Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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Der gefallene Ölprinz

Ex-Chef des Rohstoffkonzerns Sinopec wird wegen Korruption zum Tode verurteilt. Er ist nicht nur Opfer seiner Gier, sondern auch politischer Machtkämpfe.

Irgendwann stellte Jürgen Hambrecht fest, dass sein chinesischer Partner verschwunden war. Das war im Sommer 2007. Zahlreiche Großprojekte hatte der BASF-Vorstandsvorsitzende mit Chen Tonghai, dem Chef von Chinas staatlichem Rohstoffkonzern Sinopec ausgehandelt. Doch plötzlich war Chen weg, ohne Abschied oder Erklärung…

Bernhard Bartsch | 16. Juli 2009 um 05:25 Uhr

 

“Mr. Clean” springt in den Tod

Korruptionsermittlungen trieben Südkoreas Ex-Präsidenten Roh Moo Hyun zum Selbstmord. Trotzdem erhält er ein staatlich finanziertes Begräbnis.

Er galt als Saubermann und konnte es nicht ertragen, dass sein Image irreparablen Schaden genommen hatte: Südkoreas Ex-Präsident Roh Moo Hyun, der sich seit dem Ende seiner Amtszeit im Februar 2008 in eine Reihe von Korruptionsfällen verstrickt sah, hat sich am frühen Samstagmorgen das Leben genommen. Der 62-Jährige sprang in den Bergen nahe seines Heimatdorfes Bongha von einer Klippe…

Bernhard Bartsch | 24. Mai 2009 um 11:54 Uhr

 

Rascheln gegen die Krise

Chinas Premier schürt beim Nationalen Volkskongress Optimismus: Auch im Krisenjahr 2009 erwartet die Regierung ein Wirtschaftswachstum von acht Prozent.

Sitzen bleiben, still sein, mitlesen und Notizen machen – so lautete die Anweisung, die Chinas Führung ihren 3000 Parlamentariern am Donnerstag mit auf den Weg in Pekings Große Halle des Volkes gegeben hatte. Im Krisenjahr soll der Nationale Volkskongress, Chinas Kulissenlegislative, einen besonders fleißigen Eindruck machen…

Bernhard Bartsch | 06. März 2009 um 01:40 Uhr

 

Hart, aber nicht fair

Mit Todesurteilen im Milchprozess will Peking Vertrauen der Bevölkerung zurückgewinnen. Doch dafür braucht es mehr als Showjustiz.

Chinas Justiz hat im Milchskandal harte Urteile gefällt. Zwei Männer sollen hingerichtet werden, weil sie fast ein Jahr lang verdünnte Milch mit der giftigen Industriechemiker vermischten, um die Eiweißtests der Qualitätsprüfer auszutricksen. Der Betrug fiel zwar bald auf, doch die Molkereiangestellten und Beamten stoppten ihn nicht. Ihr Schweigen ließen sie sich gut bezahlen und rechtfertigten es damit, dass sie kurz vor Olympia Chinas Image in der Welt hatten schützen wollen.

Bernhard Bartsch | 22. Januar 2009 um 17:27 Uhr

 

Todesurteile für Strippenzieher im Milchskandal

Molkereichefin erhält lebenslängliche Haftstrafe. Schadensersatzklagen von Opfern weisen die Gerichte weiterhin zurück.

Im chinesischen Milchskandal sollen zwei Hauptangeklagte hingerichtet werden. Der Volksgerichtshof im nordchinesischen Shijiazhuang verhängte am Donnerstag die Todesstrafe gegen Zhang Yujun, der zwischen Oktober 2007 und August 2008 über 600 Tonnen Pulver mit der Industriechemikalie Melamin an Milchgroßhändler verkauft hatte.

Bernhard Bartsch | 22. Januar 2009 um 17:22 Uhr

 

Chinas Ochsentour ins neue Jahr

250 Millionen Chinesen reisen zum traditionellen Neujahrsfest in ihre Heimat. Der Schwarzhandel mit Fahrkarten ist dabei ein Milliardengeschäft.

Das Jahr des Ochsen beginnt für Zhou Xiaofeng mit einer wahren Ochsentour. Sechs Stunden hat sie an diesem Morgen bei Minusgraden am Pekinger Hauptbahnhof angestanden, um ein Ticket in ihr Heimatdorf in der südchinesischen Provinz Zhejiang zu kaufen. Die Fahrt wird eine ganze Nacht dauern, und da Zhou im Zug eng eingezwängt stehen wird, will sie nicht nur ihrem dreijährigen Sohn, sondern auch sich selbst Windeln anlegen.

Bernhard Bartsch | 21. Januar 2009 um 17:13 Uhr

 

Mutter Melamin

Tian Wenhua, Ex-Chefin der chinesischen Skandal-Molkerei Sanlu, droht die Todesstrafe. Ein hartes Urteil soll Chinas Behördenversagen vergessen machen.

„Probleme soll man nicht mit ins neue Jahr mitnehmen“, empfiehlt ein chinesisches Sprichwort, das Chinas Regierung kurz vor dem traditionellen Frühlingsfest wieder einmal beherzigt. Noch rechtzeitig will Peking mit dem peinlichsten Skandal des vergangenen Jahres abschließen und das Urteil gegen die Hauptangeklagte im Fall um vergiftete Babymilch verkünden: Tian Wenhua, ehemalige Chefin des staatlichen Molkereikonzerns Sanlu, droht lebenslange Haft, womöglich sogar die Todesstrafe.

Bernhard Bartsch | 15. Januar 2009 um 17:56 Uhr

 

Für einen Koffer voller Dollar

Geldwäsche, Mordversuche, Geheimdiplomatie – das Verfahren gegen Taiwans Ex-Präsidenten ist ein Korruptionskrimi.

Wenn Chen Shui Bians Leben einst in die Kinos kommt, wird am Anfang womöglich die Flugzeugepisode stehen. Darin überwacht Taiwans ehemaliger Präsident persönlich, wie zwei große Gepäckstücke in einem Regierungsjet verstaut werden, der ihn in die Pazifik-Zwergstaaten Pulau und Nauru bringen soll. Was denn in den Koffern sei, will ein Sicherheitsbeamter wissen. “Keine Fragen”, raunzt der Präsident. Der Zuschauer weiß, dass die Koffer voller Dollar sind…

Bernhard Bartsch | 03. Januar 2009 um 15:29 Uhr

 

“Chinas Entwicklungsmodell hat fundamentale Probleme”

Wirtschaftshistoriker Wu Xiaobo über 30 Jahre chinesische Reformpolitik, fernöstlichen Unternehmergeist und die Lehren aus der Finanzkrise.

Frage: Herr Wu, vor genau dreißig Jahren hat China sich der Marktwirtschaft geöffnet. Pünktlich zum Jubiläum steckt der Kapitalismus in einer tiefen Krise, und die Volksrepublik mitten drin. Schlägt jetzt die Stunde der Planwirtschaftsnostalgiker?

Bernhard Bartsch | 23. Dezember 2008 um 18:07 Uhr

 

Viele kleine Bürgerkriege

Die Verfehlungen von lokalen Kadern bringen immer mehr Bürger gegen die Behörden auf – Oft werden die Demonstranten bestraft.

Die Liste der chinesischen Orte, in denen Volk und Regierung einander nicht mehr trauen, ist wieder um einen Namen länger geworden: Longnan. In der 2,7-Millionen-Einwohner-Kreisstadt in der nordchinesischen Provinz Gansu randalierten am Montag rund 2000 Menschen gegen die lokale Verwaltung. Ausgelöst von rund 20 Bewohnern, die sich am Morgen vor dem Rathaus lauthals über die Enteignung ihres Landes beschwert hatten…

Bernhard Bartsch | 21. November 2008 um 16:09 Uhr

 

Hunger ist stärker als Propaganda

Die gewaltsame Isolation Nordkoreas bekommt Löcher – durch Handys und Schwarzhandel

Seit Beginn der kalten Jahreszeit schweifen die Blicke der Nordkoreaner, die nahe der Grenze zu China leben, besonders sehnsüchtig auf die andere Seite. Im Sommer ist es nur die nächtliche Beleuchtung, die ihren Neid erweckt; in ihren eigenen Dörfern gibt es keinen Strom. Im Winter kommen noch die Rauchsäulen hinzu, die anzeigen, dass in den chinesischen Häusern geheizt wird, während sie selbst meist nur mit Decken und Körperwärme gegen die sibirische Kälte ankämpfen.

Bernhard Bartsch | 14. November 2008 um 03:42 Uhr

 

“Komme vom Dorf, habe Milch”

Nach dem chinesischen Babymilchskandal erlebt der Beruf der Stillamme eine Renaissance. Frauen vom Land verdienen plötzlich städtische Spitzengehälter – und lassen dafür mitunter ihre eigenen Kinder im Stich.

Das Bewerbungsschreiben war kurz und bündig: „Komme vom Dorf, bin total biologisch und habe viel Milch“, lautete die Anzeige, mit der dieser Tage eine Chinesin im Internet auf Jobsuche ging…

Bernhard Bartsch | 01. November 2008 um 17:58 Uhr

 

Das kleine Wirtschaftswörterbuch Chinesisch-Deutsch

Eine Leseübung zu Schwanzgeld und weißen roten Umschlägen.

Das Jahr 2008 steht in China im Zeichen der Olympischen Spiele. Was in Griechenland als pazifistischer Athletenwettstreit begann und sich im 20. Jahrhundert zum globalen Event aus Sport, Politik und Wirtschaft entwickelte, dient in der Volksrepublik als nationale Image-Kampagne…

Bernhard Bartsch | 01. August 2008 um 03:37 Uhr

 

Nasenbrechen per SMS

Chinas Marketingguerilla weiß, was die Menschen brauchen. Per SMS vertreibt sie Schlägertrupps und Schmuggelware.

Sollte ich einmal jemandem die Knochen brechen lassen wollen, wüsste ich, wen ich anrufe. Bräuchte ich kurzfristig eine Kalaschnikow, hätte ich auch dafür eine Nummer, ebenso wie für geschmuggelte Sportwagen, gefälschte Steuerbelege und schmutzige Sexspiele. Die Kontakte sind alle auf meinem Handy gespeichert. Allerdings nicht von mir, sondern ganz ohne mein Zutun…

Bernhard Bartsch | 23. April 2008 um 03:15 Uhr

 

Chinesisches Schwabenland

In der ostchinesischen Provinzstadt Taicang haben sich fast hundert deutsche Firmen angesiedelt. Sie fertigen Dübel, Stoßdämpfer, Kugellager, Staubsaugerdüsen und vieles mehr. Denn wer seinen Markt nicht der chinesischen Konkurrenz überlassen will, muss ihr im eigenen Land begegnen.

Das Erste, was in Daniel Mützelburgs Büro auffällt, ist das Poster hinter seinem Schreibtisch. Eine Übung von Fallschirmspringern im Abendrot, dazu der Slogan “Fallschirmjäger – Glück ab! “. “Ein Kindheitstraum”, sagt Mützelburg und lacht. “Als ich damals den Einberufungsbescheid bekam, bin ich zum Kreiswehrersatzamt gegangen und habe gesagt: Lasst mich zu den Fallschirmjägern, oder ich verweigere.” Das rote Barett neben seinem Kalender verrät den Ausgang der Geschichte.

Bernhard Bartsch | 01. April 2008 um 04:22 Uhr