Machtmittel Yuan
Hat Peking im Yuan-Streit dem Druck des Auslands nachgegeben?
Westliche Politiker und Wirtschaftsverbände werfen China seit Jahren vor, seinen Exporten auf dem Weltmarkt mit einem künstlich billigen Währungskurs unfaire Vorteile zu schaffen. Nun hoffen sie, die Volksrepublik endlich auf internationale Spielregeln verpflichten zu können: zu einer Währung, deren Kurs der Markt bestimmt, nicht die Regierung. Aus chinesischer Sicht stellt sich die Sache allerdings anders dar…
Insel des Unmuts
Wie ein umstrittener US-Stützpunkt Japans Regierung zu Fall brachte.
Den USA gilt sie als “unsinkbarer Flugzeugträger”, aber für Japans Premier Yukio Hatoyama bedeutete sie den Untergang: Die kleine Insel Okinawa ist zum Schauplatz eines politischen Machtkampfes geworden. Weil Hatoyama sein Wahlkampfversprechen nicht halten konnte, einen umstrittenen US-Luftwaffenstützpunkt von der Insel – und am besten ganz aus Japans – zu verbannen, musste er zurücktreten…
Zweiter Anlauf zum Systemwechsel
Nach dem Rücktritt von Premier Hatoyama versuchen Japans Demokraten einen Neuanfang. Das schwierige Erbe fällt an Finanzminister Naoto Kan.
Es ist ein heißer Stuhl, den Japans Demokratische Partei (DPJ) am Freitag besetzen will. Auf dem Posten des Premierministers sind in den vergangenen vier Jahren vier politische Karrieren verglüht. Drei der fast schon vergessenen Namen – Shinzo Abe, Yasuo Fukuda und Taro Aso – versuchten vergeblich, den Machtverfall der ein halbes Jahrhundert regierenden Liberaldemokraten (LDP) zu verhindern. Der vierte, Yukio Hatoyama, trat vergangenen Herbst an, um mit seiner DPJ Japans politisches System zu erneuern – und am Mittwoch nach nur acht Monaten wieder zurück…
“Die Globalisierung verändert sich – und das ist gut so”
Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz über den globalen Reformstau, das Ende der Dominanz des Westens und die neue Weltmacht China.
Bernhard Bartsch: Professor Stiglitz, ist die Krise vorbei oder nur unter einem Haufen Geld vergraben?
Joseph Stiglitz: Die Krise ist noch nicht vorbei. Wir stehen zwar nicht mehr direkt am Abgrund, aber es gibt noch eine Menge Probleme. In den USA haben wir immer mehr Zwangsvollstreckungen, zunehmende Schwierigkeiten auf dem Markt für Gewerbeimmobilien und große Finanzsorgen in den Staaten und Kommunen. In Europa erleben wir gerade die Griechenlandkrise und müssen befürchten, dass Ähnliches noch in anderen Ländern passieren könnte…
Verantwortung für drei
China spielt beim Atomsicherheitsgipfel eine Schlüsselrolle – auch als Verbündeter von Nordkorea und Iran.
Er kontrolliert das fünftgrößte Atombombenarsenal der Welt, doch beim Washingtoner Nukleargipfel spielt Chinas Präsident Hu Jintao nicht nur wegen seiner eigenen Waffen eine Rolle, sondern vor allem wegen seines Einflusses auf die Regime in Nordkorea und im Iran. Pekings Taktik gilt als ambivalent…
“Chinesen sind es gewohnt, die besten zu sein”
Der Pekinger Regierungsberater Yan Xuetong über die chinesisch-amerikanische Rivalität, konfuzianische Außenpolitik und Chinas Supermachtstatus.
Bernhard Bartsch: Professor Yan, trotz des gespannten Verhältnisses zwischen China und den USA reist Präsident Hu Jintao zum Atomsicherheitsgipfel nach Washington. Hat Peking dem amerikanischen Druck nachgegeben?
Yan Xuetong: Nein, die Initiative kam aus dem Weißen Haus. Obama hat kürzlich auf eigene Anregung ausführlich mit dem neuen chinesischen Botschafter getroffen. Auf dieses Gespräch hat China sehr positiv reagiert…
Diplomatische Dehnübungen
Die USA und China bemühen sich um eine Besserung ihres Verhältnisses. Dafür könnte Peking seinen Widerstand gegen Iran-Sanktionen aufgeben.
Keine Antwort ist auch eine Antwort – aber welche? Eine Stunde lang stellte sich der iranische Atomunterhändler Said Dschalili am Freitagnachmittag in Peking der internationalen Presse, doch zu der entscheidenden Frage sagte er nichts: Gibt Chinas Regierung ihren Widerstand gegen westliche Sanktionsforderungen auf? „Wir haben gute Beziehungen“, wich Dschalili ein ums andere Mal aus…
Diplomatischer Stellungskrieg
Peking droht den USA wegen eines Waffenhandels mit Taiwan Sanktionen an.
Chinesische Diplomaten schieben nicht gerne Wochenenddienste, doch in den vergangenen zwei Tagen waren die Sonderschichten unumgänglich. Nachdem die US-Regierung dem Kongress am Freitag vorgeschlagen hatte, Taiwan moderne Waffensysteme im Wert von 6,4 Milliarden Dollar zu liefern, startete Peking umgehend eine Gegenoffensive…
Chuzpe statt Change
Chimerica muss warten: Peking will keinen Schulterschluss mit Washington – und beschert Obama eine der größten Pleiten seines ersten Präsidentschaftsjahres.
„No, you can’t“ – das ist die Botschaft, die Barack Obama kurz vor Ende seines ersten Präsidentschaftsjahres aus China erhalten hat. Bei den Klimaschutzverhandlungen in Kopenhagen bescherte Peking dem international gefeierten Politsuperstar eine seiner schmerzlichsten Pleiten: Nicht nur verweigerte Chinas Premier Wen Jiabao Obama den erhofften Minimalkompromiss und zeigte dem sogenannten „mächtigsten Mann der Welt“ die engen Grenzen seines Handlungsspielraums auf…
Versteinerte Mienen
Barack Obama ist auch in China ein Star. Doch nennenswerte Fortschritte für das komplizierte amerikanisch-chinesische Verhältnis erzielt sein Antrittsbesuch nicht.
Gesichtsausdrücke sind ungenaue Indizien, um Aussagen über diplomatische Beziehungen zu machen. Doch mehr als Mienenspiel stand den Journalisten in Pekings Großer Halle des Volkes am Dienstag nicht zur Verfügung, um auf den wahren Verlauf der Gespräche zwischen US-Präsident Barack Obama und Chinas Staatschef Hu Jintao zu schließen…
Kims Coup
Machtdemonstration oder Vertrauensbildung – nach Bill Clintons Nordkoreareise versuchen Experten die politischen Signale der Geiselfreilassung zu deuten.
Es war der Tag der Bilder – in den USA ebenso wie in Nordkorea. Am Mittwochmorgen, pünktlich zu den amerikanischen Frühnachrichten, schlossen die US-Journalistinnen Laura Ling und Euna Lee auf dem Flughafen von Los Angeles vor laufenden Kameras ihre Familien wieder in die Arme – nach viereinhalb Monaten in nordkoreanischer Haft…
Des Wahnsinns fette Beute
Bill Clinton will in Nordkorea die Freilassung von zwei US-Journalistinnen erreichen. Für Kim Jong-il ist der Besuch ein gewaltiger Propagandacoup.
Der Nordkoreakonflikt nimmt eine unerwartete Wendung: Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton reiste am Dienstag überraschend nach Pjöngjang, offenbar um die Freilassung von zwei inhaftierten US-Journalistinnen zu erreichen. Welche weiteren Verhandlungsaufträge ihm seine Frau, Außenministerin Hillary Clinton, mitgegeben haben könnte, ist in Diplomatenkreisen derzeit Thema heißer Spekulationen…
Klimapolitische Nettigkeiten
Washington und Peking unterzeichnen ein Klimaschutzabkommen, ohne zu verraten, was eigentlich vereinbart wird. Offensichtlich also nichts Konkretes.
Würde die Welt so funktionieren, wie Diplomaten sie gerne darstellen, müsste der Meeresspiegel ab heute wieder sinken. Immerhin haben die USA und China am Dienstag eine Absichtserklärung für eine engere Zusammenarbeit im Klimaschutz unterzeichnet. „Richtungweisend“, nannte es US-Außenministerin Hilary Clinton bei der feierlichen Unterschriftenzeremonie in Washington…
Warten auf Kims nächste Provokation
Nordkorea kündigt nach der neuen Uno-Resolution den Bau weiterer Atomwaffen an. Damit riskiert Kim Jong-il die Unterstützung seines letzten Verbündeten.
Der diplomatische Schlagabtausch um Kim Jong-ils Atomwaffenprogramm geht in die nächste runde: Nach der neuen Resolution des UN-Sicherheitsrats hat Nordkorea den Bau weiterer Atombomben angekündigt und erstmals erklärt, über Urananreicherungsanlagen zu verfügen…
Und Kim spricht doch
Nordkorea nimmt Verhandlungen mit dem Süden wieder auf. Der Weg zu neuen Atomwaffengesprächen führt zunächst über Wirtschaftskontakte.
Kim Jong-il hat es in der Isolation nicht lange ausgehalten. Nur eine Woche, nachdem der Tyrann von Pjöngjang die Welt wissen ließ, dass er seine Atomwaffenentwicklung wieder aufnehmen und „niemals mehr“ über einen Verzicht verhandeln wolle, nahm Nordkorea neue Gespräche mit dem Süden auf…