Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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Die Bombe vor der Tür

In China regt sich zunehmend Widerstand gegen die enge Allianz mit Nordkorea.

Nordkorea feierte am Samstag den 71. Geburtstag von Kim Jong Il – und das sozialistische Bruderland China feierte mit. Pekings Nachrichtenagentur Xinhua veröffentlichte gefällige Bildstrecken von Nordkoreanern, die vor dem Standbild ihres 2011 gestorbenen «Geliebten Führers» Blumen niederlegen und sich verneigen. Der Atomtest vom vergangenen Dienstag blieb unerwähnt. Im Internet hagelte es dagegen Spott, für Kim ebenso wie für Chinas unkritische Berichte. «Unsere Medien schreiben alle, der Spinner wäre 71 geworden – müssen wir Chinesen jetzt also auch nordkoreanische Märchen glauben?», schrieb einer in Anspielung auf die offizielle Geburtslegende, wonach Kim Jong Il 1942 auf Nordkoreas heiligem Berg Paektu das Licht der Welt erblickt haben soll. In Wahrheit wurde er ein Jahr vorher in der Sowjetunion geboren…

Bernhard Bartsch | 17. Februar 2013 um 08:52 Uhr

 

Der Sonnensohn und die Eisprinzessin

Wie in einem Shakespeare-Drama liegt Koreas Schicksal in den Händen zweier Diktatorenkinder. Können sie über die Schatten ihrer Väter springen?

Mun Se-gwang war kein Meisterspion. Aber er hatte einen japanischen Pass, eine gute Tarnung für einen nordkoreanischen Agenten. Am 15. August 1974 schmuggelt sich der 22-Jährige mit einem Revolver ins Nationaltheater von Seoul, um Südkoreas Präsident Park Chung-hee zu ermorden. Er nimmt er in einer der hinteren Reihen Platz, und als der Präsident ans Rednerpult tritt, pirscht er sich im Dunkel des Saales nach vorne. Den Revolver in seiner Tasche umfasst er aus Nervosität so fest, dass er versehentlich abdrückt und sich selbst in den Fuß schießt. Während die Bodyguards nach dem Präsidenten hechten, feuert Mun wahllos Richtung Bühne und trifft die First Lady tödlich in den Kopf…

Bernhard Bartsch | 13. Februar 2013 um 08:20 Uhr

 

Kim der Ewige

Nordkorea zelebriert seine toten Diktatoren.Zur Feier soll eine Langstreckenrakete starten – auch um den Preis einer weiteren Isolation.

Alle Macht will Ewigkeit: Nordkoreas im Dezember verstorbener Diktator Kim Jong Il ist zum „ewigen Generalsekretär“ der Arbeiterpartei ernannt worden – und damit zum Auftakt der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il Sung ähnlich geehrt worden wie sein Vater, der auch 18 Jahre nach seinem Tod noch als „ewiger Präsident“ amtiert. Die Entscheidung sei bei einem Sonderparteitag gefallen, meldete die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA. Gleichzeitig wurde ein weiterer dereinst womöglich ewiger Kim in Stellung gebracht: Kim Jong Un…

Bernhard Bartsch | 11. April 2012 um 06:21 Uhr

 

Unerwünschter Frühling

Nordkorea demonstriert Kontinuität, doch der Druck zur Öffnung wächst und hat bereits begonnen, das System grundlegend zu verändern.

In Kim Taewoos Büro ist die koreanische Versöhnung bereits vollzogen. Auf der Landkarte hinter dem Schreibtisch des Präsidenten von Südkoreas staatlichem Institut für Wiedervereinigung teilt keine Grenze die Halbinselmehr in Nord und Süd. Die Darstellung ist ein politisches Statement, was sonst, doch seit vergangener Woche wirkt es so brisant wie lange nicht mehr. „Theoretisch ist jetzt alles möglich“, kommentiert der Politologe die Lage nach dem Tod von Diktator Kim Jong-il und bezweifelt, dass dessen Machterben das abgeschottete System langfristig aufrecht erhalten können…

Bernhard Bartsch | 27. Dezember 2011 um 11:01 Uhr

 

Kim in der Kiste

Nordkorea beweint seinen verstorbenen Diktator Kim Jong-il. Der Süden bemüht sich um versöhnliche Signale.

Die Nachricht fand nicht viel Aufmerksamkeit: Am vergangenen Freitag berichtete das chinesische Staatsfernsehen CCTV, das Pekinger Wachsfigurenmuseum habe für Nordkoreas Herrscher Kim Jong Il eine Statue seiner Mutter angefertigt. Mehr als 200 Würdenträger seien aus Pjöngjang angereist, um die Skulptur abzuholen. „Aber wer war wirklich in der Kiste?“, fragt ein chinesischer Blogger. „Vielleicht ist Kim gar nicht in seinem Zug gestorben, sondern in einem chinesischen Krankenhaus.“ Das Gerücht ist einer von zahllosen Spötteleien, mit denen Internetbenutzer aller Welt den Tod des exzentrischen Tyrannen kommentieren…

Bernhard Bartsch | 20. Dezember 2011 um 16:18 Uhr

 

Auftritt Kim III.

Die Herrschaft von Nordkoreas Kim-Clans geht in die dritte Generation. Doch dem Veränderungsdruck kann das Regime nur noch schwer standhalten.

Nordkoreas neuer Machthaber tritt auf, wie sein Vater abgetreten ist: mit einer militärischen Machtdemonstration. Wenige Stunden nach der Bekanntgabe von Kim Jong Ils Tod hat sein jüngster Sohn Kim Jong Un eine Mittelstreckenrakete ins Meer schießen lassen. Die Botschaft scheint eindeutig: Keiner soll glauben, der junge Kim sei weniger gewaltbereit als sein Vater, der Nordkorea zur Atommacht aufrüstete und die Welt mit seiner Bombe erpresste. Die Vorstellung, dass ein knapp dreißigjähriger Tyrannensprössling nun über Nuklearwaffen sowie ein großes Arsenal an chemischen und biologischen Kampfstoffen verfügen könnte, ist in der Tat beängstigend…

Bernhard Bartsch | 20. Dezember 2011 um 02:28 Uhr

 

Tyrann alter Schule

Kim Jong-Il war ein Exzentriker zynischer Realpolitik. Nun ist er im Alter von 69 Jahren gestorben und hinterlässt seinem Son Kim Jong-un ein schwieriges Amt.

Über Kim Jong-il macht man keine Witze, findet Lee Yong-guk. Wenn es um den „Geliebten Führer“ geht, hat der 50-Jährige nie Spaß verstanden. Nicht damals, als er Kims Bodyguard war und für den vergötterten Landesvater bereitwillig sein Leben gegeben hätte. Und auch nicht später, als er von Kims Grausamkeiten desillusioniert nach Südkorea desertierte, wo der nordkoreanische Tyrann allgemein als Witzfigur galt. Dabei hat Lee in Kims Dienst viele Momente erlebt, die man mit genügend Abstand komisch finden könnte. „In seiner Jugend war Kim ein großer Trinker und ist nachts besoffen in seinem Mercedes über das Palastgelände gerast“, erzählte Lee kürzlich dieser Zeitung. „Wir Leibwächter hatten immer Panik, dass ihm etwas passiert und wir ihm helfen müssen.“ Wenn Kim betrunken oder schlecht gelaunt war, wollte man ihm nicht unter die Augen kommen…

Bernhard Bartsch | 19. Dezember 2011 um 17:58 Uhr

 

Zum Einstand eine Rakete

Nach dem Tod Kim Jong-ils soll sein jüngster Sohn Kim Jong-un die Macht übernehmen. Als erste Amtshandlung zündete er eine Kurzstreckenrakete.

Schluchzende Menschen beweinen auf den Straßen und Plätzen den Tod ihres „Geliebten Führers“: Nordkoreanische Fernsehbilder dokumentieren die öffentliche Trauer nach dem Tod von Diktator Kim Jong-il. Eine in Schwarz gekleidete Nachrichtensprecherin hatte am Montagmorgen mit tränenerstickter Stimme verkündet, dass der 69-Jährige am Samstag während einer Zugfahrt im Alter an Herzversagen gestorben sei. Er hatte Nordkorea seit dem Tod seines Vater Kim Il-sung im Jahr 1994 regiert und das abgeschottete und verarmte Land zur Atommacht gemacht…

Bernhard Bartsch | 19. Dezember 2011 um 16:58 Uhr

 

Kim in China – aber welcher?

Nordkoreas Diktator besucht seinen engsten Verbündeten. Womöglich ist die Reise auch der Antrittsbesuch seines jüngsten Sohnes und designierten Nachfolgers.

Wie immer ist alles höchst geheimnisvoll: Kim Jong-il, Nordkoreas undurchschaubarer Diktator, soll erneut nach China gereist sein. Es wäre das dritte Mal seit Mai vergangenen Jahres, dass der „Geliebte Führer“ seinen engsten Verbündeten besucht. Über die Visite, die bisher weder von nordkoreanischer noch von chinesischer Seite bestätigt worden ist, kursieren unterschiedliche Angaben…

Bernhard Bartsch | 22. Mai 2011 um 03:16 Uhr

 

Kim der Zahme

Nordkoreas Diktator signalisiert dem ehemaligen US-Präsidenten Carter Gesprächsbereitschaft.

Im Streit um Nordkoreas umstrittenes Atomwaffenprogramm hat Pjöngjang die Bereitschaft zu Verhandlungen signalisiert – ohne damit jedoch auch den Willen zu politischen Zugeständnissen zu verbinden. Wie der frühere US-Präsident Jimmy Carter nach einer Reise in das isolierte Land erklärte, habe Diktator Kim Jong Il ihm eine Botschaft an die Regierung Südkoreas mitgeben lassen…

Bernhard Bartsch | 28. April 2011 um 08:02 Uhr

 

So schön ist Nordkorea

Herr Klimke von der CDU will sich ein Bild von Land und Leuten machen. Die Gastgeber wollen ihm zeigen, wie glücklich das Volk ist. Ein Reisebericht.

Der junge Mann ist seltsam. Er steigt als letzter ins Flugzeug, hat eine riesige Sonnenbrille auf, trägt Jeans, Turnschuhe, ein blaues Hemd mit Krawatte und eine Gelfrisur wie asiatische Popstars sie haben. Man kann sich ihn in einer japanischen Disco oder Hongkonger Shopping Mall vorstellen. Aber er ist auf dem Weg nach Nordkorea. In Peking hat er als letzter die Maschine der nordkoreanischen Fluglinie Koryo Air bestiegen und in der ersten Klasse auf Sitz 1A Platz genommen. Die Stewardessen behandeln ihn wie einen Ehrengast. Wer ist er? Drei Plätze weiter, auf Sitz 1D, sitzt Jürgen Klimke von der CDU. Klimke nestelt an einer kleinen Digitalkamera. „Machen wir mal ein Foto“, sagt er, dreht sich zur Seite und drückt schnell ab…

Bernhard Bartsch | 08. April 2011 um 16:25 Uhr

 

Kims Hunger nach Diplomatie

Südkorea will wieder mit dem Norden verhandeln, doch die Annäherung ist umstritten.

Süd- und Nordkorea nähern sich an – oder demonstrieren zumindest ihren guten Willen, nach einem Jahr auf Eskalationskurs wieder zur Diplomatie zurückzukehren. Am 8. Februar sollen sich Armeevertreter im Waffenstillstandsdorf Panmunjom treffen. Auch andere Kontakte würden auf Arbeitsebene wieder aufgenommen, sagte Südkoreas Präsident Lee Myung Bak…

Bernhard Bartsch | 02. Februar 2011 um 13:29 Uhr

 

Der Stellvertreterkonflikt

Der Streit um Nordkorea offenbart die Bruchstellen der neuen Weltordnung.

Nein, diesen Gefallen werden wir Kim Jong-il nicht tun! Mit seinen jüngsten Provokationen – dem Beschuss der südkoreanischen Insel Yeonpyeong und der Präsentation seiner Urananreicherungsanlage – will Nordkoreas Diktator der Welt Angst vor einem neuen Korea-Krieg machen. Er möchte, dass man ihm jeden Wahnsinn zutraut, selbst den Einsatz seiner Atombomben. Denn nur wenn das Ausland Kim fürchtet, macht es ihm die politischen und finanziellen Zugeständnisse, die er braucht, um sein tyrannisches Regime am Leben zu erhalten…

Bernhard Bartsch | 27. November 2010 um 10:37 Uhr

 

China über Südkorea verstimmt

Chinas Außenminister Yang Jiechi hat seine Reise nach Südkorea verschoben. Die Ursache sind wohl Unsicherheiten über den Umgang mit Nordkorea.

Zwei Tage nach dem tödlichen Gefecht an der innerkoreanischen Seegrenze hat Chinas Außenminister Yang Jiechi eine Reise nach Südkorea auf unbestimmte Zeit verschoben. Dabei standen bei dem Treffen unter anderem Beratungen zum Neustart der Sechser-Gespräche über das nordkoreanische Atomprogramm auf der Tagesordnung. Angeblich habe es Terminprobleme gegeben, erklärte Seoul…

Bernhard Bartsch | 25. November 2010 um 15:08 Uhr

 

George Washington soll Kim Jong-un einschüchtern

Nach dem Angriff aus dem Norden unterstützen die USA ihren Verbündeten im Süden und verlegen einen Flugzeugträger ins Gelbe Meer.

Ein südkoreanisches Manöver war der Anlass für das tödliche Feuergefecht an der innerkoreanischen Grenze – und ein Manöver soll auch Seouls Antwort sein. Einen Tag, nachdem Nordkoreas Armee beim Beschuss der südkoreanischen Insel Yeonpyeong zwei Soldaten und zwei Zivilisten tötete, zwanzig Menschen verletzte und dutzende Häuser zerstörte, haben die Regierungen in Seoul und Washington demonstrativ eine gemeinsame Marineübung beschlossen. Dafür wird unter anderem der US-Flugzeugträger „George Washington“ ins Gelbe Meer verlegt…

Bernhard Bartsch | 24. November 2010 um 14:02 Uhr