<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Bernhard Bartsch &#187; Kim Jong-il</title>
	<atom:link href="http://www.bernhardbartsch.de/archiv/tag/kim-jong-il/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.bernhardbartsch.de</link>
	<description>TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN</description>
	<lastBuildDate>Tue, 07 Feb 2012 05:05:31 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.3</generator>
		<item>
		<title>Unerwünschter Frühling</title>
		<link>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/unerwunschter-fruhling/</link>
		<comments>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/unerwunschter-fruhling/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 27 Dec 2011 09:01:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Kim Jong-il]]></category>
		<category><![CDATA[Kim Jong-un]]></category>
		<category><![CDATA[Nordkorea]]></category>
		<category><![CDATA[Südkorea]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.bernhardbartsch.de/?p=2920</guid>
		<description><![CDATA[<h3>Nordkorea demonstriert Kontinuität, doch der Druck zur Öffnung wächst und hat bereits begonnen, das System grundlegend zu verändern.</h3>
In Kim Taewoos Büro ist die koreanische Versöhnung bereits vollzogen. Auf der Landkarte hinter dem Schreibtisch des Präsidenten von Südkoreas staatlichem Institut für Wiedervereinigung teilt keine Grenze die Halbinselmehr in Nord und Süd. Die Darstellung ist ein politisches Statement, was sonst, doch seit vergangener Woche wirkt es so brisant wie lange nicht mehr. „Theoretisch ist jetzt alles möglich“, kommentiert der Politologe die Lage nach dem Tod von Diktator Kim Jong-il und bezweifelt, dass dessen Machterben das abgeschottete System langfristig aufrecht erhalten können...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Nordkorea demonstriert Kontinuität, doch der Druck zur Öffnung wächst und hat bereits begonnen, das System grundlegend zu verändern.</h3>
<p>In Kim Taewoos Büro ist die koreanische Versöhnung bereits vollzogen. Auf der Landkarte hinter dem Schreibtisch des Präsidenten von Südkoreas staatlichem Institut für Wiedervereinigung teilt keine Grenze die Halbinselmehr in Nord und Süd. Die Darstellung ist ein politisches Statement, was sonst, doch seit vergangener Woche wirkt es so brisant wie lange nicht mehr. „Theoretisch ist jetzt alles möglich“, kommentiert der Politologe die Lage nach dem Tod von Diktator Kim Jong-il und bezweifelt, dass dessen Machterben das abgeschottete System langfristig aufrecht erhalten können. „Aus südkoreanischer Sicht ist das eine positive Entwicklung.“</p>
<p>Zwar hütet man sich in Seoul vor voreiligen Planspielen, schon um nicht die falschen Signale nach Pjöngjang zu senden. Trotzdem wappnet man sich dafür, dass bald Bewegung in das erstarrte System kommt. Denn obwohl Nordkoreas Machtstrukturen für das Ausland in vieler Hinsicht einer Black Box gleichen,so galt es bisher doch als sicher, dass der Kurs des politisch isolierten, wirtschaftlich verarmten und militärisch provozierenden Landes in den vergangenen Jahrzehnten von seinem „Geliebten Führer“ Kim Jong-il bestimmt wurde. Diplomaten und Nordkoreaexperten warten deshalb gespannt auf Anzeichen, wie es ohne ihn weitergehen wird.</p>
<p>Bisher signalisiert das Regime Kontinuität. Wenige Stunden nach der Todesnachricht ließ Kims jüngster Sohn und designierter Nachfolger Kim Jong-un zwei Kurzstreckenraketen testen – offensichtlich ein Versuch, genauso ernst genommen zu werden wie sein Vater, der Nordkorea zur Atommacht aufrüstete. Im Vorfeld des Staatsbegräbnisses am Mittwoch zieht die Propaganda noch einmal alle Register des Führerkults, auf dem der Kim-Klan seine über sechzigjährige Herrschaft aufgebaut hat. In Kim Jong-ils Todesstunde habe sich der Himmel rot gefärbt und Tiere hätten trauernd den Kopf geneigt, verbreitet die Nachrichtenagentur KCNA, um im gleichen Zug Kim Jong-un als „großartigen Nachfolger“ von göttlicher Geburt zu verherrlichen. Das staatliche Versorgungssystem verteilt derzeit Sonderrationen an Fisch und anderen Lebensmitteln verteilt, angeblich die letzte Anweisung des Verstorbenen.</p>
<p>Ausländische Gäste sind zu der Trauerfeier nicht zugelassen. Die Zahl der Anmeldungen dürfte ohnehin klein gewesen sein. Neben China hat Nordkorea in der Welt kaum Freunde. Südkorea schickte am Montag immerhin eine informelle Kondolenzdelegation, bestehend aus Lee Hee-ho, der Witwe des ehemaligen südkoreanischen Präsidenten Kim Dae-jung, und Hyundai-Chefin Hyun Jeong-eun. Trotzdem beschwerte sich Pjöngjang bei Seoul über mangelnde Trauer.</p>
<p>Obwohl die Macht der Kims nicht unmittelbar gefährdet scheint, so steht das Regime dennoch unter hohem Veränderungsdruck. „Die bisherige Abschottung lässt sich nicht durchhalten“, sagt ein europäischer Diplomat in Pjöngjang. „Die Regierung weiß, dass sie ihr Land öffnen muss, und es ist auch kein Tabu mehr, das offen anzusprechen.“ Schon seit einigen Jahren ist der Wandel in Pjöngjang spürbar: Immer mehr Märkte und Geschäfte verkaufen chinesische Importwaren. Weil dem koreanischen Won kaum noch einer traut, wird offen in Euro und Yuan gehandelt, und selbst nordkoreanische Beamte machen in Gesprächen mit Ausländern keinen Hehl mehr aus der Existenz von Schwarzmärkten.</p>
<p>Das Regime unternimmt selbst große Anstrengungen, Devisen zu erwirtschaften: Im Industriepark Kaesong vermietet der Norden tausende billige Arbeitskräfte an Unternehmen im Süden. Arbeitertrupps werden auch nach Russland und in den Mittleren Osten geschickt. China, seinem wichtigsten politischen und wirtschaftlichen Partner, hat Nordkorea schon lange die Erschließung wichtiger Rohstoffabkommen abgetreten. Bei seiner letzten Auslandsreise nach Russland im August hatte Kim nicht nur darüber verhandelt, dort nordkoreanische Restaurants und eine Brauerei zu eröffnen, sondern sich auch offen für den Bau einer Gaspipeline gezeigt, die durch Nordkorea nach Südkorea führen soll und dem Land hohe Gebühren einbringen könnte.</p>
<p>„In Nordkorea ist in den vergangenen Jahren viel in Bewegung gekommen“, sagt Paik Hak-soon, Nordkoreaexperte am Sejon-Institut in Seoul. „Die entscheidende Frage ist, ob aus den Ansätzen eine echte Reformpolitik wird.“ Doch damit tut sich das Regime schwer. Eine Öffnung bedeutet ein ideologisches Dilemma, das an die Wurzeln ihrer Legitimation geht. Denn Kim Il-sungs „Juche“-Staatstheorie verordnet dem Land Selbständigkeit in allen Belangen. Schon der wachsende Einfluss von Importwaren und Devisenschwarzmärkten ist damit schwer zu vereinbaren. Einen grundlegenden Reform- oder Öffnungsbedarf kann das Regime schwer eingestehen.</p>
<p>Außerdem dürfte sein Volk kaum noch dem Kim-Kult folgen, wenn es erkennen würde, wie sehr es von seinen Führern getäuscht wurde. „Für die weitere Entwicklung sind viele Szenarien denkbar“, sagt Kim Taewoo vom Wiedervereinigungsinstitut. „Wenn der Norden eine Annäherung an den Süden sucht, kann er mit Offenheit auf unserer Seite rechnen.“ Zwar ist eine Wiedervereinigung noch nicht greifbarer als vor Kim Jong-ils Tod. Doch um für alle Eventualitäten gewappnet zu sein hat sich das Institut in den vergangenen Jahren von Wissenschaftlern der Freien Universität Berlin 44Bände mit Informationen und Materialien über die deutsche Wiedervereinigung zusammenstellen lassen, die Korea im Fall der Fälle nützen könnten.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/unerwunschter-fruhling/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Kim in der Kiste</title>
		<link>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/kim-in-der-kiste/</link>
		<comments>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/kim-in-der-kiste/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 20 Dec 2011 14:18:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Kim Jong-il]]></category>
		<category><![CDATA[Kim Jong-un]]></category>
		<category><![CDATA[Nordkorea]]></category>
		<category><![CDATA[Südkorea]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.bernhardbartsch.de/?p=2916</guid>
		<description><![CDATA[<h3>Nordkorea beweint seinen verstorbenen Diktator Kim Jong-il. Der Süden bemüht sich um versöhnliche Signale.</h3>
Die Nachricht fand nicht viel Aufmerksamkeit: Am vergangenen Freitag berichtete das chinesische Staatsfernsehen CCTV, das Pekinger Wachsfigurenmuseum habe für Nordkoreas Herrscher Kim Jong Il eine Statue seiner Mutter angefertigt. Mehr als 200 Würdenträger seien aus Pjöngjang angereist, um die Skulptur abzuholen. "Aber wer war wirklich in der Kiste?", fragt ein chinesischer Blogger. "Vielleicht ist Kim gar nicht in seinem Zug gestorben, sondern in einem chinesischen Krankenhaus." Das Gerücht ist einer von zahllosen Spötteleien, mit denen Internetbenutzer aller Welt den Tod des exzentrischen Tyrannen kommentieren...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Nordkorea beweint seinen verstorbenen Diktator Kim Jong-il. Der Süden bemüht sich um versöhnliche Signale.</h3>
<p>Die Nachricht fand nicht viel Aufmerksamkeit: Am vergangenen Freitag berichtete das chinesische Staatsfernsehen CCTV, das Pekinger Wachsfigurenmuseum habe für Nordkoreas Herrscher Kim Jong Il eine Statue seiner Mutter angefertigt. Mehr als 200 Würdenträger seien aus Pjöngjang angereist, um die Skulptur abzuholen. &#8220;Aber wer war wirklich in der Kiste?&#8221;, fragt ein chinesischer Blogger. &#8220;Vielleicht ist Kim gar nicht in seinem Zug gestorben, sondern in einem chinesischen Krankenhaus.&#8221;</p>
<p>Das Gerücht ist einer von zahllosen Spötteleien, mit denen Internetbenutzer aller Welt den Tod des exzentrischen Tyrannen kommentieren, der am Montag bekannt geworden war. Millionenfach wird derzeit ein Clip aus dem Film &#8220;Team America&#8221; verlinkt, in dem eine Kim-Marionette ihre Einsamkeit besingt. Verschwörungstheoretiker malen sich aus, ob Kim ermordet worden sei oder womöglich noch lebe. Mystiker sinnieren darüber, was es bedeutet, dass Kim im gleichen Alter gestorben ist wie Libyens Diktator Muammar al-Gaddafi und Iraks Saddam Hussein: mit 69 Jahren.</p>
<p>So wenig die Welt dem Kim nachweint, so sehr tun es seine Landsleute. Bis zum 29. Dezember sollen die Nordkoreaner um den „Geliebten Führers“ trauern, hat die Regierung angeordnet. Kims Leichnam wurde am Dienstag in einem Glassarg aufgebahrt. Sein jüngster Sohn und Nachfolger Kim Jong Un machte dem Toten dort als erster seine Aufwartung, begleitet von ranghohen Funktionären der Arbeiterpartei. Der Propagandaapparat, der dem jungen Kim bisher wenig Beachtung geschenkt hatte, scheint um den neuen Herrscher nun einen ähnlichen Persönlichkeitskult aufbauen zu wollen wie um seinen Vater und Großvater, Staatsgründer Kim Il Sung. Kim Jong Un sei „als großartige Persönlichkeit vom Himmel geboren&#8221;, berichtete die Nachrichtenagentur KCNA. Wie sein Vater soll er am heiligen Berg Paekdu das Licht der Welt erblickt haben. Die Parteizeitung „Rodong Sinmun&#8221; bezeichnete ihn als „geistigen Pfeiler und Leuchtturm der Hoffnung&#8221; für Militär und Volk.</p>
<p>Was Kims Tod tatsächlich für die Machtverhältnisse in Nordkorea bedeutet, ist für Außenstehende bisher rätselhaft. Nachdem das nordkoreanische Militär am Montag wenige Stunden nach der Bekanntgabe von Kims Tod zwei Kurzstreckenraketen ins Meer geschossen hatte, kam es am Dienstag nicht zu erneuten Provokationen. Südkorea, das sich mit dem Norden seit dem Koreakrieg (1950 – 1953) formell noch immer im Kriegszustand befindet, zeigte sich seinerseits bemüht, aggressive Signale zu vermeiden. Die Regierung sprach den Nordkoreanern ihr Mitgefühl aus.</p>
<p>Zwar will Seoul keine offizielle Delegation zum Staatsbegräbnis am 28. Dezember schicken. Als versöhnliche Geste sollen aber Angehörigen des früheren südkoreanischen Präsidenten Kim Dae-jung, der sich im Rahmen der Sonnenschein-Politik um eine Annäherung der beiden Koreas bemüht hatte, nach Pjöngjang reisen dürfen. Südkoreas Verteidigungsminister Kim Kwan Jin erklärte außerdem, man werde christliche Gruppierungen, die an der innerkoreanischen Grenze große Leuchtinstallationen in Form von Weihnachtsbäumen aufbauen wollten, von ihrem Vorhaben abzubringen versuchen. Der Norden hatte dies als „psychologische Kriegsführung&#8221; verurteilt.</p>
<p>Nichtsdestotrotz hat der Süden eine Reihe von Notfallplänen aktiviert. Neben dem Militär wurden auch Energieunternehmen in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Sie sollen Szenarien für einen möglichen Angriff auf Südkoreas Energieinfrastruktur durchspielen. Gleichzeitig wappnen sich südkoreanische Internetspezialisten für mögliche Hackerangriffe aus dem Norden.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/kim-in-der-kiste/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Auftritt Kim III.</title>
		<link>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/auftritt-kim-iii/</link>
		<comments>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/auftritt-kim-iii/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 20 Dec 2011 00:28:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Kim Jong-il]]></category>
		<category><![CDATA[Kim Jong-un]]></category>
		<category><![CDATA[Nordkorea]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.bernhardbartsch.de/?p=2914</guid>
		<description><![CDATA[<h3>Die Herrschaft von Nordkoreas Kim-Clans geht in die dritte Generation. Doch dem Veränderungsdruck kann das Regime nur noch schwer standhalten.</h3>
Nordkoreas neuer Machthaber tritt auf, wie sein Vater abgetreten ist: mit einer militärischen Machtdemonstration. Wenige Stunden nach der Bekanntgabe von Kim Jong Ils Tod hat sein jüngster Sohn Kim Jong Un eine Mittelstreckenrakete ins Meer schießen lassen. Die Botschaft scheint eindeutig: Keiner soll glauben, der junge Kim sei weniger gewaltbereit als sein Vater, der Nordkorea zur Atommacht aufrüstete und die Welt mit seiner Bombe erpresste. Die Vorstellung, dass ein knapp dreißigjähriger Tyrannensprössling nun über Nuklearwaffen sowie ein großes Arsenal an chemischen und biologischen Kampfstoffen verfügen könnte, ist in der Tat beängstigend...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Die Herrschaft von Nordkoreas Kim-Clans geht in die dritte Generation. Doch dem Veränderungsdruck kann das Regime nur noch schwer standhalten.</h3>
<p>Nordkoreas neuer Machthaber tritt auf, wie sein Vater abgetreten ist: mit einer militärischen Machtdemonstration. Wenige Stunden nach der Bekanntgabe von Kim Jong Ils Tod hat sein jüngster Sohn Kim Jong Un eine Mittelstreckenrakete ins Meer schießen lassen. Die Botschaft scheint eindeutig: Keiner soll glauben, der junge Kim sei weniger gewaltbereit als sein Vater, der Nordkorea zur Atommacht aufrüstete und die Welt mit seiner Bombe erpresste.</p>
<p>Die Vorstellung, dass ein knapp dreißigjähriger Tyrannensprössling nun über Nuklearwaffen sowie ein großes Arsenal an chemischen und biologischen Kampfstoffen verfügen könnte, ist in der Tat beängstigend – zumal viele Anzeichen darauf hindeuten, dass Kim Jong Un einen wackligen Thron besteigt und leicht dazu verleitet sein könnte, sein Glück in militärischen Abenteuern zu suchen, um sich damit innen- und außenpolitischen Respekt zu verschaffen.</p>
<p>Wer in Nordkorea nach dem Tod des „Geliebten Führers“ allerdings tatsächlich die Entscheidungsmacht hat, ist ein großes Rätsel. Kim Jong Il bemühte sich stets, unberechenbar zu sein, und doch waren seine Bedrohungsstrategien durchschaubar. Mit seinem Tod ist Nordkorea nun wirklich zu einer weltpolitischen Unbekannten geworden. Eine der wenigen Gewissheiten besteht darin, dass der Veränderungsdruck in dem isolierten und verarmten Land gewaltig ist und stetig wächst. Das kann im besten Fall zu friedlichen Reformen und im schlimmsten Fall zum Krieg führen.</p>
<p>Sicher ist auch, das Kim III. eine ungleich schwächere Machtbasis hat als sein Vater und Großvater. Kim Il Sung regierte mit dem Charisma eines Revolutionshelden, der sich seine Position im Krieg gegen Japaner und Amerikaner erkämpft hatte und seinem Volk die Vision eines Neuanfangs nach sowjetischem Vorbild aufzeigen konnte. Kim Jong Il konnte mit der Ausstrahlung seines Vaters zwar nicht mithalten, sich dafür aber jahrzehntelang auf seine Machtübernahme vorbereiten und seine Stellung in der Partei und im Militär absichern.</p>
<p>Kim Jong Un hat dagegen erst vor einem Jahr die politische Bühne betreten, und obwohl ihm sein Vater ein Machtgeflecht aus politischen Getreuen gesponnen haben mag, die ihm als Mentoren dienen sollen, bleibt für seine Legitimation nur der schwache Restglanz eines Gründerenkels. Selbst wenn Nordkoreas Propagandaapparat um den dritten Kim einen ähnlichen Personenkult inszenieren sollte wie um seine Vorfahren, so ist die Autorität des jugendlichen „Großen Nachfolgers“ in den Eliten doch gering.</p>
<p>Das politische Überleben Kim Jong Uns und seiner Verbündeten hängt deshalb maßgeblich davon ab, dass sie die Privilegien der Regimeträger weiterhin sichern können. Das wird zunehmend schwierig. Je mehr Nordkorea international auf Konfrontationskurs geht, desto weniger kommt es an die Devisen, die es braucht, um die Eliten mit teuren Importwaren zu versorgen. Eine deutlich engere Integration in die Weltgemeinschaft ist für das Regime gleichermaßen gefährlich. Denn wenn dem nordkoreanischen Volk bewusst würde, wie vorsätzlich seine Regierung es in den vergangenen Jahrzehnten vom Fortschritt abgeschnitten hat, würde es seine Illusionen über die Kims schnell verlieren.</p>
<p>Das Trugbild weiter aufrecht zu erhalten, dürfte das einzige Interesse sein, das die widerstreitenden Fraktionen in Partei und Militär wirklich eint. Denn ein Sturz der Kim-Dynastie wäre auch für sie bedrohlich. Ob Kim Jong Un in einer solchen Gemengelage mehr ist als eine politische Marionette, die nach außen Kontinuität vermitteln soll, ist eine der großen Fragen, zu denen Nordkoreabeobachter und Diplomaten in Zukunft Antworten suchen werden. Denn sollte nicht mehr ein allmächtiger Tyrann vom Schlage Kim Jong Ils das System beherrschen, sondern ein Wettstreit unterschiedlicher Kräfte beginnen, dürften sich für das Ausland bald auch Möglichkeiten ergeben, mit diesen Bündnisse einzugehen.</p>
<p>China, Nordkoreas engster Verbündeter, pflegt gute Beziehungen zu Teilen der Nomenklatura. Südkorea hat seinerseits ebenfalls Kontakte, nicht zuletzt, weil rund 25 000 nordkoreanische Überläufer im Süden leben, darunter viele ehemalige Systemträger. Bisher gelten sie in ihrer Heimat als Verräter, doch schon bald könnten sie Brückenköpfe in die Freiheit werden. Viele Szenarien sind denkbar, und auch wenn noch offen zu sein scheint, wie sich die Lage in Nordkorea entwickelt, so dürfte es nach Jahrzehnten politischer Starre doch endlich Bewegung geben. Aus Sicht der nordkoreanischen Bevölkerung, die vom Kim-Clan seit über sechs Jahrzehnten in Geiselhaft gehalten wird, kann es nur besser werden.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/auftritt-kim-iii/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Tyrann alter Schule</title>
		<link>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/tyrann-alter-schule/</link>
		<comments>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/tyrann-alter-schule/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 19 Dec 2011 15:58:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Kim Jong-il]]></category>
		<category><![CDATA[Kim Jong-un]]></category>
		<category><![CDATA[Nordkorea]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.bernhardbartsch.de/?p=2906</guid>
		<description><![CDATA[<h3>Kim Jong-Il war ein Exzentriker zynischer Realpolitik. Nun ist er im Alter von 69 Jahren gestorben und hinterlässt seinem Son Kim Jong-un ein schwieriges Amt.</h3>
<a href="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2011/12/IMG_9359.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-2907" title="Kim Jong-il" src="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2011/12/IMG_9359.jpg" alt="" width="150" height="228" /></a>Über Kim Jong-il macht man keine Witze, findet Lee Yong-guk. Wenn es um den „Geliebten Führer“ geht, hat der 50-Jährige nie Spaß verstanden. Nicht damals, als er Kims Bodyguard war und für den vergötterten Landesvater bereitwillig sein Leben gegeben hätte. Und auch nicht später, als er von Kims Grausamkeiten desillusioniert nach Südkorea desertierte, wo der nordkoreanische Tyrann allgemein als Witzfigur galt. Dabei hat Lee in Kims Dienst viele Momente erlebt, die man mit genügend Abstand komisch finden könnte. „In seiner Jugend war Kim ein großer Trinker und ist nachts besoffen in seinem Mercedes über das Palastgelände gerast“, erzählte Lee kürzlich dieser Zeitung. „Wir Leibwächter hatten immer Panik, dass ihm etwas passiert und wir ihm helfen müssen.“ Wenn Kim betrunken oder schlecht gelaunt war, wollte man ihm nicht unter die Augen kommen...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Kim Jong-Il war ein Exzentriker zynischer Realpolitik. Nun ist er im Alter von 69 Jahren gestorben und hinterlässt seinem Son Kim Jong-un ein schwieriges Amt.</h3>
<p><a href="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2011/12/IMG_8748.jpg"><img class="alignleft size-large wp-image-2909" title="Kim Vater und Sohn vor Berg Paekdu" src="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2011/12/IMG_8748-1024x544.jpg" alt="" width="430" height="228" /></a>Über Kim Jong-il macht man keine Witze, findet Lee Yong-guk. Wenn es um den „Geliebten Führer“ geht, hat der 50-Jährige nie Spaß verstanden. Nicht damals, als er Kims Bodyguard war und für den vergötterten Landesvater bereitwillig sein Leben gegeben hätte. Und auch nicht später, als er von Kims Grausamkeiten desillusioniert nach Südkorea desertierte, wo der nordkoreanische Tyrann allgemein als Witzfigur galt. Dabei hat Lee in Kims Dienst viele Momente erlebt, die man mit genügend Abstand komisch finden könnte. „In seiner Jugend war Kim ein großer Trinker und ist nachts besoffen in seinem Mercedes über das Palastgelände gerast“, erzählte Lee kürzlich dieser Zeitung. „Wir Leibwächter hatten immer Panik, dass ihm etwas passiert und wir ihm helfen müssen.“ Wenn Kim betrunken oder schlecht gelaunt war, wollte man ihm nicht unter die Augen kommen.</p>
<p>Als er sich einmal im Suff dazu hinreißen lassen habe, es vor den Augen eines Freundes mit einem seiner Lustmädchen zu treiben, habe er diesen am nächsten in sein Büro zitiert, ihm einen Revolver überreicht und ihn aufgefordert, sich selbst zu erschießen. Selbst enge Vertraute vermieden deshalb ungeplante Begegnungen. „Ich habe häufig beobachtet, wie Minister hinter Mauern oder Bäume flüchteten, wenn Kim im Anmarsch war“, erinnert sich Lee. „Niemand wollte alleine seiner Unberechenbarkeit ausgesetzt sein.“</p>
<p>Kim der Unberechenbare. Kim der Grausame. Kim der Komische. Nun ist Nordkoreas Diktator im Alter von 69 Jahren gestorben. Schon am Samstag soll er während einer Inspektionsreise in seinem Sonderzug einem Herzinfarkt erlegen sein, gab das nordkoreanische Staatsfernsehen am Montag bekannt. „Es ist der größte Verlust für unsere Partei und der größte Trauerfall für unser Volk und Land&#8221;, erklärte eine in schwarz gekleidete Nachrichtensprecherin unter Tränen. Das Volk müsse nun „unsere Traurigkeit in Stärke umwandeln und unsere Schwierigkeiten überwinden.&#8221;</p>
<p>Schwierigkeiten hinterlässt Kim Jong-il im Übermaß. Die Demokratische Volksrepublik Korea ist heute eines der ärmsten Länder der Welt. Während es in den Nachbarländern Südkorea und China boomt, leidet ein großer Teil der Nordkoreaner an Unterernährung. Vom Ausland schottet sich der Staat nach Kräften ab. Über den Rest der Welt wissen die Nordkoreaner nur wenig, dafür müssen sie die Propaganda ihres eigenen Regimes auswendig können. Wer ideologisch nicht streng auf Linie ist, wird brutal bestraft. Der Kalte Krieg ist in Nordkorea noch immer in vollem Gange. Kim Jong-il wollte es so.</p>
<p>Denn obwohl er wegen seiner absonderlichen Erscheinung – Plateauschuhe und enge Armeeanzüge, abstehende Haare und große Sonnenbrillen &#8211; oft als weltpolitische Witzfigur betrachtetet wurde, war er ein Tyrann alter Schule. „Kim verstand es immer, die Menschen in seiner Umgebung in permanenter Angst zu halten“, sagt Gwon Hyoek, ein ehemaliger nordkoreanischer Geheimagent, der einst zu Kims innerem Zirkel gehörte und heute ebenfalls in Südkorea lebt. „Für interne Zwecke hatte er seine Sicherheitsdienste, die jeden Nordkoreaner nach Belieben terrorisieren konnten, und für die Außenpolitik hatte er die Atombombe.“ Mit den Nuklearwaffen, die Nordkorea 2006 und 2009 testete, konnte Kim immer wieder die Aufmerksamkeit der Weltpolitik auf sich ziehen und die großen Mächte der Region – allen voran China und die USA – gegeneinander ausspielen.</p>
<p>Es ist das Diktatorenhandwerk, das Kim von seinem Vater Kim Il-sung (1912-1994) gelernt hatte &#8211; und an dem er sich ein Leben lang abarbeitete. Denn Kim Senior war als Vaterfigur übermächtig: ein kommunistischer Revolutionär der ersten Stunde, der sein Land von der japanischen Kolonialherrschaft befreite; ein Hüne von Mann, dessen Persönlichkeit jeden noch so großen Saal ausfüllte; ein Charismatiker, der Frauen in Ekstase versetzen und Männer in Schlachten treiben konnte. Kim Junior hatte keine andere Wahl, als diesem Vater nachzueifern.</p>
<p>Geboren wurde Kim Jong-il am 16. Februar 1942 in einem Militärlager in der Sowjetunion, wo die Truppen seines Vaters Zuflucht vor den Japanern gefunden hatten. Nordkoreas offizielle Geschichtsschreibung berichtet heute allerdings von einer Geburt nach messianischem Vorbild: Kims Mutter soll demnach in einer schäbigen Holzhütte an Koreas heiligem Berg Paekdu niedergekommen sein. Das Haus ist heute eine nationale Wallfahrtstädte und Darstellungen vom Berg Paekdu sind ein fester Bestandteil der propagandistichen Ikonographie.<br />
Kims Mutter starb, als er sieben Jahre alt war, und der Junge war fortan mit seinem Vater allein. Die Unterschiede von Kim dem Älteren und Kim dem Jüngeren waren von klein auf sichtbar. Kränklich und schüchtern soll Kim Jong-il gewesen sein, und vergeblich um die Anerkennung des Vaters  gerungen haben. Als einziger Sohn war er dennoch der natürliche Machterbe. 1964 begann Kim seine Karriere in der Arbeiterpartei, in den Abteilungen für Propaganda und Ideologie. 1974 wurde er ins Politbüro gewählt und führte die Parteijugendorganisation der „Revolutionären Brigaden&#8221;. Im Alter von 38 Jahren bekam er die Leitung des Politbüros, des Parteisekretariats und der Militärkommission übertragen und wurde damit zur Nummer Zwei im Staat und zum designierten Nachfolger.</p>
<p>Wie dem Vater wurde auch dem Sohn ein Personenkult auf den Leib geschnitten. Er erhielt den Titel „Geliebter Führer&#8221;. Lieder wurden auf ihn gedichtet, die vom Volk in speziellen Notizbüchern aufgeschrieben werden mussten. 1982 wurde sein Geburtstag zum Staatsfeiertag erklärt und ab 1986 sogar auf zwei Tage ausgedehnt. Das Propaganda-Ministerium verbreitete Geschichten über seine übermenschlichen Fähigkeiten: Während seines Studiums soll er jeden Tag ein Buch geschrieben und immerhin sechs Opern verfasst haben. In der Schule wurde sein Leben als eigenes Schulfach eingeführt. Unterrichtseinheiten sind: der überragende Theoretiker, der Held des Volkes, der erfahrene Staatslenker, das Organisationsgenie, der Unterstützer des einfachen Volkes, das Idol aller Völker. Hebammen bekamen die Anweisung, Müttern nach der Geburt einen Löffel Honig in den Mund zu stecken, mit dem Hinweis, dies sei ein Geschenk des lieben Führers.</p>
<p>Hinter den Kulissen ging es dagegen ruppiger zu. „Kim schaffte damals seine eigenen Abhängigkeitssysteme“, erklärt Ex-Agent Gwon. Weil sein Großvater an Kim Il-sungs Seite gekämpft hatte, gehörte er in den Achtzigern zu den Vertrauten des Kim-Klans. „Ich wurde damit beauftragt, lokale Kader zu überwachen und die Sicherheit von Gefängnissen für politische Häftlinge zu überprüfen.“ Auch an Auslandseinsätzen  die direkt von Kim angeordnet worden seien, sei er beteiligt gewesen. Er habe Japaner gekidnappt, die in Nordkorea Spione ausbilden sollten, und geholfen, im Ausland gefälschte US-Dollar in Umlauf zu bringen oder Waffen zu kaufen. Wer in Kim Jong-ils Gunst stand, bekam von der Armut im Lande wenig mit: Das Regime importierte große Mengen Cognac und Bordeaux-Weine. „Kim ließ im Regierungsviertel eine eigene Wurstfabrik bauen“, erzählt Lee, der Ex-Bodyguard. „Er war ein wirklicher Lebemann.“ Zu seinem Gefolge gehörten auch stets junge Frauen. Seine erste Frau, die Ballerina Song Hye-rim, ließ er zu sich in den Palast bringen, nachdem er sich bei einer Vorstellung in sie verguckt hatte. „Song war verheiratet, aber das kümmerte Kim nicht“, erzählt Kim Yong-sun, eine Jugendfreundin, die heute ebenfalls im Süden lebt. „Um kein Gerede aufkommen zu lassen, verschwanden viele Leute, die sie kannten, im Straflager.“<br />
Trotz des eingespielten Terrorsystems war nach Kim Il-sungs Tod im Jahr 1994 keineswegs klar, ob sich sein Sohn an der Macht würde halten können. Durch den Zusammenbruch der Sowjetunion hatte Nordkorea seinen größten Unterstützter verloren. Das Volk litt Hunger.</p>
<p>China und die USA machten Kim Avancen und versuchten das Land zur Öffnung zu bewegen. Doch Kim entschied sich dagegen. Er hatte Angst, so zu enden wie die Diktatoren Osteuropas, die von ihren Völkern aus dem Amt gejagt worden waren. Statt Wirtschaftsreformen auszurufen, gab er die Devise „Militär zuerst“ aus und machte die Armee endgültig zu seiner Machtbasis. Auf südkoreanische Annäherungsangebote im Rahmen der Sonnenscheinpolitik ging er zwar zum Schein ein, doch nur weil im Hintergrund gewaltige Summen flossen. Für ein Treffen mit Südkoreas Präsident Kim Daejung im Jahr 2000 zahlten ihm südkoreanische Industrielle 400 Millionen Dollar – Devisen, die er dringend brauchte, um sein System am Laufen zu halten und die Eliten mit Annehmlichkeiten zu versorgen. Gleichzeitig trieb er die Entwicklung einer eigenen Atombombe voran. Im Oktober 2006 führte Nordkorea seinen ersten Test durch – und Kim Jong-il hatte eine Errungenschaft, mit der er aus dem Schatten seines Vaters heraustreten konnte. Fortan wurde er in der Weltpolitik ernst genommen, ohne sich in sie integrieren zu müssen.</p>
<p>Doch so gut es ihm gelang, seine Macht zu sichern, so schwierig fiel es ihm, die Weichen für seine Nachfolge zu stellen. Eigentlich hatte er nach koreanischer Tradition seinen Erstgeborenen aus der Beziehung mit   Song Hye-rim  als Erbe einsetzen wollen, Kim Jong-nam, heute 40. „Jong nam wurde von klein auf wie ein Prinz behandelt und tauchte schon als Kind bei Staatsbesuchen auf“, erzählt Lee. Doch der Junge hatte von seinem Vater zwar die Exzentrik geerbt, nicht aber das Machtgeschick. Weil  er im Mai 2001 am Flughafen in Tokio verhaftet wurde, als er mit einem gefälschten Pass der Dominikanischen Republik einreisen wollte, um Disneyland zu besuchen, fiel er bei seinem Vater in Ungnade und lebt seitdem im Glücksspielparadies Macao.</p>
<p>Mit dem zweiten Atombombentest im Mai 2009 wurde dann der Drittgeborene und jüngste Sohn Kim Jong-un als Nachfolger vorgestellt. Im System war er offensichtlich nicht einfach durchzusetzen, und auch China, Nordkoreas einziger Verbündeter, stellte sich gegen eine dynastische Erbfolge. Als Kim Jong-il im August 2009 einen Schlaganfall erlitt und monatelang aus der Öffentlichkeit verschwand, sahen einige Beobachter die Macht der Kims schon im Schwinden. Doch der „Geliebte Führer“ berappelte sich noch einmal und schaffte es im Herbst 2010 schließlich, seinen Sohn in die nötigen Parteiämter zu hieven. Nordkoreas Staatsmedien bezeichnen ihn nun als „Großen Nachfolger“. Er hätte allen Grund, seinen Vater für sein Erbe zu verfluchen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/tyrann-alter-schule/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Zum Einstand eine Rakete</title>
		<link>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/zum-einstand-eine-rakete/</link>
		<comments>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/zum-einstand-eine-rakete/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 19 Dec 2011 14:58:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Kim Jong-il]]></category>
		<category><![CDATA[Kim Jong-un]]></category>
		<category><![CDATA[Nordkorea]]></category>
		<category><![CDATA[Südkorea]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.bernhardbartsch.de/?p=2912</guid>
		<description><![CDATA[<h3>Nach dem Tod Kim Jong-ils soll sein jüngster Sohn Kim Jong-un die Macht übernehmen. Als erste Amtshandlung zündete er eine Kurzstreckenrakete.</h3>
Schluchzende Menschen beweinen auf den Straßen und Plätzen den Tod ihres „Geliebten Führers“: Nordkoreanische Fernsehbilder dokumentieren die öffentliche Trauer nach dem Tod von Diktator Kim Jong-il. Eine in Schwarz gekleidete Nachrichtensprecherin hatte am Montagmorgen mit tränenerstickter Stimme verkündet, dass der 69-Jährige am Samstag während einer Zugfahrt im Alter an Herzversagen gestorben sei. Er hatte Nordkorea seit dem Tod seines Vater Kim Il-sung im Jahr 1994 regiert und das abgeschottete und verarmte Land zur Atommacht gemacht...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Nach dem Tod Kim Jong-ils soll sein jüngster Sohn Kim Jong-un die Macht übernehmen. Als erste Amtshandlung zündete er eine Kurzstreckenrakete.</h3>
<p>Schluchzende Menschen beweinen auf den Straßen und Plätzen den Tod ihres „Geliebten Führers“: Nordkoreanische Fernsehbilder dokumentieren die öffentliche Trauer nach dem Tod von Diktator Kim Jong-il. Eine in Schwarz gekleidete Nachrichtensprecherin hatte am Montagmorgen mit tränenerstickter Stimme verkündet, dass der 69-Jährige am Samstag während einer Zugfahrt im Alter an Herzversagen gestorben sei. Er hatte Nordkorea seit dem Tod seines Vater Kim Il-sung im Jahr 1994 regiert und das abgeschottete und verarmte Land zur Atommacht gemacht.</p>
<p>„Die Erschütterung der Menschen ist echt“, berichtet ein Europäer in Pjöngjang per Telefon. „Niemand hat damit gerechnet.“ Obwohl Kim nach einem Schlaganfall im Jahr 2009 als schwerkrank galt, hatte Nordkoreas Propaganda das Volk nie über den kritischen Gesundheitszustand ihres Führer informiert. Die offizielle Trauerfeier soll am 28. Dezember stattfinden. Die Regierung hat eine Trauerperiode bis zum 29. Dezember ausgerufen. Die Macht soll nun Kims jüngster Sohn, Kim Jong-un, übernehmen. Die staatliche Nachrichtenagentur KCNA bezeichnete ihn am Montag als „großen Nachfolger“. Als erste Amtshandlung soll er am Montag eine Kurzstreckenrakete getestet haben, berichtete die südkoreanische Agentur Yonhap. Damit will er offenbar seine Macht demonstrieren und sich die Loyalität des Militärs sichern.</p>
<p>Über die Stabilität des Landes herrscht große Unklarheit. „Niemand weiß, wie gefestigt Kim Jong-uns Macht ist“,sagt Kim Taewoo, Präsident von Südkoreas staatlichem Institut für Wiedervereinigung dieser Zeitung. „Theoretisch ist alles denkbar – auch ein offener Machtkampf.“ Kim Jong-uns eigene Führungsqualitäten bezweifelt er. „Er hat keine eigene Machtbasis, keine politische Plattform, keine charismatische Persönlichkeit“, sagt Kim. „Trotzdem werden Nordkoreas privilegierte Klassen, allen voran auch das Militär, alles tun, um am Status quo festzuhalten.“ Eine gewachsene militärische Bedrohung sieht er deshalb vorerst nicht. Südkoreas Regierung versetzte ihr Militär in Alarmbereitschaft.</p>
<p>Paik Hak-soon, Nordkoreaexperte am Sejon-Institut in Seoul, sieht Kim Jong-uns Macht gefestigt genug, um einen unmittelbaren Zusammenbruch des nordkoreanischen Regimes auszuschließen. „Offensichtlich haben sich die Mächtigen in den letzten beiden Tagen darauf verständigt, dass Kim Jong-un tatsächlich der neue Führer werden soll“, sagt Paik. „Kurzfristig rechne ich deshalb nicht mit Veränderungen.“</p>
<p>Der südkoreanische Nordkoreaforscher und Menschenrechtsaktivist Kim Sang-hun ist weniger sicher. „Die Situation ist im Moment wie einem American Football, der in der Luft ist und bei dem keiner sagen kann, wie er nach dem Aufprall abspringen wird“, sagt Kim. Internationale Regierungen, allen voran China und die USA, würden nun versuchen, ihre Kontakte nach Pjöngjang zu nutzen und die dortigen Eliten an sich zu binden. „In Nordkorea gibt es viele konkurrierende Interessen und ich gehe von einem großen Machtkampf aus“, sagt Kim.</p>
<p>Über Kim Jong-un ist wenig bekannt. Sein Geburtsjahr wird je nach Quelle mit 1982, 1983 oder 1984 angegeben. Einen Großteil seiner Jugend verbrachte er in der Schweiz, wo er in der nordkoreanischen Botschaft lebte und die Internationale Schule Bern besuchte. Demnach müsste er über gute Englisch-Kenntnisse sowie einige Deutsch- und Französisch-Kenntnisse verfügen. Mitschüler kolportierten, der Diktatorensohn liebe Basketball sowie Actionfilme und sei bei seinen internationalen Klassenkameraden beliebt gewesen. 1998 verließ Kim die Schule angeblich ohne Abschluss und verschwand in Nordkorea, wo bis auf vereinzelte Berichte über gemeinsame Inspektionsreisen mit seinem Vater lange Jahre nichts von ihm zu hören war. Im Mai 2009, unmittelbar nach Nordkoreas zweitem Atombombentest, informierte das Regime dann seine Auslandsvertretungen über die Wahl des Machterben. Im September 2010 wurde er dann auf einem Sonderparteitag in den Rang eines Vier-Sterne-Generals erhoben und in führende Parteigremien befördert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Als Mentoren sollen ihm die Schwester seines Vaters, Kim Kyoung-hui, sowie deren Mann Chang Song-taek dienen und die Macht des Kim-Clans absichern. Chang war bisher Kim Jong-ils Stellvertreter in der Nationalen Verteidigungskommission, der wichtigsten Machtzentrale. In der Armeeführung soll die Beförderung von Kim Jong-un auf große Vorbehalte gestoßen sein. Auch Nordkoreas wichtigster politischer Verbündeter, China, soll sich gegen die dynastische Erbfolge ausgesprochen haben und für eine Kollektivführung der Arbeiterpartei plädiert haben.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/zum-einstand-eine-rakete/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Kim in China &#8211; aber welcher?</title>
		<link>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/kim-in-china-aber-welcher/</link>
		<comments>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/kim-in-china-aber-welcher/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 22 May 2011 01:16:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Kim Jong-il]]></category>
		<category><![CDATA[Kim Jong-un]]></category>
		<category><![CDATA[Nordkorea]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.bernhardbartsch.de/?p=2586</guid>
		<description><![CDATA[<h3>Nordkoreas Diktator besucht seinen engsten Verbündeten. Womöglich ist die Reise auch der Antrittsbesuch seines jüngsten Sohnes und designierten Nachfolgers.</h3>
Wie immer ist alles höchst geheimnisvoll: Kim Jong-il, Nordkoreas undurchschaubarer Diktator, soll erneut nach China gereist sein. Es wäre das dritte Mal seit Mai vergangenen Jahres, dass der „Geliebte Führer“ seinen engsten Verbündeten besucht. Über die Visite, die bisher weder von nordkoreanischer noch von chinesischer Seite bestätigt worden ist, kursieren unterschiedliche Angaben...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Nordkoreas Diktator besucht seinen engsten Verbündeten. Womöglich ist die Reise auch der Antrittsbesuch seines jüngsten Sohnes und designierten Nachfolgers.</h3>
<p>Wie immer ist alles höchst geheimnisvoll: Kim Jong-il, Nordkoreas undurchschaubarer Diktator, soll erneut nach China gereist sein. Es wäre das dritte Mal seit Mai vergangenen Jahres, dass der „Geliebte Führer“ seinen engsten Verbündeten besucht. Über die Visite, die bisher weder von nordkoreanischer noch von chinesischer Seite bestätigt worden ist, kursieren unterschiedliche Angaben. Vergangenen Freitag hatten südkoreanische Medien zunächst unter Berufung auf Regierungsquellen in Seoul berichtet, Kims jüngster Sohn und Wunschnachfolger Kim Jong-un sei zu seinem seit langem erwarteten Antrittsbesuch in China aufgebrochen. Einen Tag später hieß es dann jedoch, Kim Jong-il selbst reise in dem im Grenzort Tumen gesichteten Sonderzug. Bisher sei unklar, ob sein Sohn mit von der Partie sei, meldete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap am Sonntag.</p>
<p>Dennoch will man in Seoul Details über Kims Reiseroute in Erfahrung gebracht haben. Demnach habe der 69-Jährige zunächst im nordchinesischen Changchun ein Werk des Autoherstellers First Automotive Works (FAW) besichtigt, der in der Stadt auch Gemeinschaftsunternehmen mit Volkswagen und Audi betreibt. Am Sonntag reiste Kim dann offenbar mit dem Zug nach Südchina, wo er unter anderem in der Industriestadt Yangzhou Station machen soll, die er bereits vor zehn Jahren besucht hatte. Die Tour könnte ein weiterer Versuch der Pekinger Regierung sein, Kim von ihrem wirtschaftlichen Modernisierungskurs zu überzeugen. Gleichzeitig steht China unter hohem internationalem Druck, seinen Verbündeten zu neuen Verhandlungen über den Abbau seines Atomprogramms zu drängen.</p>
<p>In erster Linie interessiert Beobachter allerdings die Frage, ob Kim Jong-un seinen Vater diesmal begleitet. Kim Jong-un war im vergangenen Herbst zum Vier-Sterne-General und zum stellvertretenden Vorsitzenden der zentralen Militärkommission ernannt worden, was Nordkoreaexperten als Signal werten, dass er die Herrschaft des Kim-Klans über das verarmte und isolierte Land in dritter Generation weiterführen soll. Weil er dazu maßgeblich auf die Unterstützung von China, Nordkoreas engstem Verbündeten, angewiesen ist, wird seit Monaten mit einem Antrittsbesuch gerechnet worden. Seit Jahren sorgt die Volksrepublik mit Lieferungen von Lebensmitteln, Treibstoff und Technologie dafür, dass der kommunistische Bruderstaat nicht an seinen dramatischen Versorgungsnotstand zugrunde geht.</p>
<p>Kommende Woche soll der US-Menschenrechtsgesandte Robert King nach Pjöngjang reisen und unter anderem die Frage erörtern, unter welchen Bedingungen Nordkorea neue Lebensmittellieferungen bekommen könnte. Dem isolierten und abgewirtschaftetem Land drohen in den kommenden Monaten akute Versorgungsengpässe, prognostiziert ein Bericht des World Food Program. Angesichts des Streits um Nordkoreas Atomwaffenprogramm und der wiederholten Aggressionen gegenüber Südkorea ist die internationale Hilfsbereitschaft allerdings gering, zumal Lieferungen den Machterhalt des tyrannischen Regimes unterstützen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/kim-in-china-aber-welcher/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Kim der Zahme</title>
		<link>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/kim-der-zahme/</link>
		<comments>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/kim-der-zahme/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 28 Apr 2011 06:02:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Diplomatie]]></category>
		<category><![CDATA[Kim Jong-il]]></category>
		<category><![CDATA[Nordkorea]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.bernhardbartsch.de/?p=2534</guid>
		<description><![CDATA[<h3>Nordkoreas Diktator signalisiert dem ehemaligen US-Präsidenten Carter Gesprächsbereitschaft.</h3>
Im Streit um Nordkoreas umstrittenes Atomwaffenprogramm hat Pjöngjang die Bereitschaft zu Verhandlungen signalisiert - ohne damit jedoch auch den Willen zu politischen Zugeständnissen zu verbinden. Wie der frühere US-Präsident Jimmy Carter nach einer Reise in das isolierte Land erklärte, habe Diktator Kim Jong Il ihm eine Botschaft an die Regierung Südkoreas mitgeben lassen...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Nordkoreas Diktator signalisiert dem ehemaligen US-Präsidenten Carter Gesprächsbereitschaft.</h3>
<p>Im Streit um Nordkoreas umstrittenes Atomwaffenprogramm hat Pjöngjang die Bereitschaft zu Verhandlungen signalisiert &#8211; ohne damit jedoch auch den Willen zu politischen Zugeständnissen zu verbinden. Wie der frühere US-Präsident Jimmy Carter nach einer Reise in das isolierte Land erklärte, habe Diktator Kim Jong Il ihm eine Botschaft an die Regierung Südkoreas mitgeben lassen. Demnach sei er zu einem innerkoreanischen Gipfeltreffen und zu bedingungslosen Gesprächen mit den Staaten der Sechs-Parteien-Runde bereit.</p>
<p>Asien-Experten halten eine baldige Rückkehr an den Verhandlungstisch allerdings für unwahrscheinlich, da Südkorea und die USA zunächst deutliche Schritte in Richtung nuklearer Abrüstung von Nordkorea verlangen, bevor sie die Sechserverhandlungen wieder aufnehmen wollen. An denen nehmen auch China, Russland und Japan teil.</p>
<p>&#8220;Der Streitpunkt, und das ist ein großer, ist, dass sie ihr Atomprogramm ohne eine Form von Sicherheitsgarantie der USA nicht aufgeben werden&#8221;, erklärte Carter auf seiner Internetseite. Der Friedensnobelpreisträger hatte auf ein persönliches Treffen mit Kim gehofft. Doch wie schon bei einem Besuch im letzten Sommer wurde Carter versetzt. Stattdessen ließ der &#8220;Geliebte Führer&#8221; seinen Gast auf dem Weg zum Flughafen noch einmal umkehren und ins staatliche Gästehaus zurückkehren, wo Carter eine schriftliche Botschaft in Empfang nehmen durfte. Die Gruppe um Carter reiste dann nach Seoul weiter.</p>
<p>Das verarmte Nordkorea scheint angesichts akuter Knappheit an Lebensmitteln, Treibstoff und anderen Grundgütern Möglichkeiten zu suchen, wieder Zugang zu ausländischen Hilfslieferungen zu bekommen. Sie waren aufgrund des Konfrontationskurses in den vergangenen zwei Jahren gestoppt worden. Während Südkorea, die USA und Japan verhindern wollen, dass Kim die Verhandlungen instrumentalisiert, um an die für das Überleben seines maroden Regimes notwendigen Güter zu gelangen, hofft China auf eine baldige Fortsetzung der Sechsergespräche.</p>
<p>Experten stehen der Sechser-Runde allerdings skeptisch gegenüber. &#8220;Die Sechs-Parteien-Gespräche haben sich als nutzlos erwiesen&#8221;, sagt Zheng Yongnian, Direktor des Ostasien-Instituts an der Nationaluniversität in Singapur. &#8220;Sie haben Nordkorea die Möglichkeit gegeben, die Verhandlungen immer weiter hinauszuzögern.&#8221; Gleichzeitig habe das von China initiierte Forum Peking Gelegenheit geboten, sich aus der Verantwortung zu stehlen. Deshalb müsse das Ausland neuen Druck aufbauen, meint Zheng.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/kim-der-zahme/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>So schön ist Nordkorea</title>
		<link>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/so-schon-ist-nordkore/</link>
		<comments>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/so-schon-ist-nordkore/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 08 Apr 2011 14:25:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Kim Il-sung]]></category>
		<category><![CDATA[Kim Jong-il]]></category>
		<category><![CDATA[Nordkorea]]></category>
		<category><![CDATA[Propaganda]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.bernhardbartsch.de/?p=2509</guid>
		<description><![CDATA[<h3>Herr Klimke von der CDU will sich ein Bild von Land und Leuten machen. Die Gastgeber wollen ihm zeigen, wie glücklich das Volk ist. Ein Reisebericht.</h3>
<a href="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2011/04/IMG_9637.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-2513" title="Kim_Il-sung" src="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2011/04/IMG_9637-297x300.jpg" alt="" width="187" height="189" /></a>Der junge Mann ist seltsam. Er steigt als letzter ins Flugzeug, hat eine riesige Sonnenbrille auf, trägt Jeans, Turnschuhe, ein blaues Hemd mit Krawatte und eine Gelfrisur wie asiatische Popstars sie haben. Man kann sich ihn in einer japanischen Disco oder Hongkonger Shopping Mall vorstellen. Aber er ist auf dem Weg nach Nordkorea. In Peking hat er als letzter die Maschine der nordkoreanischen Fluglinie Koryo Air bestiegen und in der ersten Klasse auf Sitz 1A Platz genommen. Die Stewardessen behandeln ihn wie einen Ehrengast. Wer ist er? Drei Plätze weiter, auf Sitz 1D, sitzt Jürgen Klimke von der CDU. Klimke nestelt an einer kleinen Digitalkamera. „Machen wir mal ein Foto“, sagt er, dreht sich zur Seite und drückt schnell ab...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Herr Klimke von der CDU will sich ein Bild von Land und Leuten machen. Die Gastgeber wollen ihm zeigen, wie glücklich das Volk ist. Ein Reisebericht.</h3>
<p><a href="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2011/04/Klimke_1.jpg"><img class="alignleft size-large wp-image-2511" title="Klimke_(Copyright Bernahrd Bartsch)" src="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2011/04/Klimke_1-1024x682.jpg" alt="" width="368" height="245" /></a>Der junge Mann ist seltsam. Er steigt als letzter ins Flugzeug, hat eine riesige Sonnenbrille auf, trägt Jeans, Turnschuhe, ein blaues Hemd mit Krawatte und eine Gelfrisur wie asiatische Popstars sie haben. Man kann sich ihn in einer japanischen Disco oder Hongkonger Shopping Mall vorstellen. Aber er ist auf dem Weg nach Nordkorea. In Peking hat er als letzter die Maschine der nordkoreanischen Fluglinie Koryo Air bestiegen und in der ersten Klasse auf Sitz 1A Platz genommen. Die Stewardessen behandeln ihn wie einen Ehrengast. Wer ist er?</p>
<p>Drei Plätze weiter, auf Sitz 1D, sitzt Jürgen Klimke von der CDU. Klimke nestelt an einer kleinen Digitalkamera. „Machen wir mal ein Foto“, sagt er, dreht sich zur Seite und drückt schnell ab. Zu schnell. Das Bild ist verwackelt, der junge Mann nicht zu erkennen. Wenig später wird er in Pjöngjang vor Klimke und allen anderen Passagieren aus dem Flugzeug geführt. Auf dem Rollfeld erwartet ihn ein Bus. Ob er seinen schwarzen Spazierstock wirklich als Gehhilfe benötigt oder nur als eigenwilliges Accessoire mit sich führt, ist nicht erkennbar. Wird nicht von Kim Jong Ils zweitem Sohn kolportiert, er gehe infolge einer Erkrankung am Stock? „Ich hätte zu gerne gewusst, wer das war“, sagt Klimke, als der Bus mit dem geheimnisvollen Mann abgefahren ist. Es ist nicht die einzige Frage, die auf dieser Reise offen bleiben wird.</p>
<p>Jürgen Klimke ist zum ersten Mal in Nordkorea. Er ist 62 und Schnauzbartträger, ein geerdeter Hamburger Mittelstandsunternehmer, der seit 2002 für die CDU im Bundestag sitzt. Klimkes Arbeitsschwerpunkte sind Außen- und Entwicklungspolitik, und zu den vielen Gremien, in denen er sitzt, zählt auch die deutsch-koreanische Parlamentariergruppe. Fünf Tage lang will er sich selbst ein Bild von dem Land machen, über das man im Berliner Regierungsviertel kaum mehr weiß als in den dünnen Aktenordner passt, den Klimke unter dem Arm trägt: Die Demokratische Volksrepublik Korea ist eines der ärmsten Länder der Welt und leidet immer wieder unter Hungersnöten, konnte aber in den vergangenen Jahren genügend Ressourcen mobilisieren, um Atomwaffen und Urananreicherungsanlagen zu entwickeln. Uno-Sanktionen sollen das Land zur Aufgabe seines Nuklearprogramms zwingen, doch statt klein beizugeben attackierte Nordkorea im vergangenen Jahr zweimal südkoreanische Ziele. Was will Klimke hier? „Miteinander zu reden ist immer besser, als wenn Eiszeit herrscht“, sagt er.</p>
<p>Anderthalb Stunden nach der Landung steht Jürgen Klimke auf dem Flur eines Bürogebäudes vor einer großen Flügeltür und friert. Es ist kalt auf dem Flur, und Klimke ringt mit einer Erkältung, aber das nordkoreanische Empfangskomitee hat ihn gebeten, seinen Mantel an einen altmodischen Kleiderständer zu hängen. Endlich geht die Tür auf. Sechs Männer in schwarzen Anzügen stehen in einer Reihe und strecken Klimke die Hand entgegen. An ihren Revers tragen sie rote Anstecknadeln mit dem Bild von Kim Il Sung, den sie den „Großen Führer “ nennen und der auch 18 Jahre nach seinem Tod als „Ewiger Präsident“ Nordkoreas Staatsoberhaupt ist. Auch an den Wänden hängen Porträts von ihm und seinem Sohn, dem „Großen General“ und „Lieben Führer“ Kim Jong Il. Eine Klimaanlage bläst warme Luft in den Raum, Kellnerinnen in Kostümen servieren heißen Ginseng-Tee.</p>
<p>„Wir blicken auf einen langen, harten Winter zurück, aber jetzt, da eine so wichtige Persönlichkeit wie Herr Jürgen Klimke unser Land besucht, wird es endlich Frühling“, eröffnet ein Herr mit einer akkuraten Steilfrisur. Klimke spickt auf seinen Programmzettel. „Meinungsaustausch mit Herrn Ri Yong Chol, Stv.Abt.leiter des ZK der PdAK“, steht darauf. Soll heißen: Stellvertretender Abteilungsleiter des Zentralkomitees der Partei der Arbeit Koreas.<br />
„Koreas Arbeiterpartei und Deutschlands CDU sind die Säulen der Politik in unseren beiden Ländern“, sagt Herr Ri. „Es ist gut, wenn wir unsere Beziehungen ausbauen.“ Klimke sitzt mit gefalteten Händen am Konferenztisch und lächelt. Sein Leben spielt sich zu großen Teilen an Konferenztischen ab und er hat auf seinen Reisen schon viele merkwürdige Gesprächspartner getroffen. Er weiß, dass sich seltsame Momente gut weglächeln lassen. „In der Tat sollten wir über Kooperationen sprechen“, sagt er bedächtig, „vorausgesetzt die gesamtpolitische Situation lässt das zu.“ Herr Ri schaut über seine randlose Brille und zieht einen dicken Manuskriptstapel zu sich heran. „Da sie zum ersten Mal in unserem Land sind, lassen Sie mich Ihnen unsere Situation einmal erläutern“, hebt er an. Der Übersetzer streckt den Rücken durch.</p>
<p>Die Welt, wie Herr Ri sie in den nächsten dreißig Minuten skizziert, gleicht in mancher Hinsicht dem gallischen Dorf aus Asterix und Obelix. Der ganze Globus ist von imperialistischen Mächten besetzt, doch dank Heldenmut und Führern mit übernatürlichen Kräften gelingt es einer kleinen Nation seit 63 Jahren, seine Eigenständigkeit zu bewahren. Die Nation ist Nordkorea. „Viele haben uns schon den Zusammenbruch vorhergesagt, aber die Welt wird sehen, dass wir im nächsten Jahr, zum 100. Geburtstags unseres Großen Führers Präsident Kim Il Sung, ein mächtiges und aufblühendes Land sein werden“, sagt Herr Ri und sieht Herrn Klimke an. Klimke lächelt. Und Ri setzt fort: „Sie fragen sich, wie wir das schaffen wollen? Indem wir uns mit allen Kräften um unseren Führer, den Großen General Genosse Kim Jong Il, zusammenschließen.“ Klimke erfährt dann noch, dass Nordkorea „gewaltige Fortschritte bei der Herstellung von Energie, Lebensmitteln und Dünger“ macht „und der Produktionsplan für das erste Quartal schon im Februar übererfüllt war“. „In Westeuropa werden die Tatsachen häufig verdreht“, stellt Ri klar, „aber Sie, Herr Klimke, werden in den kommenden Tagen Gelegenheit haben, die Entwicklung unseres Landes mit ihren eigenen Augen zu sehen.“</p>
<p>Das erste, was Jürgen Klimke sieht, ist das Hotel, in dem er einquartiert wurde. Es heißt Koryo-Hotel und ist ein Doppelhochhaus mit einer wuchtigen marmornen Empfangshalle. Die Nordkoreaner haben dem deutschen Gast eine große Suite gebucht, bezahlt wird vorab bar in Euro. Im Zimmer sind sämtliche Lampen angeschaltet, als könne Stromverschwendung Überfluss suggerieren. Die Einrichtung ist eine billige Kopie gehobenen westlichen Standards, alles makellos gepflegt. In der Nacht raubt Klimke das Surren eines elektrischen Geräts, das sich nicht lokalisieren lässt, den Schlaf. Morgens um fünf weckt ihn Propagandamusik, die von der Straße kommt. Zum Frühstück gibt es kleine Päckchen mit neuseeländischer Butter, deutscher Marmelade und Omelett.<br />
Das wahre Nordkorea sieht Jürgen Klimke durch das Fenster eines dreißig Jahre alten Mercedes. Drei Limousinen haben die Nordkoreaner für die vierköpfige Delegation aus Deutschland aufgeboten. In der ersten fährt Klimke, in der zweiten ein Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Seoul und in der dritten zwei Journalisten, jeweils begleitet von zwei bis drei freundlichen Herren vom nordkoreanischen Außenministerium. Sie sprechen fließend Deutsch oder Englisch.</p>
<p>Der Terminkalender ist eng. Begegnungen mit dem einfachen Volk sind nicht vorgesehen. „Dafür ist bei einer so kurzen Reise keine Zeit“, sagen die Begleiter und vertrösten Klimke auf den nächsten Besuch, und der ist zu höflich, um sich zu beschweren oder zu sagen, dass Ausländer doch sowieso nie Zugang zu normalen nordkoreanischen Wohnungen bekommen, dass nicht einmal die deutsche Botschaft in Pjöngjang die Telefonnummern oder Adressen ihrer nordkoreanischen Übersetzer, Fahrer oder Gärtner wissen darf.</p>
<p><a href="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2011/04/Propaganda_3.jpg"><img class="alignleft size-large wp-image-2516" title="Propaganda_in_Pjöngjang_(Copyright Bernhard Bartsch)" src="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2011/04/Propaganda_3-1024x586.jpg" alt="" width="430" height="246" /></a>Wenn so viel verborgen wird, lässt das der Fantasie freien Lauf. Wer weiß, wie die wohnen, die Nordkoreaner! Klimke, der schon Slums auf den Philippinen und in Bangladesch gesehen hat, ist überrascht. „Ich hatte mir das schlimmer vorgestellt“, sagt er, während er an Wohnsilos vorbeifährt, vor denen große Bilder der beiden Kims stehen. Die Menschen bewegen sich zumeist in Trossen. Hier und da gibt es kleine Geschäfte. An Straßenecken stehen Frauen hinter Dreiradfahrrädern und verkaufen Kekse oder Limonade. Auf den breiten Boulevards fahren genügend Autos, um gelegentlich einen kleinen Stau zu verursachen. Dass Geld ins Land fließt, zeigt sich in neuen Volkswagen oder BMWs, die vor dem Koryo-Hotel parken und den Nordkoreanern gehören, die im Restaurant bei Schnaps und Grillplatten sitzen oder im Hotelladen für Euros schottischen Whiskey, deutschen Wein und Schweizer Schokolade kaufen. „Man sieht, dass sich hier viel entwickelt“, sagt Klimke zu seinem Begleiter. Der lächelt dankbar.</p>
<p>Klimke weiß, dass der Luxus nur einer winzigen Oberschicht vorbehalten ist. Sie profitiert davon, dass Nordkorea mit China Rohstoffe gegen Importgüter tauscht. Der Rest des Volkes lebt von den unregelmäßigen Essensrationen und einem Standardgehalt von 5 000 Won im Monat, für die man auf dem Schwarzmarkt zwei Euro bekommt. „Niemand durchschaut so richtig, wovon die Nordkoreaner eigentlich leben“, sagt eine Entwicklungshelferin, die Klimke an einem Abend in der Hotelbar zum Bier trifft, und die wie die meisten Ausländer in Pjöngjang nicht namentlich genannt werden möchte, um ihre nordkoreanischen Kontakte nicht zu verärgern oder zu gefährden. „Ohne den Schwarzmarkt läuft hier jedenfalls nichts mehr.“ Das Welternährungsprojekt der Vereinten Nationen gehe davon aus, dass die staatlichen Zuteilungen nicht einmal die Hälfte des Kalorienbedarfs decken, und dass wieder akute Lebensmittelknappheit drohe, wenn in den kommenden Monaten die Vorräte vom letzten Jahr zu Ende gehen. Auf Hilfe aus dem Ausland kann sich Nordkorea aber nur bedingt verlassen. Denn wer will schon für ein Land spenden, das sich immer wieder als unkooperativ erwiesen hat? Wie viel Geld bräuchte Nordkorea denn, um seine Lebensmittelprobleme zu lösen, will Klimke von der Entwicklungshelferin wissen. „Mit 20 bis 30 Millionen Euro ließe sich schon eine Menge machen, um das Land auf den Weg zur Selbstständigkeit zu bringen“, erklärt sie und klagt darüber, wie schwer es geworden sei, Geld zu bekommen, um in Nordkorea Gewächshäuser oder andere Hilfsprojekte zu verwirklichen. „20 Millionen, das sind doch Peanuts“, sagt Klimke ungläubig. In den entwicklungspolitischen Gremien, in denen er in Berlin sitzt, geht es meistens um ganz andere Summen.</p>
<p>Dessen ist sich offenbar Kung Sok Ung bewusst, ein aufgeräumter älterer Herr mit zurückgekämmtem schütteren Haar, der Vize-Außenminister des Landes. Er sitzt in einem holzgetäfelten Raum mit den unvermeidlichen Kim-Bildern an den Wänden, lässt gesüßten Pulverkaffee servieren und ist sichtlich darum bemüht, das Image seines Landes zu verbessern. „Die Prinzipien unserer Außenpolitik sind Souveränität, Frieden und Freundschaft, und in dieser Hinsicht haben Deutschland und Korea in der Vergangenheit sehr gut zusammengearbeitet“, sagt Kung. Auch er hat ein bedrohlich dickes Redemanuskript vor sich liegen, doch nachdem er es ein paar Mal hin und her geschoben hat, dreht er es demonstrativ um. „Reden wir doch ganz formlos mit einander.“ Das ist Klimkes Chance. Er blättert in seinem Notizbuch zu der Seite, auf der er die Themen aufgeschrieben hat, die ihm das Auswärtige Amt mit auf die Reise gegeben hat, alles außenpolitische Kleinstprojekte, doch im Umgang mit Nordkorea sind auch kleine Projekte groß: Ein Nordkoreaner hat in den Sechzigerjahren in der DDR eine Familie gegründet, wurde dann plötzlich zurückbeordert, und nun möchte sein Sohn, der in Deutschland blieb, endlich seinen Vater kennenlernen. Bei einem Kulturdenkmal, für dessen Sanierung Deutschland eine Million Euro bereitgestellt hat, soll eine Plakette mit deutscher Fahne angebracht werden. Eine europäische Firma, die in Nordkorea investiert hat, beschwert sich über Vertragsbruch.</p>
<p>Der Vize-Außenminister schaut etwas betreten drein. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir da weiterkommen“, sagt er. „Wie Sie wissen, befinden wir uns mitten im Generalkampf, um im nächsten Jahr zum 100. Geburtstag unseres Großen Führers Präsident Kim Il Sung ein starkes und aufblühendes Land zu sein“, erklärt er. „Aber dieses Jahr hatten wir einen sehr harten Winter und wären dankbar, wenn Deutschland uns noch einmal mit Nahrungsmittelspenden helfen könnte.“</p>
<p><a href="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2011/04/Stadtleben_2.jpg"><img class="alignleft size-large wp-image-2515" title="Stadtleben_in_Pjöngjang_(Copyright Bernhard Bartsch)" src="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2011/04/Stadtleben_2-1024x559.jpg" alt="" width="491" height="268" /></a>Es ist paradox. Einerseits will Nordkorea Selbstständigkeit demonstrieren, andererseits bittet es um Lebensmittel. Aber für die Nordkoreaner scheint das kein Widerspruch zu sein. Klimkes Begleiter geben sich Mühe, die Armut ihres Landes zu verbergen. In Pjöngjang verlässt die Kolonne fast nie die großen Boulevards, außerhalb der Stadt rasen die alten Mercedes-Limousinen so schnell, wie es die holprigen Straßen zulassen, während die freundlichen Begleiter Smalltalk mit Klimke machen. „Erzählen sie etwas über Ihre Familie“, bittet einer den vierfachen Vater. Später stellen sie fest, dass sie beide früher mal Italienisch gelernt haben und vergleichen lachend ihr Vokabular. Es könnte alles so schön sein, wenn nicht vorm Fenster Bahntrassen und Straßenböschungen vorbeifliegen würden, vor denen Frauen in der Erde wühlen, offenbar auf der Suche nach essbaren Wurzeln und Blättern. Außerhalb der Stadt sieht Klimke Menschen mit Bündeln in der Hand und klapprigen Wagen am Straßenrand entlangziehen. In den noch halb zugefrorenen Flüssen waten Menschen mit nackten Beinen zwischen Eisschollen. In der Pjöngjanger Untergrundbahn, in der Klimke zwei Stationen in ausrangierten Berliner U-Bahn-Zügen fahren darf, die Nordkorea vor einigen Jahren kaufte, sitzen ihm eine eingefallene Alte und ein dürres Kind gegenüber. „Der Anblick konnte einem ja das Herz zerreißen“, sagt Klimke später. „Ich habe die ganze Zeit überlegt, wie ich denen unauffällig etwas zustecken kann.“ Aber seine Aufpasser haben ihn nicht aus den Augen gelassen, und Klimke sagt, er wisse ja gar nicht, ob die das Geld behalten dürften oder noch Ärger bekämen.</p>
<p>In der Kim-Il-Sung-Universität wird Jürgen Klimke durch eine nagelneue Bibliothek geführt. Im Säulenportal des Foyers erklärt ihm eine Nordkoreanerin in traditionellem Gewand, dass die Studenten Bücher künftig in einem elektronischen Katalog suchen können. Klimke bemüht sich um interkulturelle Augenhöhe. „Ich wünschte mir, an deutschen Universitäten hätten wir auch so schicke Gebäude“, sagt er und will wissen, woher die Rechner stammen. „Das wissen wir nicht“, lautet die Antwort, „die Computer sind ein Geschenk des Großen Generals Genosse Kim Jong Il.“</p>
<p>Auch ein Schwimmbad von olympischen Ausmaßen hat der „Liebe Führer“ der Universität gebaut, inklusive Spaßrutsche und Sprungturm. Die einzelnen Sprungbretter erreicht man im Fahrstuhl. „Der General hat gesagt, es sei für die Studenten zu beschwerlich, wenn sie die Leiter hochsteigen müssten“, erklärt ein Mann. „Das zeigt, wie sehr er sein Volk liebt.“ Klimke schluckt. Man kann es kaum glauben. Das Volk lebt in Armut, und die Studenten fahren in Badehose zum Sprungbrett hinauf. Merken Klimkes freundliche Begleiter nicht, dass das merkwürdig ist? Warum spielen sie mit?</p>
<p>Der junge Dolmetscher hat als Diplomatenkind einen Teil seiner Teenagerjahre in Berlin verbracht und ist dort auf eine ganz normale Schule gegangen. Der Außenministeriumsbeamte, mit dem Klimke Italienisch übt, berichtet über einen mehrjährigen Aufenthalt in Rom. Seine Anzüge sitzen perfekt, seine Haare sind schwarz nachgefärbt, auf seiner Brille steht groß „Montblanc“. Und doch fällt keiner aus der Rolle. Die bandwurmhaften Ehrenbezeichnungen ihrer Führer kommen ihnen locker über die Lippen: „Dergroßeführerpräsidentkimilsung“, sagen sie, oder „Dergroßegeneralgenossekimjongil“.</p>
<p>„Wie geht das zusammen“, fragt Klimke abends im Hotel einen Deutschen, der schon lange in Nordkorea lebt. „Nordkoreaner müssen mehrere Schubladen im Kopf haben: eine für die Propaganda und eine für ihre eigentlichen Gedanken“, lautet die Antwort. „Man kann mit einem Nordkoreaner ein völlig normales Gespräch führen, aber sobald man sich einem heiklen Thema nähert, schwenkt er von einem Moment auf den anderen auf die offizielle Parteilinie um.“ Wo Propaganda aufhört und persönliche Überzeugung anfängt, lasse sich nicht erkennen, schon gar nicht für Ausländer. Ausländern gegenüber halten Nordkoreaner immer zusammen. Aus Nationalstolz. Und weil ideologische Fehltritte tödlich sein können. Nordkoreanische Flüchtlinge in Südkorea berichten davon, dass mitunter ganze Familien verschwinden. Nordkoreas Regierung bestreitet das, doch beim Bier hört Klimke, dass auch in Pjöngjanger Diplomatenkreisen derartige Fälle belegt sind.</p>
<p><a href="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2011/04/Soldat_4.jpg"><img class="alignleft size-large wp-image-2517" title="Soldaten_in_Nordkorea_(Copyright_Bernhard_Bartsch)" src="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2011/04/Soldat_4-1024x798.jpg" alt="" width="430" height="335" /></a>Klimke fragt, was die Tarnnetze sollten, mit denen Autos, Busse oder Lastwagen durch die Stadt fahren. Das sei Teil der Kampagne „Schutz vor dem Feind“, erfährt er. „Den Menschen wird eingeredet, dass jeden Moment ein Angriff der Imperialisten drohe und dass Nordkorea dann seine Fahrzeuge retten könne, indem es sie als Gebüsch verkleidet.“ Klimke nickt. Später im Bett werden sich sich die Eindrücke des Tages mit alttestamentarischen Gräuelszenen vermischen.</p>
<p>Am nächsten Morgen geht es zu Kim Il Sungs Geburtshaus. Die Delegation stellt sich auf, dann wird fotografiert. Auch Kim Il Sungs Mausoleum muss Klimke seine Aufwartung machen. „Alle Koreaner verbeugen sich dreimal vor dem Sarkophag, aber Sie können selbst entscheiden, ob sie das tun wollen“, sagt sein Begleiter, während die Delegation auf langen Laufbändern ins Allerheiligste befördert wird. Gebläse pusten den Besuchern den Staub von der Kleidung, pathetische Musik erklingt. Vor der aufgebahrten Leiche stehen nordkoreanische Frauen in bunten Kleidern und pressen sich schluchzend die Hand vor den Mund. Klimkes Begleiter haben versteinerte Gesichter und verbeugen sich tief, der Abgeordnete entscheidet sich für einen knappen Diener.</p>
<p>Am letzten Abend sitzt die Delegation beim Abendessen im Potonggang-Hotel. Das Ambiente ist gepflegt, im Hintergrund läuft Klaviermusik von Tschaikowski. Kellnerinnen in viktorianisch anmutenden Hausmädchenkostümen servieren ein viergängiges westliches Menü. Herr Ri gibt sich noch einmal die Ehre und will wissen, ob alles recht gewesen sei. Klimke spricht von einem „hervorragenden Besuch“ und den Perspektiven für weitere Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe. Er macht seine Sache gut. Ri erhebt sein Schnapsglas und toastet „auf die Gesundheit des Großen Generals Genosse Kim Jong Il, die Gesundheit von Bundespräsident Christian Wulff und die Gesundheit von Herrn Jürgen Klimke“.</p>
<p>Im Ausland werde viel Falsches über sein Land berichtet, sagt er, nachdem er sich wieder gesetzt hat. „Aber Sie haben jetzt selbst gesehen, dass wir eine Gesellschaft ohne Einkommensunterschiede sind, ohne Arm und Reich.“ Er schiebt sich ein Stück Steak in den Mund. „Bitte erzählen Sie den Menschen in Deutschland, was Sie mit Ihren eigenen Augen gesehen haben. Erzählen Sie, dass unser Volk ein glückliches Leben führt.“</p>
<p>Zum Abschluss fragt Jürgen Klimke noch, was es eigentlich mit den Kim-Il-Sung-Ansteckern auf sich habe, die jeder Nordkoreaner trägt. „Das ist ein Zeichen, dass wir nicht vergessen können, was der Große Präsident alles für unser Land getan hat“, erklärt sein Begleiter. „Möchten Sie auch einen haben?“ Klimke druckst ein wenig herum. Mit dieser Frage hat er nicht gerechnet. Und er will ja nicht unhöflich sein. Am nächsten Morgen überreichen die freundlichen Herren der Delegation ihm feierlich eine rote Kim-Nadel. Das hat er nun davon. „Vielleicht trage ich die mal im Bundestag“, sagt Klimke und lächelt.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/so-schon-ist-nordkore/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Kims Hunger nach Diplomatie</title>
		<link>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/kims-hunger-nach-diplomatie/</link>
		<comments>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/kims-hunger-nach-diplomatie/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 02 Feb 2011 11:29:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Diplomatie]]></category>
		<category><![CDATA[Kim Jong-il]]></category>
		<category><![CDATA[Nordkorea]]></category>
		<category><![CDATA[Südkorea]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.bernhardbartsch.de/?p=2355</guid>
		<description><![CDATA[<h3>Südkorea will wieder mit dem Norden verhandeln, doch die Annäherung ist umstritten.</h3>
Süd- und Nordkorea nähern sich an - oder demonstrieren zumindest ihren guten Willen, nach einem Jahr auf Eskalationskurs wieder zur Diplomatie zurückzukehren. Am 8. Februar sollen sich Armeevertreter im Waffenstillstandsdorf Panmunjom treffen. Auch andere Kontakte würden auf Arbeitsebene wieder aufgenommen, sagte Südkoreas Präsident Lee Myung Bak...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Südkorea will wieder mit dem Norden verhandeln, doch die Annäherung ist umstritten.</h3>
<p>Süd- und Nordkorea nähern sich an &#8211; oder demonstrieren zumindest ihren guten Willen, nach einem Jahr auf Eskalationskurs wieder zur Diplomatie zurückzukehren. Am 8. Februar sollen sich Armeevertreter im Waffenstillstandsdorf Panmunjom treffen. Auch andere Kontakte würden auf Arbeitsebene wieder aufgenommen, sagte Südkoreas Präsident Lee Myung Bak. Sollte der Norden eine positive Einstellung an den Tag legen, seien auch neue Sechs-Parteien-Gespräche zur atomaren Abrüstung und sogar ein innerkoreanisches Gipfeltreffen möglich.<br />
Doch ob Verhandlungen mit Pjöngjang der richtige Weg sind, ist in Seoul umstritten. Führende Medien werfen dem Präsidenten vor, inkonsequent zu sein und sich den Forderungen aus Washington und Peking gebeugt zu haben. &#8220;Es ist wichtig, dass die Regierung von Lee Myung Bak gegenüber Nordkorea, dem letzten stalinistischen Land der Welt, eine stringente Politik beibehält&#8221;, schreibt die Korea Times. &#8220;Leider hat die Regierung diese Stringenz in der letzten Zeit vermissen lassen und läuft deshalb Gefahr, Pjöngjang die falschen Signale zu senden.&#8221;</p>
<p>Kritisiert wird vor allem die Aufgabe von Seouls Forderung, dass diplomatischen Schritten zunächst eine Entschuldigung des Nordens für die Versenkung des südkoreanischen Kriegsschiffes Cheonan vorausgehen müsse. Beidem Untergang im vergangenen März, an dem nach Erkenntnissen einer internationalen Untersuchung ein nordkoreanischer Torpedo schuld war, starben 46 südkoreanische Matrosen. Nordkorea bestreitet den Beschuss der Cheonan und scheint es geschafft zu haben, Seoul von seiner Vorbedingung abzubringen.<br />
&#8220;Wir müssen uns fragen, ob es für den Süden unter diesen Bedingungen möglich ist, die Gespräche wieder aufzunehmen&#8221;, gibt die Korea Times zu bedenken. &#8220;Es ist nicht akzeptabel, dass die Regierung Lee ihre Vorbedingungen aufgibt, ohne dies dem Volk zu erklären.&#8221; Lees Regierung dürfe Kim Jong Il nicht in die Hände spielen.</p>
<p>Die Zeitung Korea Herald verweist auf Nordkoreas Lebensmittelknappheit als wichtiges Motiv für Pjöngjangs Gesprächsbereitschaft. &#8220;Man braucht kein Genie zu sein, um darauf zu kommen, dass wachsende Lebensmittelsorgen der Hauptgrund, wenn nicht der einzige Grund der nordkoreanischen Offensive für einen Dialog mit Südkorea ist&#8221;, schreibt das Blatt. Hilfslieferungen müssten jedoch an konkrete Zugeständnisse in der Frage der nuklearen Abrüstung gekoppelt sein.</p>
<p>Die Tageszeitung Joongang wirft Lee vor, die Öffentlichkeit grundsätzlich über seine Entscheidungen im Dunklen zu lassen und sich kritischen Fragen zuverweigern. &#8220;Nach nationalen Sicherheitskrisen wie der Versenkung des Kriegsschiffs Cheonan oder der Bombardierung der Insel Yongbyon, hat der Präsident nur vorbereitete Erklärungen verlesen, statt echte Fragen zu beantworten&#8221;, schreibt das Blatt.<br />
So heftig in Südkorea über die Gespräche gestritten wird, so einfach ist die nordkoreanische Position. &#8220;Koreaner aller Lebensbereiche im Norden, im Süden und im Ausland sollten sich mit Nachdruck für den heiligen Kampf um Frieden, Wiedervereinigung und Wohlstand engagieren&#8221;, heißt es in der Regierungszeitung Rodong Sinmun. &#8220;Dialog und Verhandlungen sind die einzige Möglichkeit, um Krieg und Konfrontationen zu vermeiden.&#8221;</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/kims-hunger-nach-diplomatie/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Der Stellvertreterkonflikt</title>
		<link>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/der-stellvertreterkonflikt/</link>
		<comments>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/der-stellvertreterkonflikt/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 27 Nov 2010 08:37:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Kim Jong-il]]></category>
		<category><![CDATA[Nordkorea]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
		<category><![CDATA[Südkorea]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.bernhardbartsch.de/?p=2282</guid>
		<description><![CDATA[<h3>Der Streit um Nordkorea offenbart die Bruchstellen der neuen Weltordnung.</h3>
Nein, diesen Gefallen werden wir Kim Jong-il nicht tun! Mit seinen jüngsten Provokationen – dem Beschuss der südkoreanischen Insel Yeonpyeong und der Präsentation seiner Urananreicherungsanlage – will Nordkoreas Diktator der Welt Angst vor einem neuen Korea-Krieg machen. Er möchte, dass man ihm jeden Wahnsinn zutraut, selbst den Einsatz seiner Atombomben. Denn nur wenn das Ausland Kim fürchtet, macht es ihm die politischen und finanziellen Zugeständnisse, die er braucht, um sein tyrannisches Regime am Leben zu erhalten...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Der Streit um Nordkorea offenbart die Bruchstellen der neuen Weltordnung.</h3>
<p>Nein, diesen Gefallen werden wir Kim Jong-il nicht tun! Mit seinen jüngsten Provokationen – dem Beschuss der südkoreanischen Insel Yeonpyeong und der Präsentation seiner Urananreicherungsanlage – will Nordkoreas Diktator der Welt Angst vor einem neuen Korea-Krieg machen. Er möchte, dass man ihm jeden Wahnsinn zutraut, selbst den Einsatz seiner Atombomben. Denn nur wenn das Ausland Kim fürchtet, macht es ihm die politischen und finanziellen Zugeständnisse, die er braucht, um sein tyrannisches Regime am Leben zu erhalten.</p>
<p>Obwohl der Konflikt am 38. Breitengrad derzeit zu eskalieren scheint, ist Pjöngjangs Kriegsdrohung ein Bluff. Kim Jong-il hat häufig genug unter Beweis gestellt, dass er zwar grausam ist, aber nicht irre, und selbst wenn ihn Alter und Krankheit um den Verstand gebracht haben sollten, so weiß doch immer noch der Rest der nordkoreanischen Herrschaftselite, dass ein Krieg gegen die militärische Übermacht der USA politischer Selbstmord wäre. Auch die Gefahr, die von Kims Atombomben ausgeht, ist zumindest derzeit noch gering, weil Nordkorea über keine geeigneten Raketen verfügt (Pjöngjang könnte höchstens eine sogenannte „schmutzige Bombe“ einsetzen, bei der radioaktives Material mit herkömmlichem Sprengstoff vermischt wird – eine fürchterliche, aber nicht annähernd so verheerende Waffe.).</p>
<p>In Wirklichkeit versucht Kim, der Weltgemeinschaft wieder einmal so sehr lange zur Last zu fallen, bis sie es für das kleinere Übel hält, ihm Zugeständnisse zu machen, statt immer höhere finanzielle und politische Kosten für teure Manöver und diplomatische Zerwürfnisse auflaufen zu lassen. Nordkoreas Spiel mit den Großmächten funktioniert, weil der Streit um Pjöngjangs Atomprogramm zu einem Stellvertreterkonflikt geworden, an dem die Bruchstellen der neuen Weltordnung sichtbar werden: Auf der einen Seite steht die alte Supermacht USA mit ihren Verbündeten Südkorea und Japan, auf der anderen das neue weltpolitische Schwergewicht China, und am Rande erinnert auch Russland an seine Ansprüche. Theoretisch wäre es für die Parteien ein Leichtes, das Pjöngjang-Problem und die menschliche Tragödie der 24 Millionen Nordkoreaner ein für allemal aus der Welt zu schaffen. Doch die Lösung scheitert an geostrategischen Interessen und nationalen Eitelkeiten.</p>
<p>Bei jeder friedlichen Lösung des Konflikts wären alle großen Mächte Verlierer. Für Washington ist die Verteidigung der innerkoreanischen Grenze die stärkste Rechtfertigung für ihre massive Militärpräsenz in der Region, unmittelbar vor den Grenzen Chinas und Russlands. Müssten sich die USA aus Südkorea zurückziehen, ginge automatisch auch ein großer Teil der Stützpunkte in Japan verloren, die an die Koreamission gebunden sind. Der Gewinner wäre vor allem China, dessen Aufrüstung im Pentagon als die größte Gefahr für die amerikanische Vorherrschaft in Asienpazifik gilt. Auch Südkorea und Japan fürchten ein Erstarken des großen Nachbarn und können sich mit Verweis auf Nordkoreas Atomwaffen bequem unter den Schutzschild der USA zurückziehen, ohne sich offen zu ihrer Angst vor China bekennen zu müssen und damit regionale Spannungen auszulösen.</p>
<p>In Peking macht man sich über dieses Kalkül keine Illusionen. Doch obwohl am in China davon ausgeht, dass es eines Tages zu einem militärischen Konflikt in der Region kommen könnte, soll dieser so lange wie möglich hinausgezögert werden. Denn die Zeit spielt für die Volksrepublik, deren wirtschaftlicher und politischer Einfluss beständig wächst und deren Militär nach Kräften aufholt. Für die Zwischenzeit sind Chinas Generäle froh, mit Nordkorea einen Puffer zu den US-Truppen in Südkorea zu haben. Darüber hinaus ist Nordkorea eine exklusive chinesische Einflusszone: Peking stützt das System mit Hilfslieferungen und diplomatischer Schützenhilfe in internationalen Gremien und erhält im Gegenzug alleinigen Zugang zu Nordkoreas Rohstoffen.</p>
<p>Als dritter im Bunde hat auch Russland Interesse daran, Nordkorea als Pufferstaat zur US-Armee zu behalten. Ebenso wenig will man in Russland allerdings eine Situation herbeiführen, in der Nordkorea ganz an China fallen würde – im Fall eines Zusammenbruchs eine der wahrscheinlichsten Varianten. Die sich zuspitzende Rivalität zwischen China und den USA ist deshalb durchaus im russischen Interesse, und der Nordkoreakonflikt eine Möglichkeit, das Spannungspotential zu erhöhen.</p>
<p>Für Kim Jong-il ist dies eine komfortable Konstellation. Solange sich die Großmächte nicht einigen können, geht der Konflikt, der sein Regime am Leben hält, weiter – ein trauriges Stück Realpolitik.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/der-stellvertreterkonflikt/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>China über Südkorea verstimmt</title>
		<link>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/china-uber-sudkorea-verstimmt/</link>
		<comments>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/china-uber-sudkorea-verstimmt/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 25 Nov 2010 13:08:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Kim Jong-il]]></category>
		<category><![CDATA[Kim Jong-un]]></category>
		<category><![CDATA[Nordkorea; Südkorea]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.bernhardbartsch.de/?p=2270</guid>
		<description><![CDATA[<h3>Chinas Außenminister Yang Jiechi hat seine Reise nach Südkorea verschoben. Die Ursache sind wohl Unsicherheiten über den Umgang mit Nordkorea.</h3>
Zwei Tage nach dem tödlichen Gefecht an der innerkoreanischen Seegrenze hat Chinas Außenminister Yang Jiechi eine Reise nach Südkorea auf unbestimmte Zeit verschoben. Dabei standen bei dem Treffen unter anderem Beratungen zum Neustart der Sechser-Gespräche über das nordkoreanische Atomprogramm auf der Tagesordnung. Angeblich habe es Terminprobleme gegeben, erklärte Seoul...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Chinas Außenminister Yang Jiechi hat seine Reise nach Südkorea verschoben. Die Ursache sind wohl Unsicherheiten über den Umgang mit Nordkorea.</h3>
<p>Zwei Tage nach dem tödlichen Gefecht an der innerkoreanischen Seegrenze hat Chinas Außenminister Yang Jiechi eine Reise nach Südkorea auf unbestimmte Zeit verschoben. Dabei standen bei dem Treffen unter anderem Beratungen zum Neustart der Sechser-Gespräche über das nordkoreanische Atomprogramm auf der Tagesordnung. Angeblich habe es Terminprobleme gegeben, erklärte Seoul. Wahrscheinlicher scheint jedoch, dass es zu tiefen Verstimmungen über den Umgang mit Nordkorea gekommen ist. Pjöngjangs Militär hatte am Dienstag die Insel Yonpyong unter Beschuss genommen und dabei zwei Soldaten sowie zwei Zivilisten getötet. Nachdem Südkoreas Armee öffentlich für ihre zögerliche Reaktion kritisiert worden war, trat Verteidigungsminister Kim Tae Young am Donnerstag zurück.</p>
<p>Präsident Lee Myung Bak will am heutigen Freitag einen Nachfolger ernennen. Gleichzeitig kündigte er einen „Paradigmenwechsel“ an, wonach die Armee ihre „eher passive “ Haltung aufgeben werde. Für Reaktionen auf Angriffe des Nordens sollen künftig neue Regeln gelten. Das Militär beantragte beim Parlament, den Verteidigungshaushalt für das kommende Jahr um 264 Milliarden Won (171 Millionen Euro) aufzustocken. Damit soll die Präsenz auf fünf Inseln nahe der Grenze verstärkt werden.</p>
<p>Südkoreas Medien spekulierten derweil weiter über die Motive für den plötzlichen Gewaltausbruch. Nordkorea hatte sich nach eigenen Angaben von einem Marinemanöver in der Nähe der umstrittenen Seegrenze provoziert gefühlt. Südkoreas Verteidigungsministerium erklärte dagegen, der Angriff habe die Autorität von Kim Jong Ils designiertem Nachfolger, seinem schätzungsweise 27-jährigen Sohn Kim Jong Un, stärken sollen. Die südkoreanische Zeitung Joongang berichtete unter Berufung auf Regierungskreise, dass der Befehl direkt von Diktator Kim Jong Il gekommen sei. Die beiden Kims sollen kurz vor dem Beschuss den zuständigen General Kim Kyok Sik getroffen haben.<br />
Südkorea fordert von China, Nordkoreas Aggression endlich offen zu verurteilen. Doch auch nach dem jüngsten Angriff lässt sich Peking nicht von seiner Strategie abringen, auf jede öffentliche Bloßstellung seines Verbündeten zu verzichten. Schon nach dem Abschuss des südkoreanischen Kriegsschiffes Cheonan, das im März nach Überzeugung internationaler Experten von einem nordkoreanischen Torpedo getroffen wurde und mit 46 Matrosen an Bord unterging, hatte sich China um eine Schuldzuweisung gedrückt. Trotzdem können die Chinesen mit dem Verhalten ihrer nordkoreanischen Verbündeten keineswegs zufrieden sein. Denn die Eskalation des Korea-Konflikts gibt den USA einen Grund, ihre militärische Präsenz in der Region zu verstärken.</p>
<p>Am Sonntag wollen die USA und Südkorea gemeinsam ein viertägiges Seemanöver im Gelben Meer starten, für das unter anderem der Flugzeugträger „George Washington“ ins Gelbe Meer verlegt wird. Schon nach dem Cheonan-Untergang hatten die beiden Streitkräfte Manöver in Chinas unmittelbarer Nachbarschaft abgehalten und damit scharfen Protest aus Peking auf sich gezogen.<br />
Der chinesische Regierungschef Wen Jiabao rief alle Beteiligten zu „äußerster Zurückhaltung“ auf und warnte vor weiteren militärischen Provokationen. „China hat sich immer zur Aufrechterhaltung von Frieden und Stabilität auf der koreanischen Halbinsel bekannt“, sagte Wen. „Die internationale Gemeinschaft sollte größere Anstrengungen unternehmen, um die Spannungen abzubauen“, zitierte die Nachrichtenagentur Xinhua den Regierungschef. Der beste Weg, um Stabilität und eine koreanische Halbinsel ohne Atomwaffen zu erreichen, sei die Wiederaufnahme der Pekinger Sechser-Gespräche.</p>
<p>Nordkorea schickte derweil seinen Granaten rhetorische Geschosse hinterher. Die Armee sei „ohne Zögern bereit, starke zweite und dritte physische Vergeltungsschläge durchzuführen, sollten die südkoreanischen Kriegstreiber weitere verwegene militärische Provokationen unternehmen“, schrieb die offizielle Nachrichtenagentur KCNA.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/china-uber-sudkorea-verstimmt/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>George Washington soll Kim Jong-un einschüchtern</title>
		<link>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/george-washington-soll-kim-jong-un-einschuchtern/</link>
		<comments>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/george-washington-soll-kim-jong-un-einschuchtern/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 24 Nov 2010 12:02:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Kim Jong-il]]></category>
		<category><![CDATA[Kim Jong-un]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Nordkorea]]></category>
		<category><![CDATA[Südkorea]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.bernhardbartsch.de/?p=2266</guid>
		<description><![CDATA[<h3>Nach dem Angriff aus dem Norden unterstützen die USA ihren Verbündeten im Süden und verlegen einen Flugzeugträger ins Gelbe Meer.</h3>
Ein südkoreanisches Manöver war der Anlass für das tödliche Feuergefecht an der innerkoreanischen Grenze - und ein Manöver soll auch Seouls Antwort sein. Einen Tag, nachdem Nordkoreas Armee beim Beschuss der südkoreanischen Insel Yeonpyeong zwei Soldaten und zwei Zivilisten tötete, zwanzig Menschen verletzte und dutzende Häuser zerstörte, haben die Regierungen in Seoul und Washington demonstrativ eine gemeinsame Marineübung beschlossen. Dafür wird unter anderem der US-Flugzeugträger "George Washington" ins Gelbe Meer verlegt...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Nach dem Angriff aus dem Norden unterstützen die USA ihren Verbündeten im Süden und verlegen einen Flugzeugträger ins Gelbe Meer.</h3>
<p>Ein südkoreanisches Manöver war der Anlass für das tödliche Feuergefecht an der innerkoreanischen Grenze &#8211; und ein Manöver soll auch Seouls Antwort sein. Einen Tag, nachdem Nordkoreas Armee beim Beschuss der südkoreanischen Insel Yeonpyeong zwei Soldaten und zwei Zivilisten tötete, zwanzig Menschen verletzte und dutzende Häuser zerstörte, haben die Regierungen in Seoul und Washington demonstrativ eine gemeinsame Marineübung beschlossen. Dafür wird unter anderem der US-Flugzeugträger &#8220;George Washington&#8221; ins Gelbe Meer verlegt.</p>
<p>Bei einem der schwersten militärischen Zwischenfälle seit dem Ende des Koreakriegs vor 57 Jahren hatte Nordkorea am Dienstag 170 Granaten über die Grenze geschickt, nachdem südkoreanische Kriegsschiffe im Rahmen eines Manövers 20 Kilometer südlich der umstrittenen Seegrenze Schüsse ins Meer abgefeuert hatten. Südkoreas Armee beantwortete den Angriff mit 80 Kanonenschüssen und erklärte, dass es möglicherweise auch auf nordkoreanischer Seite Tote gegeben habe. Wie bei innerkoreanischen Scharmützeln üblich, hat Pjöngjang keinerlei Angaben zu eigenen Opfern gemacht.</p>
<p>Die Bundesregierung kritisierte den Beschuss in ungewöhnlich scharfer Form und bestellte den Botschafter Nordkoreas ein. &#8220;Eine solche Aggression ist durch nichts zu rechtfertigen&#8221;, sagte Bundesaußenminister Guido Westerwelle gestern im Bundestag. Die internationale Gemeinschaft werde sich nicht erpressen lassen.</p>
<p>Südkoreas Verteidigungsminister Kim Tae-young zeigte sich überzeugt, dass hinter der nordkoreanischen Aggressivität innenpolitische Motive stecken. &#8220;Unser Urteil ist, dass Nordkorea den Angriff benutzt hat, um den Nachfolgeprozess im Land zu stärken und die Führungsstärke von Kim Jong-un unter Beweis zu stellen&#8221;, sagte der Minister vor dem Parlament. Der auf etwa 27 Jahre geschätzte Kim Jong-un, jüngster Sohn von Diktator Kim Jong-il, war im September offiziell zum Machterben und stellvertretenden Vorsitzenden der Militärkommission erhoben worden. Er gilt im Militär als unbeliebt und westlichen Geheimdiensten zufolge bereits im März mit dem Abschuss des südkoreanischen Kriegsschiffes Cheonan versucht haben, sich Autorität zu verschaffen. Damals starben 46 Soldaten. Zudem war bekannt geworden, dass Pjöngjang in den vergangenen anderthalb Jahren in aller Heimlichkeit eine Fabrik zur Urananreicherung gebaut hat, in der auch Nuklearwaffenmaterial hergestellt werden könnte.</p>
<p>Während Experten davon ausgehen, dass Nordkorea mit den Provokationen seine Verhandlungsposition bei einer neuen Runde der Sechs-Parteien-Gespräche verbessern will, um die Diplomaten derzeit ringen, versuchen Südkorea und die USA zu zeigen, dass sie sich durch Nordkoreas Gewalt nicht zu Zugeständnissen zwingen lassen. Das geplante Manöver solle die &#8220;Stärke des Bündnisses und das Bekenntnis zu Frieden und Sicherheit in der Region&#8221; demonstrieren, sagte US-Präsident Barack Obama seinem südkoreanischen Amtskollegen Lee Myung-bak in einem Telefonat. Man werde weiterhin &#8220;Schulter an Schulter&#8221; stehen. Gleichzeitig rief Obama erneut China auf, seinen Einfluss auf Nordkorea geltend zu machen. Peking müsse Nordkoreas Regierung drängen, &#8220;eine Reihe von internationalen Regeln zu beachten, an die sie sich halten müssen&#8221;.</p>
<p>China kommt in dem Konflikt eine Schlüsselrolle zu. Dabei unterscheiden sich Pekings Interessen von denen der anderen Parteien. Zwar will die chinesische Regierung eine Eskalation der Gewalt auf der koreanischen Halbinsel vermeiden. Doch sieht die Volksrepublik das kleine Nachbarland als exklusive wirtschaftliche Einflusszone und nimmt es immer wieder gegen politischen Druck in Schutz. US-Wissenschaftler äußerten jüngst sogar den Verdacht, dass Nordkoreas neue Urananreicherungsanlage mit chinesischer Hilfe errichtet worden sei.</p>
<p>Obwohl es gestern zu keinen neuen Gewaltausbrüchen kam, ist Südkoreas Armee weiter in höchster Alarmbereitschaft. In südkoreanischen Häfen wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Der Schiffsverkehr laufe aber ungestört weiter, erklärte ein Sprecher des Hafens Incheon. Südkoreas Wiedervereinigungsministerium kündigte an, versprochene Hilfslieferungen für Nordkorea vorerst zurückzuhalten. Auch Nichtregierungsorganisationen seien angewiesen worden, Hilfe im Wert von rund 1,7 Millionen Euro nicht auszuliefern.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/george-washington-soll-kim-jong-un-einschuchtern/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Kims Kommando</title>
		<link>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/kims-kommando/</link>
		<comments>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/kims-kommando/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 24 Nov 2010 02:20:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Kim Jong-il]]></category>
		<category><![CDATA[Kim Jong-un]]></category>
		<category><![CDATA[Militär]]></category>
		<category><![CDATA[Nordkoea]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.bernhardbartsch.de/?p=2278</guid>
		<description><![CDATA[<h3>Militär Nordkorea ist das am stärksten militarisierte Land der Welt. Die Armee ist die wichtigste Machtstütze des Regimes.</h3>
Nordkorea gehört zu den ärmsten Ländern der Welt, doch es leistet sich einen der größten Militärapparate: Rund 1,2 Millionen Soldaten zählt die Koreanische Volksarmee (KVA). Das ist weltweit Rang vier und gemessen an der Bevölkerungszahl der mit Abstand höchste Militarisierungsgrad. Zwischen vier und acht Millionen Nordkoreaner werden außerdem als Reservisten geführt...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Militär Nordkorea ist das am stärksten militarisierte Land der Welt. Die Armee ist die wichtigste Machtstütze des Regimes.</h3>
<p>Nordkorea gehört zu den ärmsten Ländern der Welt, doch es leistet sich einen der größten Militärapparate: Rund 1,2 Millionen Soldaten zählt die Koreanische Volksarmee (KVA). Das ist weltweit Rang vier und gemessen an der Bevölkerungszahl der mit Abstand höchste Militarisierungsgrad. Zwischen vier und acht Millionen Nordkoreaner werden außerdem als Reservisten geführt.</p>
<p>Reine Mannschaftszahlen sagen allerdings wenig über die Schlagkraft der nordkoreanischen Truppen aus: Die Ausstattung der KVA ist größtenteils veraltet. Den modernen Armeen der USA und Südkoreas, denen die Nordkoreaner an der innerkoreanischen Grenze gegenüberstehen, wären sie im Fall eines Krieges nicht gewachsen. Trotzdem kann die KVA große Zerstörung anrichten, wie sie gestern gezeigt hat. Außerdem verfügt sie seit 2006 mit der Atombombe über einen Trumpf, der sie vor Militärschlägen schützt. Zwar gehen westliche Experten davon aus, dass Nordkoreas Plutoniumvorräte nur für fünf bis zehn Sprengköpfe reichen und das Land nicht über geeignete Trägerraketen verfügt. Doch auch die Gefahr einer sogenannten &#8220;schmutzigen Bombe&#8221;, bei der Sprengpulver mit radioaktivem Material vermischt wird, ist groß genug, um Nordkorea zu einer ernstzunehmenden militärischen Bedrohung für seine Nachbarn zu machen.</p>
<p>Für Nordkoreas Diktator Kim Jong-il ist die Bombe das wichtigste Drohmittel, um sich gegen ausländische Destabilisierungsversuche zu wehren. Schon unter seinem Vater, Staatsgründer Kim Il-sung, war die Armee die wichtigste Machtstütze des Systems, schließlich baute der Revolutionär seine Herrschaft auf Guerillatruppen auf, mit denen er einst gegen die japanische Besatzung gekämpft hatte. Die vollständige Militarisierung der nordkoreanischen Gesellschaft vollzog dann Kim Jong-il, der Mitte der 90er Jahre die Devise &#8220;Militär zuerst&#8221; ausgab und den Staatsapparat entlang der Armeestrukturen organisierte. Militär, Regierung und Partei sind in Nordkorea untrennbar verbunden.</p>
<p>Das Militär spielt auch eine Schlüsselrolle für den Fortbestand des Systems. Als Kim im September seinen Sohn Kim Jong-un als Wunschnachfolger installierte, ernannte er ihn zunächst zum General und dann zu seinem Stellvertreter in der Militärkommission. Doch die Autorität des jungen Kim ist beschränkt. Überläufer berichten, der designierte Führer werde in Militärkreisen nicht akzeptiert. Denkbar ist deshalb, dass nach dem Tode Kim Jong-ils eine Gruppe mächtiger Militärs die Macht übernehmen würde &#8211; eine Option, die angeblich auch China heimlich unterstützt, wo man hofft, dass Generäle leichter zu beeinflussen sind als die eigenwilligen Kims. Gleichzeitig spekulieren westliche Geheimdienste darüber, dass die jüngsten Provokationen des Militärs ein Versuch des jungen Kim Jong-un seien, sich im System Respekt zu verschaffen. Er soll den Angriff auf das südkoreanische Kriegsschiff Cheonan im März befohlen haben, bei dessen Untergang 46 Matrosen starben. Womöglich geht auch der Beschuss der Insel Yeonpyeong auf sein Konto.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/kims-kommando/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Koreanisches Poker</title>
		<link>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/koreanisches-poker/</link>
		<comments>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/koreanisches-poker/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 23 Nov 2010 14:15:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Kim Jong-il]]></category>
		<category><![CDATA[Nordkorea]]></category>
		<category><![CDATA[Südkorea]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.bernhardbartsch.de/?p=2276</guid>
		<description><![CDATA[<h3>Kim Jong-il reizt - und weiß, dass seine Aggression bisher immer belohnt worden ist.</h3>
Nordkoreas Diktator Kim Jong-il hat eine eigenwillige Art, der Welt Verhandlungen anzubieten. Erst führte er US-Wissenschaftlern eine neue Nuklearfabrik vor, die zur Herstellung von atomwaffenfähigem Uran verwendet werden könnte – eine offene Aufrüstungsdrohung. Nun ließ er auch noch unvermittelt Granaten auf eine südkoreanische Insel schießen – eine unverhohlene Warnung, dass er zu Gewalt bereit ist, wenn er nicht bekommt, was er will...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Kim Jong-il reizt &#8211; und weiß, dass seine Aggression bisher immer belohnt worden ist.</h3>
<p>Nordkoreas Diktator Kim Jong-il hat eine eigenwillige Art, der Welt Verhandlungen anzubieten. Erst führte er US-Wissenschaftlern eine neue Nuklearfabrik vor, die zur Herstellung von atomwaffenfähigem Uran verwendet werden könnte – eine offene Aufrüstungsdrohung. Nun ließ er auch noch unvermittelt Granaten auf eine südkoreanische Insel schießen – eine unverhohlene Warnung, dass er zu Gewalt bereit ist, wenn er nicht bekommt, was er will.</p>
<p>In anderen Ländern würden derartige Provokationen wohl Sanktionen und womöglich militärische Vergeltungsschläge hervorrufen. Doch in Nordkorea ist Aggression bisher letztlich immer belohnt worden – und es steht zu erwarten, dass es Pjöngjang auch diesmal gelingen wird, dem Ausland politische Zugeständnisse und wirtschaftliche Unterstützung abzuringen.</p>
<p>Seit Nordkoreas zweitem Atombombentest im Mai 2009 sind alle Bemühungen zur Wiederaufnahme der Sechs-Parteien-Gespräche zwischen den beiden Koreas, den USA, China, Japan und Russland gescheitert. Vor allem die Positionen Pjöngjangs und Washingtons scheinen unvereinbar: Die Amerikaner wollen erst an den Verhandlungstisch zurückkehren, wenn Nordkorea sein Nuklearprogramm eingestellt hat, doch genau dafür wollen die Nordkoreaner Gegenleistungen bekommen, darunter die Aufhebung der Uno-Sanktionen und Hilfslieferungen – das alte Spiel.</p>
<p>Zwar haben die USA angekündigt, sich diesmal nicht erpressen lassen zu wollen. Doch je aggressiver Nordkorea auftritt, umso mehr gerät Washington unter Druck, seine harte Position aufzugeben. Vor allem die Südkoreaner, aber auch die Japaner haben Angst vor einer weiteren atomaren Aufrüstung des Kim-Regimes, und auch den Amerikanern graust davor, dass Pjöngjang sein Nuklearwaffenarsenal vergrößern und verbessern könnte. Allerdings gibt es nur zwei Möglichkeiten, dies zu verhindern. Die eine Strategie bestünde darin, den Kollaps des Systems herbeizuführen, entweder militärisch oder durch eine wirtschaftliche Totalblockade, bis die Nordkoreaner vor lauter Elend gegen ihre Tyrannen aufbegehren. Doch ganz abgesehen von den Erfolgsaussichten solcher Unterfangen hat an einem Zusammenbruch Nordkoreas keine Seite ein Interesse: Die Südkoreaner fürchten sich vor einer teuren Wiedervereinigung, die Chinesen wollen Nordkorea als exklusive wirtschaftliche Einflusszone behalten und sowohl die USA, China als auch Russland sehen in dem Land einen willkommenen Pufferstaat zwischen ihren jeweiligen Einflusszonen. Die andere Strategie wäre die erneute Einbindung Nordkoreas. Zwar dürfte keine der beteiligten Parteien mehr so naiv sein, ernsthaft auf eine völlige Denuklearisierung Nordkoreas zu hoffen. Doch Pjöngjangs Aufrüstungstempo und Aggressivität sind allemal leichter zu kontrollieren, wenn die Kims nicht auf Konfrontationskurs sind, sondern sich von Verhandlungen Vorteile erhoffen können. So war es in der Vergangenheit. Und so wird es auch in Zukunft wieder sein.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/koreanisches-poker/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Gefährlicher Grenzkonflikt</title>
		<link>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/gefahrlicher-grenzkonflikt/</link>
		<comments>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/gefahrlicher-grenzkonflikt/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 23 Nov 2010 14:11:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Kim Jong-il]]></category>
		<category><![CDATA[Nordkorea]]></category>
		<category><![CDATA[Südkorea]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.bernhardbartsch.de/?p=2273</guid>
		<description><![CDATA[<h3>Nordkorea provoziert die Welt wieder einmal mit einem Angriff auf senen Nachbarn.</h3>
Nordkorea hat am Dienstag überraschend ein Gefecht an der innerkoreanischen Grenze provoziert. Am Nachmittag, um 14.34 Uhr Ortszeit, schlugen mehr als 50 Granaten auf der südkoreanischen Insel Yeonpyeong ein, berichtete das Verteidigungsministerium in Seoul. Bei dem Angriff wurden zwei Soldaten getötet, 17weitere sowie drei Zivilisten verletzt...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Nordkorea provoziert die Welt wieder einmal mit einem Angriff auf senen Nachbarn.</h3>
<p>Nordkorea hat am Dienstag überraschend ein Gefecht an der innerkoreanischen Grenze provoziert. Am Nachmittag, um 14.34 Uhr Ortszeit, schlugen mehr als 50 Granaten auf der südkoreanischen Insel Yeonpyeong ein, berichtete das Verteidigungsministerium in Seoul. Bei dem Angriff wurden zwei Soldaten getötet, 17weitere sowie drei Zivilisten verletzt.</p>
<p>Die rund 1600 Bewohner der Insel, die nahe der umstrittenen innerkoreanischen Seegrenze und zwölf Kilometer vor Nordkoreas Küste liegt, flüchteten sich in Bunker. &#8220;Wir rannten um unser Leben&#8221;, erzählt die Inselbewohnerin MiSoonHan. Etwa 70 Häuser gerieten in Brand. Dichte Rauchwolken verhüllten Teile der Insel. Die meisten Geschosse trafen einen Militärstützpunkt. Südkorea erwiderte das Feuer und schickte ein Kampfflugzeug in die Region. Das Militär verhängte den höchsten Alarmzustand seit dem Korea-Krieg. Über Opfer auf nordkoreanischer Seite wurde zunächst nichts bekannt.</p>
<p>Südkoreas Staatschef Lee Myung Bak rief sein Kabinett zu einer Krisensitzung in einem unterirdischen Bunker zusammen und warnte vor einer Eskalation. Sein Sprecher erklärte, dass der Angriff womöglich ein Protest gegen ein am Vortag begonnenes südkoreanisches Manöver im Gelben Meer sei. &#8220;Nordkorea hat sich in einem Brief über die Übung beschwert&#8221;, sagte er. Ein Kommandeur der nordkoreanischen Streitkräfte warf dem Süden vor, das Feuer zuerst eröffnet zu haben. Er kündigte &#8220;unbarmherzige Angriffe&#8221; an, sollte Südkorea die Seegrenze auch nur &#8220;einen tausendstel Millimeter&#8221; überschreiten.</p>
<p>Die Attacke Nordkoreas reiht sich ein in eine Serie militärischer Machtdemonstrationen des isolierten Staates. Erst am Wochenende war bekannt geworden, dass das Regime Anfang November US-amerikanischen Atomphysikern eine moderne Anlage zur Urananreicherung vorgeführt hatte, die auch zur Herstellung von Nuklearwaffenmaterial benutzt werden könnte. Sowohl der Beschuss als auch die Präsentation der Nuklearanlage könnten dazu gedacht sein, Nordkoreas Verhandlungsposition in den Atomgesprächen zu verbessern und Zugeständnisse zu erzwingen. Mit den sogenannten Sechsergesprächen wollen die USA, China, Russland, Japan sowie Südkorea erreichen, dass Nordkorea die Produktion von Kernbrennstoff einstellt.</p>
<p>Der US-Sonderbeauftragte Stephen Bosworth reist diese Woche durch die Region, um mit den anderen Teilnehmern der Gespräche eine Strategie zu finden, wie sich Nordkorea an den Verhandlungstisch zurücklocken ließe. Noch kurz vor dem Gefecht hatte er erklärt, die USA würden sich durch die Urananreicherungsanlage nicht unter Druck setzen lassen.</p>
<p>Doch die US-Regierung musste zugeben, von der Existenz der Nuklearfabrik überrascht worden zu sein. &#8220;Vom nachrichtendienstlichen Gesichtspunkt ist das so etwas wie der schlimmste Albtraum&#8221;, sagte auch Victor Cha, Asiendirektor des Nationalen Sicherheitsrats von US-Präsident Barack Obama. Ein Sprecher von US-Außenministerin Hillary Clinton hat am Montag erklärt, man werde Nordkoreas schlechtes Benehmen nicht belohnen. &#8220;Die glauben immer wieder, dass sie nur etwas Unverschämtes machen müssen, um uns zu zwingen, durch Reifen zu springen&#8221;, sagte er. &#8220;Bei diesem Spiel machen wir nicht mit.&#8221;</p>
<p>Nordkorea dürfte versuchen, sich die neuerliche Stilllegung seines Atomprogramms abhandeln zu lassen, etwa mit Lieferungen von Öl und Lebensmitteln oder einer Aufhebung von Sanktionen. Unklar ist, wie dringend Nordkorea auf ausländische Hilfe angewiesen ist. Das verarmte Land wurde jüngst von schweren Überschwemmungen getroffen, die große Teile der Ernte vernichteten. Schon in den vorigen Wintern war es zu Lebensmittelknappheit gekommen.</p>
<p>Doch ob Washington und Seoul an ihrer Forderung festhalten können, neue Verhandlungen erst zu eröffnen, wenn Nordkorea sein Nuklearprogramm stoppt, scheint nach dem Angriff vom Dienstag unsicherer denn je zu sein. Denn mit der Nervosität in Südkorea steigt der Handlungsdruck, und China &#8211; Nordkoreas engster Verbündeter &#8211; drängt darauf, sich Pjöngjangs Forderungen gegenüber flexibler zu zeigen. Allerdings scheint China wieder einmal ein doppeltes Spiel zu spielen.</p>
<p>Die US-Wissenschaftler waren bei ihrem Besuch der nordkoreanischen Urananreicherungsanlage zu dem Schluss gekommen, dass diese wahrscheinlich mit chinesischer Unterstützung gebaut worden sei. China ist seit Langem bemüht, sich Nordkorea als exklusive politische und wirtschaftliche Einflusszone zu sichern. Die Regierung in Peking hat sich bisher nicht öffentlich zu der Urananreicherungsanlage geäußert. Das ist typisch: Auch zur Schuldfrage nach dem Angriff auf ein Kriegsschiff Südkoreas, das im März nahe der Seegrenze mit 46Soldaten an Bord gesunken war, hat China nicht Partei ergriffen. Eine internationale Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass ein nordkoreanischer Torpedo das Boot abschoss. Pjöngjang bestreitet das.</p>
<p>Der Zwischenfall war nur einer von vielen. Auch an der 1953 von den Vereinten Nationen gezogenen Seegrenze ist es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Gefechten gekommen. Wegen des jüngsten Beschusses wird der UN-Sicherheitsrat vermutlich heute oder morgen zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenkommen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.bernhardbartsch.de/archiv/gefahrlicher-grenzkonflikt/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

