Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

RSS Home | Archiv | ImpressumKontakt

„Diese neue Führung ist experimentierfreudiger“

Der Pekinger Regierungsberater Cui Zhiyuan über die neue Führung in China, dringende Reformen und die Doktorarbeit von Xi Jinping.

Cui_ZhiyuanBernhard Bartsch: Professor Cui, der epochale Generationswechsel in Chinas Führung ist abgeschlossen. Gibt es nun den erhofften Reformschub?

Cui Zhiyuan: Grundsätzlich glaube ich, dass die neue Führung experimentierfreudiger ist und mehr lokale Reformversuche wagen wird.

Woher stammt ihr Optimismus?

Zum Beispiel aus der Lektüre der Doktorarbeit von Xi Jinping…

Bernhard Bartsch | 18. März 2013 um 06:50 Uhr

 

Team China

Die neue chinesische Regierung startet mit großen Reformversprechen ins Amt. Zum Kabinett von Premier Li Keqiang gehört auch ein ausgewiesener Deutschlandfreund.

Peking Für Wahlversprechen war es eigentlich zu spät, als Chinas neuer Regierungschef Li Keqiang am Sonntag in Pekings Großer Halle des Volkes vor die Weltpresse trat. Doch da das Protokoll bestimmt, dass sich Premierminister nicht vor, sondern nach ihrer Kür der Öffentlichkeit stellen, hatte der 57-Jährige erst zwei Tage nach seinem Amtsantritt Gelegenheit, seine Ziele zu erklären…

Bernhard Bartsch | 18. März 2013 um 06:47 Uhr

 

Die einsame Weltmacht

Wie viel Respekt Chinas neue Führung verdient, wird sich daran entscheiden, wie viel Mut zur Veränderung sie aufbringt.

Wenn internationale Politiker China Respekt zollen wollen, sagen sie gerne, sie würden ihre chinesischen Kollegen nicht um ihren Job beneiden. Wie könnte sich ein deutscher Minister oder EU-Kommissar auch vorstellen, ein Land mit 1,3 Milliarden Menschen zu regieren? Trotzdem ist die Demut natürlich Heuchelei. Egal ob demokratisch gewählt oder im Einparteiensystem aufgestiegen – Vollblutpolitiker streben stets nach noch größeren Aufgaben, ganz unabhängig davon, ob sie dafür ernsthafte Lösungen haben. Die rettende Idee werde ihnen schon kommen, glauben sie. Leider ist das oft ein Irrtum. Chinas neue Führungsgeneration, die dieser Tage endgültig die Macht übernimmt, muss deshalb niemandem leidtun – und sich ihren Respekt erst verdienen…

Bernhard Bartsch | 15. März 2013 um 06:44 Uhr

 

Kein Mauerfall in China

Das Jubiläum des Mauerfalls wird China weitgehend verschwiegen – von einer friedlicher Revolution will die Parteiführung bis heute nichts wissen.

Mauerfall oder kein Mauerfall? Was für eine Frage! Die Deutschlektorin an einer chinesischen Universität, in der DDR geboren und derzeit als Dozentin tätig, ringt seit Wochen mit dieser Frage. „Es würde mich natürlich sehr reizen, den Mauerfall zum Anlass zu nehmen, um mit meinen Studenten eine richtig heiße Diskussion über das Ende des Kommunismus zu führen“, sagt sie. „Aber ich werde es mir verkneifen müssen.“…

Bernhard Bartsch | 06. November 2009 um 05:13 Uhr

 

Kein Geld für China

Deutschlands Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel will die Volksrepublik aus seinem Portfolio streichen. Das ist populär, aber nicht unbedingt klug.

Es passiert nicht häufig, dass Minister ihr eigenes Portfolio beschneiden. Dennoch hat Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel seinen Amtsantritt prompt genutzt, um seine Zuständigkeit für das bevölkerungsreichste Land der Welt aufzugeben: China solle künftig keine deutsche Entwicklungshilfe mehr erhalten, weil es inzwischen selbst genug Geld habe, erklärte der FDP-Politiker…

Bernhard Bartsch | 30. Oktober 2009 um 19:02 Uhr

 

„Meine Mutter kann weder schreiben noch lesen“

Ein Gespräch mit Li Pengyi, Parteichef eines der größten Verlage der Volksrepublik, der ein Staatsunternehmen fit für den Markt machen soll.

Li_PengyiHerr Li, Sie haben den Auftrag, eine sozialistische Industrie in eine kapitalistische zu verwandeln.

Das ist ihr Verständnis der Sache. Aber wir sind immer noch ein sozialistisches System. Glauben Sie nicht? Das Fundament ist immer noch sozialistisch, aber es hat chinesische Eigenschaften. So hat Deng Xiaoping das vor etwa zwanzig Jahren genannt. Und wir glauben das. Wir sind noch immer auf einem sozialistischen Weg, aber eben mit einigen chinesischen Eigenschaften. Was heißt das? Marxismus oder Leninismus sagen, sozialistische Gesellschaften können nicht den Weg Richtung Marktwirtschaft einschlagen. Aber genau das machen wir. Das ist ein neuer Ansatz. Wir machen hier Geschichte…

Bernhard Bartsch | 02. September 2009 um 11:11 Uhr

 

„Chinas Wahrheit ist nicht elegant“

Der chinesische Schriftsteller Mo Yan erzählt, wie er vom Bauer zum Erfolgsautor wurde, weshalb Chinas Gegenwartsliteratur nicht ohne Gewalt auskommt und warum John Updike das nie verstehen konnte.

mo_yan_2Frage: Mo Yan, ich sage es Ihnen lieber gleich zu Anfang: In diesem Gespräch wird es viel um Schubladendenken gehen.

Mo Yan: (lächelt) Ach du liebe Güte!

Frage: Wir wollen ja über chinesische Literatur reden, und davon verstehen wir im Westen leider so wenig, dass wir die Autoren meistens alle in einen Topf werfen. Das gilt auch für Sie: Ihre Romane werden bei uns in erster Linie als „chinesische Bücher“ gelesen, statt als Werke des einzigartigen Schriftstellers Mo Yan…

Bernhard Bartsch | 15. Juli 2009 um 02:35 Uhr

 

Pragmatische Diktatur

Andere palavern, wir handeln, sagt Peking. Chinas Zentralstaat sei effektiver als westliche Demokratien. So versucht die KP, aus der Krise Kapital zu schlagen.

Die Jahrestagung des Nationalen Volkskongresses ist traditionell großes Theater, eine multimediale Inszenierung, die den Anschein erwecken soll, das chinesische Volk kontrolliere die Regierung, nicht umgekehrt. Dramaturgisch erinnert der Auftritt des Kulissenparlaments unverändert an die Zeiten, als der Sozialismus noch die Zukunft war. Doch das Hauptprogramm findet schon lange nicht mehr im rot beflaggten Plenarsaal der Großen Halle des Volkes statt…

Bernhard Bartsch | 06. März 2009 um 01:44 Uhr

 

Rascheln gegen die Krise

Chinas Premier schürt beim Nationalen Volkskongress Optimismus: Auch im Krisenjahr 2009 erwartet die Regierung ein Wirtschaftswachstum von acht Prozent.

Sitzen bleiben, still sein, mitlesen und Notizen machen – so lautete die Anweisung, die Chinas Führung ihren 3000 Parlamentariern am Donnerstag mit auf den Weg in Pekings Große Halle des Volkes gegeben hatte. Im Krisenjahr soll der Nationale Volkskongress, Chinas Kulissenlegislative, einen besonders fleißigen Eindruck machen…

Bernhard Bartsch | 06. März 2009 um 01:40 Uhr

 

Auf Augenhöhe

Chinas Regierung glaubt, dass das Land in der Krise seine Position in der Welt stärken kann. Entsprechend selbstbewusst tritt sie auf.

Wenn Chinas Premier Wen Jiabao in dieser Woche mit einer hochrangigen Minister- und Unternehmerdelegation Europa besucht, und unter anderem auch nach Berlin kommt, dann ist das so, als würde die deutsche Kanzlerin über Weihnachten mit einem Tross von Kabinettsmitgliedern und Dax-Vorständen nach Asien reisen…

Bernhard Bartsch | 27. Januar 2009 um 03:39 Uhr

 

Hart, aber nicht fair

Mit Todesurteilen im Milchprozess will Peking Vertrauen der Bevölkerung zurückgewinnen. Doch dafür braucht es mehr als Showjustiz.

Chinas Justiz hat im Milchskandal harte Urteile gefällt. Zwei Männer sollen hingerichtet werden, weil sie fast ein Jahr lang verdünnte Milch mit der giftigen Industriechemiker vermischten, um die Eiweißtests der Qualitätsprüfer auszutricksen. Der Betrug fiel zwar bald auf, doch die Molkereiangestellten und Beamten stoppten ihn nicht. Ihr Schweigen ließen sie sich gut bezahlen und rechtfertigten es damit, dass sie kurz vor Olympia Chinas Image in der Welt hatten schützen wollen.

Bernhard Bartsch | 22. Januar 2009 um 17:27 Uhr

 

“Chinas Entwicklungsmodell hat fundamentale Probleme”

Wirtschaftshistoriker Wu Xiaobo über 30 Jahre chinesische Reformpolitik, fernöstlichen Unternehmergeist und die Lehren aus der Finanzkrise.

Frage: Herr Wu, vor genau dreißig Jahren hat China sich der Marktwirtschaft geöffnet. Pünktlich zum Jubiläum steckt der Kapitalismus in einer tiefen Krise, und die Volksrepublik mitten drin. Schlägt jetzt die Stunde der Planwirtschaftsnostalgiker?

Bernhard Bartsch | 23. Dezember 2008 um 18:07 Uhr

 

Lizenz 001

Vor 30 Jahren wurde China kapitalistisch – und Guo Peiji zum Pionier: Der Koch gründete Pekings erstes privatwirtschaftliches Restaurant.

Guo Peiji ist an diesem Morgen spät dran. „Ich hab mal richtig ausgeschlafen“, sagt der 76-Jährige, als er um kurz nach neun in dem kleinen Restaurant in der Cuihua-Gasse ankommt, wo sein Sohn und einige Angestellte schon Gemüse putzen. „Bis sechs Uhr hab ich faul im Bett gelegen.“

Bernhard Bartsch | 23. Dezember 2008 um 15:27 Uhr

 

Von der Werkbank zur Weltbank

Das Entwicklungsland China wird zum internationalen Großinvestor. In Zeiten der Krise ist China ein Land mit gewaltigen Geldreserven und soll den Industrieländern zu Hilfe eilen.

Für einen Fondsmanager, der 200 Milliarden Dollar verwaltet, erscheint das Gehalt von Lou Jiweis sehr bescheiden. 10 000 Yuan verdient er im Monat, rund 1000 Euro, so schreibt es die Einkommenstabelle für den Rang eines chinesischen Vizeministers vor. Eine Reihe von Vergünstigungen werden ihm immerhin zugestanden…

Bernhard Bartsch | 01. Dezember 2008 um 03:31 Uhr

 

Reich der armen Mitte

Wucher statt Wachstum: Auch Chinas Wirtschaftsmodell gerät in die Krise.

In jeder Krise steckt eine Chance, sagt das Sprichwort. In China lässt sich die Redensart sogar etymologisch herleiten: Krise heißt auf Chinesisch „Weiji“, wobei die erste Silbe „Gefahr“ und die zweite „Möglichkeit“ bedeutet. In jeder Analyse der chinesischen Krise schwingt die Chance also schon mit. Nur wie?

Bernhard Bartsch | 26. November 2008 um 15:59 Uhr