Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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Spannungen in Fernost

Der Inselstreit zwischen China und Japan spitzt sich zu. Zwar will keine Seite einen Krieg, doch das tiefe Misstrauen macht eine Lösung schwierig.

Der Yasukuni-Schrein im Herzen Tokios ist eine altehrwürdige Anlage. Wie eine friedliche Oase der Ruhe liegt er zwischen den Stadtautobahnen, von denen gepflegte Alleen zu dem Shinto-Heiligtum führen, in dem die Japaner seit über 140 Jahren ihrer Kriegsopfer gedenken. «Wir sind hier, um an unseren im Zweiten Weltkrieg gefallenen Vater zu denken», sagen zwei Schwestern, die an diesem Februartag gekommen sind. Ein junger Mann ist einfach zum Sightseeing hier. Ist er ein Nationalist? «Nein», lacht er, «ich bin einfach nur Japaner.» 2000 Kilometer entfernt bezweifelt man solche Aussagen…

Bernhard Bartsch | 10. Februar 2013 um 07:43 Uhr

 

Japan sieht rot

Der drittgrößten Wirtschaftsmacht droht die Rezession.

Japan droht in die Rezession zu rutschen. Am Montag präsentierte die Regierung Besorgnis erregende Zahlen: Im dritten Quartal lag das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 0,9 Prozent unter dem Vorquartal. Das ist der stärkste Rückgang seit der Erdbeben- und Nuklearkatastrophe im März 2011. In Tokio scheint man damit zu rechnen, dass das Wachstum auch für den Rest des Jahres negativ sein wird und damit zwei Quartale in Folge, womit Japan offiziell in einer Rezession stecken würde. „Ich kann die Wahrscheinlichkeit nicht leugnen, dass die Wirtschaft ins Stadium der Rezession getreten ist“, sagte Finanzminister Seiji Maehara…

Bernhard Bartsch | 12. November 2012 um 09:07 Uhr

 

Japans Firmen büßen für Inselstreit

Boykott in China: Absatz von Toyota und Mazda bricht nach politischen Spannungen ein.

Im Lexus-Autohaus an Pekings nördlicher Ausfallstraße herrscht gähnende Leere. Obwohl die Chinesen diese Woche Nationalferien haben und die Besichtigung von Neuwagen für wohlhabende Hauptstädter eine beliebte Freizeitbeschäftigung ist, zeigen sie an den japanischen Luxuskarossen aus dem Hause Toyota nur wenig Interesse. „Die Politik macht uns das Geschäft kaputt“, sagt ein sichtlich frustrierter Händler. „Niemand will derzeit mit einem japanischen Auto gesehen werden.“…

Bernhard Bartsch | 06. Oktober 2012 um 14:42 Uhr

 

Protest im Akkord

Antijapanische Demonstrationen zwingen japanische Unternehmen in China zur Schließung. Doch Peking hat Mühe, die Proteste unter Kontrolle zu halten.

Die japanische Botschaft in Peking erlebt an diesem Montag Protest im Akkord: In geordneten Reihen lassen die Polizisten die Demonstranten vor das Gebäude treten, um ihre Parolen zu rufen, rote Flaggen zu schwenken und Flaschen oder Eier zu werfen. Ein paar Minuten Wut müssen reichen, dann ist die nächste Gruppe dran. Wer noch nicht genug hat, muss sich wieder anstellen. „Euer Zorn ist gerechtfertigt und jeder darf seine Meinung äußern“, dröhnt es aus den Megaphonen der Sicherheitskräfte. „Aber achtet auf Ordnung und Gesetze.“…

Bernhard Bartsch | 17. September 2012 um 22:55 Uhr

 

Spitze Steine im chinesischen Meer

Der Streit um eine Inselgruppe im Ostchinesischen Meer führt zu Demonstrationen. Angst vor wirtschaftlichen Einbußen soll Tokio zum Einlenken zwingen.

Das Sushi-Restaurant Kurazen hat geschlossen. Über dem Eingang hat der Besitzer eine chinesische Flagge aufgehängt und darunter ein rotes Banner mit der Aufschrift: „Die Diaoyu-Inseln gehören China“. So will er offensichtlich verhindern, dass die Demonstranten, die eine Straße weiter vor Pekings japanischer Botschaft protestieren, ihre Wut auch gegen sein Lokal richten. Für den dritten Tag in Folge belagern am Sonntag Hunderte Chinesen die japanische Gesandtschaft, um im Streit um die von beiden Ländern beanspruchte Inselgruppe Druck auszuüben. Die Polizei hat einen ganzen Straßenzug abgesperrt, auf dem die Demonstranten mit ihren Transparenten auf- und abmarschieren…

Bernhard Bartsch | 17. September 2012 um 03:00 Uhr

 

Japan will aussteigen

Japan will bis 2040 ohne Atomstrom auskommen können. Doch um ihr Ziel durchsetzen zu können, muss die Regierung erst einmal die nächste Wahl gewinnen.

Anderthalb Jahre nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima hat Japans Regierung den Ausstieg aus der Atomkraft angekündigt. Bis spätestens 2040 will das Land ohne Kernenergie auskommen können, erklärte Premier Yoshihiko Noda am Freitag. Bestehende Atomkraftwerke müssten spätestens nach 40 Jahren Betriebsdauer vom Netz genommen werden und neue Reaktoren würden nicht genehmigt. Der Anteil erneuerbarer Energien an der Gesamtversorgung soll bis 2030 auf 30 Prozent hochgefahren werden und der Stromverbrauch gemessen am Jahr 2010 um zehn Prozent gesenkt werden. Zum Vergleich: Deutschland will bis 2022 aus der Atomkraft aussteigen und schon 2020 rund 35 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Energien wie Wind oder Sonne gewinnen…

Bernhard Bartsch | 15. September 2012 um 03:36 Uhr

 

Die Riksha kehrt zurück

Der japanische Entwickler Nobuyuki Ogura wirbt für ein Elektro-Dreirad zur Entlastung des Tokioter Berufsverkehrs.

Wer in Tokio lebt, hat zwei Möglichkeiten, zur Arbeit zu gelangen. Die erste verlangt von ihm, sich zur morgendlichen Stoßzeit in die chronisch überfüllten S- und U-Bahn-Züge zu pressen, was Pendler mit Platzangst von vornherein ausschließt. Die zweite Option besteht darin, im eigenen Wagen zur Arbeit zu fahren. Sie erfordert lediglich Geld, davon aber eine ganze Menge. Denn Autos in Tokio sind teuer, sehr teuer, und nur jeder zehnte Hauptstädter gehört zu der kleinen, privilegierten Schicht, der diese Möglichkeit offensteht. An einem dritten Weg arbeitet Nobuyuki Ogura…

Bernhard Bartsch | 12. September 2012 um 12:41 Uhr

 

Der grüne Versuch

Die Katastrophe von Fukushima hat in Japan eine Anti-Atomkraft-Bewegung hervorgerufen. Die erste grüne Partei des Landes will daraus Politik machen.

Drei Männer und keine Frau? Das geht ja schon mal gar nicht! „Reiner Zufall, ganz ehrlich“, sagt Hitoshi Nakayama, Co-Chef der japanischen Grünen, der zum Gespräch über seine Partei zwei Kollegen mitgebracht hat. Die Gleichstellung der Geschlechter sei natürlich auch in Japan ein Kernanliegen der Grünen und von den vier Parteivorsitzenden seien selbstverständlich zwei Frauen. Darüber hinaus sei noch keine Zeit gewesen, um Proporzregeln für den politischen Arbeitsalltag festzulegen. Und wie auch? Die „Midori no To“, die „Grüne Partei“ Japans, ist erst wenige Wochen alt…

Bernhard Bartsch | 27. August 2012 um 13:21 Uhr

 

Man backt deutsch

Deutschlands Exportwirtschaft hinterlässt auch linguistische Spuren.

Auf der Suche nach einem Café landete ich kürzlich in der „Bäckerei Mainz Dom“. Das wäre nicht weiter erwähnenswert, hätte ich mich in Mainz befunden, oder zumindest in Deutschland. Ich war aber in Südkorea, in einer populären Restaurantmeile von Seoul. Über der Ladentür prangte ein Wappen mit zwei Löwen, die eine Brezel halten. Die Gebäcktüten waren mit deutschen Flaggen bedruckt, die zwar falsch herum wehten, aber das passte gewissermaßen zu den Backwaren, die ebenfalls nur fast authentisch waren. Außer mir dürfte das an diesem Nachmittag allerdings niemandem aufgefallen sein. Was kümmert es Koreaner, ob ihr Kuchen echt deutsch ist, solange er schmeckt?…

Bernhard Bartsch | 24. August 2012 um 06:06 Uhr

 

Bei Anruf: GAU

Ein japanischer Mobilfunkkonzern bringt Handys mit Strahlenmesser auf den Markt.

Es ist eine Funktion, die hoffentlich kein Benutzer je ernsthaft brauchen wird: Gut ein Jahr nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima hat der japanische Telekomkonzern Softbank ein Handy mit eingebautem Strahlenmesser auf den Markt gebracht. Das bunte Telefon namens Pantone 5 soll Kunden in die Lage versetzen, sich im Fall eines Atomunfalls unabhängig von offiziellen Daten über die Bedrohung informieren zu können. Im März 2011 hatten Tokios Regierung und der Fukushima-Betreiber Tepco Informationen über die radioaktive Belastung tagelang zurückgehalten und damit Zehntausende Menschen einer erhöhten Strahlung ausgesetzt…

Bernhard Bartsch | 17. August 2012 um 09:33 Uhr

 

Die Mutanten von Fukushima

Japanische Forscher entdecken deformierte Schmetterlinge. Auch Menschen fürchten die Folgen der Strahlen.

Es war eine der großen Befürchtungen nach der Atomkatastrophe von Fukushima, und sie hat sich bewahrheitet: Die freigesetzte radioaktive Strahlung hat das Erbgut von Lebewesen verändert und zu schweren Missbildungen geführt. Das konnten japanische Wissenschaftler nun erstmals an Schmetterlingen nachweisen…

Bernhard Bartsch | 15. August 2012 um 09:45 Uhr

 

Tod eines Teddys

Viele Japaner trauern um das im Zoo von Tokio verendete Pandababy. In China dagegen gibt es Verschwörungstheorien: Ist der kleine Bär etwa ermordet worden?

Tokio Pandas sind Chinas beste Botschafter. Alle Welt liebt die pummeligen Bambusfresser, und die Chinesen wollen gerne glauben, diese Liebe gelte auch ihnen. Deshalb wird das Schicksal der Bären, die Peking im Rahmen seiner sogenannten Pandadiplomatie ins Ausland schickt, in der Volksrepublik genau verfolgt. Doch selten gingen die Chinesen mit ihrem Nationaltier durch ein turbulenteres Wechselbad der Gefühle als in diesen Tagen…

Bernhard Bartsch | 13. Juli 2012 um 10:06 Uhr

 

Ein Traum in Rosa

Die Japaner feiern die Kirschblüten-Saison – einen botanischen Karneval, der die Zwänge des Alltags außer Kraft setzt.

Die teure Kamera musste sein. „Vier Jahre bin ich mit der gleichen Ausrüstung unterwegs gewesen“, sagt Frau Tani. „Jedes Foto, das man damit machen konnte, habe ich gemacht.“ Diesmal ist die Mittvierzigerin ausgestattet wie ein Profi. Mit schwerem Rucksack marschiert sie durch den Zoo von Kyoto. Affen und Tiger streift sie mit flüchtigem Blick. Was sie interessiert, steht zwischen den Gehegen: Kirschbäume. Wie große Blumensträuße wiegen sie sich im Frühlingswind, jeder Ast bedeckt von Tausenden Blüten, strahlend weiß mit einem Hauch von Rosa…

Bernhard Bartsch | 23. April 2012 um 05:56 Uhr

 

China im Würgegriff

Mit einem Raketentest meldet Indien seine Machtansprüche an – vor allem gegenüber China. Dort fühlt man sich zwar nicht direkt bedroht, aber zunehmend eingekesselt.

Eine turbulentere Woche hatten Chinas Sicherheitspolitiker wohl lange nicht mehr. Am Donnerstag testete Indien erfolgreich seine neue Langstreckenrakete Agni-V, die das Land in die Lage versetzt, Atomwaffen in alle grossen chinesischen Städte zu schiessen. Aus Sicht der chinesischen Volksbefreiungsarmee ist dies die seit Jahren grösste Provokation im Verhältnis der beiden bevölkerungsreichsten Staaten, zwischen denen jahrzehntealte Grenzkonflikte für Spannungen sorgen. Doch nicht nur an Chinas Westflanke herrscht Unruhe…

Bernhard Bartsch | 22. April 2012 um 05:37 Uhr

 

80 Sekunden Flugzeit zur Blamage

Nordkoreas umstrittener Raketenstart scheitert. Das Debakel könnte Jungdiktator Kim Jong Un verleiten, sich durch einen Atombombentest zu rehabilitieren.

Es sollte eine Erfolgsmeldung zum 100. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il-sung werden, doch stattdessen muss Nordkorea eine bittere Pleite eingestehen. Der umstrittene Start einer Langstreckenrakete endete am Freitagmorgen mit einem Debakel. Der Flugkörper zerbrach nach nur 80 Sekunden in mehrere Teile und stürzte ins Meer. Doch der Fehlschlag könnte dramatische Folgen haben: Mehrere Analysten befürchten nun, dass der junge Diktator Kim Jong-un verleitet sein könnte, sich schon in den kommenden Tagen durch einen Atombombentest zu rehabilitieren…

Bernhard Bartsch | 14. April 2012 um 06:14 Uhr