Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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Kims Kampf

Der Diktator zündelt mit der Atombombe und das Volk hungert: Immer wieder fliehen Nordkoreaner aus ihrem Land. Der Aktivist Kim Sang-hun hilft ihnen dabei.

Kim Sang-hun (Copyright: Martin Gottske)Zum Vatertag erhielt Kim Sang-hun einen Anruf von einem Mann, an den er sich zunächst nicht erinnern konnte. „Ich weiß, ich habe mich lange nicht gemeldet“, entschuldigte sich der Anrufer mit tränenerstickter Stimme. „Aber ich denke jeden Tag an Sie und danke Ihnen für das neue Leben, das sie mir geschenkt haben.“ Sein Akzent verriet ihn schon nach den ersten Worten als Nordkoreaner, doch es dauerte einige Sätze, bis Kim ihn wieder vor sich sah: einen hageren, stillen Mann Anfang vierzig, Ingenieur von Beruf. Er hatte zu einer kleinen Gruppe von nordkoreanischen Flüchtlingen gehört, mit denen Kim vor einigen Jahren mehr als 3000 Kilometer quer durch China gereist war…

Bernhard Bartsch | 19. Februar 2013 um 08:44 Uhr

 

Der Sonnensohn und die Eisprinzessin

Wie in einem Shakespeare-Drama liegt Koreas Schicksal in den Händen zweier Diktatorenkinder. Können sie über die Schatten ihrer Väter springen?

Mun Se-gwang war kein Meisterspion. Aber er hatte einen japanischen Pass, eine gute Tarnung für einen nordkoreanischen Agenten. Am 15. August 1974 schmuggelt sich der 22-Jährige mit einem Revolver ins Nationaltheater von Seoul, um Südkoreas Präsident Park Chung-hee zu ermorden. Er nimmt er in einer der hinteren Reihen Platz, und als der Präsident ans Rednerpult tritt, pirscht er sich im Dunkel des Saales nach vorne. Den Revolver in seiner Tasche umfasst er aus Nervosität so fest, dass er versehentlich abdrückt und sich selbst in den Fuß schießt. Während die Bodyguards nach dem Präsidenten hechten, feuert Mun wahllos Richtung Bühne und trifft die First Lady tödlich in den Kopf…

Bernhard Bartsch | 13. Februar 2013 um 08:20 Uhr

 

Koreanisches Patt

Nordkorea ist auf dem Weg, ein Atomstaat mit einsatzfähigen Sprengköpfen zu werden. Nur eine Allianz zwischen Washington und Peking kann Pjöngjang stoppen.

Nordkorea demonstriert der Weltgemeinschaft wieder einmal die Grenzen ihrer Macht: Mit seinem dritten Atombombentest ignoriert Pjöngjang die Forderungen der Vereinten Nationen, sein Nuklearprogramm einzustellen. Auch wenn noch wenig Details bekannt sind, scheint Nordkorea auf dem besten Wege, eine Nuklearmacht mit einsatzfähigen Waffen zu werden. Wenn Pjöngjangs Atomphysiker weiter entwickeln dürfen wie bisher, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie Sprengköpfe bauen können, die sich auf eine Rakete montieren lassen. Einen Interkontinentalflugkörper, der mehr als 10.000 Kilometer weit fliegen kann und sowohl die USA als auch weite Teile Asiens und Europas beschießen könnte, hatte Nordkorea bereits im Dezember erfolgreich getestet…

Bernhard Bartsch | 12. Februar 2013 um 17:34 Uhr

 

Tanz den Weltfrieden

Der Youtube-Hit „Gangnam Style“ hat Südkorea in den Fokus der globalen Popkultur gerückt. Nun versucht das Land, damit Kasse zu machen.

Kürzlich während einer internationalen Konferenz in Südkorea: Die Teilnehmer kommen leicht abgeschlafft aus der Mittagspause, und die Veranstalter versuchen deshalb, sie mit etwas Gruppengymnastik wieder in Schwung zu bringen. Das gesetzte Publikum – koreanische und deutsche Politiker, Diplomaten, Professoren und Experten – macht dabei höflich mit, räkelt sich, dehnt sich und kreist sogar mit den Hüften. Dann legen die jungen Vorturnerinnen Musik auf. „Are you ready to shake your body?“, rufen sie fröhlich in die Runde und beginnen, auf imaginären Pferden über die Bühne zu hopsen. Es musste ja kommen: „Gangnam Style“…

Bernhard Bartsch | 23. Oktober 2012 um 06:02 Uhr

 

Risse in der koreanischen Mauer

In Seoul studiert man die Erfahrungen aus der deutsch-deutschen Vereinigung. Und hofft doch, dass man die Lektionen nicht allzu schnell brauchen wird.

An diesem Mittwoch wird Kim Seung Chul wieder über Deutschland sprechen. „Liebe Zuhörer, heute ist der 22. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung“ – so oder so ähnlich wird er in seiner Nachrichtensendung anfangen zu erzählen, wie es dazu kam, dass aus einem sozialistischen und einem kapitalistischen System ein gemeinsamer Staat wurde. Er wird viel Gutes über die Deutschen sagen, über die vereinte Wirtschaftskraft und eine junge Generation, die sich gar nicht mehr daran erinnern kann, dass ihr Land einmal geteilt war. Zwar ist Kim Seung Chul noch nie in Deutschland gewesen, aber trotzdem wünscht er sich, dass sich seine Landsleute an den Deutschen ein Vorbild nehmen…

Bernhard Bartsch | 03. Oktober 2012 um 08:18 Uhr

 

Perverses Potenzmittel

Südkorea beschlagnahmt Tausende von Kapseln aus pulverisiertem Menschenfleisch. Sie stammen aus China und bringen die Behörden in Erklärungsnot.

Man nehme einen toten Säugling, schneide ihn in kleine Stücke, lasse ihn zwei Tage trocknen und zermale ihn dann zu feinem Pulver. So schlicht und grausig ist das Rezept für ein angebliches Potenz- und Allheilmittel, das in China hergestellt und von Tausenden Menschen eingenommen wird. Anfang der Woche teilte der südkoreanische Zoll mit, dass er 17 450 Kapseln mit pulverisierten Föten und Babys beschlagnahmt hat. Gefunden wurden sie in Gepäckstücken und Paketen aus der Volksrepublik…

Bernhard Bartsch | 10. Mai 2012 um 08:25 Uhr

 

80 Sekunden Flugzeit zur Blamage

Nordkoreas umstrittener Raketenstart scheitert. Das Debakel könnte Jungdiktator Kim Jong Un verleiten, sich durch einen Atombombentest zu rehabilitieren.

Es sollte eine Erfolgsmeldung zum 100. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il-sung werden, doch stattdessen muss Nordkorea eine bittere Pleite eingestehen. Der umstrittene Start einer Langstreckenrakete endete am Freitagmorgen mit einem Debakel. Der Flugkörper zerbrach nach nur 80 Sekunden in mehrere Teile und stürzte ins Meer. Doch der Fehlschlag könnte dramatische Folgen haben: Mehrere Analysten befürchten nun, dass der junge Diktator Kim Jong-un verleitet sein könnte, sich schon in den kommenden Tagen durch einen Atombombentest zu rehabilitieren…

Bernhard Bartsch | 14. April 2012 um 06:14 Uhr

 

Kein neuer Sonnenschein

Nach Südkoreas Parlamentswahl gilt die Tochter des ehemaligen Diktators Park Chung-hee als mögliche nächste Präsidentin. Für Nordkorea ist das keine gute Aussicht.

Südkoreas Wähler haben Nordkorea kein Geschenk zum 100. Geburtstag seines Staatsgründers Kim Il Sung gemacht. Bei den Parlamentswahlen am Mittwoch hat die konservative Saenuri-Partei des in Pjöngjang verhassten Präsidenten Lee Myun Bak einen überraschenden Sieg errungen. Das Regime im Norden hatte dagegen auf einen Machtwechsel und eine Wiederaufnahme der versöhnlichen Sonnenscheinpolitik gehofft, die Nordkorea unter Lees Vorgängern zehn Jahre lang Zugang zu umfangreicher Wirtschaftshilfe sicherte. Nordkoreas jüngste militärische Provokationen, insbesondere der für die nächsten Tage geplante Start einer Langstreckenrakete, waren wohl ein Versuch, die Wähler in die Arme der Opposition zu treiben – eine Strategie, die offenbar das Gegenteil bewirkt hat…

Bernhard Bartsch | 12. April 2012 um 06:17 Uhr

 

Kim der Ewige

Nordkorea zelebriert seine toten Diktatoren.Zur Feier soll eine Langstreckenrakete starten – auch um den Preis einer weiteren Isolation.

Alle Macht will Ewigkeit: Nordkoreas im Dezember verstorbener Diktator Kim Jong Il ist zum „ewigen Generalsekretär“ der Arbeiterpartei ernannt worden – und damit zum Auftakt der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il Sung ähnlich geehrt worden wie sein Vater, der auch 18 Jahre nach seinem Tod noch als „ewiger Präsident“ amtiert. Die Entscheidung sei bei einem Sonderparteitag gefallen, meldete die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA. Gleichzeitig wurde ein weiterer dereinst womöglich ewiger Kim in Stellung gebracht: Kim Jong Un…

Bernhard Bartsch | 11. April 2012 um 06:21 Uhr

 

Unerwünschter Frühling

Nordkorea demonstriert Kontinuität, doch der Druck zur Öffnung wächst und hat bereits begonnen, das System grundlegend zu verändern.

In Kim Taewoos Büro ist die koreanische Versöhnung bereits vollzogen. Auf der Landkarte hinter dem Schreibtisch des Präsidenten von Südkoreas staatlichem Institut für Wiedervereinigung teilt keine Grenze die Halbinselmehr in Nord und Süd. Die Darstellung ist ein politisches Statement, was sonst, doch seit vergangener Woche wirkt es so brisant wie lange nicht mehr. „Theoretisch ist jetzt alles möglich“, kommentiert der Politologe die Lage nach dem Tod von Diktator Kim Jong-il und bezweifelt, dass dessen Machterben das abgeschottete System langfristig aufrecht erhalten können…

Bernhard Bartsch | 27. Dezember 2011 um 11:01 Uhr

 

Kim in der Kiste

Nordkorea beweint seinen verstorbenen Diktator Kim Jong-il. Der Süden bemüht sich um versöhnliche Signale.

Die Nachricht fand nicht viel Aufmerksamkeit: Am vergangenen Freitag berichtete das chinesische Staatsfernsehen CCTV, das Pekinger Wachsfigurenmuseum habe für Nordkoreas Herrscher Kim Jong Il eine Statue seiner Mutter angefertigt. Mehr als 200 Würdenträger seien aus Pjöngjang angereist, um die Skulptur abzuholen. „Aber wer war wirklich in der Kiste?“, fragt ein chinesischer Blogger. „Vielleicht ist Kim gar nicht in seinem Zug gestorben, sondern in einem chinesischen Krankenhaus.“ Das Gerücht ist einer von zahllosen Spötteleien, mit denen Internetbenutzer aller Welt den Tod des exzentrischen Tyrannen kommentieren…

Bernhard Bartsch | 20. Dezember 2011 um 16:18 Uhr

 

Zum Einstand eine Rakete

Nach dem Tod Kim Jong-ils soll sein jüngster Sohn Kim Jong-un die Macht übernehmen. Als erste Amtshandlung zündete er eine Kurzstreckenrakete.

Schluchzende Menschen beweinen auf den Straßen und Plätzen den Tod ihres „Geliebten Führers“: Nordkoreanische Fernsehbilder dokumentieren die öffentliche Trauer nach dem Tod von Diktator Kim Jong-il. Eine in Schwarz gekleidete Nachrichtensprecherin hatte am Montagmorgen mit tränenerstickter Stimme verkündet, dass der 69-Jährige am Samstag während einer Zugfahrt im Alter an Herzversagen gestorben sei. Er hatte Nordkorea seit dem Tod seines Vater Kim Il-sung im Jahr 1994 regiert und das abgeschottete und verarmte Land zur Atommacht gemacht…

Bernhard Bartsch | 19. Dezember 2011 um 16:58 Uhr

 

Ein Ei pro Monat

Auch diesen Winter ist die Versorgungslage für viele Nordkoreaner wieder heikel. Doch die internationale Hilfsbereitschaft ist begrenzt.

Es ist Kohlernte in Nordkorea. Landauf, landab hacken Arbeitertrupps die grünen Köpfe ab und türmen sie am Feldrand zu großen Bergen auf. Armeeeinheiten verladen sie auf altmodische Lastwagen und transportieren sie in die Dörfer und Städte, wo die Menschen in Gruppen antreten, um ihre Zuteilungen in Empfang zu nehmen. Auf Handkarren verfrachten sie ihren Kohl nach Hause, stapeln ihn auf Balkonen oder vor der Tür. In den kommenden Tagen werden die Hausfrauen die Blätter in großen Krügen zu Kimchi einlegen, dem Nationalgericht, das in den langen Wintermonaten für viele Nordkoreaner die einzige Vitaminquelle ist, und eine von wenigen Möglichkeiten, dem täglichen Maisbrei ein wenig Geschmack zu verleihen…

Bernhard Bartsch | 25. November 2011 um 05:37 Uhr

 

Fremde Landsleute

Viele Südkoreaner wollen mit den Flüchtlingen aus dem Norden nichts zu tun haben. Sie fürchten um ihren Wohlstand.

Die junge Frau muss sich sichtlich überwinden. Kerzengrade steht sie an der Wegkreuzung eines Parks im Herzen von Seoul und hält Ausschau nach Spaziergängern. Kommt einer in ihre Richtung, atmet sie tief durch, holt ein Flugblatt aus der Tasche und streckt es dem Passanten entgegen. „Wussten Sie, dass in Südkorea 23 000 Überläufer aus Nordkorea leben?“, steht darauf, gefolgt von einigen Bitten. „Bieten Sie einem Nordkoreaner ihre Freundschaft an“, lautet eine davon…

Bernhard Bartsch | 18. Oktober 2011 um 03:54 Uhr

 

Südkoreas Tränenmacher

Das Waisenkind Choi Sung-Bong ist der neue Stern im weltumspannenden Casting-Show-Universum.

Ich möchte einfach normal sein“, murmelt der 22-jährige Choi Sung-Bong leise. Und wer ihn diesen Satz sagen hört, muss kurze Zeit später zum Taschentuch greifen. Acht Minuten und zwei Sekunden dauert das Youtube-Video, das mit Chois schüchtern vorgetragenem Wunsch beginnt und damit endet, dass Choi noch weniger normal wirkt als zuvor. Der 22-jährige Südkoreaner ist der neueste Stern am internationalem Castingshow-Himmel. Mit der richtigen Mischung aus trauriger Lebensgeschichte, unvorteilhaftem Äußeren und bombastischer Stimme hat er sich in die Herzen eines Millionenpublikums gesungen – und das nicht nur in Südkorea…

Bernhard Bartsch | 27. Juli 2011 um 11:17 Uhr