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Und Kim spricht doch

Nordkorea nimmt Verhandlungen mit dem Süden wieder auf. Der Weg zu neuen Atomwaffengesprächen führt zunächst über Wirtschaftskontakte.

Kim Jong-il hat es in der Isolation nicht lange ausgehalten. Nur eine Woche, nachdem der Tyrann von Pjöngjang die Welt wissen ließ, dass er seine Atomwaffenentwicklung wieder aufnehmen und „niemals mehr“ über einen Verzicht verhandeln wolle, nahm Nordkorea neue Gespräche mit dem Süden auf.

Eine Delegation von Regierungsbeamten aus Seoul reiste am Dienstag in die nordkoreanische Grenzstadt Kaesong, wo beide Seiten gemeinsam einen Industriepark betreiben. Es ist das erste derartige Treffen seit dem Amtsantritt des südkoreanischen Präsidenten Lee Myung Bak im Februar 2008. Der konservative Lee hatte im Atomwaffenstreit eine härtere Tonart angeschlagen, worauf Pjöngjang die Beziehungen auf Kollisionskurs gesteuert und mit Krieg gedroht hatte. Die täglichen Hetztiraden nordkoreanischer Staatsmedien rissen trotz der anstehenden Gespräche nicht ab. „Die USA und Lee Myung Baks Gruppe sind die Erzbelästiger von Frieden und Sicherheit“, titelte am Montag die offizielle Nachrichtenagentur KCNA. Eine andere Meldung lautete: „Lee Myung Baks Annäherungsdiplomatie ist lächerlich“.

Nach Angaben des südkoreanischen Wiedervereinigungsministeriums seien die Gespräche in Kaesong dennoch auf Einladung des Nordens zustande gekommen. Dabei soll die Zukunft der gemeinsamen Entwicklungszone im Vordergrund stehen. Für den Norden ist Kaesong eine wichtige Deviseneinnahmequelle, für den Süden ein vorteilhafter Niedriglohnstandort. Wegen der angespannten Beziehungen hatten die südkoreanischen Unternehmen zuletzt wiederholt den Zugang zu ihren Fabriken verweigert bekommen. Für Streit sorgt seit Ende März zusätzlich die Verhaftung eines südkoreanischen Firmenangestellten, der gegenüber nordkoreanischen Arbeitern abfällig über die Pjöngjanger Führung gesprochen haben soll. Auch zwei US-amerikanische Journalisten befinden sich seit über einem Monat in nordkoreanischer Gefangenschaft.

Ob Kim mit seiner Einladung eine diplomatische Kehrtwende vollziehen oder nur wieder einmal Verwirrung stiften will, ist unklar. Allerdings bekommt er von seinem engsten Verbündeten, der Volksrepublik China, seit Tagen Druck, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Das chinesische Außenministerium forderte wiederholt, die Pekinger Sechs-Parteien-Gespräche, bei denen seit 2003 Vertreter von Nord- und Südkorea, China, den USA, Japan und Russland über ein Ende des nordkoreanischen Atomprogramms beraten, wieder aufzunehmen. Peking rief außerdem die USA dazu auf, Schritte zu einer Annäherung mit Nordkorea zu ergreifen. Im Lauf dieser Woche soll auch Russlands Außenminister Sergei Lavrov nach Pjöngjang reisen, um Nordkorea zu einer neuen Gesprächsrunde in Peking zu bewegen.

Trotz der anhaltenden Bemühungen um eine Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel, erklärte der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Mohammed al Baradei, am Montag in Peking am Rande einer Kernenergiekonferenz, Nordkorea müsse schon heute als Atomstaat gelten. Obwohl Pjöngjang vergangenes Jahr seinen Versuchsreaktor Yongbyon stillgelegt und teilweise zerstört hatte, könne das Atomprogramm innerhalb „von Monaten“ reaktiviert werden. „Ich mag es nicht, irgendein Land als Atomwaffenstaat anzuerkennen“, erklärte die IAEA-Chef am Rande einer internationalen Kernenergiekonferenz. „Die Welt muss sich der Realität stellen.“

Bernhard Bartsch | 21. April 2009 um 00:54 Uhr

 

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