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	<title>Bernhard Bartsch &#187; Krieg</title>
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	<description>TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN</description>
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		<title>George Washington soll Kim Jong-un einschüchtern</title>
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		<pubDate>Wed, 24 Nov 2010 12:02:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<description><![CDATA[<h3>Nach dem Angriff aus dem Norden unterstützen die USA ihren Verbündeten im Süden und verlegen einen Flugzeugträger ins Gelbe Meer.</h3>
Ein südkoreanisches Manöver war der Anlass für das tödliche Feuergefecht an der innerkoreanischen Grenze - und ein Manöver soll auch Seouls Antwort sein. Einen Tag, nachdem Nordkoreas Armee beim Beschuss der südkoreanischen Insel Yeonpyeong zwei Soldaten und zwei Zivilisten tötete, zwanzig Menschen verletzte und dutzende Häuser zerstörte, haben die Regierungen in Seoul und Washington demonstrativ eine gemeinsame Marineübung beschlossen. Dafür wird unter anderem der US-Flugzeugträger "George Washington" ins Gelbe Meer verlegt...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Nach dem Angriff aus dem Norden unterstützen die USA ihren Verbündeten im Süden und verlegen einen Flugzeugträger ins Gelbe Meer.</h3>
<p>Ein südkoreanisches Manöver war der Anlass für das tödliche Feuergefecht an der innerkoreanischen Grenze &#8211; und ein Manöver soll auch Seouls Antwort sein. Einen Tag, nachdem Nordkoreas Armee beim Beschuss der südkoreanischen Insel Yeonpyeong zwei Soldaten und zwei Zivilisten tötete, zwanzig Menschen verletzte und dutzende Häuser zerstörte, haben die Regierungen in Seoul und Washington demonstrativ eine gemeinsame Marineübung beschlossen. Dafür wird unter anderem der US-Flugzeugträger &#8220;George Washington&#8221; ins Gelbe Meer verlegt.</p>
<p>Bei einem der schwersten militärischen Zwischenfälle seit dem Ende des Koreakriegs vor 57 Jahren hatte Nordkorea am Dienstag 170 Granaten über die Grenze geschickt, nachdem südkoreanische Kriegsschiffe im Rahmen eines Manövers 20 Kilometer südlich der umstrittenen Seegrenze Schüsse ins Meer abgefeuert hatten. Südkoreas Armee beantwortete den Angriff mit 80 Kanonenschüssen und erklärte, dass es möglicherweise auch auf nordkoreanischer Seite Tote gegeben habe. Wie bei innerkoreanischen Scharmützeln üblich, hat Pjöngjang keinerlei Angaben zu eigenen Opfern gemacht.</p>
<p>Die Bundesregierung kritisierte den Beschuss in ungewöhnlich scharfer Form und bestellte den Botschafter Nordkoreas ein. &#8220;Eine solche Aggression ist durch nichts zu rechtfertigen&#8221;, sagte Bundesaußenminister Guido Westerwelle gestern im Bundestag. Die internationale Gemeinschaft werde sich nicht erpressen lassen.</p>
<p>Südkoreas Verteidigungsminister Kim Tae-young zeigte sich überzeugt, dass hinter der nordkoreanischen Aggressivität innenpolitische Motive stecken. &#8220;Unser Urteil ist, dass Nordkorea den Angriff benutzt hat, um den Nachfolgeprozess im Land zu stärken und die Führungsstärke von Kim Jong-un unter Beweis zu stellen&#8221;, sagte der Minister vor dem Parlament. Der auf etwa 27 Jahre geschätzte Kim Jong-un, jüngster Sohn von Diktator Kim Jong-il, war im September offiziell zum Machterben und stellvertretenden Vorsitzenden der Militärkommission erhoben worden. Er gilt im Militär als unbeliebt und westlichen Geheimdiensten zufolge bereits im März mit dem Abschuss des südkoreanischen Kriegsschiffes Cheonan versucht haben, sich Autorität zu verschaffen. Damals starben 46 Soldaten. Zudem war bekannt geworden, dass Pjöngjang in den vergangenen anderthalb Jahren in aller Heimlichkeit eine Fabrik zur Urananreicherung gebaut hat, in der auch Nuklearwaffenmaterial hergestellt werden könnte.</p>
<p>Während Experten davon ausgehen, dass Nordkorea mit den Provokationen seine Verhandlungsposition bei einer neuen Runde der Sechs-Parteien-Gespräche verbessern will, um die Diplomaten derzeit ringen, versuchen Südkorea und die USA zu zeigen, dass sie sich durch Nordkoreas Gewalt nicht zu Zugeständnissen zwingen lassen. Das geplante Manöver solle die &#8220;Stärke des Bündnisses und das Bekenntnis zu Frieden und Sicherheit in der Region&#8221; demonstrieren, sagte US-Präsident Barack Obama seinem südkoreanischen Amtskollegen Lee Myung-bak in einem Telefonat. Man werde weiterhin &#8220;Schulter an Schulter&#8221; stehen. Gleichzeitig rief Obama erneut China auf, seinen Einfluss auf Nordkorea geltend zu machen. Peking müsse Nordkoreas Regierung drängen, &#8220;eine Reihe von internationalen Regeln zu beachten, an die sie sich halten müssen&#8221;.</p>
<p>China kommt in dem Konflikt eine Schlüsselrolle zu. Dabei unterscheiden sich Pekings Interessen von denen der anderen Parteien. Zwar will die chinesische Regierung eine Eskalation der Gewalt auf der koreanischen Halbinsel vermeiden. Doch sieht die Volksrepublik das kleine Nachbarland als exklusive wirtschaftliche Einflusszone und nimmt es immer wieder gegen politischen Druck in Schutz. US-Wissenschaftler äußerten jüngst sogar den Verdacht, dass Nordkoreas neue Urananreicherungsanlage mit chinesischer Hilfe errichtet worden sei.</p>
<p>Obwohl es gestern zu keinen neuen Gewaltausbrüchen kam, ist Südkoreas Armee weiter in höchster Alarmbereitschaft. In südkoreanischen Häfen wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Der Schiffsverkehr laufe aber ungestört weiter, erklärte ein Sprecher des Hafens Incheon. Südkoreas Wiedervereinigungsministerium kündigte an, versprochene Hilfslieferungen für Nordkorea vorerst zurückzuhalten. Auch Nichtregierungsorganisationen seien angewiesen worden, Hilfe im Wert von rund 1,7 Millionen Euro nicht auszuliefern.</p>
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		<title>Koreanisches Theater</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Jun 2010 00:35:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<category><![CDATA[Militär]]></category>
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		<description><![CDATA[<h3>Vor 60 Jahren brach der Koreakrieg aus – und ist bis heute nicht beendet. Ein Besuch bei den US-Soldaten, die den Waffenstillstand am 38. Breitengrad sichern.</h3>
Das "Affenhaus" bleibt heute leer. Die Spitzengardinen hinter den Fenstern der grauen Baracke sind zugezogen, die Türen versperrt ein Kettenschloss. "Manchmal schleichen sich die Nordkoreaner dort hinein und reißen plötzlich die Vorhänge auf, um uns den Vogel oder den Mittelfinger zu zeigen", erklärt Sean Howard. "Aber wir ignorieren sie. Das hier ist kein Ort für Albereien: Jede Provokation könnte zu einem militärischen Zwischenfall führen."...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Vor 60 Jahren brach der Koreakrieg aus – und ist bis heute nicht beendet. Ein Besuch bei den US-Soldaten, die den Waffenstillstand am 38. Breitengrad sichern.</h3>
<p>Das &#8220;Affenhaus&#8221; bleibt heute leer. Die Spitzengardinen hinter den Fenstern der grauen Baracke sind zugezogen, die Türen versperrt ein Kettenschloss. &#8220;Manchmal schleichen sich die Nordkoreaner dort hinein und reißen plötzlich die Vorhänge auf, um uns den Vogel oder den Mittelfinger zu zeigen&#8221;, erklärt Sean Howard. &#8220;Aber wir ignorieren sie. Das hier ist kein Ort für Albereien: Jede Provokation könnte zu einem militärischen Zwischenfall führen.&#8221;</p>
<p>Howard trägt einen hellen Anzug in Tarnfarben, Springerstiefel, eine Pistole am Gürtel und Abzeichen, die ihn als Private First Class ausweisen, als Obergefreiten. Eine tiefschwarze Sonnenbrille verhindert jeden Blickkontakt. &#8220;Wir wollen mit unseren Feinden kein Augenstechen spielen&#8221;, sagt der Soldat und meint das Spiel, bei dem zwei sich anstarren, bis einer blinzelt.</p>
<p>Howard diente im Irak, bevor die US-Armee ihn ins &#8220;Korean theater&#8221; schickte, wie das Grenzgebiet zwischen Nord- und Südkorea im US-amerikanischen Militärjargon heißt. 28.500 US-Soldaten sind auf der Halbinsel stationiert, doch an vorderster Front steht nur ein kleines Bataillon, das den Frieden in der sogenannten Gemeinsamen Sicherheitszone der Vereinten Nationen gewährleisten soll: Sechs Militärbaracken aus Fertigteilen, genau über dem Grenzstreifen platziert, sollen im Ernstfall als Räume für Krisengespräche bereitstehen.</p>
<p>&#8220;Die Gebäude wurden 1953 errichtet, um den Waffenstillstand des Koreakriegs auszuhandeln&#8221;, erklärt Howard. &#8220;Sie sind bis heute mit T für ,temporär gekennzeichnet. Damals dachte man, dass dem Ende der Kampfhandlungen bald ein Friedensvertrag folgen würde.&#8221; Stattdessen geht der Konflikt im Korean theater an diesem Freitag in sein siebtes Jahrzehnt. &#8220;Theater&#8221;, das heißt im militärischen Englisch Kriegsschauplatz. Aber es heißt eben auch Theater.</p>
<p>Die kleine UN-Sicherheitszone, gut einen halben Quadratkilometer groß, ist der einzige Ort entlang der 250 Kilometer langen Grenze, an dem sich Soldaten beider Seiten unmittelbar gegenüberstehen. Die Koreaner nennen ihn bis heute Panmunjom &#8211; so hieß das Dorf, das hier einst zwischen die Fronten geriet. Wo früher Bauern Reis und Gemüse anpflanzten und in die 50 Kilometer südlich gelegene Metropole Seoul verkauften, spielt sich heute en miniature der große Konflikt ab, dessen teils grausame, teils bizarre Episoden seit 60 Jahren das Leben der insgesamt 75 Millionen Koreaner bestimmt.</p>
<p>&#8220;Auf den ersten Blick mag es einem hier friedlich erscheinen&#8221;, sagt Lieutenant Colonel John Rhodes, der Kommandeur des Sicherheitsbataillons, beim Rundgang über Camp Bonifas. Hier sind 500 US-amerikanische und südkoreanische Bewacher gemeinsam stationiert. Neben den Wohn- und Bürobauten stehen ein Laden, ein Internetcafé, eine Kirche. Es gibt Baseball- und Basketball-Plätze und einen Ein-Loch-Golfplatz, den Rhodes stolz die &#8220;gefährlichste Golfanlage der Welt&#8221; nennt. &#8220;Man darf sich nicht täuschen lassen: Die Nordkoreaner sind unberechenbar und können jederzeit etwas sehr Dummes tun&#8221;, erklärt er.</p>
<p>Der Komandeur erinnert damit an den Abschuss des südkoreanischen Kriegsschiffs Cheonan Ende März. Dabei starben 46 südkoreanische Matrosen. &#8220;Es war der schwerste Zwischenfall seit Ende des Koreakriegs&#8221;, betont Rhodes. &#8220;Das ist eben typisch für Nordkorea: Jahrelang passiert nichts, aber dann schlagen sie zu &#8211; und unser Job ist es, darauf vorbereitet zu sein.&#8221;</p>
<p>Auf Regierungsebene hat der Cheonan-Zwischenfall zu einer Eiszeit geführt &#8211; und zum endgültigen Ende der &#8220;Sonnenscheinpolitik&#8221;, in die Koreaner auf beiden Seiten zehn Jahre lang ihre Hoffnung auf eine Annäherung setzten. Ende Mai kappte Seoul fast alle Handelsverbindungen mit dem Norden und kündigte demonstrative Marine-Manöver an. Pjöngjang soll im Gegenzug im Mai erneut Nuklearexperimente durchgeführt haben, wie südkoreanische Wissenschaftler aus Luftproben von der Grenze schließen. Nun droht Nordkorea gar mit einem &#8220;totalen Krieg&#8221;.</p>
<p>Doch obwohl politisch scharf geschossen wird, herrscht im Waffenstillstandsdorf Panmunjom weiter eiserne Ruhe. &#8220;Es gibt keine Zeichen für eine Mobilmachung des Nordens&#8221;, sagt Rhodes. Ein striktes Protokoll regelt den Alltag. Auf ihren Patrouillengängen notieren die Soldaten penibel alle Vorkommnisse auf der anderen Seite. Je weniger es sind, umso größere Bedeutung messen sie jedem einzelnen zu. Zum eigenen Schutz tragen die Soldaten nur leichte Handfeuerwaffen.</p>
<p>Einmal am Tag überprüfen die Soldaten, ob das Krisentelefon zu den Nordkoreanern intakt ist. In normalen Zeiten heben die Nordkoreaner den Hörer ab und legen gleich wieder auf &#8211; ohne ein Wort zu sprechen. In schlechten Zeiten lassen sie es klingeln. Dann greift sich der UN-Kommandeur ein Megaphon, eilt zusammen mit einem Übersetzer an die Grenzlinie und ruft den nordkoreanischen Wachposten zu, doch bitte ans Telefon gehen zu gehen, wenn´s läutet. &#8220;Manchmal geht das tagelang so&#8221;, erklärt Rhodes. Er will nicht sagen, wie die Kommunikation derzeit so läuft im Korean theater.</p>
<p>Obwohl Nordkoreas Volksarmee mit 1,2 Millionen Soldaten fast doppelt so groß ist wie die Streitkräfte im Süden, wäre sie deren technischer Übermacht im Kriegsfall kaum gewachsen. Weil aber ein Drittel der Südkoreaner innerhalb der Reichweite von nordkoreanischen Kurzstreckenraketen lebt, stellt der rückständige Norden für den entwickelten Süden eine ernste Bedrohung dar. &#8220;Kim Jong Il könnte den Süden nie besiegen, aber er könnte große Zerstörung anrichten&#8221;, sagt der 78-jährige südkoreanische Friedensaktivist und Koreakriegsveteran Kim Sang Hun. &#8220;Die junge Generation kann sich heute zwar nicht mehr vorstellen, dass es noch einmal einen Krieg geben könnte, aber für die Älteren unter uns ist er immer noch präsent.&#8221;</p>
<p>Der Krieg: Das ist für die Koreaner ein zutiefst prägendes Moment ihrer Identität. Immer wieder bemächtigten sich die regionalen Großmächte der strategisch wichtigen Halbinsel. Die Eigenheiten ihrer Bewohner interessierten sie wenig &#8211; bis heute betrachten viele Chinesen und Japaner Korea als schlechte Kopie ihrer jeweils eigenen Kultur.</p>
<p>Koreas letzte Phase echter nationaler Selbstständigkeit liegt inzwischen über hundert Jahre zurück: Anfang des 20. Jahrhunderts kolonialisierten die Japaner die Halbinsel, in der Hoffnung, sie als Brückenkopf für die Eroberung Chinas zu nutzen. Nachdem Tokios Träume einer &#8220;Großasiatischen Wohlstandssphäre&#8221; 1945 in den Trümmern von Hiroshima und Nagasaki untergegangen waren, beschlossen die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs in Potsdam die Teilung der Halbinsel: Nördlich des 38. Breitengrades übernahmen die Sowjets die Kontrolle, südlich davon die US-Amerikaner. &#8220;Niemand hätte gedacht, dass der 38. Breitengrad eine permanente Trennungslinie werden könnte&#8221;, sagt der Politologe Andrei Lankov von der Kookmin-Universität in Seoul.</p>
<p>Doch ausgerechnet ein Wiedervereinigungsversuch zementierte die Teilung: Am 25. Juni 1950, heute vor 60 Jahren, startete die von Moskau installierte nordkoreanische Regierung des Revolutionsführers Kim Il Sung einen Überraschungsangriff und drängte die südkoreanischen und amerikanischen Truppen zunächst bis auf die Südspitze der Halbinsel zurück. Doch die USA konterten an der Spitze einer internationalen Allianz, gegen die sich die Nordkoreaner nur mit massiver Unterstützung Chinas erwehren konnten. Drei Jahre und schätzungsweise drei Millionen Tote später standen beide Seiten wieder dort, wo sie angefangen hatten: am 38. Breitengrad.</p>
<p>Am 27. Juli 1953 unterzeichneten beide Seiten in Panmunjom einen Waffenstillstandsvertrag. Dass die innerkoreanische Grenze seitdem die am schärfsten bewachte und am wenigsten durchlässige auf dem Globus ist, legte die Grundlage für die unterschiedlichen Entwicklungen der beiden Koreas: Während der Norden heute isoliert und eines der ärmsten Länder der Welt ist, wuchs Südkorea zu einer wohlhabenden Industrienation heran. Die Amerikaner engagierten sich in Südkorea keineswegs als Förderer der Demokratie. &#8220;Die USA hatten nur ihre regionalen Machtinteressen im Kopf und arbeiteten bereitwillig mit Südkoreas Militärdiktatoren&#8221;, sagt Aktivist Kim. &#8220;Unsere Demokratie haben wir uns selbst erkämpft.&#8221;</p>
<p>Obwohl die USA in Südkorea nicht sonderlich beliebt sind und es in den vergangenen Jahren immer wieder antiamerikanische Proteste gab, erkennt die Mehrheit der Südkoreaner an, dass sie der US-Präsenz einen großen Teil ihres Fortschritts verdanken. &#8220;Ohne die USA wäre Südkorea nicht so sicher und modern&#8221;, sagt Kim. Auch in Washington sieht man Korea als Beweis dafür, dass die Welt Amerikas militärisches Engagement braucht. Wenn den Amerikanern im Nahen Osten vorgeworfen wird, Stabilität eher zu zerstören als zu schaffen, so verweisen sie auf Ostasien, wo sie seit 57 Jahren ein Wiederaufflammen des Koreakriegs verhindern.</p>
<p>&#8220;Es geht um viel mehr als um die koreanische Halbinsel&#8221;, sagt Rhodes bei Burger und Tacos in der Kantine. Hinter der Theke hängen Fotos von US-Prominenten, die zur Hebung der Truppenmoral auf Besuch waren, zuletzt Countrysänger Toby Keith und die Dallas Cowboys Cheerleaders. Auf einem großen Bildschirm läuft ein Zeichentrickfilm. Neben dem Billardtisch liegen Stapel mit Flugblättern zum Umgang mit Gefechtsstress oder sexueller Belästigung. &#8220;Wenn es hier zu einem Zusammenstoß kommt, beeinträchtigt das die Stabilität in der ganzen Region&#8221;, erklärt Rhodes, &#8220;China, Russland, Japan &#8211; alle mischen in diesem Konflikt mit.&#8221;</p>
<p>Dass der Vorhang fällt im Korean theater, ist in der gegenwärtigen Lage nicht zu erwarten. Für einen Abzug der US-Truppen gibt es keine Pläne, auch wenn das Kommando im Kriegsfall ab 2012 der koreanische Generalstab führen soll. &#8220;Wir sind auf Bleiben eingestellt&#8221;, sagt Rhodes. Für ihn selbst geht es Ende des Jahres weiter: Zu seinem dritten Irak-Einsatz. Glücklich ist er darüber nicht. &#8220;Eigentlich hatte ich auf Afghanistan gehofft&#8221;, erklärt er. &#8220;Im Irak bilden wir vor allem irakische Truppen aus, aber in Afghanistan gibt es richtige Kampfeinsätze &#8211; und das ist es doch, wofür wir eigentlich in diesem Job sind.&#8221;</p>
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		<title>Pünktliche Provokation</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Nov 2009 20:11:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>Vor dem Südkorea-Besuch von US-Präsident Obama provoziert Pjöngjang ein Seegefecht im Gelben Meer.</h3>
Kim Jong-il gilt als Mann mit diplomatischem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom – und pünktlich zur Asienreise von US-Präsident Barack Obama, die auch nach Südkorea führen wird, steht Nordkoreas Diktator nun wieder im Mittelpunkt. Schiffe der nord- und südkoreanischen Marine lieferten sich im Gelben Meer einen Schusswechsel, wobei das direkte Feuer offenbar Kims Soldaten eröffneten...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Vor dem Südkorea-Besuch von US-Präsident Obama provoziert Pjöngjang ein Seegefecht im Gelben Meer.</h3>
<p>Kim Jong-il gilt als Mann mit diplomatischem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom – und pünktlich zur Asienreise von US-Präsident Barack Obama, die auch nach Südkorea führen wird, steht Nordkoreas Diktator nun wieder im Mittelpunkt. Schiffe der nord- und südkoreanischen Marine lieferten sich im Gelben Meer einen Schusswechsel, wobei das direkte Feuer offenbar Kims Soldaten eröffneten. Es fällt schwer, an einen Zufall zu glauben. Seit jeher benutzt Kim militärische Provokationen, um sich in der Welt Gehör zu verschaffen. Ein anderes Mittel steht dem Tyrannen auch gar nicht zur Verfügung.</p>
<p>Der Zwischenfall könnte nach einigen Monaten der Annäherung eine erneute Verschlechterung der Beziehungen einläuten könnte. Nach Darstellung des Generalstabs in Seoul soll ein nordkoreanisches Patrouillenboot die umstrittene Demarkationslinie im Gelben Meer verletzt und anderthalb Kilometer in südkoreanisches Gewässer eingedrungen sein. Als die Südkoreaner Warnschüsse in die Luft schossen, eröffneten die Nordkoreaner demnach das direkte Feuer. In dem folgenden Schusswechsel sei das nordkoreanische Schiff schwer getroffen worden und schließlich brennend umgekehrt. Südkoreas Boot wurde von 15 Kugeln getroffen, blieb ansonsten aber unversehrt. Über Opfer wurde zunächst nichts bekannt.</p>
<p>Nordkoreas Oberkommando sprach seinerseits von einer „ernsten bewaffneten Provokation“ des Südens und forderte eine Entschuldigung. Das eigene Schiff habe ein „unidentifiziertes Objekt“ untersucht und sich bereits auf dem Rückweg befunden, als die südkoreanische Marine die Verfolgung aufgenommen habe. „Das Patrouillenboot, das immer einsatzbereit war, verlor keine Zeit und reagierte mit einem prompten Vergeltungsschlag“, hieß es in einer Meldung der offiziellen Nachrichtenagentur KCNA. Pjöngjang hatte Seoul schon Mitte Oktober beschuldigt, Kriegsschiffe in seine Hoheitsgewässer vor der Westküste geschickt zu haben, und drohte mit Militäraktionen.</p>
<p>Der Grenzverlauf vor der koreanischen Westküste ist seit dem Koreakrieg (1950 bis 1953) umstritten. Nach dem Waffenstillstand zog der damalige Kommandeur der Uno-Truppen einseitig eine Linie zur Festlegung der Seegrenze im Gelben Meer. Nordkorea erkennt diese sogenannte Nördlichen Grenzlinie (NLL) nicht an, respektiert sie in Zeiten guter Beziehungen mit dem Süden aber trotzdem. Verschlechtert sich das Verhältnis, kommt es dagegen regelmäßig zu Konfrontationen. 1999 und 2002 ereigneten sich blutige Zwischenfällen, 2002 kamen sechs südkoreanische Seeleute ums Leben. Nach Angaben des Generalstabs in Seoul haben nordkoreanische Marineschiffe die NLL dieses Jahr bereits 22 Mal übertreten.</p>
<p>Südkoreas Präsident Lee Myung-bak warnte bei einer Krisensitzung vor einer Verschärfung der Situation und rief das Militär zu entschiedenem, aber ruhigem Handeln auf. Politiker waren sich zunächst uneinig, wie der Vorfall zu bewerten sei. Südkoreas Premierminister Chung Un-chan sprach seinerseits also von einem „zufälligen Zusammenstoß“. Verteidigungsminister Kim Tae-Young erklärte dagegen, er gehe davon aus, dass die Nordkoreaner sich „der Eindringung klar bewusst“ gewesen seien. „Der Norden hat das Feuer eröffnet und direkt auf unser Schiff gezielt“, sagte er. Das aggressive Verhalten könnte nach Meinung von Experten als Signal an die USA gedacht sein, Nordkorea nicht zu unterschätzen.</p>
<p>Dabei hatte sich noch am Montag neue Bewegung im Nordkoreakonflikt abgezeichnet. Die Beziehungen hatten Ende Mai einen Tiefpunkt erreicht, nachdem Pjöngjang seinen zweiten Atombombentest absolviert hatte. Nach monatelangem diplomatischem Tauziehen hat Washington bilateralen Gesprächen mit Pjöngjang zugestimmt. Medienberichten zufolge will Obama seinen Sondergesandten Stephen Bosworth als Sondergesandten nach Nordkorea schicken, um über das nordkoreanische Atomprogramm zu verhandeln. Kim hat direkte Kontakte mit den USA zur Bedingung für eine Rückkehr zu den Pekinger Sechs-Parteien-Gesprächen an denen neben den beiden Koreas und den USA auch China, Russland und Japan teilnehmen. Trotz des Entgegenkommens scheint Washington aber darum bemüht, sich im Atomstreit nicht wieder auf Kim Jong-ils Hinhaltetaktik einzulassen. Stattdessen will Obama auf Lees Kurs einschwenken, der eine härtere Gangart verlangt. Anders als seine Vorgänger, die im Rahmen der sogenannten Sonnenscheinpolitik regelmäßig Zugeständnisse machten und im Gegenzug Fortschritte erwarteten, setzt Lee auf eine einmalige Lösung. Die US-Regierung sprach Lee bereits ihre Unterstützung für einen solchen sogenannten „Grand Bargain“ aus.</p>
<p>Doch Kim hat derzeit Oberwasser. Erst im Oktober hat ihm seine Schutzmacht China politisch den Rücken gestärkt hat. Premierminister Wen Jiabao besuchte als erster chinesischer Regierungschef seit 18 Jahren Pjöngjang und beschwor den Zusammenhalt beider Länder. Peking hat allen Grund, Kims Regime zu Stützen. China braucht Nordkorea nicht nur als Pufferstaat zu der in Südkorea stationierten US-Armee. Die Chinesen genießen auch exklusiven Zugang zu Nordkoreas Rohstoffen. Insbesondere die reichen Uran-Vorkommen sind für Peking von strategischer Bedeutung, um den Bau von dutzenden Atomkraftwerke voranzutreiben, deren Reaktoren China nicht mit eigenem Kernmaterial bestücken kann. Nordkoreas Atomwaffenkonflikt ist also auch ein chinesisches Atomkraftproblem. Dieser gordische Knoten lässt sich nicht einfach zerschlagen.</p>
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		<title>Karadzics Richter</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Nov 2009 02:19:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Justiz]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
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		<description><![CDATA[<h3>Der Südkoreaner O-gon Kwon leitet den Prozess gegen den früheren bosnischen Serbenführer.</h3>
Der Gerechtigkeit eine Bühne geben, nicht Radovan Karadzic - das ist die Vorgabe, an der O-Gon Kwon im wichtigsten Prozess seines Lebens gemessen werden wird. Der südkoreanische Richter leitet beim Kriegsverbrechertribunal in Den Haag das Verfahren gegen den früheren Führer der bosnischen Serben. Der mutmaßliche Kriegsverbrecher will die Verhandlung sabotieren...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Der Südkoreaner O-gon Kwon leitet den Prozess gegen den früheren bosnischen Serbenführer.</h3>
<p>Der Gerechtigkeit eine Bühne geben, nicht Radovan Karadzic &#8211; das ist die Vorgabe, an der O-Gon Kwon im wichtigsten Prozess seines Lebens gemessen werden wird. Der südkoreanische Richter leitet beim Kriegsverbrechertribunal in Den Haag das Verfahren gegen den früheren Führer der bosnischen Serben. Der mutmaßliche Kriegsverbrecher will die Verhandlung sabotieren und blieb dem Prozessauftakt kurzerhand fern. Doch Kwon ließ sich nicht auf Karadzics Finten ein. Gestern ließ er dem Angeklagten ausrichten, er werde das Recht auf die Führung seiner eigenen Verteidigung verlieren und einen juristischen Pflichtbeistand erhalten, wenn er nicht zur Sitzung erscheine. Karadzic kündigte dem Gericht daraufhin an, heute vor Gericht zu erscheinen.</p>
<p>Der erste Punktsieg geht an Kwon. Doch dem Tribunal stehen noch zahlreiche weitere Schlagabtausche bevor, und von Kwons Verhandlungsführung wird abhängen, ob das Uno-Tribunal seinem Anspruch gerecht werden kann, &#8220;Kriegsverbrecher zur Rechenschaft zu ziehen und Opfern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen&#8221;. Eine heikle Aufgabe, auf die selbst ein erfahrender Spitzenjurist wie Kwon nur bedingt vorbereitet ist.</p>
<p>1953 in der Stadt Cheongju geboren, studierte Kwon Recht an der Seoul National University, Südkoreas führender Eliteschmiede, und später in Harvard. Seine berufliche Laufbahn begann Kwon 1979 beim Bezirksgericht in Seoul. Ein Jahr später wechselte er in den juristischen Beraterstab des Präsidenten. Von da an hielt er abwechselnd Posten an Gerichten und in der Verwaltung. Unter anderem war er Planungsdirektor des Justizministeriums und Mitglied von Südkoreas Oberstem Gerichtshof. Im Jahr 2001 wurde er nach Den Haag geschickt.</p>
<p>Seitdem ist Kwon mit der juristischen Aufarbeitung des Balkankrieges beschäftigt. So gehörte er zu den Richtern, die den Prozess gegen Karadzics alten Gegenspieler Slobodan Milosevic führten. Das Verfahren wurde für das Tribunal zum Stresstest. Ein ums andere Mal gelang es Milosevic, den Prozess als Bühne für eine letzte Abrechnung mit seinen Gegnern zu nutzen. Im Jahr 2006 starb er in seiner Zelle, noch ehe das Urteil gesprochen werden konnte. Kwon, der während des Prozesses Morddrohungen erhielt, wurde zwei Monate lang unter Polizeischutz gestellt. Doch statt sich zum Rückzug zwingen zu lassen, übernahm Kwon im vergangenen Jahr das Amt des Vizepräsidenten des Tribunals. Im Prozess gegen Karadzic will er im Gespann mit dem britischen Richter Howard Morrison und Melville Baird aus Trinidad und Tobago aus den Fehlern der Milosevic-Verhandlungen lernen und sich nicht noch einmal vorführen lassen. Um das Verfahren schnell vorantreiben zu können, haben sie die Anklagebehörde aufgefordert, nicht allzu viele Zeugen vorzuladen. Dennoch werden die Ankläger wohl mehr als 500 Zeugen vernehmen. Kwon geht davon aus, dass der Prozess frühestens im Jahr 2012 enden wird.</p>
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		<title>Kim will wieder Bomben bauen</title>
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		<pubDate>Wed, 15 Apr 2009 00:05:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>Nordkorea will sein Nuklearprogramm reaktivieren und nie wieder über dessen Einstellung verhandeln.</h3>
Nordkoreas Diktator Kim Jong Il lässt den Streit über sein Atomwaffenprogramm weiter eskalieren. Einen Tag nach der Verurteilung von Pjöngjangs jüngstem Raketentest durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UN) kündigte das erzkommunistische Land am Dienstag die Wiederaufnahme seiner Nuklearforschung an - und drohte damit, künftig nicht mehr über dessen Einstellung verhandeln zu wollen...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Nordkorea will sein Nuklearprogramm reaktivieren und nie wieder über dessen Einstellung verhandeln.</h3>
<p>Nordkoreas Diktator Kim Jong Il lässt den Streit über sein Atomwaffenprogramm weiter eskalieren. Einen Tag nach der Verurteilung von Pjöngjangs jüngstem Raketentest durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UN) kündigte das erzkommunistische Land am Dienstag die Wiederaufnahme seiner Nuklearforschung an &#8211; und drohte damit, künftig nicht mehr über dessen Einstellung verhandeln zu wollen.</p>
<p>&#8220;Wir werden nie wieder an diesen Gesprächen teilnehmen&#8221;, erklärte das Außenministerium mit Blick auf die Pekinger Sechs-Parteien-Runde, in der Nordkorea 2007 mit China, den USA, Russland, Südkorea und Japan den Stopp seines Atomwaffenprogramms ausgehandelt hatte &#8211; im Gegenzug zu umfangreichen Hilfslieferungen. Angesichts der jüngsten Entwicklungen sei der Verhandlungsmechanismus &#8220;nicht länger nötig&#8221;, hieß es in einer von der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA verbreiteten Meldung.</p>
<p>Pjöngjang erklärte außerdem die Zusammenarbeit mit der internationalen Atomenergiebehörde IAEA für beendet und forderte alle IAEA- Inspekteure zur Ausreise auf. Nordkorea droht damit seine atomare Abschreckung auszubauen.</p>
<p>Der 2008 stillgelegte und teilweise zerstörte Versuchsreaktor Yongbyon, der kernwaffentaugliches Plutonium herstellen könnte, solle reaktiviert werden, um Nordkoreas Abschreckungspotenzial auszubauen. Experten gehen davon aus, dass der Wiederaufbau gut ein Jahr dauern würde.</p>
<p>Pjöngjang hatte am 5. April eine Langstreckenrakete gestartet, die nach Einschätzung westlicher Experten eine Reichweite von mehr als 5000 Kilometern haben könnte. Damit würden Nordkoreas Atomsprengköpfe nicht nur für die verfeindeten Nachbarländer Südkorea und Japan, sondern auch für die USA zur Bedrohung.</p>
<p>Der UN-Sicherheitsrat hatte den Test am Montag einstimmig verurteilt, die Wiederaufnahme der Verhandlungen gefordert und mit Sanktionen gedroht. Eine UN-Resolution aus dem Jahr 2006, mit der die Staatengemeinschaft auf Nordkoreas ersten Atombombentest reagiert hatte, verbietet dem Land alle Versuche mit Nuklearwaffen und ballistischen Raketen. Eine von westlichen Ländern und Japan geforderte neue Resolution scheiterte aber nach langem diplomatischem Tauziehen am Widerstand Chinas und Russlands.</p>
<p>Vorerst kann der Sicherheitsrat dem Wiederholungstäter deshalb nur damit drohen, einen 2006 beschlossenen Ausschuss einzuberufen, der mögliche Zwangsmaßnahmen konkretisieren soll. Kim hatte schon vor dem Raketenstart angekündigt, die Sechsergespräche im Fall einer Verurteilung platzen zu lassen. Er behauptet, bei dem Test handele es sich um einen &#8220;friedlichen Satellitenstart&#8221;. Westliche Raumfahrtexperten glauben jedoch nicht, dass Nordkorea einen Satelliten ins All gebracht hat.</p>
<p>Chinas Regierung, die international als eine Art Schutzmacht des nordkoreanischen Regimes auftritt, versuchte am Dienstag, eine weitere Eskalation zu verhindern. &#8220;Wir hoffen, dass alle Seiten die großen Zusammenhänge im Auge behalten, sich ruhig und zurückhaltend verhalten und die Fortschritte der Sechs-Parteien-Gespräche schützen&#8221;, erklärte Außenministeriumssprecherin Jiang Yu und unterstrich damit Pekings Hoffnung, Nordkorea könne auch diesmal wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren.</p>
<p>Erschienen in: Frankfurter Rundschau: 15. April 2009</p>
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		<title>Nordkorea hält US-Journalistinnen fest</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Mar 2009 04:32:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>Fernsehreporterinnen sollen am nordkoreanisch-chinesischen Grenzfluss gefilmt haben. Ihre Verhaftung könnte ein langes diplomatisches Armdrücken auslösen.</h3>
Nordkorea und den USA droht der nächste Konflikt: Grenzposten des abgeschotteten Landes sollen Anfang der Woche zwei amerikanische Journalistinnen festgenommen haben. Seitdem fehlt von ihnen jede Spur. Südkoreanischen Medienberichten zufolge sollen die Fernsehreporterinnen des kalifornischen Nachrichtennetzwerks Current TV an einem chinesisch-nordkoreanischen Grenzfluss gefilmt haben...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Fernsehreporterinnen sollen am nordkoreanisch-chinesischen Grenzfluss gefilmt haben. Ihre Verhaftung könnte ein langes diplomatisches Armdrücken auslösen.</h3>
<p>Nordkorea und den USA droht der nächste Konflikt: Grenzposten des abgeschotteten Landes sollen Anfang der Woche zwei amerikanische Journalistinnen festgenommen haben. Seitdem fehlt von ihnen jede Spur. Südkoreanischen Medienberichten zufolge sollen die Fernsehreporterinnen des kalifornischen Nachrichtennetzwerks Current TV an einem chinesisch-nordkoreanischen Grenzfluss gefilmt haben. Zwar gibt es für ihr Verschwinden noch keine offizielle Bestätigung, doch sollten die Journalistinnen tatsächlich Nordkoreas Sicherheitskräften in die Hände gefallen sein, dürfte ihr Schicksal zum Spielball eines seit Monaten eskalierenden Konflikts werden: Pjöngjangs wirft Seoul und Washington Feindseligkeit vor, droht mit Krieg und hat die Kommunikation weitgehend abgebrochen.</p>
<p>Was genau sich am Dienstag an der nordkoreanischen Grenze abgespielt hat, lässt sich bisher nur bruchstückhaft rekonstruieren. Der südkoreanische Nachrichtensender YTN berichtete unter Berufung aus diplomatische Kreise, die beiden Reporterinnen, von denen mindestens eine koreanischer Abstammung sein soll, hätten sich auf der chinesischen Seite des Tumen-Flusses befunden und Aufforderungen der nordkoreanischen Grenzposten ignoriert, nicht weiter zu filmen. Daraufhin sollen die Soldaten  den Strom überquert und die Journalistinnen verschleppt haben. Die Nachrichtenagentur AFP will dagegen aus einer anderen diplomatischen Quelle erfahren haben, dass die Frauen selbst den Fluss überquert hätten. China und Nordkorea teilen sich seine 1400 Kilometer lange Grenze, über die jährlich tausende Nordkoreaner aus dem erzkommunistischen Staat flüchten.</p>
<p>Weder die US-Botschaft in Seoul noch das US-Außenministerium wollten sich bisher zu dem Fall äußern. Auch die Außenämter Südkoreas und Chinas machten keine Angaben. Pekings Außenministeriumssprecher Qin Gang erklärte am Donnerstag lediglich, der Fall werde untersucht. Es wäre das erste Mal seit über zehn Jahren, dass Nordkorea ausländische Staatsbürger festhält. Zuletzt war 1996 ein US-Bürger für drei Monate in Nordkoreas Gewahrsam, nachdem er im Yalu-Fluss geschwommen und von Nordkorea als Spion festgenommen worden war. Zwei Jahre zuvor war ein US-Helikopterpilot wochenlang festgehalten worden, nachdem er im nordkoreanischen Luftraum abgeschossen worden war. In früheren Jahrzehnten hatte Nordkorea dutzende Südkoreaner und Japaner gekidnappt, die eigene Spione ausbilden sollten. Die Entführungen, von denen Diktator Kim Jong-il bisher nur einen Teil eingestanden hat, sind bis heute ein diplomatisches Reizthema zwischen Nordkorea und Japan. In den Sechzigern waren außerdem mehrere US-Soldaten, die entlang der Waffenstillstandslinie mit Südkorea stationiert waren, nach Nordkorea desertiert. Erst vier Jahrzehnte später wurde ihnen die Ausreise erlaubt.</p>
<p>Anfang März hatte Nordkorea seine Streitkräfte in volle Kampfbereitschaft versetzt, eine Reaktion auf den Beginn eines zwölftägigen Gemeinschaftsmanövers US-amerikanischer und südkoreanischer Truppen, das am Freitag beendet wird. Für April hat Pjöngjang den Start eines eigenen Satelliten angekündigt, wobei es sich nach Ansicht westlicher Experten allerdings um einen kaschierten Langstreckenraketentest handeln soll. Nordkorea würde damit gegen eine Uno-Resolution verstoßen. Im Streit hat Pjöngjang am vergangenen Dienstag nach US-Angaben alle weiteren Hilfslieferungen von Nahrungsmitteln zurückgewiesen. Dabei leiden nach Angaben der Vereinten Nationen rund neun Millionen der 24 Millionen Nordkoreaner unter Hunger oder Mangelernährung.</p>
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		<title>Will Kim kämpfen?</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Mar 2009 00:27:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>Nordkorea versetzt Streitkräfte in volle Gefechtsbereitschaft und deutet Satellitenstart während US-südkoreanischem Manöver an.</h3>
Nordkorea hat am Montag die Kommunikation mit Südkorea vollständig abgebrochen und seine Streitkräfte in volle Kampfbereitschaft versetzt. Damit reagierte Pjöngjang auf den Beginn eines zwölftägigen Gemeinschaftsmanövers US-amerikanischer und südkoreanischer Truppen. An der jährlichen Militärübung nehmen diesmal 26 000 US-Soldaten und 30 000 Südkoreaner teil. In den vergangenen Jahren war Nordkoreas Protest diplomatischer ausgefallen...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Nordkorea versetzt Streitkräfte in volle Gefechtsbereitschaft und deutet Satellitenstart während US-südkoreanischem Manöver an.</h3>
<p>Nordkorea hat am Montag die Kommunikation mit Südkorea vollständig abgebrochen und seine Streitkräfte in volle Kampfbereitschaft versetzt. Damit reagierte Pjöngjang auf den Beginn eines zwölftägigen Gemeinschaftsmanövers US-amerikanischer und südkoreanischer Truppen. An der jährlichen Militärübung nehmen diesmal 26 000 US-Soldaten und 30 000 Südkoreaner teil.</p>
<p>In den vergangenen Jahren war Nordkoreas Protest diplomatischer ausgefallen, doch die Beziehungen haben sich verschlechtert. Die beiden Koreas befänden sich am &#8220;Vorabend eines Krieges&#8221;, hieß es in einer Meldung der offiziellen Nachrichtenagentur KCNA, die für ihre drastischen Formulierungen bekannt ist. Das Manöver sei &#8220;beispiellos in der Zahl der beteiligten Aggressortruppen&#8221; und zwinge die Volksarmee zu Maßnahmen &#8220;für die Selbstverteidigung und zum Schutz der Souveränität und Würde des Landes&#8221;.</p>
<p>Zwar halten Experten die Drohungen für Säbelrasseln, aber in den kommenden Tagen könnte sich die Situation weiter zuspitzen. Denn Nordkorea deutete an, womöglich ausgerechnet während des Manövers einen seit Wochen angekündigten Raketentest ausführen zu wollen. Sollten die &#8220;US-Imperialisten und die Kriegstreiber der südkoreanischen Marionetten-Armee&#8221; den Start der mehrstufigen Rakete behindern oder diese abschießen, bedeute das Krieg, verkündete der Generalstab.</p>
<p>Nordkorea will nach eigenen Angaben seinen ersten eigenen Satelliten ins All schießen. Nach Auffassung westlicher Militärexperten ist dies jedoch nur der Vorwand für den Test einer neuen Langstreckenrakete, die theoretisch den US-Bundesstaat Alaska erreichen könnte. Praktische Auswirkungen hatte Pjöngjangs Zorn bisher nur auf rund 700 Südkoreaner, die am Montag nicht in den gemeinsam betriebenen Industriekomplex Kaesong im Norden gelangen konnten. Weil Nordkorea alle Kommunikationsleitungen gekappt hat, blieb die benötigte telefonische Erlaubnis aus.</p>
<p>Doch der Fall erinnert auch daran, dass Pjöngjangs Drohungen längst nicht immer Taten folgen: Bereits im November hatte Nordkorea die vollständige Schließung der Grenze angekündigt, diese dann aber nicht vollzogen. Experten gehen davon aus, dass auch der &#8220;heiße Draht &#8221; zwischen Pjöngjang und Seoul nach Ende des Manövers wieder geöffnet wird.</p>
<p>In Nordkorea standen die staatlichen Nachrichten am Montag ohnehin nicht im Zeichen eines nahenden Krieges, sondern feierten den Sieg von Kim Jong Ils Arbeiterpartei bei den Parlamentswahlen am Sonntag. Das Regime wurde mit 100 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt &#8211; denn in jedem Wahlkreis stand nur ein Kandidat zur Wahl, und die Stimmabgabe war Pflicht. Der &#8220;Geliebte Führer &#8221; stellte sich in Distrikt 333 zur Wahl und gab dort auch seine Stimme ab. Sein 26-jähriger Sohn Kim Jong Un war nicht unter den gewählten Vertretern, wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap meldete.Von ihm hatte es geheißen, er solle als Nachfolger aufgebaut werden.</p>
<p>Erschienen in: Frankfurter Rundschau, 10. März 2009</p>
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		<title>Endspiel in Tibet</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Mar 2009 05:13:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>Am 10. März 1959 erhob sich Tibet gegen die chinesischen Besatzer. 50 Jahre später ist die kulturelle Eigenständigkeit der Einheimischen mehr denn je bedroht.</h3>
<img src="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2009/03/tibet-300x198.jpg" alt="Tibet" title="Tibet" width="300" height="198" class="alignleft size-medium wp-image-972" />Das kleine Wäldchen auf der Bergkuppe sieht nicht nach einem Schlachtfeld aus. "Aber manchmal haben wir hier richtige Gefechte", erzählt ein Bauer aus dem Dorf im Tal, in dem seine Familie dem widerspenstigen Hochland mit Yak- und Schafzucht seit Generationen ein karges Auskommen abringt. "Wenn einer von uns Tibetern zum Holzschlagen geht, greifen die Muslime ihn an", erklärt er, "und wenn einer von denen Bäume fällt, lassen wir uns das natürlich nicht gefallen." 
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			<content:encoded><![CDATA[<h3>Am 10. März 1959 erhob sich Tibet gegen die chinesischen Besatzer. 50 Jahre später ist die kulturelle Eigenständigkeit der Einheimischen mehr denn je bedroht.</h3>
<p><img src="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2009/03/tibet-300x198.jpg" alt="Tibet" title="Tibet" width="300" height="198" class="alignleft size-medium wp-image-972" />Das kleine Wäldchen auf der Bergkuppe sieht nicht nach einem Schlachtfeld aus. &#8220;Aber manchmal haben wir hier richtige Gefechte&#8221;, erzählt ein Bauer aus dem Dorf im Tal, in dem seine Familie dem widerspenstigen Hochland mit Yak- und Schafzucht seit Generationen ein karges Auskommen abringt. &#8220;Wenn einer von uns Tibetern zum Holzschlagen geht, greifen die Muslime ihn an&#8221;, erklärt er, &#8220;und wenn einer von denen Bäume fällt, lassen wir uns das natürlich nicht gefallen.&#8221; Holz zum Heizen und Bauen ist schließlich rar, und beide Seiten kämpfen mit allem, was sie haben: Fäusten, Steinen, Pfeil und Bogen, sogar Gewehren.</p>
<p>Erst vor einigen Monaten prügelten sich zwischen den Bäumen einige hundert Männer. Mehrere wurden verletzt, doch eine friedliche Lösung des Konflikts kann sich keiner vorstellen. &#8220;Der Zwist mit den Muslimen ist Jahrhunderte alt&#8221;, sagt der Tibeter. Auch in den Nachbardörfern käme es regelmäßig zu Schlägereien, mitunter sogar mit tödlichem Ausgang. Es geht um Weidegründe und Wasserquellen, die Höhe von Moscheen und Tempeln oder alte Familienfehden, deren Ursprung kaum noch jemand kennt.</p>
<p>Streit mit anderen Volksgruppen gehört für die Tibeter seit jeher zu den Konstanten ihres Lebens, besonders hier in Qinghai, einer der fünf chinesischen Provinzen mit großem tibetischem Bevölkerungsanteil (neben Tibet, Sichuan, Gansu und Yunnan). Amdo nennen die Tibeter die Region, die einmal den nördlichsten Teil ihres Königreichs darstellte. Sie war einst ihre Verbindung zur Seidenstraße, die seit über 3000 Jahren die Völker und Religionen Asiens miteinander vernetzt.</p>
<p>In Amdo kamen die Tibeter im 8. Jahrhundert erstmals mit dem aus Indien stammenden Buddhismus in Berührung. Hier wurde auch im 14. Jahrhundert Tsongkhapa geboren, der Begründer der Gelbmützen, der einflussreichsten unter den tibetischen Glaubensschulen. Und hier kam 1935 in dem Bauerndorf Taktser, wenige Kilometer von dem umstrittenen Wäldchen entfernt, der Junge Lhamo Dhondrub zur Welt. Das Kind, in dem die Gelbmützen die 14. Wiedergeburt ihres Dalai Lama erkannten. Dort, wo einst dessen Elternhaus stand, erinnert heute ein kleiner Tempel an den berühmten Sohn des Ortes – verborgen hinter hohen Mauern und einem Tor, das für Auswärtige verschlossen bleibt.</p>
<p>Kein Bewohner wagt offen über &#8220;ihn&#8221; zu sprechen, steht er doch im Zentrum eines Kulturkampfes, der die traditionelle Lebensart der Tibeter mehr gefährdet als alle Konflikte zuvor. Doch die Tatsache, dass viele Tibeter sich noch immer heimlich das Bild ihres Dalai Lamas auf den Hausaltar stellen, zeigt, auf welcher Seite sie stehen.</p>
<p>&#8220;Die Tibeter können einfach nicht von ihm lassen&#8221;, sagt ein chinesischer Händler in der Provinzhauptstadt Xining, der unter dem Ladentisch auch Fotos und Plaketten des buddhistischen Religionsoberhauptes verkauft. &#8220;Dabei bereitet er ihnen doch nur Probleme.&#8221;</p>
<p>Doch die Probleme kommen nach Meinung vieler Tibeter nicht aus dem Süden, wo der geflohene Herrscher am Fuße des Himalaya seit 50 Jahren im indischen Exil sitzt. Sie kommen aus der entgegengesetzten Richtung, aus dem Norden. 1950, ein Jahr nach der Gründung der Volksrepublik, ließ Mao Zedong von dort seine Armee ins tibetische Kernland einmarschieren. Auf den Hochebenen des Himalaya sollten die gleichen revolutionären Kräfte walten wie im Rest des Landes. Großgrundbesitzer wurden vertrieben und das Land an die Bauern verteilt. Hunderte Klöster geschleift und die frommen Tibeter, die seit Menschengedenken jeweils einen Sohn zum Mönch auserkoren hatten, in die spirituelle Leere des Atheismus gestoßen.</p>
<p>Womöglich unterlag Mao eine Zeitlang tatsächlich der Illusion, die Tibeter empfänden die chinesische Herrschaft als Befreiung. Doch dann kam der 10. März 1959. Zehntausende Tibeter erhoben sich und der ernüchterte Mao ließ seine Volksbefreiungsarmee die Proteste brutal niederschlagen. Der Dalai Lama floh über die Grenze und gründete dort mit seiner Gefolgschaft in dem Bergdorf Dharamsala eine Exilregierung.</p>
<p>Was ein Regionaldisput hätte bleiben können, wurde damit zum Weltkonflikt. Die Fronten sind scharf und die Sympathien klar verteilt. Der Dalai Lama wirft Peking einen &#8220;kulturellen Genozid&#8221; vor: die systematische Auslöschung der tibetischen Lebensweise durch brutale Repressionen, wirtschaftliche Benachteiligung und die Ansiedlung Hunderttausender Chinesen in den tibetischen Gebieten.</p>
<p>Für seine Forderung nach einem freien oder zumindest weitgehend autonomen Tibet konnte er große Teile der westlichen Öffentlichkeit hinter sich bringen. Pekings Kommunisten halten dagegen mit dem Argument, dass Tibet seit Jahrhunderten Teil des Vielvölkerstaats China gewesen sei. Außerdem habe es durch den Aufschwung der vergangenen Jahrzehnte sehr profitiert. So würden die Tibeter inzwischen mehr verdienen, hätten eine bessere Bildung, medizinische Versorgung und Infrastruktur.</p>
<p>Gut 30 Jahren nach dem Ende der Kulturrevolution sei auch die Religionsfreiheit wiederhergestellt; behauptet Peking. Viele zerstörte Klöster wurden wieder aufgebaut. Dass es trotzdem immer wieder zu Unruhen kommt wie zuletzt im vergangenen März, lastet Peking der &#8220;Dalai-Clique&#8221; an, die Tibet vom Mutterland abtrennen wolle.</p>
<p>Wer jeweils recht hat, lässt sich schwer überblicken. Denn so präsent das Thema Tibet seit 50 Jahren in der Weltöffentlichkeit ist, so isoliert sind die Landstriche, um die sich der Streit dreht. Seit Jahrzehnten sind große Teile der tibetischen Gebiete für Reisende, insbesondere für Ausländer gesperrt. Nach den Unruhen des vergangenen Jahres wurden weitere Regionen abgeriegelt, so dass Tibet derzeit fast unzugänglich ist. Zwar gelang es dem Autor Ende Februar trotzdem, in Qinghai in gesperrte Gebiete zu gelangen und dort mit Mönchen, tibetischen und chinesischen Beamten, Bauern, Nomaden und Geschäftsleuten zu sprechen (zu ihrem Schutz bleiben Namen und Ortschaften ungenannt). Doch mehr als ein bruchstückhaftes Bild vom Alltag der Tibeter kann unter diesen Bedingungen nicht entstehen.</p>
<p>Sicher scheint allerdings: Die traditionelle Lebensart der Tibeter ist im Verfall begriffen – und daran sind nicht nur die Chinesen schuld. Die Einheimischen haben noch ganz andere Probleme: Ihre Nomaden- und Bauernkultur passt schlecht ins Globalisierungszeitalter; das Leben in den Städten lockt die Jugend. &#8220;Zum ersten Mal haben junge Menschen die Möglichkeit, ein anderes Leben zu wählen als ihre Eltern&#8221;, sagt ein Tibeter.</p>
<p>&#8220;Der Reiz des Neuen ist groß, aber auch gefährlich&#8221;, fährt er fort. Denn wer erst einmal das Leben jenseits von Feld und Weide kennengelernt hat, findet selten den Weg zurück. Da die Alten die schwere Landarbeit nicht alleine machen können, sind auch sie über kurz oder lang zum Umzug gezwungen.</p>
<p>Allerdings hält sich die Zahl der Tibeter, die in die Städte drängen, noch in Grenzen. Da in den vergangenen Jahrzehnten viele von ihnen nie eine Schule besucht haben – weil es entweder keine gab oder die Eltern ihre Kinder lieber als Arbeitskräfte zu Hause behielten – können sie in den urbanen Zentren noch schwer Fuß fassen. &#8220;Wie soll ich in die Stadt kommen, wenn ich nicht Chinesisch spreche und nicht einmal einen Busfahrplan lesen kann?&#8221;, fragt eine junge Frau. Deswegen sei es ihr sehr wichtig, dass wenigstens die Tochter zur Schule gehe.</p>
<p>Doch Bildung bedeutet auch, sich dem Einfluss der Chinesen auszusetzen. Weil sie fern jeder Ortschaft wohnten, zog die Familie kürzlich in ein Ansiedlungsprojekt für Nomaden. Mit derartigen Baumaßnahmen möchte die Regierung die Sesshaftigkeit der Einheimischen fördern und die Überweidung von Weideland verhindern. Dort ist in der Schule Chinesisch die Hauptunterrichtssprache, Tibetisch wird dagegen nur als Nebenfach gelehrt.</p>
<p>&#8220;Viele Tibeter sehen inzwischen ein, dass sie in der heutigen Welt um das Chinesische nicht mehr herumkommen&#8221;, erklärt ein Mönch. &#8220;Aber sie haben Angst, dass ihre Kinder dadurch ihre Kultur verlieren.&#8221; Der circa Dreißigjährige, der an einer staatlichen Hochschule studiert hat, unterrichtet selbst Chinesisch – in seinem Kloster. Rund ein Dutzend Kinder werden dort zu Mönchen ausgebildet, erhalten aber neben der religiösen Erziehung auch Chinesischunterricht.</p>
<p>Die Existenz der Klosterschule wird durch eine stille Vereinbarung mit der Lokalregierung gesichert. Laut Gesetz darf ein Jugendlicher erst mit 18 Jahren ins Kloster. Doch weil viele Familien nach traditionellem Brauch schon jüngere Kinder in die Mönchsausbildung schicken wollen, drücken die chinesischen Beamten manchmal ein Auge zu. &#8220;Sie wissen, dass sie von uns keine Proteste zu befürchten haben&#8221;, sagt der Mönch, &#8220;deshalb sind sie zu Zugeständnissen bereit.&#8221;</p>
<p>Zwar bekennt er im Vertrauen, dass auch er in seiner Jugend die gefährliche Wanderung über die wilde Grenze nach Indien unternommen hat, um den Dalai Lama zu sehen – wie jedes Jahr Hunderte anderer Tibeter auch. Doch nach einem Jahr kehrte er zurück. Seitdem bemüht er sich, die tibetische Kultur zu fördern, ohne mit den Chinesen in Konflikt zu geraten. &#8220;Wir müssen ihnen zeigen, dass sie vor uns keine Angst haben brauchen&#8221;, sagt er. &#8220;Das ist unsere einzige Chance.&#8221;</p>
<p>Vor den Auswirkungen der Spannungen des vergangenen Jahres bleibt allerdings auch er nicht verschont. Wie alle Mönche darf er seinen Landkreis nicht verlassen; Busfahrer sind angewiesen, Geistliche nicht mitzunehmen. Außerdem verbietet den Mönche eine neue &#8220;Sicherheitsklausel&#8221; im Gesetz zur Religionsausübung &#8220;separatistische Aktivitäten gegen das Mutterland oder die Teilnahme an illegalen Protesten, die öffentliche Störungen verursachen könnten&#8221;. Tibeter erhalten derzeit keine Reisepässe mehr, weil Peking alle Auslandskontakte unterbinden will. In den Zentren des letztjährigen Konflikts fährt die Regierung angesichts des anstehenden fünfzigsten Jahrestages des Volksaufstandes ihr ganzes Einschüchterungspotenzial auf. So marschieren in der Klosterstadt Rebkong Truppen der Volksbefreiungsarmee in Camouflage-Uniform die Hauptstraße entlang und absolvieren auf öffentlichen Parkplätzen Drillübungen.</p>
<p>Viele Tibeter hoffen, dass der 10. März ohne neue Unruhen vorbeigeht und dass die Chinesen ihre derzeitigen Restriktionen lockern. Doch wie schwer sie es selbst in einem friedlichen Tibet hätten, zeigt sich zum Beispiel im Kloster Kumbum. Das religiöse Zentrum ist der Geburtsort des Gelbmützenbegründers Tsongkhapa und einer der fünf wichtigsten tibetischen Pilgerstätten. Unter Mönchen gilt das Heiligtum mittlerweile als Strafversetzungsposten, denn kaum ein anderes Kloster ist stärker zum Rummelplatz chinesischer Tibettouristen geworden als Kumbum.</p>
<p>Es kommen zwar immer noch viele Pilger. Ein tibetischer Schüler aus dem Hochland erzählt, er wolle hier ein paar Tage lang mit Niederwerfungen für ein besseres Abschlusszeugnis beten, und eine alte Frau umkreist täglich dreimal die Pilgerstätte, um so ihr Knieleiden zu heilen. Doch in erster Linie gehört das Kloster den Reisenden. Chinesen, die lärmend Fotos machen und im Spaß tibetische Gebetsrituale nachspielen. &#8220;Sie merken nicht, dass wir unsere Kultur nicht zur Folklore reduzieren wollen&#8221;, sagt ein Tibeter. Womöglich ist derartige Ignoranz die schlimmste Form der Diskriminierung – und für Tibets Kultur weitaus gefährlicher als die gelegentlichen Keilereien um Bäume auf den Bergen von Amdo.</p>
<p>Erschienen in: Badische Zeitung, 9. März 2009</p>
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		<title>Wahlkampf auf nordkoreanisch</title>
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		<pubDate>Sat, 07 Mar 2009 02:06:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>Am Sonntag ruft Nordkoreas Diktator Kim Jong-il sein Volk an die Urnen. Ein spannender Wahlabend steht allerdings nicht bevor.</h3>
Diktatur ist ein hässliches Wort, selbst in den Ohren von Kim Jong-il. Deswegen lässt sich Nordkoreas Tyrann sich seinen Regierungsauftrag alle fünf Jahre bestätigen, per Stimmzettel, wie es sich gehört. Am kommenden Sonntag ist es wieder so weit: 687 Bewerber stehen für ebenso viele Parlamentssitze in der Obersten Volksversammlung zur Abstimmung, darunter in Wahlkreis 333 auch der Geliebte Führer persönlich...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Am Sonntag ruft Nordkoreas Diktator Kim Jong-il sein Volk an die Urnen. Ein spannender Wahlabend steht allerdings nicht bevor.</h3>
<p>Diktatur ist ein hässliches Wort, selbst in den Ohren von Kim Jong-il. Deswegen lässt sich Nordkoreas Tyrann sich seinen Regierungsauftrag alle fünf Jahre bestätigen, per Stimmzettel, wie es sich gehört. Am kommenden Sonntag ist es wieder so weit: 687 Bewerber stehen für ebenso viele Parlamentssitze in der Obersten Volksversammlung zur Abstimmung, darunter in Wahlkreis 333 auch der Geliebte Führer persönlich. Die Kandidatur des 67-Jährigen habe „bei allen Männern und Beamten der Volksarmee und den Menschen im ganzen Land gewaltige Emotionen und überschwängliche Freude ausgelöst“, meldete die offizielle Nachrichtenagentur KCNA. Die Stimmabgabe ist Pflicht, und da das Wahlverfahren Auszählungspannen ausschließt, dürften pünktlich zu den Abendnachrichten die erwünschten 100-Prozent-Ergebnisse vorliegen.</p>
<p>„Die Wahl wird die Überlegenheit und Vitalität unserer eigenen Form des Sozialismus unter Beweis stellen“,  kommentierte die Staatspresse den Ausgang schon vorab. „Die gesamte Wählerschaft brachte ihre Erwartung und Überzeugung zum Ausdruck, dass die nominierten Kandidaten sich dem heiligen Kampf widmen werden, die Regierung der Republik zu stärken, das sozialistische System fest zu verteidigen und eine wohlhabende, mächtige Nation aufzubauen.“ Dafür werde sich das Parlament „rund um das Nervenzentrum der Revolution vereinigen, an deren Spitze der große Genosse Kim Jong-il steht.“</p>
<p>Obwohl die Wahl kaum mehr als ein propagandistischer Formalismus ist, erhoffen sich ausländische Beobachter ein paar rare Hinweise auf die internen Machtverschiebungen innerhalb der Pjöngjanger Herrschaftselite. So soll nach einem Bericht der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap erstmals Kims Sohn Kim Jong-un für die Wahl aufgestellt sein. Der etwa 25-Jährige gilt seit einigen Monaten als designierter Nachfolger seines gesundheitlich angeschlagenen Vaters. Südkoreas Wiedervereinigungsministerium will einem Memorandum zufolge noch sechs weitere politische Aufsteiger ausgemacht haben, die nach den Wahlen wichtigere Posten erhalten könnten, darunter etwa den Ersten Sekretär der Jugendliga der Arbeiterpartei, Ri Yong-chol.</p>
<p>Kim senior war im vergangenen Herbst monatelang von der Bildfläche verschwunden, offenbar infolge eines Schlaganfalls. In den letzten Wochen war Kim zwar wieder mehrfach öffentlich aufgetreten und hatte sogar ausländische Gäste empfangen, doch Fotos zeigten Spuren einer schweren Krankheit. Nordkoreas Regime weist Spekulationen über den Gesundheitszustand des Diktators allerdings vehement zurück und versucht, nach außen Stärke zu beweisen. Die Beziehungen zu Südkorea hatten sich zuletzt stark verschlechtert. Pjöngjang drohte mehrfach, die koreanische Halbinsel stehe „am Rande eines Krieges“. Am Donnerstag warnte eine KCNA-Meldung sogar die südkoreanischen Fluglinien Korean Air and Asiana Airlines, dem nordkoreanischen Luftraum zu nahe zu kommen. Für die Sicherheit ziviler Passagiermaschinen könne in den kommenden Wochen nicht garantiert werden, hieß es. Pjöngjang reagiert damit auf ein zwölftägiges Manöver südkoreanischer und US-amerikanischer Truppen, das am Montag beginnen soll. Verteidigungsexperten rechnen außerdem damit, dass Nordkorea in der nahen Zukunft mit dem angekündigten Test einer neuen Langstreckenrakete oder dem Start eines selbstgebauten Satelliten Ernst machen könnte. Japanische Medien wollen erfahren haben, dass Kim sich dafür ein besonders symbolträchtiges Datum aussuchen dürfte. Sein bevorstehender Wahlsieg am Sonntag wäre eines.</p>
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		<title>Liebesgrüße aus Pjöngjang</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Jan 2009 02:02:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>Nordkorea kündigt alle Abkommen mit dem Süden. Dort spekuliert man, Diktator Kim Jong-il suche die Aufmerksamkeit des neuen US-Präsidenten.</h3>
Nordkorea heizt den schwelenden Konflikt mit Südkorea weiter an. Das Regime von Diktator Kim Jong-il kündigte am Freitag sämtliche Abkommen mit dem Süden auf. In einer von Pjöngjangs offizieller Nachrichtenagentur KCNA verbreiteten Erklärung warf das „Komitee für eine friedliche Wiedervereinigung Koreas“ der Regierung in Seoul vor, die „innerkoreanischen Beziehungen an den Rand eines Krieges gedrängt“ zu haben...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Nordkorea kündigt alle Abkommen mit dem Süden. Dort spekuliert man, Diktator Kim Jong-il suche die Aufmerksamkeit des neuen US-Präsidenten.</h3>
<p>Nordkorea heizt den schwelenden Konflikt mit Südkorea weiter an. Das Regime von Diktator Kim Jong-il kündigte am Freitag sämtliche Abkommen mit dem Süden auf. In einer von Pjöngjangs offizieller Nachrichtenagentur KCNA verbreiteten Erklärung warf das „Komitee für eine friedliche Wiedervereinigung Koreas“ der Regierung in Seoul vor, die „innerkoreanischen Beziehungen an den Rand eines Krieges gedrängt“ zu haben. Weil Südkoreas Präsident Lee Myung Bak bestehende Absprachen „rücksichtslos einkassiert“ habe, fühle sich nun auch der Norden nicht mehr daran gebunden. Hoffnungen für eine Verbesserung der Beziehungen gebe es nicht.</p>
<p>Zwar gehören derartige Formulierungen seit Jahren zur Standardrhetorik des erzkommunistischen Regimes &#8211; und längst nicht immer ließ es seinen drastischen Ankündigungen auch Taten folgen. Doch der symbolträchtige Schritt soll offenbar signalisieren, dass Kim eine weitere Zuspitzung der Konfrontation nicht scheut. Seit Lees Amtsantritt vor einem Jahr hat sich das Verhältnis auf der koreanischen Halbinsel deutlich verschlechtert, weil der konservative Politiker Hilfslieferungen von einem Stopp des nordkoreanischen Atomprogramms abhängig machen will. Formell befinden sich die beiden Staaten seit über einem halben Jahrhundert im Kriegszustand.</p>
<p>Ein Sprecher des südkoreanischen Ministeriums für Wiedervereinigung äußerte am Freitag „tiefes Bedauern“ und rief Pjöngjang dazu auf, möglichst schnell an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Auch Ministerpräsident Han Seung Soo erklärte, er hoffe auf eine baldige Wiederaufnahme des Dialogs. Am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos spekulierte er, der Norden wolle womöglich die Aufmerksamkeit der neuen US-Präsidenten auf sich ziehen.<br />
Denn der Regierungswechsel bei Südkoreas Schutzmacht könnte für Kim weitreichende Folgen haben. Die Wahrscheinlichkeit einer militärischen Konfrontation erscheint zwar unter Barack Obama weitaus geringer als unter seinem Vorgänger George W. Bush. Doch weitaus gefährlicher wäre für Kim eine gezielte Unterhöhlung seiner Macht. Unter der sogenannten Sonnenscheinpolitik hatte Südkorea versprochen, auf eine Destabilisierung von Kims System zu verzichten. Zwar hält sich bisher auch Lee an diese Formel. Doch nachdem Seoul in den vergangenen Monaten tatenlos zugesehen hatte, wie südkoreanische Aktivisten hunderte Ballons mit subversiven Nachrichten über die Grenze schickten, drohte Pjöngjang mit Krieg und „totaler Auslöschung“. Südkoreas Medien spekulierten am Freitag, Kims jüngster Affront solle Obama zur Warnung dienen und diesen dazu veranlassen, Südkorea zu einer sanfteren Gangart zu bewegen. Andere Experten glauben, der Schritt könne vorrangig innenpolitisch motiviert sein. Nach seiner monatelangen Krankheit und auffälligen Abwesenheit aus der Öffentlichkeit könnte der Diktator unter Druck stehen, der eigenen Bevölkerung seine Regierungsfähigkeit unter Beweis zu stellen.</p>
<p>Was auch immer Kims Beweggründe – klar ist, dass die nordkoreanische Bevölkerung unter der Kündigung der Abkommen weitaus schwerer leiden wird als die südkoreanische. Denn der Austausch der beiden Länder diente in den vergangenen Jahren weitgehend dem Aufbau des Nordens. Nach dem historischen Gipfeltreffen im Jahr 2000 hatte der Süden sich für die Entwicklung von Kommunikations-, Straßen- und Schienenverbindungen engagiert und in großem Umfang dringend benötigte Lebensmittel geschickt. Auch über Familientreffen und eine Interimsgrenze gab es Absprachen.<br />
Trotzdem ist der Schritt auch für den Süden schmerzhaft. Denn ein vollständiger Abbruch der Beziehungen könnte auch das Ende der Sonderwirtschaftszone Kaesong bedeuten. Seit Eröffnung der nordkoreanischen Enklave im Jahr 2005 haben dort 83 südkoreanische Unternehmen investiert. Südkoreas Regierung subventionierte die Erschließung mit 150 Millionen Dollar. 32.000 Nordkoreaner arbeiten dort zu Löhnen, die noch unter denen anderer Billigproduktionsländern liegen. Seit der Etablierung der Zone lag der Umsatz bei 450 Millionen Dollar – für Pjöngjang eine wichtige Devisenquelle. Gerade deshalb ist auch zu erwarten, dass Nordkorea mit seinen Drohungen nicht ganz ernst macht. Schon im vergangenen November hatte Pjöngjang angekündigt, zum ersten Dezember alle Grenzübergänge zum Süden schließen zu wollen. Trotzdem lief der Verkehr nach Kaesong weiter, wenn auch nicht mehr so flüssig wie zuvor.</p>
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		<title>Asien rückt zusammen</title>
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		<pubDate>Wed, 31 Dec 2008 01:57:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>Die Finanzkrise zwingt China, Japan und Südkorea zu Absprachen. Das kann Keimzelle für eine neue Union in Politik und Wirtschaft sein.</h3>
Sich mit dem fernen Feind verbünden, um den nahen anzugreifen", lautet ein chinesisches Sprichwort. Es hätte als Motto stehen können über einem Treffen Mitte Dezember in Tokio. Zum ersten Mal kamen die Regierungschefs von Japan, China und Südkorea zu einem Gipfel zusammen. Was in Europa seit Jahrzehnten üblich ist, war für die ostasiatischen Mächte ein Novum...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Die Finanzkrise zwingt China, Japan und Südkorea zu Absprachen. Das kann Keimzelle für eine neue Union in Politik und Wirtschaft sein.</h3>
<p>Sich mit dem fernen Feind verbünden, um den nahen anzugreifen&#8221;, lautet ein chinesisches Sprichwort. Es hätte als Motto stehen können über einem Treffen Mitte Dezember in Tokio. Zum ersten Mal kamen die Regierungschefs von Japan, China und Südkorea zu einem Gipfel zusammen. Was in Europa seit Jahrzehnten üblich ist, war für die ostasiatischen Mächte ein Novum, denn ihr Verhältnis prägen wirtschaftliche Rivalität und historische Altlasten. Doch da die Finanzkrise derzeit der weitaus nähere Feind ist, entstehen neue Allianzen, die bisher schwer möglich gewesen wären.</p>
<p>Zwar ist die Krisenbewältigung noch der einzige Punkt auf der Dreier-Agenda. So einigten sich die Regierungen darauf, im kommenden Jahr keine weiteren Handelsbarrieren aufzubauen und einen Fonds zur Stützung der regionalen Währungen einzurichten. Doch das neue Forum beflügelt in Tokio, Peking und Seoul auch Überlegungen, ob der japanisch-chinesisch-koreanische Schulterschluss langfristig weiterentwickelt werden sollte.</p>
<p>Könnte die Finanzkrise zur Geburtsstunde einer ostasiatischen Union werden? Die Idee ist nicht ganz neu. Politische Vordenker in der Region fordern schon lange, dass die ostasiatischen Staaten sich politisch und wirtschaftlich zusammenschließen sollten. Sie hätten das Potenzial, neben den USA und der Europäischen Union den dritten großen Machtblock der Welt zu bilden.</p>
<p>Immerhin ballen sich in Japan, China und Südkorea 17 Prozent der globalen Wirtschaftskraft. Gleichzeitig verfügt die Region über eine der kompaktesten globalen Wertschöpfungsketten, die von Japans Hightech bis zu Chinas Niedriglohnfabriken reicht.</p>
<p>Peking hat mit seinem Veto-Recht im UN-Sicherheitsrat außerdem entscheidenden Einfluss auf die Weltpolitik. Und alle drei Länder haben ein Interesse daran, die Vorherrschaft des Westens zu brechen und die Entwicklung in ihrem Teil der Welt selbst zu bestimmen. So plädieren sie bereits dafür, die Asiatische Entwicklungsbank gegenüber der von den USA dominierten Weltbank zu stärken und einen regionalen Währungsfonds einzurichten, um so den Einfluss des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu begrenzen.</p>
<p>Bündeln Japaner, Chinesen und Südkoreaner ihre Kräfte, erhält Asien eine zweite Keimzelle für einen Einigungsprozess. Die zehn Länder der Vereinigung Südostasiatischer Staaten (Asean) sind seit 40 Jahren dabei, sich wirtschaftlich und politisch zusammenzuschließen. Im Dezember erhielt die Asean einen rechtlichen Status und kann für ihre Mitglieder diplomatische Verhandlungen führen. Spätestens 2015 sollen Waren zollfrei gehandelt werden.</p>
<p>Zwar orientiert sich Asien am Beispiel der EU, doch der Kurs ist ein anderer. Anders als die Europäer stellen sich die Asiaten ihren Bund nicht als Werte-, sondern als Interessengemeinschaft vor. Schließlich sind die wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Unterschiede in Asien größer als in der EU. Doch Unterschiede müssen den Fortschritt nicht bremsen, wenn sich Länder ergänzen. Ganz Asien wird dabei kaum unter einen Hut zu bringen sein, aber die drei ostasiatischen Mächte haben womöglich eine Chance, eine gemeinsame Linie zu finden &#8211; und Feinde, die ihnen näher sind als die alten Rivalitäten.</p>
<p>Bernhard Bartsch / Frankfurter Rundschau, 31. Dezember 2008</p>
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		<title>Womöglich tot, aber kein bisschen leise</title>
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		<pubDate>Wed, 29 Oct 2008 03:16:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>Nordkorea versucht Gerüchte über Kim Jong Ils Gesundheitszustand zu zerstreuen - mit Provokationen und Drohungen, wie man sie von dem Diktator kennt.</h3>
Nordkoreas Diktator Kim Jong Il gilt als krank, vielleicht ist er schon tot. Doch der Politik seines Landes nach zu urteilen, könnte der "Geliebte Führer" auch noch ganz der alte sein. Seit Wochen macht Pjöngjang mit Warnungen gegen Südkorea auf sich aufmerksam - als wolle Nordkoreas Führung beweisen, dass sich an ihrer Politik nichts geändert habe.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Nordkorea versucht Gerüchte über Kim Jong Ils Gesundheitszustand zu zerstreuen &#8211; mit Provokationen und Drohungen, wie man sie von dem Diktator kennt</h3>
<p>Nordkoreas Diktator Kim Jong Il gilt als krank, vielleicht ist er schon tot. Doch der Politik seines Landes nach zu urteilen, könnte der &#8220;Geliebte Führer&#8221; auch noch ganz der alte sein. Seit Wochen macht Pjöngjang mit Warnungen gegen Südkorea auf sich aufmerksam &#8211; als wolle Nordkoreas Führung beweisen, dass sich an ihrer Politik nichts geändert habe.</p>
<p>Am Dienstag erreichte die Kampagne ihren vorläufigen Höhepunkt, als Pjöngjang seinem Nachbarn die vollständige Zerstörung androhte. &#8220;Das Marionettenregime sollte sich darüber im Klaren sein, dass wir es nicht nur mit einem progressiven Präventivschlag unter Feuer nehmen, sondern alles in Trümmer legen werden, was gegen unsere Nation und die Wiedervereinigung ist&#8221;, hieß es in einer offiziellen Erklärung.</p>
<p>Tags zuvor hatte Pjöngjangs Nachrichtenagentur die Regierung von Präsident Lee Myung-bak als &#8220;Wirbelwind faschistischer Unterdrückung&#8221; bezeichnet. Nordkorea hoffe darauf, dass die Landsleute im Süden, &#8220;den heiligen patriotischen Kampf gegen die faschistische Gewaltherrschaft der Lee-Gruppe, einer Inkarnation des Bösen, verstärken, um eine Demokratisierung der Gesellschaft sowie die Wiedervereinigung zu erreichen&#8221;.</p>
<p>Pjöngjang wirft der konservativen Regierung in Seoul schon seit ihrem Amtsantritt im Februar eine &#8220;feindliche Politik&#8221; vor. Auslöser der jüngsten Tiraden war allerdings eine Kampagne südkoreanischer Aktivisten, die in den vergangenen Tagen mit Ballons Hunderttausende Flugblätter über die Grenze geschickt hatten. Darin verbreiteten sie die Gerüchte über Kims Gesundheit und riefen zum Sturz des stalinistischen Regimes auf.</p>
<p>Nordkoreas Militär warf Seoul daraufhin vor, Lügen zu verbreiten, und kündigte an, notfalls sein gesamtes Arsenal gegen den Süden zu mobilisieren. &#8220;Wir bekräftigen unsere Haltung, dass wir eine entschlossene praktische Aktion unternehmen werden, wenn das südkoreanische Marionettenregime weiterhin Flugschriften verbreitet und die Lügenkampagne mit reinen Fantasiegespinsten fortsetzt&#8221;, tönte es aus Pjöngjang.</p>
<p>Die Initiatoren der Flugblattaktion sehen in den aggressiven Tönen einen Beweis für die Effektivität ihrer Sendungen. &#8220;Die Nordkoreaner haben wenig Zugang zu echten Informationen, aber wir wissen, wie Botschaften formuliert sein müssen, damit sie ihnen glaubwürdig erscheinen&#8221;, sagt Lee Min-pok, der vor 18 Jahren aus Nordkorea geflohen ist. &#8220;Das Regime ist am Ende und kann sich nur noch mit Gewalt an der Macht halten.&#8221;</p>
<p>Zwar dringen aus Nordkorea nur wenige verlässliche Berichte an die Außenwelt, doch übereinstimmenden Meldungen zufolge scheint die Situation der Menschen kurz vor Wintereinbruch so schlecht wie seit Jahren nicht mehr. Vergangene Woche erklärte ein Vertreter des World Food Program der UN, in den meisten Teilen des Landes herrsche eine &#8220;akute Lebensmittel- und Existenzkrise&#8221;. Es drohe ein &#8220;humanitärer Notfall&#8221;. Aufgrund der politischen Spannungen hat Nordkorea sich dieses Jahr geweigert, Lebensmittel aus dem Süden anzunehmen.</p>
<p>Diese Entscheidung könnte tatsächlich Kim Jong Il persönlich getroffen haben. Japans Premierminister Taro Aso erklärte unter Berufung auf Geheimdienstkreise, Kim sei nach wie vor regierungsfähig, auch wenn sein Gesundheitszustand &#8220;nicht sehr gut&#8221; sei.</p>
<p>Das Rätselraten hatte begonnen, nachdem Kim Anfang September bei den Feierlichkeiten zum 60. Gründungstag Nordkoreas gefehlt hatte. Daraufhin kamen Gerüchte über einen möglichen Schlaganfall auf. Zwar veröffentlichte Pjöngjangs Staatspresse Anfang Oktober wieder Fotos des &#8220;Geliebten Führers&#8221;, die ihn bei bester Gesundheit zeigen. Die sommerliche Vegetation im Hintergrund legte jedoch den Schluss nahe, dass die Aufnahmen nicht in den vergangenen Wochen entstanden sein können.</p>
<p>Aso will erfahren haben, dass sich Kim in einem Hospital aufhalte. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap glaubt sogar, dass der 66-Jährige heimlich nach Paris geflogen sein könnte, um sich dort behandeln zu lassen. Nordkorea hatte Anfang des Monats einen großen politischen Erfolg verbuchen können, als die USA die Atommacht von ihrer Liste der Terrorstaaten strichen. Im Gegenzug dürfen die Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) den Abbau der Reaktoranlage Yongbyon überwachen. IAEA-Chef Mohammed el-Baradei sagte am Montag, er hoffe, dass Nordkorea bald wieder dem Atomwaffensperrvertrag beitreten werde, den es vor fünf Jahren aufgekündigt hatte.</p>
<p>200810296596065</p>
<p>Dokument FRARUN0020081028e4at0000p</p>
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		<title>Lautlose Luftangriffe</title>
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		<pubDate>Fri, 24 Oct 2008 03:22:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>Lee Min-pok lässt Flugblätter über Nordkorea regnen. Er möchte seine ehemaligen Landsleute zur Flucht animieren.</h3>
Wenn der Wind von Süden weht, steigt Lee Min-pok, 50, frühmorgens in seinen Kleintransporter und fährt von Seoul in Richtung "DMZ" (demilitarized zone), wie der Puffer zwischen Nord- und Südkorea im Volksmund heißt. Ein paar Kilometer vor dem Sperrgebiet verlässt er die Hauptstraße und sucht sich zwischen den Feldern einen Platz, an dem er für die nächsten Stunden ungestört seiner Arbeit nachgehen kann.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Lee Min-pok lässt Flugblätter über Nordkorea regnen. Er möchte seine ehemaligen Landsleute zur Flucht animieren</h3>
<p><img class="alignleft size-medium wp-image-305" title="Lee Min-pok (Copyright: Martin Gottske)" src="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2009/01/mgkorea_08_defector_10-300x199.jpg" alt="Lee Min-pok (Copyright: Martin Gottske)" width="300" height="199" />Wenn der Wind von Süden weht, steigt Lee Min-pok, 50, frühmorgens in seinen Kleintransporter und fährt von Seoul in Richtung &#8220;DMZ&#8221; (demilitarized zone), wie der Puffer zwischen Nord- und Südkorea im Volksmund heißt. Ein paar Kilometer vor dem Sperrgebiet verlässt er die Hauptstraße und sucht sich zwischen den Feldern einen Platz, an dem er für die nächsten Stunden ungestört seiner Arbeit nachgehen kann.</p>
<p>Lee entfaltet einen Plastikschlauch, der zwölf Meter lang und vier Meter breit ist, füllt ihn mit Wasserstoff, hängt einige Pakete dran und lässt ihn steigen. Der Ballon treibt nach Norden, zur Grenze. Er wird sie nach Lees Schätzungen in 5000 Meter Höhe überfliegen und damit so hoch sein, dass &#8220;ihn keiner mehr abschießen kann. In zwei bis drei Stunden erreicht er Pjöngjang.&#8221; Auf dem Weg öffnen sich mittels eines ausgeklügelten Mechanismus die Bündel, 60 000 Flugblätter regnen herab, auf denen steht: &#8220;Wenn Nordkoreas Soldaten über die Grenze schauen, sehen sie grüne Felder, endlose Autoschlangen und Häuser, die nachts erleuchtet und im Winter beheizt sind. Jeder darf hingehen, wo er möchte. Alle Menschen sind frei.&#8221;</p>
<p><strong>Landreform mit Haft bestraft</strong></p>
<p>Vor 18 Jahren hatte der Agrarwissenschaftler Lee selbst ein südkoreanisches Flugblatt aufgehoben und beschlossen, aus Nordkorea zu fliehen. Damals gelang nur wenigen Deserteuren der lebensgefährliche Ausbruch über den Grenzfluss nach China. Mittlerweile jedoch fliehen jährlich Tausende Nordkoreaner vor Elend und Unterdrückung in ihrem Land.</p>
<p>Die meisten tauchen in Nordchina unter, wo die dortige koreanische Minderheit ihnen Deckung bietet, wo es Jobs in Fabriken oder auf dem Bau gibt, die für nordkoreanische Verhältnisse fürstlich bezahlt werden. Doch die Flüchtlinge wollen weiter, nach Südkorea. 15 000 Nordkoreaner leben inzwischen im Süden, in diesem Jahr werden vermutlich weitere 3000 kommen.</p>
<p>Obwohl Diktator Kim Jong-il alle Informationen über das Ausland filtern lässt und seinem Volk ein kommunistisches Paradies vorzugaukeln sucht, wissen viele Nordkoreaner, dass das Leben im Süden weitaus besser ist. &#8220;Auf dem Schwarzmarkt gibt es inzwischen viele ausländische Produkte, an denen die Menschen erkennen, wie unterentwickelt ihr eigenes Land ist&#8221;, sagt Kim Sang-hun, ein südkoreanischer Aktivist, der die Deserteure unterstützt. &#8220;Wer Geld und Kontakte hat, kann relativ leicht einen Grenzbeamten bestechen und es nach China schaffen.&#8221; Von dort schlagen sich die Flüchtlinge mit Hilfe von Schleusern nach Thailand, Kambodscha oder auch in die Mongolei durch, in Länder, in denen südkoreanische Botschaften Fahnenflüchtige aufnehmen und ausfliegen lassen.</p>
<p>In der Volksrepublik China dagegen gibt es diesen Weg nicht. Die chinesischen Kommunisten halten unverdrossen dem Bruderland Nordkorea die Treue und verhindern Desertationen nach Kräften. Lee Min-pok glaubt, dass die chinesische Regierung schon um die verzweifelte Situation der nordkoreanischen Bevölkerung wisse, &#8220;aber ihre Loyalität gilt den Diktatoren&#8221;.</p>
<p>Lee gehörte früher zur nordkoreanischen Elite. In der Akademie der Wissenschaften befasste er sich mit der Zucht von Saatgut und fragte sich, warum sein Land immer wieder von Hungersnöten heimgesucht wurde. &#8220;An den Pflanzen konnte es nicht liegen und an den natürlichen Bedingungen auch nicht.&#8221; Also musste etwas mit der Produktionsweise nicht stimmen.</p>
<p>In einem Dorf versuchte Lee es mit einer mit einer Landreform. Die Bauern bekamen die Entscheidungsgewalt über ihre Felder und den Ertrag. Der Erfolg war durchschlagend: Die Ernte, erzählt Lee, verfünffachte sich. Der Agrarwissenschaftler verfasste einen Bericht für den &#8220;Großen Führer&#8221; Kim Il-sung. &#8220;Unsere Nahrungsmittelprobleme lassen sich lösen&#8221;, schrieb er &#8211; und wurde prompt eingesperrt, weil er gegen die wirtschaftlichen Vorgaben der Zentralregierung verstoßen hatte. &#8220;Da habe ich den Glauben an das System verloren&#8221;, sagt Lee heute.</p>
<p>In der Haft fielen ihm die südkoreanischen Flugblätter wieder ein, die er früher gelegentlich gefunden hatte. Damals hatte er ihren Versprechungen keinen Glauben geschenkt. Nun sah er das anders. Kurz nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis schlug er sich zu Fuß zum koreanisch-chinesischen Grenzfluss durch und schwamm nach China. Doch chinesische Polizisten griffen ihn auf, schlugen ihn zusammen und übergaben ihn an nordkoreanische Grenzer.</p>
<p>Drei Monate lang wurde Lee in einem Lager für Fahnenflüchtige befragt und wartete darauf, erschossen oder in ein Arbeitslager geschickt zu werden. Doch weil er ein ausgezeichneter Wissenschaftler und überzeugter Parteigänger gewesen war, glaubte man ihm letztlich die Ausrede, er habe in China nur forschen wollen. Lee wurde begnadigt, musste aber zum Arbeitseinsatz auf ein Dorf.</p>
<p>Sobald er wieder zu Kräften gekommen war, türmte er erneut, wieder nach China, versteckte sich dort ein Jahr und schlug sich dann nach Moskau durch. Aber auch die dortige Botschaft Südkoreas hatte die Anweisung, keine Flüchtlinge aufzunehmen. Lee lebte noch vier Jahre im russischen Untergrund, bis er 1994 auf Veranlassung des UN-Flüchtlingshochkommissariats nach Südkorea geflogen wurde.</p>
<p><strong>Massenflucht ist unerwünscht</strong></p>
<p>Lee wurde frostig empfangen, da erging es ihm wie allen Flüchtlingen aus dem Norden des geteilten Landes. Zwar nimmt Seoul Nordkoreaner bereitwillig auf, unterweist sie in kapitalistischer Lebensweise und greift ihnen finanziell unter die Arme. Doch tatsächlich die wenigsten werden wirklich integriert.</p>
<p>&#8220;Die meisten Südkoreaner sehen uns nicht als Landsleute, sondern als Bedrohung für ihren Wohlstand&#8221;, sagt eine Bäuerin, die seit einem Jahr in Seoul lebt und ihren Mann und Sohn nachholen will, sobald sie es sich leisten kann. &#8220;Ich habe kein Problem damit, niedrige Arbeit zu machen.&#8221; Aber das Desinteresse der Südkoreaner an der Situation im Norden verletzt sie.</p>
<p>Noch immer ist die Wiedervereinigung das offizielle Ziel der südkoreanischen Regierung. Aber in Wirklichkeit fürchten viele einen Kollaps der Kim-Diktatur. &#8220;Wenn wir Nordkorea auffangen müssten, wäre das das Ende unseres Wohlstands&#8221;, sagt Lee Geun, Politologe an der Seoul National University. &#8220;Deswegen ist ein starkes Regime in Pjöngjang für uns besser als ein gescheitertes.&#8221; Er hofft, dass sich die nordkoreanische Nomenklatura auch nach Kim Jong-il, der angeblich schwerstkrank ist, an der Macht halten kann, und findet es richtig, dass die südkoreanische Regierung den Spielraum des Erbfeinds vergrößert. Im Rahmen der sogenannten Sonnenschein-Politik hat Südkorea 1998 aufgehört, auf Kims Sturz hinzuarbeiten und das Volk im Norden gegen seine Führung aufzuwiegeln.</p>
<p>Damals beendete die südkoreanische Armee das staatliche Flugblattprogramm. Lee war so empört darüber, dass &#8220;die Menschenrechte der Nordkoreaner einfach dem politischen Opportunismus geopfert werden&#8221;, dass er mit Hilfe von Kirchengruppen und Nichtregierungsorganisationen sein eigenes Flugblattprogramm auf die Beine stellte. Hundert Ballons ließ er 2007 steigen, im laufenden Jahr sollen 120 über die DMZ gen Norden fliegen.</p>
<p>Die Wirkung bleibt nicht aus. &#8220;Pjöngjang hat sich schon 19 Mal in Seoul über meine Aktivitäten beschwert&#8221;, sagt Lee. Die Behörden hätten auch versucht, seine Aktionen zu unterbinden. Aber, sagt der Flüchtling, &#8220;dazu haben sie kein Recht, wir leben hier schließlich in einer Demokratie&#8221;.</p>
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		<title>USA streichen Nordkorea von Terrorliste</title>
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		<pubDate>Mon, 13 Oct 2008 03:34:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>Kritik am Abkommen Washingtons mit Pjöngjang kommt aus Japan - Iran, Syrien, Sudan und Kuba bleiben auf der Terrorliste.</h3>
Die jahrelange Forderung, Nordkorea müsse die Weltöffentlichkeit vollständig über sein Atomwaffenprogramm sowie seinen internationalen Handel mit Nuklearmaterial informieren, hat Washington Medienberichten zufolge bis auf weiteres aufgegeben. Dabei soll Nordkorea Syrien beim Aufbau eines eigenen Atomreaktors unterstützt haben.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Kritik am Abkommen Washingtons mit Pjöngjang kommt aus Japan &#8211; Iran, Syrien, Sudan und Kuba bleiben auf der Terrorliste</h3>
<p>Die jahrelange Forderung, Nordkorea müsse die Weltöffentlichkeit vollständig über sein Atomwaffenprogramm sowie seinen internationalen Handel mit Nuklearmaterial informieren, hat Washington Medienberichten zufolge bis auf weiteres aufgegeben. Dabei soll Nordkorea Syrien beim Aufbau eines eigenen Atomreaktors unterstützt haben.</p>
<p>Dennoch erklärte US-Außenamtssprecher Sean McCormack, die von Chefunterhändler Christopher Hill erzielte Vereinbarung enthalte &#8220;alles, was wir wollten&#8221;. Sollte Nordkoreas Diktator Kim Jong-il sich nicht daran halten, werde Washington ihn sofort wieder auf die Schurkenliste setzen, auf der nun noch Iran, Syrien, Sudan und Kuba stehen. Die Entscheidung sei mit den Teilnehmern der Pekinger Sechsparteiengespräche über Nordkoreas Atomwaffenprogramm abgestimmt, sagte McCormack. Die Verhandlungen, an denen neben den USA und Nordkorea auch Südkorea, China, Russland und Japan teilnehmen, könnten noch im Oktober wiederaufgenommen werden.</p>
<p>In Südkorea wurde der Schritt begrüßt. Seouls Atomunterhändler Kim Sook erklärte, die Arbeiten zur Stilllegung des Atomreaktors Yongbyon würden &#8220;sofort&#8221; wieder aufgenommen. Die Inspekteure der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO), denen vergangene Woche noch der Zutritt zum Gelände des Reaktors Yongbyon verweigert worden war, sollen nun wieder Proben entnehmen, Dokumente einsehen und mit nordkoreanischen Atomexperten sprechen dürfen. Nach Streitigkeiten über den Zeitpunkt der Absetzung von der Terrorliste hatte Nordkorea in den vergangenen Wochen Schritte zur Wiederinbetriebnahme der Plutoniumanreicherungsanlage unternommen. Sein Atomwaffenarsenal, das Geheimdienstberichten zufolge rund zehn Sprengköpfe enthalten soll, hält Pjöngjang weiter geheim.</p>
<p>In Japan, wo man sich von Nordkoreas Drohgebärden besonders bedroht fühlt, rief die Absetzung von der Terrorliste Kritik hervor. Zwar verkniff sich Premier Taro Aso, der von US-Präsident George W. Bush in einem Telefonat über den Schritt informiert wurde, öffentlicher Kommentare, Finanzminister Shoichi Nakagawa nannte ihn aber &#8220;extrem bedauerlich&#8221;. &#8220;Meiner Meinung nach haben die USA diese Entscheidung nicht in enger Abstimmung mit ihrem Verbündeten Japan getroffen&#8221;, erklärte er am Rande eines Gipfels der G-7-Finanzminister in Washington. Er erinnerte an die noch nicht erfolgte Aufklärung über Entführungen japanischer Staatsbürger. In den Siebzigern und Achtzigern sollen Pjöngjangs Agenten Dutzende Japaner gekidnappt haben, um sie als Sprachlehrer für antijapanische Spione einzusetzen.</p>
<p>Die Absetzung stellt für Kim einen raren außenpolitischen Erfolg dar. Intern hat er ihn noch nicht ausgespielt: Nordkoreas Staatsmedien berichteten bisher nicht über das Ende des Terrorstatus. Womöglich hat der &#8220;Geliebte Führer&#8221; es auch nicht eilig, sein Volk darüber in Kenntnis setzen. Sein Regime bezieht seine Legitimation großteils aus dem Kampf gegen die &#8220;amerikanischen Imperialisten&#8221;. Pjöngjang hat also Grund, die gefühlte Feindschaft aufrechtzuerhalten. Nordkoreas Staatsmedien bemühten sich in den vergangenen Tagen, Spekulationen über Kims Gesundheitszustand entgegenzuwirken.</p>
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		<title>Scharfe Töne</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Apr 2008 04:18:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>Einige Monate lang schien es, als wolle Nordkorea sich öffnen. Doch nun schwenkt Pjöngjang auf seinen alten Konfrontationskurs zurück.</h3>
Nordkorea poltert wieder. Nachdem das weitgehend isolierte erzkommunistische Regime in den vergangenen Monaten Signale einer vorsichtigen Öffnung gesendet hatte, zeigte es nun, dass seine Strategie der fortwährenden Provokation noch lange nicht der Vergangenheit angehört. Mit drastischen Formulierungen griff die staatliche Nachrichtenagentur KCNA Südkoreas seit Februar amtierenden Präsidenten Lee Myung Bak an. Lee sei ein „Verräter“ und „Kriecher“ vor den USA.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Einige Monate lang schien es, als wolle Nordkorea sich öffnen. Doch nun schwenkt Pjöngjang auf seinen alten Konfrontationskurs zurück.</h3>
<p>Nordkorea poltert wieder. Nachdem das weitgehend isolierte erzkommunistische Regime in den vergangenen Monaten Signale einer vorsichtigen Öffnung gesendet hatte, zeigte es nun, dass seine Strategie der fortwährenden Provokation noch lange nicht der Vergangenheit angehört. Mit drastischen Formulierungen griff die staatliche Nachrichtenagentur KCNA Südkoreas seit Februar amtierenden Präsidenten Lee Myung Bak an. Lee sei ein „Verräter“ und „Kriecher“ vor den USA, hieß es in einem von allen Tageszeitungen des Landes gedruckten Leitartikel. Seine Washington-freundliche Politik habe „unwiderrufliche, katastrophale Folgen“ und werde das Einfrieren der innerkoreanischen Beziehungen nach sich ziehen. Damit nicht genug, drohte KCNA, Lee solle „die Geduld und das Schweigen“ der Regierung in Pjöngjang nicht missverstehen. Der Norden sei bereit, Südkorea mit einem Präventivschlag „nicht nur in ein Flammenmeer“ zu verwandeln, sondern „in Asche“ zu legen, sollte er sich dazu gezwungen fühlen.</p>
<p>Pjöngjang reagierte damit auf Lees Ankündigung, seine konservatives Kabinett werde gegenüber dem Norden einen härteren Kurs fahren als die Vorgängerregierung. Wirtschaftliche Zusammenarbeit soll künftig von konkreten Fortschritten beim Abbau des umstrittenen Atomprogramms abhängig gemacht werden. Außerdem verlangt Lee die Rückkehr von verschleppten Südkoreanern und plant die Einrichtung einer südkoreanischen Menschenrechtskommission, um die Situation im Norden zu überprüfen.<br />
Wohl nicht zuletzt deshalb zögert Nordkorea die im vergangenen Herbst vereinbarte Offenlegung seines Atomprogramms seit Monaten hinaus. Sowohl von Südkorea als auch von den USA hagelte es dafür Kritik. Seouls neuer Generalstabschef erklärte, sein Land werde im Fall eines Angriffs des Nordens dessen Atomwaffenstützpunkt durch einen Militärschlag ausschalten. Washington forderte seinerseits, Nordkorea müsse neben den Details zu seinem eigenen Uran-Anreicherungsprogramm auch Angaben zu der nuklearen Zusammenarbeit mit Syrien machen, von der in Geheimdienstkreisen ausgegangen wird. Pjöngjang bestreitet dies und bezeichnete die amerikanischen Forderungen als „ungerecht“.</p>
<p>Schon vergangene Woche hatte Nordkoreas Diktator Kim Jong-il deswegen den Ton verschärft. Am Donnerstag ließ er mehrere südkoreanische Beamte des Vereinigungsministeriums aus dem gemeinsamen Industriepark in der nordkoreanischen Grenzstadt Kaesong ausweisen. Einen Tag später schoss das Militär von einem Schiff drei Kurzstreckenraketen mit einer Reichweite von mehr als 40 Kilometern ins Meer.</p>
<p>Bevor sich die Fronten zu sehr verhärten, will Washingtons Atomunterhändler Christopher Hill Nordkorea wieder zur Kooperation überreden. Nachdem er gestern zu Gesprächen in Seoul eintraf, könnte er auf seiner nächsten Station in Indonesien mit seinem nordkoreanischen Gegenüber Kim Gye-kwan zusammenkommen. Kim dürfte auf neue Hilfslieferungen drängen. Im Frühjahr ist Nordkorea dringend auf Importe von Dünger und Diesel angewiesen. Ob Hill diese zusagen wird, ist ungewiss. Aber wenigstens eine gute Nachricht hat er dabei: Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup zeigt, dass sich die Meinung der Amerikaner über die Nordkoreaner  allmählich verbessert. Das Land steht nicht mehr auf der Liste der drei Staaten, gegen die US-Bürger die größten Abneigungen hegen. Dort steht der Iran, gefolgt von Irak und China. Nordkorea belegt aber immer noch einen guten vierten Platz.</p>
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