Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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Dalai Lama zwitschert mit Chinesen

Tibetisches Religionsoberhaupt spricht per Twitter mit Chinas Internetgemeinde über Demokratie, Reinkarnation und die Kommunistische Partei.

Das Internet macht’s möglich: Der Dalai Lama hat sich erstmals direkt mit Chinesen in der Volksrepublik unterhalten – in einem Onlinechat. Eine Stunde lang beantwortete der im Exil lebende tibetische Religionsführer am Freitagabend Fragen chinesischer Internetbenutzer über Demokratie, Reinkarnation und die Kommunistische Partei…

Bernhard Bartsch | 22. Mai 2010 um 17:40 Uhr

 

Chinas Hack-Ordnung

Forscher entdecken chinesisches Hackernetzwerk. Die Cyberspione sollen unter anderem den Dalai Lama und Indiens Verteidigungsministerium ausgespäht haben.

Die Kriege der Zukunft – egal ob kalt oder heiß, militärisch oder ökonomisch – werden maßgeblich im Internet ausgefochten. Dass China auf die kommenden Konflikte gut vorbereitet ist, wollen nun eine amerikanisch-kanadische Forschergruppe der Universität Toronto und internationale Sicherheitsexperten der Stiftung Schadowserver herausgefunden haben. In einer achtmonatigen Studie sei es gelungen, ein „komplexes System von Cyber-Spionage“ aufzudecken…

Bernhard Bartsch | 07. April 2010 um 01:39 Uhr

 

Das Netz lebt

Der Suchmaschinenriese Google hat China verlassen. Doch der Druck der chinesischen Internetgemeinde auf die Regierung wird dadurch kaum geringer.

Am Abend des 25. September 2007 traf sich Han Feng, ein ranghoher Beamter der staatlichen Tabak-Monopolverwaltung, mit seiner Geliebten. „Sie heiratet am 29. und wollte für eine letzte Nummer vorbeikommen“, vermerkte Han in seinem Tagebuch. „Sie ist einfach zu heiß! Wir haben es um Mitternacht gemacht und dann noch einmal am Morgen.“ Es war nicht das Ende der Affäre…

Bernhard Bartsch | 30. März 2010 um 04:24 Uhr

 

Ohne Filter

Googles Umzug könnte auch für China eine Gesicht wahrende Lösung sein.

Wissen ist Macht. Kein Wunder, dass die Kommunistische Partei Chinas es als direkten Angriff auf ihre Herrschaft betrachtet, dass der US-Internetkonzern Google den Chinesen ungefilterten Zugang zu Informationen ermöglichen will. Die strikte Kontrolle darüber, was das Volk wissen darf und was nicht, ist eine tragende Säule der Pekinger Ein-Partei-Diktatur. Die Zensur verhindert, dass in China die Macht vom Volke ausgehen kann…

Bernhard Bartsch | 24. März 2010 um 03:16 Uhr

 

Google geht aufs Ganze

Google betreibt seinen chinesischen Suchdienst künftig von Hongkong aus. Peking sieht das als Affront.

Herr Sun ist ein Zensor. Für einen großen chinesischen Internetkonzern reinigt er Blogs und Chatforen von „ungesunden Inhalten“: pornographischen Bildern und Gewaltdarstellungen, vor allem aber kritischen Texten, die den zentral kontrollierten Wahrheiten der Kommunistischen Partei zuwiderlaufen. „Wir bekommen jeden Tag neue Listen mit Begriffen, die wir überprüfen müssen“, erzählt Sun…

Bernhard Bartsch | 23. März 2010 um 17:13 Uhr

 

Entsetzt und verletzt

Chinas Intellektuelle diskutieren im Internet über das harsche Urteil gegen den Demokratieaktivisten Liu Xiaobo.

Als Chinas Kommunistische Partei Ende Dezember den Dissidenten Liu Xiaobo zu elf Jahren Haft verurteilte, war sie auf harsche Kritik ausländischer Medien und Politiker vorbereitet. Sollte die Pekinger Führung jedoch gehofft haben, zumindest im eigenen Land die Debatte über Lius Demokratiemanifest „Charta 08“ beenden zu können, so hat sie sich getäuscht…

Bernhard Bartsch | 30. Januar 2010 um 05:35 Uhr

 

“Ich spekuliere nur”

Chinas Starblogger Han Han malt sich aus, wie weit Chinas Zensoren wohl gehen werden, um die Kontrolle über das Internet aufrecht zu erhalten. Eine Satire.

Wenige Tage, nachdem Google im Streit um Hackerangriffe und gefilterte Suchergebnisse seinen Rückzug aus China angekündigt hat, veröffentlicht der Schriftsteller, Blogger und Autorennfahrer Han Han auf seinem Blog eine Zensursatire. Nur wenige Stunden nach ihrer Veröffentlichung wird sie von den Behörden gelöscht. Mit Genehmigung des Autors hier eine gekürzte Version:

Jahr 2010: China beginnt eine Internet-Säuberungskampagne mit dem Slogan: „Wen man drei Tage lang nicht haut, der steigt einem aufs Dach.“ (Chinesisches Sprichwort für unartige Kinder. Anmerkung B.B.)

Bernhard Bartsch | 18. Januar 2010 um 18:01 Uhr

 

Ein Geschenk für Baidu

Chinas größter Internetsuchdienst wertet den angedrohten Rückzug von Google als eigenen Erfolg.

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte: Dass Google im Konflikt mit Peking um Hackerangriffe und Internetzensur seinen Rückzug aus der Volksrepublik erklärt hat, ist für Googles chinesischen Konkurrenten Baidu ein unverhofftes Geschenk. Das im Westen noch weitgehend unbekannte IT-Unternehmen – in Chinas Suchmaschinengeschäft mit 70 Prozent Marktanteil die klare Nummer eins – dürfte künftig de facto eine Monopolstellung genießen…

Bernhard Bartsch | 15. Januar 2010 um 08:31 Uhr

 

Nicht mehr böse

Google will sich nicht länger den chinesischen Zensurbestimmungen unterwerfen – und dem größten Computermarkt der Welt notfalls ganz den Rücken kehren.

“Um 11:45 Uhr möchte ich Google Blumen überreichen, wer macht mit?” lautete die Nachricht, die ein chinesischer Internetnutzer mit dem Codenamen “Richter Li” auf seiner Twitterseite veröffentlichte. Gut eine Stunde später stehen 30 junge Chinesen mit Sträußen vor dem Pekinger Bürohaus, in dem der US-Internetkonzern sein China-Hauptquartier hat. “Wir sind stolz auf Google”, sagt eine Frau, die als Programmiererin für den chinesischen Konkurrenten Sina arbeitet…

Bernhard Bartsch | 13. Januar 2010 um 23:46 Uhr

 

Die Netzmächtigen

Asiens Bloggerszene diskutiert in Hongkong über Strategien gegen Autokraten.

Thet Htoo sieht nicht aus wie ein Mann mit Macht. Er ist Ende zwanzig, Computerfreak mit langen Haaren und verwaschenen Jeans, der lieber auf den Bildschirm seines Notebooks schaut als seinem Gegenüber in die Augen. Doch mehr als einen Rechner braucht es nicht, um mächtig zu sein. Thet Htoo ist Mitbegründer der Bloggervereinigung Burmas – und damit für Ranguns Militärherrscher ein gefährliches Element…

Bernhard Bartsch | 08. November 2009 um 10:09 Uhr

 

Nischen der Meinungsfreiheit

In China erleben Buchläden eine Renaissance: Denn sie bieten der kritischen Internetgemeinde Gelegenheit, sich in der Wirklichkeit zu treffen.

Neulich wurde im Sanwei-Buchladen wieder viel gelacht. Es war Samstagnachmittag und der 70-jährige Autor Yang Jishen hatte gerade anderthalb Stunden lang aus seinem Buch “Grabstein” gelesen, einem schonungslosen Recherchebericht über die Hungersnöte der Mao-Zeit, der die offizielle Parteigeschichtsschreibung als hanebüchene Propaganda entlarvt. “Ihr Vortrag frustriert mich”, meldete sich ein junger Mann im Publikum zu Wort. “Ich bin Journalist bei einer Zeitung in der Provinz und darf immer nur gute Nachrichten schreiben, nie die Wahrheit.”…

Bernhard Bartsch | 10. Oktober 2009 um 03:53 Uhr

 

Kalte Kameraden

China rätselt über ein Internetdokument, das den Führungsanspruch der Kommunisten anzweifelt. Wer kann sowas wagen.

Hüte dich vor Greisen, besagt eine alte Despotenweisheit, denn sie haben nichts mehr zu verlieren. Auch Chinas Kommunistische Partei beherzigt diesen Vorsatz und hält ihre Veteranen mit viel Lob und strengem Tadel im Glied. Aber hin und wieder juckt es dennoch einen der Genossen, auf die alten Tage zu sagen, was er ein Leben lang eigentlich nicht einmal denken durfte: dass es nicht das gleiche ist, an der Macht zu sein und im Recht…

Bernhard Bartsch | 10. August 2009 um 22:55 Uhr

 

Der nackte Sprung nach vorn

Der chinesische Künstler Ai Weiwei kämpft gegen die Internetzensur – mit einem Teilerfolg: China verschiebt die Einführung einer obligatorischen Filter-Software.

ai_weiwei_2Was ist das für ein Krieg, in dem sich nackte Männer Kuscheltiere vor den Schritt halten und Luftsprünge machen? Die Selbstporträts, die der Pekinger Künstler Ai Weiwei kürzlich auf seiner Webseite veröffentlichte, waren ein Beitrag zu einem Kampf, dem sich eine ganze Armee chinesischer Blogger und Internetbenutzer verschrieben hat: dem Kampf gegen den “Grünen Damm”. So heißt die Zensursoftware, die in China ab 1. Juli bei jedem Computerkauf mitgeliefert werden sollte, angeblich, um die Benutzer beim Surfen vor Pornographie zu schützen…

Bernhard Bartsch | 01. Juli 2009 um 02:01 Uhr

 

Peking rekrutiert 10.000 Onlinespitzel

China macht die Zensur zum lukrativen Nebenjob: Zehntausende Internetbenutzer sollen das Netz künftig gegen Geld auf „ungesunde Inhalte“ durchforsten.

„Pornos gucken und damit Geld verdienen“ – so beschreibt ein chinesischer Blogger Pekings neueste Kampagne zur Zensur des Internets. Zehntausende Chinesen sollen künftig als freiberufliche Onlinespitzel das Netz auf „ungesunde Inhalte“ wie Pornographie oder Regierungskritik durchforsten und diese der Polizei melden…

Bernhard Bartsch | 18. Juni 2009 um 09:20 Uhr

 

Kollektive Notwehr

Chinas Internetgemeinde macht eine Fußpflegerin zur Volksheldin – weil sie einen zudringlichen Regierungsbeamten erstochen hat.

Das Volk bloggt, die Partei blockt – nach diesem Muster tobt im chinesischen Internet der Kampf um Presse- und Meinungsfreiheit. Obwohl Peking sein Informationsmonopol mit einer „Great Firewall“ aus Zensursoftware und Cyberpolizei verteidigt, gelingt es der Online-Gemeinde immer wieder, die Regierung vor aller Welt bloß zu stellen. So wie in ihrer jüngsten Schlacht, die sie im Namen einer Fußpflegerin schlägt, der wegen Mordes die Todesstrafe drohte – bis in der Internetöffentlichkeit die Frage nach Tätern und Opfern aufkam…

Bernhard Bartsch | 11. Juni 2009 um 00:10 Uhr