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Der Fluch der Tofu-Schulen

Beim Erdbeben in Nordwestchina sind erneut hunderte Kinder in Schulgebäuden umgekommen. Doch der Propagandaapparat ist auf die Katastrophe gut vorbereitet.

Am Tag nach dem Erdbeben in der nordwestchinesischen Provinz Qinghai wird allmählich das Ausmaß der Zerstörung sichtbar. „Es gibt immer mehr Verletzte und Tote“, beschreibt der Mitarbeiter einer tibetischen Hilfsorganisation am Telefon die verzweifelte Lage. 34 Kinderleichen und 27 Verletzte seien bereits aus den Trümmern einer Internatsschule geborgen worden, die er in den vergangenen Jahren mit aufgebaut habe…

Bernhard Bartsch | 15. April 2010 um 17:49 Uhr

 

Kein Mauerfall in China

Das Jubiläum des Mauerfalls wird China weitgehend verschwiegen – von einer friedlicher Revolution will die Parteiführung bis heute nichts wissen.

Mauerfall oder kein Mauerfall? Was für eine Frage! Die Deutschlektorin an einer chinesischen Universität, in der DDR geboren und derzeit als Dozentin tätig, ringt seit Wochen mit dieser Frage. „Es würde mich natürlich sehr reizen, den Mauerfall zum Anlass zu nehmen, um mit meinen Studenten eine richtig heiße Diskussion über das Ende des Kommunismus zu führen“, sagt sie. „Aber ich werde es mir verkneifen müssen.“…

Bernhard Bartsch | 06. November 2009 um 05:13 Uhr

 

„Deutsche Medien sind die arrogantesten“

China feiert seinen Gastlandauftritt bei der Frankfurter Buchmesse als gelungene Kulturpolitik – trotz angeblicher Sabotageversuche von Medien und Dissidenten.

„Wenn Barack Obama nach China kommt und unser Präsident empfängt am gleichen Tag Osama Bin Laden – was würden die Amerikaner dann von uns denken?“ Mit diesem Vergleich formuliert ein chinesischer Blogger seinen Ärger darüber, dass die Frankfurter Buchmesse neben Chinas offizieller Delegation auch Kritikern und Dissidenten ein Forum gegeben hat…

Bernhard Bartsch | 19. Oktober 2009 um 03:08 Uhr

 

Pekings Hofnarr

Der Dichter Wang Zhaoshan darf als Mitglied der offiziellen Autorendelegation nach Frankfurt reisen. In China ist er eher berüchtigt als berühmt.

„Die Werke unseres Vizevorsitzenden Wang?“ Die Mitarbeiterin des Schriftstellerverbands der Provinz Shandong ist am Telefon offensichtlich überrumpelt. „Dazu kann ich gar nichts zu sagen, die sind alle so alt.“ Und über Wangs berühmt-berüchtigtes Gedicht „Stimme aus der Tiefe der Ruinen“ will sie nicht sprechen. Natürlich nicht…

Bernhard Bartsch | 14. Oktober 2009 um 00:28 Uhr

 

„China ist surreal“

Der Schriftsteller Yu Hua spricht im Interview über sein Lieblingsbuch, konkurrierende Chinabilder und Pekings Instrumentalisierung chinesischer Auslandsstudenten.

Yu_HuaHerr Yu, bei der Frankfurter Buchmesse werden viele verschiedene Chinabilder aufeinanderprallen: positive und negative, geschönte und geschwärzte, gut und schlecht informierte. Was für eines steuern Sie bei?

Vielleicht das surreale. Ich bemühe mich in meinen Büchern zwar um eine objektive Beschreibung der chinesischen Gegenwart. Aber die Entwicklung, die China in den vergangenen Jahrzehnten durchgemacht hat, ist absolut unwirklich. Normalerweise sehen wir Schriftsteller uns ja gerne als Ärzte der Gesellschaft, die soziale Phänomene diagnostizieren. Aber in der heutigen chinesischen Gesellschaft geht das nicht mehr. Da sind wir alle Patienten…

Bernhard Bartsch | 12. Oktober 2009 um 02:20 Uhr

 

Wo Äpfel noch Birnen sind

Die Volksrepublik China feiert ihren 60. Jahrestag ihrer Gründung. Das heißt, eigentlich feiert die Kommunistische Partei 60 Jahre Herrschaft. Doch das ist einerlei.

Ein Herrschaftsjubiläum ist kein Legitimationsbeweis. Dieser Satz ist eigentlich banal, folgt er doch der Binsenweisheit: Äpfel sind keine Birnen. Dennoch dürfte derzeit wohl keine chinesische Zeitung diesen Satz drucken. Denn Chinas Kommunistische Partei serviert ihrem Volk derzeit ein politisches Apfel-Birnen-Kompott…

Bernhard Bartsch | 01. Oktober 2009 um 23:45 Uhr

 

„Mao war ein Mensch mit Fehlern“

Mao-Darsteller Tang Guoqiang über Chinas jüngsten Propagandastreifen, Demokratie mit chinesischen Eigenschaften und den Nachruhm des Großen Vorsitzenden.

Tang_Guoqiang_4Herr Tang, seit 13 Jahren sind Sie fast täglich im chinesischen Fernsehen in der Rolle von Mao Zedong zu sehen. Was Ihre Landsleute heute über Mao wissen und denken, geht also maßgeblich auf ihre Darstellung zurück. Wie viel haben denn die Filmfigur und der reelle Mao mit einander zu tun?

Unsere Filme beruhen auf historischen Studien und bilden die Geschichte so ab, wie sie stattgefunden hat. Man kann daraus lernen – deshalb werden sie selbst an den Parteischulen als Lehrmittel eingesetzt…

Bernhard Bartsch | 01. Oktober 2009 um 22:31 Uhr

 

Massaker an der Meinungsfreiheit

Chinas Sicherheitsbehörden verbieten dem Dichter Liao Yiwu, zur Buchmesse nach Deutschland zu fahren.

Wir erleben ein Massaker in diesem Land der Utopien. Der Regierungschef braucht sich nur zu erkälten, und schon müssen die Massen mit ihm niesen.“ So beginnt das Gedicht „Massaker“, in dem der chinesische Dichter Liao Yiwu im Juni 1989 seinem Entsetzen über das Blutbad auf dem Platz des Himmlischen Friedens Luft machte…

Bernhard Bartsch | 24. September 2009 um 17:31 Uhr

 

Großgrundbesitzerbonbons

Vor 44 Jahren versuchten Chinas Bildhauer, Bauern durch Kunst die Weltrevolution zu erklären. Nun reist das kommunistische Lehrwerk erstmals ins Ausland.

PachthofKennste die noch?“ schallt es von links. „Und schau mal den da!“ kommt es lachend von rechts zurück. Es ist Sonntagnachmittag. In kleinen Gruppen ziehen Touristen und Wochenendausflügler durch das feudale Anwesen von Chinas berüchtigtstem Großgrundbesitzer, Liu Wencai. Sie fotografieren sich in den gepflegten Gärten und vor Oldtimern vom Anfang des 20. Jahrhunderts, doch der Höhepunkt ist der „Hof für die Pachteinnahmen“, zu dem Wegweiser die Menschenströme führen wie im Louvre zur Mona Lisa. „Hier sehen sie das wichtigste Kunstwerk es Neuen China“, knarzt es aus dem Megaphon der Reiseführerin, als ob die Besucher das nicht selber wüssten…

Bernhard Bartsch | 24. September 2009 um 04:16 Uhr

 

Mehr Grautöne, bitte!

China hat vor der Buchmesse gegen Meinungs- und Pressefreiheit verstoßen. Aber wer es jetzt beim wohlfeilen China-Bashing belässt, vergibt eine einmalige Chance.

Chinas Gastlandauftritt bei der Buchmesse ist eine Chance. Damit sie genutzt werden kann, muss die gegenwärtige Debatte nicht nur anhalten, sondern viel besser werden. Alle dreschen auf China ein – die Vorlage ist halt verlockend, und moralisch kann man gar nichts falsch machen: Einen Monat vor der Frankfurter Buchmesse hat Peking mit dem gescheiterten Versuch, kritische Autoren an der Teilnahme einer Vorbereitungskonferenz zu hindern, alle Vorbehalte gegen den Gastlandauftritt bestätigt…

Bernhard Bartsch | 12. September 2009 um 02:43 Uhr

 

Dai Qing fliegt

Kritische Autorin reist auf eigene Kosten nach Frankfurt. Nach ihrer Ausladung von der Buchemesse-Konferenz will sie vom Publikum aus mitdiskutieren.

Trotz ihrer Ausladung von der Vorbereitungskonferenz der Frankfurter Buchmesse ist die kritische chinesische Autorin Dai Qing am Freitagmorgen auf eigene Kosten nach Frankfurt geflogen, um im Publikum daran teilzunehmen. „Keiner kann mich jetzt mehr daran hindern, auf dem Symposium meine Meinung zu sagen“, erklärte die 68-Jährige in einem Telefonat mit dem Autor, nachdem sie in Peking das Flugzeug bestiegen hatte…

Bernhard Bartsch | 11. September 2009 um 10:41 Uhr

 

Buchmessekonferenz droht zu platzen

Kritische Autorin Dai Qing erhält Visum für Deutschland. Da die Frankfurter Buchmesse sie von der Rednerliste gestrichen hat, will sie nun im Publikum sitzen.

Die Vorbereitungskonferenz zu Chinas Gastlandauftritt bei der Frankfurter Buchmesse droht zu platzen. Die kritische Schriftstellerin Dai Qing, deren Teilnahme Peking um jeden Preis verhindern will, hat am Donnerstag von der deutschen Botschaft in Peking doch noch ein Visum erhalten. Das bestätigte Dai. Dabei hatte sich die Buchmesse Anfang der Woche auf Druck des chinesischen Gastlandkomitees entschieden, die Einladung der Investigativ- und Umweltjournalistin, die in der Volksrepublik Veröffentlichungsverbot hat, nicht weiter zu verfolgen…

Bernhard Bartsch | 10. September 2009 um 12:51 Uhr

 

Kalte Kameraden

China rätselt über ein Internetdokument, das den Führungsanspruch der Kommunisten anzweifelt. Wer kann sowas wagen.

Hüte dich vor Greisen, besagt eine alte Despotenweisheit, denn sie haben nichts mehr zu verlieren. Auch Chinas Kommunistische Partei beherzigt diesen Vorsatz und hält ihre Veteranen mit viel Lob und strengem Tadel im Glied. Aber hin und wieder juckt es dennoch einen der Genossen, auf die alten Tage zu sagen, was er ein Leben lang eigentlich nicht einmal denken durfte: dass es nicht das gleiche ist, an der Macht zu sein und im Recht…

Bernhard Bartsch | 10. August 2009 um 22:55 Uhr

 

Eine Welt, eine Träumerei

Vor einem Jahr begannen in Peking die Olympischen Spiele. Während Chinas Regierung den Mythos am Leben zu erhalten versucht, wollen ihre Kritiker ihn zerstören.

HuanhuanRekorde sind zum Brechen da. Ein Jahr nach den Olympischen Spielen von Peking, dem größten Sportfest aller Zeiten, strebt Chinas Regierung nach dem nächsten athletischen Superlativ: Auf die Riesenshow des Spitzensports soll die weltweit größte Breitensportbewegung folgen. Der 8. August, das Jubiläum der Olympiaeröffnung, soll in der Volksrepublik künftig als „Nationaler Fitnesstag“ an die Spiele erinnern – und der Kommunistischen Partei ermöglichen, den Olympiamythos weiter zu instrumentalisieren. Pekings Kritiker wollen den Tag dagegen nutzen, um der Welt in Gedächtnis zu rufen, dass viele Hoffnungen – etwa Fortschritte in Sachen Menschenrechte, Demokratie oder Pressefreiheit – enttäuscht wurden…

Bernhard Bartsch | 08. August 2009 um 00:08 Uhr

 

Dalai Lama: Tibeter leben in der Hölle

Zum 50. Jubiläum des Lhasaaufstands wirft der Dalai Lama China vor, den Tibetern das Leben zur „Hölle auf Erden“ gemacht zu haben. Peking bezeichnet das als „Lüge“.

50 Jahre nach dem Aufstand zehntausender Tibeter gegen die chinesische Obrigkeit haben der Dalai Lama und Chinas Regierung einander schwere Vorwürfe gemacht. Das buddhistische Religionsoberhaupt hielt Peking in einer ungewöhnlich scharfen Worten vor, das Leben der Tibeter zur „Hölle auf Erden“ gemacht zu haben…

Bernhard Bartsch | 11. März 2009 um 00:59 Uhr