Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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Ohne Filter

Googles Umzug könnte auch für China eine Gesicht wahrende Lösung sein.

Wissen ist Macht. Kein Wunder, dass die Kommunistische Partei Chinas es als direkten Angriff auf ihre Herrschaft betrachtet, dass der US-Internetkonzern Google den Chinesen ungefilterten Zugang zu Informationen ermöglichen will. Die strikte Kontrolle darüber, was das Volk wissen darf und was nicht, ist eine tragende Säule der Pekinger Ein-Partei-Diktatur. Die Zensur verhindert, dass in China die Macht vom Volke ausgehen kann…

Bernhard Bartsch | 24. März 2010 um 03:16 Uhr

 

Google geht aufs Ganze

Google betreibt seinen chinesischen Suchdienst künftig von Hongkong aus. Peking sieht das als Affront.

Herr Sun ist ein Zensor. Für einen großen chinesischen Internetkonzern reinigt er Blogs und Chatforen von „ungesunden Inhalten“: pornographischen Bildern und Gewaltdarstellungen, vor allem aber kritischen Texten, die den zentral kontrollierten Wahrheiten der Kommunistischen Partei zuwiderlaufen. „Wir bekommen jeden Tag neue Listen mit Begriffen, die wir überprüfen müssen“, erzählt Sun…

Bernhard Bartsch | 23. März 2010 um 17:13 Uhr

 

“Wer schweigt, wird Teil des Systems”

Der Künstler Ai Weiwei über Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller, seinen Rechtsstreit mit der chinesischen Regierung und Kunst in Zeiten des Internets.

Bernhard Bartsch: Herr Ai, Sie werden beim Literaturfest lit.Cologne mit Herta Müller über “Politik und Kunst” diskutieren. Haben Sie schon einmal etwas von ihr gelesen?

Ai Weiwei: Ich habe zwei Bücher und ihre Nobelpreisrede gelesen – aber nur, weil ich sie treffen werde. Ich bin kein guter Leser und habe kaum Vergleichsmöglichkeiten. Trotzdem finde ihre Werke einzigartig und habe großen Respekt davor, wie hartnäckig und leidenschaftlich sie ihre Themen behandelt…

Bernhard Bartsch | 10. März 2010 um 15:05 Uhr

 

Die Rebellion des Zuhörens

Der regimekritische Autor Liao Yiwu darf nicht nach Deutschland reisen – aber Deutschland zu ihm. Ein Besuch in Chengdu.

Er steht allein am Rand der sechsspurigen Straße und erkennt das Auto schon von weitem. “Hier kommen nicht viele Taxis her”, sagt Liao Yiwu, setzt sich neben den Fahrer und lotst ihn durch die Baustellenlandschaft von Wenjiang, einen Vorort von Sichuans Provinzhauptstadt Chengdu. “Gehen wir lieber in ein Teehaus, zuhause stehen noch immer Polizisten vor meiner Tür.” Am Vortag haben sie den Schriftsteller am Flughafen in Chengdu festgenommen, weil er zum Kölner Literaturfest lit.Cologne reisen wollte…

Bernhard Bartsch | 03. März 2010 um 14:47 Uhr

 

China verbietet Autor Deutschlandreise

Polizei stellt Regimekritiker Liao Yiwu unter Hausarrest – trotz Bitten der Bundesregierung, ihn zum Kölner Literaturfest lit.Cologne reisen zu lassen.

China hat den regimekritischen Schriftsteller Liao Yiwu daran gehindert, zum Kölner Literaturfest „lit.Cologne“ zu reisen. Der 51-Jährige wurde am Montag am Flughafen der südwestchinesischen Stadt Chengdu festgenommen und anschließend unter Hausarrest gestellt. Er wollte nach Peking fliegen und von dort am Freitag nach Deutschland weiterreisen. „Ich saß bereits im Flugzeug, als die Stewardess mir sagte, dass ich die Maschine wieder verlassen müsse“, sagte Liao in einem Telefonat mit dem Autor…

Bernhard Bartsch | 01. März 2010 um 13:13 Uhr

 

Glorreiche Zeiten

Big Brother made in China: Ein satirischer Roman beschreibt die Volksrepublik als Orwellschen Alptraum. Das Buch wird trotz Publikationsverbots heiß diskutiert.

China im Jahr 2013: Die Volksrepublik ist wieder ein Reich der Mitte. Der Westen ist in einer zweiten Runde der Finanzkrise kollabiert, doch China hat sich rechtzeitig abkoppeln können und ist nun stärker als je zuvor. Das Staatsunternehmen Wang Wang hat den amerikanischen Kaffeeröster Starbucks übernommen, Pekings Eliten trinken Frankreichs Weinkeller leer, und keine ausländische Regierung wagt mehr, Chinas Regierung zu kritisieren. Das chinesische Volk liebt seine Kommunistische Partei und sieht sich am Beginn eines neuen “glorreichen Zeitalters”. So hat es die Volkszeitung angekündigt, und wer würde an ihren Vorhersagen zweifeln?…

Bernhard Bartsch | 22. Februar 2010 um 11:42 Uhr

 

Rot stoppt blau

Chinas Zensoren bremsen “Avatar” aus. Die Geschichte der blauen Rebellen weckte bei den Chinesen politisch unkorrekte Assoziationen.

Chinas Zensoren haben offenbar noch freie Kapazitäten: Mitten im Streit um Googles möglichen Rückzug aus der Volksrepublik haben die Behörden sich mit einem zweiten großen US-Konzern angelegt: dem Filmverleiher 21. Century Fox.Dessen Blockbuster „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ soll trotz gewaltigen Besucheransturms aus der Mehrheit der chinesischen Kinos verschwinden…

Bernhard Bartsch | 19. Januar 2010 um 15:45 Uhr

 

“Ich spekuliere nur”

Chinas Starblogger Han Han malt sich aus, wie weit Chinas Zensoren wohl gehen werden, um die Kontrolle über das Internet aufrecht zu erhalten. Eine Satire.

Wenige Tage, nachdem Google im Streit um Hackerangriffe und gefilterte Suchergebnisse seinen Rückzug aus China angekündigt hat, veröffentlicht der Schriftsteller, Blogger und Autorennfahrer Han Han auf seinem Blog eine Zensursatire. Nur wenige Stunden nach ihrer Veröffentlichung wird sie von den Behörden gelöscht. Mit Genehmigung des Autors hier eine gekürzte Version:

Jahr 2010: China beginnt eine Internet-Säuberungskampagne mit dem Slogan: „Wen man drei Tage lang nicht haut, der steigt einem aufs Dach.“ (Chinesisches Sprichwort für unartige Kinder. Anmerkung B.B.)

Bernhard Bartsch | 18. Januar 2010 um 18:01 Uhr

 

Ein Geschenk für Baidu

Chinas größter Internetsuchdienst wertet den angedrohten Rückzug von Google als eigenen Erfolg.

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte: Dass Google im Konflikt mit Peking um Hackerangriffe und Internetzensur seinen Rückzug aus der Volksrepublik erklärt hat, ist für Googles chinesischen Konkurrenten Baidu ein unverhofftes Geschenk. Das im Westen noch weitgehend unbekannte IT-Unternehmen – in Chinas Suchmaschinengeschäft mit 70 Prozent Marktanteil die klare Nummer eins – dürfte künftig de facto eine Monopolstellung genießen…

Bernhard Bartsch | 15. Januar 2010 um 08:31 Uhr

 

Maulkorb für Journalisten

Wie Pekings Protokoll bei Staatsbesuchen heikle Fragen verhindert.

Wenn der neue Außenminister Guido Westerwelle am Freitag zu seinem Antrittsbesuch in der chinesischen Hauptstadt eintrifft, bekommt er es gleich mit den Besonderheiten des chinesischen Protokolls zu tun. Der FDP-Politiker darf zwar nach dem Gespräch mit seinem Amtskollegen Yang Jiechi gemeinsam mit ihm vor die Presse treten – doch Fragen von Journalisten haben sich die Machthaber in Peking verbeten…

Bernhard Bartsch | 14. Januar 2010 um 09:59 Uhr

 

Nicht mehr böse

Google will sich nicht länger den chinesischen Zensurbestimmungen unterwerfen – und dem größten Computermarkt der Welt notfalls ganz den Rücken kehren.

“Um 11:45 Uhr möchte ich Google Blumen überreichen, wer macht mit?” lautete die Nachricht, die ein chinesischer Internetnutzer mit dem Codenamen “Richter Li” auf seiner Twitterseite veröffentlichte. Gut eine Stunde später stehen 30 junge Chinesen mit Sträußen vor dem Pekinger Bürohaus, in dem der US-Internetkonzern sein China-Hauptquartier hat. “Wir sind stolz auf Google”, sagt eine Frau, die als Programmiererin für den chinesischen Konkurrenten Sina arbeitet…

Bernhard Bartsch | 13. Januar 2010 um 23:46 Uhr

 

Die Netzmächtigen

Asiens Bloggerszene diskutiert in Hongkong über Strategien gegen Autokraten.

Thet Htoo sieht nicht aus wie ein Mann mit Macht. Er ist Ende zwanzig, Computerfreak mit langen Haaren und verwaschenen Jeans, der lieber auf den Bildschirm seines Notebooks schaut als seinem Gegenüber in die Augen. Doch mehr als einen Rechner braucht es nicht, um mächtig zu sein. Thet Htoo ist Mitbegründer der Bloggervereinigung Burmas – und damit für Ranguns Militärherrscher ein gefährliches Element…

Bernhard Bartsch | 08. November 2009 um 10:09 Uhr

 

Kein Mauerfall in China

Das Jubiläum des Mauerfalls wird China weitgehend verschwiegen – von einer friedlicher Revolution will die Parteiführung bis heute nichts wissen.

Mauerfall oder kein Mauerfall? Was für eine Frage! Die Deutschlektorin an einer chinesischen Universität, in der DDR geboren und derzeit als Dozentin tätig, ringt seit Wochen mit dieser Frage. “Es würde mich natürlich sehr reizen, den Mauerfall zum Anlass zu nehmen, um mit meinen Studenten eine richtig heiße Diskussion über das Ende des Kommunismus zu führen”, sagt sie. “Aber ich werde es mir verkneifen müssen.”…

Bernhard Bartsch | 06. November 2009 um 05:13 Uhr

 

“China ist surreal”

Der Schriftsteller Yu Hua spricht im Interview über sein Lieblingsbuch, konkurrierende Chinabilder und Pekings Instrumentalisierung chinesischer Auslandsstudenten.

Yu_HuaHerr Yu, bei der Frankfurter Buchmesse werden viele verschiedene Chinabilder aufeinanderprallen: positive und negative, geschönte und geschwärzte, gut und schlecht informierte. Was für eines steuern Sie bei?

Vielleicht das surreale. Ich bemühe mich in meinen Büchern zwar um eine objektive Beschreibung der chinesischen Gegenwart. Aber die Entwicklung, die China in den vergangenen Jahrzehnten durchgemacht hat, ist absolut unwirklich. Normalerweise sehen wir Schriftsteller uns ja gerne als Ärzte der Gesellschaft, die soziale Phänomene diagnostizieren. Aber in der heutigen chinesischen Gesellschaft geht das nicht mehr. Da sind wir alle Patienten…

Bernhard Bartsch | 12. Oktober 2009 um 02:20 Uhr

 

Massaker an der Meinungsfreiheit

Chinas Sicherheitsbehörden verbieten dem Dichter Liao Yiwu, zur Buchmesse nach Deutschland zu fahren.

Wir erleben ein Massaker in diesem Land der Utopien. Der Regierungschef braucht sich nur zu erkälten, und schon müssen die Massen mit ihm niesen.” So beginnt das Gedicht “Massaker”, in dem der chinesische Dichter Liao Yiwu im Juni 1989 seinem Entsetzen über das Blutbad auf dem Platz des Himmlischen Friedens Luft machte…

Bernhard Bartsch | 24. September 2009 um 17:31 Uhr