Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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Kims Kampf

Der Diktator zündelt mit der Atombombe und das Volk hungert: Immer wieder fliehen Nordkoreaner aus ihrem Land. Der Aktivist Kim Sang-hun hilft ihnen dabei.

Kim Sang-hun (Copyright: Martin Gottske)Zum Vatertag erhielt Kim Sang-hun einen Anruf von einem Mann, an den er sich zunächst nicht erinnern konnte. „Ich weiß, ich habe mich lange nicht gemeldet“, entschuldigte sich der Anrufer mit tränenerstickter Stimme. „Aber ich denke jeden Tag an Sie und danke Ihnen für das neue Leben, das sie mir geschenkt haben.“ Sein Akzent verriet ihn schon nach den ersten Worten als Nordkoreaner, doch es dauerte einige Sätze, bis Kim ihn wieder vor sich sah: einen hageren, stillen Mann Anfang vierzig, Ingenieur von Beruf. Er hatte zu einer kleinen Gruppe von nordkoreanischen Flüchtlingen gehört, mit denen Kim vor einigen Jahren mehr als 3000 Kilometer quer durch China gereist war…

Bernhard Bartsch | 19. Februar 2013 um 08:44 Uhr

 

Die Bombe vor der Tür

In China regt sich zunehmend Widerstand gegen die enge Allianz mit Nordkorea.

Nordkorea feierte am Samstag den 71. Geburtstag von Kim Jong Il – und das sozialistische Bruderland China feierte mit. Pekings Nachrichtenagentur Xinhua veröffentlichte gefällige Bildstrecken von Nordkoreanern, die vor dem Standbild ihres 2011 gestorbenen «Geliebten Führers» Blumen niederlegen und sich verneigen. Der Atomtest vom vergangenen Dienstag blieb unerwähnt. Im Internet hagelte es dagegen Spott, für Kim ebenso wie für Chinas unkritische Berichte. «Unsere Medien schreiben alle, der Spinner wäre 71 geworden – müssen wir Chinesen jetzt also auch nordkoreanische Märchen glauben?», schrieb einer in Anspielung auf die offizielle Geburtslegende, wonach Kim Jong Il 1942 auf Nordkoreas heiligem Berg Paektu das Licht der Welt erblickt haben soll. In Wahrheit wurde er ein Jahr vorher in der Sowjetunion geboren…

Bernhard Bartsch | 17. Februar 2013 um 08:52 Uhr

 

Der Sonnensohn und die Eisprinzessin

Wie in einem Shakespeare-Drama liegt Koreas Schicksal in den Händen zweier Diktatorenkinder. Können sie über die Schatten ihrer Väter springen?

Mun Se-gwang war kein Meisterspion. Aber er hatte einen japanischen Pass, eine gute Tarnung für einen nordkoreanischen Agenten. Am 15. August 1974 schmuggelt sich der 22-Jährige mit einem Revolver ins Nationaltheater von Seoul, um Südkoreas Präsident Park Chung-hee zu ermorden. Er nimmt er in einer der hinteren Reihen Platz, und als der Präsident ans Rednerpult tritt, pirscht er sich im Dunkel des Saales nach vorne. Den Revolver in seiner Tasche umfasst er aus Nervosität so fest, dass er versehentlich abdrückt und sich selbst in den Fuß schießt. Während die Bodyguards nach dem Präsidenten hechten, feuert Mun wahllos Richtung Bühne und trifft die First Lady tödlich in den Kopf…

Bernhard Bartsch | 13. Februar 2013 um 08:20 Uhr

 

Koreanisches Patt

Nordkorea ist auf dem Weg, ein Atomstaat mit einsatzfähigen Sprengköpfen zu werden. Nur eine Allianz zwischen Washington und Peking kann Pjöngjang stoppen.

Nordkorea demonstriert der Weltgemeinschaft wieder einmal die Grenzen ihrer Macht: Mit seinem dritten Atombombentest ignoriert Pjöngjang die Forderungen der Vereinten Nationen, sein Nuklearprogramm einzustellen. Auch wenn noch wenig Details bekannt sind, scheint Nordkorea auf dem besten Wege, eine Nuklearmacht mit einsatzfähigen Waffen zu werden. Wenn Pjöngjangs Atomphysiker weiter entwickeln dürfen wie bisher, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie Sprengköpfe bauen können, die sich auf eine Rakete montieren lassen. Einen Interkontinentalflugkörper, der mehr als 10.000 Kilometer weit fliegen kann und sowohl die USA als auch weite Teile Asiens und Europas beschießen könnte, hatte Nordkorea bereits im Dezember erfolgreich getestet…

Bernhard Bartsch | 12. Februar 2013 um 17:34 Uhr

 

Von Papas Gnaden

Nordkoreas Diktator Kim Jong-un erhofft sich von seinem Atomtest eine bessere Verhandlungsbasis mit den USA.

Pjöngjang Wirklich ernst hat die Welt Kim Jong-un bisher nicht genommen. In der internationalen Presse tauchte Nordkoreas 30-jähriger Jungdiktator bisher vor allem als politischer Paradiesvogel auf: Man belächelte seine Statur und Frisur, amüsierte sich über seine Vorliebe für Vergnügungsparks und Mickey Mouse, und freute sich über Bilder seiner eleganten Frau, mit der er so verliebt wirkte. Einen altstalinistischen Tyrannen stellt man sich anders vor. Seit Dienstag scheint jedoch klar, dass Kim Jong-un nicht der erhoffte Reformer ist, der Nordkorea aus der Isolation und Armut führen will, sondern vor allem der Sohn seines 2011 verstorbenen Vaters…

Bernhard Bartsch | 12. Februar 2013 um 17:18 Uhr

 

Risse in der koreanischen Mauer

In Seoul studiert man die Erfahrungen aus der deutsch-deutschen Vereinigung. Und hofft doch, dass man die Lektionen nicht allzu schnell brauchen wird.

An diesem Mittwoch wird Kim Seung Chul wieder über Deutschland sprechen. „Liebe Zuhörer, heute ist der 22. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung“ – so oder so ähnlich wird er in seiner Nachrichtensendung anfangen zu erzählen, wie es dazu kam, dass aus einem sozialistischen und einem kapitalistischen System ein gemeinsamer Staat wurde. Er wird viel Gutes über die Deutschen sagen, über die vereinte Wirtschaftskraft und eine junge Generation, die sich gar nicht mehr daran erinnern kann, dass ihr Land einmal geteilt war. Zwar ist Kim Seung Chul noch nie in Deutschland gewesen, aber trotzdem wünscht er sich, dass sich seine Landsleute an den Deutschen ein Vorbild nehmen…

Bernhard Bartsch | 03. Oktober 2012 um 08:18 Uhr

 

Kim der Fröhliche

Nordkoreas junger Diktator Kim Jong-un etabliert seinen eigenen Personenkult. Er wirkt moderner als sein Vater, doch politisch zeigt er noch immer kein Profil.

Kürzlich hatte Nordkoreas Diktator Kim Jong-un mal wieder seinen Spaß. Zusammen mit seiner Frau besuchte er Pjöngjangs Volkspark. Fotos der offiziellen Nachrichtenagentur KCNA zeigen das junge Paar lachend in einem Elektrowagen über die Anlage fahren, er mit zurückgegelten Haaren im dunklen Anzug, sie im schicken schwarzen Hosenensemble und Handtasche. Dass sie von zugeknöpften älteren Herren in grünen Armeeuniformen umgeben sind, scheint sie nicht zu stören, und auf einigen Aufnahmen scheinen sie die Militärs mit ihrer guten Laune sogar anzustecken…

Bernhard Bartsch | 16. September 2012 um 03:37 Uhr

 

Nordkorea vermietet sein Volk

Immer mehr Nordkoreaner werden als Gastarbeiter nach China geschickt. Ihre Einkünfte kassiert das Kim-Regime in der Heimat.

Nordkoreas Elite pflegt einen aufwändigen Lebensstil, mit importierten Lebensmitteln, teuren Autos und Shopping-Reisen in asiatische Metropolen. Finanziert wird der Luxus durch Exporte von Rohstoffen, Waffen – und zunehmend von Menschen. Tausende Nordkoreaner werden neuerdings in Gastarbeitertrupps nach China geschickt. In chinesischen Fabriken sind sie hochwillkommen, denn die Nordkoreaner sind billiger, gehorsamer und leidensfähiger als die immer anspruchsvolleren chinesischen Arbeiter. Ihre Gehälter fließen direkt in die nordkoreanische Staatskasse…

Bernhard Bartsch | 13. September 2012 um 13:36 Uhr

 

Kim flirtet mit Reformen

Nordkorea entwickelt neue Industriezonen mit China. Will der junge Diktator Kim Jong Un das verarmte Land endlich auf den Weg marktwirtschaftlicher Reformen führen?

Kürzlich erreichte Park Too Jin wieder einmal eine Nachricht von seinem Neffen in Nordkorea. Er werde sich sicher erinnern, wie er vor einiger Zeit begonnen habe, ein kleines Geschäft aufzuziehen, berichtete dieser seinem in Japan lebenden Onkel. Leider sei daraus nichts geworden, inzwischen sei er pleite. Allerdings habe er eine neue Idee und diesmal auch bessere Kontakte. Nur eines fehle ihm noch: Startkapital. Ob er seinen grosszügigen Onkel noch einmal um 100 000 Yen (1020 Euro) bitten dürfe? Park verfolgt die Aktivitäten seines Neffen nicht nur mit persönlichem Interesse. «In Nordkorea ist derzeit eine Menge in Bewegung», sagt der Leiter des Korea International Research Institute, eines privaten Think-Tanks in Tokio…

Bernhard Bartsch | 22. August 2012 um 11:33 Uhr

 

Für Opa nur das Beste

Nordkorea feiert den 100. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il Sung. Zur Feier des Tages darf das Volk erstmals seinen Nachfolger Kim Jong Un sprechen hören.

Kim Il Sung, Nordkoreas Staatsgründer und Diktator für fast ein halbes Jahrhundert, ist in dem Land allgegenwärtig. Jeder trägt ein Foto als Anstecknadel über dem Herzen. Wer eine Zeitung mit Kims Foto wegwirft, bekleckert oder knickt, begeht ein Schwerverbrechen. Jeden Samstag müssen sich die Nordkoreaner zu Studiensitzungen versammeln, um seine „Juche-Ideologie“ zu studieren, die dem Land Unabhängigkeit und den Sieg gegen imperialistische Aggressoren verspricht. Ob im Kino oder im Stadtbild – auch 18 Jahre nach seinem Tod amtiert er noch immer als Nordkoreas Präsident. An diesem Sonntag wäre Kim Il Sung hundert Jahre alt geworden…

Bernhard Bartsch | 15. April 2012 um 06:09 Uhr

 

80 Sekunden Flugzeit zur Blamage

Nordkoreas umstrittener Raketenstart scheitert. Das Debakel könnte Jungdiktator Kim Jong Un verleiten, sich durch einen Atombombentest zu rehabilitieren.

Es sollte eine Erfolgsmeldung zum 100. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il-sung werden, doch stattdessen muss Nordkorea eine bittere Pleite eingestehen. Der umstrittene Start einer Langstreckenrakete endete am Freitagmorgen mit einem Debakel. Der Flugkörper zerbrach nach nur 80 Sekunden in mehrere Teile und stürzte ins Meer. Doch der Fehlschlag könnte dramatische Folgen haben: Mehrere Analysten befürchten nun, dass der junge Diktator Kim Jong-un verleitet sein könnte, sich schon in den kommenden Tagen durch einen Atombombentest zu rehabilitieren…

Bernhard Bartsch | 14. April 2012 um 06:14 Uhr

 

Kim der Ewige

Nordkorea zelebriert seine toten Diktatoren.Zur Feier soll eine Langstreckenrakete starten – auch um den Preis einer weiteren Isolation.

Alle Macht will Ewigkeit: Nordkoreas im Dezember verstorbener Diktator Kim Jong Il ist zum „ewigen Generalsekretär“ der Arbeiterpartei ernannt worden – und damit zum Auftakt der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il Sung ähnlich geehrt worden wie sein Vater, der auch 18 Jahre nach seinem Tod noch als „ewiger Präsident“ amtiert. Die Entscheidung sei bei einem Sonderparteitag gefallen, meldete die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA. Gleichzeitig wurde ein weiterer dereinst womöglich ewiger Kim in Stellung gebracht: Kim Jong Un…

Bernhard Bartsch | 11. April 2012 um 06:21 Uhr

 

Kim Jong-uns Chance

Nordkoreas Atom-Moratorium lässt die Weltgemeinschaft dezent hoffen.

Nordkoreas neuer Herrscher Kim Jong Un ist für die internationale Diplomatie ein unbeschriebenes Blatt. Als er Ende Dezember die wenigen westlichen Botschafter in Pjöngjang am Sarg seines Vaters empfing, ließ er sich nicht mehr als ein paar koreanische Dankesfloskeln entlocken. Eine Bestätigung für das Gerücht, der etwa 30-Jährige habe in der Schweiz eine internationale Schule besucht und spreche Englisch und Deutsch, suchten die Diplomaten vergeblich. Auch seine Stellung im heimatlichen Machtgefüge ist völlig unklar. Trotzdem bekommt die neue Führung des isolierten und verarmten Landes nun die Chance, zu beweisen, dass sie womöglich friedfertiger agieren will als der verstorbene Kim Jong Il…

Bernhard Bartsch | 01. März 2012 um 06:58 Uhr

 

Unerwünschter Frühling

Nordkorea demonstriert Kontinuität, doch der Druck zur Öffnung wächst und hat bereits begonnen, das System grundlegend zu verändern.

In Kim Taewoos Büro ist die koreanische Versöhnung bereits vollzogen. Auf der Landkarte hinter dem Schreibtisch des Präsidenten von Südkoreas staatlichem Institut für Wiedervereinigung teilt keine Grenze die Halbinselmehr in Nord und Süd. Die Darstellung ist ein politisches Statement, was sonst, doch seit vergangener Woche wirkt es so brisant wie lange nicht mehr. „Theoretisch ist jetzt alles möglich“, kommentiert der Politologe die Lage nach dem Tod von Diktator Kim Jong-il und bezweifelt, dass dessen Machterben das abgeschottete System langfristig aufrecht erhalten können…

Bernhard Bartsch | 27. Dezember 2011 um 11:01 Uhr

 

Kim in der Kiste

Nordkorea beweint seinen verstorbenen Diktator Kim Jong-il. Der Süden bemüht sich um versöhnliche Signale.

Die Nachricht fand nicht viel Aufmerksamkeit: Am vergangenen Freitag berichtete das chinesische Staatsfernsehen CCTV, das Pekinger Wachsfigurenmuseum habe für Nordkoreas Herrscher Kim Jong Il eine Statue seiner Mutter angefertigt. Mehr als 200 Würdenträger seien aus Pjöngjang angereist, um die Skulptur abzuholen. „Aber wer war wirklich in der Kiste?“, fragt ein chinesischer Blogger. „Vielleicht ist Kim gar nicht in seinem Zug gestorben, sondern in einem chinesischen Krankenhaus.“ Das Gerücht ist einer von zahllosen Spötteleien, mit denen Internetbenutzer aller Welt den Tod des exzentrischen Tyrannen kommentieren…

Bernhard Bartsch | 20. Dezember 2011 um 16:18 Uhr