Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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Dalai Lama zwitschert mit Chinesen

Tibetisches Religionsoberhaupt spricht per Twitter mit Chinas Internetgemeinde über Demokratie, Reinkarnation und die Kommunistische Partei.

Das Internet macht’s möglich: Der Dalai Lama hat sich erstmals direkt mit Chinesen in der Volksrepublik unterhalten – in einem Onlinechat. Eine Stunde lang beantwortete der im Exil lebende tibetische Religionsführer am Freitagabend Fragen chinesischer Internetbenutzer über Demokratie, Reinkarnation und die Kommunistische Partei…

Bernhard Bartsch | 22. Mai 2010 um 17:40 Uhr

 

Der Fluch der Tofu-Schulen

Beim Erdbeben in Nordwestchina sind erneut hunderte Kinder in Schulgebäuden umgekommen. Doch der Propagandaapparat ist auf die Katastrophe gut vorbereitet.

Am Tag nach dem Erdbeben in der nordwestchinesischen Provinz Qinghai wird allmählich das Ausmaß der Zerstörung sichtbar. „Es gibt immer mehr Verletzte und Tote“, beschreibt der Mitarbeiter einer tibetischen Hilfsorganisation am Telefon die verzweifelte Lage. 34 Kinderleichen und 27 Verletzte seien bereits aus den Trümmern einer Internatsschule geborgen worden, die er in den vergangenen Jahren mit aufgebaut habe…

Bernhard Bartsch | 15. April 2010 um 17:49 Uhr

 

Hunderte Tote bei chinesischem Erdbeben

400 Tote und 10.000 Verletzte bei Beben der Stärke 7,1 in der Provinz Qinghai. Die Opfer sind größtenteils Tibeter.

„Wir graben mit den Händen nach Überlebenden. Die Toten liegen auf der Straße und die Verletzten sitzen daneben. Niemand kommt uns zu Hilfe, es ist eiskalt und wir wissen nicht, wo wir heute Nacht schlafen können.“ Mit diesen Worten beschrieb am Mittwochabend ein Augenzeuge am Telefon die Lage nach dem schweren Erdbeben in der nordwestchinesischen Provinz Qinghai…

Bernhard Bartsch | 14. April 2010 um 18:00 Uhr

 

Tiefpunkt oder freier Fall?

China ist wütend über Obamas Dalai-Lama-Empfang. Die Frage ist: Wie sehr?

Die diplomatischen Beziehungen zwischen Washington und Peking haben sich weiter deutlich abgekühlt. Nachdem US-Präsident Barack Obama am Donnerstag den Dalai Lama im Weißen Haus empfangen hatte, bestellte China am Freitag den amerikanischen Botschafter ein. Pekings Vize-Außenminister Cui Tiankai habe einen “förmlichen Protest” eingelegt…

Bernhard Bartsch | 19. Februar 2010 um 11:48 Uhr

 

Vereiste Fronten

Gespräche zwischen China und Exilvertretern sind wieder einmal gescheitert.

Die Erwartungen waren gering, und sie wurden nicht übertroffen: Die jüngste Gesprächsrunde zwischen der chinesischen Regierung und Vertretern des Dalai Lama hat keinerlei Fortschritte gebracht. Stattdessen machte Peking die Exiltibeter gestern erneut in gewohnt scharfer Rhetorik für die ethnischen Probleme in der Himalaja-Region verantwortlich…

Bernhard Bartsch | 02. Februar 2010 um 10:32 Uhr

 

Ewige Wiederkehr

Der Dalai Lama schickt Abgesandte in die Volksrepublik. Doch auch diesmal sind die Erwartungen an die Gespräche gering.

Das Rad der ewigen Wiederkehr gehört zu den zentralen Glaubenssätzen des Buddhismus: Alles passiert in unendlichen Repetitionen, zwar in stets neuen Variationen, aber letztlich trotzdem immer gleich. Auch die Gespräche zwischen den Exiltibetern und der chinesischen Regierung gleichen diesem Muster. Seit Jahren treffen sich Abgesandte des Dalai Lama und der Kommunistischen Partei, um eine Einigung in der Tibetfrage zu erörtern – bisher jedes Mal vergeblich…

Bernhard Bartsch | 27. Januar 2010 um 05:55 Uhr

 

Pekings antiautoritäre Erziehung

Mit der Einladung des Dalai Lama wollten die Taiwanesen ihre Unabhängigkeit beweisen. In Wirklichkeit ist der Besuch ein strategisches Geschenk an Peking.

Der Dalai Lama hat am Montag Taiwan besucht, und wie jedes Mal, wenn der Friedensnobelpreisträger seinen Exilwohnsitz im indischen Dharamsala verlässt, erhielten seine Gastgeber umgehend einen Drohbrief aus Peking. Der Besuch werde den Beziehungen Schaden zufügen, warnte Chinas Regierung. „Wir sind entschieden dagegen.“ In der Regel ist das so gemeint, wie es gesagt ist…

Bernhard Bartsch | 31. August 2009 um 17:23 Uhr

 

Ein Gott für alle Fälle

Der Dalai Lama ist eine Jahrhundertpersönlichkeit. Alle großen Themen unserer Zeit spiegeln sich in ihm wider. Porträt einer globalen Projektionsfläche.

Dalai LamaVor einigen Wochen servierte der Dalai Lama in einem US-amerikanischen Obdachlosenheim das Mittagessen. Es gab Pasta mit Pesto und dazu eine Kostprobe, warum der 74-jährige Mönch einer der beliebtesten Menschen des Planeten ist. “Wissen Sie, ich bin auch heimatlos”, scherzte er in die Runde der Penner und lachte dabei so herzlich und mitreißend, dass selbst diejenigen einstimmten, die weder sein holpriges Englisch noch die Anspielung auf sein Exil verstanden hatten. In der Regel sind derartige Suppenküchentermine das Spielfeld von Politikern im Wahlkampf oder Promis bei der Imagesanierung. Doch das tibetische Religionsoberhaupt absolviert sie mit der gleichen Ernsthaftigkeit. Seit fünf Jahrzehnten ist sein Leben eine einzige Öffentlichkeitskampagne für sich und seine Sache: die politische oder zumindest kulturelle Freiheit der Tibeter…

Bernhard Bartsch | 31. Juli 2009 um 00:43 Uhr

 

Ausweitung der Kampfzone

Der Pekinger Menschenrechtsanwalt Li Fangping wagt sich an ein Tabuthema: Er verteidigt einen tibetischen Lama und wirft Chinas Polizisten Folter vor.

Am Anfang hat er gezögert, das gibt Li Fangping freimütig zu. „Der Fall ist politisch äußerst sensibel“, sagt der 34jährige Jurist. „Zwei Anwaltsteams haben ihn bereits abgelehnt.“ Aber gerade deshalb übernahm Li die heikle Aufgabe schließlich doch: Seit Anfang der Woche verteidigt der Pekinger Menschenrechtsanwalt den tibetischen Lama Phurbu Tsering Rinpoche, den die Behörden für einen Strippenzieher der blutigen Tibeterdemonstrationen im vergangenen Frühjahr halten…

Bernhard Bartsch | 24. April 2009 um 02:19 Uhr

 

Tibetische Mönche stürmen Polizeistation

Chinas Sicherheitskräfte verhaften 95 Tibeter und rüsten sich vor dem neuen Gedenktag zur „Befreiung von der Leibeigenschaft“ für weitere Proteste.

In China haben sich Mönche und Sicherheitskräfte erneut gewalttätige Auseinandersetzungen geliefert. In Golog, einem Landkreis in der großteils von Tibetern bewohnten Provinz Qinghai im Nordwesten des Landes, stürmten am Samstag hunderte Menschen eine Polizeistation, wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtet…

Bernhard Bartsch | 23. März 2009 um 01:55 Uhr

 

Dalai Lama: Tibeter leben in der Hölle

Zum 50. Jubiläum des Lhasaaufstands wirft der Dalai Lama China vor, den Tibetern das Leben zur „Hölle auf Erden“ gemacht zu haben. Peking bezeichnet das als „Lüge“.

50 Jahre nach dem Aufstand zehntausender Tibeter gegen die chinesische Obrigkeit haben der Dalai Lama und Chinas Regierung einander schwere Vorwürfe gemacht. Das buddhistische Religionsoberhaupt hielt Peking in einer ungewöhnlich scharfen Worten vor, das Leben der Tibeter zur „Hölle auf Erden“ gemacht zu haben…

Bernhard Bartsch | 11. März 2009 um 00:59 Uhr

 

Endspiel in Tibet

Am 10. März 1959 erhob sich Tibet gegen die chinesischen Besatzer. 50 Jahre später ist die kulturelle Eigenständigkeit der Einheimischen mehr denn je bedroht.

TibetDas kleine Wäldchen auf der Bergkuppe sieht nicht nach einem Schlachtfeld aus. “Aber manchmal haben wir hier richtige Gefechte”, erzählt ein Bauer aus dem Dorf im Tal, in dem seine Familie dem widerspenstigen Hochland mit Yak- und Schafzucht seit Generationen ein karges Auskommen abringt. “Wenn einer von uns Tibetern zum Holzschlagen geht, greifen die Muslime ihn an”, erklärt er, “und wenn einer von denen Bäume fällt, lassen wir uns das natürlich nicht gefallen.”

Bernhard Bartsch | 09. März 2009 um 06:13 Uhr

 

Schlechtes Karma

Vor den Jahrestagen der Tibeteraufstände von 1959 und 2008 versuchen Chinas Sicherheitskräfte neue Unruhen zu verhindern. Doch ihre rabiaten Maßnahmen schüren den Unmut nur weiter.

Kloster_RebkongIn der tibetischen Klosterstadt Rebkong macht Chinas Volksbefreiungsarmee aus ihrer Präsenz kein Geheimnis. Truppen marschieren in Camouflage-Uniform die Hauptstraße entlang und absolvieren auf öffentlichen Parkplätzen Drillübungen. Das offene Kasernentor gibt den Blick frei auf gepanzerte Einsatzwagen. Mehrere Hotels seien mit Soldaten gefüllt, berichtet ein Stadtbewohner hinter vorgehaltener Hand, darunter auch das einzige, das bis vor kurzem noch ausländische Touristen beherbergen durfte. Der Strom der Pilger, der auf dem Rundweg um das Heiligtum die Gebetsmühlen anschiebt, sei dünner als früher…

Bernhard Bartsch | 01. März 2009 um 05:09 Uhr

 

China beschließt Anti-Dalai-Lama-Feiertag

Neue Propagandakampagne in Tibet: Peking erklärt die Flucht des Dalai Lama zum Feiertag der „Befreiung von der Sklaverei“.

Chinas Kommunistische Partei startet einen neuen Anlauf, um ihre Herrschaft in Tibet ideologisch zu zementieren: Der 28. März soll künftig als „Tag der Befreiung von der Sklaverei“ gefeiert werden. Der Gedenktag wurde am Montag von Tibets Volkskongress, dem sozialistischen Scheinparlament der nominell Autonomen Region, einstimmig beschlossen. Seine Einführung ist ein unverhohlener Angriff auf die Autorität des Dalai Lama, den viele Tibeter noch immer als Religionsoberhaupt verehren.

Bernhard Bartsch | 19. Januar 2009 um 17:36 Uhr