Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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Wettrüsten im Netz

Washington und Peking werfen einander Hacker-Angriffe vor und drohen mit Konsequenzen. Damit wird Cybersicherheit endgültig zur diplomatischen Frontlinie.

Der junge Computerexperte ist selbstbewusst. „Ich bin ausgebildet, um Systeme vor Hackerangriffen zu schützen“, sagt der Chinese und fügt lächelnd hinzu: „Dafür muss man natürlich erst mal selbst Hacken lernen.“ In fremde Netzwerke einzudringen, sei zentraler Teil seines Studiums gewesen, erzählt der Masters-Absolvent der renommierten Peking-Universität. Heute arbeitet er für einen internationalen Konzern, doch viele seiner Kommilitonen haben eine andere Laufbahn eingeschlagen. „Sie kamen von der Volksbefreiungsarmee und sind auch dorthin zurückgegangen“, sagt er. „Was auch immer sie dort machen, sie können mit den besten der Welt mithalten.“ Genau darüber ist nun ein scharfer Streit zwischen China und den USA ausgebrochen…

Bernhard Bartsch | 21. Februar 2013 um 22:08 Uhr

 

Koreanisches Patt

Nordkorea ist auf dem Weg, ein Atomstaat mit einsatzfähigen Sprengköpfen zu werden. Nur eine Allianz zwischen Washington und Peking kann Pjöngjang stoppen.

Nordkorea demonstriert der Weltgemeinschaft wieder einmal die Grenzen ihrer Macht: Mit seinem dritten Atombombentest ignoriert Pjöngjang die Forderungen der Vereinten Nationen, sein Nuklearprogramm einzustellen. Auch wenn noch wenig Details bekannt sind, scheint Nordkorea auf dem besten Wege, eine Nuklearmacht mit einsatzfähigen Waffen zu werden. Wenn Pjöngjangs Atomphysiker weiter entwickeln dürfen wie bisher, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie Sprengköpfe bauen können, die sich auf eine Rakete montieren lassen. Einen Interkontinentalflugkörper, der mehr als 10.000 Kilometer weit fliegen kann und sowohl die USA als auch weite Teile Asiens und Europas beschießen könnte, hatte Nordkorea bereits im Dezember erfolgreich getestet…

Bernhard Bartsch | 12. Februar 2013 um 17:34 Uhr

 

Von Papas Gnaden

Nordkoreas Diktator Kim Jong-un erhofft sich von seinem Atomtest eine bessere Verhandlungsbasis mit den USA.

Pjöngjang Wirklich ernst hat die Welt Kim Jong-un bisher nicht genommen. In der internationalen Presse tauchte Nordkoreas 30-jähriger Jungdiktator bisher vor allem als politischer Paradiesvogel auf: Man belächelte seine Statur und Frisur, amüsierte sich über seine Vorliebe für Vergnügungsparks und Mickey Mouse, und freute sich über Bilder seiner eleganten Frau, mit der er so verliebt wirkte. Einen altstalinistischen Tyrannen stellt man sich anders vor. Seit Dienstag scheint jedoch klar, dass Kim Jong-un nicht der erhoffte Reformer ist, der Nordkorea aus der Isolation und Armut führen will, sondern vor allem der Sohn seines 2011 verstorbenen Vaters…

Bernhard Bartsch | 12. Februar 2013 um 17:18 Uhr

 

China hofft auf Obama

China ist verärgert, weil es im US-Wahlkampf als Sündenbock für Amerikas Probleme herhalten muss. Eine zweite Obama-Amtszeit wäre für Peking das kleinere Übel.

Die Chinesen sind die neuen Russen: Im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf versuchen beide Kandidaten, mit harter Rhetorik gegen die Volksrepublik zu punkten. Herausforderer Mitt Romney verspricht, China gleich am ersten Tag seiner Amtszeit zum Währungsmanipulator erklären und damit Strafzölle auf alle chinesischen Importwaren autorisieren zu wollen. Seinem Gegner wirft er vor, tatenlos zugesehen zu haben, wie tausende amerikanische Jobs nach China abwandern. Amtsinhaber Barack Obama rühmt sich dagegen, China mehrfach erfolgreich vor der Welthandelsorganisation WTO verklagt und gezwungen zu haben, „sich an die gleichen Regeln zu halten wie andere“…

Bernhard Bartsch | 06. November 2012 um 05:00 Uhr

 

Chinas Militär zeigt Muskeln

Peking präsentiert einen neuen Tarnkappen-Jet für den Einsatz auf Flugzeugträgern. Die Technologie wurde womöglich von den USA ausspioniert.

Kurz vor dem Parteitag der Kommunistischen Partei und mitten in einem erbitterten Territorialdisput mit Japan demonstriert Chinas Militär seine Stärke: Mit einem neuen Tarnkappen-Jet hat die Volksbefreiungsarmee diese Woche ein weitgehend selbstentwickeltes Kampfflugzeug für den Einsatz auf ihrem ersten Flugzeugträger präsentiert, der seit September in Betrieb ist. Der Flieger vom Typ J-31 absolvierte seinen Jungfernflug in der nordostchinesischen Provinz Liaoning. Der J-31 ist Teil einer Modernisierungskampagne, mit der Chinas Streitkräfte zu den militärischen Grossmächten USA und Russland aufschliessen wollen…

Bernhard Bartsch | 03. November 2012 um 14:56 Uhr

 

Chen fliegt in die Freiheit

China Peking hat den blinden Bürgerrechtler Chen Guangcheng in die USA reisen lassen.

Am Ende seiner spektakulären Flucht in die Freiheit ist Chen Guangcheng vor allem dankbar. Auf Krücken steht er am Samstagabend vor seinem neuen Zuhause, einem Wohnheim der New York University, und wirkt überwältigt von all der Unterstützung, die seine Ausreise aus der Volksrepublik ermöglicht hat. Er danke den amerikanischen Diplomaten und allen Anhängern, die sich für ihn eingesetzt hätten, sagt der blinde Bürgerrechtler und fügt schnell hinzu, er sei auch „dankbar, dass die chinesische Regierung zurückhaltend und ruhig“ mit seiner Situation umgegangen sei. Einigen seiner Fans ist das zu viel der Höflichkeit. Dank an ein Regime, das sieben Jahre lang zugelassen hat, dass Chen und seine Familie von skrupellosen Beamten eingesperrt und misshandelt wurden?…

Bernhard Bartsch | 20. Mai 2012 um 05:29 Uhr

 

„Menschenrechte sind etwas Intuitives“

Der chinesische Dissident Chen Guangcheng spricht über seine aktuelle Situation, seine Ausreisepläne in die USA und die Bedeutung von Menschenrechten in China.

Bernhard Bartsch: Herr Chen, ist Ihre Familie bei Ihnen?

Chen Guangcheng: Ja. Aber leider weiß ich nicht, wie es meinen Verwandten in meiner Heimatprovinz Shandong geht. Ich mache mir große Sorgen um sie. Ich habe gehört, dass mein Neffe festgenommen wurde, aber genauere Informationen habe ich nicht. Die chinesische Regierung hat gesagt, dass sie die Verfolgung unserer Familie beenden wird und dass das Unrecht, das uns in Shandong angetan wurde, untersuchen will…

Bernhard Bartsch | 09. Mai 2012 um 08:38 Uhr

 

Der Clown sagt sorry

Chinas Medien ringen um den richtigen Umgang mit dem Fall des Bürgerrechtlers Chen Guangcheng.

Peking Am Ende durfte er doch nicht mitfliegen, aber vielleicht reist er bald hinterher : Der Bürgerrechtler Chen Guangcheng war nicht mit an Bord, als Hillary Clinton am Samstag nach ihrer wohl dramatischsten Reise als US-Außenministerin Peking verließ. Drei Tage lang hatte sie mit Chinas Führung um das Schicksal des blinden Anwalts gerungen, der vor zwei Wochen aus dem Hausarrest geflohen war und in der US-Botschaft in Peking Zuflucht gesucht hatte. Für beide Seiten standen Grundsatzfragen auf dem Spiel…

Bernhard Bartsch | 07. Mai 2012 um 07:20 Uhr

 

Chen verlässt die US-Botschaft

Chinesischer Dissident fühlt sich von Chinas Regierung erpresst.

Wenn Shi Yinhong keine Interviews geben will, muss in China politischer Ausnahmezustand herrschen. Der Professor für Internationale Beziehungen an der Pekinger Renmin-Universität ist einer der prominentesten Kommentatoren aktueller Ereignisse. Kein Thema ist ihm zu sensibel, um vor Journalisten seine – meist linientreue – Meinung zu äußern, selbst wenn die Staatsmedien schweigen. Doch zum Fall Chen Guangcheng könne er nicht sprechen, teilte Shi am Mittwoch mit…

Bernhard Bartsch | 02. Mai 2012 um 17:26 Uhr

 

Der blinde Anwalt will bleiben

Chinesischer Menschenrechtler sucht kein Asyl in den Vereinigten Staaten.

Der chinesische Bürgerrechtler Chen Guangcheng wird wohl in die USA ausgeflogen werden und dort mit seiner Familie Asyl erhalten – obwohl er eigentlich bleiben will. Damit rechnen Freunde des blinden Anwalts, der vergangene Woche aus dem Hausarrest geflohen war und sich offenbar in der amerikanischen Botschaft in Peking aufhält. Chen habe darauf bestanden, dass er kein politisches Asyl beantragen wolle, sagte der Aktivist Guo Yushan, einer von Chens Fluchthelfern…

Bernhard Bartsch | 02. Mai 2012 um 00:23 Uhr

 

China im Würgegriff

Mit einem Raketentest meldet Indien seine Machtansprüche an – vor allem gegenüber China. Dort fühlt man sich zwar nicht direkt bedroht, aber zunehmend eingekesselt.

Eine turbulentere Woche hatten Chinas Sicherheitspolitiker wohl lange nicht mehr. Am Donnerstag testete Indien erfolgreich seine neue Langstreckenrakete Agni-V, die das Land in die Lage versetzt, Atomwaffen in alle grossen chinesischen Städte zu schiessen. Aus Sicht der chinesischen Volksbefreiungsarmee ist dies die seit Jahren grösste Provokation im Verhältnis der beiden bevölkerungsreichsten Staaten, zwischen denen jahrzehntealte Grenzkonflikte für Spannungen sorgen. Doch nicht nur an Chinas Westflanke herrscht Unruhe…

Bernhard Bartsch | 22. April 2012 um 05:37 Uhr

 

80 Sekunden Flugzeit zur Blamage

Nordkoreas umstrittener Raketenstart scheitert. Das Debakel könnte Jungdiktator Kim Jong Un verleiten, sich durch einen Atombombentest zu rehabilitieren.

Es sollte eine Erfolgsmeldung zum 100. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il-sung werden, doch stattdessen muss Nordkorea eine bittere Pleite eingestehen. Der umstrittene Start einer Langstreckenrakete endete am Freitagmorgen mit einem Debakel. Der Flugkörper zerbrach nach nur 80 Sekunden in mehrere Teile und stürzte ins Meer. Doch der Fehlschlag könnte dramatische Folgen haben: Mehrere Analysten befürchten nun, dass der junge Diktator Kim Jong-un verleitet sein könnte, sich schon in den kommenden Tagen durch einen Atombombentest zu rehabilitieren…

Bernhard Bartsch | 14. April 2012 um 06:14 Uhr

 

Kim Jong-uns Chance

Nordkoreas Atom-Moratorium lässt die Weltgemeinschaft dezent hoffen.

Nordkoreas neuer Herrscher Kim Jong Un ist für die internationale Diplomatie ein unbeschriebenes Blatt. Als er Ende Dezember die wenigen westlichen Botschafter in Pjöngjang am Sarg seines Vaters empfing, ließ er sich nicht mehr als ein paar koreanische Dankesfloskeln entlocken. Eine Bestätigung für das Gerücht, der etwa 30-Jährige habe in der Schweiz eine internationale Schule besucht und spreche Englisch und Deutsch, suchten die Diplomaten vergeblich. Auch seine Stellung im heimatlichen Machtgefüge ist völlig unklar. Trotzdem bekommt die neue Führung des isolierten und verarmten Landes nun die Chance, zu beweisen, dass sie womöglich friedfertiger agieren will als der verstorbene Kim Jong Il…

Bernhard Bartsch | 01. März 2012 um 06:58 Uhr

 

Amerikanischer Traum – Made in China

Der chinesische Bildhauer Lei Yixin entwarf das Denkmal von Martin Luther King. Viele Amerikaner empört das.

Dem chinesischen Bildhauer Lei Yixin wird an diesem Sonntag eine Ehre zuteil, von der viele meinen, dass sie ihm nicht zusteht. US-Präsident Barack Obama weiht in Washingtons National Mall, direkt zwischen den Denkmälern von Abraham Lincoln und Thomas Jefferson, Leis Standbild von Martin Luther King ein. Viele Amerikaner finden es ein Unding, dass die Statue des Bürgerrechtlers „Made in China“ ist: von einem Chinesen entworfen, in der Volksrepublik aus chinesischem Granit gemeißelt und dann per Container über den Pazifik geschifft, als existiere kein Unterschied zwischen Turnschuhen und einem Nationalmonument. Doch was kann Lei dafür, dass die Amerikaner ihn beauftragt haben?…

Bernhard Bartsch | 15. Oktober 2011 um 02:49 Uhr

 

Chinesischer Spagat

Nach dem Attentatsversuch wollen die USA den Druck auf den Iran erhöhen. Das geht nur mit chinesischer Unterstützung – doch Peking spielt sein eigenes Spiel.

Was haben alle Rüpelregime dieser Welt gemeinsam, Iran und Nordkorea, Pakistan und Burma, Syrien und Sudan? Die Antwort: Alle pflegen beste Kontakte nach China. Die Volksrepublik nutzt regelmäßig ihren politischen Einfluss als Vetomacht im Uno-Sicherheitsrat, um ihre Verbündeten vor harten Sanktionen und internationaler Isolation zu bewahren. Auch beim Ringen um eine Reaktion auf die angeblich in Teheran geplanten Anschläge in den USA spielt Peking deshalb eine Schlüsselrolle…

Bernhard Bartsch | 13. Oktober 2011 um 12:47 Uhr