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USA streichen Nordkorea von Terrorliste

Kritik am Abkommen Washingtons mit Pjöngjang kommt aus Japan – Iran, Syrien, Sudan und Kuba bleiben auf der Terrorliste

Die jahrelange Forderung, Nordkorea müsse die Weltöffentlichkeit vollständig über sein Atomwaffenprogramm sowie seinen internationalen Handel mit Nuklearmaterial informieren, hat Washington Medienberichten zufolge bis auf weiteres aufgegeben. Dabei soll Nordkorea Syrien beim Aufbau eines eigenen Atomreaktors unterstützt haben.

Dennoch erklärte US-Außenamtssprecher Sean McCormack, die von Chefunterhändler Christopher Hill erzielte Vereinbarung enthalte „alles, was wir wollten“. Sollte Nordkoreas Diktator Kim Jong-il sich nicht daran halten, werde Washington ihn sofort wieder auf die Schurkenliste setzen, auf der nun noch Iran, Syrien, Sudan und Kuba stehen. Die Entscheidung sei mit den Teilnehmern der Pekinger Sechsparteiengespräche über Nordkoreas Atomwaffenprogramm abgestimmt, sagte McCormack. Die Verhandlungen, an denen neben den USA und Nordkorea auch Südkorea, China, Russland und Japan teilnehmen, könnten noch im Oktober wiederaufgenommen werden.

In Südkorea wurde der Schritt begrüßt. Seouls Atomunterhändler Kim Sook erklärte, die Arbeiten zur Stilllegung des Atomreaktors Yongbyon würden „sofort“ wieder aufgenommen. Die Inspekteure der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO), denen vergangene Woche noch der Zutritt zum Gelände des Reaktors Yongbyon verweigert worden war, sollen nun wieder Proben entnehmen, Dokumente einsehen und mit nordkoreanischen Atomexperten sprechen dürfen. Nach Streitigkeiten über den Zeitpunkt der Absetzung von der Terrorliste hatte Nordkorea in den vergangenen Wochen Schritte zur Wiederinbetriebnahme der Plutoniumanreicherungsanlage unternommen. Sein Atomwaffenarsenal, das Geheimdienstberichten zufolge rund zehn Sprengköpfe enthalten soll, hält Pjöngjang weiter geheim.

In Japan, wo man sich von Nordkoreas Drohgebärden besonders bedroht fühlt, rief die Absetzung von der Terrorliste Kritik hervor. Zwar verkniff sich Premier Taro Aso, der von US-Präsident George W. Bush in einem Telefonat über den Schritt informiert wurde, öffentlicher Kommentare, Finanzminister Shoichi Nakagawa nannte ihn aber „extrem bedauerlich“. „Meiner Meinung nach haben die USA diese Entscheidung nicht in enger Abstimmung mit ihrem Verbündeten Japan getroffen“, erklärte er am Rande eines Gipfels der G-7-Finanzminister in Washington. Er erinnerte an die noch nicht erfolgte Aufklärung über Entführungen japanischer Staatsbürger. In den Siebzigern und Achtzigern sollen Pjöngjangs Agenten Dutzende Japaner gekidnappt haben, um sie als Sprachlehrer für antijapanische Spione einzusetzen.

Die Absetzung stellt für Kim einen raren außenpolitischen Erfolg dar. Intern hat er ihn noch nicht ausgespielt: Nordkoreas Staatsmedien berichteten bisher nicht über das Ende des Terrorstatus. Womöglich hat der „Geliebte Führer“ es auch nicht eilig, sein Volk darüber in Kenntnis setzen. Sein Regime bezieht seine Legitimation großteils aus dem Kampf gegen die „amerikanischen Imperialisten“. Pjöngjang hat also Grund, die gefühlte Feindschaft aufrechtzuerhalten. Nordkoreas Staatsmedien bemühten sich in den vergangenen Tagen, Spekulationen über Kims Gesundheitszustand entgegenzuwirken.

Bernhard Bartsch | 13. Oktober 2008 um 04:34 Uhr

 

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