Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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Der Sonnensohn und die Eisprinzessin

Wie in einem Shakespeare-Drama liegt Koreas Schicksal in den Händen zweier Diktatorenkinder. Können sie über die Schatten ihrer Väter springen?

Mun Se-gwang war kein Meisterspion. Aber er hatte einen japanischen Pass, eine gute Tarnung für einen nordkoreanischen Agenten. Am 15. August 1974 schmuggelt sich der 22-Jährige mit einem Revolver ins Nationaltheater von Seoul, um Südkoreas Präsident Park Chung-hee zu ermorden. Er nimmt er in einer der hinteren Reihen Platz, und als der Präsident ans Rednerpult tritt, pirscht er sich im Dunkel des Saales nach vorne. Den Revolver in seiner Tasche umfasst er aus Nervosität so fest, dass er versehentlich abdrückt und sich selbst in den Fuß schießt. Während die Bodyguards nach dem Präsidenten hechten, feuert Mun wahllos Richtung Bühne und trifft die First Lady tödlich in den Kopf…

Bernhard Bartsch | 13. Februar 2013 um 08:20 Uhr

 

Von Papas Gnaden

Nordkoreas Diktator Kim Jong-un erhofft sich von seinem Atomtest eine bessere Verhandlungsbasis mit den USA.

Pjöngjang Wirklich ernst hat die Welt Kim Jong-un bisher nicht genommen. In der internationalen Presse tauchte Nordkoreas 30-jähriger Jungdiktator bisher vor allem als politischer Paradiesvogel auf: Man belächelte seine Statur und Frisur, amüsierte sich über seine Vorliebe für Vergnügungsparks und Mickey Mouse, und freute sich über Bilder seiner eleganten Frau, mit der er so verliebt wirkte. Einen altstalinistischen Tyrannen stellt man sich anders vor. Seit Dienstag scheint jedoch klar, dass Kim Jong-un nicht der erhoffte Reformer ist, der Nordkorea aus der Isolation und Armut führen will, sondern vor allem der Sohn seines 2011 verstorbenen Vaters…

Bernhard Bartsch | 12. Februar 2013 um 17:18 Uhr

 

Kim der Fröhliche

Nordkoreas junger Diktator Kim Jong-un etabliert seinen eigenen Personenkult. Er wirkt moderner als sein Vater, doch politisch zeigt er noch immer kein Profil.

Kürzlich hatte Nordkoreas Diktator Kim Jong-un mal wieder seinen Spaß. Zusammen mit seiner Frau besuchte er Pjöngjangs Volkspark. Fotos der offiziellen Nachrichtenagentur KCNA zeigen das junge Paar lachend in einem Elektrowagen über die Anlage fahren, er mit zurückgegelten Haaren im dunklen Anzug, sie im schicken schwarzen Hosenensemble und Handtasche. Dass sie von zugeknöpften älteren Herren in grünen Armeeuniformen umgeben sind, scheint sie nicht zu stören, und auf einigen Aufnahmen scheinen sie die Militärs mit ihrer guten Laune sogar anzustecken…

Bernhard Bartsch | 16. September 2012 um 03:37 Uhr

 

Für Opa nur das Beste

Nordkorea feiert den 100. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il Sung. Zur Feier des Tages darf das Volk erstmals seinen Nachfolger Kim Jong Un sprechen hören.

Kim Il Sung, Nordkoreas Staatsgründer und Diktator für fast ein halbes Jahrhundert, ist in dem Land allgegenwärtig. Jeder trägt ein Foto als Anstecknadel über dem Herzen. Wer eine Zeitung mit Kims Foto wegwirft, bekleckert oder knickt, begeht ein Schwerverbrechen. Jeden Samstag müssen sich die Nordkoreaner zu Studiensitzungen versammeln, um seine „Juche-Ideologie“ zu studieren, die dem Land Unabhängigkeit und den Sieg gegen imperialistische Aggressoren verspricht. Ob im Kino oder im Stadtbild – auch 18 Jahre nach seinem Tod amtiert er noch immer als Nordkoreas Präsident. An diesem Sonntag wäre Kim Il Sung hundert Jahre alt geworden…

Bernhard Bartsch | 15. April 2012 um 06:09 Uhr

 

80 Sekunden Flugzeit zur Blamage

Nordkoreas umstrittener Raketenstart scheitert. Das Debakel könnte Jungdiktator Kim Jong Un verleiten, sich durch einen Atombombentest zu rehabilitieren.

Es sollte eine Erfolgsmeldung zum 100. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il-sung werden, doch stattdessen muss Nordkorea eine bittere Pleite eingestehen. Der umstrittene Start einer Langstreckenrakete endete am Freitagmorgen mit einem Debakel. Der Flugkörper zerbrach nach nur 80 Sekunden in mehrere Teile und stürzte ins Meer. Doch der Fehlschlag könnte dramatische Folgen haben: Mehrere Analysten befürchten nun, dass der junge Diktator Kim Jong-un verleitet sein könnte, sich schon in den kommenden Tagen durch einen Atombombentest zu rehabilitieren…

Bernhard Bartsch | 14. April 2012 um 06:14 Uhr

 

Kim der Ewige

Nordkorea zelebriert seine toten Diktatoren.Zur Feier soll eine Langstreckenrakete starten – auch um den Preis einer weiteren Isolation.

Alle Macht will Ewigkeit: Nordkoreas im Dezember verstorbener Diktator Kim Jong Il ist zum „ewigen Generalsekretär“ der Arbeiterpartei ernannt worden – und damit zum Auftakt der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il Sung ähnlich geehrt worden wie sein Vater, der auch 18 Jahre nach seinem Tod noch als „ewiger Präsident“ amtiert. Die Entscheidung sei bei einem Sonderparteitag gefallen, meldete die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA. Gleichzeitig wurde ein weiterer dereinst womöglich ewiger Kim in Stellung gebracht: Kim Jong Un…

Bernhard Bartsch | 11. April 2012 um 06:21 Uhr

 

Kim Jong-uns Chance

Nordkoreas Atom-Moratorium lässt die Weltgemeinschaft dezent hoffen.

Nordkoreas neuer Herrscher Kim Jong Un ist für die internationale Diplomatie ein unbeschriebenes Blatt. Als er Ende Dezember die wenigen westlichen Botschafter in Pjöngjang am Sarg seines Vaters empfing, ließ er sich nicht mehr als ein paar koreanische Dankesfloskeln entlocken. Eine Bestätigung für das Gerücht, der etwa 30-Jährige habe in der Schweiz eine internationale Schule besucht und spreche Englisch und Deutsch, suchten die Diplomaten vergeblich. Auch seine Stellung im heimatlichen Machtgefüge ist völlig unklar. Trotzdem bekommt die neue Führung des isolierten und verarmten Landes nun die Chance, zu beweisen, dass sie womöglich friedfertiger agieren will als der verstorbene Kim Jong Il…

Bernhard Bartsch | 01. März 2012 um 06:58 Uhr

 

Unerwünschter Frühling

Nordkorea demonstriert Kontinuität, doch der Druck zur Öffnung wächst und hat bereits begonnen, das System grundlegend zu verändern.

In Kim Taewoos Büro ist die koreanische Versöhnung bereits vollzogen. Auf der Landkarte hinter dem Schreibtisch des Präsidenten von Südkoreas staatlichem Institut für Wiedervereinigung teilt keine Grenze die Halbinselmehr in Nord und Süd. Die Darstellung ist ein politisches Statement, was sonst, doch seit vergangener Woche wirkt es so brisant wie lange nicht mehr. „Theoretisch ist jetzt alles möglich“, kommentiert der Politologe die Lage nach dem Tod von Diktator Kim Jong-il und bezweifelt, dass dessen Machterben das abgeschottete System langfristig aufrecht erhalten können…

Bernhard Bartsch | 27. Dezember 2011 um 11:01 Uhr

 

Kim in der Kiste

Nordkorea beweint seinen verstorbenen Diktator Kim Jong-il. Der Süden bemüht sich um versöhnliche Signale.

Die Nachricht fand nicht viel Aufmerksamkeit: Am vergangenen Freitag berichtete das chinesische Staatsfernsehen CCTV, das Pekinger Wachsfigurenmuseum habe für Nordkoreas Herrscher Kim Jong Il eine Statue seiner Mutter angefertigt. Mehr als 200 Würdenträger seien aus Pjöngjang angereist, um die Skulptur abzuholen. „Aber wer war wirklich in der Kiste?“, fragt ein chinesischer Blogger. „Vielleicht ist Kim gar nicht in seinem Zug gestorben, sondern in einem chinesischen Krankenhaus.“ Das Gerücht ist einer von zahllosen Spötteleien, mit denen Internetbenutzer aller Welt den Tod des exzentrischen Tyrannen kommentieren…

Bernhard Bartsch | 20. Dezember 2011 um 16:18 Uhr

 

Auftritt Kim III.

Die Herrschaft von Nordkoreas Kim-Clans geht in die dritte Generation. Doch dem Veränderungsdruck kann das Regime nur noch schwer standhalten.

Nordkoreas neuer Machthaber tritt auf, wie sein Vater abgetreten ist: mit einer militärischen Machtdemonstration. Wenige Stunden nach der Bekanntgabe von Kim Jong Ils Tod hat sein jüngster Sohn Kim Jong Un eine Mittelstreckenrakete ins Meer schießen lassen. Die Botschaft scheint eindeutig: Keiner soll glauben, der junge Kim sei weniger gewaltbereit als sein Vater, der Nordkorea zur Atommacht aufrüstete und die Welt mit seiner Bombe erpresste. Die Vorstellung, dass ein knapp dreißigjähriger Tyrannensprössling nun über Nuklearwaffen sowie ein großes Arsenal an chemischen und biologischen Kampfstoffen verfügen könnte, ist in der Tat beängstigend…

Bernhard Bartsch | 20. Dezember 2011 um 02:28 Uhr

 

Tyrann alter Schule

Kim Jong-Il war ein Exzentriker zynischer Realpolitik. Nun ist er im Alter von 69 Jahren gestorben und hinterlässt seinem Son Kim Jong-un ein schwieriges Amt.

Über Kim Jong-il macht man keine Witze, findet Lee Yong-guk. Wenn es um den „Geliebten Führer“ geht, hat der 50-Jährige nie Spaß verstanden. Nicht damals, als er Kims Bodyguard war und für den vergötterten Landesvater bereitwillig sein Leben gegeben hätte. Und auch nicht später, als er von Kims Grausamkeiten desillusioniert nach Südkorea desertierte, wo der nordkoreanische Tyrann allgemein als Witzfigur galt. Dabei hat Lee in Kims Dienst viele Momente erlebt, die man mit genügend Abstand komisch finden könnte. „In seiner Jugend war Kim ein großer Trinker und ist nachts besoffen in seinem Mercedes über das Palastgelände gerast“, erzählte Lee kürzlich dieser Zeitung. „Wir Leibwächter hatten immer Panik, dass ihm etwas passiert und wir ihm helfen müssen.“ Wenn Kim betrunken oder schlecht gelaunt war, wollte man ihm nicht unter die Augen kommen…

Bernhard Bartsch | 19. Dezember 2011 um 17:58 Uhr

 

Zum Einstand eine Rakete

Nach dem Tod Kim Jong-ils soll sein jüngster Sohn Kim Jong-un die Macht übernehmen. Als erste Amtshandlung zündete er eine Kurzstreckenrakete.

Schluchzende Menschen beweinen auf den Straßen und Plätzen den Tod ihres „Geliebten Führers“: Nordkoreanische Fernsehbilder dokumentieren die öffentliche Trauer nach dem Tod von Diktator Kim Jong-il. Eine in Schwarz gekleidete Nachrichtensprecherin hatte am Montagmorgen mit tränenerstickter Stimme verkündet, dass der 69-Jährige am Samstag während einer Zugfahrt im Alter an Herzversagen gestorben sei. Er hatte Nordkorea seit dem Tod seines Vater Kim Il-sung im Jahr 1994 regiert und das abgeschottete und verarmte Land zur Atommacht gemacht…

Bernhard Bartsch | 19. Dezember 2011 um 16:58 Uhr

 

Kim in China – aber welcher?

Nordkoreas Diktator besucht seinen engsten Verbündeten. Womöglich ist die Reise auch der Antrittsbesuch seines jüngsten Sohnes und designierten Nachfolgers.

Wie immer ist alles höchst geheimnisvoll: Kim Jong-il, Nordkoreas undurchschaubarer Diktator, soll erneut nach China gereist sein. Es wäre das dritte Mal seit Mai vergangenen Jahres, dass der „Geliebte Führer“ seinen engsten Verbündeten besucht. Über die Visite, die bisher weder von nordkoreanischer noch von chinesischer Seite bestätigt worden ist, kursieren unterschiedliche Angaben…

Bernhard Bartsch | 22. Mai 2011 um 03:16 Uhr

 

China über Südkorea verstimmt

Chinas Außenminister Yang Jiechi hat seine Reise nach Südkorea verschoben. Die Ursache sind wohl Unsicherheiten über den Umgang mit Nordkorea.

Zwei Tage nach dem tödlichen Gefecht an der innerkoreanischen Seegrenze hat Chinas Außenminister Yang Jiechi eine Reise nach Südkorea auf unbestimmte Zeit verschoben. Dabei standen bei dem Treffen unter anderem Beratungen zum Neustart der Sechser-Gespräche über das nordkoreanische Atomprogramm auf der Tagesordnung. Angeblich habe es Terminprobleme gegeben, erklärte Seoul…

Bernhard Bartsch | 25. November 2010 um 15:08 Uhr

 

George Washington soll Kim Jong-un einschüchtern

Nach dem Angriff aus dem Norden unterstützen die USA ihren Verbündeten im Süden und verlegen einen Flugzeugträger ins Gelbe Meer.

Ein südkoreanisches Manöver war der Anlass für das tödliche Feuergefecht an der innerkoreanischen Grenze – und ein Manöver soll auch Seouls Antwort sein. Einen Tag, nachdem Nordkoreas Armee beim Beschuss der südkoreanischen Insel Yeonpyeong zwei Soldaten und zwei Zivilisten tötete, zwanzig Menschen verletzte und dutzende Häuser zerstörte, haben die Regierungen in Seoul und Washington demonstrativ eine gemeinsame Marineübung beschlossen. Dafür wird unter anderem der US-Flugzeugträger „George Washington“ ins Gelbe Meer verlegt…

Bernhard Bartsch | 24. November 2010 um 14:02 Uhr