Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

RSS Home | Archiv | ImpressumKontakt

Pekinger Husten

Darf ein Lungenleiden nach Chinas Hauptstadt benannt sein?

Heute müssen wir, ich bitte um Verständnis, über meinen Husten sprechen. Anfang November war er wieder da, pünktlich wie eh und je. Seitdem kratzt er im Hals, rumpelt durch meine Lungen und ärgert mich beim Treppensteigen. Obwohl ich nicht erkältet bin, wird er mich bis zum Frühling begleiten. Der Katarrh ist ein alter Bekannter: der berüchtigte „Pekinger Husten“. Seit 14 Jahren verbringen wir den Winter zusammen…

Bernhard Bartsch | 01. Februar 2013 um 07:54 Uhr

 

Chinas Standortnachteil

Nach einer Woche extremer Luftverschmutzung können die Pekinger wieder frei atmen. Trotzdem mindert der Smog die Attraktivität der chinesischen Städte.

Ein Mann im grauen Anzug steht in einer grauen Schuttlandschaft, das Gesicht von einer Gasmaske verdeckt. Im Hintergrund pusten Fabrikschlote dreckigen Rauch in den Himmel. «Der Weg ist noch lang. Deine Gesundheit entscheidet, wie weit du kommst», lautet der dazugehörige Slogan, mit dem die chinesische Firma Yuanda im Internet ihre Luftreiniger bewirbt. Yuanda ist für aufsehenerregende Werbung bekannt: Im vergangenen Jahr gelang der Marke ein PR-Coup mit der Erklärung, man habe 200 Geräte im Pekinger Regierungsviertel Zhongnanhai installiert. Dass die Parteiführung ihre Atemluft reinigen lässt, während sie gegenüber ihrem Volk das Ausmass der Luftverschmutzung herunterspielt, löste im Internet einen Sturm der Entrüstung aus – und machte Yuanda weithin bekannt. Derzeit verkaufen sich die Luftwäscher jedoch fast ohne Werbung…

Bernhard Bartsch | 20. Januar 2013 um 07:57 Uhr

 

Peking hält die Luft an

Chinas Hauptstadt leidet unter dramatischer Luftverschmutzung. Die Pekinger machen dafür ihre Regierung verantwortlich.

PEKING Pan Shiyi ist ein mächtiger Mann. Mehr als 13 Millionen Chinesen folgen dem Pekinger Bauunternehmer und Fernsehstar bei „Weibo“, dem chinesischen Twitter. Dieser Tage beglückte der scharfzüngige Pan seine Fans mit einer besonders treffenden Anekdote. „Die Beamten haben mich einmal zum Teetrinken eingeladen, weil ich etwas über Pekings Luftqualität geschrieben hatte“, berichtete Pan. Teetrinken ist in China ein Synonym für eine Vorladung bei der Staatssicherheit. „Ausländische Kräfte benutzen dich“, habe ein Beamter ihm vorgeworfen. „Weißt du, was das für ein Problem ist?“ Die beißende Kritik in Pans kleiner Geschichte konnte keinem entgehen…

Bernhard Bartsch | 15. Januar 2013 um 08:00 Uhr

 

Im Osten viel Neues

Auf der Autoshow in Peking scheuen deutsche Autobauer keine Kosten, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Was wäre die Autoindustrie ohne den Absatzmarkt China? Bei der Automesse in Peking scheuen die Hersteller deshalb keinen Aufwand, um ihr Engagement zum größten Automarkt der Welt zu demonstrieren. 36 Neuheiten präsentieren ausländische Marken bei der am Montag eröffneten Autoschau. Chinas Fachpresse verfolgt genau, welche Weltpremieren in der Volksrepublik stattfinden, denn die chinesischen Kunden wollen nicht länger das Gefühl haben, ihnen würde bevorzugt Technologie der letzten Generation verkauft…

Bernhard Bartsch | 24. April 2012 um 05:29 Uhr

 

Grüner Werbegag

China und Deutschland planen einen Öko-Park. Aber was daran „öko“ sein soll, ist noch unklar und der Nutzen höchst zweifelhaft.

Öko zieht immer, mag sich Chinas Wirtschaftsminister Chen Deming gedacht haben, als er seinem deutschen Amtskollegen Rainer Brüderle (FDP) vor zwei Jahren die Gründung eines gemeinsamen Umweltparks vorschlug. China hat gewaltige ökologische Probleme und Deutschland moderne Umwelttechnologie – wie sollte ein Kooperationsprojekt da keine Win-win-Lösung sein? Brüderle gefiel die Idee, und die beiden Minister gaben ihren Beamten Marschbefehle…

Bernhard Bartsch | 06. Dezember 2011 um 12:20 Uhr

 

Die verheimlichte Katastrophe

Ein Ölteppich, halb so groß wie Schleswig-Holstein, treibt durchs Gelbe Meer. Unternehmen und Behörden verschwiegen den Unfall – bis das Öl die Küste erreichte.

„Penglai ist ein Ort für die Götter“, schwärmen die Chinesen von der ostchinesischen Küstenstadt in der Provinz Shandong. Sie rühmen ihr mildes Klima, das malerische Gelbe Meer und den frischen Fisch. Doch neuerdings haben Chinesen bei dem Namen Penglai eine andere Assoziation: „Wer in Penglai Meeresfrüchte brät, braucht kein Öl mehr in die Pfanne zu tun“, machte ein schwarzhumoriger chinesischer Blogger seinem Ärger über Chinas jüngste Umweltkatastrophe Luft. In dem Ölfeld Penglai 19-3 läuft seit sechs Wochen Öl ins Meer…

Bernhard Bartsch | 20. Juli 2011 um 04:11 Uhr

 

Großes Rad statt kleiner Schrauben

Chinas Regierung glaubt an die Macht der Technik. Megaprojekten sollen die Umwelt retten, die Wasserversorgung sicherstellen und die Energieversorgung sichern.

Wie aberwitzig muss ein Plan sein, um als unrealisierbar zu gelten in einem Land, das schon in vorchristlichen Zeiten seine Grenze mit einer über 6000 Kilometer langen Mauer zu sichern begann und im 6. Jahrhundert einen 1800 Kilometer langen Kanal aushob, damit Reis per Schiff aus dem fruchtbaren Süden in die Hauptstadt Peking transportiert werden konnte? Wang Xiushuns Vorhaben scheint jedenfalls plausibel genug, um seit mehreren Jahren Chinas höchste Politiker zu beschäftigen…

Bernhard Bartsch | 19. Februar 2011 um 03:03 Uhr

 

Die blauen Ratten von Xintang

Firmen aus aller Welt lassen in der chinesischen Provinz Guangdong Jeans und Dessous produzieren – mit katastrophalen Folgen für Mensch und Natur.

Yu Li hat die Hände eines Außerirdischen. „Wie ein blauer Alien“, sagt er, als er sie zu Krallen formt. Die blaue Farbe reicht bis an seine Unterarme und lässt sich schon lange nicht mehr abwaschen. Doch daran hat sich Yu Li, Ende dreißig, ebenso gewöhnt wie an den Juckreiz, den die Chemikalien auf seiner aufgeweichten Haut auslösen. Zwölf Stunden steht er jeden Tag an einer großen Waschtrommel, in der Jeans mit Lavasteinen und Bleichmitteln geschleudert werden, um ihnen den Stone-Washed-Look zu verleihen. Pro Schicht gehen Tausende Jeans durch seine Hände. Am Monatsende bekommt er dafür 1800 Yuan, umgerechnet rund 200 Euro…

Bernhard Bartsch | 17. Februar 2011 um 03:16 Uhr

 

Luft! Luft!

Chinakorrespondent ist ein Job mit hohem Gesundheitsrisiko. Schuld ist der Smog.

Meine Tochter hat Husten. Bestimmt ist es bloß ein gewöhnlicher Kleinkindinfekt, kein Grund, Sie, liebe Leser, damit zu behelligen. Aber wenn Sie in diesem Moment aus meinem Pekinger Bürofenster schauen könnten, würden Sie verstehen, warum mir das häusliche Röcheln und Rasseln auch bei der Arbeit noch in den Ohren klingt. Draußen ist Smog, nicht nur schlechte Luft, sondern einen dicker Drecknebel, den man riechen, schmecken und fühlen kann…

Bernhard Bartsch | 08. Oktober 2010 um 10:28 Uhr

 

Der Ölprinz

Der taiwanesische Unternehmer Nobu Su will mit seinem Supertanker „A Whale“ das Öl im Golf von Mexiko einfangen.

Es soll ein klassischer Deus-ex-machina-Auftritt werden: Mitten in die Ratlosigkeit, wie der Deepwater-Horizon-Katastrophe im Golf von Mexiko beizukommen sein könnte, platzt der taiwanesische Unternehmer Nobu Su mit seiner Ankündigung, das ausgelaufene Öl wieder einfangen zu wollen: Sein umgebauter Supertanker „A Whale“ solle durch den Ölfilm fahren, „wie ein Rasenmäher durch Gras“ und durch zwölf Ansaugstutzen das Öl-Wasser-Gemisch aufsaugen…

Bernhard Bartsch | 05. Juli 2010 um 19:19 Uhr

 

Image-Havarie

Da der vor Australien auf Grund gelaufene Frachter aus China stammt, droht dem Land nun schwerer Image-Schaden.

Die Umweltkatastrophe am australischen Barrier-Reef ist „Made in China“. Der Frachter „Shen Neng 1“, der am Sonntag mit 65.000 Tonnen Kohle und rund 975 Tonnen Öl an Bord weit abseits der Schifffahrtsstrasse auf Grund gelaufen war, gehört der südchinesischen Shenzhen Energy Group, einer Tochterfirma der staatlichen China Ocean Shipping Company, kurz Cosco. Dem Konzern – und seinem Besitzer, der Volksrepublik China – droht damit ein Image-Desaster…

Bernhard Bartsch | 05. April 2010 um 15:38 Uhr

 

Chinas grüne Welle

Immer mehr Chinesen sorgen sich um die gesundheitlichen Folgen der verheerenden Umweltprobleme – und entwickeln ein Bewusstsein für ökologische Lebensmittel.

Am Wochenende macht Familie Wang Großeinkauf. In ihrem Kleinwagen fährt sie quer durch Peking, passiert die großen Shoppingzentren am Stadtrand und lässt die letzten Wohnblocks hinter sich, bis nur noch Felder und kleine Bauernhäuser zu sehen sind. Eine Viertelstunde geht es über die Landstraße, dann sind die Wangs am Ziel: «Willkommen im grünen Dorf Liuminying», empfängt sie ein großes Banner…

Bernhard Bartsch | 09. März 2010 um 15:25 Uhr

 

Bekenntnisse eines Klimatrampels

Korrespondenten gehören zu den schlimmsten Klimasündern des Planeten. Versuch einer Selbstverteidigung.

Werden vor dem Jüngsten Gericht auch Klimasünden bestraft? Dann sähe es mit meiner Erlösung schlecht aus. Ich bin Korrespondent, und Korrespondenten haben das, was man heutzutage gemeinhin als „großen Kohlenstofffußabdruck“ bezeichnet. Man könnte auch Klimatrampel sagen…

Bernhard Bartsch | 04. Dezember 2009 um 10:41 Uhr

 

Ein Land, zwei Systeme

In China liegen Klimaschutz und -sünden dicht beieinander, aber das Land arbeitet energisch am ökologischen Umbau.

Das nennt man eine verspargelte Landschaft: In der Geröllwüste der westchinesischen Provinz Xinjiang, außerhalb der Hauptstadt Urumqi, stehen über 200 Windmühlen in Reih und Glied und drehen sich im scharfen Wind. Ihre Zahl steigt ständig, denn Urumqis Energiebedarf wächst mit zweistelligen Prozentzahlen; außerdem legt die Provinzregierung Wert auf das ökologische Prädikat, den größten Windpark Chinas zu betreiben. Doch Nachhaltigkeitsidylle existiert nur auf Prospektbildern – in der Wirklichkeit ziehen schmutzigschwarze Rußwolken durch den weißen Turbinenwald…

Bernhard Bartsch | 16. November 2009 um 04:36 Uhr

 

Blei im Blut

In China sind in der Nähe zweier Schmelzereien und Hüttenwerke mehr als 2200 Kinder an Vergiftungen erkrankt. Sie sind Opfer skrupelloser Betreiber und Beamter.

„In China gibt es einen neuen Klassenkampf: Auf der einen Seite stehen die Gesetzestreuen, und auf der anderen jene, die es nicht nötig haben, sich an Gesetze zu halten.“ So kommentiert ein junger Chinese in einem Internetportal den jüngsten Giftskandal der Volksrepublik: Tausende Kinder sind an Bleivergiftung erkrankt, weil sie in der Nähe von großen Schmelzereien leben, deren Besitzer Umweltauflagen über Jahre ignoriert haben – offenbar mit Wissen der lokalen Behörden…

Bernhard Bartsch | 21. August 2009 um 07:20 Uhr