Der dicke Bär macht Stunk
Widerspruch für Kim Jong-il: Sein ältester Sohn kritisiert aus dem Exil Nordkoreas Erbfolgeregelung.
Das enfant terrible des Kim-Klans meldet sich zurück: Kaum hat Nordkoreas Diktator Kim Jong-il seinen jüngsten Sohn, Kim Jong-un, bei einer pompösen Militärparade als Machterben präsentiert, kritisiert sein Ältester die dynastische Herrschaftsfolge. Kim Jong-nam, der seit Jahren in Peking und Macao lebt, sagte dem japanischen Fernsehsender TV Asahi, er sei persönlich dagegen, dass Nordkorea in dritter Generation von seiner Familie geführt werde…
Nordkorea bleibt in Familienbesitz
Diktator Kim Jong-il regelt sein Erbe und sichert den Machterhalt des Klans gleich doppelt ab: Seine Schwester und sein jüngster Sohn erhalten hohe Ämter.
Und die große Neuigkeit ist: Nordkoreas Diktator Kim Jong-il bleibt Nordkoreas Diktator! So lässt sich zusammenfassen, was die nordkoreanischen Medien am Dienstag über den ersten Parteikongress seit dreißig Jahren berichteten. Seit dem Morgen hatte die Staatspresse das Volk darauf vorbereitet, dass es um 14 Uhr Ortszeit eine „bedeutsame Nachricht“ geben werde, und verkündete dann, der „Geliebte Führer“ General Kim Jong-il sei von der Arbeiterpartei „unter einem Beifallssturm erneut als Generalsekretär nominiert worden“…
Diktator 3.0
Nordkoreas designierter Machthaber Kim Jong-un ist für das Ausland ein Phantom.
Sein Bild geht um die Welt, obwohl niemand sicher sein kann, dass es ihn tatsächlich zeigt: Kim Jong-un, der jüngste Sohn von Nordkoreas Diktator Kim Jong-il, gilt als designierter Nachfolger seines Vaters – und damit auch als Machterbe seines 1994 verstorbenen Großvaters Kim Il-sung. Doch für internationale Beobachter ist er ein Phantom. Alles, was über ihn bekannt ist, beruht mehr auf Gerüchten als auf gesicherten Erkenntnissen…
Das Testament des Tyrannen
Nordkorea beruft den größten Parteikongress seit drei Jahrzehnten ein. Wahrscheinlich soll er den jüngsten Sohn von Kim Jong-il zum Machterben küren.
Angaben über Nordkorea sind immer ohne Gewähr. Auf jede richtige Meldung kommen mindestens zwei falsche, sagen Experten. Schließlich hat das Ausland zu Pjöngjangs Nomenklatura so gut wie keine direkten Verbindungen, und angesichts des anhaltenden Kriegszustands mit Südkorea wird das politische Spiel mit Informationen und Desinformationen so lebhaft betrieben wie einst im Kalten Krieg. Obwohl die internationalen Nordkorea-Beobachter in den vergangenen Wochen mehrfach falsch gelegen haben, glauben sie nun, endlich wieder einen Treffer gelandet zu haben…
König Kim III.
Die Herrschaft von Nordkoreas Kim-Clans geht in die dritte Generation. Das Land wird damit zur ersten kommunistischen Erbmonarchie.
William Shakespeare liebte Tyrannen, und das aus gutem Grund. Kein Stoff bescherte ihm verlässlichere Erfolge als Dramen über Herrscher zwischen Allmacht und Ohnmacht. In der Realität würde zwar niemand die Exzesse eines Macbeth oder Richard III. erleben wollen, aber auf der Bühne garantierten schlechte Regenten stets das bessere Theater. Wenn die Weltöffentlichkeit derzeit wieder nach Nordkorea blickt, dann folgt auch sie vor allem der shakespearianischen Lust am Schauen und Schaudern…
Ende einer Geheimmission
Peking und Pjöngjang bestätigen Chinareise des nordkoreanischen Machthabers. Den wahren Anlass der Visite verraten sie aber nur zwischen den Zeilen.
Fünf Tage lang war es ein schlecht gehütetes Geheimnis, nun gibt es eine offizielle Bestätigung: Nordkoreas Machthaber Kim Jong-il ist zum zweiten Mal innerhalb von vier Monaten durch China gereist. Wie schon im Mai gaben die Regierungen die Visite erst bekannt, nachdem Kim am Montagnachmittag in seinem gepanzerten Sonderzug wieder die Grenze in sein Heimatland überquert hatte…
Kim versetzt Carter
Nordkoreas Diktator reist zum zweiten Mal in diesem Jahr nach China – ausgerechnet während einer Pjöngjang-Visite von Jimmy Carter.
Nordkoreas Diktator Kim Jong-il scheint zum zweiten Mal innerhalb von vier Monaten nach China gereist sein – ausgerechnet während eines Pjöngjang-Besuchs des ehemaligen US-Präsidenten Jimmy Carter. Südkoreas Regierung erklärte, Kim reise mit dem Zug und werde möglicherweise von seinem jüngsten Sohn und Wunschnachfolger Kim Jong-un begleitet…
Kim baut um
Nordkorea formt sein Kabinett um. Womöglich will Diktator Kim Jong-il so die Nachfolge seines Sohnes sichern.
Wenn Nordkoreas Medien von Autounfällen berichten, werden ausländische Beobachter stets hellhörig. Obwohl auf den Straßen des abgeschotteten und verarmten Landes nur wenige Fahrzeuge fahren, begründet Pjöngjang das Verschwinden prominenter Personen auffällig häufig mit Verkehrsunglücken, etwa den Tod mehrerer gekidnappter Japaner. Nun ist es Ri Je-gang, der 80-jährige Vize-Direktor des Zentralkomitees der Arbeiterpartei, der vergangenen Mittwoch in tiefer Nacht bei einer Karambolage gestorben sein soll…
Kommunistische Stiefbrüder
China gilt als Nordkoreas einziger Verbündeter. Doch die sozialistische Brudertreue ist erfüllt von Misstrauen.
Nordkorea und China seien wie „Lippen und Zähne“, beschrieb einst Mao Zedong die Beziehung der kommunistischen Bruderstaaten. Heute scheint es jedoch eher, als beiße sich China mit den Zähnen auf die Lippen: So sehr beide Länder auch nach außen ihre Freundschaft beschwören, so sehr ist das Verhältnis von wachsendem Misstrauen geprägt.
“China hat keinen Hebel, nur einen Hammer”
Nordkorea-Spezialist Andrei Lankov über Pekings Einfluss in Pjöngjang und Szenarien für einen Regimewechsel.
Bernhard Bartsch: Professor Lankov, die Lage auf der koreanischen Halbinsel spitzt sich zu. China gilt als das einzige Land, das auf Pjöngjang Druck ausüben könnte.
Andrei Lankov: Der Einfluss ist gering. Niemand hat einen Hebel, mit dem sich die nordkoreanische Politik in die eine oder andere Richtung steuern ließe, nicht einmal die Chinesen. Allerdings haben sie so etwas wie einen Hammer: Wenn sie den Handel und ihre finanzielle Unterstützung für Nordkorea kappen würden, wäre das für Kim Jong Il ein existenzieller Schlag. Aber im Moment ist noch nicht absehbar, dass die Chinesen ihren Hammer hervorholen würden…
Pjöngjang droht mit “totalem Krieg”
Nordkorea hat ein südkoreanisches Kriegsschiff versenkt – und bezeichnet das Untersuchungsergebnis nun seinerseits als Provokation.
Südkorea macht den Vorwurf gegen Nordkorea offiziell: Das Land soll an der innerkoreanischen Grenze den schwersten militärischen Zwischenfall seit 57 Jahren verursacht haben. Ein nordkoreanisches U-Boot soll am 26. März einen Torpedo auf das südkoreanische Patrouilleschiff “Cheonan” abgeschossen und die Korvette versenkt haben. 46 Besatzungsmitglieder starben…
Kims Kaffeesatz
Nach Kim Jong-ils China-Reise ist Nordkoreas Zukunft so ungewiss wie vorher. Doch Pekings politischer Rückendeckung kann sich der Diktator weiterhin sicher sein.
Sehr lang war es ein schlecht gehütetes Geheimnis, nun ist es offiziell: Nordkoreas Diktator Kim Jong-il hat diese Woche die Volksrepublik China bereist. Kurz nachdem der Sonderzug des “Geliebten Führers” gestern wieder die nordkoreanische Grenze überquert hatte, berichtete Chinas Nachrichtenagentur Xinhua von der Visite. Über den Zweck von Kims Reise und den Inhalt seiner Treffen mit Chinas Führung herrscht jedoch weiterhin Rätselraten…
Die Sonnenscheinwitwe
Hyundai-Chefin Hyun Jeong-eun ringt Nordkorea Öffnungssignale ab.
Kim Jong Il ist in Besucherlaune. Erst ließ sich Nordkoreas Diktator vor zwei Wochen Bill Clinton kommen, um zwei amerikanische Geiseln gegen einen öffentlichkeitswirksamen Fototermin zu tauschen. Nun traf er sich am Sonntag mit Hyun Jeong-Eun, der Chefin des südkoreanischen Hyundai-Konzerns. Die Begegnung mit der 54-jährigen Geschäftsfrau steht der Visite mit dem ehemaligen US-Präsidenten an Brisanz in nichts nach: Immerhin verdankt Kim Hyuns Familie hunderte Millionen Dollar – und sie ihm den Selbstmord ihres Mannes…
Kims Coup
Machtdemonstration oder Vertrauensbildung – nach Bill Clintons Nordkoreareise versuchen Experten die politischen Signale der Geiselfreilassung zu deuten.
Es war der Tag der Bilder – in den USA ebenso wie in Nordkorea. Am Mittwochmorgen, pünktlich zu den amerikanischen Frühnachrichten, schlossen die US-Journalistinnen Laura Ling und Euna Lee auf dem Flughafen von Los Angeles vor laufenden Kameras ihre Familien wieder in die Arme – nach viereinhalb Monaten in nordkoreanischer Haft…
Des Wahnsinns fette Beute
Bill Clinton will in Nordkorea die Freilassung von zwei US-Journalistinnen erreichen. Für Kim Jong-il ist der Besuch ein gewaltiger Propagandacoup.
Der Nordkoreakonflikt nimmt eine unerwartete Wendung: Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton reiste am Dienstag überraschend nach Pjöngjang, offenbar um die Freilassung von zwei inhaftierten US-Journalistinnen zu erreichen. Welche weiteren Verhandlungsaufträge ihm seine Frau, Außenministerin Hillary Clinton, mitgegeben haben könnte, ist in Diplomatenkreisen derzeit Thema heißer Spekulationen…