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Ungleiche Nachbarn

Japan rutscht tiefer in die Rezession, während China erste Anzeichen einer Wende sieht.

Die Wirtschaftsmächte Ostasiens senden in der Krise unterschiedliche Konjunktursignale. Japan, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, versinkt immer tiefer in der Rezession. China, die Nummer drei der globalen Wirtschaftsrangliste und damit knapp vor Deutschland, sieht dagegen Anzeichen für ein Ende des Abschwungs und mutet sich sogar schon eine Erhöhung der Benzinpreise zu.

Die Japaner, die im vergangenen Herbst vom Kollaps des Finanzwesens zunächst verschont blieben, sind von den realwirtschaftlichen Auswirkungen mittlerweile stärker betroffen als jede andere Industrienation. Wie Tokios Finanzministerium am Mittwoch mitteilte, lagen Japans Ausfuhren im Februar um 49,4 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum und betrugen nur noch 3,5 Billionen Yen (26,3 Milliarden Euro). Das ist der tiefste Einbruch seit Erfassung der Handelsstatistiken im Januar 1980. Schon im Januar hatten die Ausfuhren einen Negativrekord erreicht, als sie um fast ein Drittel sanken. Japans Exportdaten verzeichnen damit zum fünften Mal in Folge ein Minus. Da die Ausfuhren rund 15 Prozent des japanischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausmachen, kostete allein der gesunkene Absatz von „Made in Japan“ in der Welt mehrere Prozentpunkte. Die Rezession wird durch die ebenfalls schwache Binnenkonjunktur eher verschlimmert als aufgefangen. Zusätzlich unter Druck geraten die japanischen Produkte durch den teuren Yen, der im Februar gegenüber dem Dollar 18,7 Prozent mehr Wert war als vor einem Jahr. Insbesondere der Absatz von Autos und Fahrzeugteilen sowie Halbleitern ging dramatisch zurück. Auch Japans Importe sackten im Februar mit 43 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert stärker ab als je zuvor. Nach einem Handelsbilanzdefizit im Januar verzeichnete Japan allerdings wieder einen knappen Überschuss.

„Japans wirtschaftliche und finanzielle Situation ist weiterhin ernst“, sagte Japans stellvertretender Zentralbankchef Hirohide Yamaguchi. Japans Wachstumsmodell beruhe auf ausländischer Nachfrage nach haltbaren Konsumgütern und Investitionsgütern wie Autos, elektronischen Geräten und Maschinen. „Die jüngste globale Rezession hat unseren Mechanismus schwer getroffen.“ Eine weitere Zinssenkung sei nicht auszuschließen. Dabei hat die Notenbank den Leitzins bereits auf 0,1 Prozent gesetzt.

Japans regionaler Konkurrent China gibt sich derweil zuversichtlich. Zentralbank-Berater Fan Gang erklärte am Mittwoch, die Talsohle sei bereits erreicht: „dank des Konjunkturprogramms und angesichts von Zeichen der Wiederbelebung in einigen Branchen“. Seinen Optimismus stützt der Ökonom auf einen Anstieg der Autoverkäufe um 25 Prozent sowie auf eine wiederbelebte Investitionstätigkeit. Der Nachfragerückgang bei Stahl und Energie habe sich verlangsamt. Ein weiteres Zeichen der Zuversicht sendete die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission, die den Preis für Benzin um fünf Prozent anhob. Um den Binnenkonsum anzukurbeln, wollen mehrere Provinzen außerdem Anfang Mai wieder eine allgemeine Ferienwoche ausrufen.

Chinas Premier Wen Jiabao hat erklärt, sein Land solle in diesem und im kommenden Jahr jeweils ein Wirtschaftswachstum von acht Prozent erreichen. Die Weltbank traut China allerdings nur 6,5 Prozent zu.

Erschienen in: Der Tagesspiegel, 26.März.2009

Bernhard Bartsch | 26. März 2009 um 03:03 Uhr

 

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