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	<title>Bernhard Bartsch &#187; Japan</title>
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	<description>TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN</description>
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		<title>Nuckeln gegen die Krise</title>
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		<pubDate>Sat, 07 Jan 2012 14:12:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Japan]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
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		<description><![CDATA[<h3>Die Monchhichis waren ein Kinderzimmerkult der 80er-Jahre. Nun erleben sie ein Revival.</h3>
<a href="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2012/01/Monchhichi_06.jpg"><img class="alignleft  wp-image-2924" title="Monchhichi" src="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2012/01/Monchhichi_06-1024x859.jpg" alt="" width="195" height="163" /></a>Susumu Yoshida liebt die Krise. Wenn die Wirtschaft schlecht läuft, macht sich seine Arbeit fast von alleine. "Warum das so ist, können wir uns selbst nicht recht erklären", sagt der Marketingdirektor der japanischen Kuscheltierfirma Sekiguchi. "Vielleicht haben die Menschen in Krisenzeiten ein besonderes Bedürfnis nach etwas Warmem und Weichem." Sollten Sekiguchis Verkaufszahlen tatsächlich als Index taugen, dann braucht die Welt keine Rettungsschirme, Sparprogramme oder Konjunkturpakete, sondern vor allem eins: Monchhichis...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Die Monchhichis waren ein Kinderzimmerkult der 80er-Jahre. Nun erleben sie ein Revival.</h3>
<p><a href="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2012/01/Monchhichi_19.jpg"><img class="alignleft  wp-image-2927" title="Monchhichi" src="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2012/01/Monchhichi_19-1024x680.jpg" alt="" width="430" height="286" /></a>Susumu Yoshida liebt die Krise. Wenn die Wirtschaft schlecht läuft, macht sich seine Arbeit fast von alleine. &#8220;Warum das so ist, können wir uns selbst nicht recht erklären&#8221;, sagt der Marketingdirektor der japanischen Kuscheltierfirma Sekiguchi. &#8220;Vielleicht haben die Menschen in Krisenzeiten ein besonderes Bedürfnis nach etwas Warmem und Weichem.&#8221;</p>
<p>Sollten Sekiguchis Verkaufszahlen tatsächlich als Index taugen, dann braucht die Welt keine Rettungsschirme, Sparprogramme oder Konjunkturpakete, sondern vor allem eins: Monchhichis. Die daumenlutschenden Affen erleben derzeit ein Revival, das an ihre größten Erfolge vor etwa dreißig Jahren erinnert, als sie auch in deutschen Kinderzimmern Kultstatus erlangten. Seit dem Ausbruch der Finanzkrise steigen die Verkaufszahlen zweistellig, besonders in krisengeplagten Ländern wie den USA, Japan und vielen EU-Staaten.</p>
<p>Die Firmenzentrale des Familienunternehmens liegt in einem Tokioter Mittelklassewohnviertel. Das schlichte Gebäude war früher eine Autowerkstatt. Die große Halle, in der einst Pkw aufgebockt wurden, dient heute als Präsentationsraum. &#8220;Wir machen nicht nur Monchhichis&#8221;, erklärt Yoshida, während er die Produktpalette zeigt. Sekiguchi hat Lizenzen, um in Japan Kinderzimmer-Ikonen wie den Kleinen Prinz, Snoopy und Pippi Langstrumpf zu vermarkten.</p>
<p>Daneben hat das Unternehmen auch eine Reihe von Eigenentwicklungen, darunter pfirsichfarbene Bärchen und pinkfarbene Hunde. &#8220;Besonders erfolgreich sind die leider nicht&#8221;, gesteht Yoshida ein. &#8220;Seit drei Jahrzehnten versuchen unsere Designer, noch einmal einen Erfolg wie den der Monchhichis zu landen, aber bisher ist es ihnen nicht gelungen.&#8221;</p>
<p><a href="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2012/01/Monchhichi_11.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-2931" title="Monchhichi" src="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2012/01/Monchhichi_11-300x199.jpg" alt="" width="300" height="199" /></a>Die Geschichte der Monchhichis gehört zu jenen Erfolgsstorys, die sich zwar nacherzählen, aber nicht wirklich erklären lassen. Ursprünglich stellte das 1918 gegründete Unternehmen billiges Plastikspielzeug für den Export her. &#8220;Japan war damals ein Niedriglohnland, wie es heute China ist&#8221;, erzählt Yoshida. Mit Japans Wirtschaftsboom nach dem Zweiten Weltkrieg begann Sekiguchi, seine Produktion in andere Länder zu verlagern und sich selbst auf Entwicklung und Vermarktung zu konzentrieren. Anfang der 1970er entwarfen Designer einen Affen mit einem Körper aus Plüschmaterial, während Gesicht, Hände und Füße aus Kunststoff waren. Das weitgehend naturgetreue Äffchen stieß auf wenig Interesse.</p>
<p>Doch dann passten die Designer ihren Entwurf dem Kindchenschema an und verliehen ihm menschlichere Züge: kürzere Extremitäten, einen großen Kopf mit Kulleraugen und babyhaften Zügen, und einen rechten Daumen, der sich in den Mund stecken ließ. Der Name war eine Mischung aus dem englischen Wort für Affe, monkey, und der japanischen lautmalerischen Beschreibung eines Nuckelgeräuschs, chi-chi. Später änderte Sekiguchi die Wortschöpfungsgeschichte und erklärte, die Silbe &#8220;mon&#8221; stamme aus dem Französischen, womit Monchhichi so viel wie &#8220;Mein Genuckel &#8221; bedeutet.</p>
<p>In Japan war das Monchhichi zunächst nicht besonders populär, doch im Ausland wurden die pelzigen Äffchen über Nacht ein Erfolg, besonders in Deutschland. &#8220;Die Monchhichis kamen 1978 auf den deutschen Markt, und die nächsten zwei Jahre waren die besten, die wir je hatten&#8221;, sagt Susumu Yoshida. &#8220;Die Japaner sind erst zu Monchhichi-Fans geworden, als sie die Beliebtheit im Westen bemerkt haben.&#8221; Das war Anfang der 90er-Jahre, kurz nachdem das Platzen der japanischen Immobilienblase den Boom des Landes jäh gestoppt hatte. Allerdings waren es in Japan weniger Kinder als junge Frauen, welche die Nachfrage ankurbelten. Der Trend ist inzwischen von Japan auf China übergesprungen, dessen junge Großstädterinnen inzwischen die wichtigste Kundengruppe sind.</p>
<p><a href="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2012/01/Monchhichi_03.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-2932" title="Monchhichi" src="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2012/01/Monchhichi_03-199x300.jpg" alt="" width="199" height="300" /></a>Rund 80 Millionen Monchhichis hat das 32-Mitarbeiter-Unternehmen, das noch immer der Gründerfamilie Sekiguchi gehört, seit Ende der 1970er-Jahre abgesetzt. 2010 wurden 1,5 Millionenverkauft, die Hälfte davon in China, 250000 in Deutschland und 100000 in Japan. Die Übermacht des asiatischen Marktes hat dazu geführt, dass Sekiguchis Designer sich zunehmend an der Modebranche orientieren. Viermal im Jahr bringen sie eine neue Kollektion heraus.</p>
<p>In der Firmenzentrale stehen die Muster für den Sommer, wenn die Monchhichis anlässlich der Olympischen Spiele in London Union-Jack-Kleidung tragen werden. &#8220;Wir haben jedes Jahr Hunderte Designs&#8221;, sagt Yoshida. &#8220;Die meisten werden aber nur in kleinen Stückzahlen gefertigt.&#8221; Für Sammler gibt es jährlich mehrere Sondereditionen und eine monatliche Zeitschrift. Auf Youtube hat Sekiguchi einen eigenen Monchhichi-Kanal mit Animationsfilmen eingerichtet.</p>
<p>Die europäischen Kunden haben davon bisher allerdings kaum etwas mitbekommen. &#8220;Unsere Neuentwicklungen sind fast alle für den asiatischen Markt&#8221;, erklärt Yoshida. In Europa seien die Monchhichis ja noch in erster Linie Kinderspielzeuge und die Kunden vor allem Eltern, die Anfang der 80er selbst mit den Äffchen spielten und diese nun auch ihren Kindern schenken wollen. &#8220;Für sie sieht das Monchhichi heute noch genauso aus wie früher.&#8221;</p>
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		<title>&#8220;Europa hat die japanische Krankheit&#8221;</title>
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		<pubDate>Sat, 10 Dec 2011 01:56:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Euro]]></category>
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		<category><![CDATA[Schuldenkrise]]></category>

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		<description><![CDATA[<h3>Ökonom Richard Koo über das Wesen der Schuldenkrise, die Rettung des Euro und deutsche Luxusprobleme.</h3>
<em><a href="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2011/12/Richard_Koo_1.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-2892" title="Richard_Koo_(Coypright: Martin Gottske)" src="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2011/12/Richard_Koo_1.jpg" alt="" width="162" height="204" /></a>Bernhard Bartsch: Herr Koo, Europas Regierungschefs suchen einen Ausweg aus der Eurokrise. Können die Rettungspläne die Probleme lösen, oder verschlimmern sie die Lage nur?</em>

Richard Koo: Ich fürchte, dass sich in Europa viele nicht bewusst sind, mit welchen Problemen sie es eigentlich genau zu tun haben. Dabei ist die Antwort meiner Meinung nach klar: Europa und auch die USA haben sich die japanische Krankheit eingefangen.

<em>Japan hat nach dem großen Einbruch von Anfang der 1990er nie wieder zu seiner alten Dynamik zurückgefunden. Droht jetzt auch Europa ein "verlorenes Jahrzehnt"?...</em>
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			<content:encoded><![CDATA[<h3>Ökonom Richard Koo über das Wesen der Schuldenkrise, die Rettung des Euro und deutsche Luxusprobleme.</h3>
<p><em><a href="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2011/12/Richard_Koo_11.jpg"><img class="alignleft size-large wp-image-2894" title="Richard_Koo_(Copyright: Martin Gottske)" src="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2011/12/Richard_Koo_11-1024x680.jpg" alt="" width="430" height="286" /></a>Bernhard Bartsch: Herr Koo, Europas Regierungschefs suchen einen Ausweg aus der Eurokrise. Können die Rettungspläne die Probleme lösen, oder verschlimmern sie die Lage nur?</em></p>
<p>Richard Koo: Ich fürchte, dass sich in Europa viele nicht bewusst sind, mit welchen Problemen sie es eigentlich genau zu tun haben. Dabei ist die Antwort meiner Meinung nach klar: Europa und auch die USA haben sich die japanische Krankheit eingefangen.</p>
<p><em>Japan hat nach dem großen Einbruch von Anfang der 1990er nie wieder zu seiner alten Dynamik zurückgefunden. Droht jetzt auch Europa ein &#8220;verlorenes Jahrzehnt&#8221;?</em></p>
<p>Ja, wenn die Politik nicht die richtigen Lehren aus den japanischen Erfahrungen zieht und entsprechende Maßnahmen einleitet.</p>
<p><em>Wie müssten die aussehen?</em></p>
<p>Ich habe einen Plan, der recht einfach umzusetzen wäre, viel einfacher jedenfalls als alle Vorschläge, die jetzt auf dem Tisch liegen. Aber dafür muss man erst einmal die japanische Krankheit selbst verstehen.</p>
<p><em>Klären Sie uns auf.</em></p>
<p>So eine Krise wird dadurch ausgelöst, dass eine landesweite Preisblase platzt, so wie in Japan Anfang der Neunziger, und in den USA und Europa 2008 nach dem Lehman-Schock. Die Preise, etwa von Immobilien, brechen ein, aber die damit verbundenen Schulden bleiben bestehen. Unternehmen und Privathaushalte stecken plötzlich tief im Minus und versuchen um jeden Preis, ihre Schulden abzubauen, um ihre Bilanzen zu sanieren. Damit macht zwar jeder Einzelne für sich das Richtige, aber kollektiv ist das genau das Falsche.</p>
<p><em>Weil alle sparen und niemand Geld ausgibt?</em></p>
<p>Genau. Denn die Spareinlagen des einen sind ja der Kredit des anderen. Stellen Sie sich einen Haushalt vor, der 1000 Euro verdient und davon 100 Euro spart: Die 900 Euro, die er ausgibt, fließen direkt wieder in den Kreislauf, und die 100 Euro gehen zu einer Bank, die sie an jemanden weitergibt, der sich Geld leihen will. Aber wenn alle nur noch ihre Schulden zurückbezahlen wollen und niemand sich Geld leiht, bleiben die 100 Euro bei der Bank, selbst bei Nullzinsen, wie wir sie derzeit haben.</p>
<p><em>Im Kreislauf sind also nur noch 900 Euro, und weil der nächste davon auch noch einmal zehn Prozent zur Bank bringt, sind es nur noch 810, und so weiter. Die Volkswirtschaft schrumpft.</em></p>
<p>Und zwar sehr schnell. Weil der Auslöser darin besteht, dass alle ihre Bilanzen von Schulden säubern wollen, nenne ich dieses Phänomen eine Bilanzrezession. Das ist der Mechanismus, der 1929 zur Großen Depression geführt hat, Anfang der 1990er Japan in die Krise gestürzt hat und heute den USA und großen Teilen Europas droht.</p>
<p><em>Und was ist dann zu tun?</em></p>
<p>Der Staat muss das Geld, das im Bankensystem feststeckt, leihen und wieder in Umlauf bringen. Der Staat muss diesen Stimulus so lange aufrechterhalten, bis die Unternehmen und Haushalte ihre Schulden abgebaut haben und sich selbst wieder Geld zu leihen beginnen. Der schlimmste Fehler, den eine Regierung in dieser Phase begehen kann, besteht darin, selbst zu sparen.</p>
<p><em>Genau das ist derzeit aber das erklärte Ziel der europäischen Regierungen . . .</em></p>
<p>. . . und man braucht sich nur das japanische Beispiel anzuschauen, um zu wissen, wozu das führt: Anfang der Neunziger hat Japans Regierung zunächst viel Geld in Umlauf gebracht und die Konjunktur schnell stabilisiert. Aber dann wurde sie ungeduldig und hat 1997 eine große Haushaltskonsolidierung eingeleitet mit dem Ergebnis, dass die Wirtschaft im Rekordtempo zusammengebrochen ist und Japan die schlimmste Rezession der Nachkriegszeit erlebt hat. Diesen Fehler drohen die Europäer jetzt auch zu machen: Nach dem Lehman-Schock haben die Regierungen zwar erst einmal schnell reagiert und den freien Fall gestoppt. Aber die Unternehmen und Haushalte haben noch immer viele Schulden in ihren Bilanzen. Wenn der Staat jetzt spart, dann könnte die nächste Große Depression, von der wir gerade gedacht haben, dass wir an ihr vorbeigeschrammt sind, doch noch kommen.</p>
<p><em>Aber ist es nicht das Merkmal der Krise, dass viele Staaten derart hohe Schulden angehäuft haben, dass sie gar nicht mehr die Möglichkeit haben, diese mit noch mehr Schulden zu bekämpfen.</em></p>
<p>Meiner Meinung nach ist die Schuldenkrise kein weltweites Phänomen, sondern das spezielle Problem der Eurozone. Die USA, Japan oder Großbritannien haben ja auch riesige Defizite, aber die Anleiherenditen sind dort überall auf einem absurd niedrigen Niveau, die Märkte betteln die Regierungen quasi an, sich Geld zu leihen. Nur in der Eurozone ist das anders.</p>
<p><em>Und warum?</em></p>
<p>Weil es in der Eurozone einen einzigartigen Kapitalfluss gibt. Erinnern sie sich an unser Ausgangsproblem: Unternehmen und Haushalte sparen, niemand leiht sich Geld, so dass es bei den Banken steckenbleibt. Wenn deren Fondsmanager kein Wechselkursrisiko eingehen und die Einlagen garantieren müssen, bleibt ihnen keine andere Wahl, als Staatsanleihen in eigener Währung zu kaufen. Aber kauft ein spanischer Fondsmanager derzeit spanische Bonds? Nein, so viel Schlechtes, wie er über seine Regierung hört, kauft er lieber deutsche, niederländische, oder finnische. Das ist die Krux: Die Spanier sparen, aber ihre Regierung kann sich kein Geld leihen. In Portugal oder Irland ist es das gleiche, auch dort gibt es beträchtliche Ersparnisse, die in andere Euroländer fließen.</p>
<p><em>Nur die Griechen haben keine eigenen Ersparnisse, deshalb sind die Aussichten dort schlecht. Die Lösung des Europroblems muss also darin liegen, Geldabflüsse zu stoppen.</em></p>
<p>Ja, in der Eurozone sollte die Regel eingeführt werden, dass die Mitgliedstaaten ihre Staatsanleihen nur noch an ihr eigenes Volk verkaufen dürfen. Dann bleiben die Ersparnisse im eigenen Land und die Regierung kann mit der Sanierung des eigenen Haushalts warten, bis die Unternehmen ihre Bilanzen bereinigt haben und die Konjunktur wieder Fahrt aufnimmt. Dann brauchen die Euroländer sich auch nicht mehr über ihre Haushaltsdefizite und die Dreiprozentklausel zu streiten: Wer vom eigenen Volk viel Geld geliehen bekommt, kann auch ein hohes Defizit haben, und wer wie die Griechen keine Ersparnisse hat, muss eben sparen. Diese Regel bietet gleichzeitig Flexibilität und verlangt Disziplin. Damit wären alle Probleme gelöst.</p>
<p><em>Glauben Sie wirklich, dass sich die Europäer für die Idee begeistern könnten? Auf europäischer Ebene soll es mehr Kontrollen geben.</em></p>
<p>Das ist genau die Reaktion, die ich von EU-Bürokraten bekomme. Doch wollen sie ihre Finanzpolitik tatsächlich in Brüssel machen lassen? Wo bleibt da die Demokratie, wo die Verantwortung? Haben die Bürokraten in Brüssel denn immer recht? Wenn dem so wäre, hätten wir jetzt doch diesen ganzen Schlamassel gar nicht. Als der Maastricht-Vertrag ausgehandelt wurde, hat sich die heutigen Probleme niemand vorstellen können.</p>
<p><em>Die Eurostaaten könnten dann aber auch keine Anleihen mehr an Chinesen oder Japaner verkaufen. Warum sollten sie sich diese Geldquelle entgehen lassen? Wenn eine Regierung ihr eigenes Volk nicht davon überzeugen kann, ihr Geld zu leihen, warum sollten es dann die Chinesen oder Japaner tun?</em></p>
<p>Natürlich kann man die Regel, die mir vorschwebt, nicht über Nacht einführen. Meiner Meinung nach sollten die Euroländer eine Übergangsphase einleiten, etwa zehn Jahre. Für die Finanzierung in dieser Zeit kann ich mir alle möglichen Instrumente vorstellen. Das Wichtige ist, dass die Investoren wieder Vertrauen fassen und wissen, dass die gegenwärtigen Probleme in einigen Jahren endgültig abgestellt werden.</p>
<p><em>Die Europäer diskutieren über ganz andere Szenarien, zum Beispiel ob die Zentralbanken in großem Stil Staatsanleihen kaufen sollten. Vor allem die Deutschen sind aber dagegen, weil sie Angst vor Inflation haben.</em></p>
<p>Deutschland ist eine Insel in Europa, der Wirtschaft geht es sehr gut. Die deutschen Unternehmen haben ihre Bilanzbereinigungen schon hinter sich gebracht haben, als vor zehn Jahren die Telekomblase geplatzt ist. Deutschland ist das einzige Land, in dem die Industrieproduktion wieder dort ist, wo sie vor der Lehman-Krise war. In Frankreich und Spanien liegt sie auf dem Niveau von 1997, in Italien von 1994. Und während die Deutschen eine Arbeitslosenquote im Sechsprozentbereich haben, sind es in Spanien 23 Prozent &#8211; fast so viel wie in den USA während der Großen Depression. Deswegen verweigern sich die Deutschen leider wichtigen Maßnahmen, die für den Rest Europas wichtig wären. Für Europa als Ganzes ist die Inflationsgefahr nicht groß, selbst wenn die Europäische Zentralbank Anleihen aufkaufen würde. Und selbst wenn es in Deutschland ein wenig Inflation geben würde, wäre das ein Preis, den die Deutschen zahlen sollten, um die Eurokrise zu beenden. Wenn das gelingt, wird der Euro eine große Zukunft haben.</p>
<p>ZUR PERSON:</p>
<p>Richard Koo, Jahrgang 1954, ist Chefökonom des Nomura Research Institute in Tokio und gilt als einer der führenden, aber auch umstrittensten Experten für Rezessionen. Aus den Erfahrungen der japanischen Krise entwickelte er 2003 das Konzept der „Bilanzrezession“. Demnach versuchen Unternehmen nach dem Platzen einer Blase nicht mehr, ihre Profite zu maximieren, sondern nur noch ihre Schulden zu minimieren, was einen jähren Konjunkturabsturz herbeiführt. Laut Koo müssen Regierungen in einer solchen Situation die Wirtschaft so lange durch hohe Staatsausgaben am Laufen halten, bis die Privatwirtschaft wieder zum Wachstum beiträgt. In Ökonomenkreisen bekannt wurde er durch das Buch: „The Holy Grail of Macroeconomics: Lessons from Japans Great Recession“.</p>
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		<title>&#8220;Wir werden für dumm verkauft&#8221;</title>
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		<pubDate>Fri, 09 Dec 2011 02:17:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Atomkraft]]></category>
		<category><![CDATA[Fukushima]]></category>
		<category><![CDATA[Japan]]></category>

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		<description><![CDATA[<h3>Neun Monate nach Fukushima ringt Japan noch immer mit dem Ausmaß der Katastrophe. Die junge Anti-Atomkraftbewegung ist inzwischen desillusioniert.</h3>

Was sind die Ängste der Opfer von Fukushima wert? Im Fall von Masako Hashimoto sollen es 80 000 Yen (770 Euro) sein. Mit dieser Summe sollen Bewohner aus der weiteren Umgebung des havarierten Atomkraftwerks entschädigt werden, wie der Stromkonzern Tepco bekanntgab. Kinder und Schwangere sollen das Fünffache bekommen. "Tepco behauptet, das sei eine Wiedergutmachung für unsere Sorgen", sagt Masako Hashimoto. "Dass viele Menschen echten Schaden erlitten haben, gibt Tepco nicht zu - das macht mich ungeheuer wütend." Das Haus der Mittvierzigerin steht 50 Kilometer von den Unglücksreaktoren entfernt...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Neun Monate nach Fukushima ringt Japan noch immer mit dem Ausmaß der Katastrophe. Die junge Anti-Atomkraftbewegung ist inzwischen desillusioniert.</h3>
<p>Was sind die Ängste der Opfer von Fukushima wert? Im Fall von Masako Hashimoto sollen es 80 000 Yen (770 Euro) sein. Mit dieser Summe sollen Bewohner aus der weiteren Umgebung des havarierten Atomkraftwerks entschädigt werden, wie der Stromkonzern Tepco bekanntgab. Kinder und Schwangere sollen das Fünffache bekommen. &#8220;Tepco behauptet, das sei eine Wiedergutmachung für unsere Sorgen&#8221;, sagt Masako Hashimoto. &#8220;Dass viele Menschen echten Schaden erlitten haben, gibt Tepco nicht zu &#8211; das macht mich ungeheuer wütend.&#8221; Das Haus der Mittvierzigerin steht 50 Kilometer von den Unglücksreaktoren entfernt, außerhalb der Evakuierungszone zwar, aber innerhalb der Region, über die nach der Katastrophe vom 11. März Fuku-shimas radioaktive Wolke zog.</p>
<p>Hashimoto floh damals mit ihrer Familie in den Süden des Landes, zog dann zu ihren Eltern nach Tokio und will sich nun in der Provinz Nagano eine neue Existenz aufbauen. Geld verdienen konnte die Freiberuflerin in den vergangenen neun Monaten nicht. Doch schlimmer als Tepcos Weigerung, angemessene Entschädigungen zu zahlen, findet sie, dass die Menschen in ihrer Heimat noch immer nicht offen über die Strahlenrisiken aufgeklärt werden. &#8220;Die meisten sind deshalb geblieben, darunter mehr als 300 000 Kinder&#8221;, sagt Hashimoto. &#8220;Dabei wird es sicher nicht mehr lange dauern, bis die ersten Erkrankungen auftreten.&#8221;</p>
<p>Neun Monate nach der Erdbeben- und Nuklearkatastrophe kämpft Japan noch immer mit dem Ausmaß des Unglücks. Fast täglich gibt es neue Nachrichten, die belegen, wie sehr das Desaster die Behörden überfordert. Am Donnerstag musste Fukushimas Provinzregierung eingestehen, dass der Reis aus ihrer Region hohe Strahlenbelastungen aufweist. Dabei hatte sie noch im Oktober behauptet, außerhalb der unmittelbaren Reaktorumgebung seien alle Agrarprodukte sicher. Wenige Tage zuvor hatte der Lebensmittelkonzern Meiji eine Rückrufaktion für Babymilchpulver starten müssen, nachdem darin Spuren von radioaktivem Cäsium gefunden wurden. Die Verseuchung war nicht etwa den staatlichen Kontrolleuren, sondern Anti-Atomkraft-Aktivisten aufgefallen. &#8220;Wie unsere Regierung mit der Krise umgeht, ist ein Trauerspiel&#8221;, sagt die prominente Ökonomin Noriko Hama. &#8220;Das Unglück hätte eine Möglichkeit sein können, um das Land aufzurütteln und einen Neuanfang zu machen, aber das ist leider nicht passiert. Die Menschen sind sehr enttäuscht.&#8221; Der Premier Yoshihiko Noda, der erst im September das Ruder übernommen hatte und in Umfragen von zwei Dritteln der Bevölkerung unterstützt wurde, hat nun fast die Hälfte seiner Zustimmung eingebüßt.</p>
<p>Zwar bemüht sich die Regierung, Fortschritte zu zeigen. So begann das japanische Militär diese Woche mit der Dekontamination der 20-Kilometer-Sperrzone um das AKW Fukushima Daiichi. 900 Soldaten sollen öffentliche Gebäude in vier Orten reinigen, von denen aus von Januar an der Rest des riesigen Areals bearbeitet werden soll, auch wenn dort wohl auf Jahrzehnte niemand wird leben können.</p>
<p>Doch gleichzeitig musste Tepco wieder einmal zugeben, dass es bei den Bergungsarbeiten in den vier Reaktoren Probleme gibt. In den kommenden Monaten werden erneut große Mengen radioaktiv verseuchtes Kühlwasser ins Meer geleitet werden, weil die Tanks auf dem Kraftwerksgelände nicht mehr ausreichen. Japanischen Medien zufolge fließen täglich 200 bis 500 Tonnen Grundwasser in die Reaktorgebäude. Die zur Verfügung stehenden Tanks hätten aber nur eine Kapazität von 160 000 Tonnen und würden spätestens im März voll sein. Da womöglich noch jahrelang Wasser in die Reaktoren laufen werde, könne man nicht immer mehr Tanks aufstellen, begründet Tepco die Maßnahme. Allerdings werde nur Wasser abgeleitet, dessen Belastung unterhalb des staatlich zulässigen Grenzwerts liege. Seit März sind aber auch riesige Mengen hochgradig belasteten Wassers ins 500 Meter entfernte Meer geleitet worden.</p>
<p>&#8220;Die Bevölkerung wird für dumm verkauft&#8221;, sagt der Anti-Atomkraft-Aktivist Takashi Hirose. Das volle Ausmaß der Katastrophe werde bewusst verschwiegen, weil die Regierung eine ernsthafte Diskussion über einen Atomausstieg vermeiden wolle. Gemeinsam mit der Atomlobby nutze sie alle wirtschaftlichen und politischen Hebel, um Japans Medien an einer allzu kritischen Berichterstattung zu hindern. „So können sie weiter an dem Märchen festhalten, dass in Fukushima eine einmalige Verkettung von unglücklichen Umständen zur Katastrophe geführt habe“, erklärt Hirose. „Dabei kann schon bald das nächste Erdbeben kommen und ein viel größeres Unglück passieren.“ </p>
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		<title>Der Tenno geht in Rente</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Dec 2011 01:00:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Japan]]></category>
		<category><![CDATA[Kaiser]]></category>

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		<description><![CDATA[<h3>Japans Kaiser Akihito soll in den Ruhestand gehen. Der einst göttliche Tenno schrumpft damit auf das Maß eines Normalbürgers.</h3>
Kaiser sind auch nur Menschen. Sie werden alt, schneller müde und häufiger krank. Warum sollten sie da nicht wie andere Menschen in Rente gehen? In Japan, dem letzten Land mit einem Kaiser als Staatsoberhaupt, ist diese Diskussion nun entbrannt. Der 77-jährige Kaiser Akihito solle die Erlaubnis bekommen, in Pension zu gehen, fordert sein Sohn Akishino...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Japans Kaiser Akihito soll in den Ruhestand gehen. Der einst göttliche Tenno schrumpft damit auf das Maß eines Normalbürgers.</h3>
<p>Kaiser sind auch nur Menschen. Sie werden alt, schneller müde und häufiger krank. Warum sollten sie da nicht wie andere Menschen in Rente gehen? In Japan, dem letzten Land mit einem Kaiser als Staatsoberhaupt, ist diese Diskussion nun entbrannt. Der 77-jährige Kaiser Akihito solle die Erlaubnis bekommen, in Pension zu gehen, fordert sein Sohn Akishino. &#8220;Ab einem gewissen Alter wird es immer schwieriger, sich um eine Vielzahl von Dingen zu kümmern&#8221;, erklärte die Nummer Zwei in der Thronfolge.</p>
<p>Akihito hatte im November drei Wochen mit einer Lungenentzündung im Krankenhaus verbracht, eine von mehreren schweren Erkrankungen in den vergangenen Jahren. Die Imperiale Haushaltsagentur, die dem japanischen Premier untersteht und das Leben der kaiserlichen Familie regelt, müsse eine flexible Lösung finden, um seinen Vater zu entlasten, bat der Prinz. Sollte der Tenno tatsächlich in Rente gehen, wäre dies ein weiterer Schritt, ihn auf das Maß eines Normalbürgers zu schrumpfen.</p>
<p>Denn ursprünglich waren Japans Kaiser keineswegs Menschen, sondern Göttersöhne. Der Stammbaum der ältesten Herrscherdynastie der Welt beginnt 660 vor Christus, als die Sonnengöttin Amaterasu ihren Sohn Jimmu auf die Erde geschickt haben soll, um dort das &#8220;Reich der aufgehenden Sonne&#8221; zu gründen.´Der heutige Kaiser Akihito gilt als 124. Nachfolger des Sonnensohnes. Allerdings musste schon sein Vater Hirohito nach den japanischen Gräueltaten im Zweiten Weltkrieg auf Druck der USA seiner göttlichen Blutsbande abschwören. Seitdem gilt der Tenno nur noch als &#8220;nationales Wahrzeichen&#8221;. Akihito hatte als erster Kaiser eine Bürgerliche geheiratet.</p>
<p>Mit Kronprinz Naruhito, würde das Kaiserhaus einen weiteren Schritt in Richtung Normalität machen. Das Familienleben des 51-Jährigen ist in Japan ein offen diskutiertes Klatschthema. Seine Frau Masako wurde unter dem öffentlichen Druck, einen männlichen Thronfolger zu gebären, depressiv. Das Paar hat eine Tochter, Aiko. Da lange kein anderer männlicher Nachfolger in Sicht war, wurde diskutiert, ob nicht auch eine Frau auf den Thron kommen könnte. Doch seit Naruhitos jüngerer Bruder Akishino 2006 doch noch einen Sohn bekam, wurde die Gesetzesreform zu den Akten gelegt. Ein Kaiser, der in Rente gehen darf, ist den Japanern vorerst modern genug.</p>
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		<title>Japan im politischen Vakuum</title>
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		<pubDate>Fri, 26 Aug 2011 15:55:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<category><![CDATA[DPJ]]></category>
		<category><![CDATA[Japan]]></category>

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		<description><![CDATA[<h3>Premier Naoto Kan zieht die Konsequenz aus dem schlechten Krisenmanagement in Fukushima und tritt ab. Sein Nachfolger erbt einen politischen Schleudersitz.</h3>
Japans unsicherster Job ist wieder zu haben: Premierminister Naoto Kan hat am Freitag seinen Rücktritt erklärt und damit die Konsequenz aus dem desaströsen Krisenmanagement seiner Regierung nach der Tsunami- und Nuklearkatastrophe im März gezogen. Sein Nachfolger wird als sechster Regierungschef in fünf Jahren mit politischen Problemen kämpfen müssen, die noch weitaus größer sind als die Herausforderungen, an denen seine Vorgänger sang- und klanglos gescheitert sind...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Premier Naoto Kan zieht die Konsequenz aus dem schlechten Krisenmanagement in Fukushima und tritt ab. Sein Nachfolger erbt einen politischen Schleudersitz.</h3>
<p>Japans unsicherster Job ist wieder zu haben: Premierminister Naoto Kan hat am Freitag seinen Rücktritt erklärt und damit die Konsequenz aus dem desaströsen Krisenmanagement seiner Regierung nach der Tsunami- und Nuklearkatastrophe im März gezogen. Sein Nachfolger wird als sechster Regierungschef in fünf Jahren mit politischen Problemen kämpfen müssen, die noch weitaus größer sind als die Herausforderungen, an denen seine Vorgänger sang- und klanglos gescheitert sind.</p>
<p>Kans Abgang ist keine Überraschung. Schon Anfang Juni hatte er seinen Rücktritt angekündigt, diesen jedoch an die Bedingung geknüpft, dass zuvor drei wichtige Gesetze verabschiedet werden, die sicherstellen sollen, dass die Bewältigung der Tsunami-Zerstörung und des Fukushima-Desasters nicht an politischen Grabenkämpfen scheitert. Anfang Juli drückte Kan so einen zweiten Zusatzhaushalt durchs Parlament. Am Freitag stimmten die Abgeordneten dafür, dass die Regierung 40 Prozent ihrer diesjährigen Ausgaben durch Staatsanleihen finanzieren darf und dass der Ausbau von erneuerbaren Energien massiv gefördert werden soll. Unmittelbar nach dem Votum löste Kan sein Rücktrittsversprechen ein.</p>
<p>Immerhin ist der 64-Jährige unter den letzten fünf Regierungschefs, der einzige, der sich länger als ein Jahr im Amt halten konnte. Fast 15 Monate wohnte er im Premierministerbungalow in Tokios Regierungsviertel Kasumigaseki. Bei seinem Einzug im Juni vergangen Jahres genoss er Zustimmungswerte von über 60 Prozent, doch der Vertrauensvorschuss war schnell verspielt, weil sich seine Demokratische Partei (DPJ) vor allem mit sich selbst beschäftigte, statt die versprochenen Reformen gegen Japans wirtschaftliche Dauerkrise einzuleiten. Noch Stunden vor dem Erdbeben vom 11. März musste Kan sich gegen Rücktrittsforderungen wehren. Das Unglück schien dem Premier zwar zunächst eine zweite Chance zu eröffnen. Doch als offensichtlich wurde, wie schlecht die Regierung auf die Katastrophe vorbereitet war und wie dreist die Behörden die Bevölkerung über die Nuklearkatastrophe in Fukushima täuschten, verlor Kan das letzte Vertrauen. Dabei hatte er die Strukturen von Vertuschung und Verantwortungsverweigerung keineswegs selbst geschaffen, sondern wurde gewissermaßen selbst zu ihrem Opfer.</p>
<p>Obwohl Japans politischer Topposten erwiesenermaßen ein Schleudersitz ist, ist das Feld der Nachfolgekandidaten so groß wie seit langem nicht mehr. Schon seit Wochen bringen sich die Bewerber in Stellung und werben hinter den Kulissen um Unterstützung. Bis zu neun Anwärter könnten sich am kommenden Montag den 398 DPJ-Parlamentariern zur Wahl des Parteivorsitzenden aufstellen, heißt es in Tokio. Der Sieger soll dann am Dienstag im Parlament zum Regierungschef gewählt werden.</p>
<p>Als aussichtsreichster Bewerber gilt vielen Beobachtern der frühere Außenminister Seiji Maehara. Für den 49 spricht vor allem seine Popularität in der Bevölkerung, die er unter anderem seiner harschen Rhetorik gegen Japans regionalen Rivalen China verdankt. Allerdings hat Maehara auch ein großes Manko: Er gilt als Gegner von DPJ-Strippenzieher Ichiro Ozawa, dessen sogenannte „Ozawa-Fraktion“ mit rund 120 Parlamentariern die stärkste Gruppierung in der Partei ist. Der 69-jährige Parteigrande gilt als der Kopf hinter dem historischen Wahlsieg der DPJ vor zwei Jahren. Wegen eines Spendenskandals musste er damals jedoch kurz vor der Wahl den Parteivorsitz aufgeben und versucht seitdem, noch einmal die Macht zu kommen. Deswegen dürfte Ozawa einen Kandidaten favorisieren, der ihm wieder größeren Einfluss ind er Partei in Aussicht stellt. Dies wird etwa Finanzminister Yoshihiko Noda oder Handelsminister Banri Kaieda zugetraut.</p>
<p>Doch wer immer sich durchsetzt – Tokios politischer Betrieb geht davon aus, dass auch der nächste Premier nur eine Übergangsfigur sein wird. Denn die Opposition, die das Oberhaus kontrolliert und damit alle wichtige Gesetzesvorhaben blockieren kann, die Handlungsfähigkeit der Regierung so weit einschränken zu wollen, dass ihr keine andere Möglichkeit bleibt als Neuwahlen auszurufen. Die nächsten regulären Wahlen stehen nämlich erst 2013 an – in Japan der japanischen Politik eine Äone.</p>
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		<title>Japans langer Lauf zu den Grünen</title>
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		<pubDate>Fri, 26 Aug 2011 05:01:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Atomenergie]]></category>
		<category><![CDATA[Fukushima]]></category>
		<category><![CDATA[Japan]]></category>

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		<description><![CDATA[<h3>Nach der Katastrophe von Fukushima formiert sich in Japan eine Anti-AKW-Bewegung. Von politischem Einfluss ist sie weit entfernt.</h3>
Von ihrem alten Leben ist Chikako Matsumoto nicht mehr geblieben als das, was in den Kofferraum ihres Kleinwagens passte: ein paar Schachteln mit Schnellheftern, Fotos und persönlichen Gegenständen, einige Taschen mit Winterkleidung, die ihr jetzt im Sommer nichts nützen. "Wer hätte ahnen können, dass die Katastrophe ein solches Ausmaß annehmen würde?", sinniert die Krankenschwester. Jahrzehntelang lebte sie in unmittelbarer Nähe des Atomkraftwerks Fukushima-Daichi. Und wie alle ihre Nachbarn glaubte sie den Beteuerungen der Regierung und der Betreiber, dass Kernenergie sicher sei...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Nach der Katastrophe von Fukushima formiert sich in Japan eine Anti-AKW-Bewegung. Von politischem Einfluss ist sie weit entfernt.</h3>
<p>Von ihrem alten Leben ist Chikako Matsumoto nicht mehr geblieben als das, was in den Kofferraum ihres Kleinwagens passte: ein paar Schachteln mit Schnellheftern, Fotos und persönlichen Gegenständen, einige Taschen mit Winterkleidung, die ihr jetzt im Sommer nichts nützen. &#8220;Wer hätte ahnen können, dass die Katastrophe ein solches Ausmaß annehmen würde?&#8221;, sinniert die Krankenschwester. Jahrzehntelang lebte sie in unmittelbarer Nähe des Atomkraftwerks Fukushima-Daichi. Und wie alle ihre Nachbarn glaubte sie den Beteuerungen der Regierung und der Betreiber, dass Kernenergie sicher sei.</p>
<p>Knapp ein halbes Jahr nach dem GAU, ausgelöst durch das Erdbeben vom 11. März, steht Matsumoto vor dem Wohncontainer, der bis auf weiteres ihr Zuhause sein wird. Zusammen mit hundert anderen Familien aus der Evakuierungszone lebt die Mittfünfzigerin in der Behelfssiedlung auf einem Parkplatz in der Stadt Fukushima, 60 Kilometer vom Kraftwerk entfernt. Die karge Einrichtung ihrer beiden kleinen Zimmer stammt größtenteils aus Spenden, ebenso ihr gestreiftes T-Shirt und die helle Sommerhose.</p>
<p>Vor ihrer Tür hat Matsumoto ein paar Pflanzkübel mit Kräutern aufgestellt, was ihre Nachbarn verrückt finden, weil auch hier noch erhöhte Radioaktivität gemessen wird. &#8220;Ich habe wahrscheinlich ohnehin schon eine Menge Strahlung abbekommen, weil ich erst drei Tage nach dem Beben geflohen bin&#8221;, sagt sie. &#8220;Wir konnten ja die Patienten in unserer Klinik nicht allein lassen.&#8221;</p>
<p>Wie es weitergehen soll, weiß Matsumoto nicht. Bisher lebt ihre Familie von der Nothilfe, die Kraftwerksbetreiber Tepco und die lokale Regierung verteilt haben. Aber wie die Strahlenflüchtlinge entschädigt werden sollen, ist völlig unklar. &#8220;Natürlich sind wir alle noch sehr aufgewühlt und wütend, aber ich bin sicher, dass es für uns irgendwann eine Lösung geben wird&#8221;, sagt sie. Jetzt sei erstmal das Wichtigste, dass die Regierung aus der Katastrophe die richtigen Lehren zieht. &#8220;Es darf in Japan nicht noch einmal zu einem GAU kommen&#8221;, sagt Matsumoto. &#8220;Alle Atomkraftwerke gehören abgeschaltet.&#8221;</p>
<p>Nicht nur die Betroffenen sind dieser Meinung. War Atomkraft in Japan vor dem 11. März weitgehend unumstritten, so geben in Umfragen heute 75 Prozent der Japaner an, dass sie sich eine Zukunft ohne Nuklearenergie wünschen.</p>
<p>Doch öffentliche Meinung und politische Umsetzung sind zweierlei &#8211; gerade in Japan, wo der Regierung seit Jahrzehnten keine große Reform mehr gelungen ist und gut gemeinte Erneuerungsversuche oft an der übermächtigen Bürokratie scheitern. Zwar hat inzwischen auch Premierminister Naoto Kan die Devise ausgegeben, Japan müsse auf einen Atomausstieg hinarbeiten. Doch nach dem desaströsen Krisenmanagement der Regierung wird Kans politische Restlaufzeit in Tokio nur noch auf wenige Tage geschätzt. Unter den potenziellen Nachfolgern hat sich bisher keiner als Kernkraftgegner geoutet.</p>
<p>Japans Anti-AKW-Aktivisten sehen sich deshalb keineswegs am Ziel, sondern vor der Aufgabe, aus ihrer jungen Bewegung eine echte politische Kraft zu schmieden. &#8220;Kan hat versucht, mit dem Thema Atomausstieg seine politische Karriere zu retten, aber in seinem Umfeld arbeiten viele in eine andere Richtung&#8221;, sagt Junichiro Sato, Leiter von Greenpeace in Japan. &#8220;Ich bin mir zwar sicher, dass der Ausstieg kommen wird, aber der Weg dorthin ist noch weit.&#8221;</p>
<p>Die erste Herausforderung sei die, das Thema im öffentlichen Bewusstsein zu halten und ein Umfeld zu schaffen, in dem es sich für Politiker lohnt, gegen Atomkraft zu sein, meint Sato. &#8220;Wenn das gelingt, kann ich mir durchaus vorstellen, dass aus der japanischen Anti-Atomkraftbewegung einmal eine ähnliche Partei entsteht wie die Grünen in Deutschland&#8221;, sagt Sato. Dass es seit März in Tokio regelmäßig Demonstrationen gibt, wertet er als großen Erfolg, selbst wenn sich selten mehr als einige tausend Menschen beteiligen. &#8220;Japan hat keine Demonstrationskultur. Deshalb bekommen auch kleine Kundgebungen große Aufmerksamkeit.&#8221;</p>
<p>Aileen Mioko Smith, Gründerin der Organisation Green Action, die in Japan seit mehr als zwanzig Jahren gegen Kernenergie mobil macht, sieht die Chancen für eine japanische Anti-Atom-Partei zwar skeptischer. Sie glaubt aber, dass die bestehenden Parteien das Thema künftig ernster nehmen müssen. &#8220;Auf nationaler Ebene war Atomkraft bisher zwar nie umstritten, aber auf lokaler Ebene gibt es seit vielen Jahren sehr aktive Gegner&#8221;, sagt Smith, die halb Japanerin, halb Amerikanerin ist. &#8220;Hätte es nicht vielerorts Proteste gegeben, hätten wir in Japan heute nicht 54 Reaktoren, sondern über 80.&#8221;</p>
<p>Andere AKW-Gegner sind pessimistischer. &#8220;Nach der Katastrophe war das öffentliche Interesse natürlich gewaltig, aber inzwischen lässt es schon wieder nach&#8221;, sagt der Journalist und Aktivist Ryuichi Hirokawa, der mit seiner Organisation rund um Fukushima unabhängige Messungen vornimmt, um die Angaben der Regierung zu überprüfen. &#8220;Die Hauptsorge der meisten Japaner ist nicht die Sicherheit der Reaktoren, sondern die, ob belastete Lebensmittel aus Fukushima auf den Markt kommen.&#8221; Wenn das nicht in großem Maßstab passiert, wird die Unterstützung für einen Atomausstieg schnell sinken, fürchtet Hirokawa. Da in Politik und Bürokratie Kernkraftbefürworter das Sagen haben und die Verbindungen zur Atomindustrie eng sind, könnte das Thema bald wieder von der Agenda verschwinden.</p>
<p>Wie groß die Kluft zwischen Kernkraftgegnern und Regierung ist, zeigt sich bei einer Veranstaltung Mitte August, mit der die Aktivisten auf die Gefahren für Kinder aufmerksam machen wollen. Im holzgetäfelten Sitzungssaal des Repräsentantenhauses drängt sich das Who-is-who der Anti-AKW-Szene. Es kursiert das Gerücht, Premier Kan wolle persönlich erscheinen. Doch dann kommen nur rangniedrige Beamte verschiedener Ministerien, zehn Herren in dunklen Anzügen, die sich höflich verbeugen und mit betretenen Gesichtern hinter einem langen Tisch Platz nehmen. Ihnen gegenüber sitzen fünf Kinder, deren Familien aus der Umgebung des Kraftwerks Fukushima evakuiert werden mussten.</p>
<p>&#8220;Wir wollen im Freien spielen, ohne Angst haben zu müssen&#8221;, sagt ein kleines Mädchen ins Mikrofon. &#8220;Ich habe von meinen Eltern gehört, dass man von radioaktiver Strahlung Krebs bekommen kann&#8221;, erklärt ein Junge, &#8220;aber ich will nicht als Krebskranker aufwachsen.&#8221; Ein anderes Mädchen äußert die Sorge, später einmal ein krankes Kind zu bekommen. Die Erwachsenen applaudieren, die Beamten schreiben emsig mit.</p>
<p>Schließlich ist es an ihnen, zu antworten. &#8220;Wir danken euch für eure Worte und werden intern darüber beraten&#8221;, sagt der erste. &#8220;Wir werden weiter unermüdlich arbeiten.&#8221; Der zweite sagt fast wörtlich das Gleiche, der dritte und vierte auch. &#8220;Sagt mal, habt ihr überhaupt zugehört&#8221;, ruft ein Erwachsener. Auch andere schreien jetzt und die Stimmung steigert sich zum Tumult &#8211; bis die zehn Beamten schließlich unter Verbeugungen den Raum verlassen. &#8220;Es sind Bürokraten wie die hier, die Japan die Atomenergie eingebrockt haben&#8221;, sagt eine Aktivistin frustriert. &#8220;Leider sind wir jetzt auf sie angewiesen, um die Atomenergie wieder loszuwerden.&#8221;</p>
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		<title>In der Abwärtsspirale</title>
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		<pubDate>Wed, 24 Aug 2011 05:02:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Japan]]></category>
		<category><![CDATA[Konjunktur]]></category>
		<category><![CDATA[Währung]]></category>

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		<description><![CDATA[<h3>Ratingagentur stuft Japans Kreditwürdigkeit herunter. Die Regierungsprobleme wachsen.</h3>
Peking Kreditbewertungen sind für Staaten wie Führungszeugnisse für Menschen: Wer keinen einwandfreien Leumund vorweisen kann, gerät leicht in den Strudel von Verdächtigungen. Denn Länder, deren Kreditwürdigkeit in Zweifel steht, können diese letztlich nur durch gute Wirtschaftsdaten zerstreuen. Doch der Versuch, mit immer neuen schuldenfinanzierten Konjunkturprogrammen Wachstum zu generieren, schlägt häufig fehl. Japan scheint in einer solchen Schuldenspirale gefangen zu sein...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Ratingagentur stuft Japans Kreditwürdigkeit herunter. Die Regierungsprobleme wachsen.</h3>
<p>Peking Kreditbewertungen sind für Staaten wie Führungszeugnisse für Menschen: Wer keinen einwandfreien Leumund vorweisen kann, gerät leicht in den Strudel von Verdächtigungen. Denn Länder, deren Kreditwürdigkeit in Zweifel steht, können diese letztlich nur durch gute Wirtschaftsdaten zerstreuen. Doch der Versuch, mit immer neuen schuldenfinanzierten Konjunkturprogrammen Wachstum zu generieren, schlägt häufig fehl.</p>
<p>Japan scheint in einer solchen Schuldenspirale gefangen zu sein und bekommt dafür im jüngsten Führungszeugnis der Ratingagentur Moody&#8217;s die Quittung. Die senkte die Kreditwürdigkeit der drittgrößten Wirtschaftsmacht um eine Note von Aa2 auf Aa3. Damit liegt Japan nun drei Stufen unter der Höchstbewertung, ebenso wie bei den Agenturen Standard &amp; Poor&#8217;s und Fitch. Die Entscheidung begründete Moody&#8217;s mit dem steigenden Haushaltsdefizit und der wachsenden Verschuldung. Die Abwertung bedeutet, dass Japan für künftige Neukredite möglicherweise höhere Zinsen wird zahlen müssen.</p>
<p>Ohne dramatische Reformen droht das Land damit tiefer in die Schuldenkrise zu geraten. Dabei sind Japans Staatsschulden mit rund 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts schon jetzt die höchsten aller Industrieländer. Seit Ende der Achtziger befindet sich das Land im Dauerkrisenmodus. Die Zerstörungen durch Erdbeben und Tsunami vom 11. März zwingt Japan gewaltige Wiederaufbaukosten auf. Infolge des Ausfalls zahlreicher Atomkraftwerke müssen in großem Maßstab Kohle, Öl und Gas importiert werden. Die Exportindustrie leidet unter dem hohen Yen. Dass Finanzminister Yoshihiko Noda mit einem Sonderfonds von umgerechnet 70 Milliarden Euro den Exporteuren unter die Arme greifen will, ist Teil einer Medizin, die nur noch die Symptome der japanischen Krankheit lindert.</p>
<p>Doch wo Politiker eigentlich einen New Deal fordern müssten, kann Japans Regierung nicht mal rhetorisch Impulse setzen. Jeden Tag wird mit dem Rücktritt von Premierminister Naoto Kan gerechnet. Er ist bereits der zweite Regierungschef, den die Demokratische Partei (DPJ) seit ihrem Wahlsieg über die jahrzehntelang herrschenden Liberaldemokraten im August 2009 verschlissen hat. Kans Nachfolger dürfte der sechste Premier in fünf Jahren werden. Eine Rezeptur hat keiner, denn für die Umsetzung der ehrgeizigen Reformen, mit denen die DPJ vor zwei Jahren angetreten war &#8211; vor allem Sozialprogramme und der Kampf gegen die Bürokratie &#8211; fehlen der Regierung die Mehrheiten in beiden Parlamentskammern.</p>
<p>Angesichts der ernsten Lage sah sich Zentralbankchef Masaaki Shirakawa kürzlich gezwungen, den Politikern ins Gewissen zu reden. Mit dem gegenwärtigen Kurs sei nicht auszuschließen, dass Japans Staatsanleihen ähnlich Opfer panischer Verkäufe werden könnten wie die europäischer Krisenländer, berichteten japanische Medien. Dass der Staat vor allem dem eigenen Volk Geld schulde, solle die Politik nicht in falscher Sicherheit wiegen.</p>
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		<title>Kogas Verrat</title>
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		<pubDate>Sun, 21 Aug 2011 12:13:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Atomkraft]]></category>
		<category><![CDATA[Bürokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Fukushima]]></category>
		<category><![CDATA[Japan]]></category>

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		<description><![CDATA[<h3>Ein japanischer Top-Bürokrat gibt seinen Kollegen die Schuld für Japans Misere und die Katastrophe von Fukushima. Sein Buch ist ein Überraschungsbestseller.</h3>
<a href="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2011/08/Shigeaki_Koga_Copyright_Bernhard_Bartsch.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-2718" title="Shigeaki_Koga_(Copyright_Bernhard_Bartsch)" src="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2011/08/Shigeaki_Koga_Copyright_Bernhard_Bartsch-225x300.jpg" alt="" width="149" height="198" /></a>Am schlimmsten ist es im Fahrstuhl. "Wenn ich in einen Lift komme, in dem schon ein Kollege steht, beschäftigt der sich sofort demonstrativ mit seinem Handy oder verfolgt angestrengt die Stockwerke", erzählt Shigeaki Koga. "Hauptsache, er muss keinen Kontakt mit mir haben." Auf den Fluren des Tokioter Ministeriums für Wirtschaft, Handel und Industrie, kurz METI genannt, in dem er seit mehr als 30 Jahren arbeitet, wird Shigeaki Koga kaum noch gegrüßt. Vorgesetzte haben ihm den Rücktritt nahe gelegt. "Je höher jemand in der Hierarchie ist, umso mehr Angst hat er davor, mit mir gesehen zu werden", sagt der 55-jährige Koga. "Nur einige der Jüngeren trauen sich noch, mit mir Kontakt zu haben und mir hinter vorgehaltener Hand zu sagen, dass sie in Wahrheit genauso denken wie ich."...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Ein japanischer Top-Bürokrat gibt seinen Kollegen die Schuld für Japans Misere und die Katastrophe von Fukushima. Sein Buch ist ein Überraschungsbestseller.</h3>
<p><a href="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2011/08/Shigeaki_Koga_Copyright_Bernhard_Bartsch1.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-2720" title="Shigeaki_Koga_(Copyright_Bernhard_Bartsch)" src="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2011/08/Shigeaki_Koga_Copyright_Bernhard_Bartsch1-211x300.jpg" alt="" width="211" height="300" /></a>Am schlimmsten ist es im Fahrstuhl. &#8220;Wenn ich in einen Lift komme, in dem schon ein Kollege steht, beschäftigt der sich sofort demonstrativ mit seinem Handy oder verfolgt angestrengt die Stockwerke&#8221;, erzählt Shigeaki Koga. &#8220;Hauptsache, er muss keinen Kontakt mit mir haben.&#8221; Auf den Fluren des Tokioter Ministeriums für Wirtschaft, Handel und Industrie, kurz METI genannt, in dem er seit mehr als 30 Jahren arbeitet, wird Shigeaki Koga kaum noch gegrüßt. Vorgesetzte haben ihm den Rücktritt nahe gelegt. &#8220;Je höher jemand in der Hierarchie ist, umso mehr Angst hat er davor, mit mir gesehen zu werden&#8221;, sagt der 55-jährige Koga. &#8220;Nur einige der Jüngeren trauen sich noch, mit mir Kontakt zu haben und mir hinter vorgehaltener Hand zu sagen, dass sie in Wahrheit genauso denken wie ich.&#8221;</p>
<p>Denn Koga hat ein Tabu gebrochen, an das sich in Japan noch niemand gewagt hat: Mit seinem Überraschungsbestseller mit dem Titel &#8220;Kollaps von Japans Zentralverwaltung&#8221; hat sich der Top-Beamte mit dem eigenen System angelegt. Er gibt Japans Bürokratie die Verantwortung dafür, dass sich das Land seit mehr als zwanzig Jahren im Krisenmodus befindet. Für alle nationalen Sorgenthemen &#8211; stagnierende Wirtschaft, explodierende Verschuldung, wachsende Sozialprobleme &#8211; könnte es längst Lösungen geben, würden die Beamten statt ihrer eigenen Interessen das Wohl des Landes verfolgen, glaubt Koga. &#8220;In Japan steuern die Bürokraten die gewählten Politiker &#8211; nicht umgekehrt, wie es eigentlich sein sollte.&#8221;</p>
<p>Vor allem das desaströse Krisenmanagement während der Nuklearkatastrophe von Fukushima im März habe das Versagen des Systems bloßgestellt wie ein Offenbarungseid. Beamte seines Ministeriums, das für den Nuklearsektor verantwortlich und mit Firmen wie dem Fukushima-Betreiber Tepco eng verwoben ist, hätten dem Premierminister und der Öffentlichkeit entscheidende Informationen vorenthalten, sagt Koga. Unbequeme Erkenntnisse, die Widerstände gegen Kernenergie hätten schüren können, seien verschwiegen worden. &#8220;Heute ist klar, dass dadurch Evakuierungsmaßnahmen verzögert und hunderttausende Menschen radioaktiver Strahlung ausgesetzt wurden&#8221;, sagt der Beamte. Dass er damit an die Öffentlichkeit geht und Anti-AKW-Aktivisten sowie kritischen Medien Munition für ihren Kampf gegen die Kernkraft gibt, gilt im System als unerhörter Verrat. Doch Koga ist mit sich im Reinen, und der Erfolg seines Buches, das sich seit Erscheinen im Mai bereits 400 000 Mal verkauft hat, zeigt, dass die japanische Gesellschaft Konformismus und Konfliktvermeidung nicht mehr als höchste Werte ansieht. &#8220;Das Thema hat einen Nerv getroffen&#8221;, erzählt er beim Gespräch in der Garderobe eines Tokioter Fernsehstudios.</p>
<p>Nach seinem Arbeitstag im Ministerium war er am Abend zu Gast in der Talkshow eines Online-Fernsehsenders. Eine Rekordzahl von 20 000 Zuschauern hat das Gespräch verfolgt. &#8220;Die Menschen sind ratlos, wie es mit dem Land weitergehen soll, und haben schon lange das Vertrauen in die Politik und die Bürokratie verloren&#8221;, sagt Koga. &#8220;Dass nun erstmals jemand aus dem System über die Probleme schreibt, macht alles viel klarer.&#8221; Dabei galt Japans Bürokratie einst als größter Garant des Erfolgs. Das Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg beruhte maßgeblich auf der effektiven Kooperation zwischen Staat und Wirtschaft. Das heute vielgescholtene Superministerium METI spielte dabei eine Schlüsselrolle.</p>
<p>Doch je steiler es mit Japans Wirtschaft bergauf ging, umso schneller expandierte auch der Verwaltungsapparat. &#8220;In den Boomjahren fand niemand etwas dabei, dass die Beamten auch von den Früchten des Erfolgs profitierten&#8221;, sagt Koga. &#8220;Aber als das Wachstum Ende der 80er nachließ und es an den Beamten gewesen wäre, Wege aus der Krise zu finden, konzentrierten sie sich stattdessen nur noch darauf, möglichst viele von ihren Privilegien zu sichern.&#8221; Dass die seit 1955 ununterbrochen regierende Liberaldemokratische Partei (LDP) engstens mit der Bürokratie verwoben war, machte Reformen auf Kosten des Beamtenstandes unmöglich. Erst 2009 gelang es der Demokratischen Partei (DPJ) mit dem Versprechen, die Vorherrschaft der Bürokratie zu brechen, die Macht zu übernehmen. &#8220;Dass die DPJ die Bürokratie zu ihrem Gegner erklärte, war eine gute Wahlkampfstrategie, aber als sie dann an der Regierung war, musste sie feststellen, dass sie gegen die festgefahrenen Strukturen wenig ausrichten kann&#8221;, erklärt Koga. Das Regierungsviertel Kasumigaseki habe sich zu einem &#8220;Friedhof der Talente&#8221; entwickelt, in dem Japans hellste Köpfe darauf getrimmt würden, ihre Karriere systeminternen Stellungskriegen um Macht und Privilegien zu widmen.</p>
<p>Der Schock von Fukushima biete nun die rare Gelegenheit, öffentliche Unterstützung für echte Reformen zu mobilisieren. Tatsächlich versucht der bisher glücklose Premierminister Naoto Kan mit einem neuen Energiekonzept wieder die Gunst der Wähler zu gewinnen. Kürzlich übertrug er die AKW-Aufsicht dem Umweltministerium &#8211; für Kogas nuklearfreundliche Kollegen im METI eine harte Niederlage. Das reicht aber als wirkungsvoller Neuanfang nicht. &#8220;Um wirklich etwas zu verändern, braucht das System starke Talente, Vorbilder und Führungsfiguren&#8221;, sagt Koga. &#8220;Aber da davon derzeit nichts zu sehen ist, bin ich leider pessimistisch.&#8221;</p>
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		<title>Ehrliche Japaner</title>
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		<pubDate>Sat, 20 Aug 2011 05:08:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Japan]]></category>
		<category><![CDATA[Tsunami]]></category>

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		<description><![CDATA[<h3>Im Tsunami-Gebiet finden Katastrophenhelfer Geld in Millionenhöhe - und geben es zurück.</h3>
Die Spuren der Zerstörung sind noch frisch. Im Hafen des japanischen Fischerstädtchens Ishinomaki, wo am 11. März Hunderte Bewohner Opfer des Tsunamis wurden, sind Arbeitertrupps damit beschäftigt, Häusertrümmer abzutransportieren. "Leichen gibt es hier keine mehr", sagt einer der Männer. "Aber beim Abriss der Häuser finden wir noch immer Gegenstände, die den ehemaligen Bewohnern vielleicht noch wichtig sind, sollten sie überlebt haben." Jeden Abend geben die Arbeiter ihre Funde bei der Polizei ab, die dann versucht, die Eigentümer zu finden. Unter den Funden sind auch große Mengen Geld...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Im Tsunami-Gebiet finden Katastrophenhelfer Geld in Millionenhöhe &#8211; und geben es zurück.</h3>
<p>Die Spuren der Zerstörung sind noch frisch. Im Hafen des japanischen Fischerstädtchens Ishinomaki, wo am 11. März Hunderte Bewohner Opfer des Tsunamis wurden, sind Arbeitertrupps damit beschäftigt, Häusertrümmer abzutransportieren. &#8220;Leichen gibt es hier keine mehr&#8221;, sagt einer der Männer. &#8220;Aber beim Abriss der Häuser finden wir noch immer Gegenstände, die den ehemaligen Bewohnern vielleicht noch wichtig sind, sollten sie überlebt haben.&#8221; Jeden Abend geben die Arbeiter ihre Funde bei der Polizei ab, die dann versucht, die Eigentümer zu finden.</p>
<p>Unter den Funden sind auch große Mengen Geld. Portemonnaies mit einem Gesamtinhalt von 3,7 Milliarden Yen (340 Millionen Euro) wurden seit März in den Präfekturen Miyagi, Iwate und Fukushima der Polizei übergeben, teilten die Behörden mit. Außerdem wurden rund 5700 Safes geborgen, in denen sich umgerechnet insgesamt 2,4 Milliarden Yen befanden. Die Funde, die zum Teil an der Küste angespült wurden, seien sowohl von Rettungskräften als auch von normalen Bürgern abgegeben worden, erklärte die Polizei. Ein Großteil des geborgenen Geldes habe an die rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben werden können.</p>
<p>Die Ehrlichkeit der Finder gilt in Japan als positives Zeichen dafür, dass die Grundwerte der Gesellschaft auch der Ausnahmesituation der Naturkatastrophe standgehalten haben. Berichte von Plünderungen in den betroffenen Gebieten, in denen etwa 15 700 Menschen umkamen und noch immer Tausende vermisst werden, gibt es so gut wie keine. Zwar ist die Desillusionierung gegenüber der Tokioter Regierung groß, die vor allem wegen ihres Umgangs mit der Kernschmelze im Atomkraftwerk Fukushima Daichi in der Kritik steht. Doch der Einsatz lokaler Beamter in den zerstörten Gebieten gibt vielen Betroffenen Hoffnung, dass sie sich bald wieder ein neues Leben werden aufbauen können. &#8220;Von meinem Haus sind nur noch die Schulden übrig&#8221;, sagt der Arbeiter, der mit seiner Familie in einem von der Regierung bereitgestellten Wohncontainer lebt. &#8220;Wir wissen nicht, wann wir unser Haus wieder aufbauen können, aber irgendwie wird das Leben weitergehen.&#8221; Aber noch sind die Trümmer nicht weggeräumt und alle Wertsachen gefunden.</p>
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		<title>Aus und raus</title>
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		<pubDate>Wed, 13 Jul 2011 12:21:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Atomkraft]]></category>
		<category><![CDATA[Fukushima]]></category>
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		<description><![CDATA[<h3>Japans Regierungschef will auf Atomausstieg hinarbeiten. Von einem konkreten Plan zu sprechen, traut er sich aber noch nicht.</h3>
Vier Monate nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima versucht Japans glückloser Regierungschef Naoto Kan mit der Vision eines Atomausstiegs politisch zu punkten. „Ich glaube, wir sollten eine Gesellschaft anstreben, die nicht mehr von Kernenergie abhängig ist“, sagte der Premier am Mittwoch...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Japans Regierungschef will auf Atomausstieg hinarbeiten. Von einem konkreten Plan zu sprechen, traut er sich aber noch nicht.</h3>
<p>Vier Monate nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima versucht Japans glückloser Regierungschef Naoto Kan mit der Vision eines Atomausstiegs politisch zu punkten. „Ich glaube, wir sollten eine Gesellschaft anstreben, die nicht mehr von Kernenergie abhängig ist“, sagte der Premier am Mittwoch. „Angesichts der Größe des Risikos, das mit Kernenergie einhergeht, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass Nukleartechnologie nicht allein mit konventionellen Sicherheitsmaßnahmen kontrolliert werden kann.“ Es ist das erste Mal, dass Japans Regierung öffentlich einen Atomausstieg erwägt, doch einen konkreten Plan hat sie bisher nicht. Vielmehr dürfte die vorsichtig formulierte Erklärung ein Testballon sein, ob sich mit dem Thema Politik machen lässt.</p>
<p>Kan, dessen Zustimmungswerte unter 20 Prozent liegen, will mit einem neuen Energiekonzept offenbar seine Karriere retten oder zumindest seiner Demokratischen Partei Neuwahlen ersparen. Doch Alternativen zur Kernenergie sind für Japan schwer zu finden. Vor der Katastrophe hatte Japan den Bau von neuen Atomkraftwerken noch aktiv vorangetrieben. Bis 2030 sollte der Anteil der Kernenergie von rund 30 Prozent auf 53 Prozent ausgeweitet werden.</p>
<p>Obwohl es in Japans Kraftwerken in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder zu Störfällen kam, war Atomstrom nie öffentlich umstritten. Die Japaner vertrauten auf die Sicherheit ihrer Technologie und sahen in Kernenergie die günstigste Möglichkeit, ihr rohstoffarmes Land mit Strom zu versorgen. Selbst nach der Katastrophe vom 11. März hat sich noch keine breite Antiatomkraftbewegung gebildet. Zwar gibt es in Tokio und anderen Städten inzwischen regelmäßig Kundgebungen, doch daran beteiligen sich meist nur wenige tausend Menschen.</p>
<p>Kan erklärte, Japan müsse künftig verstärkt auf Solar- und Windenergie sowie Biomasse setzen. Außerdem soll systematisch Strom gespart werden. Mit derartigen Plänen hatte die Demokratische Partei bereits 2009 Wahlkampf gemacht, nach ihrem Sieg jedoch wenig Initiative gezeigt. Trotz seines Images als Land fortschrittlicher Technologie gehört Japan in Sachen erneuerbare Energien und Energieeffizienz bisher keineswegs zur internationalen Avantgarde. Umso härter leidet das Land nun unter den Folgen der Fukushima-Krise. Nach der Abschaltung von 35 der insgesamt 54 Reaktoren ist der Anteil der Kernenergie derzeit auf 18 Prozent gesunken. Das ist allerdings nur um den Preis massiver Stromsparmaßnahmen möglich, die sowohl die Wirtschaft als auch das Leben der Bevölkerung beeinträchtigt. Vergangene Woche hatte die Regierung einen zweistufigen Stresstest für alle Atomreaktoren angekündigt. Zunächst soll geklärt werden, ob die heruntergefahrenen Reaktoren massiven Erdbeben und Tsunamis standhalten können. Nach dem katastrophalen Krisenmanagement des Fukushima-Betreibers Tepco erwägt die japanische Regierung inzwischen auch eine Verstaatlichung aller Atomkraftwerke.</p>
<p>Einen politischen Konsens über einen Atomausstieg scheint es allerdings nicht einmal in der Demokratischen Partei zu geben. Während Kan öffentlich die Stimmung für Alternativen testete, outete sich Wirtschaftsminister Kaoru Yosano erneut als Verfechter der Kernenergie und warnte vor einem schnellen Ausstieg. Der Import von mehr Rohstoffen würde für Japans ohnehin krisengeplagte Wirtschaft hohe zusätzliche Kosten bedeuten.</p>
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		<title>100 Tage Fukushima: Bittere Bilanz</title>
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		<pubDate>Sat, 18 Jun 2011 13:23:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Erdbeben]]></category>
		<category><![CDATA[Fukushima]]></category>
		<category><![CDATA[Japan]]></category>

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		<description><![CDATA[<h3>Fukushima wird in den globalen Wortschatz eingehen – als Inbegriff für die Gefahren der Atomenergie, aber auch als  Symbol für Japans Niedergang.</h3>
Der Name der japanischen Präfektur Fukushima – Heimat von zwei Millionen Menschen, weltweit erfolgreichen Hightech-Unternehmen und vielfach prämierten Birnen – wird nie wieder so klingen wie früher. Am Sonntag ist es hundert Tage her, dass ein Erdbeben und ein Tsunami dafür gesorgt haben, dass die dadurch ausgelöste Nuklearkatastrophe Fukushima in den globalen Wortschatz eingehen musste. Der Name erscheint als Inbegriff für die Gefahren der Atomenergie, aber auch als Symbol für den Niedergang eines Landes, das einst zur Avantgarde des Fortschritts gehörte und nun den Anschluss zu verlieren droht...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Fukushima wird in den globalen Wortschatz eingehen – als Inbegriff für die Gefahren der Atomenergie, aber auch als  Symbol für Japans Niedergang.</h3>
<p>Der Name der japanischen Präfektur Fukushima – Heimat von zwei Millionen Menschen, weltweit erfolgreichen Hightech-Unternehmen und vielfach prämierten Birnen – wird nie wieder so klingen wie früher. Am Sonntag ist es hundert Tage her, dass ein Erdbeben und ein Tsunami dafür gesorgt haben, dass die dadurch ausgelöste Nuklearkatastrophe Fukushima in den globalen Wortschatz eingehen musste. Der Name erscheint als Inbegriff für die Gefahren der Atomenergie, aber auch als Symbol für den Niedergang eines Landes, das einst zur Avantgarde des Fortschritts gehörte und nun den Anschluss zu verlieren droht.</p>
<p>Für Atomkraftgegner ist die Kernschmelze im Kraftwerk Fukushima Daiichi die seit Jahren prophezeite Katastrophe, die beweist, dass Tschernobyl kein Einzelfall und nicht allein mit der technischen Selbstüberschätzung der maroden Sowjetunion zu begründen war. Noch sind längst nicht alle Details über den Ablauf des Desasters geklärt, aber was bisher bekanntwurde, ist erschreckend: Schon die Erdstöße – und nicht, wie lange behauptet, erst der Doppelschlag von Beben und Tsunami – reichten aus, um das Kühlsystem zusammenbrechen zu lassen. Einen ähnlichen Ausfall könnten auch Terroranschläge oder menschliches Versagen auslösen. Einmal außer Kontrolle hatten die Techniker der Betreiberfirma Tepco keine Möglichkeiten mehr, die fatalen Prozesse in den Reaktoren zu stoppen. Dass Tepcos Manager die Öffentlichkeit und Regierung wochenlang täuschen konnten, zeigt, wie schnell Krisenpläne und Regulierungsmechanismen im Ernstfall versagen können.</p>
<p>Die rigiden Strahlenschutzvorgaben waren schnell Makulatur. Die Regierung musste zulassen, das Tepco radioaktiv verseuchtes Wasser ins Meer leitete. Klärwerke müssen derzeit tonnenweise belasteten Klärschlamm entsorgen. Die Grenzwerte für die Strahlenbelastung der Arbeiter mussten hochgesetzt werden, von 100 Millisievert in fünf Jahren auf 250 Millisievert. Mindestens acht Arbeiter wurden in den vergangenen Wochen noch höheren Werten ausgesetzt. Die Kosten für die Entschädigung der 100000 Menschen, die ihre Häuser für immer verlassen müssen, lassen sich erst ansatzweise abschätzen. Klar ist freilich, dass weder Tepco noch eine Versicherung für den Schaden aufkommen werden, sondern die japanischen Steuerzahler.</p>
<p>Das Ergebnis ist mehr als eine Krise, die neben Menschen und Wirtschaft auch die japanische Identität trifft. Jahrzehntelang glaubten die Japaner, sich auf die Qualität ihrer Produkte und die Stabilität ihrer Strukturen verlassen zu können. Dieses Image machte „Made in Japan“ weltweit erfolgreich und zu einem Hauptkonkurrenten für „Made in Germany“.</p>
<p>Über den Nuklearunfall, der weltweit eine Renaissance der Anti-Atomkraft-Bewegungen ausgelöst hat, sollten die anderen Auswirkungen des Bebens der Stärke 9,0 auf der Richterskala nicht in Vergessenheit geraten. Mehr als 15.000 Leichen wurden bisher geborgen. 8000 Menschen gelten noch als vermisst und wurden aller Wahrscheinlichkeit nach ins Meer gespült. Mehr als 100.000 Gebäude wurden vollständig zerstört. Allein für das Soforthilfeprogramm benötigte die Regierung rund 35 Milliarden Euro, was einem Prozent der gesamten japanischen Wirtschaftskraft entspricht. Infolge von Zerstörung und Stromausfällen ist Japan in die Rezession gerutscht. Die Regierung rechnet für das Gesamtjahr bestenfalls mit Nullwachstum.</p>
<p>Alle Hoffnungen, die Katastrophe könne zu einem gesellschaftlichen Zusammenrücken führen, sind zerplatzt. Die politischen Lager um die regierenden Demokraten und die oppositionellen Liberaldemokraten sind zerstrittener denn je und versuchen beide, aus dem Unglück Profit zu schlagen. Zwar ist es Premier Naoto Kan, der am Vorabend des Bebens kurz vor dem Rücktritt zu stehen schien, infolge der Krise gelungen, sich als einziger der vergangenen fünf Regierungschefs für mehr als ein Jahr im Amt zu halten. Doch nun fordert die Opposition seinen Kopf im Tausch für ihre Zustimmung zu einem weiteren Sonderhaushalt und einer Verlängerung der Sitzungsperiode des Parlaments. Eigentlich sollen die Abgeordneten am Dienstag in den Urlaub gehen; doch ohne ihr Votum kann die Regierung keine größeren Maßnahmen beschließen. Premier Kan will sein Amt jedoch nicht zur Verfügung stellen, solange die Mittel für den Wiederaufbau fehlen. Die Pattsituation droht den Staat endgültig handlungsunfähig zu machen. Nach zwei sogenannten „verlorenen Jahrzehnten“ droht Japan nun noch ein drittes.</p>
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		<title>GAU in Scheiben</title>
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		<pubDate>Tue, 24 May 2011 11:22:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Fukushima]]></category>
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		<description><![CDATA[<h3>Die Misere um das japanische Katastrophen-AKW Fukushima ebbt nicht ab. Erst jetzt gesteht Tepco weitgehende Kernschmelzen in zwei weiteren Reaktorblöcken ein.</h3>
Die Kette von Hiobsbotschaften aus dem japanischen Katastrophen-AKW Fukushima-Daiichi reißt nicht ab. Am Dienstag erklärte die Betreiberfirma Tepco, dass es in den Reaktoren 2 und 3 wohl zu einer weitgehenden Kernschmelze gekommen sei, und zwar schon in den Tagen nach dem Erdbeben vom 11. März. Es ist das erste Mal, dass Tepco bestätigt, was Experten schon seit langem vermuten. Für das späte Eingeständnis gibt es zwei mögliche Gründe, und beide sind gleichermaßen beängstigend...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Die Misere um das japanische Katastrophen-AKW Fukushima ebbt nicht ab. Erst jetzt gesteht Tepco weitgehende Kernschmelzen in zwei weiteren Reaktorblöcken ein.</h3>
<p>Die Kette von Hiobsbotschaften aus dem japanischen Katastrophen-AKW Fukushima-Daiichi reißt nicht ab. Am Dienstag erklärte die Betreiberfirma Tepco, dass es in den Reaktoren 2 und 3 wohl zu einer weitgehenden Kernschmelze gekommen sei, und zwar schon in den Tagen nach dem Erdbeben vom 11. März. Es ist das erste Mal, dass Tepco bestätigt, was Experten schon seit langem vermuten.</p>
<p>Bisher hatte das Unternehmen nur von einer Kernschmelze in Reaktor 1 gesprochen. Für das späte Eingeständnis gibt es zwei mögliche Gründe, und beide sind gleichermaßen beängstigend: Entweder hat das Unternehmen einmal mehr versucht, die Öffentlichkeit über die Ausmaße der Katastrophe von Fukushima zu täuschen, oder der Kontrollverlust über die Krisenreaktoren war so vollkommen, dass Tepcos Experten tatsächlich mehr als zehn Wochen brauchen, um den Katastrophenverlauf zu rekonstruieren.</p>
<p>So oder so ist offensichtlich, dass Tepco Informationen noch immer nur häppchenweise herausgibt, statt seinen gesamten Kenntnisstand mit der Öffentlichkeit zu teilen. Skeptisch darf deswegen Tepcos Einschätzung beurteilt werden, die Situation in den havarierten Reaktoren sei &#8220;stabil&#8221; und könne bis Ende des Jahres vollständig unter Kontrolle gebracht werden.</p>
<p>Mitte Mai hatten japanische Medien unter Berufung auf Unternehmensmitarbeiter berichtet, dass über die Unfallursache intern längst eine andere Theorie existiere, als nach außen kommuniziert werde. Demnach soll nicht erst der Doppelschlag von Erdbeben und Tsunami zum Ausfall der Kühlsysteme geführt haben, sondern bereits die Erdstöße allein. Dies würde bedeuten, dass die Reaktoren weitaus störanfälliger waren, als Tepco bisher zugegeben hat. Außerdem sollen schon in der Nacht nach dem Beben Messungen auf einen Strahlungsaustritt und eine Kernschmelze hingedeutet haben &#8211; Informationen, die Tepco der Öffentlichkeit und wahrscheinlich auch der Regierung verschwieg. Als dann die Situation außer Kontrolle geriet, soll das Unternehmen gegenüber Premier Naoto Kan die Absicht geäußert haben, die Rettungsarbeiten einzustellen, was der Regierungschef in einer heftigen Aussprache verhinderte, woraufhin er persönlich die Einsatzleitung übernahm.</p>
<p>Doch seitdem belasten die Berichte über Tepcos verheerendes Krisenmanagement auch die Regierung, die offenbar noch immer über viele Missstände im Dunkeln gelassen wird. Eine nun ins Leben gerufene unabhängige Untersuchungskommission soll Dokumente im Zusammenhang mit der Atomkatastrophe einsehen und Tepco-Techniker und Regierungs- sowie Behördenmitarbeiter befragen.</p>
<p>Für japanische Kommentatoren offenbart die Krise aber ein tieferes Problem. Die Politik ist in Japan traditionell so eng mit der Wirtschaft verflochten, dass die Unternehmen in vielen Branchen in der Lage waren, den Aufbau von effektiven und unabhängigen Aufsichtsmechanismen zu verhindern. Die Wurzeln des Mankos liegen in der Nachkriegszeit. Die Liberaldemokratische Partei (LDP), die nach dem Zweiten Weltkrieg über ein halbes Jahrhundert lang regierte, rekrutierte ihre Eliten überwiegend aus einflussreichen Unternehmerklans. Informelle Netzwerke waren stets stärker als Regeln und Gesetze, was Japan erst einen unvergleichlichen Aufschwung bescherte, Ende der Achtziger aber einen ebenso dramatischen Einbruch, von dem sich das Land nie erholt hat.</p>
<p>Zwar kam 2009 die Demokratische Partei Japans (DPJ) mit dem Versprechen an die Macht, die verkrusteten Strukturen aufzubrechen. Doch nun ist die DPJ selbst in den Fallen des Systems gefangen und weit davon entfernt, von der Katastrophe politisch zu profitieren. Die Zustimmungswerte der Regierung liegen unter zwanzig Prozent, die Opposition wittert Aufwind. Am Montag warf sie Kan im Parlament vor, den Einsatz von Meerwasser verzögert zu haben, eine Anschuldigung, die der Regierungschef seinerseits an Tepco weiterreichte.</p>
<p>Für das Unternehmen geht es ums Überleben. Ende vergangener Woche musste Tepco einen Jahresverlust von 1,5 Billionen Yen (12,8 Milliarden Euro) bekannt geben. Der unmittelbar nach der Katastrophe abgetauchte Chef Masataka Shimizu nahm seinen Hut. An der Börse hat das Unternehmen 80 Prozent seines Wertes eingebüßt. Die gewaltigen Schadensersatzforderungen wird das Unternehmen nicht alleine aufbringen können, doch unter welchen Bedingungen die Regierung Tepco zu unterstützen bereit ist, bleibt vorerst unklar.</p>
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		<title>Zurück in die Rezession</title>
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		<pubDate>Thu, 19 May 2011 10:49:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Japan]]></category>
		<category><![CDATA[Konjunktur]]></category>

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		<description><![CDATA[<h3>Nach der humanitären und nuklearen Katastrophe des Erdbebens vom 11. März droht Japan nun auch der wirtschaftliche Absturz.</h3>
Die Rezession kehrt zurück: Japans Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte im ersten Quartal um 0,9 Prozent. Auf das Gesamtjahr gerechnet entspricht das einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 3,7 Prozent. Schon im letzten Quartal 2010 hatte es einen Rückgang gegeben. Der Konjunktureinbruch übertrifft die Befürchtungen vieler Experten...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Nach der humanitären und nuklearen Katastrophe des Erdbebens vom 11. März droht Japan nun auch der wirtschaftliche Absturz.</h3>
<p>Die Rezession kehrt zurück: Japans Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte im ersten Quartal um 0,9 Prozent. Auf das Gesamtjahr gerechnet entspricht das einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 3,7 Prozent. Schon im letzten Quartal 2010 hatte es einen Rückgang gegeben. Der Konjunktureinbruch übertrifft die Befürchtungen vieler Experten.</p>
<p>Obwohl in den Quartalszahlen nur 20 Tage aus der Zeit nach dem Erdbeben enthalten sind, erweisen sich die Auswirkungen als gewaltig. Die Industrieproduktion brach im März um 15,5 Prozent ein. Der ohnehin schwache Privatkonsum, der fast zwei Drittel der japanischen Wirtschaft ausmacht, sank um 0,6 Prozent. Der Einbruch hat vor allem zwei Ursachen: zum einen die Stromrationierungsmaßnahmen aufgrund des Ausfalls des Atomkraftwerks Fukushima und anderer Reaktoren, zum anderen die Lieferengpässe von Unternehmen in der vom Erdbeben betroffenen Region.</p>
<p>Die Regierung hofft dennoch, dass die drittgrößte Wirtschaftsmacht der Welt in der zweiten Jahreshälfte wieder wächst. &#8220;Die Wirtschaft hat die Kraft, ein Comeback zu feiern&#8221;, erklärte Wirtschaftsminister Kaoru Yosano. Der Einbruch sei nur vorübergehend. Die Zuliefererketten in der Industrie seien dabei, sich zu stabilisieren. Außerdem werde der Wiederaufbau die Konjunktur beflügeln. Deshalb halte die Regierung an ihrer Prognose fest, dass Japan in dem im April begonnenen Fiskaljahr mit knapp einem Prozent Wachstum rechnen könne.</p>
<p>Das Land kämpft seit Jahren mit niedrigen Wachstumsraten, ein Ergebnis des niedrigen Konsums, schwacher Exporte aufgrund des hohen Yen-Kurses und einer zunehmend ungünstigen Sozialstruktur. Erst im zweiten Quartal 2009 hatte sich Japan aus der schwersten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg gelöst. Im letzten Quartal 2010 hatte das Land allerdings erneut ein Negativwachstum verzeichnet. Experten waren schon vor der Katastrophe vom 11. März davon ausgegangen, dass Japans Wirtschaft in den ersten drei Monaten weiter schrumpfen werde.</p>
<p>Das verheerende Erdbeben forderte etwa 24000 Menschenleben. Der materielle Schaden wird auf über 200 Milliarden Euro geschätzt. Zumindest moralische Unterstützung erhält Japan von seinen Nachbarn China und Südkorea. Die Regierungschefs beider Länder wollen den geplanten Dreiergipfel am Wochenende nutzen, um die Katastrophenregion zu besuchen. Ob die Nachbarn den Japanern allerdings konkrete Zugeständnisse machen, etwa die von Tokio erbetene Erleichterung von japanischen Lebensmittelimporten, ist unklar.</p>
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		<title>Erster Erfolg für Japans Atomkraftgegner</title>
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		<pubDate>Sat, 07 May 2011 00:55:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Atomkraft]]></category>
		<category><![CDATA[Japan]]></category>

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		<description><![CDATA[<h3>Japanische AKW-Gegner feiern die Abschaltung des Kraftwerks Hamaoka als ersten Erfolg. Die Kritik an dem Betreiber des Kraftwerks Fukushima hält an.</h3>
Japans Anti-Atomkraft-Bewegung gewinnt Format: Knapp zwei Monate nach Beginn der Nuklearkatastrophe im AKW Fukushima demonstrierten am Samstag Tausende Japaner für den Ausstieg aus der Kernenergie. «Wir wollen eine neue Energiepolitik», war bei einer Kundgebung in Tokios Stadtteil Shibuya auf Plakaten zu lesen, berichteten japanische Medien. Auf einem anderen Transparent stand: «Atomkraft ist out.» An diesem Wochenende können die Atomkraftgegner einen ersten Erfolg verbuchen: Am Freitag hat Premierminister Naoto Kan die vorübergehende Abschaltung des umstrittenen Kraftwerks Hamaoka angeordnet...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Japanische AKW-Gegner feiern die Abschaltung des Kraftwerks Hamaoka als ersten Erfolg. Die Kritik an dem Betreiber des Kraftwerks Fukushima hält an.</h3>
<p>Japans Anti-Atomkraft-Bewegung gewinnt Format: Knapp zwei Monate nach Beginn der Nuklearkatastrophe im AKW Fukushima demonstrierten am Samstag Tausende Japaner für den Ausstieg aus der Kernenergie. «Wir wollen eine neue Energiepolitik», war bei einer Kundgebung in Tokios Stadtteil Shibuya auf Plakaten zu lesen, berichteten japanische Medien. Auf einem anderen Transparent stand: «Atomkraft ist out.»</p>
<p>An diesem Wochenende können die Atomkraftgegner einen ersten Erfolg verbuchen: Am Freitag hat Premierminister Naoto Kan die vorübergehende Abschaltung des umstrittenen Kraftwerks Hamaoka angeordnet. Die 200 Kilometer südwestlich der Hauptstadt gelegene Anlage wird von AKW-Kritikern als besonders gefährlich eingeschätzt, weil sie sich in einer Gegend befindet, in der Seismologen schon seit langem ein starkes grosses Erdbeben vorhersagen. Die Regierung verlangt von der Betreiberfirma Chubu Electric Power Co., ihre Schutzvorrichtungen gegen Erdbeben und Tsunamis bis 2014 zu verbessern. Japans atomenergiefreundliche Wirtschaftsverbände kritisierten Kans Entscheidung allerdings und warnten vor Versorgungsengpässen, besonders in den heissen Sommermonaten, wenn viele Bürger Klimaanlagen benutzen. Das AKW Hamaoka versorgt unter anderem Fabriken der Autohersteller Toyota und Suzuki.</p>
<p>Mit der Schliessung will Kan, dessen Regierung wegen ihres Krisenmanagements massiv in der Kritik steht, offenbar verlorenes Vertrauen zurückgewinnen. Für die kommenden Wochen kündigte der Premierminister an, ein neues Energiekonzept für den rohstoffarmen Inselstaat erarbeiten zu wollen. Japanische Medien begrüssten den Schritt. «Die Regierung sollte schnell eine Politik entwickeln, die den Aufbau einer Niedrigenergie-Gesellschaft fördert», schrieb die Zeitung «Yomiuri Shimbun».</p>
<p>Japans Atomkraftgegner sind darum bemüht, die Kritik an der Regierung aufrechtzuerhalten. In Internetforen verbreiten sie derzeit ein 16 Jahre altes Memorandum, in dem schon 1995 davor gewarnt wurde, dass das Kraftwerk Fukushima besonders erdbebengefährdet sei. Verfasst hatte das vierseitige Schreiben Jinzaburo Takagi, der im Jahr 2000 verstorbene ehemalige Direktor des Citizens&#8217; Nuclear Information Center, Japans führender Anti-AKW-Organisation. Kurz nach dem verheerenden Kobe-Erdbeben warf Takagi der Regierung und den Betreiberfirmen vor, «sich dagegen zu wehren, die Notfallmassnahmen für den Fall von Erdbeben zu überdenken, weil sie einfach davon ausgehen, dass die Atomkraftwerke schon nicht zusammenbrechen werden».</p>
<p>Das Kraftwerk Fukushima bezeichnete Takagi damals als «überholte Nuklearanlage, die Anlass zu grössten Sorgen gibt». Die Ereignisse vom 11. März bestätigten diese Befürchtungen. Erneute Kritik gab es am Samstag an Tepco, der Betreiberfirma des Unglücksreaktors Fukushima. Viel zu spät sei begonnen worden, die rund 800 an den Rettungseinsätzen beteiligten Arbeiter medizinisch zu untersuchen, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo. Tepco begründete die Verzögerungen mit einer Anordnung des Gesundheitsministeriums, wonach Untersuchungen erst nach Ende des Einsatzes verlangt worden seien. Die Bestimmung war offenbar in der Erwartung erlassen worden, dass die Krise nicht lange dauert. 30 Arbeiter sollen einer hohen Strahlung von mehr als 100 Millisievert ausgesetzt gewesen sein.</p>
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		<title>Japans gezwungene Helden</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Mar 2011 12:24:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Atomkraft]]></category>
		<category><![CDATA[Japan]]></category>

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		<description><![CDATA[<h3>Die Arbeiter im Unglückskraftwerk Fukushima riskieren ihr Leben, um einen GAU zu verhindern. Doch viele sind offenbar nicht freiwillig im Einsatz.</h3>
Der Volksmund nennt sie die "Samurai von Fukushima". Doch zwei Wochen nach Beginn des Rettungseinsatzes im havarierten Atomkraftwerk kursieren in Japan immer beunruhigendere Meldungen über die Männer, die das Land vor einem GAU bewahren sollen. Erst am Freitag erklärte der Kraftwerksbetreiber Tepco, dass drei Arbeiter, die sich am Vortag akute Strahlenvergiftungen zugezogen hatten, ohne Sicherheitsschuhe in schwer verseuchtem Wasser gestanden hätten, um elektrische Leitungen zu reparieren. Die Warnsignale ihrer Geigerzähler sollen sie ignoriert haben. Kompetente Rettungskräfte stellt man sich anders vor, Helden ohnehin...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Die Arbeiter im Unglückskraftwerk Fukushima riskieren ihr Leben, um einen GAU zu verhindern. Doch viele sind offenbar nicht freiwillig im Einsatz.</h3>
<p>Der Volksmund nennt sie die &#8220;Samurai von Fukushima&#8221;. Doch zwei Wochen nach Beginn des Rettungseinsatzes im havarierten Atomkraftwerk kursieren in Japan immer beunruhigendere Meldungen über die Männer, die das Land vor einem GAU bewahren sollen. Einige von ihnen sollen unfreiwillig im Einsatz sein, anderen fehlt offenbar die nötige Ausbildung oder eine klare Vorstellung von den Gefahren, denen sie sich aussetzen.   Erst am Freitag erklärte der Kraftwerksbetreiber Tepco, dass drei Arbeiter, die sich am Vortag akute Strahlenvergiftungen zugezogen hatten, ohne Sicherheitsschuhe in schwer verseuchtem Wasser gestanden hätten, um elektrische Leitungen zu reparieren. Die Warnsignale ihrer Geigerzähler sollen sie ignoriert haben. Kompetente Rettungskräfte stellt man sich anders vor, Helden ohnehin.</p>
<p>Ob stimmt, was die Kraftwerkbetreiber verbreiten, ist ungewiss, doch gerade weil verlässliche Informationen rar sind, treiben Spekulationen wilde Blüten. Eine davon ist die Geschichte, das Schicksal der vier Unglücksreaktoren liege in den Händen von nur noch 50 Arbeitern, die in einer Art Kamikaze-Aktion den Strahlentod auf sich nähmen, um das Land vor einer Katastrophe zu beschützen. Doch in Wahrheit sind die &#8220;Fukushima 50 &#8221; eine Legende, das Ergebnis bruchstückhafter Informationen und eines unheilvollen medialen Bedürfnisses nach dramatischer Zuspitzung.</p>
<p>Tatsächlich hatte die japanische Zeitung Yomiuri Shimbun am 21. März berichtet, dass nun noch 50 Männer im Einsatz seien, doch damit war nur die Besetzung einzelner Schichten gemeint. Insgesamt wechseln sich mehrere hundert Arbeiter mit kurzen Einsätzen ab, denn die Rettungskräfte dürfen sich nur kurz an den Reaktoren aufhalten, um eine schwere Strahlenvergiftung zu vermeiden, die nicht nur ihr Leben akut gefährden, sondern sie auch für weitere Missionen unbrauchbar machen würden.   Zu den Symptomen einer Strahlenvergiftung gehören Schwächeanfälle und Erbrechen kein Mensch kann unter solchen Umständen noch schwere körperliche Arbeit zu verrichten. Inzwischen sind bei mindestens neun Arbeitern starke Verstrahlungen bestätigt worden. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums erklärte, die eingesetzten Schutzanzüge seinen &#8220;nicht besonders effektiv wenn es darum geht, Verstrahlung zu vermeiden&#8221;. Doch die Anzüge müssten dünn genug sein, damit die Arbeiter darin handwerkliche Tätigkeiten verrichten können.</p>
<p>Wie viel Rücksicht die Einsatzzentrale, die von Premierminister Naoto Kan geführt wird, auf sie Sicherheit der Arbeiter nimmt, ist zunehmend unklar. Als Tepcos Manager dem Regierungschef vier Tage nach dem Beben mitteilte, dass sie ihre Angestellten abziehen wollten, soll Kan von ihnen verlangt haben &#8220;sich zusammenzureißen&#8221; und die Bemühungen fortzusetzen, berichtete die Agentur Kyodo. Inzwischen soll Tepco Arbeiter aus anderen Kraftwerken zum Dienst nach Fukushima geschickt haben. Mehreren Medienberichten zufolge wurden auch Arbeits- oder Obdachlose für den Kraftwerksdienst rekrutiert &#8211; eine offenbar seit Jahren übliche Praxis. Nach Recherchen der ARD sollen sie nur unzureichend über die Gefahren aufgeklärt worden sein.   Auch Tokioter Feuerwehrleute sind offenbar unter großen Druck gesetzt worden, sich an den Arbeiten zu beteiligen. Japanischen Medienberichten zufolge soll ihnen der stellvertretende Einsatzleiter, Wirtschaftsminister Banri Kaieda, unverhohlen mit Strafen gedroht haben, falls sie den Einsatz in Fukushima verweigern sollten. Zwar entschuldigte sich Kaieda später für den Fall, dass seine Bemerkungen &#8220;als beleidigend aufgefasst&#8221; worden seien, doch nichts weist darauf hin, dass damit der Druck auf die Feuerwehrleute nachgelassen hat.</p>
<p>Einigen Medien ist es gelungen, einzelne Arbeiter zu identifizieren. So berichtet die &#8220;Yomiuri Shimbun&#8221;, über einen Mann, der seit vielen Jahren als Leihkraft im Kraftwerk Fukushima tätig gewesen sei und nach dem Beben einen Anruf erhielt, um für drei Tage zu Hilfsarbeiten zu kommen. Entgegen dem Wunsch seiner Familie, die aus der unmittelbaren Umgebung des Kraftwerks evakuiert worden war, sagte der Mittfünfziger zu. Zwar seien ihm die Gefahren bewusst gewesen, aber er habe sie verdrängt, sagte er der Zeitung. &#8220;Ich hatte eine Mission und die bestand darin, die Temperatur in den Speicherbecken zu reduzieren.&#8221; Offenbar überstand er seinen Einsatz unbeschädigt.   Der britische &#8220;Independent&#8221; berichtete von einem anderen Arbeiter, der sich in einem kurzen Brief von seiner Familie verabschiedet habe, um ebenfalls einer Anfrage Folge zu leisten. &#8220;Lebt bitte weiterhin gut, ich werde für eine Weilen nicht nach Hause kommen können&#8221;, soll er in einem Abschiedsbrief geschrieben und sich seitdem nicht gemeldet haben. Auf Twitter berichtet eine japanische Benutzerin unter dem Namen &#8220;@nekkonekonyaa&#8221;, auch ihr Vater habe sich zum Einsatz gemeldet. &#8220;Die Menschen im Kraftwerk kämpfen und opfern sich dafür auf, um euch zu beschützen&#8221;, schreibt sie. &#8220;Bitte, Papa, komm lebend zurück.&#8221;</p>
<p>Die vier Reaktoren des Kraftwerks sind noch immer nicht unter Kontrolle. Immer wieder zeigen japanische Fernsehsender Rauch- oder Dampfwolken, hervorgerufen durch Feuer und Wasserstoffexplosionen. Laut Tepco seien die Schäden unterschätzt worden. Herumliegende Trümmer behindern die Arbeiten. Da zur Kühlung hunderte Tonnen Meerwasser über die Reaktoren gesprüht wurden, sind viele der Geräte beschädigt und Kabelschächte geflutet. Diese müssen erst trockengelegt werden, bevor an eine Reaktivierung der Kühlsysteme zu denken ist.</p>
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