Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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Menschen zweiter Klasse im eigenen Land

99 Tibeter haben sich aus Protest gegen die Kommunistische Partei in Brand gesetzt. Die Pekinger Regierung reagiert mit Härte und schürt den Konflikt damit weiter.

Vielleicht war Kunchok Kyab sehr stark. Vielleicht aber auch sehr schwacher. Er war 26 Jahre alt, der Sohn einer tibetischen Viehhirtenfamilie in der westchinesischen Provinz Gansu. Das Bild auf seinem Personalausweis zeigt einen jungen Mann mit kurzen Haaren und einem Gesichtsausdruck, der trotzig, traurig oder müde sein könnte. Kyab war verheiratet und im vergangenen Frühjahr Vater geworden. Das ist fast alles, was über sein Leben bekannt ist. Über seinen Tod gibt es detailliertere Informationen…

Bernhard Bartsch | 08. Februar 2013 um 07:46 Uhr

 

Sinnsuche im Wirtschaftswunderland

Viele Mittelstands-Chinesen nehmen beim tibetischen Buddhismus spirituelle Zuflucht – ein schroffer Gegensatz zur politischen Lage.

Im Zug der Gläubigen, die den Pilgerweg mit seinen bunten Gebetsfahnen abschreiten, fällt Sun Wei auf. Vor und hinter ihr laufen Tibeter in traditionellen Gewändern, die Männer in Pelzmänteln, Filzhüten und hohen Lederstiefeln, die Frauen mit geflochtenen Haaren, wattierten Jacken und Seidenschürzen. Ihre Gesichter sind dunkel und wettergegerbt. Sun Wei hat dagegen die gepflegte Blässe einer Großstädterin und trägt modische Outdoor-Kleidung: Fleecepullover, Funktionshose, teure Wanderschuhe. Man sieht sofort, dass sie eine Han-Chinesin ist…

Bernhard Bartsch | 20. Juli 2012 um 10:03 Uhr

 

Blutige Krawalle in Westchina

Zwölf Personen sterben bei Unruhen in Xinjiang. Exil-Uiguren sprechen von einer ethnisch Verzweiflungstat, die Behörden von einem Amoklauf von Terroristen.

In der westchinesischen Region Xinjiang ist es erneut zu einem blutigen Vorfall gekommen. Zwölf Personen kamen bei einer Messerstecherei und Schiesserei im Landkreis Yecheng um. Dabei solle es sich um eine Auseinandersetzung zwischen Angehörigen der lokalen Bevölkerungsgruppe der Uiguren und chinesischen Sicherheitskräften gehandelt haben, berichten chinesische Medien und Exil-Uiguren übereinstimmend – auch wenn ihre Interpretationen des Konflikts sonst weit auseinanderliegen…

Bernhard Bartsch | 29. Februar 2012 um 07:50 Uhr

 

Wachsende Spannungen in Tibet

Die Tibeter feiern ihr Neujahrsfest, überschattet von Selbstverbrennungen und Protesten. Doch Peking propagiert unbeirrt die real existierende Multikulti-Idylle.

Mit Tanz, Musik und Leckereien haben die Tibeter am Mittwoch ihr neues Jahr gefeiert, dankbar für das gute Leben, das ihnen die Kommunistische Partei beschert hat, und zuversichtlich, dass sie – Hand in Hand mit ihren chinesischen Landsleuten – eine rosige Zukunft vor sich haben. So ist jedenfalls das Bild, das Chinas Staatsfernsehen in zahlreichen Sondersendungen inszenierte. Der Glaube an die real existierende Multikulti-Idylle hat in China den Rang einer Staatsdoktrin. Wer daran zweifelt, gilt als Agent böser Mächte…

Bernhard Bartsch | 22. Februar 2012 um 16:41 Uhr

 

China bekommt Berufsbuddhisten

Tibetische Mönche und Nonnen haben in China künftig Renten- und Versicherungsansprüche. Die Partei will damit ihre Protestbereitschaft schwächen.

Tibetischer Mönch zu sein, ist in China künftig ein anständiger Beruf. Die buddhistischen Geistlichen haben neuerdings Anspruch auf eine Rente und eine staatliche Gesundheitsversicherung, berichtete Pekings offizielle Nachrichtenagentur Xinhua. Dass tibetische Mönche und Nonnen unter den Schirm des staatlichen Sozialsystems kommen, ist Teil einer Kampagne der Kommunistischen Partei, die mit Zuckerbrot und Peitsche – sprich: Geld und Repressionen – versucht, die von Unruhen geprägte Region zu befrieden…

Bernhard Bartsch | 25. November 2011 um 15:55 Uhr

 

Brennender Wunsch nach Freiheit

Zehn junge Tibeter haben sich seit März angezündet. Die Taten sind ein Protest gegen Pekings Politik.

Tibets junge Mönche proben mit Verzweiflungstaten den Aufstand gegen die chinesische Herrschaft. Zum zehnten Mal seit März hat sich am Dienstag ein Mönch selbst angezündet. Der 38-jährige Dawa Tsering habe sich während einer religiösen Zeremonie in Kandze in der an Tibet grenzenden Provinz Sichuan mit Benzin übergossen und selbst entflammt, berichten exiltibetische Organisationen. Dabei habe er die Rückkehr des Dalai-Lama sowie Freiheit für Tibet gefordert. Er wurde mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Die Selbstverbrennungen sind Zeichen einer erneuten Eskalation des Konflikts zwischen religiösen Tibetern und der chinesischen Regierung…

Bernhard Bartsch | 26. Oktober 2011 um 16:21 Uhr

 

Ein Gott dankt ab

Der Dalai Lama gibt seine politischen Funktionen auf und fordert demokratische Wahlen. Doch ausgerechnet Peking besteht auf seiner Wiedergeburt.

Der Dalai Lama geht in Rente. 61 Jahre nachdem ihm die weltliche Herrschaft über Tibet übertragen wurde, will der 14. Dalai Lama seine politischen Funktionen aufgeben und in demokratischen Wahlen einen Nachfolger bestimmen lassen. «Eines meiner Ziele, das ich seit meiner Jugend verfolgt habe, ist die Reform von Tibets politischer und gesellschaftlicher Struktur», sagte er…

Bernhard Bartsch | 10. März 2011 um 16:32 Uhr

 

Dalai Lama zwitschert mit Chinesen

Tibetisches Religionsoberhaupt spricht per Twitter mit Chinas Internetgemeinde über Demokratie, Reinkarnation und die Kommunistische Partei.

Das Internet macht’s möglich: Der Dalai Lama hat sich erstmals direkt mit Chinesen in der Volksrepublik unterhalten – in einem Onlinechat. Eine Stunde lang beantwortete der im Exil lebende tibetische Religionsführer am Freitagabend Fragen chinesischer Internetbenutzer über Demokratie, Reinkarnation und die Kommunistische Partei…

Bernhard Bartsch | 22. Mai 2010 um 17:40 Uhr

 

Der Fluch der Tofu-Schulen

Beim Erdbeben in Nordwestchina sind erneut hunderte Kinder in Schulgebäuden umgekommen. Doch der Propagandaapparat ist auf die Katastrophe gut vorbereitet.

Am Tag nach dem Erdbeben in der nordwestchinesischen Provinz Qinghai wird allmählich das Ausmaß der Zerstörung sichtbar. „Es gibt immer mehr Verletzte und Tote“, beschreibt der Mitarbeiter einer tibetischen Hilfsorganisation am Telefon die verzweifelte Lage. 34 Kinderleichen und 27 Verletzte seien bereits aus den Trümmern einer Internatsschule geborgen worden, die er in den vergangenen Jahren mit aufgebaut habe…

Bernhard Bartsch | 15. April 2010 um 17:49 Uhr

 

Hunderte Tote bei chinesischem Erdbeben

400 Tote und 10.000 Verletzte bei Beben der Stärke 7,1 in der Provinz Qinghai. Die Opfer sind größtenteils Tibeter.

„Wir graben mit den Händen nach Überlebenden. Die Toten liegen auf der Straße und die Verletzten sitzen daneben. Niemand kommt uns zu Hilfe, es ist eiskalt und wir wissen nicht, wo wir heute Nacht schlafen können.“ Mit diesen Worten beschrieb am Mittwochabend ein Augenzeuge am Telefon die Lage nach dem schweren Erdbeben in der nordwestchinesischen Provinz Qinghai…

Bernhard Bartsch | 14. April 2010 um 18:00 Uhr

 

Tiefpunkt oder freier Fall?

China ist wütend über Obamas Dalai-Lama-Empfang. Die Frage ist: Wie sehr?

Die diplomatischen Beziehungen zwischen Washington und Peking haben sich weiter deutlich abgekühlt. Nachdem US-Präsident Barack Obama am Donnerstag den Dalai Lama im Weißen Haus empfangen hatte, bestellte China am Freitag den amerikanischen Botschafter ein. Pekings Vize-Außenminister Cui Tiankai habe einen „förmlichen Protest“ eingelegt…

Bernhard Bartsch | 19. Februar 2010 um 11:48 Uhr

 

Vereiste Fronten

Gespräche zwischen China und Exilvertretern sind wieder einmal gescheitert.

Die Erwartungen waren gering, und sie wurden nicht übertroffen: Die jüngste Gesprächsrunde zwischen der chinesischen Regierung und Vertretern des Dalai Lama hat keinerlei Fortschritte gebracht. Stattdessen machte Peking die Exiltibeter gestern erneut in gewohnt scharfer Rhetorik für die ethnischen Probleme in der Himalaja-Region verantwortlich…

Bernhard Bartsch | 02. Februar 2010 um 10:32 Uhr

 

Ewige Wiederkehr

Der Dalai Lama schickt Abgesandte in die Volksrepublik. Doch auch diesmal sind die Erwartungen an die Gespräche gering.

Das Rad der ewigen Wiederkehr gehört zu den zentralen Glaubenssätzen des Buddhismus: Alles passiert in unendlichen Repetitionen, zwar in stets neuen Variationen, aber letztlich trotzdem immer gleich. Auch die Gespräche zwischen den Exiltibetern und der chinesischen Regierung gleichen diesem Muster. Seit Jahren treffen sich Abgesandte des Dalai Lama und der Kommunistischen Partei, um eine Einigung in der Tibetfrage zu erörtern – bisher jedes Mal vergeblich…

Bernhard Bartsch | 27. Januar 2010 um 05:55 Uhr

 

Pekings antiautoritäre Erziehung

Mit der Einladung des Dalai Lama wollten die Taiwanesen ihre Unabhängigkeit beweisen. In Wirklichkeit ist der Besuch ein strategisches Geschenk an Peking.

Der Dalai Lama hat am Montag Taiwan besucht, und wie jedes Mal, wenn der Friedensnobelpreisträger seinen Exilwohnsitz im indischen Dharamsala verlässt, erhielten seine Gastgeber umgehend einen Drohbrief aus Peking. Der Besuch werde den Beziehungen Schaden zufügen, warnte Chinas Regierung. „Wir sind entschieden dagegen.“ In der Regel ist das so gemeint, wie es gesagt ist…

Bernhard Bartsch | 31. August 2009 um 17:23 Uhr

 

Ein Gott für alle Fälle

Der Dalai Lama ist eine Jahrhundertpersönlichkeit. Alle großen Themen unserer Zeit spiegeln sich in ihm wider. Porträt einer globalen Projektionsfläche.

Dalai LamaVor einigen Wochen servierte der Dalai Lama in einem US-amerikanischen Obdachlosenheim das Mittagessen. Es gab Pasta mit Pesto und dazu eine Kostprobe, warum der 74-jährige Mönch einer der beliebtesten Menschen des Planeten ist. „Wissen Sie, ich bin auch heimatlos“, scherzte er in die Runde der Penner und lachte dabei so herzlich und mitreißend, dass selbst diejenigen einstimmten, die weder sein holpriges Englisch noch die Anspielung auf sein Exil verstanden hatten. In der Regel sind derartige Suppenküchentermine das Spielfeld von Politikern im Wahlkampf oder Promis bei der Imagesanierung. Doch das tibetische Religionsoberhaupt absolviert sie mit der gleichen Ernsthaftigkeit. Seit fünf Jahrzehnten ist sein Leben eine einzige Öffentlichkeitskampagne für sich und seine Sache: die politische oder zumindest kulturelle Freiheit der Tibeter…

Bernhard Bartsch | 31. Juli 2009 um 00:43 Uhr