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Und noch ein Konjunkturpaket

Schwaches Wachstum, starker Yen: Japan kämpft gegen die Deflation. Mit einem neuen Konjunkturpaket soll der Wirtschaftsmotor endlich wieder anspringen.

Mit der Weltwirtschaft geht es wieder bergauf – doch an Japan droht die konjunkturelle Erholung vorbeizugehen. Weil das Land seit anderthalb Jahren in der Deflation steckt, sehen sich Notenbank und Regierung gezwungen, abermals Geld ins System zu pumpen, in der Hoffnung, dass der Wirtschaftsmotor endlich anspringt.

In einer Krisensitzung beschlossen Tokios Notenbanker am Montag, den Finanzmärkten weitere 10 Billionen Yen (92 Mrd. Euro) zum festen Zinssatz von nur 0,1 Prozent, zur Verfügung zu stellen. Die Unsicherheit über den Wirtschaftsausblick sei noch gestiegen, begründete der Gouverneur der Bank of Japan (BoJ), Masaaki Shirakawa, den Schritt. Die neue Geldspritze ist noch einmal halb so groß wie das 20 Billionen Yen schwere Finanzpaket vom vergangenen Dezember und soll den Märkten noch einmal die Botschaft vermitteln, dass an Kapital kein Mangel ist.

Doch Experten bezweifeln, ob dies das richtige Signal ist, und auch die Börse reagierte enttäuscht. Der Nikkei-Index, der vor der Sitzung der Notenbank noch bis zu drei Prozent im Plus lag, verlor nach Bekanntwerden des Ergebnisses wieder über ein Prozent an Wert. Denn die Medizin der Notenbank passt schlecht zu Japans Krankheit. Das billige Geld soll japanischen Unternehmen ermöglichen, im eigenen Land günstig zu investieren, obwohl der Bedarf nach neuen Fabriken oder moderneren Anlagen derzeit gering ist. Das Problem ist vielmehr die schwache Nachfrage nach japanischen Produkten, im eigenen Land ebenso wie auf den Weltmärkten.

Vor allem der teure Yen verhindert, dass Japan vom Anziehen der globalen Konjunktur profitieren kann. Gegenüber der Währung der USA, dem mit Abstand wichtigsten Markt für japanische Exporte, ist der Yen so teuer wie seit 15 Jahren nicht mehr. Zum Euro steht die japanische Währung auf dem höchsten Stand seit neun Jahren. Infolgedessen wächst Japans Wirtschaft derzeit weit langsamer als das vergleichbarer Industrienationen. Im zweiten Quartal stieg das japanische Bruttoinlandsprodukt gerade einmal um 0,4 Prozent. Noch größere Sorge bereitet die Regierung die Deflation. Im Juli lagen die Konsumentenpreise 1,1 Prozent niedriger als im Vorjahr. Damit fiel der Index 17 Monate in Folge. Eine Deflationsspirale ist für eine Volkswirtschaft weitaus gefährliche als ihr Gegenteil, die Inflation. Denn wenn die Preise fallen, sinken die Umätze und Gewinne der Unternehmen, die daraufhin weniger investieren können und Arbeitsplätze abbauen, womit der Binnenkonsum noch weiter geschwächt wird.

Doch weil es gerade die Inlandskaufkraft zu stärken gilt, will die Regierung ihrerseits ebenfalls ein weiteres Stimulierungspaket auf den Weg bringen.
Regierungschef Naoto Kan kündigte am Montag ein weiteres Konjunkturprogramm in Höhe von 920 Milliarden Yen (rund 8,5 Milliarden Euro) an. Die Maßnahmen, über die das Kabinett kommende Woche abstimmen will, soll den Kauf umweltfreundlicher Produkte ankurbeln, Studenten bei der Jobsuche helfen und kleine Firmen unterstützen.

Bernhard Bartsch | 30. August 2010 um 16:34 Uhr

 

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