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	<title>Bernhard Bartsch &#187; Handel</title>
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	<description>TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN</description>
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		<title>China bereitet europäischen Firmen Sorgen</title>
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		<pubDate>Fri, 02 Jul 2010 04:49:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>Seit der Finanzkrise ist China für europäische Unternehmen wichtiger als je zuvor – obwohl sie sich von der Regierung zunehmend diskriminiert fühlen.</h3>
Für europäische Unternehmen nimmt die Bedeutung des chinesischen Marktes weiter zu, obwohl sie sich zunehmend verzerrten Wettbewerbsbedingungen ausgesetzt sehen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der EU-Handelskammer unter ihren Mitgliedern...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Seit der Finanzkrise ist China für europäische Unternehmen wichtiger als je zuvor – obwohl sie sich von der Regierung zunehmend diskriminiert fühlen.</h3>
<p>Für europäische Unternehmen nimmt die Bedeutung des chinesischen Marktes weiter zu, obwohl sie sich zunehmend verzerrten Wettbewerbsbedingungen ausgesetzt sehen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der EU-Handelskammer unter ihren Mitgliedern. „Einer sehr positiven Einschätzung der Wachstumschancen steht große Unsicherheit über die Entwicklung des regulatorischen Umfelds gegenüber“, sagte Kammerpräsident Jacques de Boisséson bei der Vorstellung des „Business Confidence Survey 2010“, einer jährlichen Erhebung, an der sich über 500 Firmen beteiligten.</p>
<p>Zwei Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise, von der sich China schneller erholt hat als andere große Länder, sieht die Hälfte der europäischen Unternehmen China als einen noch wichtigeren Markt als zuvor. Nur vier Prozent gaben an, die Volksrepublik habe für sie an Bedeutung verloren. 78 Prozent der Unternehmen äußerten sich optimistisch über die Wachstumsaussichten in den kommenden zwei Jahren. Zwar bezeichnen aktuell nur 59 Prozent der europäischen Firmen ihr Geschäft als profitabel – ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Jahr 2008, als noch 70 Prozent in der Gewinnzone waren. Allerdings glauben sie mehrheitlich, die Probleme durch die Ausweitung ihres Marktanteils in den Griff bekommen und auf Sparrunden oder Entlassungen verzichten zu können.</p>
<p>Der Optimismus zeigt sich auch in hoher Investitionsbereitschaft. 30 Prozent der europäischen Firmen bezeichnen China als ihr wichtigstes Investitionsziel. Für weitere 34 Prozent rangiert China auf Platz zwei oder drei. Für fast ein Fünftel der Unternehmen planen, in China Geld für neue oder erweiterte Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen auszugeben. „Investitionen in Entwicklungskapazitäten sind wichtige Entscheidungen, die kein Unternehmen leicht nimmt“, sagt de Boisséson. „Dieses Engagement unterstreicht Chinas Bedeutung.“</p>
<p>Doch viele Manager fragen sich, inwiefern dieses Engagement auf Gegenseitigkeit beruht. In der Umfrage gaben 36 Prozent an, internationale Investoren seien in den vergangenen zwei Jahren zunehmend benachteiligt worden. 39 Prozent gehen davon aus, dass sich dieser Trend auch weiterhin fortsetzen werde. Zu den größten Problemen gehören das unzuverlässige Rechtssystem, Willkür bei Lizenzerteilungen und Registrierungsprozessen sowie der mangelnde Schutz geistigen Eigentums. „Das Problem sind nicht die Gesetze selbst, sondern wie sie umgesetzt werden“, sagt de Boisséson. „Europäische Unternehmen sind überwiegend der Meinung, dass die Behörden bei ihnen schärfer auf die Einhaltung von Gesetzen achten als bei chinesischen Konkurrenten.“ Weniger als die Hälfte der Firmen sind der Ansicht, dass China seine WTO-Verpflichtungen effektiv umsetzt oder umzusetzen versucht. Ein Viertel geht sogar davon aus, dass Peking aktiv versucht, die Regeln zu umgehen. In der Vergangenheit hatten die Europäer Chinas Bemühungen um internationale Standards noch deutlich positiver bewertet. „Diese Entwicklung geht in die falsche Richtung“, erklärt de Boisséson. Steigende Lohnkosten oder der Kurs des unterbewerteten chinesischen Yuan stellt für europäische Unternehmen dagegen kein großes Problem dar.</p>
<p>Sorgen bereitet den Europäern weiterhin der Streit um die Bevorzugung chinesischer Konzerne bei Staatsaufträgen. 2008 hatte Peking die Vergabe von Mitteln aus seinem Konjunkturprogramm zunächst an eine „Buy-Chinese“-Klausel gekoppelt, dann aber öffentlich wieder davon Abstand genommen. Viele ausländische Unternehmen glauben allerdings, dass sie de facto weiter gilt. EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso hatte Ende April gegenüber Chinas Premier Wen Jiabao die Gleichbehandlung ausländischer Unternehmen verlangt. Wen erklärte damals, dass es keine Diskriminierung geben werde. „Wir hoffen, dass den Worten des Premiers nun auch Taten folgen“, sagt de Boisséson und warnt Peking davor, das europäische Engagement als bedingungslos zu betrachten. „Wenn die Sachen sauer werden, ist China kein Muss“, mahnt der Kammerchef. Es sei daher im Interesse der chinesischen Regierung, mehr Planungssicherheit zu schaffen.</p>
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		<title>Annäherung durch Handel</title>
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		<pubDate>Tue, 29 Jun 2010 14:42:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>China und Taiwan unterzeichnen ein historisches Wirtschaftsabkommen. Kritiker sehen darin eine Gefahr für Taiwans politische Selbständigkeit.</h3>
China und Taiwan haben gestern ein wegweisendes Abkommen zur Vertiefung ihrer wirtschaftlichen Zusammenarbeit unterschrieben. Der Vertrag, der offiziell den Titel "Wirtschaftliches Kooperations-Rahmenabkommen" (ECFA) trägt und den Abbau von Zöllen für mehr als 800 Produktklassen vorsieht, stellt eine Art Freihandelsabkommen dar...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>China und Taiwan unterzeichnen ein historisches Wirtschaftsabkommen. Kritiker sehen darin eine Gefahr für Taiwans politische Selbständigkeit.</h3>
<p>China und Taiwan haben gestern ein wegweisendes Abkommen zur Vertiefung ihrer wirtschaftlichen Zusammenarbeit unterschrieben. Der Vertrag, der offiziell den Titel &#8220;Wirtschaftliches Kooperations-Rahmenabkommen&#8221; (ECFA) trägt und den Abbau von Zöllen für mehr als 800 Produktklassen vorsieht, stellt eine Art Freihandelsabkommen dar. Besiegelt wurde der Pakt in der chinesischen Jangtse-Metropole Chongqing von Vertretern der beiden halbstaatlichen Organisationen, über die Peking und Taipeh mit einander kommunizieren. Die Stadt hat historische Bedeutung: Chongqing war unter der Herrschaft der jetzt in Taiwan regierenden Nationalisten für kurze Zeit die Hauptstadt Chinas. Sie verloren 1949 den Bürgerkrieg gegen die Kommunisten unter Mao Zedong und zogen sich auf die Insel zurück. Da die Volksrepublik das de facto unabhängige Taiwan als abtrünnige Provinz betrachtet, sind Verhandlungen auf Regierungsebene oder ein formelles Freihandelsabkommen nicht möglich.</p>
<p>Das ECFA gilt als Schlüsselprojekt des taiwanesischen Präsidenten Ma Ying-jeou, der sich seit seinem Amtsantritt vor zwei Jahren um eine Verbesserung der Beziehungen zu Peking bemüht. Ma hält eine enge Verflechtung der Wirtschaften beider Seiten für alternativlos. Rund eine Million der 23 Millionen Taiwanesen leben bereits in der Volksrepublik und betreiben dort tausende Unternehmen. Vor allem sie dürften von der Vereinbarung profitieren, weil sie den Austausch von Industriezulieferungen wie Rohstoffen oder Komponenten vereinfacht. Für taiwanesische Ausfuhren sind im ersten Schritt Zollsenkungen für etwa 539 Produktklassen vorgesehen, umgekehrt erhalten Chinas Exporte in 267 Bereichen Vergünstigungen. Innerhalb von zwei Jahren sollen die Tarife ganz verschwinden. Offiziellen Schätzungen zufolge beläuft sich der Zollabbau für Artikel aus Taiwan auf rund 14 Milliarden US-Dollar und für Waren aus China auf drei Milliarden Dollar. Taipeh hofft, mit dem Abkommen in Taiwan 260 000 neue Arbeitsplätze und 1,7 Prozent zusätzliches Wirtschaftswachstum schaffen zu können. Außerdem verhindere das ECFA, dass Taiwan durch Chinas Freihandelsabkommen mit den südostasiatischen Asean-Staaten benachteiligt werde.</p>
<p>Großen Einfluss dürfte das Abkommen etwa für Taiwans petrochemische Industrie haben, die vergangenes Jahr Waren im Wert von 7,88 Milliarden US-Dollar nach China lieferte, was knapp zehn Prozent der gesamten taiwanesischen Ausfuhren in die Volksrepublik entspricht. Weitere betroffene Branchen sind Fahrzeuge und Fahrzeugteile, Maschinen, Medizintechnik, Elektronikgüter, Textilien und Agrarprodukte. Für chinesische Exporteure fallen die Zölle etwa bei Rohmaterialien für die petrochemische Industrie oder die Textilbranche, bei Fahrrädern, Fahrzeugen, Elektronikgütern und Glühbirnen. Auch der Dienstleistungssektor soll teilweise geöffnet werden. Taiwanesische Banken dürfen ein Jahr früher als bisher vereinbart Handel in chinesischer Währung betreiben. Umgekehrt dürfen chinesische Banken ihre Vertretungen auf der Insel nach einem Jahr in Filialen umwandeln. Institutionelle Anleger aus China können künftig über Taiwan in Derivate investieren. Taiwan wird seinen Markt für chinesische Investitionen in der Film- und Unterhaltungsbranche öffnen.</p>
<p>Trotzdem ist das Abkommen in Taiwan umstritten. Oppositionspolitiker werfen der Regierung vor, Taiwans politische Eigenständigkeit aufs Spiel zu setzen. &#8220;Dieses Abkommen händigt den Schlüssel für Taiwans wirtschaftlichen Wohlstand an China aus&#8221;, warnte Oppositionsführerin Tsai Ing-Wen. &#8220;Taiwan wird die Souveränität über sein Wirtschafts- und Finanzsystem verlieren.&#8221; Kritik äußerte auch Taiwans früherer Präsident Lee Teng-hui, eigentlich ein Parteifreund Mas, für den sich in dem Abkommen vor allem die Interessen großer Firmen widerspiegeln und weniger die Anliegen von Konsumenten und Mittelständlern. Am Wochenende waren in der taiwanesischen Hauptstadt rund 100 000 Menschen gegen das ECFA auf die Straße gegangen.</p>
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		<title>Machtmittel Yuan</title>
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		<pubDate>Sun, 20 Jun 2010 23:44:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>Hat Peking im Yuan-Streit dem Druck des Auslands nachgegeben?</h3>
Westliche Politiker und Wirtschaftsverbände werfen China seit Jahren vor, seinen Exporten auf dem Weltmarkt mit einem künstlich billigen Währungskurs unfaire Vorteile zu schaffen. Nun hoffen sie, die Volksrepublik endlich auf internationale Spielregeln verpflichten zu können: zu einer Währung, deren Kurs der Markt bestimmt, nicht die Regierung. Aus chinesischer Sicht stellt sich die Sache allerdings anders dar...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Hat Peking im Yuan-Streit dem Druck des Auslands nachgegeben?</h3>
<p>Westliche Politiker und Wirtschaftsverbände werfen China seit Jahren vor, seinen Exporten auf dem Weltmarkt mit einem künstlich billigen Währungskurs unfaire Vorteile zu schaffen. Nun hoffen sie, die Volksrepublik endlich auf internationale Spielregeln verpflichten zu können: zu einer Währung, deren Kurs der Markt bestimmt, nicht die Regierung.</p>
<p>Aus chinesischer Sicht stellt sich die Sache allerdings anders dar: In Peking hat man sich noch nie an Spielregeln gebunden gefühlt, die China nicht mit bestimmt hat und die seinen Interessen nicht dienen. Vielmehr betrachten die Chinesen es als ihr gutes Recht, die Währungspolitik als Instrument im internationalen Wettbewerb einzusetzen. Die westlichen Staaten täten schließlich das gleiche, argumentiert man in Peking, nur dass diese ihre eigenen Nutzen eben in freien Marktmechanismen sehen – nicht immer zu ihrem Vorteil, wie die Chinesen mit Blick auf die Euro-Krise spotten.</p>
<p>So dient auch Chinas jüngste Ankündigung, den Yuan vom US-Dollar abzukoppeln, in erster Linie den eigenen Zielen. Worum geht es genau? Viele Jahre lang erschien es Peking opportun, ein stabiles Wechselkursverhältnis zur wichtigsten Währung des Welthandels zu halten, zumal die USA der größte Kunde von chinesicher Produkten sind. Über einen künstlichen billigen Yuan konnte der Staat Chinas Exporte, die aufgrund niedriger Löhne ohnehin schon günstig waren, noch zu subventionieren. Vom Discounter bis zur Markenboutique – „Made in China“ ist aus unserer Konsumgesellschaft nicht mehr wegzudenken.</p>
<p>Doch die Politik des billigen Yuan hatte einen Preis: China verkaufte seine Waren de facto unter Wert. Bei der Zentralbank häuften sich mehr Devisen an, als die Regierung gebrauchen konnte. Und so billig Chinas Exporte waren, so teuer waren umgekehrt die Importe. Insbesondere die hohen Kosten für Rohstoffen, von denen China einen großen Teil einführen muss, um seine Wirtschaft am Laufen zu halten, führten zu Inflation. Und hier kommt für China die Yuan-Aufwertung ins Spiel: Mit einer teureren Währung lässt sich der Preissteigerungsdruck abfangen. Pekings Zentralbanker haben stets betont, dass sie die Währungspolitik maßgeblich als Instrument der Inflationsbekämpfung sehen.</p>
<p>Den westlichen Industrienationen könnte das recht sein, solange China tut, was sie sich seit langem wünschen. Doch alle Zeichen deuten darauf hin, dass die Aufwertung des Yuan weit hinter den Erwartungen des Auslands zurückbleiben wird. Peking hat ausdrücklich erklärt, dass es keine großen Kursprünge geben werde. Analysten gehen davon aus, dass der Yuan in den kommenden Monaten zwischen drei und fünf Prozent and Wert gewinnen dürfte – genug um Chinas Inflation einzudämmen, aber weit weniger, als die zwanzig bis dreißig Prozent, mit denen westliche Ökonomen die Unterbewertung des Yuan abschätzen.</p>
<p>Damit werden sich die Hoffnungen, die vor allem in Washington, wo der Währungsstreit am intensivsten geführt wird, kaum erfüllen. Amerikanische Politiker, die den Konflikt mit der immer mächtiger werdenden Volksrepublik weniger scheuen als ihre europäischen Kollegen, begründen ihre Kritik an China daran, dass der unterbewertete Yuan Schuld daran sei, dass die Amerikaner viel mehr chinesische Produkte kaufen als andersherum die Chinesen amerikanische – mit dem Ergebnis, dass ganze amerikanische Industriezweige vor dem Aus stünden, weil sie nach China verlegt würden. Eine deutliche Anhebung des Yuan könne diesen Trend stoppen, wenn nicht sogar teilweise rückgängig machen, lautet die optimistische Meinung. Falls China sich nicht kooperativ zeige, solle man die Flut chinesischer Produkte eindämmen, indem man sie mit entsprechend hohen Strafzöllen belege. In einigen Industrien haben sich beide Seiten in den vergangenen Jahren bereits Handelsscharmützel geliefert, doch auf eine offene Konfrontation ist sowohl für Peking als auch für Washington riskant. So dürfte es China auch mit einer moderaten Yuan-Anstieg gelingen, den Druck aus den USA abzuwehren. Diskussionen über das Tempo der Aufwertung werden die Chinesen wohl in bewährter Manier aussitzen.</p>
<p>Ähnlich werden sich Pekings Zentralbanker auch kaum in die Karten schauen lassen, nach welchen Kriterien sie künftig den Wert des Yuan festlegen. Statt der Bindung an den Dollar soll ein Währungskorb den Ausschlag geben – doch wie dieser zusammengesetzt ist, bleibt geheim. De facto kann die Regierung den Kurs also auch weiterhin nach eigenem Gutdünken festlegen, orientiert an den eigenen Konjunkturdaten, nicht an transparenten Marktmechanismen.</p>
<p>Wie auch immer das Ringen um den Yuan in die nächste Runde geht – sicher ist eins: Dass Chinas Währung Thema auf den Frontseiten westlicher Medien ist, zeigt, dass die Volksrepublik längst wieder ihren Platz unter den großen Weltmächten gefunden hat. Spekulationen, dass der Yuan eines Tages den Dollar als globale Leitwährung ablösen könnte, sind zwar verfrüht. Doch dass der Yuan inzwischen zu den wichtigsten Währungen der Welt gehört, ist fürs erste Revolution genug.</p>
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		<title>Peking dreht am Yuan</title>
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		<pubDate>Sun, 20 Jun 2010 15:46:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>China gibt überraschend die Dollar-Bindung seiner Währung auf. Mit einer schnellen Aufwertung des Yuan ist trotzdem nicht zu rechnen.</h3>
Es könnte eine der wichtigsten wirtschaftspolitischen Entscheidungen des Jahres sein - und sie wurde verkündet wie ein behördlicher Formalakt: Am Samstagabend veröffentlichte Chinas Zentralbank auf ihrer Webseite eine Pressemeldung, deren Überschrift nur zur Hälfte lesbar war und lediglich durch das daneben blinkende Wort "new" ins Auge fiel: "Weitere Reform des RMB-Wechselkursregimes und Weiterentwicklung der RMB-Wechselkursflexibilität" lautete der nüchterne Titel...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>China gibt überraschend die Dollar-Bindung seiner Währung auf. Mit einer schnellen Aufwertung des Yuan ist trotzdem nicht zu rechnen.</h3>
<p>Es könnte eine der wichtigsten wirtschaftspolitischen Entscheidungen des Jahres sein &#8211; und sie wurde verkündet wie ein behördlicher Formalakt: Am Samstagabend veröffentlichte Chinas Zentralbank auf ihrer Webseite eine Pressemeldung, deren Überschrift nur zur Hälfte lesbar war und lediglich durch das daneben blinkende Wort &#8220;new&#8221; ins Auge fiel: &#8220;Weitere Reform des RMB-Wechselkursregimes und Weiterentwicklung der RMB-Wechselkursflexibilität&#8221; lautete der nüchterne Titel, der weltweit umgehend als Signal interpretiert wurde, dass Peking nach monatelangem politischem Tauziehen zu einer Aufwertung seiner Währung bereit ist.</p>
<p>Westliche Regierungen, insbesondere die der USA, werfen der Volksrepublik vor, dass der fest an den Dollar gekoppelte Renminbi (RMB, auch Yuan genannt) massiv unterbewertet sei und eine massive Verzerrung des internationalen Wettbewerbs bewirke, weil er Chinas Exporte künstlich verbillige.<br />
Obwohl Peking die Kritik stets zurückgewiesen hatte, ist die Regierung nun offenbar zu dem Schluss gekommen, dass eine Änderung des Währungssystems auch im chinesischen Interesse ist. Die Bindung an den Dollar werde aufgehoben, hieß es in der Meldung. Stattdessen werde man den Yuan-Kurs künftig stärker nach &#8220;Angebot und Nachfrage, in Bezug auf einen Währungskorb&#8221; bestimmen.</p>
<p>Die Ankündigung erinnert an die vorige Kurskorrektur des Yuan: Im Juli 2005 hatte die Zentralbank schon einmal einen Währungskorb eingeführt und den Yuan schrittweise um rund 20 Prozent steigen lassen, bevor sie mit Ausbruch der Finanzkrise im Interesse der Stabilität wieder zur Dollar-Koppelung zurückgekehrt war. Über die Zusammensetzung des Währungskorbs machte China keine Angaben.</p>
<p>US-Präsident Barack Obama begrüßte die chinesische Ankündigung. &#8220;Chinas Entscheidung, die Flexibilität seines Wechselkurses zu erhöhen, ist ein konstruktiver Schritt, der bei der Sicherung des Aufschwungs helfen und zu einer ausgewogeneren Weltwirtschaft führen kann&#8221;, hieß es in einer Mitteilung des Weißen Hauses. Sein Finanzminister Timothy Geithner, der noch vor einer Woche den Druck auf China erhöht und indirekt mit Strafzöllen auf chinesische Produkte gedroht hatte, erklärte: &#8220;Eine entschlossene Umsetzung wäre ein positiver Beitrag zu einem robusten und ausgewogenen, globalen Wachstum.&#8221; Der Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, sprach von einer &#8220;ermutigenden Entwicklung&#8221;.<br />
Wie weit Peking den Yuan diesmal steigen lassen will, ist unklar. Westliche Ökonomen halten die Währung für bis zu 40 Prozent unterbewertet. China selbst stellte noch am Sonntag klar, dass eine einmalige Aufwertung ausgeschlossen sei. Die Zentralbank werde den Wechselkurs &#8220;auf einem vernünftigen und ausgeglichenem Niveau grundsätzlich stabil halten&#8221;, dämpfte ein Sprecher übertriebene Hoffnungen.</p>
<p>Chinesische Zentralbankvertreter haben mehrfach angedeutet, dass sie die Währungspolitik in erster Linie als Mittel der Inflationsbekämpfung sehen. Stärkere Anstiege von Verbraucher- und Produzentenpreisen könnten also eine schnellere Aufwertung bedeuten. Westliche Industrienationen gehen ihrerseits davon aus, dass eine Yuan-Aufwertung sich positiv auf ihre Exporte nach China auswirken und den Preisdruck auf einheimische Industrien verringern wird. Entwicklungs- und Schwellenländer erhoffen sich von einem stärkeren Yuan ebenfalls eine Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit.<br />
Dass Peking die Änderung seines Währungssystems wie beiläufig verkündete, dürfte kein Zufall sein. Chinas Regierung hat stets betont, sich in der Yuan-Frage nicht unter Druck setzen lassen zu wollen. Noch vergangene Woche hatte Außenamtssprecher Qin Gang erklärt, Peking verbitte sich auf dem kommendes Wochenende im kanadischen Toronto stattfindenden G20-Gipfel eine Diskussion über seine Währung. Doch nun dürfte der Yuan für die anreisenden Staats- und Regierungschefs ein Hauptthema werden. Wie viel Lob Chinas Präsident Hu Jintao dort allerdings von seinen Amtskollegen bekommen wird, dürfte davon abhängen, wie sich der Yuan in der kommenden Woche entwickelt. An den Märkten wir für Montag die erste Kursänderung erwartet &#8211; alles andere wäre nach der Ankündigung eine Enttäuschung.</p>
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		<title>Image-Havarie</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Apr 2010 13:38:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>Da der vor Australien auf Grund gelaufene Frachter aus China stammt, droht dem Land nun schwerer Image-Schaden.</h3>
Die Umweltkatastrophe am australischen Barrier-Reef ist „Made in China“. Der Frachter „Shen Neng 1“, der am Sonntag mit 65.000 Tonnen Kohle und rund 975 Tonnen Öl an Bord weit abseits der Schifffahrtsstrasse auf Grund gelaufen war, gehört der südchinesischen Shenzhen Energy Group, einer Tochterfirma der staatlichen China Ocean Shipping Company, kurz Cosco. Dem Konzern – und seinem Besitzer, der Volksrepublik China – droht damit ein Image-Desaster...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Da der vor Australien auf Grund gelaufene Frachter aus China stammt, droht dem Land nun schwerer Image-Schaden.</h3>
<p>Die Umweltkatastrophe am australischen Barrier-Reef ist „Made in China“. Der Frachter „Shen Neng 1“, der am Sonntag mit 65.000 Tonnen Kohle und rund 975 Tonnen Öl an Bord weit abseits der Schifffahrtsstrasse auf Grund gelaufen war, gehört der südchinesischen Shenzhen Energy Group, einer Tochterfirma der staatlichen China Ocean Shipping Company, kurz Cosco. Dem Konzern – und seinem Besitzer, der Volksrepublik China – droht damit ein Image-Desaster.</p>
<p>Noch ist unklar, warum sich die „Shen Neng 1“ nicht auf der vorgeschriebenen Schifffahrtsroute bewegte. Dem chinesischen Eigentümer und dem Kapitän droht deshalb eine hohe Geldstrafe. Doch die wäre noch gering gemessen an den Kosten und Schadensersatzforderungen, die auf Cosco zukommen würden, sollte das Schiff wie befürchtet auseinander brechen und seinen Inhalt im Meer verschütten. Schon vor einem Jahr hatte ein chinesisches Schiff das Great Barrier Reef bedroht. Im März 2009 das unter Hongkonger Flagge fahrende Containerschiff „Pacific Adventurer“ der britischen Reederei Swire Shipping, am Barrier Reef den bis dato größten Ölunfall verursacht. Bei rauer See verlor das Schiff damals rund 260 Tonnen Öl. Das Öl wurde an der Moreton-Insel und den Strände der Sunshine Coast in Queensland auf einer Länge von 60 Kilometern angespült.</p>
<p>Auch Cosco, mit über 130 Schiffen eine der größten Reedereien der Welt, ist nicht zum ersten Mal in einen Umweltskandal verwickelt. Im Sommer 2009 lief die von Cosco betriebene „Full City“ nach einem Maschinenschaden während eines Sturms vor Norwegen auf Grund und verlor Öl. Zwei Jahre vorher, im November 2007, war das Containerschiff „Cosco Busan“ vor San Francisco vom Kurs abgekommen und an einen Brückenpfeiler gefahren, woraufhin es rund 200 Tonnen Öl verlor. Obwohl das Schiff den Namen Cosco führte, stritt das Unternehmen alle Verantwortung ab, da die „Cosco Busan“ von der Hongkonger Firma Fleet Management Ltd. geführt wurde.</p>
<p>Cosco hat sich bisher noch nicht zu dem Vorfall geäußert. Doch nach dem jüngsten Unfall muss der Konzern damit rechnen, ins Visier von Umweltschützern zu geraten. „Wir sehen ein besorgniserregendes Muster, das möglicherweise mit dieser Firma verbunden ist“, sagte Gilly Llewellyn vom World Wide Fund for Nature (WWF) in Australien gegenüber Journalisten. Dabei zeigt sich Cosco seit Jahren bemüht, sich als verantwortliches Unternehmen zu profilieren. Nach eigenen Angaben verfügt Cosco über einen „langfristigen Sicherheitsmechanismus, der Sicherheit und Verschmutzungsvermeidung gewährleistet“. Erst vergangene Woche vermeldete der Konzern stolz, dass es vom UN Global Compact, einer Uno-Initiative für sozial und ökologisch vorbildliche Unternehmensführung, zum vierten Mal in Folge ausgezeichnet worden sei – als einziges Unternehmen Asiens. Cosco-Chef Wei Jiafu – im Firmenjargon „Kapitän Wei“ – soll sogar bei der Pekinger Regierung für eine schärfere Überprüfung chinesischer Schiffe gedrängt haben.</p>
<p>Doch obwohl Chinas Reedereien in den vergangenen Jahren ihre Flotten stark modernisiert haben, sind noch immer viele alte Schiffe im Betrieb. In den vergangenen drei Jahren sanken mehrere große chinesische Frachter, darunter das 1977 gebaute 27.000-Tonnen-Schiff Da Ji und der 18.600-Tonner Jinshan, Baujahr 1976. Zwischen 1998 und 2008 wurden in China 733 Unfälle registriert, die zur Verschmutzung des Meeres führten, zeigen offizielle Statistiken. Auch auf Binnengewässern kam es schon häufiger zu Unfällen. Zuletzt kam es im November 2009 auf dem Jangtse-Fluss, Chinas wichtigster Wasserstrasse, zu zwei Unfällen, bei denen Öl und Chemikalien ausliefen.</p>
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		<title>Supermacht auf Probe</title>
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		<pubDate>Mon, 18 Jan 2010 02:47:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>Chinas Aufstieg stellt die politische Dominanz des Westens in Frage. Trotzdem ist es für Nachrufe auf die demokratische Leitkultur noch zu früh.</h3>
"Unauffällig auftreten und niemals die Führung übernehmen." So lautete die außenpolitische Strategie, die Deng Xiaoping seinem Land um 1980 verschrieb. Chinas Reformpatriarch war damals weit über siebzig und lange genug Revolutionär; er kannte die Gefahren übereifriger Neuanfänge...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Chinas Aufstieg stellt die politische Dominanz des Westens in Frage. Trotzdem ist es für Nachrufe auf die demokratische Leitkultur noch zu früh.</h3>
<p>&#8220;Unauffällig auftreten und niemals die Führung übernehmen.&#8221; So lautete die außenpolitische Strategie, die Deng Xiaoping seinem Land um 1980 verschrieb. Chinas Reformpatriarch war damals weit über siebzig und lange genug Revolutionär; er kannte die Gefahren übereifriger Neuanfänge. Nach Maos großen Sprüngen brachte die Volksrepublik im internationalen Mächtemessen ohnehin nicht mehr viel Gewicht auf die Waage. Deshalb sollten sich die Chinesen erst einmal auf ihre eigenen Probleme konzentrieren.</p>
<p>Knapp dreißig Jahre lang hielt sich die Partei nach Kräften an Dengs Dogma. Nun hat sie es offenbar aufgegeben. Seit der Finanzkrise gilt die Volksrepublik als die zweitwichtigste Wirtschaftsmacht neben den USA. Spätestens seit dem Klimagipfel von Kopenhagen, wo Peking die westlichen Industrienationen mit ihren Vorschlägen auflaufen ließ, ist offensichtlich, dass Peking auch auf der politischen Bühne nicht mehr unauffällig auftreten will, sondern offensiv die Rolle einer globalen Leitnation anstrebt. Was in weiter Ferne zu liegen schien, ist plötzlich reale Gegenwart: China ist eine Supermacht.</p>
<p>Zum ersten Mal seit Jahrzehnten steht die politische Dominanz des Westens ernsthaft in Frage. In Kopenhagen haben die Chinesen demonstriert, dass sie die Schwellenländer hinter sich vereinen können. Viele Nationen Asiens und Afrikas, aber auch mehrere Staaten Mittel- und Südamerikas fühlen sich der Volksrepublik enger verbunden als den USA und ihren westlichen Verbündeten. Chinas Koalition der armen Mehrheit der Weltbevölkerung ist nicht nur in den Klimaverhandlungen mächtig: Sie hat auch eigene Vorstellungen von der Reform des Finanzsystems, der Regulierung des Welthandels und der Verteilung militärischer Einflusszonen. Nicht dass die Schwellenländer untereinander keine gravierenden Differenzen und Interessenunterschiede hätten, aber zumindest in ihrer Opposition gegen die bisherige De-facto-Weltregierung der G8-Staaten wächst die Einigkeit &#8211; vor allem, wenn sie die starken Chinesen auf ihrer Seite wissen.</p>
<p>Und es geht um noch mehr: Erstmals seit dem Ende des Kalten Krieges gibt es einen politischen Alternativentwurf zur sogenannten &#8220;westlichen Demokratie&#8221;. So sehr Verfechter der Demokratie ihre Vorzüge für universell halten mögen &#8211; in weiten Teilen der Welt gilt das Konzept als Besonderheit der abendländischen Kultur. Das chinesische System eines starken Staates, der sich nicht durch Wahlen, sondern durch schnelle Wirtschaftsentwicklung legitimiert, gewinnt in Schwellenländern Anhänger. Freilich sind es dort häufig autokratische Regime, die mit dem Verweis auf Chinas Erfolg bequem ihre eigene Macht rechtfertigen. Doch da die Hoffnungen in Reformen nach westlichem Ideal vielerorts zerbrochen sind, wächst auch in der Bevölkerung die Akzeptanz des chinesischen Vorbilds. Pekings Regierung propagiert inzwischen selbst ihr &#8220;chinesisches Modell&#8221;.</p>
<p>Doch kann es halten, was es verspricht? Bisher hat es &#8211; zumindest für die Volksrepublik selbst &#8211; besser funktioniert, als man es im Westen für möglich gehalten hätte. Die Zeiten, da Chinadebatten vor allem um den bevorstehenden Zusammenbruch des Regimes kreisten, sind vorbei. Im Vordergrund steht nun die Frage, wie sich ein Land wie Deutschland gegen einen Staat behaupten kann, der wirtschaftlich quer durch alle Branchen zum Konkurrenten geworden ist und politisch jedem Druck standhält. Doch auch China ist allem außenpolitischem Selbstbewusstsein zum Trotz ein Land, das in den dreißig Jahren seit Dengs Wirtschaftsreformen nur einen kleinen Teil seiner Probleme gelöst hat &#8211; und viele neue Probleme dazubekam. Den neuen Wohlstand genießt eine dünne Oberschicht, die Mehrheit ist noch immer arm. Die sozialen Spannungen nehmen zu, die Umweltverschmutzung gerät vielerorts außer Kontrolle. Der Klimawandel wird in China verheerend wirken: Auch wenn die Volksrepublik in Kopenhagen einen politischen Sieg errungen haben mag &#8211; in der Sache hat sie sich selbst geschadet.</p>
<p>Keine Supermacht hat bestehen können, wenn sie intern zerrüttet war. Die Chinesen wissen das: Glorreiche Dynastien wie die Tang oder Ming florierten in Zeiten innerer Stabilität und zerbrachen, als die Spannungen im eigenen Land zu groß wurden. Waren Herrscher besessen von ihrem internationalen Glanz, kam ihnen die Sensibilität für die Probleme vor ihrer Haustür abhanden. Bevor man Chinas Aufstieg voreilig als &#8220;welthistorisches Ereignis&#8221; feiert und in Schlagzeilen einen Platz in den Geschichtsbüchern zuzuweisen versucht, sollte man abwarten. China ist eine Supermacht auf Probe.</p>
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		<title>Vereinigte Staaten von Asien</title>
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		<pubDate>Tue, 05 Jan 2010 08:01:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[ASEAN]]></category>
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		<description><![CDATA[<h3>China und die ASEAN-Staaten gründen die drittgrößte Freihandelszone der Welt. Doch die Pläne für den asiatischen Integrationsprozess gehen noch viel weiter.</h3>
Den Anfang machten die Drachenfrüchte: In den frühen Morgenstunden des ersten Tages im neuen Jahr überquerte eine Kolonne vietnamesischer Lastwagen die Grenze nach China und fuhren mit Dutzenden Tonnen des rosa-grünen Obstes auf den Großmarkt der Hafenstadt Pingxiang. Dort dokumentierten nicht nur die Händler die neue Lieferung, sondern auch ein Korps chinesischer Journalisten, die den Drachenfruchttransport als symbolischen Beginn für eine neue Ära wirtschaftlicher Zusammenarbeit auserkoren hatten...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>China und die ASEAN-Staaten gründen die drittgrößte Freihandelszone der Welt. Doch die Pläne für den asiatischen Integrationsprozess gehen noch viel weiter.</h3>
<p>Den Anfang machten die Drachenfrüchte: In den frühen Morgenstunden des ersten Tages im neuen Jahr überquerte eine Kolonne vietnamesischer Lastwagen die Grenze nach China und fuhren mit Dutzenden Tonnen des rosa-grünen Obstes auf den Großmarkt der Hafenstadt Pingxiang. Dort dokumentierten nicht nur die Händler die neue Lieferung, sondern auch ein Korps chinesischer Journalisten, die den Drachenfruchttransport als symbolischen Beginn für eine neue Ära wirtschaftlicher Zusammenarbeit auserkoren hatten: Zum Anfang des Jahres ist zwischen der Volksrepublik China und den zehn Ländern der Gemeinschaft Südostasiatischer Nationen (Asean) eine Freihandelszone in Kraft getreten.</p>
<p>Es ist der drittgrößte Freihandelszusammenschluss der Welt, nach der Europäischen Union und der nordamerikanischen Nafta. Im vergangenen Jahr tauschten Südostasiaten und Chinesen Waren im Wert von rund 200 Milliarden Dollar aus; zusammen mit dem Handel innerhalb der Asean beträgt das Volumen etwa 470 Milliarden Dollar. Durch die Abschaffung von Handelsbarrieren soll es von nun an noch schneller als bisher steigen.</p>
<p>Der weitgehend zollfreie Warenaustausch ist Teil eines asienweiten Integrationsprozesses: Seit Jahren bemühen sich die asiatischen Regierungen um neue Netzwerke, mit denen sie mehr Wachstum und Stabilität in ihrer eigenen Region schaffen. Zwar sind die Länder höchst unterschiedlich und stehen untereinander teilweise in scharfem Wettbewerb, doch zwei große Erschütterungen in zehn Jahren haben das Bewusstsein für die gemeinsamen Interessen gestärkt. Sowohl die Asienkrise von 1997/98 als auch die Finanzkrise haben die Asiaten gelehrt, wie gefährlich es ist, von den großen Wirtschaftsmächten Europas und Amerikas oder von den dominierenden Organisationen wie der Weltbank oder dem Internationalen Währungsfonds (IWF) abhängig zu sein. Deshalb kooperieren die Asiaten nicht nur beim Abbau von Handelshemmnissen, sondern auch beim Aufbau eigener Finanzinstitutionen.</p>
<p>Kernzelle des Zusammenschlusses ist die Asean. Bereits seit 2005 werden innerhalb des Bündnisses für einen Großteil der Waren schrittweise die Abgaben gesenkt. Die Vereinbarung soll künftig auch für 90 Prozent aller chinesischen Produkte gelten, wobei je nach Land und Branche Übergangsfristen bis 2015 vereinbart wurden. Waren, bei denen zwischen den Staaten starke Konkurrenz herrscht, insbesondere Elektronikgüter und Textilien, sind vorerst ausgenommen. Ein besonderer Anstieg wird vor allem beim Handel von Rohstoffen erwartet, welche die ressourcenhungrige Volksrepublik nun billiger von ihren Nachbarn kaufen kann.</p>
<p>Die Zone, in der die Länder zu deutlich besseren Konditionen miteinander Handel treiben können als innerhalb der Vorschriften der Welthandelsorganisation (WTO), dürfte noch wachsen. Neben dem südostasiatisch-chinesischen Schulterschluss sind zahlreiche weitere regionale Zollsenkungsabkommen in Arbeit. Sechs der Asean-Staaten haben bereits eine Vereinbarung mit Südkorea geschlossen, mit der bis Ende dieses Jahres die Abgaben auf 80 Prozent aller Waren wegfallen sollen. Auch mit Japan existiert eine Partnerschaftserklärung, die als Grundlage für Verhandlungen über einen Freihandelsvertrags dienen soll. Ähnliche Gespräche führen die Südostasiaten mit Australien, Neuseeland und Indien. Da die Asean in Wirtschaftsfragen nicht an das Konsensprinzip gebunden sind, brauchen sich nicht alle Staaten gleichzeitig zu einigen.</p>
<p>Zur integrationsfreudigen Kerngruppe, den sogenannten Asean-6, zählen Singapur, Malaysia, Brunei, Thailand, Indonesien und die Philippinen, während Vietnam, Kambodscha, Laos und Birma oft deutlich langsamer agieren und sich oft erst im zweiten Schritt anschließen. Politische Vordenker in der Region träumen bereits davon, dass die Asiaten sich eines Tages in ähnlicher Weise zusammenschließen könnten wie die Europäer. So hat etwa Japans Premierminister Yukio Hatoyama die Gründung einer Ostasiatischen Union vorgeschlagen, der Japan, China, Südkorea, Indien, Australien, Neuseeland sowie die Asean-Staaten angehören sollen. Die Hindernisse sind allerdings gewaltig: Die wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Unterschiede innerhalb der diskutierten Vereinigungen sind weitaus größer als in Europa. Immerhin befinden sich auf dem Kontinent einige der reichsten und einige der ärmsten Länder der Erde, Demokratien und Diktaturen.</p>
<p>Doch der Druck der Krise schafft politische Einsichten, die in Zeiten steten Wachstums wohl kaum möglich wären. So haben die Asiaten kürzlich beschlossen, gemeinsam einen 120 Milliarden Dollar schweren Notfonds einzurichten &#8211; als Alternative zum IWF. Beteiligt sind Japan, China, Südkorea und die Asean. Im Notfall wollen sich die Länder dann über sogenannte Währungsswaps gegenseitig US-Dollar bereitstellen, um kurzfristige Finanzengpässe zu überwinden. Schon im März sollen alle organisatorischen Fragen geklärt sein und soll das Geld bereitstehen. Beim IWF glaubt man aber, dass die Asiaten nicht allzu schnell davon Gebrauch machen werden müssen: Ihre Region ist derzeit die einzige, die über ein starkes Wachstum verfügt. Die IWF-Ökonomen sagen voraus, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den asiatischen Ländern dieses Jahr um 5,75 Prozent steigen wird. Den Industrienationen trauen die Wirtschaftswissenschaftler nur ein Wachstum von 1,15 Prozent zu.</p>
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		<title>Zug um Zug</title>
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		<pubDate>Mon, 04 Jan 2010 08:05:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Handel]]></category>
		<category><![CDATA[Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Wettbewerb]]></category>

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		<description><![CDATA[<h3>China will nicht länger globaler Lieferant für Billigwaren sein und steckt Milliarden in die Entwicklung eigener Technologien.</h3>
Deutschland hat den ICE, Frankreich den TGV und Japan seinen Shinkansen. Nun verfügt auch China über einen eigenen Hochgeschwindigkeitszug, und zwar einen, der alle Konkurrenten überholt: Bis zu 350 Stundenkilometer erreicht der "Zidan" (wörtlich: Geschoss), der seit Ende Dezember zwischen der südchinesischen Metropole Guangzhou und der Jangtse-Stadt Wuhan verkehrt...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>China will nicht länger globaler Lieferant für Billigwaren sein und steckt Milliarden in die Entwicklung eigener Technologien.</h3>
<p>Deutschland hat den ICE, Frankreich den TGV und Japan seinen Shinkansen. Nun verfügt auch China über einen eigenen Hochgeschwindigkeitszug, und zwar einen, der alle Konkurrenten überholt: Bis zu 350 Stundenkilometer erreicht der &#8220;Zidan&#8221; (wörtlich: Geschoss), der seit Ende Dezember zwischen der südchinesischen Metropole Guangzhou und der Jangtse-Stadt Wuhan verkehrt. Die 1 068 Kilometer schafft er in drei Stunden. Chinesischen Medien zufolge rechnet die Volksrepublik für ihr Schienengeschoss mit einem Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde. Vor allem aber ist der Zidan ein Symbol des chinesischen Aufstiegs von einem armen Drittweltland zu einer modernen Wirtschaftsmacht. Denn obwohl Deutsche, Franzosen und Japaner zwei Jahrzehnte lang darum gebuhlt haben, China ihre Schnellzüge zu verkaufen, haben die Chinesen es geschafft, ein eigenes System zu entwickeln.</p>
<p>Zwar stammen Komponenten und Know-how zum Teil aus Gemeinschaftsunternehmen mit den ausländischen Konkurrenten, aber die Kontrolle liegt in chinesischer Hand, womit das Land in der Lage ist, den Ausbau seines Eisenbahnnetzes ohne Abhängigkeiten von fremden Technologielieferanten vorantreiben zu können. Von den 370 Milliarden Euro, die Peking in den kommenden sechs Jahren in den Schienenverkehr investieren will, wird nur ein weitaus geringerer Teil ins Ausland fließen, als die Manager von Siemens, Alstom oder Kawasaki sich einst erträumt haben. Und mehr noch: Die Chinesen wollen künftig auch an internationalen Ausschreibungen für Hochgeschwindigkeitsstrecken teilnehmen. Verhandlungen in den USA und Großbritannien laufen bereits. Analysten der japanischen Investmentbank Nomura trauen den chinesischen Firmen zu, außerhalb von China einen Weltmarktanteil von zehn Prozent des Eisenbahnmarktes zu erobern.</p>
<p>In der Entwicklung des Zidan spiegelt sich eine Strategie, die weit über die Eisenbahnbranche hinausreicht. Von der Raumfahrt über die Chipentwicklung bis zur Biotechnologie bemüht sich China in dutzenden Schlüsselindustrien um Eigenständigkeit. Dabei kämpft Peking an allen Fronten: Chinesische Universitäten bilden jährlich hunderttausende Ingenieure und Wissenschaftler aus, von denen die besten zum Studium ins Ausland geschickt werden. Unternehmen erhalten Milliardensubventionen, um eigene Technologie zu entwickeln, wobei die Verletzung ausländischer Patentrechte oft billigend in Kauf genommen wird. Gleichzeitig sorgen die Regulatoren in vielen Branchen dafür, dass ausländische Konzerne nur an Chinas Wachstumspotenzial teilhaben können, wenn sie zu engen Kooperationen mit chinesischen Partnern und hohem Technologietransfer bereit sind.</p>
<p>Trotz Kritik haben die Chinesen kein schlechtes Gewissen. Aus ihrer Sicht sorgen sie nur dafür, dass vom Wachstumspotenzial ihres Landes möglichst viel im eigenen Land realisiert wird. Bisher ist die Volksrepublik noch immer in erster Linie die globale Werkbank, deren Arbeiter billig produzieren, was in reichen Ländern für viel Geld verkauft wird. Geht in Deutschland etwa ein Made-in-China-Hemd für zehn Euro über den Ladentisch, verdienen die chinesischen Hersteller in der Regel nur einen Euro. Auch bei fortschrittlicheren Exportprodukten wie Computern ist der chinesische Wertschöpfungsanteil nur wenig höher, insbesondere wenn es sich um Auftragsherstellung handelt. Umgekehrt muss China seine eigenen Importe, neben Rohstoffen vor allem Hightechprodukte für den Aufbau von Fabriken und Infrastruktur, teuer bezahlen und akzeptieren, dass ein weitaus größerer Anteil des Kaufpreises im Herkunftsland bleibt. Zwar liegen Chinas Exporte weit über den Importen, und sie haben als einer der Haupttreiber der Wirtschaft dazu geführt, dass sich Chinas Bruttoinlandsprodukt in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht hat. Doch auf 1,3 Milliarden Menschen umgelegt ist der chinesische Wohlstand noch immer bescheiden.</p>
<p>Zwar wissen die Chinesen, dass sie es schwer haben werden, in herkömmlichen Industrien zu einem echten Innovationsland zu werden. Doch in einigen Zukunftsbranchen rechnen sie sich gute Chancen aus, in kurzer Zeit ganz vorne mit zu spielen. So etwa bei Umwelttechnologien. Da China einen stark wachsenden Strombedarf hat, versucht das Land, für einen möglichst großen Anteil erneuerbare Energieträger zu nutzen. Mit der dabei gewonnen Erfahrung hoffen die Chinesen, ihren technologischen Rückstand wettzumachen und gleichzeitig durch Massenproduktion die Preise so weit zu drücken, dass sie zum weltweiten Hauptanbieter werden.</p>
<p>Waren vor fünf Jahren noch 80 Prozent der in China aktiven Windenergiefirmen in ausländischer Hand, so haben die Chinesen heute bei drei von vier neuen Turbinen selbst die Kontrolle. Weil ihre Produktionskosten rund ein Drittel unter dem westlicher Hersteller liegen, kommen sie auch bereits international zum Zug. So unterschrieb im Oktober die Shenyang Power Group einen Vertrag, um 240 Windmühlen in die USA zu liefern. In der Solartechnik beanspruchen chinesische Unternehmen bereits ein Drittel des Weltmarktes &#8211; was die Preise so stark fallen ließ, dass westliche Konkurrenten sich gezwungen sehen, ihre Produktion nach China zu verlagern.</p>
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		<title>Gütesiegel statt Warnsignal</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Dec 2009 16:59:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>
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		<description><![CDATA[<h3>Die Volksrepublik steigt zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht auf, aber das Image von "Made in China" bleibt schlecht. Eine Werbekampagne soll das ändern.</h3>
So irrt man sich gerne: Chinas Staatsstatistiker haben herausgefunden, dass sie die Wirtschaftskraft ihres Landes bisher stark unterschätzt haben. Die Rechnerei könnte es China erlauben, den Ausklang des Krisenjahrs als epochales Erfolgserlebnis zu feiern...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Die Volksrepublik steigt zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht auf, aber das Image von &#8220;Made in China&#8221; bleibt schlecht. Eine Werbekampagne soll das ändern.</h3>
<p>So irrt man sich gerne: Chinas Staatsstatistiker haben herausgefunden, dass sie die Wirtschaftskraft ihres Landes bisher stark unterschätzt haben. 2008 sei das Bruttoinlandsprodukt um 9,6 Prozent gestiegen, 0,6 Prozentpunkte mehr als bisher angegeben, erklärten die Datenverwalter in Peking. Auch für 2009 kündigen sie an, das bisherige Wachstum von 7,7 Prozent für die ersten drei Quartale womöglich noch einmal nach oben zu korrigieren. Die Rechnerei könnte es China erlauben, den Ausklang des Krisenjahrs als epochales Erfolgserlebnis zu feiern: Die Volksrepublik hätte ihren Erzrivalen Japan überholt und stiege zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht nach den USA auf. Und selbst wenn die Statistiker die Daten nicht rechtzeitig hinbekommen: spätestens 2010 ist Chinas Aufstieg zur globalen Nummer zwei sicher.</p>
<p>Das internationale Gratulationskonzert dürfte allerdings verhalten ausfallen. Chinas Wiederaufstieg zu einer Weltmacht mag zwar vielerorts Bewunderung hervorrufen, nicht jedoch das Wirtschaftssystem, auf dem die Volksrepublik ihren Erfolg aufgebaut hat: Sie gilt nach wie vor als Standort für schmutzige Billigproduktion. &#8220;Made in China&#8221; ist das Gegenteil einer Qualitätsmarke. Dieses Manko will Peking nun mit einer internationalen Medienkampagne bekämpfen. Auf CNN und anderen internationalen Sendern läuft ein Imagefilm, der westlichen Zuschauern bewusst machen soll, dass die Produkte globaler Markenkonzerne zum großen Teil in China gefertigt werden. &#8220;Wo ,made in China&#8221; draufsteht, müsste es eigentlich heißen: hergestellt in China, produziert mit der Welt&#8221;, lautet die Botschaft des Spots. Dazu werden Turnschuhe, Fernseher, MP3-Spieler und Handtaschen gezeigt.</p>
<p>Allerdings dürfte der Werbespruch nur eine Übergangsformel sein. Der Slogan &#8220;Hergestellt in China &#8211; für die Welt&#8221; wäre den Chinesen zweifellos lieber. Denn von dem Geld, das westliche Konsumenten für chinesische Produkte ausgeben, fließen in der Regel nur etwa zehn Prozent in die Volksrepublik zurück, den Rest verdienen ausländische Händler und Markenunternehmen. Würde es Peking dagegen gelingen, &#8220;made in China&#8221; als internationales Gütesiegel zu etablieren, wäre es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Volksrepublik auch die USA überflügelt.</p>
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		<title>Hampelmanns Heimat</title>
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		<pubDate>Sat, 19 Dec 2009 15:22:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Armut]]></category>
		<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Handel]]></category>
		<category><![CDATA[Produktsicherheit]]></category>

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		<description><![CDATA[<h3>Holzspielzeug gilt als ökologisch korrekt und pädagogisch wertvoll. Der Großteil kommt aus chinesischer Billigproduktion.</h3>
<img class="alignleft size-medium wp-image-1688" title="Arbeiterin in der Firma Hexin" src="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2009/12/Arbeiterin-in-der-Firma-Hexin1-200x300.jpg" alt="Arbeiterin in der Firma Hexin" width="101" height="151" />Liu Diandians Lieblingsspielzeug ist ein grüner Traktor aus Holz. "Den hat meine Mama für mich geklaut", verrät die Siebenjährige stolz. Sie hockt zwischen zugeknoteten Plastiktüten und leeren Bierflaschen auf dem Boden und lässt den kleinen Trecker zwischen Stuhl- und Tischbeinen Slalom fahren. Der Traktor, ein abgewetzter Stoffigel und drei dünne Bilderbücher sind ihre einzigen Spielsachen - und das, obwohl ihre Eltern in einer Spielzeugfabrik arbeiten. Doch zu klauen haben sie nur einmal gewagt, zum Kaufen fehlt ihnen das Geld, und geschenkt bekommt in Yunhe niemand etwas...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Holzspielzeug gilt als ökologisch korrekt und pädagogisch wertvoll. Der Großteil kommt aus chinesischer Billigproduktion.</h3>
<p><img class="alignleft size-large wp-image-1682" title="Schleifer von Schaukeltierkufen bei der Firma Yifa" src="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2009/12/Schleifer-von-Schaukeltierkufen-bei-der-Firma-Yifa1-1023x726.jpg" alt="Schleifer von Schaukeltierkufen bei der Firma Yifa" width="393" height="279" />Liu Diandians Lieblingsspielzeug ist ein grüner Traktor aus Holz. &#8220;Den hat meine Mama für mich geklaut&#8221;, verrät die Siebenjährige stolz. Sie hockt zwischen zugeknoteten Plastiktüten und leeren Bierflaschen auf dem Boden und lässt den kleinen Trecker zwischen Stuhl- und Tischbeinen Slalom fahren. Der Traktor, ein abgewetzter Stoffigel und drei dünne Bilderbücher sind ihre einzigen Spielsachen &#8211; und das, obwohl ihre Eltern in einer Spielzeugfabrik arbeiten. Doch zu klauen haben sie nur einmal gewagt, zum Kaufen fehlt ihnen das Geld, und geschenkt bekommt in Yunhe niemand etwas.</p>
<p>Diandian und ihre Eltern, die vor drei Jahren aus der armen Provinz Anhui in die südchinesische Industriestadt gezogen sind, haben kaum eine Vorstellung davon, welche Reise das Spielzeug aus ihrer Fabrik vor sich hat &#8211; ebenso wenig wie man sich am anderen Ende der Welt groß Gedanken über dessen Herkunft macht. Dabei stammen Hunderttausende Geschenke, die bald unter deutschen Weihnachtsbäumen liegen, aus Yunhe. Allerdings laufen hier nicht die billigen Plastikpuppen oder Stofftiere vom Band, die &#8220;Made in China&#8221; seinen zweifelhaften Ruf eingebracht haben. Yunhe fabriziert die Kinderzimmerausstattung der wirtschaftlich Privilegierten, ökologisch Aufgeklärten und pädagogisch Bewussten: Holzspielzeug.</p>
<p>Mindestens jedes zweite Bauklötzchen, Holzauto oder Schachspiel stammt aus Yunhe, schätzt man in der Branche. &#8220;Unser Weltmarktanteil liegt sicher bei fünfzig Prozent&#8221;, sagt Gao Jun, Vizedirektor von Yunhes Industriebehörde. &#8220;Es könnten aber auch zwei Drittel sein &#8211; so genau weiß das niemand.&#8221; So gut wie alle internationalen Spielzeugmarken lassen in Yunhe von chinesischen Unternehmen produzieren, auch die aus Deutschland, wo mehr Holzspielsachen verkauft werden als in jedem anderen Land.</p>
<p>In den Musterregalen der Hersteller finden sich Brettspiele von Ravensburger oder Stecksets von Coppenrath und Die Spiegelburg. Auch in Deutschland verkaufte Marken wie Sevi aus Italien oder Boikido aus Frankreich beziehen die Waren aus Yunhe, ebenso Großkonzerne wie Ikea und Toys &#8216;r&#8217; us.</p>
<p>Selbst die hölzernen Engelsfiguren, Pyramiden und Krippen, die derzeit hunderttausendfach auf deutschen Weihnachtsmärkten verkauft werden, sind zum großen Teil in den heißen Sommermonaten in Yunhes Akkordschnitzereien gefertigt worden. Verheimlichen lässt sich die chinesische Herkunft zwar nicht, aber oft wird sie verschleiert.</p>
<p><img class="alignleft size-medium wp-image-1685" title="He Bin, Besitzer der Firma Hexin" src="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2009/12/He-Bin-Besitzer-der-Firma-Hexin-300x263.jpg" alt="He Bin, Besitzer der Firma Hexin" width="300" height="263" />&#8220;Bei in Deutschland gefertigten Waren drucken die Hersteller ganz groß ,Made in Germany&#8217; auf die Packung, aber bei ihren chinesischen Auftragsprodukten kann man das Ursprungsland kaum finden&#8221;, sagt He Bin, Geschäftsführer von Hexin, einem der größten Unternehmen der Stadt. &#8220;Einige Marken behandeln es geradezu als schmutziges Geheimnis, dass sie in China produzieren lassen.&#8221; Dabei hätten Qualitätsskandale um vergiftetes oder unsicheres Spielzeug aus China, die in den vergangenen Jahren die Branche erschütterten und das Vertrauen in Namen wie Fisher Price oder Disney beschädigten, bisher nie Holzspielsachen betroffen. &#8220;Unsere Qualität steht der deutschen in nichts nach&#8221;, behauptet He, &#8220;und das zu einem Bruchteil des Preises&#8221;.</p>
<p>Obwohl Yunhe sich heute als &#8220;Heimatstadt des Holzspielzeugs&#8221; bezeichnet, ist der Ort keineswegs eine traditionelle Handwerkshochburg, sondern verdankt seine Berufung einer planwirtschaftlichen Ad-hoc-Entscheidung. Anfang der 70er-Jahre reiste der Leiter der lokalen Wirtschaftsbehörde nach Schanghai und besuchte unter anderem eine Holzspielzeugfabrik. An die üppigen Wälder seiner Heimat denkend, kam er auf die Idee, den Standortfaktor Holz zum Kern seiner Industrialisierungspolitik zu machen. Schon zwei Jahre später produzierten in Yunhe zehn kommunale Betriebe Spielzeug, Abakusse und Klappstühle, die von einer staatlichen Handelsfirma vertrieben wurden.</p>
<p>Als China sich dann Anfang der 80er dem Ausland öffnete, profitierte auch Yunhe. Die Stadt hat 200 000 Einwohner. Rund 150 000 Menschen sind in der Holzindustrie beschäftigt, etwa die Hälfte sind Wanderarbeiter aus anderen Provinzen. &#8220;Bei uns gehören mehr als 700 Unternehmen in der Holzspielzeugindustrie&#8221;, sagt Gao. Das sind neben den großen Fabriken auch Werkzeughersteller, Sägewerke und Holzhändler. Der Rohstoff wird heute größtenteils aus Russland importiert &#8211; die Bergwälder der Region sind längst abgeholzt.</p>
<p>Doch selbst wenn Produkte aus Yunhe europäische Normen erfüllen &#8211; die Herstellungsbedingungen tun es keineswegs. Die meisten Angestellten arbeiten zu Minimallöhnen, ohne Verträge und soziale Absicherung. &#8220;Wir kommen vom Land und haben nichts gelernt, deshalb können wir auch nicht viel verdienen&#8221;, sagt Diandians Mutter Liu Xiaoying. &#8220;Aber im Dorf gibt es für uns keine Perspektive, und wenig Geld ist besser als gar keins.&#8221; Zehn Stunden lang malt sie täglich mit einem spitzen Pinsel Pupillen in das Gesicht von Hampelmännern. Für jedes Auge erhält sie 1,7 chinesische Fen (0,17 Cent). An guten Tagen schafft sie bis zu 2 500 Farbtupfer &#8211; macht etwas über vier Euro. Das reicht gerade, um Diandian zur Grundschule zu schicken. &#8220;Wir können ihr nicht bei den Hausaufgaben helfen, wir können ja selbst nicht lesen und schreiben&#8221;, sagt die Mutter. &#8220;Sie muss das alleine schaffen.&#8221;</p>
<p>Die Sicherheitsvorkehrungen in den Fabriken beschränken sich meistens auf ein paar Schilder, die pro forma an der Wand hängen, aber kaum beachtet werden. So sind etwa die Arbeiter der Firma Yifa, die sich auf Schaukeltiere spezialisiert hat, Staub und Lackdämpfen völlig ungeschützt ausgesetzt. &#8220;Am Anfang hatte ich ständig Husten, aber man gewöhnt sich daran&#8221;, sagt ein 60-Jähriger, der mit einer einfachen elektrischen Schleifmaschine die runden Kufen glättet. Eine Zeit lang habe er versucht, mit Mullmaske zu arbeiten, doch damit ließ sich kaum atmen. Professioneller Lungenschutz ist nicht nur ihm, sondern auch den Fabrikbesitzern zu teuer. Wenn er nach einer Elf-Stunden-Schicht staubbedeckt zu seiner Familie zurückfährt, hat er fünf Euro verdient. In der Hauptsaison von August bis Oktober kommt er mit Überstunden auf bis zu neun Euro.</p>
<p>Fabrikbesitzer He Bin kennt die Vorwürfe, die im Westen gegen derartige Produktionsbedingungen erhoben werden. &#8220;Wir wissen, dass die Situation bei uns alles andere als optimal ist&#8221;, gibt er unumwunden zu. Zwar schicken einige Markenunternehmen wie sein Großauftraggeber Trudi aus Italien regelmäßig Inspektoren, um die Produktionsqualität und bestimmte ethische Mindeststandards zu kontrollieren. Aber auch die prominentesten Kunden scheuen sich nicht, ihre Zulieferer in einen gnadenlosen Preiskampf zu zwingen. &#8220;Die Hersteller unterbieten sich gegenseitig&#8221;, sagt He. &#8220;Wir sind das schwächste Glied in der Kette.&#8221;</p>
<p><img class="alignleft size-medium wp-image-1692" title="Arbeiterin in der Firma Hexin" src="http://www.bernhardbartsch.de/wp-content/uploads/2009/12/Arbeiterin-in-der-Firma-Hexin-300x243.jpg" alt="Arbeiterin in der Firma Hexin" width="300" height="243" />Durch die Finanzkrise, die auch in Yunhe zeitweise zu einem dramatischen Auftragseinbruch führte, sei die Lage noch schwieriger geworden. &#8220;Die Marken geben ihren Druck an uns weiter&#8221;, sagt He. &#8220;Wenn unsere Gewinnmargen sinken, steigen automatisch die Profite der Händler. Am Preis für die Endkunden ändert sich ja nichts.&#8221; Der deutsche Ladenpreis betrage in der Regel das Zehnfache der Herstellungskosten. Einige Marken schaffen es, ihre Produkte für das Zwanzigfache zu verkaufen.</p>
<p>Entsprechend gering ist der Wohlstand, der in Yunhe zurückbleibt. Glaubt man offiziellen Statistiken, erwirtschafteten die Fabriken 2008 zusammen 200 Millionen Euro. Das entspricht für die Beschäftigten einem Durchschnitts-Jahresverdienst von 1 300 Euro. In Wahrheit verdient das Gros der Arbeiter weitaus weniger, während den Besitzern der großen Fabriken Millioneneinkünfte bleiben. Wie dünn die Schicht derer ist, die mit Holzspielzeug gutes Geld verdienen, lässt sich an Yunhes Stadtbild ablesen. Nichts deutet darauf hin, dass der Ort Knotenpunkt einer globalen Industrie ist. Während in anderen chinesischen Industriestädten längst US-Fastfoodketten und internationale Markenläden um die besten Standorte konkurrieren, gibt es modernen Lifestyle in Yunhe nur als billige Kopie: Burger isst man im chinesischen Restaurant &#8220;Tigergeneral&#8221;, die besten Anzüge hat die Marke &#8220;Chairman&#8221; und ein Teehaus hat sich den scheinbar fortschrittlichen Namen &#8220;Original Espresso&#8221; gegeben. Während die technisierte Kunststoffbranche eine Vielzahl von Ingenieuren und geschulten Arbeitern braucht, kommen in der Holzverarbeitung größtenteils ungelernte Tagelöhner zum Einsatz. Das Spielzeug der deutschen Besserverdiener stammt also aus einer Armeleute-Industrie.</p>
<p>He Bin, dessen Vater Mitte der 80er-Jahre Yunhes erste Privatfabrik eröffnete, will das ändern und Holzspielzeug auch in China bekanntmachen &#8211; unter seiner eigenen Marke Benho. Bisher hat der chinesische Markt dafür nur ein Volumen von vier Millionen Euro, obwohl die Familien der städtischen Mittelschicht für die Förderung ihres &#8211; in der Regel einzigen &#8211; Kindes tief in die Tasche greifen. 18 eigene Läden hat He Bin schon. Als Werbung hat er einen Animationsfilm mit Holzspielzeugen produziert, der Kindern Umweltbewusstsein beibringen soll. 2010 soll daraus eine Fernsehserie werden. &#8220;Wenn Holzspielzeug in China ein ähnliches Image bekommt wie in Deutschland, sind unsere Probleme gelöst&#8221;, sagt He Bin. &#8220;Aber leider sind die Konsumgewohnheiten noch völlig umgekehrt: Holz gilt in China als altmodisch und Plastik als modern.&#8221;</p>
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		<title>Gekühlte Geldströme</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Nov 2009 00:03:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>Asiens Regierungen wollen mit Kapitalverkehrskontrollen den Zufluss von „hot money“ eindämmen. Denn die wirtschaftliche Erholung gibt auch neuen Blasen Nahrung.</h3>
Geld ist nicht gleich Geld - schon gar nicht nach der großen Kapitalvernichtung der Finanzkrise. Denn mit der Stabilisierung der Weltwirtschaft geht auch die Entstehung von sogenanntem "hot money" einher, hochspekulativen Anlagen, die derzeit unter anderem mit Wetten auf staatliche Konjunkturbemühungen hohe Gewinne erzielen und so neuen Blasen Nahrung geben...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Asiens Regierungen wollen mit Kapitalverkehrskontrollen den Zufluss von „hot money“ eindämmen. Denn die wirtschaftliche Erholung gibt auch neuen Blasen Nahrung.</h3>
<p>Geld ist nicht gleich Geld &#8211; schon gar nicht nach der großen Kapitalvernichtung der Finanzkrise. Denn mit der Stabilisierung der Weltwirtschaft geht auch die Entstehung von sogenanntem &#8220;hot money&#8221; einher, hochspekulativen Anlagen, die derzeit unter anderem mit Wetten auf staatliche Konjunkturbemühungen hohe Gewinne erzielen und so neuen Blasen Nahrung geben.</p>
<p>Deshalb wollen Asiens Regierungen, deren Länder bei der globalen Erholung in Führung gegangen sind, nun auch bei der Eindämmung heißer Geldströme die Initiative ergreifen. In zahlreichen Hauptstädten wird derzeit die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen diskutiert oder bereits begonnen.</p>
<p>So kündigte vergangene Woche die Regierung in Seoul an, die Liquidität im Markt für Währungsgeschäfte künftig strenger zu kontrollieren. Anfang des Monats verbot Taiwan ausländischen Investoren, Kapitalbeträge in Termineinlagen zu positionieren. Indonesiens Zentralbank hegt ähnliche Pläne.</p>
<p>Indiens Finanzminister Ashok Chawla sagte vergangene Woche, sein Land werde Maßnahmen zur Verlangsamung der Kapitalzuflüsse ergreifen, sollten ausländische Investments zunehmen. Medienberichten zufolge soll die Geldmenge, die lokale Unternehmen aus dem Ausland aufnehmen dürfen, gedeckelt werden. Auch die regionale Wirtschaftsmacht China, die Geldzu- und -abflüsse seit jeher stark einschränkt, erwägt eine noch schärfere Regulierung.</p>
<p>Vor allem die hohen Gewinne bei Aktien, Immobilien und anderen Vermögenswerten machen den Wirtschaftslenkern sorgen. &#8220;Die asiatischen Volkswirtschaften zeigen deutliche Zeichen von Erholung, aber das heißt noch lange nicht, dass diese Erholung nachhaltig sein wird&#8221;, sagt der Shanghaier Ökonom Andy Xie, der unter Asiens Analysten den Spitznamen &#8220;Herr der Blasen&#8221; trägt, weil er mit seinen Hinweisen auf aufgeblähte Märkte häufig richtig lag. &#8220;Der Aufschwung ist zumindest teilweise das Ergebnis neuer Überhitzungen.&#8221;</p>
<p>Geschürt werde die Welle an spekulativem Kapital durch die niedrigen Zinsraten der USA, sagte kürzlich Hongkongs Regierungschef Donald Tsang. &#8220;Wir haben im Moment einen Carry Trade im US-Dollar&#8221;, so Tsang. Dabei nehmen Investoren günstig Kredite in einer Währung auf und konvertieren das Kapital in die Währung eines Landes mit höheren Zinssätzen, um es dort zu investieren. Der übliche geldpolitische Hebel, übermäßige Investitionen durch Zinserhöhungen einzudämmen, wird unwirksam, da er den Zufluss von &#8220;hot money&#8221; nur verstärkt. &#8220;Wo das Geld hinfließt, da werden später auch die Probleme sein: in Asien&#8221;, warnte Tsang. &#8220;Man sieht, wie die Vermögenspreise hochschießen, nicht nur in Korea, in Taiwan, in Singapur und in Hongkong, sie steigen auf Niveaus, die mit den ökonomischen Fundamentaldaten nicht vereinbar sind.&#8221;</p>
<p>Der Zufluss von Geld treibt auch die Währungskurse in die Höhe und behindert so die Bemühungen asiatischer Länder, ihre Exportwirtschaft wieder anzukurbeln. Unter anderem sind die indonesische Rupie, die indische Rupie und der südkoreanische Won in diesem Jahr gegenüber dem US-Dollar stark gestiegen. Nur Chinas Regierung kann sich dem Aufwertungsdruck entziehen, da ihr Yuan nicht frei handelbar und an den Dollar gekoppelt ist.</p>
<p>Pekings Währungsmanipulation sorgt derzeit für ernsthafte politische Verstimmungen mit den USA, Europa sowie den Nachbarländern. US-Finanzminister Timothy Geithner, seine indonesische Amtskollegin Sri Mulyani Indrawati und Singapurs Finanzminister Tharman Shanmugaratnam forderten vergangene Woche in einem gemeinsamen Papier &#8220;marktorientierte Wechselkurse, die den wirtschaftlichen Fundamentaldaten entsprechen&#8221;.</p>
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		<title>Der Yuan-Streit geht weiter</title>
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		<pubDate>Tue, 17 Nov 2009 22:47:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>Im Yuan-Konflikt ist keine Lösung in Sicht. Dabei bedroht Währungsmanipulation die weltwirtschaftliche Stabilisierung ebenso wie Protektionismus.</h3>
Die Weltwirtschaft sucht nach einer neuen Balance – doch im Streit über eines der größten globalen Ungleichgewichte ist keine Lösung in Sicht: Der Konflikt um den Wechselkurs des chinesischen Yuan bleibt auch nach dem chinesisch-amerikanischen Gipfeltreffen in Peking ein wirtschaftspolitischer Grabenkampf...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Im Yuan-Konflikt ist keine Lösung in Sicht. Dabei bedroht Währungsmanipulation die weltwirtschaftliche Stabilisierung ebenso wie Protektionismus.</h3>
<p>Die Weltwirtschaft sucht nach einer neuen Balance – doch im Streit über eines der größten globalen Ungleichgewichte ist keine Lösung in Sicht: Der Konflikt um den Wechselkurs des chinesischen Yuan bleibt auch nach dem chinesisch-amerikanischen Gipfeltreffen in Peking ein wirtschaftspolitischer Grabenkampf. Zwar zeigte sich US-Präsident Barack Obama &#8220;erfreut über Aussagen der chinesischen Seite, sich im Laufe der Zeit auf Wechselkurse zuzubewegen, die mehr am Markt orientiert sind&#8221;. Doch statt konkreter Zusagen machte Obamas Amtskollege Hu Jintao ihm den Vorwurf, selbst Handelsbarrieren aufzubauen, zuletzt etwa durch Strafzölle auf chinesische Stahlrohre oder Autoreifen. Für die Weltwirtschaft sei es von entscheidender Bedeutung, &#8220;noch härter gegen den Protektionismus in all seinen Erscheinungsformen anzukämpfen&#8221;, kritisierte Hu.</p>
<p>Der Disput schwelt seit Jahren. Die USA und andere westliche Industrienationen sind überzeugt, dass die Volksrepublik ihre Währung vorsätzlich billig hält, um ihren Exporten auf den Weltmärkten Preisvorteile zu verschaffen. China argumentiert, seine Wirtschaft müsse sich noch weiter entwickeln, bevor der Kurs des Yuan, der nicht frei handelbar und de facto an den Dollar gekoppelt ist, vom Markt bestimmt werden könne. Zuletzt benutzte Peking zudem die amerikanischen Versäumnisse bei der Finanzmarktregulierung sowie den Verfall des Dollarkurses, um sich gegen Vorhaltungen zu verwehren.</p>
<p>Dass der staatlich bestimmte Kurs den Yuan – auch Renminbi genannt – künstlich billig macht, gilt unter Experten als relativ unbestritten. Die Verfälschung wird auf bis zu 30 Prozent geschätzt. &#8220;Ich bin fest davon überzeugt, dass der Renminbi unterbewertet ist&#8221;, erklärte am Dienstag der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn. Es sei im Interesse der globalen Wirtschaft und auch Chinas, die Währung neu zu bewerten. &#8220;Denn falsche Preise führen zu falschen Entscheidungen, besonders bei Investitionen.&#8221; Ein grober Maßstab für den Schaden, der anderen Ländern dadurch entsteht, ist Chinas Handelsbilanzüberschuss, der im vergangenen Jahr bei 290 Milliarden Dollar lag. Insgesamt hat die Volksrepublik Devisen im Wert von 2270 Milliarden Dollar angehäuft. Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman hatte kürzlich darauf hingewiesen, dass unter Chinas Währungspolitik vor allem arme Länder litten.</p>
<p>Doch China lässt sich nicht unter Druck setzen. Unmittelbar vor Obamas Ankunft hatte Chinas stellvertretender Handelsminister Chen Jian erklärt, es sei derzeit keine Währungsanpassung geplant. Damit versuchte er Gerüchte zu zerstreuen, wonach die chinesische Zentralbank den Kurs des Yuan künftig nicht mehr an den Dollar koppeln wolle, sondern an einen Devisenkorb.</p>
<p>Washingtons Finanzbeamte hatten nach Obamas Amtsantritt versucht, den Streit um den Yuan nicht mehr öffentlich zu führen. Doch je lauter China seine Protektionismusvorwürfe erhebt, umso wahrscheinlicher ist es, dass Washington den Disput wieder in die Öffentlichkeit trägt. Recht haben dabei beide Seiten – aber nur, was ihre Beschwerden am jeweils anderen angeht.</p>
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		<title>Wachstumsmotor Asien</title>
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		<pubDate>Sat, 14 Nov 2009 16:04:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>
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		<description><![CDATA[<h3>Die asiatischen Länder haben als erste die Wirtschaftskrise hinter sich gelassen und wollen sich nun durch neue Bündnisse aus der Abhängigkeit vom Westen lösen.</h3>
Apec-Gipfel sind berühmt für ihre Abschlussbilder, auf denen sich die Regierungschefs der 21 Asien-Pazifikstaaten als Zeichen ihrer Gemeinsamkeiten in lokalen Trachten des Gastgeberlandes fotografieren lassen. Dieses Wochenende werden US-Präsident Barack Obama, Chinas Staatspräsident Hu Jintao und Co. in Singapur in klassischem asiatischen Chic vor die Kameras treten - und damit ein Symbol für den Zustand der Welt am Ende des Krisenjahres 2009 setzen...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Die asiatischen Länder haben als erste die Wirtschaftskrise hinter sich gelassen und wollen sich nun durch neue Bündnisse aus der Abhängigkeit vom Westen lösen.</h3>
<p>Apec-Gipfel sind berühmt für ihre Abschlussbilder, auf denen sich die Regierungschefs der 21 Asien-Pazifikstaaten als Zeichen ihrer Gemeinsamkeiten in lokalen Trachten des Gastgeberlandes fotografieren lassen. Dieses Wochenende werden US-Präsident Barack Obama, Chinas Staatspräsident Hu Jintao und Co. in Singapur in klassischem asiatischen Chic vor die Kameras treten &#8211; und damit ein Symbol für den Zustand der Welt am Ende des Krisenjahres 2009 setzen: Noch nie spielte Asien für die globale Wirtschaft eine größere Rolle. Schneller als alle anderen Weltregionen scheint es die Finanzkrise hinter sich gelassen zu haben.</p>
<p>Der Internationale Währungsfonds (IWF) sagt voraus, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den asiatischen Ländern dieses Jahr im Durchschnitt um 2,75 Prozent steigen wird und sich 2010 auf 5,75 Prozent beschleunigt. Den Industrienationen traut der IWF dagegen nächstes Jahr nur ein Durchschnittswachstum von 1,15 Prozent zu. 15 der 18 asiatischen Börsenindizes entwickeln sich derzeit besser als der US-Index S&amp;P 500. Auch die Erholung der deutschen Exportwirtschaft ist zum großen Teil &#8220;Made in China&#8221;. Asien ist zum weltwirtschaftlichen Wachstumsmotor geworden.</p>
<p>Quer durch die Region können die staatlichen Statistikämter derzeit gute Zahlen vorlegen. Das Zugpferd ist China. Im vierten Quartal könnte die Wachstumsrate wieder die Zehn-Prozent-Marke erreichen, so der Chefökonom des staatlichen Informationszentrums, Fan Jiangping. Für das Gesamtjahr werde eine BIP-Steigerung von 8,3 Prozent erwartet. Indiens Regierung rechnet für das laufende Haushaltsjahr, das im März 2010 endet, mit einem Wachstum von 6,5 Prozent. Auch Japan, Südkorea, Malaysia und Indonesien befinden sich wieder auf Wachstumskurs.</p>
<p>Der asiatische Aufschwung hat mehrere Gründe. Den unmittelbaren Ausschlag für das schnelle Ende des Einbruchs geben die gewaltigen Konjunkturpakete, die alle Länder der Region aufgelegt haben. Und obwohl einige Staaten bereits wieder Anzeichen einer steigenden Inflation zeigen, erklärten die asiatischen Zentralbanken diese Woche einmütig, die Zügel der Geldpolitik vorerst nicht wieder anziehen zu wollen, solange das Wachstum noch auf wackligen Beinen stehe.</p>
<p>Zum großen Teil verdankt Asien seinen Boom indes seinem niedrigen Entwicklungsniveau. So beschert der Prozess der Urbanisierung den Schwellenländern auch in der Krise eine starke Dynamik. In China lebt etwa erst die Hälfte der Bevölkerung in den Städten. 2020 werden es drei Viertel sein, schätzen Experten. Weiteres Wachstumspotenzial besteht in der Verstärkung der regionalen Integration. Seit Jahren bemühen sich die Asiaten, ihre Wirtschaften enger zu verzahnen und durch sinkende Handelsbarrieren neue Dynamik zu schaffen. In den kommenden Jahren dürften in der Region daher zahlreiche neue Freihandelsabkommen ausgehandelt werden oder in Kraft treten. So bauen die zehn südostasiatischen Asean-Staaten derzeit ihre Zusammenarbeit mit China, Südkorea und Japan aus. Japans neuer Premierminister Yukio Hatoyama will seinerseits eine Ostasiatische Union ins Leben rufen, der Japan, China, Südkorea, Indien, Australien, Neuseeland sowie die Asean-Staaten angehören sollen. Als Vorstufe dazu ist ein Dreierbündnis zwischen Japanern, Chinesen und Koreanern geplant.</p>
<p>Die Südkoreaner, die dieses Jahr bereits ein Freihandelsabkommen mit der EU vereinbarten, ratifizierten vergangene Woche auch einen Pakt mit Indien. Nach einer Studie des Korea-Instituts für internationale Wirtschaftspolitik könnte die Vereinbarung das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern verdoppeln und Südkoreas Bruttoinlandsprodukt um jährlich 750 Millionen Euro erhöhen. All diese Vereinbarungen haben auch das Ziel, die traditionelle Abhängigkeit von den Exportmärkten USA und Europa zu verringern &#8211; und den asiatischen Wachstumsmotor künftig zunehmend auch mit asiatischem Treibstoff betanken zu können.</p>
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		<title>Protektionistische Machtspiele</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Sep 2009 02:41:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>Peking reagiert auf US-Strafzölle für chinesische Reifen mit Einfuhrhürden auf US-Hühnerfleisch und -Autoteile.</h3>
Zwischen den USA und China bahnt sich ein Handelsstreit an: Nachdem Washington Strafzölle auf Autoreifen aus China erhoben hat, will Peking nun im Gegenzug Hürden gegen US-Hühnerfleisch sowie Autoteile einführen. In beiden Richtungen lautet der Vorwurf Preisdumping und der Gegenvorwurf Protektionismus...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Peking reagiert auf US-Strafzölle für chinesische Reifen mit Einfuhrhürden auf US-Hühnerfleisch und -Autoteile.</h3>
<p>Zwischen den USA und China bahnt sich ein Handelsstreit an: Nachdem Washington Strafzölle auf Autoreifen aus China erhoben hat, will Peking nun im Gegenzug Hürden gegen US-Hühnerfleisch sowie Autoteile einführen. In beiden Richtungen lautet der Vorwurf Preisdumping und der Gegenvorwurf Protektionismus. Sollte es nicht zu einer politischen Einigung kommen, droht ein jahrelanges Verfahren vor den Instanzen der Welthandelsorganisation (WTO) &#8211; und eine Ausweitung des protektionistischen Armdrückens auf andere Sektoren. Die Tageszeitung China Daily zitierte bereits Experten, denenzufolge die USA Strafzölle auf Produkte wie Stahl, Aluminium und Chemieprodukte verhängen könnten.</p>
<p>Der Konflikt schwelt seit Monaten. Gewerkschaften hatten sich beschwert, dass sich der chinesische Anteil am US-Reifenmarkt in den vergangenen fünf Jahren verdreifacht habe, wodurch 5 000 Arbeitsplätze verloren gegangen seien. Ein US-Gesetz aus dem Jahr 2000, das Strafmaßnahmen ermöglicht, wenn ein rapider Anstieg chinesischer Waren einem US-Industriezweig schadet, erlaubte Präsident Barack Obama nun, eine 35-Prozent-Steuer auf chinesische Reifen zu beschließen. Sie soll am 26. September in Kraft treten. Es ist das erste Mal, dass die USA das Gesetz anwenden.</p>
<p>Zwar hatte China das Gesetz in seinen WTO-Beitrittsverhandlungen 2001 anerkannt. Doch seitdem haben sich die Machtverhältnisse geändert und Peking wirft den USA nun vor, sich mit dem Gesetz Sonderrechte im Welthandel zu sichern. Chinas Außenministerium bezeichnete dies als &#8220;ernsten Protektionismus&#8221; und warf den USA vor, die Instrumente der Welthandelsorganisation zu missbrauchen. Peking hatte davor gewarnt, dass dies die Beziehungen stören werde. Schließlich könne man nicht tatenlos zusehen, wie dem Land eine Milliarde Dollar an Exporten und 100 000 Arbeitsplätze verloren gingen. Außerdem verstoße Obama gegen &#8220;antiprotektionistische Verpflichtungen&#8221;, die er beim Finanzgipfel der G20-Staaten eingegangen sei. Im Kampf gegen die globale Wirtschaftskrise hatten sich die führenden Industriestaaten dagegen ausgesprochen, ihre Märkte gegen Importe abzuschotten.</p>
<p>Trotzdem will Peking seine eigenen Zollerhöhungen nicht als &#8220;Vergeltung&#8221; verstanden wissen. Man reagiere lediglich auf Klagen heimischer Hersteller, die sich über den &#8220;unfairen Wettbewerb&#8221; beschwert hätten, hieß es. Allerdings liegt das Handelsvolumen der betroffenen Produkte auffällig nah beieinander. In den ersten sieben Monaten importierten die USA chinesische Reifen für 1,3 Milliarden US-Dollar und verkauften im Gegenzug Autoteile im Wert von 800 Millionen US-Dollar und Hühnerfleisch für 376 Millionen US-Dollar.</p>
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		<title>China wächst &#8211; und zwar am liebsten allein</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Jun 2009 23:15:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Bartsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>Weltbank traut China 2009 ein Wachstum von 7,2 Prozent. Doch die Erholung ist teilweise mit Protektionismus erkauft – und deshalb womöglich nicht nachhaltig.</h3>
China ist wieder auf Wachstumskurs – und versucht die wirtschaftliche Erholung mit protektionistischen Maßnahmen im eigenen Land zu halten. Bei der Vorstellung ihres Quartalsberichts für die drittgrößte Volkswirtschaft hob die Weltbank am Donnerstag ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr auf 7,2 Prozent. Gleichzeitig kritisierte sie jedoch Berichte, wonach die Pekinger Zentralregierung untere Verwaltungsebenen aufgefordert haben soll, bei öffentlichen Aufträgen chinesische Produkte und Dienstleistungen zu bevorzugen...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Weltbank traut China 2009 ein Wachstum von 7,2 Prozent. Doch die Erholung ist teilweise mit Protektionismus erkauft – und deshalb womöglich nicht nachhaltig.</h3>
<p>China ist wieder auf Wachstumskurs – und versucht die wirtschaftliche Erholung mit protektionistischen Maßnahmen im eigenen Land zu halten. Bei der Vorstellung ihres Quartalsberichts für die drittgrößte Volkswirtschaft hob die Weltbank am Donnerstag ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr auf 7,2 Prozent. Gleichzeitig kritisierte sie jedoch Berichte, wonach die Pekinger Zentralregierung untere Verwaltungsebenen aufgefordert haben soll, bei öffentlichen Aufträgen chinesische Produkte und Dienstleistungen zu bevorzugen. Die offizielle Tageszeitung China Daily hatte Anfang der Woche gemeldet, die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC) und acht andere Ministerien hätten am 4. Juni „gemeinsam eine  Aufforderung veröffentlicht, die von lokalen Regierungen verlangt, bei Projekten mit Regierungsinvestitionen chinesischen Produkten den Vorzug zu geben“. Waren ausländischer Hersteller brauchen demnach Sondergenehmigungen. Ardo Hansson, Chefökonom der Weltbank in China, zeigte sich am Donnerstag „überrascht“, dass die Volksrepublik als große Exportnation zu einer Politik der Marktabschottung greife. Bisher habe Peking sich „global führend für die Vermeidung von Protektionismus eingesetzt“, sagte Hansson.</p>
<p>Die „Kauf-Chinesisch“-Klausel hat international scharfe Kritik hervorgerufen. Die EU-Kommission prüft derzeit, inwieweit die Bestimmungen gegen die Regeln der Welthandelsorganisation WTO verstoßen. Am Mittwoch hatte auch der deutsche Umweltminister Sigmar Gabriel, der mit einer Unternehmerdelegation aus dem Umwelttechnologiebereich in China unterwegs war, gegenüber der NDRC gefordert, auf protektionistische Maßnahmen zu verzichten. „Wir müssen China dazu bekommen, dem WTO-Abkommen zur öffentlichen Auftragsvergabe beizutreten“, sagte der SPD-Politiker vor Journalisten. Wie aus Delegationskreise verlautete, soll die NDRC die Existenz der Regelung bestritten haben. Die Amerikanische Handelskammer in China bezeichnete die Abschottungsmaßnahmen ihrerseits als „extrem schädlich“ und forderte, bei öffentlichen Aufträgen „an wirtschaftliche und soziale, nicht an politische Kriterien zu denken“.</p>
<p>Chinas Lokalregierungen müssen derzeit über hunderte Investitionsvorhaben entscheiden, nachdem Peking im vergangenen Herbst ein Konjunkturpaket von umgerechnet 460 Milliarden Euro aufgelegt hatte, mit dem Projekte im Bereich Verkehrsinfrastruktur, Energieversorgung, Umweltschutz, Bildung und technologische Entwicklung gefördert werden sollen. Nach Angaben der Weltbank sind die öffentlichen Investitionen sowie die ausgeweitete Kreditvergabe durch das staatliche Bankensystem der Hauptgrund für die Aufhellung der chinesischen Wirtschaft. Zuletzt hatte die Weltbank China für dieses Jahr nur noch eine Zuwachsrate von 6,5 Prozent zugetraut. Chinas Regierung hält dagegen an ihrer Zielvorgabe von acht Prozent fest. Die Marke gilt in Peking seit Deng Xiaoping als das Minimum, das die Volksrepublik zur Aufrechterhaltung der sozialen Stabilität erreichen muss.</p>
<p>Allerdings warnte Hansson vor falschen Hoffnungen. Trotz der verbesserten Zuwachsraten könne man noch nicht von einer „robusten und anhaltenden Erholung sprechen“. Für 2010 sei nur noch ein leichter Anstieg auf 7,7 Prozent zu erwarten. Schließlich gebe es Grenzen, „wie weit und wie lange Chinas Wachstum auf Grundlage der staatlich gelenkten Ausgaben vom weltweiten Wachstum abweichen“ könne, sagte er. Chinas einstiger Wachstumsmotor, die Exportwirtschaft, liegt weiterhin am Boden. Die Ausfuhren sind seit sieben Monaten beständig gefallen. „Sehr schwache Exporte sind noch immer die größte Wachstumsbremse“, urteilt die Weltbank.</p>
<p>Nichtsdestotrotz versuchen chinesische Unternehmen die Krise zu nutzen, um international auf Einkaufstour zu gehen. So soll der Pekinger Autohersteller BAIC versuchen, doch noch als Käufer von Opel ins Spiel zu kommen. Einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) zufolge sollen die Chinesen dem Opel-Mutterkonzern GM inzwischen ein Angebot vorgelegt haben, in dem größere Zugeständnisse angeboten werden als von dem Rivalen Magna. BAIC will in den kommenden zwei Wochen eine Delegation nach Rüsselsheim schicken, um bei Betriebsräten, Gewerkschaften und Politikern um Vertrauen zu werben und Einblick in die Bücher zu nehmen.</p>
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