Verantwortung für drei
China spielt beim Atomsicherheitsgipfel eine Schlüsselrolle – auch als Verbündeter von Nordkorea und Iran.
Er kontrolliert das fünftgrößte Atombombenarsenal der Welt, doch beim Washingtoner Nukleargipfel spielt Chinas Präsident Hu Jintao nicht nur wegen seiner eigenen Waffen eine Rolle, sondern vor allem wegen seines Einflusses auf die Regime in Nordkorea und im Iran. Pekings Taktik gilt als ambivalent…
“Chinesen sind es gewohnt, die besten zu sein”
Der Pekinger Regierungsberater Yan Xuetong über die chinesisch-amerikanische Rivalität, konfuzianische Außenpolitik und Chinas Supermachtstatus.
Bernhard Bartsch: Professor Yan, trotz des gespannten Verhältnisses zwischen China und den USA reist Präsident Hu Jintao zum Atomsicherheitsgipfel nach Washington. Hat Peking dem amerikanischen Druck nachgegeben?
Yan Xuetong: Nein, die Initiative kam aus dem Weißen Haus. Obama hat kürzlich auf eigene Anregung ausführlich mit dem neuen chinesischen Botschafter getroffen. Auf dieses Gespräch hat China sehr positiv reagiert…
Tiefpunkt oder freier Fall?
China ist wütend über Obamas Dalai-Lama-Empfang. Die Frage ist: Wie sehr?
Die diplomatischen Beziehungen zwischen Washington und Peking haben sich weiter deutlich abgekühlt. Nachdem US-Präsident Barack Obama am Donnerstag den Dalai Lama im Weißen Haus empfangen hatte, bestellte China am Freitag den amerikanischen Botschafter ein. Pekings Vize-Außenminister Cui Tiankai habe einen “förmlichen Protest” eingelegt…
Chuzpe statt Change
Chimerica muss warten: Peking will keinen Schulterschluss mit Washington – und beschert Obama eine der größten Pleiten seines ersten Präsidentschaftsjahres.
„No, you can’t“ – das ist die Botschaft, die Barack Obama kurz vor Ende seines ersten Präsidentschaftsjahres aus China erhalten hat. Bei den Klimaschutzverhandlungen in Kopenhagen bescherte Peking dem international gefeierten Politsuperstar eine seiner schmerzlichsten Pleiten: Nicht nur verweigerte Chinas Premier Wen Jiabao Obama den erhofften Minimalkompromiss und zeigte dem sogenannten „mächtigsten Mann der Welt“ die engen Grenzen seines Handlungsspielraums auf…
Versteinerte Mienen
Barack Obama ist auch in China ein Star. Doch nennenswerte Fortschritte für das komplizierte amerikanisch-chinesische Verhältnis erzielt sein Antrittsbesuch nicht.
Gesichtsausdrücke sind ungenaue Indizien, um Aussagen über diplomatische Beziehungen zu machen. Doch mehr als Mienenspiel stand den Journalisten in Pekings Großer Halle des Volkes am Dienstag nicht zur Verfügung, um auf den wahren Verlauf der Gespräche zwischen US-Präsident Barack Obama und Chinas Staatschef Hu Jintao zu schließen…
Neue Tonart, altes Lied
Barack Obama will in Peking das Vertrauen in die USA wiederherstellen. Dabei versucht China selbst, sich als Leitmacht zu etablieren.
“Gehe kein Bündnis ein, solange du nicht die Motive deines Nachbarn kennst”, schrieb vor 2500 Jahren der chinesische Stratege Sunzi in seiner “Kunst des Krieges”. Wie viele Lehrsätze des berühmten Militärphilosophen ist auch dieser gleichermaßen banal wie genial. Wer wäre so verrückt, sich mit einem undurchschaubaren Partner zu verbünden, mag man fragen – nur um dann zu erkennen, dass derartige Allianzen die normalste Sache der Welt sind…
Demokratie für Anfänger
Barack Obama greift vor Shanghaier Studenten Pekings Zensurpolitik an und entwirft ein Amerikabild, das China als Vorbild dienen kann, ohne es zu bevormunden.
Manchmal möchte Barack Obama gerne Presse und Internet zensieren. Das hat er selbst gesagt und dann verschmitzt gelacht – wohl aus Vorfreude auf den damit zurechtgelegten rhetorischen Elfmeter, den er im nächsten Moment im Tor der chinesischen Regierung versenken würde…
Der Halbbruder aus Shenzhen
Bei seinem Staatsbesuch in China trifft der US-Präsident auch einen Verwandten.
Eigentlich hatte Mark Ndesandjo mit dem Namen Obama abgeschlossen. Schon in seiner Jugend legte er ihn ab, um nie mehr an seinen Vater erinnert zu werden, der ihn und seine Mutter über Jahre misshandelt hatte. Mit dem Namen seines Stiefvaters, Ndesandjo, konnte er sich besser identifizieren. Doch dann wurde sein Halbbruder Präsident der Vereinigten Staaten, und nun trägt er den Namen des gemeinsamen Vaters doch wieder, voller Stolz: Mark Obama Ndesandjo…
Pünktliche Provokation
Vor dem Südkorea-Besuch von US-Präsident Obama provoziert Pjöngjang ein Seegefecht im Gelben Meer.
Kim Jong-il gilt als Mann mit diplomatischem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom – und pünktlich zur Asienreise von US-Präsident Barack Obama, die auch nach Südkorea führen wird, steht Nordkoreas Diktator nun wieder im Mittelpunkt. Schiffe der nord- und südkoreanischen Marine lieferten sich im Gelben Meer einen Schusswechsel, wobei das direkte Feuer offenbar Kims Soldaten eröffneten…
“Alles hängt von den USA ab”
Pan Jiahua, Pekings ranghöchster Klimaschutzberater und Mitglied der chinesischen Kopenhagendelegation, spricht über faule Ausreden, ehrgeizige Ziele und globale Gerechtigkeit.
Frage: Noch fünf Wochen bis Kopenhagen, Herr Pan. Wie laufen die Vorbereitungen?
Pan Jiahua: Wir sind im Zeitplan. Bei den Verhandlungen hat es zwar einige große Rückschläge gegeben, aber der Schwung und der Wille sind da. Ich mache mir keine Sorgen.
Sie teilen also nicht die Befürchtungen, dass die Verhandlungen scheitern oder mit einem faulen Kompromiss enden könnten?…
Kims Coup
Machtdemonstration oder Vertrauensbildung – nach Bill Clintons Nordkoreareise versuchen Experten die politischen Signale der Geiselfreilassung zu deuten.
Es war der Tag der Bilder – in den USA ebenso wie in Nordkorea. Am Mittwochmorgen, pünktlich zu den amerikanischen Frühnachrichten, schlossen die US-Journalistinnen Laura Ling und Euna Lee auf dem Flughafen von Los Angeles vor laufenden Kameras ihre Familien wieder in die Arme – nach viereinhalb Monaten in nordkoreanischer Haft…
China provoziert US-Marine – oder umgekehrt?
Peking und Washington streiten über Marinekonfrontation auf hoher See. Der Konflikt ist ein Testfall für die Beziehung der Großmächte.
Ein Zwischenfall im Südchinesischen Meer hat zu einem scharfen diplomatischen Schlagabtausch zwischen Peking und Washington geführt. Nachdem sich am Sonntag fünf chinesische Schiffe bis auf acht Meter einem Aufklärer der US-Marine näherten, warfen beide Seiten sich gegenseitig militärische Provokationen vor….
Clinton gibt in Peking die Realpolitikerin
Wirtschaft und Klimaschutz dominieren ersten Chinabesuch der neuen US-Außenministerin. Menschenrechte sollen die Beziehung nicht mehr belasten.
US-Aussenministerin Hillary Clinton hat in Peking für einen neuen Pragmatismus in den amerikanisch-chinesischen Beziehungen plädiert. Bei ihrem Antrittsbesuch rückte sie die gemeinsame Bewältigung der Wirtschaftskrise sowie Fortschritte im Klimaschutz in den Vordergrund. Meinungsverschiedenheiten bei den Menschenrechten, der Tibetfrage oder im Taiwan-Konflikt sollen das Verhältnis künftig nicht mehr belasten…
China zensiert Obamas Antrittsrede
Barack Obama hat schon mit seiner Antrittsrede die ersten Verstimmungen in Peking hervorgerufen.
“Erinnert euch daran, dass frühere Generationen den Faschismus und den Kommunismus nicht nur mit Raketen und Panzern besiegt haben, sondern mit festen Allianzen und anhaltenden Überzeugungen”, rief der frisch vereidigte Präsident in die Welt. Chinas Zensoren ließen den Satz in Übersetzungen für ihre Medien kurzerhand streichen.
China braucht Obamas Erfolg
Peking fordert eine schnelle Reform des US-Finanzsystems – und wird dafür womöglich mitbezahlen
“Change” in Washington – darauf hofft auch China. Da der Wirtschaftseinbruch in den USA auch Chinas Wachstum nach unten zieht, fordert Peking von Barack Obama eine schnelle Wiederbelebung der Konjunktur und eine grundlegende Reform des Finanzsystems. Vordergründig decken sich die Erwartungen mit den Vorhaben des neuen Präsidenten, doch im Detail steckt reichlich Konfliktstoff.