen einzutreten. Das hat Amano in den vergangenen Monaten häufig gesagt. Nicht ohne Hintergedanken. Und nicht ohne Erfolg. Jetzt hat der 62-jährige Karrierediplomat das Rennen um die Nachfolge von Mohamed al-Baradei als Chef der Internationalen Atom-energiebehörde (IAEA) gewonnen. Bei ihrer Vollversammlung in Wien ernannten die 150 Mitgliedstaaten ihn zum Generaldirektor. Die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit im IAEA-Gouverneursrat hatte er bereits Anfang Juli erhalten. Seine vierjährige Amtszeit beginnt am 1. Dezember.

Seit 1970 kontrolliert die IAEA die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags, der verhindern soll, dass in der Atomindustrie waffenfähiges Material für Bomben abgezweigt wird. Doch so gewaltig diese Aufgabe ist, so schwer fällt es der IAEA häufig, sie zu erfüllen, wenn Staaten ihren Inspektoren die Einreise verweigern. Der Ägypter Al-Baradei, der die Organisation zwölf Jahre führte und 2005 zusammen mit der IAEA den Friedensnobelpreis erhielt, hinterlässt Amato etliche heikle Konflikte. Ende Mai testete Nordkorea zum zweiten Mal eine Atombombe und will sein Arsenal weiter ausbauen. Erst kürzlich kündigte Pjöngjang Fortschritte bei der Urananreicherung an, womit die Gefahr steigt, dass Nordkorea seine Kenntnisse und Nuklearmaterial an andere Länder weitergibt.

Auch im Atomstreit mit dem Iran deutet sich kein Kompromiss an. Teheran hat zwar jetzt erklärt, über internationale Nuklearabrüstung reden zu wollen, nicht aber über sein eigenes umstrittenes Atomprogramm. Amano sieht die Verbreitung von Atomwaffen als wachsende Bedrohung: „Es ist unwahrscheinlich, dass dieser Trend sich je umkehren wird.“ Er werde sich eher beschleunigen. Der skeptische Amano soll nun gerade die Umkehr bewirken.

Das Terrain, auf dem er sich bewegen muss, kennt er seit Jahrzehnten. 1947 bei Yokohama geboren, studierte er in Tokio Jura. 1972 trat er in den diplomatischen Dienst ein. Nach Studienaufenthalten in Frankreich arbeitete er als Experte für Abrüstung und Nichtverbreitung nuklearer Waffen. 1993 übernahm er im Außenministerium die Abteilung für Atomwissenschaft, später die für Atomenergie. Er vertrat Japan in Atomfragen bei der Genfer Abrüstungskonferenz, in der G7-Gruppe für Nukleare Sicherheit und den UN. 2005 schickte seine Regierung ihn als Gouverneur zur IAEA nach Wien. Dort ist er nun der einflussreichste Japaner auf internationalem Parkett.

Bernhard Bartsch | 15. September 2009 um 02:33 Uhr

 

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.