Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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Der Aufklärer

Der Fernsehhistoriker Yi Zhongtian erklärt seinen Landsleuten, was es bedeutet, Chinese zu sein.

Yi_Zhongtian_2_(Copyright_Martin_Gottske)„Immanuel Kant für alle, Aufklärung in 20 oder 30 Sendungen, das wär’s!“ Der Professor presst die Lippen zusammen, eine Angewohnheit, mit der er sich das Lachen unterdrückt. Er genießt es zuzuschauen, wie es in den Köpfen seiner Zuhörer rattert, wie sie sich fragen, wo er diesen Einfall nun wieder hergenommen hat und wohin er ihn führen will. Wenn er in Fahrt ist, macht er dieses Gesicht nach jedem zweiten Satz. „Und dann Hegel“, fügt er hinzu. „Da könnten wir Chinesen wirklich etwas fürs Leben lernen.“

Er trinkt Drachenbrunnentee, vorgebeugt, um sich nicht zu bekleckern. Das also ist er: Yi Zhongtian ist Chinas berühmtester Historiker, der Hauslehrer der Nation, der seinen Landsleuten Woche für Woche im Fernsehen erklärt, was es bedeutet, Chinese zu sein…

Bernhard Bartsch | 23. November 2007 um 02:33 Uhr

 

Der letzte Kaiser

Japans Kaiserfamilie ist die älteste Adelsdynastie der Welt. In bester Zen-Tradition dient sie als Meditationsvorlage für Nationalisten, Voyeure und Harmonieselige.

Der Leidensweg von Masako Owada begann an einem Freitag, 2624 Jahre vor ihrer Geburt, am 11.Februar des Jahres 660 vor Christus. An jenem Wintermorgen, so verzeichnen es die japanischen Annalen, schickte die Sonnengöttin Amaterasu ihren Sohn Jimmu auf die Erde, um dort das «Reich der aufgehenden Sonne» zu gründen. Der Götterspross machte seine Sache gut, seine Nachfahren sind heute die älteste Herrscherdynastie der Welt…

Bernhard Bartsch | 21. Oktober 2007 um 10:17 Uhr

 

Brett für die Welt

Go, das jahrtausendealte Strategiespiel, erlebt in seinem Ursprungsland China eine gewaltige Renaissance. Wer das Spiel beherrscht, trifft sein Leben lang die richtigen Entscheidungen, behaupten seine Anhänger – und lassen deshalb schon die Kleinen trainieren.

Sun Haopeng sitzt bewegungslos wie eine Wachsfigur und starrt konzentriert auf das Schlachtfeld. Nach links sind seiner Armee alle Wege abgeschnitten, und die kleine Truppe rechts unten droht vom Feind umzingelt zu werden. Allerdings bieten die gegnerischen Stellungen genau dort eine offene Flanke. Soll er angreifen, oder handelt es sich um einen Hinterhalt?

Bernhard Bartsch | 15. Januar 2004 um 13:11 Uhr

 

“Don’t save Private Ryan”

Wang Yuan, Fernsehstar und Chinas bekanntester Go-Experte, über traditionelle Listen, virtuelle Schlachten und strategisches Schwarz-Weiß-Denken.

Frage: Herr Wang, Sie sind in China ein Star, weil Sie im chinesischen Fernsehen regelmäßig vor einem Go-Brett über weiße und schwarze Steine sprechen. Warum schauen die Leute sich das an?

Wang Yuan: Weil es nicht um Spielsteine geht, sondern um eine höchst dramatische Handlung…

Bernhard Bartsch | 15. Januar 2004 um 12:22 Uhr