Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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Fukushimas Preisschild

Atomstrom galt als billig – doch in Japan zeigt sich, wie teuer er sein kann.

Thunfisch müsste man sein. Dann könnte man dem Nukleardesaster von Fukushima vielleicht eine positive Seite abgewinnen. Der Blauflossen-Thuna steht auf der Roten Liste der akut vom Aussterben bedrohten Tiere, ein Resultat ungezügelter Überfischung, und nirgends ist sein Fleisch beliebter als in Japan. Doch nun vergeht vielen Menschen der Appetit auf Sushi oder Thunfischsalat…

Bernhard Bartsch | 24. März 2011 um 14:24 Uhr

 

Das Salz der Apokalypse

Der Nuklearunfall in Japan hat in China zu panikhaften Salzkäufen geführt. Die Menschen glauben, sich so vor Strahlenschäden schützen zu können.

Treffen sich ein Japaner, ein Koreaner und ein Chinese im Himmel. „Ich bin beim Erdbeben gestorben“, erzählt der Japaner. „Ich bin verstrahlt worden“, sagt der Koreaner. „Und bei welcher Katastrophe bist du umgekommen?“ fragen sie den Chinesen. Der schaut betreten zu Boden und antwortet: „Ich habe zu viel Salz gegessen.“ Um über den Witz, der im chinesischen Internet kursiert, lachen zu können, muss man wohl versucht haben, dieser Tage in einem chinesischen Supermarkt ein Päckchen Speisesalz zu kaufen…

Bernhard Bartsch | 18. März 2011 um 14:29 Uhr

 

Schlumpfblauer Stimmenfang

Mann der Stunde oder Mann von gestern? Japans Premier Naoto Kan kämpft nicht nur gegen Erdbebenschäden und Atom-GAU, sondern auch um seine Karriere.

Nationale Katastrophen sind nicht nur menschliche Tragödien, sondern auch politische Großereignisse, in denen Karrieren gemacht und zerstört werden können. 1962 erwarb sich der Hamburger Polizeisenator Helmut Schmidt im Kampf gegen die Sturmflut seinen Ruf als zupackender Krisenmanager, der ihn bis ins Kanzleramt trug. Sein Nachfolger Gerhard Schröder machte 2002 das Elbhochwasser erfolgreich zum Wahlkampfhelfer, während US-Präsident George W. Bush durch sein Versagen im Umgang mit dem Hurrikan Katrina 2005 sein politisches Ende einläutete.

Auch in Japan rückt eine knappe Woche nach dem verheerenden Erdbeben und dem dadurch ausgelösten Kernreaktorunfall die Frage ins Visier, wie Regierungschef Naoto Kan nach der Katastrophe dastehen wird…

Bernhard Bartsch | 17. März 2011 um 02:48 Uhr

 

Zwischen Angst und Alltag

In Tokio demonstrieren die Menschen Normalität – und können doch den Schrecken nicht vertreiben. Viele versuchen, die Millionenstadt zu verlassen.

Was für einen Unterschied ein kleiner Wetterumschwung macht. Nachdem der Wind über Nordjapan in der Nacht gedreht hat, so dass eine Strahlenwolke aus Unglückskernkraftwerk Fukushima nicht mehr Richtung Tokio, sondern auf den Pazifik wehen würde, versuchen die Hauptstadtbewohner am Mittwochvormittag wieder zum Alltag zurückzukehren…

Bernhard Bartsch | 16. März 2011 um 14:44 Uhr

 

Das Ende der Nachsicht

Die Japaner haben ihren Regierungen viele Skandale verziehen. Nach der Erdbeben- und Atomkatastrophe braucht das Land endlich eine neue politische Vision.

Das Erdbeben in Japan, dessen verheerendes Ausmaß täglich größer wird, enthält eine Tragödie, einen Skandal und eine Erfolgsgeschichte. Die Tragödie zeigt sich in den Bildern und Nachrichten aus dem Norden des Landes. Dort ist die Naturkatastrophe in ihrer tückischen Kombination aus Erdbeben und Tsunami über die Menschen hereingebrochen, bevor sie der vom Meer heranrollenden Gefahr gewahr werden und sich in Sicherheit bringen konnten…

Bernhard Bartsch | 16. März 2011 um 00:00 Uhr

 

Anti-Atomkraft nein danke

Japan droht die größtmögliche Kernreaktorkatastrophe, doch von japanischen Atomkraftgegnern fehlt jede Spur. Denn Nuklearstrom war bisher kaum umstritten.

Der drohende GAU im japanischen Kernkraftwerk Fukushima treibt in Deutschland tausende Atomkraftgegner auf die Straße. Und in Japan? In Tokios Regierungsviertel Chiyoda herrscht am Dienstagmorgen gespenstische Ruhe. Polizisten bewachen die leeren Straßen zwischen Parlament, Ministerien und der Residenz vom Premierminister Naoto Kan. Kein einziger japanischer Atomkraftgegner, der hier ein Transparent enthüllen würde…

Bernhard Bartsch | 15. März 2011 um 12:01 Uhr

 

Japans Medien fordern transparente Informationen

Nach dem Erdbeben kritisieren Japans Medien den Kernkraftwerkbetreiber Tepco und fordern ein Ende der politischen Grabenkämpfe. Eine Presseschau.

Angesichts des Ausmasses der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe sowie der Sorgen um die Sicherheit der beschädigten Atomkraftwerke fordern Japans Medien ein Ende der lähmenden Blockade zwischen Regierung und Opposition. «Seit Monaten haben sich die Regierung und die Opposition Grabenkämpfe geliefert», schreibt die «Asahi Shimbun». «Die Katastrophe hat endlich eine Situation geschaffen, in der die Parteien zum Wohl des Landes zusammenarbeiten können.»…

Bernhard Bartsch | 14. März 2011 um 06:05 Uhr

 

Der schiefe Turm von Tokio

Das Erdbeben hat Japan in seinen Grundfesten erschüttert. Denn die Naturgewalt hat ein Land getroffen, dem der Glaube an sich selbst zunehmend abhanden kommt.

Der Tokio-Tower steht schief. Mit bloßem Auge würde man es nicht merken, doch dort, wo an anderen Frühlingswochenenden Besucherschlangen darauf warten, die 333 Meter hohe Stahlkonstruktion, eine rotweiße Kopie des Pariser Eifelturms, zu besteigen, steht man an diesem Sonntag vor einem geschlossenen Tor. „Das Erdbeben hat den Turm beschädigt“, erklärt ein Angesellter. „Er sieht zwar in Ordnung aus, aber die Statiker müssen erst einmal überprüfen, ob er tatsächlich noch stabil ist.“ Medienberichten zufolge soll das Gerüst in sich verzogen und die Spitze einen Knick bekommen haben. Wohl nie hat der Tokio-Tower seine Rolle als Wahrzeichen der japanischen Hauptstadt besser erfüllt…

Bernhard Bartsch | 13. März 2011 um 17:21 Uhr

 

Wo der Wind weht

Ist es Pflicht oder Wahnsinn, als Journalist in ein Land zu reisen, in dem ein atomarer Super-GAU droht?

Es macht keine Freude, seiner Familie samstagmorgens erklären zu müssen, dass man nicht früh aufsteht, um Croissants zu holen, sondern um in ein Katastrophengebiet zu fliegen. Aber was bedeutet ein Wochenende neben der Erdbebenkatastrophe in Japan? Am Pekinger Flughafen sehe ich, dass ich nicht der einzige Familienenttäuscher bin. Zwei Dutzend internationale Journalisten warten auf den ersten verfügbaren Flug nach Tokio…

Bernhard Bartsch | 12. März 2011 um 16:45 Uhr

 

Japan fürchtet den Super-GAU

Nach dem verheerenden Erdbeben droht in Atomkraftwerken der Austritt von großen Mengen Radioaktivität. Die Zahl der Tsunamiopfer geht in die Tausende.

Jahrzehntelang haben japanische Kernkraftgegner davor gewarnt, nun droht der größtmögliche Nuklearunfall einzutreten. Das verheerende Erdbeben, das am Freitag Japan erschütterte, hat im Atomkraftwerk Fukushima eine Kernschmelze ausgelöst. Ob der mit einem Super-GAU verbundene Austritt von großen Mengen Radioaktivität verhindert werden kann, war anderthalb Tage nach der Naturkatastrophe noch ungewiss…

Bernhard Bartsch | 12. März 2011 um 16:39 Uhr

 

Tag der Angst

Nach einem Beben der Stärke 8,9 trifft eine bis zu zehn Meter hohe Flutwelle die japanische Küste. Tausende Tote sind zu befürchten.

Eine Frau mit angstvollem Blick kauert auf dem Boden und versucht ein Telefonat fortzusetzen, Männer hocken unter ihren Schreibtischen, auf denen die Computer wackeln. Dann löst sich eine Deckenverkleidung und fällt krachend mitten ins Büro. Furchtbarer Lärm ist zu hören, das gesamte Gebäude scheint zu wackeln…

Bernhard Bartsch | 11. März 2011 um 16:42 Uhr

 

China holt Silber

China löst Japan als zweitgrößte Volkswirtschaft ab – und könnte um 2025 auch die USA überholen.

Die Weltwirtschaft ist nicht die Fußball-Bundesliga. Trotzdem verfolgen auch Ökonomen gerne Ranglisten und diskutieren statistische Auf- oder Abstiege. Vielen gilt es deshalb als historische Zäsur, dass China im vergangenen Jahr Japan als zweitgrößte Wirtschaftsmacht abgelöst hat. Die Japaner hatten den Rang hinter den USA 42 Jahre inne…

Bernhard Bartsch | 14. Februar 2011 um 04:03 Uhr

 

Das Gesicht der anderen

China beschwert sich über die Arroganz des Westens – dabei hat es sie längst kopiert.

Chinesen, so heißt es, dürfe man niemals ihr Gesicht verlieren lassen. Aber wie nehmen sie es eigentlich mit dem Gesicht von anderen? Auf der politischen Bühne gewinnt man derzeit den Eindruck, Chinas Regierung agiere ausgesprochen unchinesisch. Immer häufiger fallen Pekings Diplomaten durch unnötige Ruppigkeit auf: zuletzt gegen Japan, davor gegen die Mit-Anrainer im Südchinesischen Meer, und seit Jahren im Währungskonflikt gegen die ganze Welt. Ist dies das Gesicht der neuen Großmacht?…

Bernhard Bartsch | 01. Oktober 2010 um 05:52 Uhr

 

Die Kraft der seltenen Erden

China setzt Exporte seltener Rohstoffe als diplomatisches Druckmittel gegen Japan ein. Ein Warnschuss für andere Länder: Auch Deutschland wäre erpressbar.

Am Dienstag waren die „Systemfehler” auf wundersame Weise behoben. Seit vergangenen Donnerstag hatte der chinesische Zoll Exporte von Seltenerdmetallen nach Japan blockiert – angeblich wegen technischer Probleme bei der Bearbeitung der Ausfuhrformulare, wie betroffene Firmen berichteten. Dass Peking und Tokio sich zeitgleich den schärfsten diplomatischen Schlagabtausch seit Jahren lieferten, stehe damit in keinerlei Verbindung, versicherten die chinesischen Behörden…

Bernhard Bartsch | 29. September 2010 um 09:01 Uhr

 

Tunnel der Freundschaft

Südkorea plant unterirdische Verbindungen nach Japan und China und hofft nicht nur auf räumliche Annäherung

Ostasien will zusammenwachsen. Ein 220 Kilometer langer Eisenbahntunnel unter dem Meeresboden könnte künftig die südkoreanische Hafenstadt Busan mit dem japanischen Fukuoka verbinden. Sogar eine 350 Kilometer lange Röhre von der südkoreanischen Westküste in die chinesische Hafenstadt Weihai wird geprüft…

Bernhard Bartsch | 21. September 2010 um 16:25 Uhr