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	<title>Bernhard Bartsch &#187; Medien</title>
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	<description>TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN</description>
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		<title>&#8220;Den ganzen Sommer über geschmolzenes Eis&#8221;</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Nov 2011 14:26:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
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		<category><![CDATA[Siemens]]></category>

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		<description><![CDATA[<h3>Siemens steht in China vor einem Imagedesaster: Ein bekannter Blogger will einen Kühlschrank der Marke öffentlich zerstören, weil er angeblich nichts taugt.</h3>
"This is how", lautet ein Werbespruch von Siemens: So geht's! Aber so, wie das Unternehmen sich derzeit der chinesischen Öffentlichkeit darstellt, geht es ganz bestimmt nicht. Die Deutschen stehen vor einem Imagedesaster, weil sie eine Qualitätsbeschwerde des populären Bloggers Luo Yonghao ignorierten - oder zumindest nicht so beantworteten, wie dieser und seine Anhänger es sich gewünscht hätten. Aus Rache will Luo nun seinen Siemens-Kühlschrank vor dem Pekinger Firmensitz zertrümmern, unterstützt von anderen Prominenten, die ebenfalls ihre Siemens-Eistruhen mitbringen wollen...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Siemens steht in China vor einem Imagedesaster: Ein bekannter Blogger will einen Kühlschrank der Marke öffentlich zerstören, weil er angeblich nichts taugt.</h3>
<p>&#8220;This is how&#8221;, lautet ein Werbespruch von Siemens: So geht&#8217;s! Aber so, wie das Unternehmen sich derzeit der chinesischen Öffentlichkeit darstellt, geht es ganz bestimmt nicht. Die Deutschen stehen vor einem Imagedesaster, weil sie eine Qualitätsbeschwerde des populären Bloggers Luo Yonghao ignorierten &#8211; oder zumindest nicht so beantworteten, wie dieser und seine Anhänger es sich gewünscht hätten. Aus Rache will Luo nun seinen Siemens-Kühlschrank vor dem Pekinger Firmensitz zertrümmern, unterstützt von anderen Prominenten, die ebenfalls ihre Siemens-Eistruhen mitbringen wollen. Im chinesischen Internet wird das Happening bereits hunderttausendfach diskutiert, und selbst seriöse Medien fragen sich, warum die Deutschen nicht verhindern konnten, dass aus einer kleinen Reklamation eine ernsthafte Ansehenskrise wurde.</p>
<p>Begonnen hat der Disput am 27. September, als Luo sich in einer Mikroblog-Mitteilung darüber ärgerte, dass seine Kühlschranktür nicht richtig schloss. &#8220;Von der Mistmarke kaufe ich nie wieder etwas&#8221;, schrieb er. &#8220;Japanische Geräte sind viel zuverlässiger.&#8221; Die Nachricht wurde mehr als 9000-mal weiterverbreitet, was nicht einmal viel war, denn der Gründer einer bekannten Sprachschulkette hat im Internet mehr als eine Million Leser. Siemens, offensichtlich darum bemüht, das Thema schnell abzuhaken, verbreitete ebenfalls per Mikroblog die Nummer des Kundendienstes, der Luos Tür reparieren könne. Es handle sich aber um einen Einzelfall, versicherte das Unternehmen. &#8220;Es liegt mit Sicherheit kein Qualitätsproblem vor.&#8221;</p>
<p>Das sah Luo anders &#8211; und bald begannen seine Anhänger ebenfalls Probleme mit ihren Kühlschranktüren zu melden, darunter auch Prominente wie der Rockmusiker Zuoxiao Zuzhou und der Bestsellerautor Feng Tang. &#8220;Ich habe den ganzen Sommer über geschmolzenes und dann wieder gefrorenes Eis essen müssen&#8221;, beschwerte sich der Rennfahrer und Blogger Han Han, der bei Chinas Jugend Superstarstatus genießt.</p>
<p>Um dem Sturm Herr zu werden, versprach Siemens, den Kühlschrank kostenlos zu reparieren. Auch sei der Konzern zu einer öffentlichen Entschuldigung bereit. Doch damit wollte Luo sich nicht zufriedengeben: Er forderte ein öffentliches Eingeständnis, dass Siemens Kühlschranktüren grundlegende Qualitätsmängel aufweisen. &#8220;Wenn Siemens nicht so bürokratisch und dumm wäre, könnte dieser Fall schon längst beendet sein&#8221;, teilte Luo einem PR-Mann von Siemens mit &#8211; und stellte dann einen Mitschnitt des Telefonats ins Internet. Die Webgemeinde johlte.</p>
<p>Seitdem eskaliert der Fall. Wer im chinesischsprachigen Google nach Luo Yonghao und Siemens sucht, erhält inzwischen 583000 Treffer. Alle großen Medien und Internetportale haben über die Kühlschrank-Causa berichtet. &#8220;Internationale Unternehmen bieten in China schlechteren Standard an&#8221;, kommentiert etwa die Fazhi Wanbao. &#8220;Siemens hat nicht verstanden, wie Öffentlichkeitsarbeit in Zeiten des Internets funktioniert&#8221;, schreibt das Internetportal Donews. &#8220;Die Versäumnisse sind geradezu selbstmörderisch.&#8221; In den nächsten Tagen will Luo bekannt geben, wann er mit seinem Laster und mindestens vier Siemens-Kühlschränken vor der Firmenzentrale vorfahren will.</p>
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		<title>Dem Teufel das Gesicht waschen</title>
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		<pubDate>Tue, 18 Oct 2011 23:49:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Justiz]]></category>
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		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>

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		<description><![CDATA[<h3>Die einen singen patriotische Lieder, die anderen werden gefoltert. Viele chinesische Medien beschäftigen derzeit die Frage: Wie leben Chinas Häftlinge?</h3>
Es muss ein lustiger Abend gewesen sein, als die Insassen des Lufeng-Gefängnisses ihre ehemaligen Kollegen kürzlich zur Gala einluden. Der Knast im zentralchinesischen Changsha, der Hauptstadt der Provinz Hunan, beherbergt 133 korrupte Beamte, die mit einem Auftritt vor Provinzoffiziellen demonstrieren sollten, dass sie hinter Gittern bessere Menschen geworden sind. Sie sangen patriotische Lieder, zeigten Zaubertricks und versteigerten eigene Kunstwerke...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Die einen singen patriotische Lieder, die anderen werden gefoltert. Viele chinesische Medien beschäftigen derzeit die Frage: Wie leben Chinas Häftlinge?</h3>
<p>Es muss ein lustiger Abend gewesen sein, als die Insassen des Lufeng-Gefängnisses ihre ehemaligen Kollegen kürzlich zur Gala einluden. Der Knast im zentralchinesischen Changsha, der Hauptstadt der Provinz Hunan, beherbergt 133 korrupte Beamte, die mit einem Auftritt vor Provinzoffiziellen demonstrieren sollten, dass sie hinter Gittern bessere Menschen geworden sind. Sie sangen patriotische Lieder, zeigten Zaubertricks und versteigerten eigene Kunstwerke, berichtete die Lokalzeitung „Xiaoxiang Chengbao“ und lieferte damit den jüngsten Impuls zu einer Debatte, die derzeit viele chinesische Medien und Internetforen beschäftigt: Was für Zustände herrschen eigentlich in Chinas Gefängnissen?</p>
<p>Angesichts zahlreicher Berichte über brutale Misshandlungen sollte der Bericht aus dem Lufeng-Gefängnis offenbar den Beweis für humane Behandlung liefern. „Das Leben im Gefängnis ist sehr ruhig und ich verbringe die meiste Zeit damit, Kalligraphie zu üben“, zitierte die Zeitung Li Dalun, den ehemaligen Parteisekretär der Kleinstadt Chenzhou, der vor drei Jahren zum Tode verurteilt worden war, weil er Bestechungsgelder in Höhe von 14 Millionen Yuan (1,6 Mio. Euro) angenommen hatte. Die Todesstrafe wurde später ausgesetzt. Zusammen mit anderen Insassen habe Li einen kleinen Schriftkunst-Klub gegründet, dem unter anderem auch ein Ex-Provinzminister und der ehemalige Chef von Hunans Autobahnverwaltung angehören. „Wir werden hier gut versorgt“, erzählte er. „Eigentlich ist es nicht schlechter als in einer Seniorenresidenz.“</p>
<p>Im Internet löste er damit einen Sturm der Entrüstung aus. „Wenn korrupte Beamte leben dürfen wie in einem Altenheim, muss man sich nicht wundern, wenn es immer mehr von ihnen gibt“, echauffierte sich ein Blogger. Ein anderer beschwerte sich: „Warum müssen bestechliche Beamte eigentlich nicht arbeiten?“</p>
<p>Tatsächlich betreiben viele chinesische Gefängnisse eigene Fabriken. Der Menschenrechtsaktivist Huang Qi, der kürzlich von einer mehrjährigen Gefängnisaufenthalt entlassen wurde, berichtete via Twitter, wie Häftlinge zur Herstellung von gefälschten Marken-Taschen und Autoersatzteilen eingesetzt wurden, ohne Bezahlung. „Außerdem mussten wir täglich zu Unterrichtseinheiten antreten, bei denen seitenlange Benimmregeln verlesen wurden, oder wir mussten in praller Sonne Stechschritt üben“, schrieb Huang.</p>
<p>Das ist noch harmlos gemessen an dem Schicksal des Unternehmers Yang Jinde, über das Anfang Oktober die Pekinger Jugendzeitung berichtete. Im Untersuchungsgefängnis war er mit gefesselten Händen und Füßen in einen Käfig mit aggressiven Hunden gesperrt worden, die ihn anfielen und bissen. „Tanz mit dem Wolf“ nannten die Beamten die Foltermethode, die Yang zu Geständnissen zwingen sollte. Einer anderen Misshandlung gaben sie den Namen „Der Teufel wäscht sein Gesicht“, wobei Yangs Kopf von außen durch das Gitter des Käfigs gesteckt wurde, in dem er von den Hunden geleckt und gebissen wurde. Seit der Folter ist Yang gelähmt und erblindet. Ein Video, in dem er über seine Misshandlung spricht, wurde von seinem Anwalt aus dem Gefängnis geschmuggelt und auf dem populären Internetdienst Sina veröffentlicht, wo es innerhalb kurzer Zeit hohe Klickraten erreichte.</p>
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		<title>China wünscht Reformen in der Euro-Zone</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Aug 2011 05:05:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<category><![CDATA[China]]></category>
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		<description><![CDATA[<h3>Die Probleme in Europa und den USA kommen Chinas Regierung gelegen, um von den eigenen Problemen abzulenken.</h3>
Dass westliche Regierungen von China Reformen verlangen, hat Tradition. Doch neuerdings gehen die Forderungen auch in die andere Richtung: Je tiefer die USA und Europa in wirtschaftlichen Problemen versinken, desto lauter und selbstbewusster mahnt Peking, es sei Zeit für grundlegende Veränderungen. Nachdem die US-Schuldenkrise die chinesischen Kommentatoren wochenlang beschäftigte, wenden sie sich nun dem Euro zu. "Die Euro-Zone muss konkrete Maßnahmen ergreifen, um das Vertrauen der Märkte in die Euro-Zone und in den Euro wiederherzustellen", verlangt die Volkszeitung...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Die Probleme in Europa und den USA kommen Chinas Regierung gelegen, um von den eigenen Problemen abzulenken.</h3>
<p>Dass westliche Regierungen von China Reformen verlangen, hat Tradition. Doch neuerdings gehen die Forderungen auch in die andere Richtung: Je tiefer die USA und Europa in wirtschaftlichen Problemen versinken, desto lauter und selbstbewusster mahnt Peking, es sei Zeit für grundlegende Veränderungen. Nachdem die US-Schuldenkrise die chinesischen Kommentatoren wochenlang beschäftigte, wenden sie sich nun dem Euro zu. &#8220;Die Euro-Zone muss konkrete Maßnahmen ergreifen, um das Vertrauen der Märkte in die Euro-Zone und in den Euro wiederherzustellen&#8221;, verlangte am Montag die Volkszeitung, das offizielle Organ der Kommunistischen Partei. Die langjährigen hohen Haushaltsdefizite vieler Staaten Europas sowie unzureichende Marktregulierung hätten zu einer weltweiten Destabilisierung der Märkte geführt, kritisierten die Autoren, der Politologe Zhang Zhixiang von der Pekinger</p>
<p>Volksuniversität und der Ökonom Zhang Chao von der staatlichen China Development Bank. Die Euro-Länder müssten &#8220;ihre Institutionen reformieren, welche die wirtschaftliche Entwicklung lähmen&#8221;. Europa müsse gegenüber der Weltwirtschaft &#8220;verantwortungsbewusst &#8221; handeln.</p>
<p>Ähnlich kommentierte die Nachrichtenagentur Xinhua die Gespräche von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy. &#8220;Treffen zur Euro-Zone bringt mehr Hoffnung als konkrete Maßnahmen&#8221;, titelte der staatliche Pressedienst. Auch die Global Times mokierte sich in einer Karikatur: Merkel und Sarkozy sitzen darin wie ein verkrachtes Liebespaar an einem Café-Tisch am Fuße des Eiffelturms, ein mit der Europaflagge zugedeckter Hund liegt knurrend daneben. Die Unterzeile: &#8220;Keine Zeit für Romanzen&#8221;.</p>
<p>Berechtigt ist die Kritik allemal, doch im Kontext der Staatsmedien geht es nicht nur um die Sache selbst. Europas Sorgen bieten der Pekinger Regierung Gelegenheit, ihre eigenen Leistungen hervorzukehren und von heimischen Problemen abzulenken. Außerdem verliert der Westen mit seiner wirtschaftlichen Dominanz aus chinesischer Sicht auch seinen Anspruch, über das bessere politische System zu verfügen.</p>
<p>Als Großkunde westlicher Staatsanleihen sieht sich China im Recht, Ratschläge zu erteilen. Das neue Selbstbewusstsein erlebte auch US-Vizepräsident Joe Biden, der in soeben in China weilte. &#8220;Die USA müssen ihre Versprechen an China halten&#8221;, war ein Xinhua-Meinungsstück betitelt. Durch seine US-Bond-Käufe habe China &#8220;seine Bereitschaft demonstriert, seiner Verantwortung als zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt gerecht zu werden, und gezeigt, dass Taten lauter sprechen als Worte&#8221;, heißt es darin. &#8220;Ergreifen die USA nicht ernsthafte Maßnahmen, um ihren eigenen Haushalt in Ordnung zu bringen, würde dies die globale Erholung weiter unterwandern.&#8221; Als nächster westlicher Politiker wird wohl Frankreichs Präsident Sarkozy ins Gewissen geredet: Er trifft am Donnerstag Chinas Präsident Hu Jintao.</p>
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		<title>Murdochs Tarantel</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Aug 2011 11:21:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
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		<category><![CDATA[Tradition]]></category>

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		<description><![CDATA[<h3>Wendi Deng wurde von ihren Landsleuten verachtet - bis sie ihren Gatten verteidigte.</h3>
Kann es wahre Liebe zwischen alten Männern und jungen Frauen geben? Eher nicht, glaubt man in China, wo die Wertvorstellungen noch immer traditionell sind und generationenübergreifende Beziehungen als anrüchig gelten. Auch die Ehe zwischen dem 80-jährigen Medientycoon Rupert Murdoch und seiner 38 Jahre jüngeren chinesischen Frau Wendi Deng galt als Liaison zwischen lüsternen Altmännerfantasien und konsumgeilen Mädchenträumen - bis ein beherzter Schlag eine andere Lesart anbot...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Wendi Deng wurde von ihren Landsleuten verachtet &#8211; bis sie ihren Gatten verteidigte.</h3>
<p>Kann es wahre Liebe zwischen alten Männern und jungen Frauen geben? Eher nicht, glaubt man in China, wo die Wertvorstellungen noch immer traditionell sind und generationenübergreifende Beziehungen als anrüchig gelten. Auch die Ehe zwischen dem 80-jährigen Medientycoon Rupert Murdoch und seiner 38 Jahre jüngeren chinesischen Frau Wendi Deng galt als Liaison zwischen lüsternen Altmännerfantasien und konsumgeilen Mädchenträumen &#8211; bis ein beherzter Schlag eine andere Lesart anbot: Eine Frau, die ihren Mann wie eine Löwin verteidigt &#8211; könnten da etwa doch edlere Gefühle im Spiel sein?</p>
<p>Chinas Fernsehzuschauer waren live dabei, als Murdoch am 19. Juli im britischen Parlament zum Abhörskandal um seine Zeitung News of the World Rede und Antwort stehen musste. Für Chinas Propaganda ist der Fall ein gefundenes Fressen, um ihrem Volk die, wie die Agentur Xinhua schreibt, &#8220;Scheinheiligkeit und die legalen und moralischen Probleme der westlichen Presse&#8221; vorzuführen. Die Übertragung wurde in chinesischen Mikroblogforen mit dem üblichen Spott über Deng begleitet, die in ihrem rosa Blazer und kurzen Rock noch immer aussehe &#8220;wie eine Zweitfrau, obwohl sie doch längst die Erstfrau ist&#8221;. Doch dann ging der Komödiant Jonathan May-Bowles mit einem Teller voller Rasierschaum auf Murdoch los, worauf Deng instinktiv aufsprang, weit ausholte und den Angreifer direkt am Kopf traf. Das Video wurde zur Internetsensation und veränderte Dengs Image in ihrer Heimat &#8211; im wahrsten Sinne des Wortes &#8211; schlagartig.</p>
<p>&#8220;Wendi Deng lehrt die Welt chinesisches Kungfu&#8221;, jubelt die Internetgemeinde. Manche benennen sie nach dem Film &#8220;Crouching Tiger, Hidden Dragon&#8221; andere raten: &#8220;Hol dir eine Frau wie Wendi Deng.&#8221; Die Zeitung ihrer Heimatstadt Xuzhou in der Provinz Jiangsu porträtierte prompt Dengs ehemaligen Sportlehrer Jiang Limo, der für sich in Anspruch nimmt, ihr den richtigen Schlag beim Volleyball beigebracht zu haben. &#8220;Das war ein astreiner Schmetterball&#8221;, sagt Jiang. &#8220;Im entscheidenden Moment ist ihr Schlag so schön und hart, wie er immer war.&#8221;</p>
<p>In Onlineumfragen avanciert Deng geradezu zur Volksheldin. Zwei Drittel der Benutzer klickten auf: &#8220;Bewundernswert &#8211; in der Krise ist sie aufgesprungen und ihrem Mann mutig zu Hilfe gekommen.&#8221; Ein Fünftel gab an, sie früher nicht gemocht, seit ihrem Schlag aber eine völlig neue Meinung zu haben. Nur noch 14 Prozent erklärten: &#8220;Ich mag solche kalkulierenden Frauen nicht.&#8221; Dabei war dies bisher die allgemeine Meinung. &#8220;Im chinesischen Sprachgebrauch ist Wendi Dengs Name ein Synonym dafür, wie man mit Ehrgeiz, Opportunismus und Skrupellosigkeit seine Ziele erreicht&#8221;, schreibt der Blogger Hecaitou. &#8220;Allgemein gehen alle davon aus, dass Murdoch das stärkste Sprungbrett war, das Wendi Deng sich erträumen konnte, doch in Wahrheit liebt sie nur sich selbst, wie eine weibliche Tarantel.&#8221;</p>
<p>Die Zeichen der Zeit richtig zu deuten, wussten schon Dengs Eltern, die ihre Tochter 1968 nach der politischen Stimmung des Moments &#8220;Wenge&#8221; nannten &#8211; &#8220;Kulturrevolution&#8221;. Nach Maos Tod wurde daraus Wendi, was so viel wie &#8220;kultiviert und strahlend&#8221; bedeutet. Obwohl Deng später häufig von der Armut ihrer Kindheit erzählen sollte, stammte sie aus vergleichsweise privilegierten Verhältnissen. Dengs Vater, Parteikader und Leiter eines Staatsbetriebs, konnte seiner Tochter Möglichkeiten eröffnen, die anderen nicht offen standen &#8211; so etwa den Umzug nach Guangzhou, Chinas Wirtschaftswundermetropole der ersten Stunde. Dort lernte die 16-Jährige die amerikanische Familie Cherry kennen, die dem intelligenten Mädchen etwas Gutes tun wollte und es mit nach Los Angeles nahm. Erst teilte sie das Kinderzimmer mit der fünfjährigen Tochter des Paares &#8211; bis sie ins Eltern-Schlafzimmer umzog, die Cherrys sich scheiden ließen und der 50-jährige Hausherr die 19-jährige Gaststudentin heiratete.</p>
<p>Doch schon nach vier Monaten Ehe hatte Deng einen neuen Lover, einen Studenten an der California State University in Los Angeles, an der sie mittlerweile studierte. Bis zur Scheidung dauerte es allerdings noch über zwei Jahre, lang genug für eine amerikanische Greencard. Nach ihrem Abschluss in Kalifornien schaffte Deng den Sprung an die Elite-Uni Yale, wo sie einen MBA machte.</p>
<p>1996 heuerte Deng in Hongkong bei dem Fernsehsender Star TV an, Teil des Imperiums von Rupert Murdoch, der die ehemalige britische Kronkolonie als Brückenkopf nutzen will, um ins chinesische Mediengeschäft einzusteigen. Auf seinen China-Reisen begleitet Deng ihn als Übersetzerin, und bald nicht nur beruflich. Murdoch verlässt nach 31 Ehejahren seine Frau Anna, und das Paar heiratet 1999 auf Murdochs Yacht &#8220;Morning Glory&#8221; im Hafen von New York.</p>
<p>Seitdem zerreißen sich Leute aus der Medienbranche und die Chinesen gleichermaßen das Maul über das ungleiche Paar. Dass es weitaus mehr Privatsphäre in Anspruch nimmt, als Murdochs Boulevardjournalisten vielen anderen Menschen zugestehen, heizt die Gerüchteküche nur noch zusätzlich an. Vor allem zwischen Wendi Murdoch und den gleichaltrigen Kindern ihres Mannes aus erster Ehe soll das Verhältnis schwierig sein &#8211; doch nach den Maßstäben chinesischer Pietät kann sich der alte Murdoch offensichtlich auf seine Gattin mehr verlassen als auf seine eigenen Nachkommen. Denn während Wendi Deng für Rupert Murdoch im britischen Parlament in den Kampf zog, stand sein Sohn James nur verdattert herum und tat gar nichts.</p>
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		<title>&#8220;Opa Wen&#8221; gegen den &#8220;Großen Bruder Bahn&#8221;</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Jul 2011 02:13:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Bahn]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Korruption]]></category>
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		<description><![CDATA[<h3>Chinas Bevölkerung reagiert wütend auf das Zugunglück von Zhejiang. Der Zorn zeigt das geringe Vertrauen in die Institutionen des Staates.</h3>
Das Zugunglück in der südchinesischen Provinz Zhejiang, bei dem am vergangenen Samstag 39 Personen ihr Leben verloren und fast 200 verletzt wurden, ist in der Volksrepublik zu einem Politikum erster Klasse geworden. Familien von Opfern, Internetbenutzer und sogar offizielle Medien zürnen öffentlich über die Arroganz von «Tie lao da», dem «Grossen Bruder Bahn», wie das skandalträchtige Eisenbahnministerium im Volksmund genannt wird. Ministerpräsident Wen Jiabao versuchte am Donnerstag mit einem sorgfältig inszenierten Besuch am Unglücksort und bei Betroffenen, das Vertrauen in die Institutionen des Staates aufrechtzuerhalten...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Chinas Bevölkerung reagiert wütend auf das Zugunglück von Zhejiang. Der Zorn zeigt das geringe Vertrauen in die Institutionen des Staates.</h3>
<p>Das Zugunglück in der südchinesischen Provinz Zhejiang, bei dem am vergangenen Samstag 39 Personen ihr Leben verloren und fast 200 verletzt wurden, ist in der Volksrepublik zu einem Politikum erster Klasse geworden. Familien von Opfern, Internetbenutzer und sogar offizielle Medien zürnen öffentlich über die Arroganz von «Tie lao da», dem «Grossen Bruder Bahn», wie das skandalträchtige Eisenbahnministerium im Volksmund genannt wird.</p>
<p>Ministerpräsident Wen Jiabao versuchte am Donnerstag mit einem sorgfältig inszenierten Besuch am Unglücksort und bei Betroffenen, das Vertrauen in die Institutionen des Staates aufrechtzuerhalten. «Wir werden die Verantwortlichen für diesen Unfall hart bestrafen», sagte der Regierungschef, der im Volksmund «Opa Wen» genannt wird und der sein spätes Eingreifen in den Fall damit erklärte, dass er die vergangenen elf Tage im Krankenhaus verbracht habe. Die Untersuchung der Unfallursache müsse «offen und transparent» sein und zu Verbesserungen im ganzen Land führen, forderte Wen. «Der Bau von Hochgeschwindigkeitszügen in China soll Tempo, Qualität, Effizienz und Sicherheit vereinen, und die Sicherheit soll dabei die höchste Priorität haben.»</p>
<p>Dabei kursiert in China inzwischen öffentlich der Vorwurf, die chinesische Bahn sei nicht nur korrupt, sondern habe auch bewusst Sicherheitsmängel in Kauf genommen, um ihr Prestigeprojekt eines Hochgeschwindigkeitsnetzes mit heimischer Technologie zu verwirklichen. Nachdem die Behörden den tragischen Unfall zunächst mit einem Blitzschlag hatten erklären und so als Naturkatastrophe hatten abtun wollen, gestand die Regierung am Donnerstag ein, dass die Kollision wohl hätte verhindert werden können, wenn das von einem staatlichen Forschungsinstitut entwickelte Signalsystem zuverlässig funktioniert hätte.</p>
<p>Nachdem ein Blitzschlag die Oberleitungen beschädigt hatte, hätte ein Signal von Grün auf Rot schalten müssen, um folgende Züge zu stoppen. Das Pekinger Nationale Institut für Eisenbahnforschung und -bau veröffentlichte eine Entschuldigung, in der es sich bereit erklärte, «die Verantwortung zu übernehmen und die fällige Strafe zu akzeptieren». Drei ranghohe Beamte des Eisenbahnministeriums wurden bereits entlassen.</p>
<p>Doch der Druck der Öffentlichkeit dürfte weiter anhalten. Mehrere Medien setzten sich in den vergangenen Tagen über Anweisungen des Propagandaministeriums hinweg, sich bei der Berichterstattung streng an die offizielle Linie zu halten. Die Behörden hätten sich «zu sehr daran gewöhnt, immer nur gelobt zu werden, und in der Krise denken sie nun, sie könnten mit der Öffentlichkeit umgehen wie mit einem bürokratischen Apparat», schrieb die Zeitung «Huanqiu Shibao».</p>
<p>Im Internet sind die Vorwürfe noch weitaus deutlicher. Kritisiert wurde etwa eine Entscheidung der Behörden, die Eisenbahnwracks mit Erde zuschütten zu lassen, angeblich, um den Rettungskräften den Weg zum Einsatzort zu erleichtern. In der Öffentlichkeit wurde dies als Versuch gesehen, Beweisspuren zu vernichten. Auch die offiziellen Opferzahlen werden angezweifelt. Viele Chinesen erheben ausserdem den Vorwurf, die Regierung habe den Ausbau zu schnell vorangetrieben.</p>
<p>Nachdem das Eisenbahnministerium in den vergangenen Jahren immer wieder mit den Temposuperlativen seiner angeblich selbstentwickelten Züge Aufmerksamkeit gesucht hat, reiht sich seit Monaten ein Skandal an den nächsten. Im Juni gab es Unregelmässigkeiten bei der Eröffnung der Prestigestrecke zwischen Peking und Schanghai. Kurz vor der Jungfernfahrt musste das Bahnministerium bekanntgeben, dass die Züge nicht mit ihrer Höchstgeschwindigkeit von 380 km/h unterwegs sein würden, sondern nur mit höchstens 300. Doch auch so kam es immer wieder zu Ausfällen, Züge blieben auf offener Strecke liegen. Im Februar war Eisenbahnminister Liu Zhijun verhaftet worden, weil er im Zusammenhang mit Chinas Hochgeschwindigkeitszügen Bestechungsgelder in Millionenhöhe angenommen haben soll.</p>
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		<title>Südkoreas Tränenmacher</title>
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		<pubDate>Wed, 27 Jul 2011 09:17:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>
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		<category><![CDATA[Südkorea]]></category>

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		<description><![CDATA[<h3>Das Waisenkind Choi Sung-Bong ist der neue Stern im weltumspannenden Casting-Show-Universum.</h3>
Ich möchte einfach normal sein", murmelt der 22-jährige Choi Sung-Bong leise. Und wer ihn diesen Satz sagen hört, muss kurze Zeit später zum Taschentuch greifen. Acht Minuten und zwei Sekunden dauert das Youtube-Video, das mit Chois schüchtern vorgetragenem Wunsch beginnt und damit endet, dass Choi noch weniger normal wirkt als zuvor. Der 22-jährige Südkoreaner ist der neueste Stern am internationalem Castingshow-Himmel. Mit der richtigen Mischung aus trauriger Lebensgeschichte, unvorteilhaftem Äußeren und bombastischer Stimme hat er sich in die Herzen eines Millionenpublikums gesungen - und das nicht nur in Südkorea...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Das Waisenkind Choi Sung-Bong ist der neue Stern im weltumspannenden Casting-Show-Universum.</h3>
<p>Ich möchte einfach normal sein&#8221;, murmelt der 22-jährige Choi Sung-Bong leise. Und wer ihn diesen Satz sagen hört, muss kurze Zeit später zum Taschentuch greifen. Acht Minuten und zwei Sekunden dauert das Youtube-Video, das mit Chois schüchtern vorgetragenem Wunsch beginnt und damit endet, dass Choi noch weniger normal wirkt als zuvor. Der 22-jährige Südkoreaner ist der neueste Stern am internationalem Castingshow-Himmel. Mit der richtigen Mischung aus trauriger Lebensgeschichte, unvorteilhaftem Äußeren und bombastischer Stimme hat er sich in die Herzen eines Millionenpublikums gesungen &#8211; und das nicht nur in Südkorea.</p>
<p>Als so genannten &#8220;Paul-Potts-Moment&#8221; bezeichnen Fernsehmacher die magischen Sendeminuten, die zum Unterhaltungsversprechen jeder Casting-Show gehören. Benannt sind sie nach dem englischen Tenor, der 2007 zum Weltstar wurde. Dass einige inzwischen vom &#8220;Susan-Boyle-Moment&#8221; sprechen, nach der schottischen Sängerin, die zwei Jahre nach Potts eine ähnliche Blitzkarriere hinlegte, zeigt, wie vergänglich Youtube-Ruhm sein kann.</p>
<p>Wenn es nach den Koreanern ginge, sollte bald vom &#8220;Choi-Sung-Bong-Moment&#8221; die Rede sein. Über zehn Millionen Klicks hat allein die englisch untertitelte Version seines Auftritts bereits. In seiner Heimat hat er sich über Nacht in die Liga der A-Promis katapultiert. Sein Aufstieg begann am 6. Juni in der Sendung &#8220;Korea&#8217;s got Talent&#8221;. Mit Topffrisur und Holzfällerhemd stand er auf der Bühne und erzählte seine Lebensgeschichte. &#8220;Ich wurde mit drei in einem Waisenhaus abgegeben&#8221;, erzählte Choi, &#8220;und als ich fünf war, lief ich weg, weil ich geschlagen wurde&#8221;. Seitdem habe er sich ganz alleine durchgekämpft. Er verkaufte Saft und Kaugummis, lieferte Milch und Zeitungen aus, schlief in Treppenhäusern und öffentlichen Toiletten.  Eine Grundschule hat er nie besucht, er durfte aber später nach einer Sonderprüfung eine Mittelschule besuchen. Er ging früh von der Schule ab und arbeitete auf dem Bau. In einem Nachtclub, in dem er Snacks anbot, entdeckte er die Musik. &#8220;Singen war das erste, was mir Spaß gemacht hat, nachdem mein Leben zuvor wie das einer Eintagsfliege gewesen war&#8221;, erzählte er. &#8220;Aber ich bin kein guter Sänger.&#8221;</p>
<p>Was dann folgte, war der Beweis des Gegenteils. In schmelzendem Bariton rezitierte er &#8220;Nella Fantasia&#8221;, einen Klassikpopschlager der Sopranistin Sarah Brightman, der wie gemacht ist für einen Verwandlungsakt vom Normalo zum Star. &#8220;In meiner Vorstellung sehe ich eine gerechte Welt, in der alle in Frieden und Ehrlichkeit leben&#8221;, heißt es in dem Lied auf italienisch. &#8220;Ich träume von Seelen, die immer frei sind, wie ziehende Wolken, voller Menschlichkeit und Seelentiefe.&#8221; Das koreanische Publikum versteht das Lied auch ohne den Text. Wenn Choi singt, verbreiten sich Gänsehaut, Tränen und am Ende ergriffener Applaus. &#8220;Ich will dich einfach nur umarmen&#8221;, schluchzte eine Jurorin bei seinem ersten Auftritt. Ihre Kollegin bot Choi Gesangsstunden an.</p>
<p>Der Auftritt des 22-Jährigen hat &#8220;Korea&#8217;s got Talent&#8221; zur erfolgreichsten Casting-Show des Landes gemacht, und das, obwohl Castingshows in Korea viel Konkurrenz haben. Der Volksmusikwettbewerb &#8220;Jeonguk Norae Jarang&#8221; (Koreas lokale Musikshow) läuft bereits seit über dreißig Jahren jede Woche. Jeder koreanische Sender hat ein eigenes Castingprogramm: &#8220;Wunder-Casting&#8221; sucht Schauspieler, &#8220;Casting Survival &#8221; scoutet Popstars, &#8220;Top Band&#8221; lässt Musikgruppen gegeneinander antreten, &#8220;Supermodel Korea&#8221; schickt langbeinige Mädchen auf den Laufsteg, &#8220;Der Einsteiger&#8221; vermittelt Jobs und &#8220;Human Survival&#8221; fahndet nach einfach tollen Typen.</p>
<p>Obwohl es zum Selbstbild der Koreaner gehört, eine vom Sozialdarwinismus geprägte Gesellschaft zu sein, leben sie in Auswahlshows immer wieder eine heimliche Sympathie für Underdogs aus. Im vergangenen Jahr machte Huh Gak Schlagzeilen, der Sieger der Talentshow &#8220;Superstar K2&#8243;. Untersetzt, mittellos und schlecht ausgebildet vereinte Huh alle Attribute, die in Korea als schlecht angesehen gelten. Trotzdem konnte er sich gegen seinen stärksten Konkurrenten durchsetzen, der das genaue Gegenteil verkörperte. &#8220;Die Zuname von Casting-Shows zeigt einen allgemeinen Wunsch der Koreaner nach einem fairem Wettbewerb in der Gesellschaft&#8221;, schreibt die Zeitung Korea Times. Nicht weniger groß ist das Bedürfnis nach internationaler Anerkennung. Abgesehen von der Eiskunstläuferin Kim Yu-Na ist kaum ein Koreaner außerhalb der Heimat bekannt &#8211; ein wunder Punkt im koreanischen Nationalgefühl, dem der Minderwertigkeitskomplex innewohnt, vom Rest der Welt nicht ausreichend wahrgenommen zu werden.</p>
<p>Umso euphorischer verfolgen die koreanischen Medien nun, wie viel Aufmerksamkeit der junge Sänger im Ausland bekommt. Beim Showfinale am 20. August kann er sich deshalb seines Sieges so gut wie sicher sein. Dass die Koreaner ihn so schnell wieder fallen lassen, wie die Engländer einst Susan Boyle, die bei &#8220;Britain&#8217;s got Talent&#8221; nur Zweite wurde, ist nicht zu erwarten. Und normal wird alles schon früh genug.</p>
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		<title>Der Blick ins Klo</title>
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		<pubDate>Wed, 11 May 2011 23:23:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Propaganda]]></category>

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		<description><![CDATA[<h3>Chinas Ex-Premier Zhu Rongji kritisiert Pekings Propaganda: In den Fernsehnachrichten komme nur noch „Quatsch“. Schauen wir mal rein!</h3>
„Die 7-Uhr-Nachrichten schaue ich nur noch, um zu sehen, was da wieder für ein Quatsch kommt.“ Dieser Satz amüsiert derzeit Chinas Internetgemeinde. Denn die Kritik an der chinesischen Tagesschau im Staatssender CCTV stammt nicht aus den Reihen einschlägig bekannter Regimekritiker wie dem inhaftierten Künstler Ai Weiwei, sondern von einem der prominentesten Politiker des Landes: Zhu Rongji, von 1998 bis 2003 chinesischer Regierungschef...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Chinas Ex-Premier Zhu Rongji kritisiert Pekings Propaganda: In den Fernsehnachrichten komme nur noch „Quatsch“. Schauen wir mal rein!</h3>
<p>„Die 7-Uhr-Nachrichten schaue ich nur noch, um zu sehen, was da wieder für ein Quatsch kommt.“ Dieser Satz amüsiert derzeit Chinas Internetgemeinde. Denn die Kritik an der chinesischen Tagesschau im Staatssender CCTV stammt nicht aus den Reihen einschlägig bekannter Regimekritiker wie dem inhaftierten Künstler Ai Weiwei, sondern von einem der prominentesten Politiker des Landes: Zhu Rongji, von 1998 bis 2003 chinesischer Regierungschef.</p>
<p>Der Altkader sprach Ende April bei einem Festakt seiner Alma Mater, der Pekinger Tsinghua Universität, ein rarer Auftritt, denn pensionierte Politiker erscheinen in China nur selten in der Öffentlichkeit, und wenn, dann meist als Claqueure für ihre Nachfolger. So war es wohl auch diesmal gedacht, doch der 82-Jährige, der schon während seiner Amtszeit gelegentlich durch vom Parteikonsens abweichende Meinungen aufgefallen war, nutzte die Gelegenheit, um auszusprechen, was viele denken, aber nur wenige zu sagen wagen: In Sachen Meinungs- und Pressefreiheit macht China seit Jahren Rückschritte.</p>
<p>Dass Zhu sich für seinen Spott ausgerechnet die Hauptnachrichten aussucht, zeigt, dass er direkt auf die Parteispitze zielt, vor allem auf Staatschef Hu Jintao, dem Hauptinitiator der gegenwärtigen Repressionswelle, und Propagandachef Li Changchun, dem Mann für die Selbstdarstellung des Systems. „Xinwen Lianbo“ ist die einflussreichste Sendung des Landes, ausgestrahlt auf fast allen Sendern des Landes. Hunderte Millionen Chinesen werden so jeden Abend eine halbe Stunde darüber aufgeklärt, was aus Sicht der Kommunistischen Partei wahr und wichtig ist.</p>
<p>Schalten wir also einmal ein, an einen beliebig gewählten Abend, Montag, dem 9. Mai, Punkt 19 Uhr. „Willkommen, Freunde vor dem Fernseher“, begrüßt Sprecher Wang Ning. Mit seiner Kollegin Li Ruiying steht er in einem zeitgeistgemäßen Nachrichtenstudio. Im Hintergrund sieht man Wände voller Bildschirme, auf denen Redakteure in Echtzeit das Weltgeschehen zu verfolgen scheinen. Schaut man genauer hin, erkennt man allerdings, dass auf allen Kanälen „Xinwen Lianbo“ läuft. Big Brother is watching himself. Oder blickt die ganze Welt in diesem Moment nach China?</p>
<p>„Es gibt Menschen, für die das Vaterland und ihre Mitmenschen über allem stehen, die mit dem Volk Herz an Herz leben, in guten wie in schlechten Zeiten“, moderiert Li mit Vibrato in der Stimme den ersten Beitrag an. „All diese Menschen tragen den gleichen Namen: Parteimitglied.“ Da die KP bald ihren 90. Geburtstag feiere, solle eine neue Serie namens „Die rote Fahne flattert” über die Arbeit an der Basis berichten. Der Held der ersten Folge ist Zhu Changguo, seit zehn Jahren Parteichef eines Dorfs in der südwestchinesischen Provinz Guizhou, das Lengdong heißt, wörtlich „Frostloch“. Die natürlichen Bedingungen in Lengdong sind so unwirtlich, wie der Name vermuten lässt, aber unter Zhus Führung haben die 400 Familien ihr Einkommen trotzdem vervierfachen können. Er habe den Bauern gezeigt, wie sie sich aus alten Plastikflaschen Bewässerungssysteme basteln und so die Hindernisse der Natur überkommen können, erzählt Zhu beim Spaziergang durch blühende Landschaften. „Die Menschen haben mir so überschwänglich gedankt, dass ich vor Rührung weinen musste.“</p>
<p>Dankbarkeit ist auch das Thema des zweiten Beitrags: Premier Wen Jiabao besucht Sichuan, wo vor drei Jahren ein verheerendes Erdbeben fast 80.000 Menschen tötete und Millionen obdachlos machte. Jeder Chinese erinnert sich an die Bilder, wie der Regierungschef damals persönlich in den Trümmern stand, um die Rettungsteams zu kommandieren, und über das Leid der Opfer in Tränen ausbrach. Diesmal sind es die Bewohner, die weinen – aus Freude über den Besuch des Regierungschefs. In Scharen strömen sie aus ihren neu errichteten Häusern, strecken Wen Hände, Obstschalen und Babys entgegen und schwenken Plakate mit der Aufschrift: „Ein Leben lang wollen wir für den Fortschritt arbeiten, ein Leben lang folgen wir der Partei.“ Der Wiederaufbau im Erdbebengebiet sei ein „Beweis für die Überlegenheit des sozialistischen Systems“, erklärt Wen einem Konferenzsaal voller emsig mitschreibender Kader. „Die Menschen sind zufrieden, das Volk ist stolz und die internationale Gemeinschaft bewundert uns.“</p>
<p>Ähnliche Begeisterung löst der Besuch von Zhou Yongkang, Chef des Sicherheitsapparats, in der westchinesischen Provinz Xinjiang aus. Vor zwei Jahren kam es dort zu Unruhen zwischen Han-Chinesen und Uiguren, der muslimischen Lokalbevölkerung. Zhou ließ den Aufstand rabiat niederschlagen, doch heute sieht er nur das Gegenteil ethnischer Spannungen. Er steht in einem modernen Badezimmer, betrachtet das Klo, betätigt die Spülung und nickt beifällig, als das Wasser in den Abfluss gurgelt. „Seid ihr zufrieden?“ fragt er die uigurische Familie. „Wir können jetzt in Steinhäusern wohnen, haben Strom, Wasser und Gas“, antworten sie. „Dafür danken wir der Regierung.“ Vollkommenes Vielvölkerglück besichtigt er auch in einer uigurischen Schule, in Kinder in Pioniersuniformen das Lied: „Ohne die Kommunistische Partei gäbe es kein neues China“ singen. Der Stasichef klatscht den Takt.</p>
<p>In dem Stil folgt ein Beitrag dem nächsten: In der Provinz Jilin hat die „Reform des Kultursystems“ einen Durchbruch erzielt, wie Bilder von tanzenden Menschen beweisen. In Shenzhen zieht eine Industriemesse Rekordbesucherzahlen an, die Shanghaier Börse hat sich erholt. Hochschulabsolventen bekommen Hilfe bei der Jobsuche und in einem Altenheim pflegen sich die Senioren neuerdings selbst.</p>
<p>In den letzten fünf Minuten erfährt der chinesische Nachrichtenzuschauer dann doch noch, dass die Welt größer ist als China. Allerdings gibt aus dem Ausland wenig Gutes zu berichten. In Moskau war eine Militärparade, in Ägypten kam es zu Krawalle zwischen Muslimen und Christen. In Libyen und dem Irak herrscht weiterhin Chaos. In den USA diskutiert man die Tötung Osama bin Ladens und in Japan die Zukunft der Atomenergie. Apple ist inzwischen die teuerste Marke der Welt. Und damit einen schönen Abend und bis morgen.</p>
<p>„Die 7-Uhr-Nachrichten schaue ich nur noch, um zu sehen, was da wieder für ein Quatsch kommt.“ Bei Chinas kritischen Intellektuellen hat Zhu Rongji einen Nerv getroffen. Obwohl die Internetzensoren prompt versuchten, Berichte über den Kommentar des Ex-Premiers aus Chatforen zu löschen, ist er dabei, ein geflügeltes Wort zu werden. Außerdem dürfte er viele Chinesen daran erinnern, dass es in ihrem Land schon einmal Zeiten gab, in denen mehr Freiheiten erlaubt waren. Zwar war Zhu in seinen aktiven Zeiten keineswegs ein Parteirebell, der das System offen herausgefordert hätte. Doch hinter den Kulissen hatte er sich für mehr Meinungsvielfalt eingesetzt und die Spielräume für investigativen Journalismus vergrößert. Nicht, dass China damals kein restriktives System gewesen wäre, doch im Nachhinein gedenken Chinas Intellektuelle der Ära Zhu als einer Zeit unvergleichbarer Offenheit. Die überwiegende Mehrheit der Chinesen bekommt von derartigen Debatten freilich nichts mit. Für sie gibt es nur eine Wahrheit, und die sehen sie jeden Abend um sieben Uhr, wenn es wieder heißt: Die rote Fahne flattert.</p>
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		<title>Mit Härte gegen Flaneure</title>
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		<pubDate>Sun, 06 Mar 2011 08:35:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<category><![CDATA[China]]></category>
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		<description><![CDATA[<h3>Als Spaziergänger getarnt versetzen Regimegegner die Behörden in Nervosität. Auch Journalisten werden bedrängt.</h3>
Internetaufrufe zu einer chinesischen "Jasmin-Revolution" nach tunesischem Vorbild haben gestern in zahlreichen Städten Polizeigroßeinsätze ausgelöst und zur Festnahme mehrerer ausländischer Journalisten geführt. Wie viele Demonstranten an den Protesten teilnahmen, bleibt unklar, da die Organisatoren erneut empfahlen, sich wie Spaziergänger zu benehmen. So sollen die Sicherheitskräfte verunsichert werden...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Als Spaziergänger getarnt versetzen Regimegegner die Behörden in Nervosität. Auch Journalisten werden bedrängt.</h3>
<p>Internetaufrufe zu einer chinesischen &#8220;Jasmin-Revolution&#8221; nach tunesischem Vorbild haben gestern in zahlreichen Städten Polizeigroßeinsätze ausgelöst und zur Festnahme mehrerer ausländischer Journalisten geführt. Wie viele Demonstranten an den Protesten teilnahmen, bleibt unklar, da die Organisatoren erneut empfahlen, sich wie Spaziergänger zu benehmen. So sollen die Sicherheitskräfte verunsichert werden. Die Protestaufrufe haben Chinas Regierung in Alarmbereitschaft versetzt und überschatten auch die Jahrestagung des Nationalen Volkskongresses, die am Samstag in Pekings Großer Halle des Volkes begonnen hat.</p>
<p>In seinem Rechenschaftsbericht vor den rund 3000 Delegierten räumte Premier Wen Jiabao Probleme wie die wachsende Einkommensschere, Inflation, &#8220;exorbitante Wohnungspreise&#8221;, &#8220;illegale Landenteignungen&#8221; und &#8220;weit verbreitete Korruption in einigen Gebieten&#8221; ein. Das Problem berühre das Wohlergehen der Menschen und &#8220;beeinträchtigt die soziale Stabilität&#8221;, mahnte der Ministerpräsident. Gestern nahmen Beamte in Shanghai dann mehr als ein Dutzend Journalisten in Gewahrsam, darunter auch der China-Korrespondent des &#8220;Sterns&#8221;. In einer vorübergehend eingerichteten Polizeistelle wurden sie drei Stunden lang verhört und verwarnt, bevor sie wieder freigelassen wurden. In Peking war die Versammlungsstelle in der Innenstadt diesmal so gelegen, dass ausländische Journalisten den Ort von einer vielbefahrenen Straße aus dem Auto beobachten konnten, ohne direkt mit der Polizei konfrontiert zu werden. Hunderte Beamte beobachteten die Passanten, mehrere von ihnen waren mit Videokameras ausgestattet. Ein Polizist war mit einem Sendegerät im Einsatz, offenbar um die Aufnahmen direkt an eine Einsatzzentrale zu übermitteln. In chinesischen Internetberichten hieß es, die Behörden wollten mit Gesichtserkennungssoftware feststellen, welche Anwesenden in den vergangenen beiden Wochen an den Proteststellen gewesen und somit keine zufälligen Passanten seien. Dutzende Regimekritiker, die sich im Internet für die Jasmin-Proteste ausgesprochen hatten, sind verhaftet worden.</p>
<p>Chinas Behörden hatten in den vergangenen Tagen zahlreiche ausländische Journalisten einbestellt und ihnen mit Ausweisung gedroht, falls sie sich nicht an die Anweisungen der Polizei hielten. Damit nimmt Peking de facto die Pressefreiheitsregeln zurück, die vor den Olympischen Spielen von 2008 auf internationalen Druck hin erlassen worden waren. Zu den Einschüchterungsmaßnahmen gehört auch, dass die Polizei die Wohnungsvermieter ausländischer Journalisten drängt, ihnen mit Kündigung zu drohen, falls sie sich nicht an die Bestimmungen halten.</p>
<p>Außenminister Guido Westerwelle bezeichnete das chinesische Vorgehen am Sonntag als sehr beunruhigend. &#8220;Die fortgesetzte Behinderung der Arbeit von Journalisten ist nicht akzeptabel und beeinträchtigt das Ansehen der Volksrepublik China in der weltweiten Öffentlichkeit.&#8221; Einen Erfolg können die Demonstranten allerdings für sich verbuchen. Die Angst der Regierung ist inzwischen so groß, dass sie sich zu einer Änderung ihrer Öffentlichkeitspolitik gezwungen sah. Nachdem die chinesischen Medien die Jasmin-Proteste zwei Wochen lang totgeschwiegen haben, veröffentlichten sie nun Warnungen. Die Pekinger Jugendzeitung schrieb, ein paar Störenfriede im In- und Ausland wollten die Bevölkerung zu &#8220;Straßenpolitik&#8221; und &#8220;illegalen Versammlungen&#8221; anstiften. An vielen Universitäten und Schulen wurden Sonderversammlungen einberufen, um vor der Teilnahme an Protesten zu warnen. Ein Schüler berichtete, er und seine Klassenkameraden seien gezwungen worden, ein feierliches Bekenntnis zur Kommunistischen Partei abzulegen.</p>
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		<title>Chinas Volkskongress spielt Demokratie</title>
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		<pubDate>Sat, 05 Mar 2011 08:31:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
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		<description><![CDATA[<h3>Während das Parlament die Reformen der nächsten fünf Jahre diskutiert, erlebeben Regimegegner und Journalisten die schwersten Repressionen seit Jahren.</h3>
Einmal im Jahr spielt China Demokratie. Dann tritt in Pekings Grosser Halle des Volkes der Nationale Volkskongress zusammen, ein 3000-köpfiges Scheinparlament, das die Politik der Kommunistischen Partei gutheissen soll. Bei der diesjährigen Tagung, die am Samstag begonnen hat und rund zehn Tage dauern wird, ist der staatliche Propagandaapparat mehr als je zuvor angehalten, den Anschein einer echten Volksherrschaft zu erwecken...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Während das Parlament die Reformen der nächsten fünf Jahre diskutiert, erlebeben Regimegegner und Journalisten die schwersten Repressionen seit Jahren.</h3>
<p>Einmal im Jahr spielt China Demokratie. Dann tritt in Pekings Grosser Halle des Volkes der Nationale Volkskongress zusammen, ein 3000-köpfiges Scheinparlament, das die Politik der Kommunistischen Partei gutheissen soll. Bei der diesjährigen Tagung, die am Samstag begonnen hat und rund zehn Tage dauern wird, ist der staatliche Propagandaapparat mehr als je zuvor angehalten, den Anschein einer echten Volksherrschaft zu erwecken. Denn die Revolten gegen arabische Diktatoren haben Peking in höchste Alarmbereitschaft versetzt – und am Sonntag wollen Regimekritiker die Partei mit einem chinesischen Ableger der tunesischen Jasmin-Revolution erneut herausfordern.</p>
<p>Schon an den vergangenen beiden Sonntagen war im Internet zu Demonstrationen in zahlreichen chinesischen Städten aufgerufen worden. Zu ihrer eigenen Sicherheit wurden die Teilnehmer angewiesen, sich zu einer bestimmten Uhrzeit an prominenten Orten einzufinden, dort aber als harmlose Spaziergänger aufzutreten. Die Polizei hatte daraufhin Hunderte von Beamten eingesetzt, die nicht nur offene Proteste verhindern, sondern auch ausländische Journalisten an der Berichterstattung hindern sollten. Ein US-Journalist wurde zusammengeschlagen, zahlreiche weitere verhört, belästigt und bedroht. In den vergangenen Tagen wurden internationale Medienvertreter von den Behörden vorgeladen und angewiesen, die Orte für die Jasmin-Spaziergänge zu meiden, andernfalls drohe die Ausweisung.</p>
<p>Chinas kritische Intellektuelle stehen derzeit unter noch weitaus höherem Druck. Dutzende wurden unter Hausarrest gestellt, festgenommen oder verwarnt. Dabei ist die Jasmin-Bewegung bisher kaum mehr als ein Mikro-Protest einer kleinen Gruppe von Internet-Aktivisten. Die Mehrheit der Chinesen scheint derzeit keineswegs zu einem Volksaufstand bereit. Denn die Wirtschaft boomt, und der Volkskongress soll der Bevölkerung versichern, dass ihr Land auch weiterhin auf Wachstumskurs bleiben, der Wohlstand in Zukunft aber gerechter verteilt werden wird. Im Zentrum der Tagung steht der neue Fünfjahresplan für die Jahre 2011 bis 2015. In dem am Samstag veröffentlichten Reformentwurf nimmt sich die Regierung vor, die Wirtschaft künftig so zu steuern, dass arme Bevölkerungsgruppen vom Aufschwung profitieren und die Umwelt weniger belastet wird als bisher.</p>
<p>Zu den Zielen gehört ein Anstieg der Mindestlöhne um jährlich 13 Prozent. In fünf Jahren sollen erstmals mehr als die Hälfte der Chinesen in Städten leben und dort 45 Millionen neue Stellen entstehen. Die Ausgaben für Bildung, Wissenschaft, Gesundheit und öffentlichen Wohnungsbau sollen stark erhöht werden.</p>
<p>«Unsere Märkte haben grosses Nachfragepotenzial, wir haben genügend Ressourcen, und insgesamt steigt das Niveau von Wissenschaft und Bildung», erklärte Ministerpräsident Wen Jiabao am Samstag in seiner Regierungserklärung. Die Regierung habe die Kontrolle und könne auf alle grossen Herausforderungen angemessen reagieren. Der rabiate Umgang mit den oppositionellen Spaziergängen am vergangenen Sonntag lässt allerdings Schlimmes befürchten.</p>
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		<title>Demo der Schaulustigen</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Feb 2011 15:21:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<category><![CDATA[China]]></category>
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		<description><![CDATA[<h3>Mit Polizeigroßeinsätzen und Pressezensur will Peking neue „Jasmin-Demonstrationen“ verhindern - und führt die Proteste just damit zum Erfolg.</h3>
Kann man eine Demonstration ohne Demonstranten veranstalten? Chinesische Regimekritiker haben am Sonntag gezeigt, wie das geht: Hunderte hochnervöse Polizisten und dutzende ausländische Journalisten versammelten sich am Sonntagnachmittag vor einem McDonald’s-Restaurant in Pekings zentraler Fußgängerzone Wangfujing und wurden damit selbst zu Protagonisten von Chinas zweiter „Jasmin-Kundgebung“...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Mit Polizeigroßeinsätzen und Pressezensur will Peking neue „Jasmin-Demonstrationen“ verhindern &#8211; und führt die Proteste just damit zum Erfolg.</h3>
<p>Kann man eine Demonstration ohne Demonstranten veranstalten? Chinesische Regimekritiker haben am Sonntag gezeigt, wie das geht: Hunderte hochnervöse Polizisten und dutzende ausländische Journalisten versammelten sich am Sonntagnachmittag vor einem McDonald’s-Restaurant in Pekings zentraler Fußgängerzone Wangfujing und wurden damit selbst zu Protagonisten von Chinas zweiter „Jasmin-Kundgebung“. Denn die Aktivisten, die im Internet nach dem Vorbild von Tunesiens „Jasmin-Revolution“ zu Protesten in insgesamt 13 Städten aufgerufen hatten, rieten den Demonstranten, zu ihrer eigenen Sicherheit einfach als Spaziergänger aufzutreten und sich nicht zu erkennen zu geben. Doch schon das reichte aus, um Chinas Sicherheitskräfte in äußerste Alarmbereitschaft zu versetzen und zu gravierenden Verstößen gegen geltende Bürgerrechts- und Pressefreiheitsbestimmungen zu verleiten.</p>
<p>So verhaftete die Polizei mehrere ausländische Korrespondenten. Unter ihnnen waren Mitarbeiter von ARD und ZDF mit ihren Kamerateams sowie ein Reporter der Nachrichtenagentur dpa. Auch der Autor dieser Zeilen wurde mehrfach  kontrolliert, festgehalten, befragt, abgedrängt, rumgeschubst und  anderweitig behindert. Deutschlands Außenminister Guido Westerwelle kritisierte das Vorgehen der chinesischen Behörden.</p>
<p>Nachdem es schon am vergangenen Sonntag in mehreren Städten zu kleinen Demonstration gekommen war, bei denen mehrere Aktivisten mit Jasmin-Blüten auf sich aufmerksam gemacht hatten und festgenommen wurden, hatte die Polizei die angekündigten Kundgebungsorte diesmal weiträumig abgesperrt. In Peking patrouillierten hunderte Beamte in Uniform und Zivil die Fußgängerzone. An den Zugangsstraßen wurden Ausweise kontrolliert. Mehrfach provozierten Sicherheitskräfte Handgemenge und teilten Schläge aus. Eine offenbar von der Polizei aufgebaute Baustelle mit hohen Absperrungen und lauten Presslufthämmern sollte Kameraaufnahmen behindern. Schon im Vorfeld waren ausländische Journalisten von den Sicherheitsbehörden angerufen und einbestellt worden, um sie zur Kooperation mit den Beamten aufzufordern. Die Präsenz von Spezialeinheiten mit Helmen und schusssicheren Westen zeigten, dass die Polizei auch auf gewaltsame Konfrontationen vorbereitet gewesen wäre.</p>
<p>Auch in anderen chinesischen Städten kam es zu ähnlichen Veranstaltungen. In Shanghai wurden fünf Menschen festgenommen. Obwohl Pekings rigide Internetzensur sicherstellt, dass die anonymen Initiatoren der Jasmin-Demonstrationen mit ihren Aufrufen nur eine winzige Minderheit der chinesischen Bevölkerung erreichen, zeigen die Großaufgebote, dass die Kommunistische Partei die Aktion keineswegs als Kleinigkeit betrachtet.</p>
<p>Mehrere prominente Kritiker, die in Blogs ihre Unterstützung für die Jasmin-Bewegung geäußert hatten, wurden festgenommen und sollen wegen „Aufrufs zum Sturz der Staatsgewalt“ den Prozess gemacht bekommen. Wegen des gleichen Vorwurfs büßt der Demokratieaktivist und Friedensnobelpreisträger von 2010, Liu Xiaobo, derzeit eine elfjährige Haftstrafe ab. Opfer der Repressalien könnten auch Passanten werden, die nur zufällig mit den Spaziergängerdemos in Kontakt kamen. So schrieb vergangenes Wochenende eine junge Frau in ihrem Blog, dass ihr das hohe Polizeiaufgebot aufgefallen sei und sie daraufhin von umstehenden von den Jasmin-Protesten gehört habe. Internetberichten zufolge wurde sie wenige Stunden nach der Veröffentlichung verhaftet und ist seitdem verschwunden.</p>
<p>Die Regierung organisierte derweil im Internet ihre eigene Gegendemonstration. Ebenfalls am Sonntagnachmittag stellte sich Regierungschef Wen Jiabao in einem kurzfristig anberaumten Live-Chat den chinesischen Internetbenutzern. Darin versuchte Chinas beliebtester Politiker das Vertrauen in die Herrschaft der Partei zu stärken. Sie arbeitete hart dafür, „die wachsenden materiellen und kulturellen Bedürfnisse des Volkes zu befriedigen und das Leben der Menschen besser und besser zu machen“.</p>
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		<title>Hosni wer?</title>
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		<pubDate>Sun, 13 Feb 2011 03:21:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>Chinas Propagandabehörden haben Berichte über Ägyptens Volksaufstand weitgehend zensiert – aus Angst vor Nachahmung im eigenen Land.</h3>
Der Sturz von Hosni Mubarak ist derzeit das wichtigste weltpolitische Gesprächsthema, doch in den chinesischen Nachrichten spielt der Name des geschassten Diktators kaum eine Rolle. Schon vor Wochen wurden Chinas Staatsmedien angewiesen, die Berichterstattung über die ägyptische Revolte auf ein Minimum zu reduzieren und sich strikt an die Vorgaben der zentralen Nachrichtenkanäle zu halten...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Chinas Propagandabehörden haben Berichte über Ägyptens Volksaufstand weitgehend zensiert – aus Angst vor Nachahmung im eigenen Land.</h3>
<p>Der Sturz von Hosni Mubarak ist derzeit das wichtigste weltpolitische Gesprächsthema, doch in den chinesischen Nachrichten spielt der Name des geschassten Diktators kaum eine Rolle. Schon vor Wochen wurden Chinas Staatsmedien angewiesen, die Berichterstattung über die ägyptische Revolte auf ein Minimum zu reduzieren und sich strikt an die Vorgaben der zentralen Nachrichtenkanäle zu halten. In den Fernsehnachrichten gehörte das Ende der Ära Mubarak am Wochenende nicht zu den Hauptthemen. Der Zentralsender CCTV meldete am Samstag in knappen Worten Rücktritt des Präsidenten und zeigte dazu nicht feiernde Demonstranten, sondern Aufnahmen von verrammelten Läden und leeren Strassen. Das Parteiblatt Renmin Ribao berichtete erst auf der dritten Seite über den Machtwechsel. Zwar machten andere Zeitungen am Wochenende mit Ägypten auf, doch auch sie hielten sich in ihren Analysen an Pekings offizielle Linie, wonach es sich bei den Demonstrationen nicht um legitime Meinungsäusserung, sondern gefährliche Unruhen gehandelt habe.</p>
<p>„Politischer Wandel ist nichts wert, wenn das Land am Ende Opfer von Chaos wird“, schrieb etwa die Zeitung China Daily. „Falls die gegenwärtige Situation anhält, wäre das nicht nur ein Albtraum für 80 Millionen Ägypter, sondern auch verheerend für Frieden und Stabilität in der Region.“ Vor allem die schwierige wirtschaftliche Lage habe die Ägypter auf die Strasse getrieben. Aussenamtssprecher Ma Zhaoxu vermied es in einer knappen Stellungnahme sogar, den Namen Mubarak noch einmal in den Mund zu nehmen. „China hat die sich verändernde Situation in Ägypten genau verfolgt und hofft, dass die jüngsten Entwicklungen Ägypten helfen werden, die nationale Stabilität und die normale Ordnung so schnell wie möglich wiederherzustellen“, erklärte er.</p>
<p>Zwar unterscheidet sich die Situation in der chinesischen Ein-Partei-Diktatur zu sehr von der Lage im Nahen Osten, als dass Peking ein unmittelbares Überspringen des revolutionären Funkens fürchten müsste. Aber die Kommunistische Partei, die gegen ihre Gegner nicht weniger brutal vorgeht als das System Mubarak, ist darauf bedacht, jede Form von zivilem Ungehorsam zu diskreditieren.</p>
<p>Auf chinesischen Mikroblogseiten sind Suchen oder Einträge mit den Begriffen „Mubarak“ oder „Ägypten“ seit Tagen blockiert. In den Foren chinesischer Regimekritiker, die in der Volksrepublik allerdings nur mit Software zur Umgehung von Internetsperren erreichbar sind, wird der Fall Ägypten dennoch lebhaft diskutiert. „Es hat nur 18 Tage gebraucht, um ein Militärregime zum Einsturz zu bringen, das 30 Jahre an der Macht war und harmonisch und stabil aussah“, schrieb der aufmüpfige Künstler Ai Weiwei und fügte mit Blick auf China hinzu: „Dieses Ding hier, das seit 60 Jahren besteht, bräuchte wohl mehrere Monate.“ Der Menschenrechtsanwalt Teng Biao schrieb per Twitter: „Das Geheimnis von Glück ist Freiheit, und das Geheimnis von Freiheit ist Mut.“</p>
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		<title>Makelloser Triumphzug</title>
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		<pubDate>Fri, 21 Jan 2011 06:07:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Barack Obama]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Diplomatie]]></category>
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		<description><![CDATA[<h3>Chinas Staatspresse feiert Hu Jintaos USA-Besuch – und beginnt die Arbeit am Nachruhm des Parteichefs.</h3>
Wenn Chinas Politiker auf Reisen gehen, müssen sie sich um das Medienecho in ihrer Heimat nicht sorgen. Mit der verordneten Euphorie feiert die Staatspresse die USA-Reise ihres Präsidenten Hu Jintao als makellosen Triumphzug. Hu habe eine „neue politische Zivilisation geschaffen“, attestiert ihm die Zeitung „Global Times“. „Der Besuch von Präsident Hu Jintao verdient den Applaus der Welt“, kommentiert das für seine nationalistischen Töne bekannte Blatt...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Chinas Staatspresse feiert Hu Jintaos USA-Besuch – und beginnt die Arbeit am Nachruhm des Parteichefs.</h3>
<p>Wenn Chinas Politiker auf Reisen gehen, müssen sie sich um das Medienecho in ihrer Heimat nicht sorgen. Mit der verordneten Euphorie feiert die Staatspresse die USA-Reise ihres Präsidenten Hu Jintao als makellosen Triumphzug. Hu habe eine „neue politische Zivilisation geschaffen“, attestiert ihm die Zeitung „Global Times“. „Der Besuch von Präsident Hu Jintao verdient den Applaus der Welt“, kommentiert das für seine nationalistischen Töne bekannte Blatt. „Er hat einen wichtigen Beitrag zum Weltfrieden geleistet.“ Die Nachrichtenagentur „Xinhua“ verbreitete die Kunde von einer „historischen Meisterleistung in chinesisch-amerikanischer Diplomatie“. Die englischsprachige „China Daily“, die in erster Linie der chinesischen Selbstdarstellung im Ausland dient, lobte die „pragmatische Kooperation“ beider Seiten und urteilte, der Besuch habe „ein solides Fundament für eine bilaterale Partnerschaft im kommenden Jahrzehnt“ gelegt.</p>
<p>Um in China grösstmögliche Aufmerksamkeit für die Visite zu bekommen, hatte Chinas Propagandabehörde in den vergangenen Tagen den Druck wichtiger Parteiblätter wie der „Volkszeitung“ oder der „Zeitung der Volksbefreiungsarmee“ um bis zu acht Stunden verschoben, um dichter am Geschehen im dreizehn Zeitzonen entfernten Washington zu sein. Zu den am häufigsten gedruckten Bildern gehörten Fotos von Hu beim Abnehmen der Ehrengarde, bei seiner Rede vor dem Weissen Haus und im Oval Office. Auch das opulente Staatsbankett fand grosse Aufmerksamkeit, inklusive der Beobachtung, Michelle Obama habe ein „chinarotes“ Abendkleid getragen.</p>
<p>Kernstück der Berichterstattung war allerdings die gemeinsame Erklärung der beiden Präsidenten. Anders als westliche Regierungen messen Chinas Aussenpolitiker derartigen Kommuniqués grosse Bedeutung bei. Das in voller Länge abgedruckte Positionspapier schreibt gewissermassen den kleinsten gemeinsamen Nenner der Beziehungen fest. „Die USA betonen dass sie ein starkes, wohlhabendes und erfolgreiches China, das eine grössere Rolle in der Welt spielt, begrüssen“, ist darin zu lesen. „Jedes Land und sein Volk haben das Recht, ihren eigenen Weg zu wählen, und die Entwicklungsmodelle sollten gegenseitig respektiert werden.“ Nach Auffassung der „Global Times“ habe die Erklärung „alle Ängste vertrieben, dass zwischen China und den USA ein neuer Kalter Krieg ausbrechen könnte“. Die Agentur ist überzeugt, dass nun „die ganze Welt auf den nächsten Handschlag zwischen China und den USA wartet“.</p>
<p>Bezeichnend ist auch, was in China nicht berichtet wurde. Auf Hus Eingeständnis, dass „in China in Sachen Menschenrechte noch viel getan werden muss“, gingen chinesische Medien ebenso wenig ein wie auf die Proteste, die den Besuch begleiteten. Nichts sollte den schönen Schein trüben. Denn für Chinas Medien beginnt mit der Reise gewissermassen die Arbeit am Nachruhm des 68-jährigen Staats- und Parteichefs. Allgemein wird erwartet, dass er seine Ämter in den kommenden zwei Jahren an Vize-Präsident Xi Jinping übergeben wird. Der pompöse Empfang war deshalb wohl, zumindest formal. der letzte Höhepunkt seines aussenpolitischen Wirkens.</p>
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		<title>Leckt die Kommunistische Partei?</title>
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		<pubDate>Sat, 23 Oct 2010 23:16:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
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		<description><![CDATA[<h3>Chinesische Dissidenten planen eine Enthüllungswebseite nach Vorbild von Wikileaks. Für die Partei wäre die Veröffentlichung geheimer Dokumente gefährlich.</h3>
Mit der Veröffentlichung von zehntausenden Irakkriegsdokumenten hat Wikileaks erneut das US-Verteidigungsministerium bloß gestellt. Doch die amerikanische Regierung muss nicht als einzige die Enthüllung von Geheimpapieren befürchten. Vor allem Chinas Kommunistische Partei, deren Herrschaft maßgeblich auf Informationskontrolle und Medienzensur beruht, sieht Transparenzaktivisten als ernsthafte Bedrohung – und muss nun mit der Gründung eines „chinesischen Wikileaks“ rechnen...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Chinesische Dissidenten planen eine Enthüllungswebseite nach Vorbild von Wikileaks. Für die Partei wäre die Veröffentlichung geheimer Dokumente gefährlich.</h3>
<p>Mit der Veröffentlichung von zehntausenden Irakkriegsdokumenten hat Wikileaks erneut das US-Verteidigungsministerium bloß gestellt. Doch die amerikanische Regierung muss nicht als einzige die Enthüllung von Geheimpapieren befürchten. Vor allem Chinas Kommunistische Partei, deren Herrschaft maßgeblich auf Informationskontrolle und Medienzensur beruht, sieht Transparenzaktivisten als ernsthafte Bedrohung – und muss nun mit der Gründung eines „chinesischen Wikileaks“ rechnen.</p>
<p>Seit einigen Tagen kursieren in Chinas sozialen Netzwerken und auf Kurznachrichtenplattformen wie Twitter Aufrufe, geheime Informationen chinesischer Behörden zu beschaffen und den Organisatoren einer neuen Webseite namens „Government Leaks“ zuzuspielen. Das Enthüllungsportal will am 1. Juni 2011 online gehen, drei Tage vor dem Jahrestag der blutigen Niederschlagung der Tiananmen-Proteste von 1989. Das Vorhaben solle „Chinas politische Reform voranbringen“, zitierte die Hongkonger South China Morning Post einen der anonymen Initiatoren. „Dies ist ein Kampf gegen die Diktatur und für die Rückkehr zum Recht auf die Information des Volkes.“ Hinter dem Projekt stehe ein Team von 60 Journalisten, Anwälten und Computer-Experten.</p>
<p>Wie ernst die Ankündigung gemeint ist und wie gut vorbereitet die Organisatoren sind, lässt sich vorerst schwer einschätzen. Sicher ist jedoch, dass die Regierung Enthüllungen von Geheimdokumenten als eine reale Gefahr betrachtet. Bereits am 21. Juli soll die Führungsspitze in einer von Staats- und Parteichef Hu Jintao geleiteten Sitzung beraten haben, wie sie sich vor ungewollten Veröffentlichungen schützen könne. Pikanterweise erschien ausgerechnet das Protokoll dieser Versammlung drei Tage später auf der ausländischen Dissidentenwebseite Boxun. Aus den Aufzeichnungen, deren Echtheit die Regierung nicht dementiert hat, geht hervor, dass die Parteielite vor allem zwei Risiken sieht. Zum einen fürchtet sie um die Sicherheit der Parteiarchive. Deshalb wird derzeit überprüft, ob die Dokumentenlager verschiedener Verwaltungsebenen auch einem Sturmversuch von Demonstranten gewachsen wären und wie verhindert werden kann, dass Beamte Dokumente stehlen oder kopieren. Zum anderen sorgt sich die Parteispitze um Illoyalität in ihren eigenen Reihen. Immer wieder haben ranghohe Kader geheime Dokumente außer Landes geschmuggelt. Der größte Coup war die Veröffentlichung der sogenannten „Tiananmen-Akte“ im Jahr 2001. Vergangenes Jahr erschienen außerdem die heimlich aufgezeichneten Memoiren des 1989 geschassten Parteichefs Zhao Ziyang, der harsche Vorwürfe gegen Patriarch Deng Xiaoping und den ehemaligen Regierungschef Li Peng erhob. Den heute 82-jährigen Li trafen die Angriffe offenbar so schwer, dass er einem Hongkonger Verleger wenig später sein eigenes „Tiananmen-Tagebuch“ zuspielte, um seine Sicht der Geschichte darzustellen. Doch vor allem unmittelbar unterhalb der Parteispitze gibt es viele, die aus Unzufriedenheit mit dem aktuellen politischen Kurs gegen die Parteidisziplin zu verstoßen bereit sind. Das zeigte sich zuletzt Anfang Oktober, als 23 Parteiveteranen in einem öffentlichen Brief mit scharfen Worten die Aufhebung der Medienzensur forderten. Gerade kritische pensionierte Beamte könnte ihr Wissen und ihren Zugang zu Archiven nutzen, um die Partei mit Enthüllungen zur Aufarbeitung dunkler Kapitel wie der Mao-Zeit, des Tiananmen-Massakers, der Falun-Gong-Bewegung oder der Repressalien gegen ethnische Minderheiten wie Tibeter und Uiguren zu zwingen. Gleichzeitig könnten Indiskretionen aber auch als Waffe bei internen Machtkämpfen zum Einsatz kommen, etwa durch Bekanntmachung der Besitztümer hoher Politiker und ihrer Familien.</p>
<p>Die mit Enthüllungen verbundenen Risiken sind in China allerdings hoch. Die Regierung geht gegen Dissidenten mit demonstrativer Härte vor. So wurde 2005 der Journalist Shi Tao zu zehn Jahren Haft verurteilt, weil er ausländischen Medien eine interne Anweisung der Propagandabehörde weitergeleitet hatte. Die Polizei überführte ihn anhand einer Email. Die größte Herausforderung für ein chinesisches Wikileaks dürfte deshalb darin bestehen, möglichen Informanten Anonymität zu garantieren. Zwar kündigten die Initiatoren von „Government Leaks“ an, ihre vom Ausland aus betriebene Webseite werde über die Möglichkeit verfügen, Daten verschlüsselt hochzuladen. Bei Wikileaks ist man allerdings skeptisch, ob die chinesischen Nachahmer über die nötige Professionalität verfügen. In einer Twitterbotschaft warnte das Team um den Australier Julian Assange vor der neuen Seite und deutete die Möglichkeit an, dass womöglich sogar die chinesische Regierung selbst dahinter stecken könnte: „China Wikileaks ist nicht autorisiert und unsicher. Aufpassen! Wenn sie es ernst meinen, werden sie uns kontaktieren.“ Bisher will man bei Wikileaks nichts von den Chinesen gehört haben, obwohl diese ihrerseits erklärten, bereits mehrere Emails geschrieben zu haben. Willkommen wären chinesische Enthüllungen bei Wikileaks aber auf jeden Fall. Schon 2006 erklärte Assange: „Unsere Hauptziele sind jene in höchstem Maß unterdrückerischen Regime in China, Russland und Zentraleurasien.“ Schon Wikileaks allererste Enthüllungen stammten gewissermaßen aus China: Sie kamen aus abgefangenen Datenströmen chinesischer Hacker, die Dokumente ausländischer Regierungen ausspionierten.</p>
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		<title>Chinas Partei hat das Nobel-Virus</title>
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		<pubDate>Wed, 13 Oct 2010 23:36:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<category><![CDATA[China]]></category>
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		<category><![CDATA[Partei; Kommunistische Partei]]></category>
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		<description><![CDATA[<h3>Nach dem Nobelpreiskomitee fordern auch prominente Altkader Demokratie und Pressefreiheit – und offenbart einen tiefen Riss in der chinesischen Führung.</h3>
Ist die Vergabe des Friedensnobelpreises an den inhaftierten Demokratieaktivisten Liu Xiaobo Teil einer antichinesischen Kampagne des Westens? Diesen Eindruck versucht Chinas Kommunistische Partei seit vergangenem Freitag zu erwecken. Als „Angriff“, „Eindämmungsversuch“, „Einmischung“ und „Beleidigung“ bezeichneten Offizielle die Auszeichnung - und behaupteten, mit ihrer Einschätzung das chinesische Volk geschlossen hinter sich zu haben. Doch nun erhebt auch eine Gruppe prominenter Altkader Vorwürfe, die sich mit der Systemkritik des Friedensnobelpreisträgers und der norwegischen Juroren decken...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Nach dem Nobelpreiskomitee fordern auch prominente Altkader Demokratie und Pressefreiheit – und offenbart einen tiefen Riss in der chinesischen Führung.</h3>
<p>Ist die Vergabe des Friedensnobelpreises an den inhaftierten Demokratieaktivisten Liu Xiaobo Teil einer antichinesischen Kampagne des Westens? Diesen Eindruck versucht Chinas Kommunistische Partei seit vergangenem Freitag zu erwecken. Als „Angriff“, „Eindämmungsversuch“, „Einmischung“ und „Beleidigung“ bezeichneten Offizielle die Auszeichnung &#8211; und behaupteten, mit ihrer Einschätzung das chinesische Volk geschlossen hinter sich zu haben.</p>
<p>Doch nun erhebt auch eine Gruppe prominenter Altkader Vorwürfe, die sich mit der Systemkritik des Friedensnobelpreisträgers und der norwegischen Juroren decken: In einem offenen Brief fordern sie ein Ende der Zensur von Medien und Internet, weil sie Artikel 35 der Verfassung von 1982 widerspreche, der Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit, Organisationsfreiheit, Rechtsfreiheit und Demonstrationsfreiheit garantiere. „Dieser Artikel steht seit 28 Jahren unverwirklicht da, verhindert durch detaillierte Regeln und Ausführungsbestimmungen“, heißt es in dem Schreiben. „Diese falsche Demokratie der formellen Zugeständnisse aber konkreten Verweigerung ist ein Schandfleck in der Geschichte der weltweiten Demokratie.“ Der staatliche Propagandaapparat, der wie eine „schwarze Hand“ über Wissen und Unwissen entscheide, gehöre daher abgewickelt, lautet eine der insgesamt acht Reformforderungen der Autoren (siehe Kasten).</p>
<p>Die 23 Initiatoren wissen, wovon sie reden: Sie alle sind pensionierte Propagandabeamte, die im Alter an dem System zweifeln, dem sei ein Arbeitslebenlang gedient haben. Zu ihnen gehören der Li Rui, einst Büroleiter von Mao Zedong, Hu Jiwei, Ex-Chefredakteur der parteiunmittelbaren „Volkszeitung“, Zong Peizhang, ehemaliger Chef der Nachrichtenabteilung in der zentralen Propagandaabteilung und Jiang Ping, vormals Präsident der Pekinger Universität für Politik und Recht. „Dies ist nicht der offene Brief, in dem pensionierte Beamte Reformen fordern, aber dieser ist besonders, weil so viele hochrangigen Personen dahinter stehen“, sagt David Bandurski, Medienexperte von der Hong Kong University. Mehr als 500 Chinesen im Alter von Anfang zwanzig bis 97 haben den Aufruf unterschrieben, 90 Prozent davon Parteimitglieder. Damit wurde er mit mehr Unterschriften veröffentlicht als Liu Xiaobos Demokratiemanifest „Charta 08“, unter dem Anfangs nur 300 Namen standen.</p>
<p>Wie schon bei der Bekanntgabe des Nobelpreises wurden Medienberichte über den offenen Brief umgehend verboten. Kritische Intellektuelle fanden trotzdem Möglichkeiten, in Webforen darüber zu diskutieren. „Alte Männer haben den Vorteil, dass man ihnen nicht drohen kann, weil sie ohnehin bald sterben“, schrieb ein Blogger. Ein anderer bemerkte: „Das klingt nach zwölf Jahren Haft.“ Soll heißen: Das Manifest der Parteidissidenten setzt die Führung unter noch größeren Druck als die „Charta 08“,  für die Liu zu elf Jahren Gefängnis verurteilt wurde.</p>
<p>Doch mit Repressalien gegen interne Kritiker tut sich das System weitaus schwerer als mit der Verfolgung externer Querdenker. „In der Kommunistischen Partei behalten Beamte ihren Rang auch im Ruhestand“, erklärt ein Insider. „Deswegen sind die alten Herren für normale Polizisten und Zensurbeamten unantastbar – ihre Verhaftung müsste direkt vom Politbüro beschlossen werden.“ Genau dieses Beschlussverfahren wollen die Altkader womöglich bewirken, denn es würde die Führung zu einer Debatte über Reformen zwingen, die von den Hardlinern seit Jahren unterdrückt wird. „Die Autoren wissen, dass sie in der Parteispitze Gleichgesinnte haben, die ihre Forderungen nach politischen Reformen teilen, aber derzeit nicht zu Wort kommen“, sagt der Systemkenner. Diese Fraktion habe auch die Verurteilung von Liu Xiaobo, über die auf höchster Ebene entschieden worden sei, als Skandal empfunden und begrüße heimlich den Friedensnobelpreis.</p>
<p>Die Protagonisten des internen Richtungsstreits sind Staats- und Parteichef Hu Jintao, der als Vertreter der Hardliner gilt, und Premierminister Wen Jiabao, der liberalere Positionen vertritt. Doch Wen befindet seit Monaten in der Defensive. Als er kürzlich in einer Rede forderte, dass den wirtschaftlichen Reformen nun auch politische Veränderungen folgen müssten, wurden seine Aussagen vom Propagandaministerium kurzerhand zensiert – ein offenes Signal, dass der Vorstoß des Premiers in der Parteispitze keine Mehrheit hat. Zwei Jahre vor dem Machtwechseln in Peking droht der Frontmann des liberalen Flügels damit zur „lahmen Ente“ zu werden. „Wen Jiabao weiß, dass es derzeit im System unmöglich ist, Reformen voranzubringen“, sagt die als Regimekritikerin bekannte Pekinger Kulturwissenschaftlerin Cui Weiping. „Ihm bleibt nichts anderes mehr übrig, als das Volk zu bitten, selbst Druck auszuüben.“</p>
<p>Der Druck könnte von mutigen Journalisten wie Xie Chaoping kommen, dessen Fall die 23 Autoren als Anlass für ihren offenen Brief nennen. Die zeitliche Überschneidung mit dem Nobelpreis sei rein zufällig, sagen sie. Xie hatte in einem Buch einen Korruptionsskandal in der zentralchinesischen Provinz Shaanxi aufgedeckt. Polizisten aus Shaanxi hatten ihn daraufhin aus Peking in ihre über tausend Kilometer entfernte Provinz verschleppt und dort wegen „illegaler Geschäfte“ in Haft genommen. Zwar wurde Xie nach 30 Tagen freigelassen, soll aber trotzdem angeklagt werden. Es ist bereits das zweite Mal in diesem Jahr, dass Shaanxis Regierung mit Härte gegen Journalisten vorgeht, die über die gewaltigen Korruptionsprobleme in der Provinz geschrieben hatten. Im März hatte die „China Economic Times“, die direkt dem Büro des Premierministers untersteht, über einen Skandal mit verdorbenen Kinderimpfstoffen berichtet, bei dem mehrere Kinder gestorben waren. Doch statt einer offiziellen Untersuchung, wurde der Chefredakteur der Zeitung abgesetzt und der Autor des Enthüllungsberichts, Wang Keqin, mit Veröffentlichungsverbot belegt. „ Shaanxis Parteichef ist eben ein alter Freund von Präsident Hu Jintao“, sagt Wang. „Das ist die Politik der Bruderschaft.“</p>
<p>Anhänger des liberalen Flügels hoffen, die Häufung von derartigen Skandalen als Argument nutzen zu können, dass Chinas soziale Stabilität nur garantiert werden kann, wenn das System flexibler wird. Die nächste Diskussion darüber könnte am Freitag beginnen. Dann eröffnet die KP in Peking ihren jährlichen Parteikongress. Der Friedensnobelpreis und der offene Brief werden dort zweifellos ein Thema sein.</p>
<p>DIE ACHT FORDERUNGEN</p>
<p>1. Medienorganisationen sollten frei sein und nicht wie bisher Regierungsbehörden unterstehen.<br />
2. Die soziale Rolle von Journalisten sollte respektiert und Berichterstattung über Massenereignisse und Korruption unterstützt werden.<br />
3. Aufhebung der Einschränkung, das Journalisten nur in ihrer Heimatprovinz recherchieren dürfen.<br />
4. Abschaffung von Cyberpolizisten. Internetbetreiber dürfen keine Inhalte löschen oder hinzufügen, solange Staatsgeheimnisse oder Privatsphäre nicht ernsthaft gefährdet sind.<br />
5. Bürger müssen das Recht haben, über aktuelle und frühere Verbrechen und Fehler der herrschenden Partei umfassend Bescheid zu wissen und zu diskutieren.<br />
6. Gründung von Medienorganisationen in Privatbesitz.<br />
7. Freier Zugang zu Medien und Publikationen aus den ehemaligen Hongkong und Macao, wo unter dem Motto „Ein Land, zwei Systeme“ bis heute Pressefreiheit herrscht.<br />
8. Änderung der Aufgabenbeschreibung von Propagandabehörden auf allen Ebenen: Transparenz statt Informationsblockade, Kontrolle der Regierung durch die Medien statt Unterstützung korrupter Beamter, Stärkung von Journalistenrechten statt Journalistenverfolgung.</p>
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		<title>Flug in die Freiheit</title>
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		<pubDate>Thu, 16 Sep 2010 04:35:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
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		<description><![CDATA[<h3>Der regimekritische Autor Liao Yiwu durfte erstmals aus China ausreisen. Unser Korrespondent hat ihn von Chengdu nach Berlin begleitet.</h3>
<a href="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2010/09/Liao_Yiwu_Gefängnisausweis.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-2124" title="Liao_Yiwu_(Foto_von_Gefängnisausweis)" src="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2010/09/Liao_Yiwu_Gefängnisausweis-216x300.jpg" alt="" width="136" height="189" /></a>Der Gang durch die Passkontrolle ist so einfach, dass es geradezu an Spott grenzt. Mit einem kurzen Blick vergleicht die junge Polizistin das Foto mit dem Mann, der an ihrem Schalter steht und versucht, die Ruhe selbst zu sein. "So viele Auslandsvisa, aber noch nie ausgereist", bemerkt die Beamtin, während sie durch den Ausweis blättert. "Keine Zeit gehabt", entgegnet Liao Yiwu und lacht. Die Polizistin zückt ihren Stempel und eine blinkende Leuchtanzeige fragt den Reisenden, ob er mit der Bearbeitungsgeschwindigkeit zufrieden ist. "Sehr zufrieden", drückt Liao. Dabei hat seine Abfertigung mehr als ein Jahrzehnt gedauert. Es ist ein Uhr nachts, nur noch wenige Passagiere schleichen müde durch die Hallen des Pekinger Flughafens. Nur einer scheint sich keinen Ort vorstellen zu können, wo er jetzt lieber wäre...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Der regimekritische Autor Liao Yiwu durfte erstmals aus China ausreisen. Unser Korrespondent hat ihn von Chengdu nach Berlin begleitet.</h3>
<p><a href="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2010/09/Liao_FLughafen_Chengdu.jpg"><img class="alignleft size-large wp-image-2127" title="Liao_Yiwu_am_FLughafen_Chengdu_(Copyright_Bernhard_Bartsch)" src="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2010/09/Liao_FLughafen_Chengdu-1024x744.jpg" alt="" width="368" height="268" /></a>Der Gang durch die Passkontrolle ist so einfach, dass es geradezu an Spott grenzt. Mit einem kurzen Blick vergleicht die junge Polizistin das Foto mit dem Mann, der an ihrem Schalter steht und versucht, die Ruhe selbst zu sein. &#8220;So viele Auslandsvisa, aber noch nie ausgereist&#8221;, bemerkt die Beamtin, während sie durch den Ausweis blättert. &#8220;Keine Zeit gehabt&#8221;, entgegnet Liao Yiwu und lacht. Die Polizistin zückt ihren Stempel und eine blinkende Leuchtanzeige fragt den Reisenden, ob er mit der Bearbeitungsgeschwindigkeit zufrieden ist. &#8220;Sehr zufrieden&#8221;, drückt Liao. Dabei hat seine Abfertigung mehr als ein Jahrzehnt gedauert.</p>
<p>Es ist ein Uhr nachts, nur noch wenige Passagiere schleichen müde durch die Hallen des Pekinger Flughafens. Nur einer scheint sich keinen Ort vorstellen zu können, wo er jetzt lieber wäre. &#8220;Mehr als zehn Mal habe ich versucht auszureisen, aber erst haben mir die Behörden jahrelang keinen Pass ausgestellt, und später haben sie mich zu Hause festgehalten oder am Flughafen festgenommen&#8221;, erzählt Liao. &#8220;Und jetzt lassen sie mich hier durchspazieren, als sei Freiheit die größte Selbstverständlichkeit.&#8221;</p>
<p>Freiheit und Unfreiheit, das ist Liao Yiwus Thema &#8211; und der Grund, weshalb Chinas Regierung ihn am liebsten mundtot machen würde. Vergeblich. Obwohl er vier Jahre lang als politischer Häftling im Gefängnis verbrachte und in der Volksrepublik kein Medium seinen Namen erwähnen darf, ist der 52-Jährige einer der berühmtesten und bedeutendsten chinesischen Gegenwartsschriftsteller. Auf dem chinesischen Schwarzmarkt haben seine Bücher hohe Auflagen, im Internet kursieren digitale Kopien und im Ausland verkaufen sich die Übersetzungen gut genug, dass Liao von den Tantiemen leben kann.</p>
<p>Sein vergangenes Jahr erschienener Reportageband &#8220;Fräulein Hallo und der Bauernkaiser&#8221; ist eines der erfolgreichsten chinesischen Bücher in deutscher Übersetzung, wobei sein Bekanntheitsgrad nicht zuletzt den Schlagzeilen über Liaos gescheiterte Ausreiseversuche geschuldet ist. An der Frankfurter Buchmesse im vergangenen Oktober durfte er ebenso nicht teilnehmen wie am Kölner Literaturfest &#8220;lit.Cologne&#8221; im März oder an Lesungen in Taiwan oder Australien. Umso überraschender ist es, dass er nun beim Internationalen Literaturfestival in Berlin und beim Hamburger Harbourfront-Festival auftreten darf. Insgesamt will Liao anderthalb Monate in Deutschland bleiben. &#8220;Die chinesischen Behörden haben mir in mehreren Gesprächen eingebläut, was ich sagen darf, und was nicht&#8221;, erzählt er. &#8220;Politische Themen soll ich vermeiden und immer betonen, dass ich nur meine private Meinung sage.&#8221; Liao muss laut lachen. Keine Sorge, beruhigte er die Beamten, es geht ja nur um Literatur. Als könnte das unpolitisch sein.</p>
<p>Zwölf Stunden, bevor Liao Yiwu in Peking durch die Passkontrolle geht, sitzt er an seinem Küchentisch und zeigt Ausgaben der Untergrund-Zeitschrift &#8220;Intellektuelle&#8221;, die er Ende der Neunziger herausgegeben hat. &#8220;Gedanken eines Mannes ohne Geld und Einfluss&#8221;, lautet der Titel eines Aufsatzes, den Liao veröffentlicht hat, ein anderer heißt &#8220;Mafia&#8221; und handelt vom staatlichen chinesischen Literaturbetrieb. &#8220;Damals musste man solche Publikationen noch heimlich drucken&#8221;, sagt Liao. &#8220;Inzwischen verbreiten sich alles über das Internet.&#8221; Das Appartement im fünften Stock einer Neubausiedlung am Rande von Chengdu, der Hauptstadt der südwestchinesischen Provinz Sichuan, ist geräumig. Aus den Lautsprechern kommt tibetische Musik. &#8220;Braucht er in Deutschland einen Anzug?&#8221; fragt Liaos Frau. &#8220;Er trägt so etwas nicht gerne. Ab und zu klingelt das Telefon und ein Journalist erkundigt sich nach der Reise. &#8220;Es ist ein bisschen schwierig, darüber zu reden&#8221;, sagt Liao. &#8220;Die Journalisten stellen natürlich kritische Fragen, aber ich weiß dass mein Telefon abgehört wird.&#8221; Liao will seine Reise nicht durch leichtsinnige Zitate gefährden. Auch seinen Computer hat er von kritischen Inhalten bereinigt. Gegenstände, die ihm an der Grenze Scherereien bereiten könnten, gibt er dem Journalisten ins Gepäck. Ausländer genießen in China oft mehr Freiheiten als Chinesen.</p>
<p><a href="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2010/09/Liao_Yiwu_Gefängnisausweis1.jpg"><img class="alignleft size-large wp-image-2130" title="Liao_Yiwu_Gefängnisausweis" src="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2010/09/Liao_Yiwu_Gefängnisausweis1-1024x633.jpg" alt="" width="430" height="266" /></a>Dabei könnte Liao ohnehin nichts Sensibleres im Gepäck haben als seine eigene Geschichte, die keine Tragödie des kommunistischen China auslässt. Geboren wurde er 1958 in Sichuan, gerade noch rechtzeitig für das erste große Desaster der Mao-Zeit, den &#8220;Großen Sprung nach Vorn&#8221;, der viele Millionen Chinesen das Leben kostete. &#8220;Mit zwei Jahren wäre ich fast verhungert&#8221;, erzählt Liao. &#8220;Ich war so schlecht ernährt, dass ich mit vier noch immer nicht laufen konnte.&#8221; 1966 brach die Kulturrevolution aus und Liaos Vater, ein Lehrer, musste als Rechtsabweichler ins Gefängnis. Zum Schutz der Kinder ließen sich die Eltern scheiden und Liaos Mutter hielt die Familie notdürftig über Wasser. Als sie auf dem Schwarzmarkt Zuteilungsmarken gegen Lebensmittel eintauschen wollte, wurde sie als Verbrecherin durch die Straßen gezerrt. &#8220;Ich war am Boden zerstört&#8221;, sagt Liao.</p>
<p>Als Jugendlicher entdeckte er, dass er sein Schicksal leichter ertragen konnte, wenn er sich in die Welt der Literatur flüchtete. Er begann Gedichte zu schreiben und &#8211; nachdem sich das kulturelle Klima mit Maos Tod 1976 zu lockern begann &#8211; in Zeitschriften zu veröffentlichen. Seine Verse trafen den Nerv der Zeit und Liao gehörte bald zu den vielversprechendsten Autoren der jungen Generationen, erhielt über zwanzig Preise und einen anständig bezahlten Posten im staatlichen Literatursystem. &#8220;Aber dann kam das Jahr 1989, das alles verändert hat&#8221;, erzählt Liao.</p>
<p>Obwohl er das Blutbad auf Pekings Platz des Himmlischen Friedens nur aus dem über tausend Kilometer entfernten Chongqing mitbekam, war der junge Autor schockiert. Seiner Verzweiflung machte er in einem Gedicht mit dem Titel &#8220;Massaker&#8221; Luft, das auf Kassetten verbreitet wurde und bei Chinas Jugend schnell Kultstatus erlangte. Zur Strafe wurde er zu vier Jahren Haft verurteilt, wo er von Wärtern und Mithäftlingen misshandelt wurde. Einmal bekam er 23 Tage lang die Hände auf den Rücken gefesselt. Liao erlitt Nervenzusammenbrüche und versuchte sich umzubringen.</p>
<p>Seine Zellengenossen nannten ihn den &#8220;großen Irren&#8221;. Doch das Gefängnis öffnete Liao auch die Augen: Er begann China aus der Perspektive der Schwachen zu sehen und auf die Geschichten derer zu hören, die keine Stimme haben. Aus Liao, dem Dichter, wurde Liao, der Reportageschriftsteller, der das Leben um unteren Ende der chinesischen Gesellschaft dokumentiert. &#8220;Im Nachhinein sehe ich meine Erfahrungen im Gefängnis als ungeheuren Schatz&#8221;, sagt Liao. &#8220;Damals habe ich erkannt, was meine Verantwortung ist: aufschreiben, wie das Leben in China heute wirklich ist.&#8221; Angst vor Repressalien hat er nicht mehr. Was könnte man einem wie ihm noch antun, was er nicht schon erlitten hat? Aus der Erfahrung der Unfreiheit hat er die Freiheit der Unerpressbarkeit gewonnen.</p>
<p>Zwölf Stunden, nachdem Liao Yiwu die Pekinger Passkontrolle passiert hat, sitzt er in Budapest auf dem Flughafen und wartet auf seinen Anschlussflug nach Berlin. Er blättert in seiner Reiselektüre, dem ersten Band des Shiji, des großen Geschichtswerkes des Historikers Sima Qian. &#8220;Es ist ein gutes Buch, um zur Ruhe zu kommen und sich darauf zu besinnen, was wirklich wichtig ist&#8221;, sagt Liao. Im zweiten vorchristlichen Jahrhundert war Sima Qian der Hofgeschichtsschreiber des Kaisers Han Wudi &#8211; schon damals wollten Chinas Herrscher selbst bestimmen, welches Bild die Welt von ihnen haben sollte. Weil Sima Qian sich der Wahrheit mehr verpflichtet fühlte als der imperialen Selbstdarstellung, ließ der Kaiser ihn kastrieren. &#8220;Sima Qian hat damals überlegt, ob es nicht besser sei, Selbstmord zu begehen, aber am Ende entschied er, dass es wichtiger sei, die Wahrheit für die Nachwelt aufzuschreiben&#8221;, erklärt Liao.</p>
<p>Die Einstellung sei für chinesische Intellektuelle typisch: &#8220;Im Westen würde man sagen, dass ein Leben ohne Freiheit nicht lebenswert sei, aber in China sind wir es gewohnt, uns mit Unfreiheit zu arrangieren.&#8221; Auch Chinas Philosophen Konfuzius, Laozi und Zhuangzi seien Getriebene gewesen, die von Land zu Land gezogen seien, stets auf der Suche nach einem Herrscher, der ihnen die Freiheit zum Denken und Reden geben würde. Die berühmten Dichter der Tang- und Song-Dynastie schrieben ihre Werke ebenfalls in der Verbannung. &#8220;China hat eine großartige Kultur und ein miserables System&#8221;, findet Liao. &#8220;Aber wenn wir daran denken, wie schwer die Intellektuellen es früher hatten, sollen wir uns heute nicht beschweren. Immerhin haben wir heute das Internet &#8211; wie mächtig hätten Konfuzius oder Laozi werden können, wenn es damals Twitter gegeben hätte.&#8221;</p>
<p>Hat die Regierung Liao deshalb reisen lassen, weil sie gegen das Internet nicht ankommt? Liao weiß es nicht. Vielleicht hat Deutschlands diplomatisches Engagement Früchte getragen &#8211; das Kanzleramt und das Außenministerium hatten sich für den Autor eingesetzt. Womöglich will Peking vermeiden, dass bald jedes Literaturfest der Welt Liao einlädt und damit chinakritische Schlagzeilen kreiert. Soll die Freiheit für einen Einzelnen die Unfreiheit für viele bemänteln?</p>
<p>Am Gepäckbank in Berlin steht Liao vor dem Plakat einer Autovermietung, die mit dem Wortspiel &#8220;Freiheit für alle&#8221; wirbt. Liao kann darüber lachen, ein wenig zumindest. &#8220;Ich bin gespannt darauf, was Freiheit in einem Land wie Deutschland tatsächlich bedeutet&#8221;, sagt er. Doch sein Heil im Exil suchen, wie es viele andere chinesische Schriftsteller tun, will er auf keinen Fall. &#8220;Ich kann wirklich nicht sagen, dass ich China lieben würde&#8221;, meint Liao. &#8220;Aber meine Arbeit &#8211; die liebe ich über alles.&#8221;</p>
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