Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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“Die Partei muss sich der Realität stellen”

Der Arbeiterrechtler und ehemalige Tiananmen-Anführer Han Dongfang über Streiks in Chinas Fabriken, gehighjackte Gewerkschaften und das Vorbild Deutschland.

Bernhard Bartsch: Herr Han, nach den Streiks bei Honda und den Selbstmorden bei Foxconn gewinnt man den Eindruck, dass Chinas Arbeiter zunehmend unzufrieden werden. Stimmt das?

Han Dongfang: Zweifellos. In den meisten Fabriken sind die Löhne so niedrig, dass es einfach nicht weitergehen kann wie bisher. Das wird auch in China allgemein anerkannt. Die Medien schreiben immer häufiger über die Probleme in den Fabriken. Das führt dazu, dass die junge Arbeitergeneration, die ja mit dem Internet aufgewachsen ist, sehr gut über ihre Situation informiert ist. Sie kennt ihre Rechte und ist bereit, dafür zu kämpfen…

Bernhard Bartsch | 15. Juni 2010 um 14:25 Uhr

 

Tragischer Arbeitskampf

Bei Foxconn, dem größten Computerhersteller der Welt, haben sich seit Jahresbeginn zehn Arbeiter umgebracht. Großkunden wie Apple und Dell werden nervös.

Es ist ein ungewöhnlicher und tragischer Arbeitskampf, der sich derzeit in der südchinesischen Industriemetropole Shenzhen abspielt. Nachdem sich seit Jahresbeginn zehn Mitarbeiter des Computerhersteller Foxconn das Leben genommen haben, hat der Konzern der Belegschaft eine Lohnerhöhung von zwanzig Prozent versprochen. Die taiwanesischen Eigentümer wollen so das unter ihren Angestellten offenbar weit verbreitete Gefühl von Perspektivlosigkeit bekämpfen – und ihr eigenes Image retten…

Bernhard Bartsch | 28. Mai 2010 um 04:33 Uhr

 

Kommando zurück

Durch die Finanzkrise verloren Millionen chinesischer Wanderarbeiter plötzlich ihren Job. Nun sollen sie ebenso plötzlich in die Fabriken zurückkehren.

Zhang Quanshou sucht wieder Angestellte. “Kommt zurück: Im Perlflussdelta mangelt es an Wanderarbeitern”, lauteten die Schlagzeilen, mit denen die Zeitungen kürzlich über die jüngste Geschäftsreise von Chinas berühmtestem Jobvermittler berichteten. “Vor vier Monaten gab es keine Jobs, jetzt gibt es keine Arbeiter”, erklärt der als “Wanderarbeiterkommandant” bekannte Zhang…

Bernhard Bartsch | 19. August 2009 um 03:43 Uhr

 

In Chinas Goldgrube

Mao in GoldKein Land fördert mehr Gold als China. Doch auch in der Volksrepublik bekommen die Goldgräber vom Reichtum nur wenig ab. Ein Besuch in der Minenstadt Zhaoyuan.

Wenn Feng Jinmin seine Visitenkarte verteilt, erntet er ein bewunderndes Nicken. «Die Leute zeigen auf meinen Vornamen und sagen, meine Eltern hätten wohl gewusst, was aus mir werden würde», erzählt der 43-Jährige. «Aber was soll einer mit meinem Namen anderes tun, als in einer Goldmine zu arbeiten?» sagt Feng Jinmin und lacht. «Jin» heisst Gold, «min» klug…

Bernhard Bartsch | 10. April 2009 um 08:58 Uhr

 

Endspiel in Tibet

Am 10. März 1959 erhob sich Tibet gegen die chinesischen Besatzer. 50 Jahre später ist die kulturelle Eigenständigkeit der Einheimischen mehr denn je bedroht.

TibetDas kleine Wäldchen auf der Bergkuppe sieht nicht nach einem Schlachtfeld aus. “Aber manchmal haben wir hier richtige Gefechte”, erzählt ein Bauer aus dem Dorf im Tal, in dem seine Familie dem widerspenstigen Hochland mit Yak- und Schafzucht seit Generationen ein karges Auskommen abringt. “Wenn einer von uns Tibetern zum Holzschlagen geht, greifen die Muslime ihn an”, erklärt er, “und wenn einer von denen Bäume fällt, lassen wir uns das natürlich nicht gefallen.”

Bernhard Bartsch | 09. März 2009 um 06:13 Uhr

 

Die Vorarbeiterin der Herzen

Eine Wanderarbeiterin soll als Volkskongress-Abgeordnete beweisen, dass Chinas Führung auf die Stimmen der Schwachen hört.

«Xiaoyan, komm her», ruft die Pressekoordinatorin und zerstört mit ihrem militärischen Ton sogleich den schönen Schein, den aufzubauen eigentlich ihre Aufgabe sein sollte: den Schein, Hu Xiaoyan habe etwas zu sagen. Schließlich ist die junge Frau in dem grauen Kostüm, die sogleich dienstbeflissen durch die Hotelhalle herbeieilt, Mitglied im Nationalen Volkskongress…

Bernhard Bartsch | 08. März 2009 um 14:45 Uhr

 

Erklären, beruhigen – notfalls bekämpfen

In China haben 20 Millionen Wanderarbeiter ihre Jobs verloren. Die Regierung bereitet sich auf Unruhen vor.

Krise ist, wenn an Chinas Bahnhöfen nach den Neujahrsferien kein Chaos herrscht. Als sich vor zwei Wochen 240 Millionen Chinesen auf den Weg in ihre Heimat machten, befand sich das Transport systems am Rande des Zusammenbruchs. Zum Ende der Frühlingsferien geht es deutlich entspannter zu. Der Grund: Millionen Wanderarbeiter haben keinen Arbeitsplatz mehr…

Bernhard Bartsch | 03. Februar 2009 um 01:43 Uhr

 

Sind wir nicht alle ein bisschen Shanzhai?

Zum Frühlingsfest inszeniert Chinas Internetgemeinde eine Kopie der staatlichen Neujahrsgala. Ihre Stars sind Wanderarbeiter, Hochzeitsentertainer und Provinz-Hip-Hopper.

Stars_der_Shanzhai-Gala_(Copyright_Bernhard_Bartsch)Der Gesang ist schief, aber er kommt aus tiefstem Herzen. „Liebe Soldatenbrüder, ich weiß nicht, wo ihr seid?“ schmettert Han Zurong, „aber ich wünsche euch ein schönes Jahr.“ Der 29-Jährige hat das Lied selbst geschrieben und wenn er singt, geigt er vor seinem inneren Ohr ein ganzes Orchester mit. Dabei steht Han ganz allein zwischen Haufen schmutziger Bettlaken in der Wäschekammer eines Tagungshotels am Stadtrand von Peking…

Bernhard Bartsch | 23. Januar 2009 um 16:20 Uhr

 

Chinas Ochsentour ins neue Jahr

250 Millionen Chinesen reisen zum traditionellen Neujahrsfest in ihre Heimat. Der Schwarzhandel mit Fahrkarten ist dabei ein Milliardengeschäft.

Das Jahr des Ochsen beginnt für Zhou Xiaofeng mit einer wahren Ochsentour. Sechs Stunden hat sie an diesem Morgen bei Minusgraden am Pekinger Hauptbahnhof angestanden, um ein Ticket in ihr Heimatdorf in der südchinesischen Provinz Zhejiang zu kaufen. Die Fahrt wird eine ganze Nacht dauern, und da Zhou im Zug eng eingezwängt stehen wird, will sie nicht nur ihrem dreijährigen Sohn, sondern auch sich selbst Windeln anlegen.

Bernhard Bartsch | 21. Januar 2009 um 17:13 Uhr

 

Rette sich, wer kann

Die Finanzkrise kostet Millionen chinesischer Arbeiter ihren Job. Pekings Konjunkturprogramm soll sie auffangen, könnte aber manche Probleme noch verschärfen.

Am Ende wählte Shi Hailin die Flucht, was zumindest für seine Sicherheit womöglich die richtige Entscheidung war. Der Besitzer der Keramikfabrik Yekui in der südchinesischen Provinz Guangdong mit der Hauptstadt Guangzhou schuldete seinen Arbeitern zwei Monate Gehalt…

Bernhard Bartsch | 15. Dezember 2008 um 10:47 Uhr

 

“Komme vom Dorf, habe Milch”

Nach dem chinesischen Babymilchskandal erlebt der Beruf der Stillamme eine Renaissance. Frauen vom Land verdienen plötzlich städtische Spitzengehälter – und lassen dafür mitunter ihre eigenen Kinder im Stich.

Das Bewerbungsschreiben war kurz und bündig: „Komme vom Dorf, bin total biologisch und habe viel Milch“, lautete die Anzeige, mit der dieser Tage eine Chinesin im Internet auf Jobsuche ging…

Bernhard Bartsch | 01. November 2008 um 17:58 Uhr

 

“Oh Papa, wie kannst du nur so dumm sein?”

Geng Hongtao möchte kein Bauer mehr sein. Sein Problem: 800 Millionen Chinesen wollen das Gleiche. Denn „Bauer“ ist in Chinas Städten inzwischen ein Schimpfwort.

Wenn Geng Hongtao in den Wintermonaten zu seinen Terminen geht, friert er ganz fürchterlich. Darauf ist er stolz, denn wenn ihm die Kälte in die Knochen zieht, hat er das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein. Meistens kommt er schon etwas früher, betrachtet aus sicherer Entfernung den Treffpunkt und sucht sich ein öffentliches Klo. Dort zieht er sein Jackett und den dicken Armee-Pullover aus,

Bernhard Bartsch | 01. November 2006 um 05:23 Uhr

 

Hoher Spann

Wie man für 30 Mark in Fußstapfen des Großen Vorsitzenden treten kann – ein Besuch bei Maos Schuster.

Der, den wir suchen, ist in keinem Pekingführer aufgelistet. Kein Reisebüro kennt seinen Namen und kein Wegweiser verrät, wo er zu finden ist. Allzu verwechselbar ist sein altes Hofhaus. Wäsche hängt im Gang, auf dem Boden sind runde Kohlebrickets aufgestapelt und mitten auf dem Weg steht eine große Plastikwanne mit frisch gespühltem Geschirr.

Bernhard Bartsch | 04. August 2001 um 12:43 Uhr