Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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Für einen Koffer voller Dollar

Geldwäsche, Mordversuche, Geheimdiplomatie – das Verfahren gegen Taiwans Ex-Präsidenten ist ein Korruptionskrimi.

Wenn Chen Shui Bians Leben einst in die Kinos kommt, wird am Anfang womöglich die Flugzeugepisode stehen. Darin überwacht Taiwans ehemaliger Präsident persönlich, wie zwei große Gepäckstücke in einem Regierungsjet verstaut werden, der ihn in die Pazifik-Zwergstaaten Pulau und Nauru bringen soll. Was denn in den Koffern sei, will ein Sicherheitsbeamter wissen. “Keine Fragen”, raunzt der Präsident. Der Zuschauer weiß, dass die Koffer voller Dollar sind…

Bernhard Bartsch | 03. Januar 2009 um 15:29 Uhr

 

“Chinas Entwicklungsmodell hat fundamentale Probleme”

Wirtschaftshistoriker Wu Xiaobo über 30 Jahre chinesische Reformpolitik, fernöstlichen Unternehmergeist und die Lehren aus der Finanzkrise.

Frage: Herr Wu, vor genau dreißig Jahren hat China sich der Marktwirtschaft geöffnet. Pünktlich zum Jubiläum steckt der Kapitalismus in einer tiefen Krise, und die Volksrepublik mitten drin. Schlägt jetzt die Stunde der Planwirtschaftsnostalgiker?

Bernhard Bartsch | 23. Dezember 2008 um 18:07 Uhr

 

Viele kleine Bürgerkriege

Die Verfehlungen von lokalen Kadern bringen immer mehr Bürger gegen die Behörden auf – Oft werden die Demonstranten bestraft.

Die Liste der chinesischen Orte, in denen Volk und Regierung einander nicht mehr trauen, ist wieder um einen Namen länger geworden: Longnan. In der 2,7-Millionen-Einwohner-Kreisstadt in der nordchinesischen Provinz Gansu randalierten am Montag rund 2000 Menschen gegen die lokale Verwaltung. Ausgelöst von rund 20 Bewohnern, die sich am Morgen vor dem Rathaus lauthals über die Enteignung ihres Landes beschwert hatten…

Bernhard Bartsch | 21. November 2008 um 16:09 Uhr

 

Hunger ist stärker als Propaganda

Die gewaltsame Isolation Nordkoreas bekommt Löcher – durch Handys und Schwarzhandel

Seit Beginn der kalten Jahreszeit schweifen die Blicke der Nordkoreaner, die nahe der Grenze zu China leben, besonders sehnsüchtig auf die andere Seite. Im Sommer ist es nur die nächtliche Beleuchtung, die ihren Neid erweckt; in ihren eigenen Dörfern gibt es keinen Strom. Im Winter kommen noch die Rauchsäulen hinzu, die anzeigen, dass in den chinesischen Häusern geheizt wird, während sie selbst meist nur mit Decken und Körperwärme gegen die sibirische Kälte ankämpfen.

Bernhard Bartsch | 14. November 2008 um 03:42 Uhr

 

“Komme vom Dorf, habe Milch”

Nach dem chinesischen Babymilchskandal erlebt der Beruf der Stillamme eine Renaissance. Frauen vom Land verdienen plötzlich städtische Spitzengehälter – und lassen dafür mitunter ihre eigenen Kinder im Stich.

Das Bewerbungsschreiben war kurz und bündig: „Komme vom Dorf, bin total biologisch und habe viel Milch“, lautete die Anzeige, mit der dieser Tage eine Chinesin im Internet auf Jobsuche ging…

Bernhard Bartsch | 01. November 2008 um 17:58 Uhr

 

Das kleine Wirtschaftswörterbuch Chinesisch-Deutsch

Eine Leseübung zu Schwanzgeld und weißen roten Umschlägen.

Das Jahr 2008 steht in China im Zeichen der Olympischen Spiele. Was in Griechenland als pazifistischer Athletenwettstreit begann und sich im 20. Jahrhundert zum globalen Event aus Sport, Politik und Wirtschaft entwickelte, dient in der Volksrepublik als nationale Image-Kampagne…

Bernhard Bartsch | 01. August 2008 um 03:37 Uhr

 

Nasenbrechen per SMS

Chinas Marketingguerilla weiß, was die Menschen brauchen. Per SMS vertreibt sie Schlägertrupps und Schmuggelware.

Sollte ich einmal jemandem die Knochen brechen lassen wollen, wüsste ich, wen ich anrufe. Bräuchte ich kurzfristig eine Kalaschnikow, hätte ich auch dafür eine Nummer, ebenso wie für geschmuggelte Sportwagen, gefälschte Steuerbelege und schmutzige Sexspiele. Die Kontakte sind alle auf meinem Handy gespeichert. Allerdings nicht von mir, sondern ganz ohne mein Zutun…

Bernhard Bartsch | 23. April 2008 um 03:15 Uhr

 

Chinesisches Schwabenland

In der ostchinesischen Provinzstadt Taicang haben sich fast hundert deutsche Firmen angesiedelt. Sie fertigen Dübel, Stoßdämpfer, Kugellager, Staubsaugerdüsen und vieles mehr. Denn wer seinen Markt nicht der chinesischen Konkurrenz überlassen will, muss ihr im eigenen Land begegnen.

Das Erste, was in Daniel Mützelburgs Büro auffällt, ist das Poster hinter seinem Schreibtisch. Eine Übung von Fallschirmspringern im Abendrot, dazu der Slogan “Fallschirmjäger – Glück ab! “. “Ein Kindheitstraum”, sagt Mützelburg und lacht. “Als ich damals den Einberufungsbescheid bekam, bin ich zum Kreiswehrersatzamt gegangen und habe gesagt: Lasst mich zu den Fallschirmjägern, oder ich verweigere.” Das rote Barett neben seinem Kalender verrät den Ausgang der Geschichte.

Bernhard Bartsch | 01. April 2008 um 04:22 Uhr

 

Für die Menschen und das Land

Chinas Wirtschaft wächst und wächst und wächst. Doch für eine bessere Zukunft muss sich auch die Zivilgesellschaft weiterentwickeln. Fünf Porträts von Chinesen, die ihre Heimat gegen alle Widerstände voranbringen wollen.

Hu Jia und Zeng Jinyan kommen gerade aus dem Krankenhaus. Zeng ist im fünften Monat schwanger, und weil die Polizisten einen guten Tag haben, durfte ihr Mann sie zum Arzt begleiten. Nun sitzen sie bei SPR Coffee, einer chinesischen Starbucks-Kopie, und trinken Apfelsaft. Draußen stehen in Sichtweite zwei Limousinen mit verdunkelten Scheiben…

Bernhard Bartsch | 01. September 2007 um 05:01 Uhr

 

Lebe hoch, meine Konkubine!

Für die neue Geldelite Chinas gilt es wieder als chic, eine Konkubine zu haben. Weil finanziell zum Teil sehr lukrativ, sind auch viele Studentinnen Zweitfrau.

Die erste Liebe vergisst man nie. Im Fall von Liu Jinbao war es eine Schulliebe, die ihn jedoch verschmähte und damit Jahrzehnte später zu einem irrwitzigen Selbstbetrug trieb. Liu, Präsident der Bank of China in Hongkong und damit einer der mächtigsten Finanzmanager, liess eine seiner zahlreichen Geliebten nach dem Vorbild seines Jugendschwarms umoperieren.

Bernhard Bartsch | 07. Januar 2007 um 17:40 Uhr

 

“Oh Papa, wie kannst du nur so dumm sein?”

Geng Hongtao möchte kein Bauer mehr sein. Sein Problem: 800 Millionen Chinesen wollen das Gleiche. Denn „Bauer“ ist in Chinas Städten inzwischen ein Schimpfwort.

Wenn Geng Hongtao in den Wintermonaten zu seinen Terminen geht, friert er ganz fürchterlich. Darauf ist er stolz, denn wenn ihm die Kälte in die Knochen zieht, hat er das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein. Meistens kommt er schon etwas früher, betrachtet aus sicherer Entfernung den Treffpunkt und sucht sich ein öffentliches Klo. Dort zieht er sein Jackett und den dicken Armee-Pullover aus,

Bernhard Bartsch | 01. November 2006 um 05:23 Uhr

 

Welcher Kapitalismus darf’s denn sein?

In China wetteifert die kapitalistische Plan- mit der Clanwirtschaft. Erstaunlicherweise funktionieren beide.

In Wenzhou nennen sie Sun Jiangling einen „Schlangenkopf“. Woher die Bezeichnung stammt, weiß Sun selbst nicht genau. „Vielleicht, weil Schlangen schlau sind?“, fragt er lachend. „Oder weil sie lautlos überall hinkommen?“ Sun ist Menschenschmuggler. Seit fast 20 Jahren schleust er Zahlungswillige auf abenteuerlichen Routen ins Ausland. Taiwan ist mit 40 000 Yuan (rund 4000 Euro) das billigste Ziel…

Bernhard Bartsch | 01. März 2006 um 05:35 Uhr

 

China – Drache oder Dino?

Aus einem Dinosaurier-Ei schlüpft ein Drache. Er ist kräftig und geschickt genug, um allein zu überleben. Doch er leidet an Durchblutungsstörungen und einem schwachen Rückgrat.

In ihren Träumen stehen viele Chinesen mit dem Rücken zum Peace Hotel. Gegenüber von Schanghais kolonialer Uferpromenade, dem Bund, erhebt sich, was wahlweise „Paris des Ostens“, „New York Chinas“, „Stadt der Zukunft“ oder einfach „Der Wahnsinn“ heißt: das Neubauviertel Pudong – Stolz, Schaufenster und Visitenkarte des Reichs der Mitte.

Bernhard Bartsch | 01. Mai 2003 um 06:58 Uhr

 

Beruf: Ausländer

Mit blonden Haaren, blauen Augen und langen Nasen kann man im Reich der Mitte viel Geld verdienen – als Projektionsfläche für den chinesischen Traum.

Als Jimmy Hartvigson anfing, Socken-Li mit seiner Konkubine zu betrügen, verlor er seinen Job. „Schade, eigentlich“, findet der 26-jährige Schwede und knipst sein Laufsteg-Lächeln an. „Ich habe da richtig viel Geld verdient.“ Als Sänger im fünften Stock eines Nachtklubs war er die Halbwelt-Attraktion der südchinesischen Stadt Wenzhou. Für 5500 Euro im Monat plus Spesen gab der talentierte Beau den lokalen Geschäftsleuten das Gefühl, ihre Frauen nicht in einem provinziellen Puff, sondern in einem hippen New-Yorker-Szene-Etablissement zu betrügen.

Bernhard Bartsch | 01. Dezember 2002 um 07:12 Uhr