Amerikanischer Traum – Made in China
Der chinesische Bildhauer Lei Yixin entwarf das Denkmal von Martin Luther King. Viele Amerikaner empört das.
Dem chinesischen Bildhauer Lei Yixin wird an diesem Sonntag eine Ehre zuteil, von der viele meinen, dass sie ihm nicht zusteht. US-Präsident Barack Obama weiht in Washingtons National Mall, direkt zwischen den Denkmälern von Abraham Lincoln und Thomas Jefferson, Leis Standbild von Martin Luther King ein. Viele Amerikaner finden es ein Unding, dass die Statue des Bürgerrechtlers „Made in China“ ist: von einem Chinesen entworfen, in der Volksrepublik aus chinesischem Granit gemeißelt und dann per Container über den Pazifik geschifft, als existiere kein Unterschied zwischen Turnschuhen und einem Nationalmonument. Doch was kann Lei dafür, dass die Amerikaner ihn beauftragt haben?…
Chinesischer Spagat
Nach dem Attentatsversuch wollen die USA den Druck auf den Iran erhöhen. Das geht nur mit chinesischer Unterstützung – doch Peking spielt sein eigenes Spiel.
Was haben alle Rüpelregime dieser Welt gemeinsam, Iran und Nordkorea, Pakistan und Burma, Syrien und Sudan? Die Antwort: Alle pflegen beste Kontakte nach China. Die Volksrepublik nutzt regelmäßig ihren politischen Einfluss als Vetomacht im Uno-Sicherheitsrat, um ihre Verbündeten vor harten Sanktionen und internationaler Isolation zu bewahren. Auch beim Ringen um eine Reaktion auf die angeblich in Teheran geplanten Anschläge in den USA spielt Peking deshalb eine Schlüsselrolle…
Hart, aber nicht herzlich
Peking wirbt für sein “chinesisches Modell” eines friedlichen Aufstiegs. Doch China hat in der Welt zwar Bewunderer und Neider, aber kaum echte Freunde.
China gibt derzeit den Weltenretter. Die Volksrepublik will der angezählten Eurozone eine “helfende Hand” entgegenstrecken, verspricht Premier Wen Jiabao. Die Dankbarkeit, mit der sein Angebot in Europa und an den Aktienmärkten angenommen wird, erfüllt die Chinesen mit patriotischem Stolz. Genüsslich berichten die Staatsmedien, wie einst mächtige Nationen, die China gerade noch Ratschläge in Sachen Reformen und Menschenrechte erteilten, nun als Bittsteller dastehen…
Ein gefühlter Sieg
Die USA und Europa versinken in Schuldenkrisen, China boomt. Die Chinesen geniessen den Triumph – aber können sie sich für diesen Sieg etwas kaufen?
Ist China der Gewinner der Krise in den USA und Europa? Wäre die Nachrichtenlandschaft ein reales Abbild der Wirklichkeit, müsste es wohl so sein. Die gegenwärtigen Turbulenzen «könnten der Wendepunkt für den Transfer der globalen Macht von den USA zu ihrem grossen Rivalen China sein», glaubt der britische «Guardian». In Deutschland beschwört «Die Zeit» den Zeitenwechsel mit dem Titel «Geldmacht wird Weltmacht». Die «Bild» fragt: «Kaufen uns die Chinesen jetzt auf?», während die «TAZ» Chinas Aufstieg ihrerseits für ausgemachte Sache hält, weil «der ferne Osten einen Plan hat. Der Westen hat ihn nicht.» Die Fixierung auf China verrät mehr über den Westen als über die künftige Rolle der Volksrepublik oder gar eine neue Weltordnung…
China wackelt am Dollar
Peking nutzt die Krise der USA, um die Rolle des US-Dollars als globale Leitwährung erneut in Frage zu stellen.
China nutzt die Zweifel an der Kreditwürdigkeit der USA, um die Debatte um die Rolle des US-Dollars als globale Leitwährung neu anzufachen. Die Nachrichtenagentur Xinhua, das Leitmedium des staatlichen Medienapparats, forderte in einem Meinungsstück, es müsse über eine „neue, stabile und sichere Leitwährung“ nachgedacht werden…
Zwischen Nervosität und Triumph
Genüsslich verfolgt China das Ringen der USA um seine Schuldengrenze. Peking ist Washingtons größter Gläubiger – und politisch der mächtigste Konkurrent.
Eine kleine Weltkugel versucht panisch einer Lawine davonzulaufen, auf der „US-Schulden“ steht. Die Karikatur aus der China Daily gehört noch zu den verhaltendsten Kommentaren, welche derzeit aus Peking Richtung Washington geschickt werden. Andere werfen der Supermacht offen vor, gegenüber der Welt gefährlich, unverantwortlich und rücksichtslos zu handeln. Mit einer Mischung aus Nervosität und Triumph verfolgen die Medien der Volksrepublik das politische Ringen um eine Anhebung der Schuldengrenze…
Herr Guan teilt aus
Eine chinesische Ratingagentur zweifelt an der Kreditwürdigkeit der USA: ein PR-Gag oder ein Signal, dass Washingtons größter Gläubiger das Vertrauen verliert?
Die Ratingagentur Dagong Global Credit Rating ist alles andere als ein Global Player. Doch seitdem das Pekinger Bewertungshaus Zweifel an der Kreditwürdigkeit der USA geäußert hat, kann sich Firmenchef Guan Jianzhong vor Interviewanfragen kaum retten. Wenn sich die Haushaltslage der USA nicht bald verbessere, “werden wir die US-Anleihen definitiv herabstufen”, gab Guan mehrfach zu Protokoll…
Gefärbte Haare – na und?
Schwärzt Barack Obama seine Silberlöckchen? Und was hat Chinas Präsident damit zu tun?
In China versteht man die Aufregung nicht. Ein Foto, das Barack Obama mit seinem chinesischen Amtskollegen Hu Jintao beim Staatsbankett im Weißen Haus zeigt, hat in den USA eine leidenschaftliche Diskussion ausgelöst: Färbt sich der amerikanische Präsident die Haare? Auf Bildern des besagten Tages, dem vergangenen Mittwoch, ist Obama morgens mit vielen Silberlöckchen zu sehen, die am Abend plötzlich verschwunden zu sein scheinen, aber bei einem Fototermin zwei Tage später wieder auftauchen…
Makelloser Triumphzug
Chinas Staatspresse feiert Hu Jintaos USA-Besuch – und beginnt die Arbeit am Nachruhm des Parteichefs.
Wenn Chinas Politiker auf Reisen gehen, müssen sie sich um das Medienecho in ihrer Heimat nicht sorgen. Mit der verordneten Euphorie feiert die Staatspresse die USA-Reise ihres Präsidenten Hu Jintao als makellosen Triumphzug. Hu habe eine „neue politische Zivilisation geschaffen“, attestiert ihm die Zeitung „Global Times“. „Der Besuch von Präsident Hu Jintao verdient den Applaus der Welt“, kommentiert das für seine nationalistischen Töne bekannte Blatt…
Boom oder Blase?
China wächst mit zweistelligen Raten. Doch Ökonomen warnen vor den Fallen des Wirtschaftssystems – und Risiken für westliche Unternehmen.
Wenn US-Präsident Barack Obama am Dienstagabend Chinas Staatschef Hu Jintao in Washington zum Abendessen empfängt, hofft Steve Dickinson, dass die beiden mächtigsten Männer der Welt den richtigen Gesprächsstoff finden. „Die Fronten zwischen China und dem Westen sind tief“, sagt der amerikanische Wirtschaftsanwalt…
Der Beziehungstest
Chinas Präsident Hu Jintao reist in die USA. Die Rivalität zwischen beiden Grossmächten zeigt sich offener denn je und ein Ende der Eskalation ist nicht in Sicht.
Sie gelten als die beiden mächtigsten Politiker der Welt – und ihre Treffen entwickeln sich zunehmend zu einem diplomatischen Muskelspiel. Wenn der amerikanische Präsident Barack Obama und Chinas Staatschef Hu Jintao diesen Mittwoch in Washington wieder einmal zusammenkommen, ist die Liste der akuten Konfliktthemen erneut länger geworden…
Kein Raum für Missverständnisse
Der Großmachtwettbewerb zwischen den USA und China weitet sich von Wirtschaft und Politik nun auch aufs Militär aus. Abrüstungsversuche gibt es nur verbal.
Wenn doch alles nur ein Missverständnis wäre! US-Verteidigungsminister Robert Gates wollte es so erscheinen lassen. „Wir sind uns sehr einig, dass sich die Gefahr von Misskommunikation, Missverständnissen und Misskalkulationen nur reduzieren lässt, wenn unsere zwischenmilitärischen Beziehungen solide und verlässlich sind und sich nicht mit dem politischen Wind ändern“, sagte er nach einem Gespräch mit seinem chinesischen Amtskollegen Liang Guanglie in Peking…
Wikileaks entzweit Peking und Pjöngjang
Die Wikileaks-Veröffentlichungen zeigen Brüche im Bündnis zwischen China und Nordkorea. Könnte dadurch Bewegung in den festgefahrenen Konflikt kommen?
Als „alter Freund“ reiste Choe Thae-bok in Pjöngjang ab, als „verwöhntes Kind“ kam er in Peking an: Nordkoreas Parlamentspräsident und Sekretär des Zentralkomitees der Arbeiterpartei musste am Dienstag zum Auftakt seines Chinabesuchs brisante Enthüllung von Wikileaks verkraften. Unmittelbar vor seiner Landung war bekannt geworden, wie Chinas Vizeaussenminister He Yafei vergangenes Jahr vor Mitarbeitern der US-Botschaft in Peking über die Verbündeten aus Pjöngjang hergezogen haben soll…
Der Stellvertreterkonflikt
Der Streit um Nordkorea offenbart die Bruchstellen der neuen Weltordnung.
Nein, diesen Gefallen werden wir Kim Jong-il nicht tun! Mit seinen jüngsten Provokationen – dem Beschuss der südkoreanischen Insel Yeonpyeong und der Präsentation seiner Urananreicherungsanlage – will Nordkoreas Diktator der Welt Angst vor einem neuen Korea-Krieg machen. Er möchte, dass man ihm jeden Wahnsinn zutraut, selbst den Einsatz seiner Atombomben. Denn nur wenn das Ausland Kim fürchtet, macht es ihm die politischen und finanziellen Zugeständnisse, die er braucht, um sein tyrannisches Regime am Leben zu erhalten…
China über Südkorea verstimmt
Chinas Außenminister Yang Jiechi hat seine Reise nach Südkorea verschoben. Die Ursache sind wohl Unsicherheiten über den Umgang mit Nordkorea.
Zwei Tage nach dem tödlichen Gefecht an der innerkoreanischen Seegrenze hat Chinas Außenminister Yang Jiechi eine Reise nach Südkorea auf unbestimmte Zeit verschoben. Dabei standen bei dem Treffen unter anderem Beratungen zum Neustart der Sechser-Gespräche über das nordkoreanische Atomprogramm auf der Tagesordnung. Angeblich habe es Terminprobleme gegeben, erklärte Seoul…