Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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Supermacht auf Probe

Chinas Aufstieg stellt die politische Dominanz des Westens in Frage. Trotzdem ist es für Nachrufe auf die demokratische Leitkultur noch zu früh.

“Unauffällig auftreten und niemals die Führung übernehmen.” So lautete die außenpolitische Strategie, die Deng Xiaoping seinem Land um 1980 verschrieb. Chinas Reformpatriarch war damals weit über siebzig und lange genug Revolutionär; er kannte die Gefahren übereifriger Neuanfänge…

Bernhard Bartsch | 18. Januar 2010 um 04:47 Uhr

 

Vereinigte Staaten von Asien

China und die ASEAN-Staaten gründen die drittgrößte Freihandelszone der Welt. Doch die Pläne für den asiatischen Integrationsprozess gehen noch viel weiter.

Den Anfang machten die Drachenfrüchte: In den frühen Morgenstunden des ersten Tages im neuen Jahr überquerte eine Kolonne vietnamesischer Lastwagen die Grenze nach China und fuhren mit Dutzenden Tonnen des rosa-grünen Obstes auf den Großmarkt der Hafenstadt Pingxiang. Dort dokumentierten nicht nur die Händler die neue Lieferung, sondern auch ein Korps chinesischer Journalisten, die den Drachenfruchttransport als symbolischen Beginn für eine neue Ära wirtschaftlicher Zusammenarbeit auserkoren hatten…

Bernhard Bartsch | 05. Januar 2010 um 10:01 Uhr

 

Zug um Zug

China will nicht länger globaler Lieferant für Billigwaren sein und steckt Milliarden in die Entwicklung eigener Technologien.

Deutschland hat den ICE, Frankreich den TGV und Japan seinen Shinkansen. Nun verfügt auch China über einen eigenen Hochgeschwindigkeitszug, und zwar einen, der alle Konkurrenten überholt: Bis zu 350 Stundenkilometer erreicht der “Zidan” (wörtlich: Geschoss), der seit Ende Dezember zwischen der südchinesischen Metropole Guangzhou und der Jangtse-Stadt Wuhan verkehrt…

Bernhard Bartsch | 04. Januar 2010 um 10:05 Uhr

 

Gütesiegel statt Warnsignal

Die Volksrepublik steigt zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht auf, aber das Image von “Made in China” bleibt schlecht. Eine Werbekampagne soll das ändern.

So irrt man sich gerne: Chinas Staatsstatistiker haben herausgefunden, dass sie die Wirtschaftskraft ihres Landes bisher stark unterschätzt haben. Die Rechnerei könnte es China erlauben, den Ausklang des Krisenjahrs als epochales Erfolgserlebnis zu feiern…

Bernhard Bartsch | 28. Dezember 2009 um 18:59 Uhr

 

Hampelmanns Heimat

Holzspielzeug gilt als ökologisch korrekt und pädagogisch wertvoll. Der Großteil kommt aus chinesischer Billigproduktion.

Arbeiterin in der Firma HexinLiu Diandians Lieblingsspielzeug ist ein grüner Traktor aus Holz. “Den hat meine Mama für mich geklaut”, verrät die Siebenjährige stolz. Sie hockt zwischen zugeknoteten Plastiktüten und leeren Bierflaschen auf dem Boden und lässt den kleinen Trecker zwischen Stuhl- und Tischbeinen Slalom fahren. Der Traktor, ein abgewetzter Stoffigel und drei dünne Bilderbücher sind ihre einzigen Spielsachen – und das, obwohl ihre Eltern in einer Spielzeugfabrik arbeiten. Doch zu klauen haben sie nur einmal gewagt, zum Kaufen fehlt ihnen das Geld, und geschenkt bekommt in Yunhe niemand etwas…

Bernhard Bartsch | 19. Dezember 2009 um 17:22 Uhr

 

Gekühlte Geldströme

Asiens Regierungen wollen mit Kapitalverkehrskontrollen den Zufluss von „hot money“ eindämmen. Denn die wirtschaftliche Erholung gibt auch neuen Blasen Nahrung.

Geld ist nicht gleich Geld – schon gar nicht nach der großen Kapitalvernichtung der Finanzkrise. Denn mit der Stabilisierung der Weltwirtschaft geht auch die Entstehung von sogenanntem “hot money” einher, hochspekulativen Anlagen, die derzeit unter anderem mit Wetten auf staatliche Konjunkturbemühungen hohe Gewinne erzielen und so neuen Blasen Nahrung geben…

Bernhard Bartsch | 23. November 2009 um 02:03 Uhr

 

Der Yuan-Streit geht weiter

Im Yuan-Konflikt ist keine Lösung in Sicht. Dabei bedroht Währungsmanipulation die weltwirtschaftliche Stabilisierung ebenso wie Protektionismus.

Die Weltwirtschaft sucht nach einer neuen Balance – doch im Streit über eines der größten globalen Ungleichgewichte ist keine Lösung in Sicht: Der Konflikt um den Wechselkurs des chinesischen Yuan bleibt auch nach dem chinesisch-amerikanischen Gipfeltreffen in Peking ein wirtschaftspolitischer Grabenkampf…

Bernhard Bartsch | 18. November 2009 um 00:47 Uhr

 

Wachstumsmotor Asien

Die asiatischen Länder haben als erste die Wirtschaftskrise hinter sich gelassen und wollen sich nun durch neue Bündnisse aus der Abhängigkeit vom Westen lösen.

Apec-Gipfel sind berühmt für ihre Abschlussbilder, auf denen sich die Regierungschefs der 21 Asien-Pazifikstaaten als Zeichen ihrer Gemeinsamkeiten in lokalen Trachten des Gastgeberlandes fotografieren lassen. Dieses Wochenende werden US-Präsident Barack Obama, Chinas Staatspräsident Hu Jintao und Co. in Singapur in klassischem asiatischen Chic vor die Kameras treten – und damit ein Symbol für den Zustand der Welt am Ende des Krisenjahres 2009 setzen…

Bernhard Bartsch | 14. November 2009 um 18:04 Uhr

 

Protektionistische Machtspiele

Peking reagiert auf US-Strafzölle für chinesische Reifen mit Einfuhrhürden auf US-Hühnerfleisch und -Autoteile.

Zwischen den USA und China bahnt sich ein Handelsstreit an: Nachdem Washington Strafzölle auf Autoreifen aus China erhoben hat, will Peking nun im Gegenzug Hürden gegen US-Hühnerfleisch sowie Autoteile einführen. In beiden Richtungen lautet der Vorwurf Preisdumping und der Gegenvorwurf Protektionismus…

Bernhard Bartsch | 15. September 2009 um 04:41 Uhr

 

China wächst – und zwar am liebsten allein

Weltbank traut China 2009 ein Wachstum von 7,2 Prozent. Doch die Erholung ist teilweise mit Protektionismus erkauft – und deshalb womöglich nicht nachhaltig.

China ist wieder auf Wachstumskurs – und versucht die wirtschaftliche Erholung mit protektionistischen Maßnahmen im eigenen Land zu halten. Bei der Vorstellung ihres Quartalsberichts für die drittgrößte Volkswirtschaft hob die Weltbank am Donnerstag ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr auf 7,2 Prozent. Gleichzeitig kritisierte sie jedoch Berichte, wonach die Pekinger Zentralregierung untere Verwaltungsebenen aufgefordert haben soll, bei öffentlichen Aufträgen chinesische Produkte und Dienstleistungen zu bevorzugen…

Bernhard Bartsch | 19. Juni 2009 um 01:15 Uhr

 

Buntes Bild

Chinas Industrieproduktion legt zu, doch der Handel bricht ein. Belastet wird Chinas Exportindustrie auch vom Kollaps des Einzelhandelskonzerns Arcandor.

Die chinesische Wirtschaft bietet derzeit ein „buntes Bild“. So beschreibt Liu Mingkang, Chinas oberster Bankenregulator und einer der einflussreichsten Pekinger Konjunktursteuerer, die jüngsten Entwicklungen in der drittgrößten Volkswirtschaft. Im Mai zogen die Industrieproduktion und die Investitionen überraschend stark an, während gleichzeitig der Handel ebenso überraschend stark einbrach…

Bernhard Bartsch | 13. Juni 2009 um 01:23 Uhr

 

Flirt mit fatalen Folgen

Peking und Taipeh nähern sich weiter an. Die Taiwanesen zahlen dafür einen hohen Preis: Die wirtschaftliche Zusammenarbeit kostet sie ihre politische Selbständigkeit.

Chiang Pin Kung schaut sich gerne selber ins Gesicht. An den Wänden seines Büros in einem Hochhaus in Taipeh hängen gleich mehrere Ölporträts. Daneben Fotos von den wichtigsten Handschlägen seiner Karriere, darunter einer mit Chinas Staatspräsident Hu Jintao. Auf seine Bildersammlung ist der 76-Jährige offenbar so stolz, dass er sie auf Briefmarken hat drucken lassen, um sie Gästen mit feierlicher Geste zu schenken…

Bernhard Bartsch | 25. April 2009 um 03:29 Uhr

 

China bangt und hofft

Gemischte Wirtschaftssignale aus China: Handel bricht dramatisch ein, doch Pekings Konjunkturpaket zeigt allmählich Wirkung.

Schweißer in einer chinesischen FabrikChinas Wirtschaft schwankt zwischen Krisenstimmung und der Hoffnung auf baldige Erholung. Bei den jüngsten Konjunkturdaten mischen sich bedrückende und ermunternde Signale. Einerseits ist der Handel der nach Berechnungen Pekings drittgrößten Volkswirtschaft im Februar dramatisch eingebrochen, andererseits scheinen steigende Investitionen darauf hinzuweisen, dass Pekings Konjunkturpaket allmählich Wirkung entfaltet…

Bernhard Bartsch | 12. März 2009 um 02:34 Uhr

 

Beziehungen bekommen Schlagseite

Der Tod von acht Seeleuten eines chinesischen Frachters bei einer Verfolgungsjagd im Pazifik hat zu einer schweren Verstimmung zwischen China und Russland geführt.

Wenn in China ein Sack Reis umfällt, kümmert das bekanntlich niemanden, aber wenn ein ganzer Reisfrachter Schlagseite bekommt, wird daraus eine Staatsaffäre. Peking verlangt von Moskau Aufklärung darüber, warum die russische Marine ein chinesisches Handelsschiff versenkte und sich danach offenbar wenig Mühe bei der Suche nach Überlebenden gab…

Bernhard Bartsch | 21. Februar 2009 um 07:49 Uhr

 

“Das ist die schlimmste Krise der Nachkriegszeit”

Japan steckt bereits doppelt so tief in der Rezession wie Europa. Der zweitgrößten Volkswirtschaft wird vor allem ihre hohe Exportabhängigkeit zum Verhängnis.

Das japanische Arbeitsethos ist legendär, doch erst in der Krise zeigt der Sozialkodex, was wirklich in ihm steckt. “Früher war ich zwölf Stunden im Büro, aber inzwischen sind es eher 14, plus ein paar Sonderschichten am Wochenende”, erzählt ein Angestellter einer Tokioer Beratungsfirma. “Dabei haben wir im Moment fast nichts zu tun.”…

Bernhard Bartsch | 17. Februar 2009 um 06:07 Uhr