Bernhard Bartsch

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Japans Firmen büßen für Inselstreit

Boykott in China: Absatz von Toyota und Mazda bricht nach politischen Spannungen ein.

Im Lexus-Autohaus an Pekings nördlicher Ausfallstraße herrscht gähnende Leere. Obwohl die Chinesen diese Woche Nationalferien haben und die Besichtigung von Neuwagen für wohlhabende Hauptstädter eine beliebte Freizeitbeschäftigung ist, zeigen sie an den japanischen Luxuskarossen aus dem Hause Toyota nur wenig Interesse. „Die Politik macht uns das Geschäft kaputt“, sagt ein sichtlich frustrierter Händler. „Niemand will derzeit mit einem japanischen Auto gesehen werden.“…

Bernhard Bartsch | 06. Oktober 2012 um 14:42 Uhr

 

Exportmarkt Nummer eins

China ist für deutsche Unternehmen schon längst zum Schlüsselmarkt geworden.

Um Deutschlands erfolgreichste Messe zu besuchen, müsste Chinas Premier Wen Jiabao nicht unbedingt nach Hannover reisen. Es könnte auch eine Fahrt nach Schanghai reichen. Erfolg ist schließlich Definitionssache – und je nach Sichtweise ist nicht die weltgrößte Technologiemesse, die Wen am Sonntagabend gemeinsam mit Kanlzerin Angela Merkel in Hannover eröffnet hat, das herausragendste deutsche Messeprojekt, sondern das „Schanghaier New International Exibition Center“, ein deutsch-chinesisches Gemeinschaftsunternehmen, das unter deutscher Führung innerhalb weniger Jahre zum best ausgelasteten Ausstellungsort der Welt geworden ist…

Bernhard Bartsch | 22. April 2012 um 22:16 Uhr

 

Chinas Weg zum Kapitalismus

China feiert zehn Jahre WTO-Mitgliedschaft. Für die Volksrepublik hat sich der Beitritt gelohnt, im Rest der Welt ist man sich weniger sicher.

Es war eine Wette mit hohem Einsatz und großem Risiko: Vor zehn Jahren trat China der Welthandelsorganisation (WTO) bei – eine wirtschaftspolitische Entscheidung, die in der chinesischen Führung und Öffentlichkeit umstritten war wie wenige zuvor. Premier Zhu Rongji, die treibende Kraft hinter den Beitrittsverhandlungen, wurde von Pekings Konservativen als „Verräter“ und „Wirtschaftsnutte“ beschimpft, weil sie hinter der Marktöffnung den Ausverkauf chinesischer Interessen und eine Unterhöhlung der Souveränität sowie der Herrschaft der Kommunistischen Partei sahen…

Bernhard Bartsch | 12. Dezember 2011 um 13:34 Uhr

 

China wird zum Sorgenfall

China kann die Weltwirtschaft nicht retten, aber die globale Krise noch verschlimmern. Die jüngsten Daten verheißen nichts Gutes.

Die globale Krise erreicht das einzige Land, das zuletzt noch positive Konjunkturnachrichten vermelden konnte: Chinas Industrieproduktion hat im November zu schrumpfen begonnen. Das zeigt der Einkaufsmanagerindex, der ein gutes Bild von der Auftragslage in den Fabriken gibt und im vergangenen Monat zurückging, zum ersten Mal seit dem Höhepunkt der Finanzkrise vor mehr als zweieinhalb Jahren…

Bernhard Bartsch | 01. Dezember 2011 um 23:32 Uhr

 

Seltene Erden – jetzt noch seltener

Die Welt braucht sie, China hat sie: Seltene Erden, benötigt für den Bau von Smartphones, Elektromotoren oder Windrädern. Nun drosselt Peking die Produktion.

Was wäre wohl los, wenn die Opec-Staaten morgen bekannt gäben, dass sie die Ölförderung für einen Monat aussetzen, um damit den Preis in die Höhe zu treiben? Die Folgen wären wohl kaum weniger dramatisch als die der beiden Ölkrisen in den 1970er Jahren, welche die Industriestaaten in die Rezession drückten und die Angst ums Öl zur globalen Dauersorge machten. Zu den langfristigen Auswirkungen gehörten ein Umdenken in der Stromwirtschaft, aber auch ressourcenmotivierte Kriege. Ganz ähnlich ist die Politik, die China derzeit bei den Seltenen Erden verfolgt…

Bernhard Bartsch | 19. Oktober 2011 um 12:37 Uhr

 

Chinesischer Rettungsschirm

China stellt Europa Finanzhilfe in Aussicht und fordert im Gegenzug den Marktwirtschaftsstatus. Das würde Dumping-Klagen gegen „Made in China“ erschweren.

Der sprichwörtliche „reiche Onkel aus Amerika“ ist Vergangenheit – die neuen reichen Onkel sitzen in China. Das ist zumindest die Rolle, die viele Europäer sich von der Volksrepublik erhoffen und welche die Chinesen gerne spielen. Regierungschef Wen Jiabao, Herr über die höchsten Devisenreserven der Welt, erneuerte am Mittwoch sein Versprechen, den finanziell angezählten Euro-Staaten unter die Arme zu greifen…

Bernhard Bartsch | 14. September 2011 um 02:50 Uhr

 

Handelssünder China

Die Welthandelsorganisation fordert die Freigabe von Rohstoffausfuhren.

Chinas Ruf in der Weltwirtschaft ist nicht der beste. Immer wieder muss sich die Volksrepublik den Vorwurf gefallen lassen, sie nehme es mit den internationalen Spielregeln nicht so genau – sei es bei Patentrechten, bei Preisdumping oder bei Marktabschottung. Nun hat auch das Schiedsgericht der Welthandelsorganisation (WTO) Chinas Praktiken in einem weithin beachteten Fall verurteilt…

Bernhard Bartsch | 06. Juli 2011 um 12:55 Uhr

 

„Wir verschwenden riesige Wachstumspotentiale“

Ökonom Jagdish Bhagwati über die Zukunft des Welthandels und seine Differenzen mit Barack Obama, Angela Merkel, Paul Krugman und dem Handelsblatt.

Bernhard Bartsch: Professor Bhagwati, viele Länder versuchen sich derzeit mit protektionistischen Maßnahmen zu schützen, die Doha-Verhandlungen zum weltweiten Zollabbau stecken fest und der Euro ist in Gefahr. Wie viele Sorgen müssen wir uns machen?

Bhagwati: Zuerst die gute Nachricht: In der Krise haben wir längst nicht so viel Protektionismus erlebt, wie viele befürchtet haben. In der Politik gibt es inzwischen ein starkes Bewusstsein dafür, dass Marktabschottung in unserer vernetzten Welt allen schadet. Und selbst wenn ein Land das versucht, nützt es nicht viel, weil die anderen Staaten dann im Gegenzug das gleiche tun…

Bernhard Bartsch | 02. April 2011 um 03:30 Uhr

 

Weckruf aus Libyen

Peking will 36 000 Chinesen aus Libyen evakuieren. Doch neben seinen Bürgern fürchtet China auch um lukrative Verträge mit Ghadhafi und anderen Diktatoren.

Zu den vielen politischen Zusammenhängen, die durch die Volksaufstände in Nordafrika und dem Nahen Osten ins Bewusstsein der Weltöffentlichkeit gelangen, gehören auch die Verstrickungen, die sich hinter der Zahl 36 000 verbergen. 36 000 Chinesen arbeiteten in Libyen, bevor dort die Revolte gegen Ghadhafi ausbrach. Doch was machen 36 000 chinesische Niedriglohn-Arbeiter in einem Land, dessen Bevölkerung aus Verzweiflung über Armut und Arbeitslosigkeit den blutigen Aufstand gegen seinen Diktator wagt?

Bernhard Bartsch | 26. Februar 2011 um 16:42 Uhr

 

Die blauen Ratten von Xintang

Firmen aus aller Welt lassen in der chinesischen Provinz Guangdong Jeans und Dessous produzieren – mit katastrophalen Folgen für Mensch und Natur.

Yu Li hat die Hände eines Außerirdischen. „Wie ein blauer Alien“, sagt er, als er sie zu Krallen formt. Die blaue Farbe reicht bis an seine Unterarme und lässt sich schon lange nicht mehr abwaschen. Doch daran hat sich Yu Li, Ende dreißig, ebenso gewöhnt wie an den Juckreiz, den die Chemikalien auf seiner aufgeweichten Haut auslösen. Zwölf Stunden steht er jeden Tag an einer großen Waschtrommel, in der Jeans mit Lavasteinen und Bleichmitteln geschleudert werden, um ihnen den Stone-Washed-Look zu verleihen. Pro Schicht gehen Tausende Jeans durch seine Hände. Am Monatsende bekommt er dafür 1800 Yuan, umgerechnet rund 200 Euro…

Bernhard Bartsch | 17. Februar 2011 um 03:16 Uhr

 

Peking ist flüssig

Chinas Devisenreserven steigen auf 2,85 Billionen Dollar – Geld, mit dem Peking sich internationalen Einfluss zu erkaufen versucht.

Die reichste Regierung der Welt ist vergangenes Jahr noch reicher geworden. Wie Chinas Zentralbank am Dienstag bekannt gab, erreichten die Devisenreserven 2011 den neuen Rekordstand von 2,85 Billionen US-Dollar (2,2 Billionen Euro), 18,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit hat die Volksrepublik das mit Abstand größte Fremdwährungspolster…

Bernhard Bartsch | 12. Januar 2011 um 03:39 Uhr

 

Ohne Kontrolle geht es nicht

Viele Spielzeuge enthalten giftige Chemikalien. Doch dass sie meistens aus China stammen, heißt noch lange nicht, dass auch die Chinesen die Schuld tragen.

Ein großer Teil des in Deutschland verkauften Spielzeugs ist mit Schadstoffen belastet – zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Stiftung Warentest. Bei einer Untersuchung von 50 Produkten wurden bei mehr als 80 Prozent giftige Chemikalien nachgewiesen, bei zwei Drittel sogar in hohen Mengen, und das selbst bei Traditionsmarken wie Brio, Eichhorn, Fisher Price, Sigikid oder Steiff…

Bernhard Bartsch | 22. Oktober 2010 um 03:31 Uhr

 

Auf den Spuren des Wachstums

Yuan-Streit könnte zu einer Spirale des Protektionismus führen. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle hat bei seiner Chinareise vor einem „Handelskrieg“ gewarnt und zu einem Abbau protektionistischer Hürden aufgerufen. Der Streit über die Unterbewertung nationaler Währungen könne weltweit zu gegenseitigen Abschottungsversuchen führen. „Wir haben Sorge, dass die noch nicht überwundenen Finanzmarktprobleme weltweit zu Protektionismus führen können“, sagte der […]

Bernhard Bartsch | 12. Oktober 2010 um 12:34 Uhr

 

Yuan-Streit spitzt sich zu

Die EU verlangt von China eine schnellere Aufwertung des Yuan. Peking sieht dafür keinen Grund. Nun könnte der Währungskonflikt zum G-20-Thema werden.

Der Streit um Chinas Währung spitzt sich weiter zu. Nach dem Strafzoll-Votum des amerikanischen Repräsentantenhauses forderten nun am Dienstag auch die EU-Mitgliedsstaaten eine schnellere Aufwertung des Yuan. Chinas Währung sei weiterhin unterbewertet, erklärte der Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker nach einem Treffen mit Chinas Regierungschef Wen Jiabao in Brüssel. Deshalb müsse es eine «geregelte, signifikante und umfassende Aufwertung» geben…

Bernhard Bartsch | 05. Oktober 2010 um 09:36 Uhr

 

Die Kraft der seltenen Erden

China setzt Exporte seltener Rohstoffe als diplomatisches Druckmittel gegen Japan ein. Ein Warnschuss für andere Länder: Auch Deutschland wäre erpressbar.

Am Dienstag waren die „Systemfehler” auf wundersame Weise behoben. Seit vergangenen Donnerstag hatte der chinesische Zoll Exporte von Seltenerdmetallen nach Japan blockiert – angeblich wegen technischer Probleme bei der Bearbeitung der Ausfuhrformulare, wie betroffene Firmen berichteten. Dass Peking und Tokio sich zeitgleich den schärfsten diplomatischen Schlagabtausch seit Jahren lieferten, stehe damit in keinerlei Verbindung, versicherten die chinesischen Behörden…

Bernhard Bartsch | 29. September 2010 um 09:01 Uhr