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	<title>Bernhard Bartsch &#187; USA</title>
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	<description>TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN</description>
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		<title>Amerikanischer Traum &#8211; Made in China</title>
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		<pubDate>Sat, 15 Oct 2011 00:49:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>Der chinesische Bildhauer Lei Yixin entwarf das Denkmal von Martin Luther King. Viele Amerikaner empört das.</h3>
<a href="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2011/10/Martin-Luther-King-Memorial-Oct-16.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-2802" title="Martin-Luther-King-Memorial" src="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2011/10/Martin-Luther-King-Memorial-Oct-16.jpg" alt="" width="171" height="190" /></a>Dem chinesischen Bildhauer Lei Yixin wird an diesem Sonntag eine Ehre zuteil, von der viele meinen, dass sie ihm nicht zusteht. US-Präsident Barack Obama weiht in Washingtons National Mall, direkt zwischen den Denkmälern von Abraham Lincoln und Thomas Jefferson, Leis Standbild von Martin Luther King ein. Viele Amerikaner finden es ein Unding, dass die Statue des Bürgerrechtlers „Made in China“ ist: von einem Chinesen entworfen, in der Volksrepublik aus chinesischem Granit gemeißelt und dann per Container über den Pazifik geschifft, als existiere kein Unterschied zwischen Turnschuhen und einem Nationalmonument. Doch was kann Lei dafür, dass die Amerikaner ihn beauftragt haben?... ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Der chinesische Bildhauer Lei Yixin entwarf das Denkmal von Martin Luther King. Viele Amerikaner empört das.</h3>
<p><a href="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2011/10/Martin-Luther-King-Memorial-Oct-161.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-2805" title="Martin-Luther-King-Memorial" src="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2011/10/Martin-Luther-King-Memorial-Oct-161.jpg" alt="" width="445" height="250" /></a>Dem chinesischen Bildhauer Lei Yixin wird an diesem Sonntag eine Ehre zuteil, von der viele meinen, dass sie ihm nicht zusteht. US-Präsident Barack Obama weiht in Washingtons National Mall, direkt zwischen den Denkmälern von Abraham Lincoln und Thomas Jefferson, Leis Standbild von Martin Luther King ein. Viele Amerikaner finden es ein Unding, dass die Statue des Bürgerrechtlers „Made in China“ ist: von einem Chinesen entworfen, in der Volksrepublik aus chinesischem Granit gemeißelt und dann per Container über den Pazifik geschifft, als existiere kein Unterschied zwischen Turnschuhen und einem Nationalmonument. Für den 57-jährigen Künstler wirft die Kontroverse einen dunklen Schatten auf das wichtigste Werk seines Lebens. Denn was kann Lei dafür, dass die Amerikaner ihn beauftragt haben? Hätte er etwa nein sagen sollen?</p>
<p>Niemand kann Lei vorwerfen, er habe sich aufgedrängt. Im Mai 2006 reiste er mit einer chinesischen Künstlerdelegation zu einem Bildhauerkongress in Minnesota, seiner Frau zuliebe, die gerne einmal ins Ausland wollte. Als Ausstellungsstück hatte er eine zwei Meter hohe Granitskulptur dabei. Die Statue fiel dem Präsident der Martin Luther King Memorial Foundation auf, der auf der Suche nach einem Steinmetz für das neun Meter hohe Denkmal war. Lei verfügte handwerklich und künstlerisch über beste Referenzen: In China hatte er rund 150 große Figuren verwirklicht. Dass dazu auch ein gutes Dutzend Standbilder von Mao Zedong und andere kommunistische Propagandamotive gehörten, schreckte die Findungskommission nicht ab.</p>
<p>Die amerikanische Öffentlichkeit dafür umso mehr. Die Auftragsvergabe entfachte einen Sturm der Entrüstung. Dass kein Afroamerikaner das Denkmal gestalten durfte, war schon schlimm genug, doch dass stattdessen ausgerechnet ein Chinese damit betraut wurde, traf den amerikanischen Zeitgeist an einer wunden Stelle. In weiten Kreisen ist China ein Synonym für Zukunftsangst, der Inbegriff von Arbeitsplatz- und Wohlstandsverlust. „Das ist ein amerikanisches Monument, kein chinesisches kommunistisches“, monierte der farbige Künstler Gilbert Young und versuchte mit einer Petition unter dem Motto „King is ours“ eine Neuausschreibung zu erzwingen. Sein ebenfalls schwarzer Kollege Ed Dwight, der mehrere Bronzestatuen von King verwirklicht und als aussichtsreicher Chefkünstler gegolten hatte, streute das Gerücht, Chinas Regierung den Auftrag mit einer Spende von 25 Millionen Dollar erkauft (Eine chinesische Beteiligung an den 120 Millionen-Dollar-Projekt ist bis heute nicht bewiesen). Die US-Granit-Industrie beklagte, dass kein einziger Felsblock aus einem amerikanischen Steinbruch stamme.</p>
<p>Lei Yixin hätte allen Grund, sich als Opfer dessen zu fühlen, wogegen Martin Luther King ein Leben lang gekämpft hat: Rassismus. Dabei sei Kings Engagement für Bürgerrechte doch „ein Vorbild für Menschen in aller Welt&#8221; gewesen, versucht er den Amerikanern den Alleinanspruch auf den Friedensnobelpreisträger zu nehmen. Er selbst habe den Text der legendären Rede „Ich habe einen Traum“ als Zehnjähriger von seinem Vater, ein Ingenieur, vorgelesen bekommen und später auswendig gelernt. Das war Mitte der 1960er, kurz vor dem Ausbruch der Kulturrevolution, während der Lei wegen seines „schlechten Klassenhintergrunds“ zur Umerziehung aufs Land geschickt wurde. Er führte ein Tagebuch, in das er auch zeichnete und mit dem er sich nach Ende der Mao-Zeit auf einen Studienplatz in Bildender Kunst bewarb. Er wurde sofort genommen. Nach seinem Abschluss im Jahr 1982 begann er an der Kunsthochschule seiner Heimatstadt Changsha Bildhauerei zu unterrichten und Skulpturen für öffentliche Plätze, Parks oder Regierungsgebäude zu entwerfen. Zu seinen persönlicheren Werken gehört eine Skulpturengruppe, die sich mit der Fremdheit der Chinesen in der modernen Welt auseinandersetzt: Drei chinesische Touristen stehen an der Grenze am Passschalter an. Sie tragen westliche Anzüge, haben jedoch nach ländlicher Sitte die Ärmel und Hosenbeine hochgekrempelt und sich die Taschen mit Wasserflaschen und Zigarettenpäckchen vollgestopft. Großen Ruhm brachte ihm seine Arbeit nicht, aber immerhin ein lebenslanges Stipendium der Regierung.</p>
<p>Leis Kritiker behaupten, seine künstlerische Sozialisierung im chinesischen Staatskunstsystem habe sich auch in seinem King-Denkmal niedergeschlagen. Die „Ernsthaftigkeit des Arbeiterparadieses“ spreche aus der Statue, befindet die „Chicago Tribune“, und ärgert sich, dass der Held der Schwarzen ausgerechnet in weißem Granit verewigt worden sei. Als „seelenlosen Stein-Agitprop“ bezeichnet der britische „Economist“ die Statue und klassifiziert Lei als „politischen Bullshit-Künstler“. Dass Lei den Entwurf, in dem King aus einem großen Felsen, dem „Stein der Hoffnung“, heraustritt, zusammen mit einem Architekturbüro aus San Francisco erarbeitet und mit der mehrheitlich mit Afroamerikanern besetzten Denkmalstiftung abgestimmt hat, will kaum einer mehr wissen. Womöglich ist das die bittere Aktualität dieses Denkmals: Martin Luther King tritt aus seinem „Stein der Hoffnung“ auf eine Welt ohne Rassenunterschiede nicht nur heraus, sondern bleibt auch in ihm gefangen.</p>
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		<title>Chinesischer Spagat</title>
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		<pubDate>Thu, 13 Oct 2011 10:47:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>Nach dem Attentatsversuch wollen die USA den Druck auf den Iran erhöhen. Das geht nur mit chinesischer Unterstützung – doch Peking spielt sein eigenes Spiel.</h3>
Was haben alle Rüpelregime dieser Welt gemeinsam, Iran und Nordkorea, Pakistan und Burma, Syrien und Sudan? Die Antwort: Alle pflegen beste Kontakte nach China. Die Volksrepublik nutzt regelmäßig ihren politischen Einfluss als Vetomacht im Uno-Sicherheitsrat, um ihre Verbündeten vor harten Sanktionen und internationaler Isolation zu bewahren. Auch beim Ringen um eine Reaktion auf die angeblich in Teheran geplanten Anschläge in den USA spielt Peking deshalb eine Schlüsselrolle...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Nach dem Attentatsversuch wollen die USA den Druck auf den Iran erhöhen. Das geht nur mit chinesischer Unterstützung – doch Peking spielt sein eigenes Spiel.</h3>
<p>Was haben alle Rüpelregime dieser Welt gemeinsam, Iran und Nordkorea, Pakistan und Burma, Syrien und Sudan? Die Antwort: Alle pflegen beste Kontakte nach China. Die Volksrepublik nutzt regelmäßig ihren politischen Einfluss als Vetomacht im Uno-Sicherheitsrat, um ihre Verbündeten vor harten Sanktionen und internationaler Isolation zu bewahren. Auch beim Ringen um eine Reaktion auf die angeblich in Teheran geplanten Anschläge in den USA spielt Peking deshalb eine Schlüsselrolle.</p>
<p>Um den Druck auf den Iran zu erhöhen, strebt Washington eine neue Uno-Resolution an und braucht dafür Chinas Unterstützung, zumindest still, in Form einer Enthaltung. Doch weder das chinesische Außenministerium noch die staatlichen Medien haben bisher Position zu den Vorwürfen bezogen. Derartiges Schweigen lässt gewöhnlich darauf schließen, dass Pekings Diplomaten unschlüssig sind, wie sich ihr Land in der Affäre verhalten soll, ohne dabei selbst Schaden zu nehmen. Der Fall stellt die Volksrepublik vor ein Dilemma, das so etwas wie ein Leitmotiv der chinesischen Suche nach seiner Rolle als Weltmacht ist: Einerseits wollen die Chinesen nicht ihre guten Beziehungen zum Iran gefährden, dessen riesige Öl- und Gasvorkommen eine tragende Säule ihrer Rohstoffstrategie sind. Andererseits können sie es sich kaum leisten, im Westen als verantwortungslose Beschützer staatlichen Terrors zu gelten und damit antichinesische Ressentiments zu schüren.</p>
<p>Der Zwang, im Irankonflikt Stellung zu beziehen, überrascht die Chinesen auch noch in einem Augenblick, in dem sie auf beiden Seiten unter Druck stehen: In den USA betreibt die chinesische Botschaft dieser Tage eine aufwändige Lobbyingoffensive, um eine Gesetzesinitiative für Strafzölle gegen chinesische Importe zu stoppen. Zwölf Diplomaten sind dafür abgestellt und eine der teuersten Anwaltskanzleien der amerikanischen Hauptstadt engagiert. Im Iran legte die dortige Regierung Anfang der Woche das größte chinesische Erdölprojekt auf Eis, im Streit um die Erschließung eines anderen Vorkommens.</p>
<p>Um nicht allein dazustehen, dürften die Chinesen versuchen, ihre Position mit Russland abzustimmen. Das Thema könnte bereits am Mittwoch in Peking bei einem Treffen von Chinas Präsident Hu Jintao und Russlands Premier Wladimir Putin Gesprächsthema gewesen sein. Moskau hält sich bisher bedeckt, sein Uno-Botschafter Vitaly Churkin bezeichnete die Informationen über das Komplott aber als „ziemlich bizarr“. Vergangene Woche hatten China und Russland gemeinsam ihr Veto gegen Sanktionen gegen Syrien eingelegt. Im Juni 2010 hatte China allerdings für eine Resolution gegen Irans Nuklearprogramm gestimmt, jedoch nicht, ohne vorher den Text weitgehend entschärft zu haben.</p>
<p>Trotz der diplomatischen Probleme gibt es keinerlei Anzeichen, dass Peking von seiner Strategie abrücken könnte, sich systematisch um die Nähe zu Regimen zu bemühen, die vom Westen geächtet sind. Denn China sieht darin die Möglichkeit sich exklusiven Zugang zu Ressourcen zu sichern und geostrategische Brückenköpfe zu bauen. Der Iran verfügt über die zweitgrößten Öl- und Gasreserven der Welt, und umso länger westliche Firmen durch Embargos daran gehindert sind, dort Geschäfte zu machen, umso mehr Zeit haben die Chinesen, sich auszubreiten. Auch Nordkorea bietet den Chinesen wertvolle Rohstoffe und zudem einen direkten Zugang zum Nordmeer. Durch Burma hat die Volksrepublik außerdem eine Verbindung zum Indischen Ozean. Allerdings musste Peking kürzlich feststellen, dass Diktatoren nicht unbedingt treuere Freunde sind als Demokratien: Ein großes chinesisches Staudammprojekt in Burma wurde von einem Tag auf den anderen abgesagt.</p>
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		<title>Hart, aber nicht herzlich</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Sep 2011 01:00:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>Peking wirbt für sein "chinesisches Modell" eines friedlichen Aufstiegs. Doch China hat in der Welt zwar Bewunderer und Neider, aber kaum echte Freunde.</h3>

China gibt derzeit den Weltenretter. Die Volksrepublik will der angezählten Eurozone eine "helfende Hand" entgegenstrecken, verspricht Premier Wen Jiabao. Die Dankbarkeit, mit der sein Angebot in Europa und an den Aktienmärkten angenommen wird, erfüllt die Chinesen mit patriotischem Stolz. Genüsslich berichten die Staatsmedien, wie einst mächtige Nationen, die China gerade noch Ratschläge in Sachen Reformen und Menschenrechte erteilten, nun als Bittsteller dastehen...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Peking wirbt für sein &#8220;chinesisches Modell&#8221; eines friedlichen Aufstiegs. Doch China hat in der Welt zwar Bewunderer und Neider, aber kaum echte Freunde.</h3>
<p>China gibt derzeit den Weltenretter. Die Volksrepublik will der angezählten Eurozone eine &#8220;helfende Hand&#8221; entgegenstrecken, verspricht Premier Wen Jiabao. Die Dankbarkeit, mit der sein Angebot in Europa und an den Aktienmärkten angenommen wird, erfüllt die Chinesen mit patriotischem Stolz. Genüsslich berichten die Staatsmedien, wie einst mächtige Nationen, die China gerade noch Ratschläge in Sachen Reformen und Menschenrechte erteilten, nun als Bittsteller dastehen. Der gefühlte Abstand zur Supermacht USA schrumpft. Nicht nur in China sind viele davon überzeugt, dass die Ära der globalen Vorherrschaft des Westens zu Ende ist und die Volksrepublik auf der internationalen Bühne bald die Hauptrolle spielen wird.</p>
<p>Je stärker die Chinesen in den Vordergrund treten, umso akuter stellt sich die Frage, was ihr wachsender Einfluss für die Welt bedeutet. Pekings Regierung spricht bereits selbstbewusst von einem &#8220;chinesischen Modell&#8221;. Demnach soll Chinas Aufstieg friedlich vonstattengehen und nicht nur der eigenen Bevölkerung, sondern der gesamten Menschheit dienen. Es wäre das erste Mal in der Geschichte, dass eine Großmacht eine andere ablöst, ohne dass es darüber zum Krieg kommt.</p>
<p>Doch ganz so weit sind wir noch nicht, und das &#8220;chinesische Modell &#8221; existiert ohnehin nur auf dem Papier. In der Realität wird den chinesischen Strategen zunehmend klar, dass ihr Land zwar Bewunderer und Neider hat, aber kaum echte Freunde. Ob Amerikaner, Europäer, Afrikaner oder die asiatischen Nachbarn – das Ausland betrachtet China meist als einen Staat, mit dem man zwar gerne Geschäfte macht, dem man ansonsten aber skeptisch gegenübersteht. Die rabiaten Methoden, mit denen die Kommunistische Partei ihre Herrschaft im eigenen Land sichert, und die nationalistischen Parolen, mit denen sie ihr Volk zusammenzuschweißen versucht, schüren Zweifel an der Vision vom &#8220;friedlichen Aufstieg&#8221;. So sehr die harten Fakten für die Volksrepublik sprechen, so sehr sprechen die weichen Faktoren gegen sie.</p>
<p>Zwar gewinnt Chinas Stimme in internationalen Verhandlungen und Organisationen zunehmend an Gewicht. Doch ihre Wunschrolle als Leitnation der Entwicklungs- und Schwellenländer kann die Volksrepublik bisher nicht ausfüllen. Dass Peking nach der Finanzkrise 2008 glaubte, sich in der Nachbarschaft ein dominanteres Auftreten leisten zu können, hat sich gerächt. Länder wie Südkorea, Japan, Vietnam und Indien sehen Chinas Großmachtgebaren mit wachsender Beunruhigung und versuchen ihrerseits, Allianzen zu schmieden, um Pekings Einfluss in der Region einzudämmen.</p>
<p>In Peking tut man derartige Vorbehalte als letztes Gefecht der alten Strukturen ab. Die Systemfrage, lange ein Angstthema der Kommunistischen Partei, wird auf einmal auch in China diskutiert: Vor dem Hintergrund der Ratlosigkeit in Europa und den USA verweisen chinesische Politiker gerne auf die Mängel des westlichen Modells von Demokratie und Kapitalismus, um im Umkehrschluss sofort die Überlegenheit ihres &#8220;Sozialismus mit chinesischen Eigenschaften&#8221; zu propagieren.</p>
<p>Dabei ist es keineswegs ausgemacht, dass die derzeitige Misere Europas und Amerikas tatsächlich zu Chinas Vorteil ist. Das chinesische Wirtschaftswachstum hängt noch immer maßgeblich von der Konsumkraft in den Industrieländern ab. Und so mächtig Peking außenpolitisch auftrumpfen mag, so machtlos steht die Partei vielen ihrer eigenen innenpolitischen Herausforderungen gegenüber. Die Korruption grassiert und unterwandert das Vertrauen in die Regierung. Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst. Um die Stabilität zu gewährleisten, weiß sich Peking keinen besseren Rat als immer stärkere Zensur und Repressionen. Eine Supermacht stellt man sich anders vor – vor allem, wenn man ihr Bürger ist.</p>
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		<title>Ein gefühlter Sieg</title>
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		<pubDate>Sun, 14 Aug 2011 10:02:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>Die USA und Europa versinken in Schuldenkrisen, China boomt. Die Chinesen geniessen den Triumph - aber können sie sich für diesen Sieg etwas kaufen?</h3>
Ist China der Gewinner der Krise in den USA und Europa? Wäre die Nachrichtenlandschaft ein reales Abbild der Wirklichkeit, müsste es wohl so sein. Die gegenwärtigen Turbulenzen «könnten der Wendepunkt für den Transfer der globalen Macht von den USA zu ihrem grossen Rivalen China sein», glaubt der britische «Guardian». In Deutschland beschwört «Die Zeit» den Zeitenwechsel mit dem Titel «Geldmacht wird Weltmacht». Die «Bild» fragt: «Kaufen uns die Chinesen jetzt auf?», während die «TAZ» Chinas Aufstieg ihrerseits für ausgemachte Sache hält, weil «der ferne Osten einen Plan hat. Der Westen hat ihn nicht.» Die Fixierung auf China verrät mehr über den Westen als über die künftige Rolle der Volksrepublik oder gar eine neue Weltordnung...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Die USA und Europa versinken in Schuldenkrisen, China boomt. Die Chinesen geniessen den Triumph &#8211; aber können sie sich für diesen Sieg etwas kaufen?</h3>
<p>Ist China der Gewinner der Krise in den USA und Europa? Wäre die Nachrichtenlandschaft ein reales Abbild der Wirklichkeit, müsste es wohl so sein. Die gegenwärtigen Turbulenzen «könnten der Wendepunkt für den Transfer der globalen Macht von den USA zu ihrem grossen Rivalen China sein», glaubt der britische «Guardian». In Deutschland beschwört «Die Zeit» den Zeitenwechsel mit dem Titel «Geldmacht wird Weltmacht». Die «Bild» fragt: «Kaufen uns die Chinesen jetzt auf?», während die «TAZ» Chinas Aufstieg ihrerseits für ausgemachte Sache hält, weil «der ferne Osten einen Plan hat. Der Westen hat ihn nicht.»</p>
<p>Die Fixierung auf China verrät mehr über den Westen als über die künftige Rolle der Volksrepublik oder gar eine neue Weltordnung. Die Verunsicherung ist gross: Dass globale Machtverhältnisse sich verschieben, liegt auf der Hand. Dass der Westen nach dem Kalten Krieg nicht den Sieg der Geschichte davongetragen hat und Anspruch auf die Weltregierung erheben kann, wie es sich einige eine Zeit lang einbildeten, ist ebenso offensichtlich. Wer könnte da besser als neue Ordnungsmacht auftreten als die Chinesen, denen alle grossen Sorgen des Westens fremd zu sein scheinen: Wir haben die Kontrolle über unsere Währungen verloren, die Chinesen haben sie nie abgegeben. Wir haben Schulden, die Chinesen Devisenreserven. Bei uns herrscht Stagnation, in China boomt es. Ist doch klar, wer da gewinnen muss. Aber worin besteht Chinas Gewinn &#8211; und was können sich die Chinesen dafür kaufen?</p>
<p>Politisch spielt die Krise der Regierung in die Hände. Die Chinesen, die ihrem historischen Selbstverständnis nach mehr Anspruch auf einen Weltmachtstatus zu haben glauben als jedes andere Land, empfinden die globale Dominanz des Westens von jeher als nationale Beleidigung. Die Kommunistische Partei tat in den vergangenen Jahrzehnten das Ihre, um dieses Gefühl der Schande im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. Der Nationalismus hat den Sozialismus als Staatsideologie abgelöst, und kaum etwas schweisst ein Volk besser zusammen als ein gemeinsamer Feind. Die USA stellen für die Chinesen dabei die Messlatte dar, die sie überbieten wollen. Schon Mao Zedong gab das Ziel vor, China müsse Amerika wirtschaftlich überholen. Die Kampagnen, mit denen er dieses Ziel erreichen wollte, bescherte den Chinesen mehr Leid und Elend, als ihnen je eine ausländische Imperialmacht angetan hat &#8211; ein düsteres Kapitel, das im offiziellen Geschichtsbild der Volksrepublik bis heute ausblendet wird. Dass die USA politisch wie gelähmt erscheinen, erfüllt viele Chinesen mit Genugtuung. Genüsslich erörtern die Staatsmedien die Mängel des westlichen Modells von Demokratie und Kapitalismus, um die Überlegenheit des chinesischen Systems zu propagieren.</p>
<p>Auch aussenpolitisch kann China von der Schwäche der USA profitieren, doch der Gewinn fällt dabei deutlich geringer aus als in der Innenpolitik. In internationalen Verhandlungen hat Chinas Stimme mehr Gewicht, in Organisationen wie dem Internationalen Währungsfonds (IMF) mehr Einfluss. Die Wunschrolle als Leitnation der Entwicklungs- und Schwellenländer kann China aber bisher nicht spielen, denn die Zahl der Verbündeten ist kleiner als die der Skeptiker. Dass Peking nach der Finanzkrise 2008 glaubte, sich in der Nachbarschaft ein dominanteres Auftreten leisten zu können, hat sich gerächt. Länder wie Südkorea, Japan, Vietnam und Indien sehen das chinesische Grossmachtgebaren mit wachsender Beunruhigung und versuchen ihrerseits, Allianzen zu schmieden, um Pekings Einfluss in der Region einzudämmen. Dass die USA gezwungen sein könnten, ihr Engagement in Asien/Pazifik zurückzufahren, verhärtet die Fronten derzeit zusätzlich. Eine Rolle als regionale oder gar globale Grossmacht wird China keineswegs angetragen.</p>
<p>Dass die Volksrepublik dafür dennoch als natürlicher Anwärter gilt, verdankt sie ihrer Wirtschaftskraft. Wirtschaftlich ist in dieser Krise allerdings kein Land ein Gewinner, es gibt nur grössere Verlierer und kleinere. Die Probleme der USA sind bekannt: Das einzige Mittel gegen ihre Misere heisst Wachstum, und seit dem parteipolitischen Stellungskrieg um die Anhebung der Schuldengrenze scheint eine baldige Erholung der Konjunktur noch unwahrscheinlicher als zuvor. Diese Schwäche der USA kommt aber auch China teuer zu stehen.</p>
<p>Aller politischen Rivalität zum Trotz haben die USA und die Volksrepublik in den vergangenen Jahrzehnten wirtschaftlich symbiotisch zusammengelebt. Die Amerikaner sind die grössten Kunden chinesischer Waren. Chinas niedrige Löhne ermöglichten den Amerikanern, Dinge zu kaufen, die sie sich zu westlichen Produktionskosten nicht hätten leisten können. Gleichzeitig halfen die Chinesen den Amerikanern, ihre Konsumkraft durch billig geliehenes Geld zusätzlich anzukurbeln.</p>
<p>Seine hohen Exportüberschüsse bescheren China gewaltige Mengen an ausländischer Währung. Der Grund dafür: Weil Peking den Kurs des Yuan nicht den Märkten überlassen will, müssen alle chinesischen Unternehmen, die Waren exportieren und dafür in ausländischer Währung bezahlt werden, ihre Einnahmen bei der Zentralbank in Yuan umtauschen. Seine Devisen legte China grösstenteils in ausländischen Staatsanleihen an, vor allem in amerikanischen, die bis vor kurzem als die sicherste Möglichkeit galten, Geld zu parkieren. So liehen die Chinesen den Amerikanern das Geld, mit dem diese chinesische Produkte kauften. Wenn Peking nun Washingtons «Schuldensucht» moniert, so ist das zwar richtig, aber die Rüge kommt vom Dealer, der den Abhängigen jahrelang mit seinem Stoff beliefert hat.</p>
<p>China will den Amerikanern auch nicht das Schuldenmachen über Nacht austreiben. Pekings oberste Priorität ist globale Stabilität, und um diese sicherzustellen, bleibt der Volksrepublik vorerst nichts anderes übrig, als weiter US-Schatzbriefe zu kaufen. Aus dem gleichen Grund investieren die Chinesen auch in Staatsanleihen europäischer Krisenstaaten wie Griechenland, Spanien und Portugal. Diese Anlagestrategie entspricht nicht uneigennützigen Gedanken. Einen kleineren Teil seiner Devisenreserven nutzte China, um sich in Rohstoffvorkommen und internationale Unternehmen einzukaufen. Von Zentralasien über Afrika bis Südamerika ist die Volksrepublik inzwischen an Ölfeldern und Erzminen beteiligt. Einige Weltmarken wie etwa Volvo sind inzwischen ebenfalls in chinesischer Hand, und an einer wachsenden Zahl grosser Konzerne hält China Anteile. Erst letzte Woche wurde bekannt, dass die Investmenttochter der chinesischen Zentralbank inzwischen mit über drei Prozent an der Münchener Rückversicherung beteiligt ist. In einigen Fällen waren die Einkäufe Schnäppchen, in anderen haben sich die Chinesen aber auch verrechnet, so etwa, als der Computerhersteller Lenovo vor einigen Jahren die PC-Sparte von IBM kaufte. Auch müssen die Chinesen mit dem Manko kämpfen, dass ihre Beteiligungen mit Skepsis gesehen werden. Ein Land, das ständig gegen internationale Wirtschaftsregeln verstösst, muss sich darüber nicht wundern. Doch es geht nicht um Moral, sondern um Jobs. Millionen Chinesen arbeiten in der Exportindustrie, einem der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren des Landes. Wenn die Bestellungen des Auslands einbrechen, verlieren sie ihre Jobs und ihre Familien, die meist im unterentwickelten Hinterland leben, häufig ihr einziges Einkommen. Peking sieht darin eine grosse Gefahr für den sozialen Frieden, der angesichts der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich ohnehin bereits angespannt ist. In der Finanzkrise von 2008 schnürte die Regierung deshalb ein grosses Konjunkturpaket, um die entlassenen Wanderarbeiter für den Bau von Strassen, Brücken und Eisenbahntrassees einzusetzen. Damit konnte Peking das Wachstum am Laufen halten, doch der Preis war hoch: China musste selbst Schulden machen. Sollte es erneut zu einer Krise kommen, bliebt dem Dealer erneut keine andere Wahl, als selbst zum Stoff zu greifen.</p>
<p>Ist China also der Gewinner der Krise? Es ist höchstens ein gefühlter Sieg. Das mag besser erscheinen als die krachende Niederlage, welche die USA derzeit verkraften müssen, oder die Zitterpartie, in der die Europäer derzeit darum kämpfen, sich noch in ein Unentschieden zu retten. Doch gefühlte Siege sind gefährlich. Sie machen leichtsinnig. Dass die USA sich in Afghanistan und im Irak in Kriege stürzten, die sie sich nicht mehr leisten konnten, war nicht nur eine Folge der Terroranschläge vom 11. September 2001, sondern auch ein Ergebnis des eigenen Überlegenheitsgefühls und Selbstverständnisses als Weltpolizei. Nun sind die USA ihrerseits nur noch eine vermeintliche Supermacht, die ihren Status der allgemeinen Ratlosigkeit verdankt, wie denn eine Weltordnung ohne ein starkes Amerika aussehen könnte. Bipolar? Multipolar? Ohne Pole? Dass die Chinesen darin eine wichtige Rolle spielen wollen, steht ausser Frage. Wie diese Rolle aussehen könnte, wird auch durch die Krise nicht beantwortet.</p>
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		<title>China wackelt am Dollar</title>
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		<pubDate>Sun, 07 Aug 2011 14:23:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>Peking nutzt die Krise der USA, um die Rolle des US-Dollars als globale Leitwährung erneut in Frage zu stellen.</h3>
China nutzt die Zweifel an der Kreditwürdigkeit der USA, um die Debatte um die Rolle des US-Dollars als globale Leitwährung neu anzufachen. Die Nachrichtenagentur Xinhua, das Leitmedium des staatlichen Medienapparats, forderte in einem Meinungsstück, es müsse über eine „neue, stabile und sichere Leitwährung“ nachgedacht werden...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Peking nutzt die Krise der USA, um die Rolle des US-Dollars als globale Leitwährung erneut in Frage zu stellen.</h3>
<p>China nutzt die Zweifel an der Kreditwürdigkeit der USA, um die Debatte um die Rolle des US-Dollars als globale Leitwährung neu anzufachen. Die Nachrichtenagentur Xinhua, das Leitmedium des staatlichen Medienapparats, forderte in einem Meinungsstück, es müsse über eine „neue, stabile und sichere Leitwährung“ nachgedacht werden. „Damit könnte man verhindern, dass ein einzelnes Land eine Katastrophe auslösen kann“, schreibt Xinhua. Im Parteiblatt „Volkszeitung“ sprach der Ökonom Sun Lijian von der Shanghaier Fudan Universität von einem „Weckruf für das dollargebundene globale Währungssystem“. Ein Absturz des Dollars könne eine weltweite Liquiditätskrise auslösen.</p>
<p>Schon im Jahr 2009 hatte China als Reaktion auf die Finanzkrise dazu aufgerufen, den Dollar als dominierende Reservewährung zu ersetzen, etwa durch eine Stärkung der sogenannten Sonderziehungsrechte des Internationalen Währugnsfonds (IMF). Auch der Uno-Ausschuss für die Reform der internationalen Wirtschafts- und Finanzordnung unter Vorsitz von Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz plädierte damals für ein neues Weltwährungssystem. Außer Russland unterstützte damals aber kein großes Land den chinesischen Vorstoß, und die USA verhinderten, dass die Idee bei entscheidenden internationalen Finanzpolitikertreffen auf die Tagesordnung kam. Doch angesichts der amerikanischen Krise könnte der Vorschlag nun bessere Chancen haben, ernsthaft diskutiert zu werden.</p>
<p>Bereits am Freitag hatte Chinas Außenminister Yang Jiechi angesichts der Schuldenprobleme in den USA und Europa eine verstärkte Zusammenarbeit verlangt. Washingtons angestammte Führungsrolle stellt Peking dabei offen in Frage. „Amerika muss für seine Schuldensucht und das kurzsichtige politische Gezerre bezahlen“, kritisierte Xinhua am Wochenende. Amerika sei „schuldensüchtig“ und als größter Gläubiger habe China das Recht zu verlangen, „dass die USA ihre strukturellen Schuldenprobleme in den Griff bekommen und die Sicherheit chinesischer Dollar-Anlagen sicherstellen“. Nach eigenen Angaben hält die chinesische Zentralbank US-Staatsanleihen im Wert von 1,152 Billionen US-Dollar, was rund einem Drittel der chinesischen Devisenreserven entspricht. Experten gehen allerdings davon aus, dass die Volksrepublik über andere Anlageinstrumente noch deutlich stärker in Dollar investiert hat.</p>
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		<title>Zwischen Nervosität und Triumph</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Aug 2011 02:09:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>Genüsslich verfolgt China das Ringen der USA um seine Schuldengrenze. Peking ist Washingtons größter Gläubiger - und politisch der mächtigste Konkurrent.</h3>

Eine kleine Weltkugel versucht panisch einer Lawine davonzulaufen, auf der „US-Schulden“ steht. Die Karikatur aus der China Daily gehört noch zu den verhaltendsten Kommentaren, welche derzeit aus Peking Richtung Washington geschickt werden. Andere werfen der Supermacht offen vor, gegenüber der Welt gefährlich, unverantwortlich und rücksichtslos zu handeln. Mit einer Mischung aus Nervosität und Triumph verfolgen die Medien der Volksrepublik das politische Ringen um eine Anhebung der Schuldengrenze...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Genüsslich verfolgt China das Ringen der USA um seine Schuldengrenze. Peking ist Washingtons größter Gläubiger &#8211; und politisch der mächtigste Konkurrent.</h3>
<p>Eine kleine Weltkugel versucht panisch einer Lawine davonzulaufen, auf der „US-Schulden“ steht. Die Karikatur aus der China Daily gehört noch zu den verhaltendsten Kommentaren, welche derzeit aus Peking Richtung Washington geschickt werden. Andere werfen der Supermacht offen vor, gegenüber der Welt gefährlich, unverantwortlich und rücksichtslos zu handeln. Mit einer Mischung aus Nervosität und Triumph verfolgen die Medien der Volksrepublik das politische Ringen um eine Anhebung der Schuldengrenze, bei dem sich am Sonntag erstmals eine Einigung abzeichnete. Bis spätestens Dienstag muss sich der Kongress einigen, wollen die Vereinigten Staaten nicht offiziell zahlungsunfähig sein. </p>
<p>Wirtschaftlich ist China der größte Gläubiger der USA, politisch der mächtigste Konkurrent – und so sehr ein Scheitern der Verhandlungen auch für China katastrophale Folgen haben könnte, so sehr spielt das Versagen der amerikanischen Politik den Chinesen in die Hände. Zwischen 50 und 70 Prozent seiner Devisenreserven von über drei Billionen US-Dollar hat Peking in US-Staatsanleihen angelegt, schätzen Experten. Sollte es in Washington keine Einigung geben, droht dem US-Dollar ein Kurssturz, womit auch der Wert der chinesischen Ersparnisse sinken würde. Weitaus gravierender wären für die Volksrepublik allerdings die konjunkturellen Folgen, falls die USA mit sich die ganze Weltwirtschaft in den Abgrund ziehen würden. Chinas Wachstumsmodell beruht zum Großteil auf Exporten und ausländischen Investitionen. Sollten diese einbrechen, würde dies zu gewaltigen sozialen Verschiebungen führen, die aus Pekinger Sicht auch stets die Gefahr von Unruhen beinhalten. Der Regierung bliebe dann wie schon in der Finanzkrise wenig anderes übrig, als die Konjunktur mit gewaltigen Staatsinvestitionen am Laufen zu halten – eine Politik, die viele Lokalregierungen in eine eigene Schuldenkrise zu führen drohen würde. </p>
<p>Politisch spielt Washingtons Schuldenkrise dagegen Chinas Kritik am westlichen System in die Hände. Die Kommunistische Partei wehrt Forderungen nach politischen Reformen stets mit dem Argument ab, dass „westliche Demokratie“ die Volksrepublik nur ins Chaos stürzen würde. Genüsslich verfolgen Chinas Medien deshalb Washingtons politische Ohnmachtserklärung: Das Leitmedium des Landes, die Nachrichtenagentur Xinhua, warf den US-Abgeordneten am Freitag in einem Meinungsstück vor, die „noch immer anfällige wirtschaftliche Erholung“ zu gefährden. Kommentator Deng Yushan warnte vor einer zweiten Rezession, „nur könnte es diesmal eine viel größere Sauerei geben“. </p>
<p>Im offiziellen Dialog gibt sich Chinas Regierung allerdings bemüht, nicht noch Öl ins Feuer zu gießen. In Peking ist man sich sehr wohl darüber bewusst, dass ein falsch verstandenes Signal aus der Volksrepublik verheerende Auswirkungen haben könnte. So sorgte in den vergangenen Wochen die chinesische Ratingagentur Dagong für großes Aufsehen, als sie eine Abwertung der amerikanischen Bonität androhte. Dabei spielt das kleine Bewertungshaus für die Investitionsentscheidungen der chinesischen Zentralbank keine nennenswerte Rolle. Außenamtssprecher Hong Lei ließ sich nicht mehr als diplomatische Floskeln entlocken: „Wir hoffen darauf, dass die US-Regierung verantwortungsvolle Politiken und Maßnahmen ergreift, um die Interessen ihrer Investoren zu garantieren.“ Auch bei einem Chinabesuch von US-Außenministerin Hillary Clinton vergangene Woche verzichtete Peking auf die Möglichkeit einer öffentlichen Demontage der Ministerin. Allerdings weiß in Washington kaum jemand besser als Clinton, wie schwierig es für die USA ist, gegenüber ihrem Hauptgläubiger politische Stärke zu zeigen. In den vergangenen Herbst durch Wikileaks an die Öffentlichkeit gelangten US-Diplomatendepeschen wird die Außenministerin mit dem verzweifelten Ausruf zitiert: „Wie soll man seinem Banker gegenüber hart sein?“</p>
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		<title>Herr Guan teilt aus</title>
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		<pubDate>Fri, 15 Jul 2011 09:17:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>Eine chinesische Ratingagentur zweifelt an der Kreditwürdigkeit der USA: ein PR-Gag oder ein Signal, dass Washingtons größter Gläubiger das Vertrauen verliert?</h3>
Die Ratingagentur Dagong Global Credit Rating ist alles andere als ein Global Player. Doch seitdem das Pekinger Bewertungshaus Zweifel an der Kreditwürdigkeit der USA geäußert hat, kann sich Firmenchef Guan Jianzhong vor Interviewanfragen kaum retten. Wenn sich die Haushaltslage der USA nicht bald verbessere, "werden wir die US-Anleihen definitiv herabstufen", gab Guan mehrfach zu Protokoll...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Eine chinesische Ratingagentur zweifelt an der Kreditwürdigkeit der USA: ein PR-Gag oder ein Signal, dass Washingtons größter Gläubiger das Vertrauen verliert?</h3>
<p>Die Ratingagentur Dagong Global Credit Rating ist alles andere als ein Global Player. Doch seitdem das Pekinger Bewertungshaus Zweifel an der Kreditwürdigkeit der USA geäußert hat, kann sich Firmenchef Guan Jianzhong vor Interviewanfragen kaum retten. Wenn sich die Haushaltslage der USA nicht bald verbessere, &#8220;werden wir die US-Anleihen definitiv herabstufen&#8221;, gab Guan mehrfach zu Protokoll. Zwar sagt er damit kaum etwas anderes als der US-Branchenriese Moody&#8217;s. Doch Zeichen aus Peking, Washingtons größtem Gläubiger, werden an den Finanzmärkten besonders aufmerksam verfolgt. Spricht Dagong nur für sich selbst &#8211; oder benutzt Chinas Regierung die Agentur, um ihren Vertrauensverlust gegenüber US-Staatsanleihen zu signalisieren?</p>
<p>Dass die Schuldenkrise Peking große Sorge bereitet, ist offensichtlich: Regelmäßig fordert China von den USA, für die Sicherheit seiner Anlagen zu sorgen. Zwischen 50 und 70 Prozent der chinesischen Devisenreserven, mit 3,2 Billionen Dollar die höchsten der Welt, sind in US-Schatzbriefen geparkt. Wie viel Macht Peking damit in Washington ausübt, ist allerdings umstritten. Während die einen glauben, dass die US-Wirtschaft weitgehend vom guten Willen Chinas abhängig ist, meinen andere, dass Peking gar keine andere Wahl hat, als Washington weiter Geld zu leihen. Schließlich sind die USA die größten Kunden chinesischer Exporte, und die Gefahr einer neuen Finanzkrise ist auch für Chinas Kommunistische Partei höchst bedrohlich. Dass Peking in den vergangenen Monaten vielen europäischen Regierungen in großem Maßstab Anleihen abgekauft hat, kann zwar als Zeichen gewertet werden, dass die Chinesen ihre Dollar-Investitionen zurückschrauben und ihr Risiko streuen. Ebenso gut kann es jedoch als chinesische Bemühung verstanden werden, das internationale Finanzsystem zu stabilisieren.</p>
<p>Die Bewertungen der Dagong Global Credit Rating dürften dabei kaum eine Rolle spielen. Das 1994 gegründete Unternehmen ist die kleinste von Chinas vier Bewertungsagenturen und die einzige, die keine internationalen Partner hat. Dagongs Konkurrenten kooperieren mit den „Drei Großen“ der internationalen Ratingindustrie: Moody’s ist an China Chengxin International Credit Rating beteiligt, Fitch hält Anteile an China Lianhe Credit Rating und Standard and Poor&#8217;s hat eine Partnerschaft mit Shanghai Brilliance Credit Rating. Dass Dagong Kunden für seine Bewertungen von US-Anleihen hat, ist unwahrscheinlich. Denn chinesische Anleger haben gar keine Möglichkeit, US-Staatspapiere zu kaufen. Die chinesische Zentralbank, die Chinas Devisenreserven verwaltet, beschäftigt ihre eigenen Analysten. So dürften Dagongs Analysen vor allem der Eigen-PR dienen. Im November hatte Dagong die US-Anleihen schon einmal abgewertet, nachdem der Fed neues Geld ins System gepumpt hatte – eine Maßnahme die von Peking scharf kritisiert wurde, weil mit einem schwächeren Dollar auch der Wert der chinesischen Anleihen sinken würde. „Wir wollen in der Welt gehört werden, und wir sind dabei auf dem richtigen Weg“, erklärte Guan diese Woche unverhohlen. Dem internationalen Medienecho nach zu urteilen hat die Aktion Dagongs eigener Bewertung gut getan.</p>
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		<title>Gefärbte Haare &#8211; na und?</title>
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		<pubDate>Fri, 21 Jan 2011 11:42:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>Schwärzt Barack Obama seine Silberlöckchen? Und was hat Chinas Präsident damit zu tun?</h3>
In China versteht man die Aufregung nicht. Ein Foto, das Barack Obama mit seinem chinesischen Amtskollegen Hu Jintao beim Staatsbankett im Weißen Haus zeigt, hat in den USA eine leidenschaftliche Diskussion ausgelöst: Färbt sich der amerikanische Präsident die Haare? Auf Bildern des besagten Tages, dem vergangenen Mittwoch, ist Obama morgens mit vielen Silberlöckchen zu sehen, die am Abend plötzlich verschwunden zu sein scheinen, aber bei einem Fototermin zwei Tage später wieder auftauchen...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Schwärzt Barack Obama seine Silberlöckchen? Und was hat Chinas Präsident damit zu tun?</h3>
<p>In China versteht man die Aufregung nicht. Ein Foto, das Barack Obama mit seinem chinesischen Amtskollegen Hu Jintao beim Staatsbankett im Weißen Haus zeigt, hat in den USA eine leidenschaftliche Diskussion ausgelöst: Färbt sich der amerikanische Präsident die Haare? Auf Bildern des besagten Tages, dem vergangenen Mittwoch, ist Obama morgens mit vielen Silberlöckchen zu sehen, die am Abend plötzlich verschwunden zu sein scheinen, aber bei einem Fototermin zwei Tage später wieder auftauchen.</p>
<p>US-Medien widmeten der Präsidentenfrisur Tausende von Beiträgen, und obwohl unaufgeregtere Kommentatoren schnell zu dem Ergebnis kamen, dass das vermeintliche Beweisfoto ganz einfach unterbelichtet war, bleibt von dem Vorwurf übertriebener Eitelkeit trotzdem etwas an Obama hängen &#8211; ganz wie am Exbundeskanzler Gerhard Schröder, der gegen eine ähnliche Unterstellung vor gut acht Jahren sogar gerichtlich vorging.</p>
<p>Aber warum sollten sich Staatsmänner eigentlich nicht die Haare färben? &#8220;Wahrscheinlich ist Obamas Haarfarbe auf dem Foto echt, aber Hu Jintaos ist ganz bestimmt falsch&#8221;, kommentierte ein Benutzer des populären chinesischen Internetforums Sohu das Bild. &#8220;Chinas Politiker tönen sich doch alle die Haare.&#8221;</p>
<p>Tatsächlich entdeckt man weder bei Chinas 68-jährigem Präsidenten noch bei den anderen Mitgliedern des Ständigen Politbüroausschusses, einem neunköpfigen Gremium aus Männern zwischen 55 und 70 Jahren, auch nur ein einziges weißes Haar. Dass Spitzenpolitiker aber auch prominente Manager in China weitaus seltener zu ergrauen scheinen als normale Menschen, ist eine Art optischer Potenzbeweis. Selbst Mao Tse-tung, der 82 Jahre alt wurde und zuletzt an vielen Gebrechen litt, trug bis zuletzt schwarze Haare &#8211; und hat sie noch heute, da seine einbalsamierte Leiche in einem Glassarg auf Pekings Platz des Himmlischen Friedens ausgestellt ist.</p>
<p>Kritische Stilfragen stellt deshalb niemand &#8211; und das nicht etwa, weil sie verboten wären. Nachgeschwärzte Haare sind in China, wie in vielen ostasiatischen Ländern, kein Tabu, bei Männern ebenso wenig wie bei Frauen. Färbemittel gehören zum Standardsortiment jedes Supermarkts. Durchschnittliche Geschäfte haben rund zehn verschiedene Produkte in den Regalen. Ein günstiges der Marke Wenya, die sich auf Englisch Youngrace (&#8220;Junge Rasse&#8221;) nennt, kostet 17,90 Yuan (zwei Euro), teurere rund das Zehnfache. In der Branche wird das Geschäft mit Schwarzfärberei auf jährlich mehr als 300 Millionen Euro geschätzt.</p>
<p>Chinesen, die das regelmäßige Nachschwärzen zu lästig finden, wagen häufig einen noch radikaleren Schritt: Sie tragen Perücken. Auch diese sind in China weithin erhältlich und allgemein akzeptiert. &#8220;Das ständige Tönen mit chemischen Mitteln kann nicht gesund sein&#8221;, sagt He Sulan, eine Pekinger Kleinunternehmerin, die sich mit Mitte fünfzig die grauen Haare raspelkurz geschoren und eine Auswahl von Haarteilen zugelegt hat. &#8220;An manchen Tagen trage ich eine seriöse Dauerwelle, an anderen eine jugendliche Rastafrisur &#8211; es ist kein Geheimnis, dass beide nicht echt sind.&#8221; Wie viele chinesische Politiker Perücken tragen, ist unbekannt. In jedem Fall wird der Anteil aber auch hier höher sein als in den USA. Das dort ausgerechnet der Besuch des chinesischen Staatschefs eine haarige Debatte ausgelöst hat, die in der Volksrepublik niemand versteht, beweist einmal mehr, dass die Differenzen zwischen den beiden Großmächten gewaltig sind.</p>
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		<title>Makelloser Triumphzug</title>
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		<pubDate>Fri, 21 Jan 2011 06:07:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>Chinas Staatspresse feiert Hu Jintaos USA-Besuch – und beginnt die Arbeit am Nachruhm des Parteichefs.</h3>
Wenn Chinas Politiker auf Reisen gehen, müssen sie sich um das Medienecho in ihrer Heimat nicht sorgen. Mit der verordneten Euphorie feiert die Staatspresse die USA-Reise ihres Präsidenten Hu Jintao als makellosen Triumphzug. Hu habe eine „neue politische Zivilisation geschaffen“, attestiert ihm die Zeitung „Global Times“. „Der Besuch von Präsident Hu Jintao verdient den Applaus der Welt“, kommentiert das für seine nationalistischen Töne bekannte Blatt...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Chinas Staatspresse feiert Hu Jintaos USA-Besuch – und beginnt die Arbeit am Nachruhm des Parteichefs.</h3>
<p>Wenn Chinas Politiker auf Reisen gehen, müssen sie sich um das Medienecho in ihrer Heimat nicht sorgen. Mit der verordneten Euphorie feiert die Staatspresse die USA-Reise ihres Präsidenten Hu Jintao als makellosen Triumphzug. Hu habe eine „neue politische Zivilisation geschaffen“, attestiert ihm die Zeitung „Global Times“. „Der Besuch von Präsident Hu Jintao verdient den Applaus der Welt“, kommentiert das für seine nationalistischen Töne bekannte Blatt. „Er hat einen wichtigen Beitrag zum Weltfrieden geleistet.“ Die Nachrichtenagentur „Xinhua“ verbreitete die Kunde von einer „historischen Meisterleistung in chinesisch-amerikanischer Diplomatie“. Die englischsprachige „China Daily“, die in erster Linie der chinesischen Selbstdarstellung im Ausland dient, lobte die „pragmatische Kooperation“ beider Seiten und urteilte, der Besuch habe „ein solides Fundament für eine bilaterale Partnerschaft im kommenden Jahrzehnt“ gelegt.</p>
<p>Um in China grösstmögliche Aufmerksamkeit für die Visite zu bekommen, hatte Chinas Propagandabehörde in den vergangenen Tagen den Druck wichtiger Parteiblätter wie der „Volkszeitung“ oder der „Zeitung der Volksbefreiungsarmee“ um bis zu acht Stunden verschoben, um dichter am Geschehen im dreizehn Zeitzonen entfernten Washington zu sein. Zu den am häufigsten gedruckten Bildern gehörten Fotos von Hu beim Abnehmen der Ehrengarde, bei seiner Rede vor dem Weissen Haus und im Oval Office. Auch das opulente Staatsbankett fand grosse Aufmerksamkeit, inklusive der Beobachtung, Michelle Obama habe ein „chinarotes“ Abendkleid getragen.</p>
<p>Kernstück der Berichterstattung war allerdings die gemeinsame Erklärung der beiden Präsidenten. Anders als westliche Regierungen messen Chinas Aussenpolitiker derartigen Kommuniqués grosse Bedeutung bei. Das in voller Länge abgedruckte Positionspapier schreibt gewissermassen den kleinsten gemeinsamen Nenner der Beziehungen fest. „Die USA betonen dass sie ein starkes, wohlhabendes und erfolgreiches China, das eine grössere Rolle in der Welt spielt, begrüssen“, ist darin zu lesen. „Jedes Land und sein Volk haben das Recht, ihren eigenen Weg zu wählen, und die Entwicklungsmodelle sollten gegenseitig respektiert werden.“ Nach Auffassung der „Global Times“ habe die Erklärung „alle Ängste vertrieben, dass zwischen China und den USA ein neuer Kalter Krieg ausbrechen könnte“. Die Agentur ist überzeugt, dass nun „die ganze Welt auf den nächsten Handschlag zwischen China und den USA wartet“.</p>
<p>Bezeichnend ist auch, was in China nicht berichtet wurde. Auf Hus Eingeständnis, dass „in China in Sachen Menschenrechte noch viel getan werden muss“, gingen chinesische Medien ebenso wenig ein wie auf die Proteste, die den Besuch begleiteten. Nichts sollte den schönen Schein trüben. Denn für Chinas Medien beginnt mit der Reise gewissermassen die Arbeit am Nachruhm des 68-jährigen Staats- und Parteichefs. Allgemein wird erwartet, dass er seine Ämter in den kommenden zwei Jahren an Vize-Präsident Xi Jinping übergeben wird. Der pompöse Empfang war deshalb wohl, zumindest formal. der letzte Höhepunkt seines aussenpolitischen Wirkens.</p>
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		<title>Boom oder Blase?</title>
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		<pubDate>Tue, 18 Jan 2011 01:45:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>China wächst mit zweistelligen Raten. Doch Ökonomen warnen vor den Fallen des Wirtschaftssystems – und Risiken für westliche Unternehmen.</h3>
Wenn US-Präsident Barack Obama am Dienstagabend Chinas Staatschef Hu Jintao in Washington zum Abendessen empfängt, hofft Steve Dickinson, dass die beiden mächtigsten Männer der Welt den richtigen Gesprächsstoff finden. „Die Fronten zwischen China und dem Westen sind tief“, sagt der amerikanische Wirtschaftsanwalt...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>China wächst mit zweistelligen Raten. Doch Ökonomen warnen vor den Fallen des Wirtschaftssystems – und Risiken für westliche Unternehmen.</h3>
<p>Wenn US-Präsident Barack Obama am Dienstagabend Chinas Staatschef Hu Jintao in Washington zum Abendessen empfängt, hofft Steve Dickinson, dass die beiden mächtigsten Männer der Welt den richtigen Gesprächsstoff finden. „Die Fronten zwischen China und dem Westen sind tief“, sagt der amerikanische Wirtschaftsanwalt, der seit Jahren in der ostchinesischen Hafenstadt Qingdao arbeitet und viele chinesische Großkonzerne zu seinen Klienten zählt. „Chinas Regierung verlangt von ihren Unternehmen, dass sie sich international mehr engagieren, aber häufig sind sie nicht bereit, sich an die Spielregeln zu halten.“ Gerichtsprozesse über Preisdumping und Technologieklau würden in den kommenden Jahren zunehmen, prognostiziert der Jurist – zumal der ab 2011 geltende 12. Fünfjahresplan ausdrücklich vorsieht, dass chinesische Firmen sich mehr westliches Know-how aneignen sollen. Zu Dauerstreitthemen avancieren auch die Konflikte um den künstlich billigen Yuan, der Chinas Exportindustrie Vorteile auf den Weltmärkten verschafft, und Pekings Ausfuhrbeschränkungen für Seltenerd-Metalle, die in der Hightechindustrie unverzichtbar sind und auf die China ein Quasi-Monopol hat. „Wenn man in chinesischen Medien die Diskussion über die Seltenen Erden verfolgt, findet man niemanden, der sich die Frage stellt, was eigentlich die Bestimmungen der Welthandelsorganisation WTO zu Exportblockaden für Rohstoffe sind“, hat Dickinson beobachtet. „Für die Chinesen steht immer die Überzeugung im Vordergrund, dass der Westen ihnen Böses will und ihren wirtschaftlichen Fortschritt verhindern möchte.“</p>
<p>Trotz der Konflikte dürften die wirtschaftlichen Fragen noch zu jenen gehören, bei denen Hu und Obama sich am ehesten auf gemeinsame Interessen verständigen können. Politisch und militärisch sind Misstrauen und Konkurrenz derzeit weit stärker ausgeprägt. Dennoch könnten die Referenzen der beiden Staatschefs nicht unterschiedlicher sein als bei ihrer Wirtschaftspolitik. Während Obama bislang vergeblich gegen schwache Konjunkturdaten und eine hohe Arbeitslosigkeit kämpft, kann Hu neuerdings wieder zweistellige Expansionsraten vorweisen. Um 10,1 Prozent stieg Chinas Bruttoinlandsprodukt im vergangenen Jahr, verkündete kurz vor seiner Abreise die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission. Auch dieses Jahr dürfte das Wachstum der zweitgrößten Wirtschaftsmacht um die zehn Prozent liegen, prognostizieren Ökonomen. Der Handel macht ebenfalls große Sprünge: Chinas Exporte stiegen 2010 um 31 Prozent, die Importe sogar um 39 Prozent.</p>
<p>Angesichts der Dynamik gilt bei westlichen Managern mehr denn je das Credo, dass es sich kein multinationales Unternehmen mehr leisten kann, auf ein starkes Engagement in der Volksrepublik zu verzichten, trotz der allgemein bekannten Unsicherheiten. Laut einer Studie der US-Handelskammer in Peking, die im Namen ihrer Mitglieder häufig scharfe Kritik an der chinesischen Wirtschaftspolitik übt, wollen über 90 Prozent der amerikanischen Unternehmen ihre Investitionen in China erhöhen. Ähnlich ambivalent ist die Haltung europäischer Firmen. Erst am Freitag hatten amerikanische und europäische Unternehmensvertreter bei einem Seminar zur Vorbereitung von Hus USA-Besuch gemeinsam einen besseren Schutz von geistigem Eigentum verlangt – eine Forderung, der Chinas Politiker seit Jahren höflichen Beifall spenden, ohne dass sich jedoch substantiell etwas ändern würde.</p>
<p>Wohin der Trend für westliche Unternehmen im chinesischen Markt geht, zeigt sich besonders deutlich in der deutschen Autoindustrie, die unmittelbar von der steigenden Konsumkraft der Chinesen profitiert. Nach Angaben des Branchenverbands CAAM wurden in China vergangenes Jahr 18,1 Millionen PKW verkauft, ein Drittel mehr als im Vorjahr. 1,5 Millionen davon stammten von Volkswagen, was einem Absatzplus von 35 Prozent entspricht. Audi legte um 43 Prozent auf 228.000 Limousinen zu und Mercedes-Benz konnte seine Verkäufe mit 148.000 Autos sogar mehr als verdoppeln. Doch obwohl der chinesische Bedarf nach deutschen Autos ein Haupttreiber für Deutschlands derzeit starke Exporte ist, bedeutet der chinesische Kaufrausch für den Standort Deutschland nicht nur Gutes. Denn die Hersteller werden die Nachfrage künftig zunehmend aus Werken in China selbst beliefern. Mercedes will in den kommenden drei Jahren drei Milliarden Euro in China investieren. Volkswagen und Audi haben in den nächsten fünf Jahren sogar Neuinvestitionen von 10,6 Milliarden Euro vorgesehen. Selbst bei Porsche denkt man mittlerweile darüber nach, künftig in China zu produzieren, etwa den Geländewagen Cajun, der technisch Audis Q5 ähnelt, der bereits im nordchinesischen Werk Changchun vom Band läuft. Gleichzeitig bauen deutsche Auto-Zulieferer ihre chinesischen Kapazitäten aus und planen dabei die Vorgabe der Autokonzerne ein, dass künftig ein wachsender Anteil der in Deutschland verbauten Komponenten aus China stammen soll.</p>
<p>Doch obwohl an China derzeit kein Weg vorbeiführt, führt in China selbst nicht jeder Weg zum Erfolg. Pekings Wirtschaftslenker sind sich wohl bewusst, dass längst nicht alles Wachstum gutes Wachstum ist. Mit dem 12. Fünfjahresplan wollen sie ihr Wirtschaftsmodell umweltfreundlicher, nachhaltiger und weniger exportgetrieben machen – Vorhaben, die allerdings auch schon im zehnten und elften Fünfjahresplan standen, ohne zu den erwünschten Erfolgen zu führen. Vor allem die sozialen Spannungen infolge der wachsende Kluft zwischen Arm und Reich machen der Regierung Sorge. Als akuteste Herausforderungen hat Regierungschef Wen Jiabao deshalb die Bekämpfung der Inflation und der rasant steigenden Immobilienpreise benannt, unter denen besonders die ärmeren Bevölkerungsschichten leiden. Im November lagen die Konsumentenpreise 5,1 Prozent über dem Vorjahresniveau. Für das Jahr 2011 will Peking den Preisanstieg auf vier Prozent zu begrenzen, unter anderem mit einer strafferen Geldpolitik.</p>
<p>Noch schneller ist der Anstieg der Wohnungspreise. Im Dezember lagen sie 6,4 Prozent über dem Vorjahresniveau, was allerdings bereits ein Rückgang gegenüber der ersten Jahreshälfte 2010 ist, als auch die Immobilieninflation zweistellig war. Während Eigenheimbesitzer sich damit immer reicher schätzen können, wird es für ärmere Chinesen immer schwerer, erschwingliche Wohnungen zu finden. Die Regierung hat deshalb ein großes Sozialwohnungsprogramm aufgelegt, doch die Umsetzung erweist sich als schwierig. „Finanzierbare Wohnungen führen zu einem der größten Korruptionsprobleme“, sagte  kürzlich der stellvertretende Parlamentspräsident Cheng Siwei. „Denn eine erschwingliche Wohnung zu bekommen ist das gleiche wie eine große staatliche Subvention zu erhalten.“ Einige Ökonomen warnen bereits davor, dass sich in China eine Immobilienblase gebildet habe, die eines Tages genauso platzen könne wie vor drei Jahren die amerikanische – und die Chinas derzeitiges Wirtschaftswunder jäh beenden könnte. Ausreichend Gesprächsstoff für ein Abendessen der beiden Präsidenten ist das allemal.</p>
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		<title>Der Beziehungstest</title>
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		<pubDate>Sun, 16 Jan 2011 01:32:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Diplomatie]]></category>
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		<category><![CDATA[USA]]></category>

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		<description><![CDATA[<h3><em>Chinas Präsident Hu Jintao reist in die USA. Die Rivalität zwischen beiden Grossmächten zeigt sich offener denn je und ein Ende der Eskalation ist nicht in Sicht.</em></h3>

Sie gelten als die beiden mächtigsten Politiker der Welt – und ihre Treffen entwickeln sich zunehmend zu einem diplomatischen Muskelspiel. Wenn der amerikanische Präsident Barack Obama und Chinas Staatschef Hu Jintao diesen Mittwoch in Washington wieder einmal zusammenkommen, ist die Liste der akuten Konfliktthemen erneut länger geworden...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3><em>Chinas Präsident Hu Jintao reist in die USA. Die Rivalität zwischen beiden Grossmächten zeigt sich offener denn je und ein Ende der Eskalation ist nicht in Sicht.</em></h3>
<p>Sie gelten als die beiden mächtigsten Politiker der Welt – und ihre Treffen entwickeln sich zunehmend zu einem diplomatischen Muskelspiel. Wenn der amerikanische Präsident Barack Obama und Chinas Staatschef Hu Jintao diesen Mittwoch in Washington wieder einmal zusammenkommen, ist die Liste der akuten Konfliktthemen erneut länger geworden: Neben den langjährigen politischen Differenzen und wirtschaftlichen Rivalitäten ist nun auch der militärische Wettbewerb offen ausgebrochen.</p>
<p>Die Volksbefreiungsarmee hat die letzten Wochen vor dem Gipfel dazu genutzt, um waffentechnische Fortschritte zu präsentieren, die das Pentagon ihr erst in einigen Jahren zugetraut hatte: Diese Woche absolvierte Chinas erster Tarnkappenbomber J-20 seinen Jungfernflug – wenige Stunden vor einem Treffen zwischen Präsident Hu und dem auf Besuch weilenden US-Verteidigungsminister Robert Gates in Peking. Wenige Tage davor hatte die Marine ihre neue Antischiffrakete Dongfeng 21-D vorgestellt, die amerikanische Flugzeugträger versenken können soll. Ein eigener Flugzeugträger und neue Atom-Unterseeboote befinden sich im Bau.</p>
<p>Dass Peking aus seiner ehrgeizigen Aufrüstung kein Hehl mehr macht, ist wohl eine Reaktion auf Washingtons Bemühungen, seine Sicherheitsallianzen im asiatisch-pazifischen Raum zu stärken, um den chinesischen Grossmachtambitionen Einhalt zu gebieten – und seine eigene Dominanz in der Region zu sichern.</p>
<p>Wie aus einer anderen Zeit wirkt der Optimismus internationaler politischer Vordenker, die den USA und China einen Schulterschluss zutrauten, um als «G-2» gemeinsam Lösungen für globale Probleme auf den Weg zu bringen, an denen die G-8, die G-20 und die Uno scheiterten. Obwohl beide Seiten öffentlich von einer «strategischen Partnerschaft» sprechen, haben nicht zuletzt die von der Enthüllungs-Website Wikileaks veröffentlichten amerikanischen Diplomaten-Depeschen belegt, wie tief das Misstrauen sitzt. US-Botschafter Jon Huntsman hat demnach die «chinesische Überheblichkeit» sowie Pekings «Muskelspiele, Triumphgehabe und herrisches Auftreten» als Haupthindernis für bessere Beziehungen ausgemacht. Washington brauche deshalb ein neues System von Zuckerbrot und Peitsche, um die Chinesen mit Drohungen und Anreizen zur Kooperation zu bewegen. Im chinesischen Aussenministerium sieht man sich seit den Wikileaks-Enthüllungen mehr denn je im Recht, über «amerikanische Arroganz» zu klagen und den USA eine antichinesische Eindämmungspolitik vorzuwerfen.</p>
<p>Zwar bemühen sich die Diplomaten beider Seiten, mit dem Staatsbesuch ein Ende der Eskalation auszurufen. Als Zeichen der Verbundenheit will Hu deshalb unter anderem Präsident Obamas Heimatstadt Chicago besuchen. Doch neue Verstimmungen sind bereits angelegt. Laut einem Bericht der «Washington Times» hat das US-Verteidigungsministerium eine neue Waffenlieferung für Taiwan beschlossen. Das Rüstungsgeschäft im Wert von vier Milliarden Dollar soll kurz nach Hus Reise bekanntgegeben werden. Peking sieht Taiwan als «abtrünnige Provinz» an und hatte vergangenes Jahr als Reaktion auf ein ähnliches Rüstungsgeschäft die Kontakte zwischen dem chinesischen und dem amerikanischen Militär weitgehend abgebrochen. «Wenn das Taiwan-Problem gelöst wird, können sich die chinesisch-amerikanischen Beziehungen ungestört entwickeln», kommentierte der chinesische Vize-Aussenminister Cui Tiankai. «Andernfalls werden sie gestört.»<br />
Mit Widerwillen beobachtet man in Peking auch, dass Obama als Vorbereitung auf Hus Besuch eine Gruppe chinesischer Menschenrechtler öffentlichkeitswirksam zu einem Gespräch ins Weisse Haus eingeladen hat. Der Friedensnobelpreisträger von 2009 steht unter Druck, sich für die Freilassung des Preisträgers von 2010, des chinesischen Demokratie-Aktivisten Liu Xiaobo, einzusetzen.</p>
<p>Keinerlei Annäherung ist auch im Streit um die chinesische Währung in Sicht. Washington wirft Peking vor, den Yuan künstlich billig zu halten, um dem Absatz chinesischer Waren auf den Weltmärkten Vorteile zu verschaffen. US-Finanzminister Timothy Geithner und Wirtschaftsminister Gary Locke wiederholten deshalb kurz vor Hus Abreise ihre Forderung, dass Peking schneller aufwerten müssen. Chinas Vize-Aussenminister Cui konterte jedoch mit der Ermahnung, die USA sollten eine verlässlichere Wirtschaftspolitik betreiben – und so verhindern, dass Chinas Anlagen in US-Staatsanleihen an Wert verlieren. Peking ist der grösste Finanzierer des amerikanischen Haushaltsdefizits.</p>
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		<title>Kein Raum für Missverständnisse</title>
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		<pubDate>Tue, 11 Jan 2011 01:35:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<category><![CDATA[China]]></category>
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		<description><![CDATA[<h3>Der Großmachtwettbewerb zwischen den USA und China weitet sich von Wirtschaft und Politik nun auch aufs Militär aus. Abrüstungsversuche gibt es nur verbal.</h3>

Wenn doch alles nur ein Missverständnis wäre! US-Verteidigungsminister Robert Gates wollte es so erscheinen lassen. „Wir sind uns sehr einig, dass sich die Gefahr von Misskommunikation, Missverständnissen und Misskalkulationen nur reduzieren lässt, wenn unsere zwischenmilitärischen Beziehungen solide und verlässlich sind und sich nicht mit dem politischen Wind ändern“, sagte er nach einem Gespräch mit seinem chinesischen Amtskollegen Liang Guanglie in Peking...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Der Großmachtwettbewerb zwischen den USA und China weitet sich von Wirtschaft und Politik nun auch aufs Militär aus. Abrüstungsversuche gibt es nur verbal.</h3>
<p>Wenn doch alles nur ein Missverständnis wäre! US-Verteidigungsminister Robert Gates wollte es so erscheinen lassen. „Wir sind uns sehr einig, dass sich die Gefahr von Misskommunikation, Missverständnissen und Misskalkulationen nur reduzieren lässt, wenn unsere zwischenmilitärischen Beziehungen solide und verlässlich sind und sich nicht mit dem politischen Wind ändern“, sagte er nach einem Gespräch mit seinem chinesischen Amtskollegen Liang Guanglie in Peking.</p>
<p>Doch die Nachrichten der vergangenen Wochen scheinen wenig Spielraum für Interpretationen zu lassen: Chinas militärische Ambitionen entwickeln sich zum nächsten großen Konfliktpunkt zwischen Peking und Washington. Vor einigen Wochen präsentierte Chinas Marine eine bald einsatzfähige Antischiffsrakete, die stark genug sein soll, US-Flugzeugträger zu versenken. Letzte Woche erschienen im Internet Bilder vom Prototypen eines chinesischen Tarnkappenbombers. Und noch in diesem Jahr könnte der erste chinesische Flugzeugträger in See stechen.</p>
<p>Peking scheint fest entschlossen, die amerikanische Dominanz in Asien herausfordern zu wollen. „Die Entwicklung von Chinas militärischer Schlagkraft entwickelt sich in großen Sprüngen und ist dem ursprünglichen Zeitplan weit voraus“, sagt der Shanghaier Militärexperte Ni Lexiong. „Die Richtung ist klar: Früher oder später wird China die USA militärisch überholen.“</p>
<p>Es dürfte kein Zufall sein, dass China die Welt ausgerechnet jetzt in ihr Waffenarsenal schauen lässt. Kommende Woche reist Chinas Präsident Hu Jintao nach Washington, ein schwieriger Besuch, der das angeschlagene chinesisch-amerikanische Verhältnis reparieren soll, das 2010 unter anderem durch Währungs- und Handelsstreitigkeiten sowie den Nordkorea-Konflikt schwer beschädigt wurde. Als Reaktion auf amerikanische Waffenverkäufe an Taiwan, das in Peking als abtrünnige Provinz gesehen wird, hatte die Volksrepublik vor einem Jahr die militärischen Kontakte weitgehend abgebrochen. „Die diplomatischen Probleme zwischen unseren beiden Ländern führen dazu, dass wir uns in einer Phase der Muskelspiele befinden“, sagt Ni. Die Drohungen seien ein „Signal, dass China seine Position stärken will, besonders vor Hus Besuch in Washington.“</p>
<p>Keine Waffe signalisiert dies deutlicher als die neue Antischiffsrakete „Dongfeng 21-D“, die den Spitznamen „Flugzeugträgerkiller“ trägt. Entwickelt wurde sie mit einem Ziel: den schwimmenden Kriegsflughäfen der USA, die Washington immer wieder einsetzt, um seine Vorherrschaft in Asienpazifik zu demonstrieren, einer Region, die China als seinen Vorgarten betrachtet. Zuletzt nahm die „George Washington“ Ende vergangenen Jahres zusammen mit Südkoreanischen Kriegsschiffen an einer Übungen im Gelben Meer teil. Auch vor der Insel Taiwan, die Peking als abtrünnige Provinz betrachtet, ließ das Pentagon schon seine Superkähne kreuzen. Die „Dongfang 21-D“, die eine Reichweite von 1500 Kilometern hat, soll den USA die Lust an solchen Manövern nehmen. „Die Raketen sollen den USA zeigen, dass sie in unserem Gebiet nichts zu suchen haben“, sagt Wang Xiangsui, Militäranalyst an der Pekinger Universität für Luftfahrttechnik.</p>
<p>Chinas wachsende Fähigkeit, seinen Forderungen mit entsprechender militärischer Hardware Nachdruck zu verleihen, löst nicht nur in den USA Sorgen aus. Auch bei Chinas Nachbarn entsteht der Eindruck, dass Peking zunehmend aggressiv auftritt. Sowohl im Ostchinesischen wie im Südchinesischen Meer versucht China in Jahrzehnte alten Territorialkonflikten eine Entscheidung zu erzwingen. Kurz vor seiner Peking-Reise warnte US-Verteidigungsminister Gates davor, dass Chinas schnelle Waffenentwicklungen die US-Kontrolle über den Asienpazifikraum gefährde. „Sie sind zweifellos in der Lage, einige unserer Truppen zu gefährden und wir müssen dafür sorgen, dass wir darauf mit unseren eigenen Programmen angemessen reagieren“, sagte Gates. Doch während die finanziell angeschlagenen USA ihr Verteidigungsbudget stark zusammenstreichen müssen, weitet China seine Ausgaben sprunghaft aus. Chinas Militärbudget hat sich in den vergangenen zehn Jahren vervierfacht. Einem Pentagonbericht zufolge lag der chinesische Verteidigungsetat im Jahr 2009 bei 150 Milliarden Dollar und damit weit höher als offiziell angegeben. Die USA geben jährlich mit rund 700 Milliarden Dollar aber noch weitaus mehr aus.</p>
<p>Unter diesen Bedingungen ist es schwer vorstellbar, wie sich das Verhältnis zwischen den Militärs beider Seiten grundlegend verbessern soll. Chinesische Experten werfen den USA vor, die Aufrüstung der Volksrepublik selbst ausgelöst zu haben. Peking beobachtet nervös, wie Washington versucht, China durch eine Kette von Allianzen in der Region zu isolieren. „Es ist eine Tatsache, dass die USA China eindämmen und daran hindern wollen, eine starke Regionalmacht zu werden“, sagt Ni und meint, dass die chinesischen Bemühungen bei den Nachbarn Beruhigung, nicht Angst auslösen sollten. „Das Land, vor dem alle Angst haben sollten, sind die USA, die ungeheure Macht haben“, sagt auch Wang. „Macht ohne Einschränkung ist etwas Schreckliches, aber China will für ein besseres Gleichgewicht sorgen.“</p>
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		<title>Wikileaks entzweit Peking und Pjöngjang</title>
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		<pubDate>Tue, 30 Nov 2010 16:11:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>Die Wikileaks-Veröffentlichungen zeigen Brüche im Bündnis zwischen China und Nordkorea. Könnte dadurch Bewegung in den festgefahrenen Konflikt kommen?</h3>
Als „alter Freund“ reiste Choe Thae-bok in Pjöngjang ab, als „verwöhntes Kind“ kam er in Peking an: Nordkoreas Parlamentspräsident und Sekretär des Zentralkomitees der Arbeiterpartei musste am Dienstag zum Auftakt seines Chinabesuchs brisante Enthüllung von Wikileaks verkraften. Unmittelbar vor seiner Landung war bekannt geworden, wie Chinas Vizeaussenminister He Yafei vergangenes Jahr vor Mitarbeitern der US-Botschaft in Peking über die Verbündeten aus Pjöngjang hergezogen haben soll...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Die Wikileaks-Veröffentlichungen offenbaren Brüche im Bündnis zwischen China und Nordkorea. Könnte dadurch Bewegung in den festgefahrenen Konflikt kommen?</h3>
<p>Als „alter Freund“ reiste Choe Thae-bok in Pjöngjang ab, als „verwöhntes Kind“ kam er in Peking an: Nordkoreas Parlamentspräsident und Sekretär des Zentralkomitees der Arbeiterpartei musste am Dienstag zum Auftakt seines Chinabesuchs brisante Enthüllung von Wikileaks verkraften. Unmittelbar vor seiner Landung war bekannt geworden, wie Chinas Vizeaussenminister He Yafei vergangenes Jahr vor Mitarbeitern der US-Botschaft in Peking über die Verbündeten aus Pjöngjang hergezogen haben soll. Nordkorea verhalte sich „wie ein verwöhntes Kind, das die Aufmerksamkeit der Erwachsenen bekommen will“, wird er in dem Bericht zitiert. Als Begründung für Chinas enge Beziehungen mit Nordkorea gibt er an: „Wir mögen sie vielleicht nicht, aber sie sind unsere Nachbarn“</p>
<p>Anderen Dokumenten ist zu entnehmen, wie zwei ranghohe chinesische Beamte Südkoreas stellvertretendem Aussenminister erklärten, dass Korea eines Tages unter Seouls Führung wiedervereinigt werden solle und dass diese Ansicht in der Pekinger Führung immer mehr Anhänger finde. Vor allem Chinas jüngere Politikergeneration empfinde die Bündnistreue zu Nordkorea zunehmend als Belastung. Ein chinesischer Botschafter soll Nordkoreas Atomwaffen ausserdem als „Bedrohung für die Sicherheit der ganzen Welt“ bezeichnet haben.</p>
<p>Die Enthüllungen müssen in Nordkorea tiefe Verunsicherung auslösen. Denn obwohl sich Diktator Kim Jong-il keine Illusionen darüber machen dürfte, dass die Chinesen mit seinem Konfrontationskurs nicht einverstanden sind, so konnte er sich bisher doch stets darauf verlassen, dass sie ihm in der Öffentlichkeit und gegenüber westlichen Regierungen die Treue halten. Doch je mehr Provokationen sich Nordkorea leistet, umso akuter stellt sich die Frage, welchen Preis China für das Bündnis zu zahlen bereit ist. Die Wikileaks-Dokumente scheinen zu belegen, dass Diskussionen über Alternativen zum sozialistischen Bruderpakt in Peking kein Tabu mehr sind.</p>
<p>Aus Pjöngjangs Sicht kommt die Veröffentlichung zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt: Nach dem nordkoreanischen Angriff auf die südkoreanische Insel Yeonpyeong, bei dem vergangene Woche vier Menschen starben, wächst der Druck auf China, seinen Einfluss in Nordkorea geltend zu machen und Kims Eskalationslust Einhalt zu gebieten. Pekings Versuch, in dem Konflikt zu vermitteln und Anfang Dezember einen Sechs-Parteien-Gipfel zwischen Nord- und Südkorea, China, den USA, Russland und Japan abzuhalten, hat sich inzwischen als politische Fehlzündung erwiesen, die den chinesischen Diplomaten mehr Kritik als Beifall eingebracht hat. Nach den Südkoreanern sagten am Montag auch die USA ihre Bereitschaft zu einem Treffen ab, solange Nordkorea nicht vorher Schritte zur Denuklearisierung unternimmt. “Dies sind keine Gespräche um der Gespräche Willen”, erklärte der Sprecher des Weissen Hauses, Robert Gibbs. „Wir drängen China weiterhin, seinen Einfluss und seine Überzeugungskraft gegenüber den Nordkoreanern einzusetzen, um ihr Verhalten anzusprechen und die Ernsthaftigkeit der Probleme der vergangenen Woche anzusprechen.“</p>
<p>Die Veröffentlichungen seien „willkommene Munition für alle Kritiker, die China vorwerfen, nicht genug Verantwortung zu übernehmen“, meint Shi Yinhong, Politologe von der Pekinger Volksuniversität. „Sie können dazu führen, dass sich der Konflikt weiter zuspitzt.“ Allerdings entspreche es vorerst weiterhin Chinas Interessen, Nordkorea als exklusive Einflusszone und als Pufferstaat zur den US-Truppen in Südkorea zu behalten. Chinas Regierung hat zu Wikileaks’ „Cablegate“ in der Öffentlichkeit bisher nicht mehr gesagt, als dass sie von den USA einen „angemessenen Umgang“ fordere. In chinesischen Medien wird das Thema fast vollständig totgeschwiegen.</p>
<p>Nordkorea zeigte sich im Dienstag gewillt, die Spannungen weiter zu schüren und bekräftigte seine Absicht zur Ausweitung seines Atomprogramms. „Der Bau eines Leichtwasserreaktors wird derzeit aktiv betrieben“, hiess es in einem Bericht der Parteizeitung „Rodong Sinmun“. „Das Projekt zur Entwicklung von Kernenergie für friedliche Zwecke wird noch stärker vorangetrieben.“ Anfang November hatten die Nordkoreaner eine Urananreicherungsanlage mit tausenden Zentrifugen vorgeführt, die Brennstäbe für einen Leichtwasserreaktor herstellen sollen, aber auch für die Produktion von atomwaffenfähigem Nuklearmaterial umgerüstet werden könnte. Sollte Nordkorea tatsächlich Uranbomben entwickeln, würde auch die Gefahr steigen, dass es die Technologie an andere Länder weitergibt, weil die benötigten Anlagen leichter zu verbergen und das radioaktive Material leichter zu transportieren ist. Aus den Wikileaks-Dokumenten geht hervor, dass Nordkorea trotz des Waffenembargos dem Iran Raketen geliefert hat, die auch als Trägergeschosse für Atombomben dienen könnten. Ausserdem ist den Depeschen zu entnehmen, dass der damalige US-Präsident George W. Bush seinen chinesischen Amtskollegen Hu Jintao 2007 persönlich darauf hingewiesen haben soll, dass der illegale Waffenhandel womöglich durch China laufe. Aus dem Schreiben lässt sich nicht erkennen, inwiefern die Chinesen Nordkoreas Geschäfte womöglich gedeckt haben.</p>
<p>Als Reaktion auf den Beschuss von vergangener Woche hielten südkoreanische und amerikanische Truppen am Dienstag zum dritten Tag in Folge ein Seemanöver im Gelben Meer ab. Gleichzeitig bereitet Südkoreas Armee neue Regeln für den Fall eines nordkoreanischen Angriffs vor. Die Truppen sollen künftig nicht mehr daran gebunden sein, nur mit vergleichbaren Waffen und der gleichen Anzahl an Schüssen zu reagieren. Einer Umfrage zufolge sind 80 Prozent der Südkoreaner der Meinung, ihr Militär habe zu zögerlich auf den Beschuss der Insel Yeonpyeong reagiert. Deshalb solle nun “garantiert werden, dass der Feind bestraft wird”, heisst es in einem Bericht des Verteidigungsministeriums, das für kommendes Jahr eine Budgeterhöhung um 360 Milliarden Won (235 Millionen Euro) beantragen will.</p>
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		<title>Der Stellvertreterkonflikt</title>
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		<pubDate>Sat, 27 Nov 2010 08:37:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>Der Streit um Nordkorea offenbart die Bruchstellen der neuen Weltordnung.</h3>
Nein, diesen Gefallen werden wir Kim Jong-il nicht tun! Mit seinen jüngsten Provokationen – dem Beschuss der südkoreanischen Insel Yeonpyeong und der Präsentation seiner Urananreicherungsanlage – will Nordkoreas Diktator der Welt Angst vor einem neuen Korea-Krieg machen. Er möchte, dass man ihm jeden Wahnsinn zutraut, selbst den Einsatz seiner Atombomben. Denn nur wenn das Ausland Kim fürchtet, macht es ihm die politischen und finanziellen Zugeständnisse, die er braucht, um sein tyrannisches Regime am Leben zu erhalten...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Der Streit um Nordkorea offenbart die Bruchstellen der neuen Weltordnung.</h3>
<p>Nein, diesen Gefallen werden wir Kim Jong-il nicht tun! Mit seinen jüngsten Provokationen – dem Beschuss der südkoreanischen Insel Yeonpyeong und der Präsentation seiner Urananreicherungsanlage – will Nordkoreas Diktator der Welt Angst vor einem neuen Korea-Krieg machen. Er möchte, dass man ihm jeden Wahnsinn zutraut, selbst den Einsatz seiner Atombomben. Denn nur wenn das Ausland Kim fürchtet, macht es ihm die politischen und finanziellen Zugeständnisse, die er braucht, um sein tyrannisches Regime am Leben zu erhalten.</p>
<p>Obwohl der Konflikt am 38. Breitengrad derzeit zu eskalieren scheint, ist Pjöngjangs Kriegsdrohung ein Bluff. Kim Jong-il hat häufig genug unter Beweis gestellt, dass er zwar grausam ist, aber nicht irre, und selbst wenn ihn Alter und Krankheit um den Verstand gebracht haben sollten, so weiß doch immer noch der Rest der nordkoreanischen Herrschaftselite, dass ein Krieg gegen die militärische Übermacht der USA politischer Selbstmord wäre. Auch die Gefahr, die von Kims Atombomben ausgeht, ist zumindest derzeit noch gering, weil Nordkorea über keine geeigneten Raketen verfügt (Pjöngjang könnte höchstens eine sogenannte „schmutzige Bombe“ einsetzen, bei der radioaktives Material mit herkömmlichem Sprengstoff vermischt wird – eine fürchterliche, aber nicht annähernd so verheerende Waffe.).</p>
<p>In Wirklichkeit versucht Kim, der Weltgemeinschaft wieder einmal so sehr lange zur Last zu fallen, bis sie es für das kleinere Übel hält, ihm Zugeständnisse zu machen, statt immer höhere finanzielle und politische Kosten für teure Manöver und diplomatische Zerwürfnisse auflaufen zu lassen. Nordkoreas Spiel mit den Großmächten funktioniert, weil der Streit um Pjöngjangs Atomprogramm zu einem Stellvertreterkonflikt geworden, an dem die Bruchstellen der neuen Weltordnung sichtbar werden: Auf der einen Seite steht die alte Supermacht USA mit ihren Verbündeten Südkorea und Japan, auf der anderen das neue weltpolitische Schwergewicht China, und am Rande erinnert auch Russland an seine Ansprüche. Theoretisch wäre es für die Parteien ein Leichtes, das Pjöngjang-Problem und die menschliche Tragödie der 24 Millionen Nordkoreaner ein für allemal aus der Welt zu schaffen. Doch die Lösung scheitert an geostrategischen Interessen und nationalen Eitelkeiten.</p>
<p>Bei jeder friedlichen Lösung des Konflikts wären alle großen Mächte Verlierer. Für Washington ist die Verteidigung der innerkoreanischen Grenze die stärkste Rechtfertigung für ihre massive Militärpräsenz in der Region, unmittelbar vor den Grenzen Chinas und Russlands. Müssten sich die USA aus Südkorea zurückziehen, ginge automatisch auch ein großer Teil der Stützpunkte in Japan verloren, die an die Koreamission gebunden sind. Der Gewinner wäre vor allem China, dessen Aufrüstung im Pentagon als die größte Gefahr für die amerikanische Vorherrschaft in Asienpazifik gilt. Auch Südkorea und Japan fürchten ein Erstarken des großen Nachbarn und können sich mit Verweis auf Nordkoreas Atomwaffen bequem unter den Schutzschild der USA zurückziehen, ohne sich offen zu ihrer Angst vor China bekennen zu müssen und damit regionale Spannungen auszulösen.</p>
<p>In Peking macht man sich über dieses Kalkül keine Illusionen. Doch obwohl am in China davon ausgeht, dass es eines Tages zu einem militärischen Konflikt in der Region kommen könnte, soll dieser so lange wie möglich hinausgezögert werden. Denn die Zeit spielt für die Volksrepublik, deren wirtschaftlicher und politischer Einfluss beständig wächst und deren Militär nach Kräften aufholt. Für die Zwischenzeit sind Chinas Generäle froh, mit Nordkorea einen Puffer zu den US-Truppen in Südkorea zu haben. Darüber hinaus ist Nordkorea eine exklusive chinesische Einflusszone: Peking stützt das System mit Hilfslieferungen und diplomatischer Schützenhilfe in internationalen Gremien und erhält im Gegenzug alleinigen Zugang zu Nordkoreas Rohstoffen.</p>
<p>Als dritter im Bunde hat auch Russland Interesse daran, Nordkorea als Pufferstaat zur US-Armee zu behalten. Ebenso wenig will man in Russland allerdings eine Situation herbeiführen, in der Nordkorea ganz an China fallen würde – im Fall eines Zusammenbruchs eine der wahrscheinlichsten Varianten. Die sich zuspitzende Rivalität zwischen China und den USA ist deshalb durchaus im russischen Interesse, und der Nordkoreakonflikt eine Möglichkeit, das Spannungspotential zu erhöhen.</p>
<p>Für Kim Jong-il ist dies eine komfortable Konstellation. Solange sich die Großmächte nicht einigen können, geht der Konflikt, der sein Regime am Leben hält, weiter – ein trauriges Stück Realpolitik.</p>
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		<title>China über Südkorea verstimmt</title>
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		<pubDate>Thu, 25 Nov 2010 13:08:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>Chinas Außenminister Yang Jiechi hat seine Reise nach Südkorea verschoben. Die Ursache sind wohl Unsicherheiten über den Umgang mit Nordkorea.</h3>
Zwei Tage nach dem tödlichen Gefecht an der innerkoreanischen Seegrenze hat Chinas Außenminister Yang Jiechi eine Reise nach Südkorea auf unbestimmte Zeit verschoben. Dabei standen bei dem Treffen unter anderem Beratungen zum Neustart der Sechser-Gespräche über das nordkoreanische Atomprogramm auf der Tagesordnung. Angeblich habe es Terminprobleme gegeben, erklärte Seoul...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Chinas Außenminister Yang Jiechi hat seine Reise nach Südkorea verschoben. Die Ursache sind wohl Unsicherheiten über den Umgang mit Nordkorea.</h3>
<p>Zwei Tage nach dem tödlichen Gefecht an der innerkoreanischen Seegrenze hat Chinas Außenminister Yang Jiechi eine Reise nach Südkorea auf unbestimmte Zeit verschoben. Dabei standen bei dem Treffen unter anderem Beratungen zum Neustart der Sechser-Gespräche über das nordkoreanische Atomprogramm auf der Tagesordnung. Angeblich habe es Terminprobleme gegeben, erklärte Seoul. Wahrscheinlicher scheint jedoch, dass es zu tiefen Verstimmungen über den Umgang mit Nordkorea gekommen ist. Pjöngjangs Militär hatte am Dienstag die Insel Yonpyong unter Beschuss genommen und dabei zwei Soldaten sowie zwei Zivilisten getötet. Nachdem Südkoreas Armee öffentlich für ihre zögerliche Reaktion kritisiert worden war, trat Verteidigungsminister Kim Tae Young am Donnerstag zurück.</p>
<p>Präsident Lee Myung Bak will am heutigen Freitag einen Nachfolger ernennen. Gleichzeitig kündigte er einen „Paradigmenwechsel“ an, wonach die Armee ihre „eher passive “ Haltung aufgeben werde. Für Reaktionen auf Angriffe des Nordens sollen künftig neue Regeln gelten. Das Militär beantragte beim Parlament, den Verteidigungshaushalt für das kommende Jahr um 264 Milliarden Won (171 Millionen Euro) aufzustocken. Damit soll die Präsenz auf fünf Inseln nahe der Grenze verstärkt werden.</p>
<p>Südkoreas Medien spekulierten derweil weiter über die Motive für den plötzlichen Gewaltausbruch. Nordkorea hatte sich nach eigenen Angaben von einem Marinemanöver in der Nähe der umstrittenen Seegrenze provoziert gefühlt. Südkoreas Verteidigungsministerium erklärte dagegen, der Angriff habe die Autorität von Kim Jong Ils designiertem Nachfolger, seinem schätzungsweise 27-jährigen Sohn Kim Jong Un, stärken sollen. Die südkoreanische Zeitung Joongang berichtete unter Berufung auf Regierungskreise, dass der Befehl direkt von Diktator Kim Jong Il gekommen sei. Die beiden Kims sollen kurz vor dem Beschuss den zuständigen General Kim Kyok Sik getroffen haben.<br />
Südkorea fordert von China, Nordkoreas Aggression endlich offen zu verurteilen. Doch auch nach dem jüngsten Angriff lässt sich Peking nicht von seiner Strategie abringen, auf jede öffentliche Bloßstellung seines Verbündeten zu verzichten. Schon nach dem Abschuss des südkoreanischen Kriegsschiffes Cheonan, das im März nach Überzeugung internationaler Experten von einem nordkoreanischen Torpedo getroffen wurde und mit 46 Matrosen an Bord unterging, hatte sich China um eine Schuldzuweisung gedrückt. Trotzdem können die Chinesen mit dem Verhalten ihrer nordkoreanischen Verbündeten keineswegs zufrieden sein. Denn die Eskalation des Korea-Konflikts gibt den USA einen Grund, ihre militärische Präsenz in der Region zu verstärken.</p>
<p>Am Sonntag wollen die USA und Südkorea gemeinsam ein viertägiges Seemanöver im Gelben Meer starten, für das unter anderem der Flugzeugträger „George Washington“ ins Gelbe Meer verlegt wird. Schon nach dem Cheonan-Untergang hatten die beiden Streitkräfte Manöver in Chinas unmittelbarer Nachbarschaft abgehalten und damit scharfen Protest aus Peking auf sich gezogen.<br />
Der chinesische Regierungschef Wen Jiabao rief alle Beteiligten zu „äußerster Zurückhaltung“ auf und warnte vor weiteren militärischen Provokationen. „China hat sich immer zur Aufrechterhaltung von Frieden und Stabilität auf der koreanischen Halbinsel bekannt“, sagte Wen. „Die internationale Gemeinschaft sollte größere Anstrengungen unternehmen, um die Spannungen abzubauen“, zitierte die Nachrichtenagentur Xinhua den Regierungschef. Der beste Weg, um Stabilität und eine koreanische Halbinsel ohne Atomwaffen zu erreichen, sei die Wiederaufnahme der Pekinger Sechser-Gespräche.</p>
<p>Nordkorea schickte derweil seinen Granaten rhetorische Geschosse hinterher. Die Armee sei „ohne Zögern bereit, starke zweite und dritte physische Vergeltungsschläge durchzuführen, sollten die südkoreanischen Kriegstreiber weitere verwegene militärische Provokationen unternehmen“, schrieb die offizielle Nachrichtenagentur KCNA.</p>
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