Betrunken am Konjunktursteuer
Japans Finanzminister erklärt nach peinlicher Pressekonferenz seinen Rücktritt. Sein Auftritt wirkt symptomatisch für das Krisenmanagement der japanischen Regierung.
Ein kleines Gläschen Wein auf eine große Portion Erkältungsmittel – mit dieser Rezeptur hat Japans Finanzminister Shoichi Nakagawa seine Karriere gegen die Wand gefahren. Zumindest lautet so seine eigene Erklärung einen bizarren Auftritt am vergangenen Wochenende, der ihn am Dienstag zum Rücktritt zwang. Bei einer Pressekonferenz am Rande des G7-Treffens in Rom hatte Nakagawa mit lallender Stimme, geschlossenen Augen und holpriger Syntax auf Fragen geantwortet, die teilweise gar nicht an ihn gestellt waren…
“Das ist die schlimmste Krise der Nachkriegszeit”
Japan steckt bereits doppelt so tief in der Rezession wie Europa. Der zweitgrößten Volkswirtschaft wird vor allem ihre hohe Exportabhängigkeit zum Verhängnis.
Das japanische Arbeitsethos ist legendär, doch erst in der Krise zeigt der Sozialkodex, was wirklich in ihm steckt. “Früher war ich zwölf Stunden im Büro, aber inzwischen sind es eher 14, plus ein paar Sonderschichten am Wochenende”, erzählt ein Angestellter einer Tokioer Beratungsfirma. “Dabei haben wir im Moment fast nichts zu tun.”…
Chinalco plant größte chinesische Auslandsinvestition
In der Krise sinkt die Scheu vor chinesischen Beteiligungen: Der australische Minenkonzern Rio Tinto will 19,5 Milliarden Dollar von einem Staatsbetrieb annehmen.
Chinas staatlicher Rohstoffkonzern Chinalco plant die größte Auslandsinvestition, die ein chinesisches Unternehmen je getätigt hat. Für 19,5 Milliarden Dollar will das Unternehmen Anteile und Minenbeteiligungen des australischen Bergbauriesen Rio Tinto kaufen, verkündeten die beiden Konzerne. Das Geschäft muss noch von Australiens Finanzministerium genehmigt werden und dürfte nicht nur dort zu kontroversen Diskussionen führen…
Der Elektronikriese Panasonic streicht 15.000 Stellen
Die Finanzkrise ist nach Angaben des Elektronikkonzerns Panasonic der Auslöser für ein großes Sparprogramm. Der Konzern schließt 27 Fabriken. Massenentlassungen sind in Japan längst kein Tabu mehr.
Die Finanzkrise zwingt Japans Exportindustrie zu Massenentlassungen. Am Mittwoch war es der Elektronikhersteller Panasonic, der schlechte Neuigkeiten bekanntgeben musste: Weltweit sollen 27 Produktionsstätten geschlossen und damit 15 000 Jobs abgebaut werden, erklärte Vorstandsmitglied Makoto Uenoyama in Osaka. Fünf Prozent der Belegschaft würden damit arbeitslos…
Erklären, beruhigen – notfalls bekämpfen
In China haben 20 Millionen Wanderarbeiter ihre Jobs verloren. Die Regierung bereitet sich auf Unruhen vor.
Krise ist, wenn an Chinas Bahnhöfen nach den Neujahrsferien kein Chaos herrscht. Als sich vor zwei Wochen 240 Millionen Chinesen auf den Weg in ihre Heimat machten, befand sich das Transport systems am Rande des Zusammenbruchs. Zum Ende der Frühlingsferien geht es deutlich entspannter zu. Der Grund: Millionen Wanderarbeiter haben keinen Arbeitsplatz mehr…
Auf Augenhöhe
Chinas Regierung glaubt, dass das Land in der Krise seine Position in der Welt stärken kann. Entsprechend selbstbewusst tritt sie auf.
Wenn Chinas Premier Wen Jiabao in dieser Woche mit einer hochrangigen Minister- und Unternehmerdelegation Europa besucht, und unter anderem auch nach Berlin kommt, dann ist das so, als würde die deutsche Kanzlerin über Weihnachten mit einem Tross von Kabinettsmitgliedern und Dax-Vorständen nach Asien reisen…
Prinz Toyoda wird König Toyota
Toyotas Gründerenkel Akio Toyoda rückt an die Spitze des weltgrößten Autokonzerns – ein ungemütlicher Posten
Beruf, Hobby und Familie sind für Akio Toyoda eins: Alles dreht sich um Autos – und überall strebt der 52-Jährige an die Spitze. Im Juni wird er dort ankommen. Dann soll Toyoda, der 2007 beim 24-Stunden-Rennen in einem von ihm selbst mitentwickelten Toyota Lexus vier Stunden lang über den Nürburgring raste, die Führung des Konzerns übernehmen, den sein Großvater vor 75 Jahren als Ableger der elterlichen Webstuhlfirma gründete und der bis heute in leicht abgewandelter Form den Namen der Familie trägt.
Chinas Ochsentour ins neue Jahr
250 Millionen Chinesen reisen zum traditionellen Neujahrsfest in ihre Heimat. Der Schwarzhandel mit Fahrkarten ist dabei ein Milliardengeschäft.
Das Jahr des Ochsen beginnt für Zhou Xiaofeng mit einer wahren Ochsentour. Sechs Stunden hat sie an diesem Morgen bei Minusgraden am Pekinger Hauptbahnhof angestanden, um ein Ticket in ihr Heimatdorf in der südchinesischen Provinz Zhejiang zu kaufen. Die Fahrt wird eine ganze Nacht dauern, und da Zhou im Zug eng eingezwängt stehen wird, will sie nicht nur ihrem dreijährigen Sohn, sondern auch sich selbst Windeln anlegen.
Asien rückt zusammen
Die Finanzkrise zwingt China, Japan und Südkorea zu Absprachen. Das kann Keimzelle für eine neue Union in Politik und Wirtschaft sein.
Sich mit dem fernen Feind verbünden, um den nahen anzugreifen”, lautet ein chinesisches Sprichwort. Es hätte als Motto stehen können über einem Treffen Mitte Dezember in Tokio. Zum ersten Mal kamen die Regierungschefs von Japan, China und Südkorea zu einem Gipfel zusammen. Was in Europa seit Jahrzehnten üblich ist, war für die ostasiatischen Mächte ein Novum…
Japans stahlharte Landung
Exportkollaps, Produktionseinbruch, Jobabbau: Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt rutscht immer tiefer in die Rezession. Regierung und Opposition suchen in der Krise den schnellen politischen Profit – 2009 wird schließlich gewählt.
Als Toyota-Chef Katsuaki Watanabe vergangene Woche vor die Presse trat, sprach er nicht nur für sein Unternehmen, sondern für das ganze Land. Der Autohersteller gilt seit Jahrzehnten als Symbol der japanischen Wirtschaftskraft, denn er bewältigte alle Krisen der letzten siebzig Jahre, ohne auch nur einmal in die roten Zahlen zu rutschen.
Unzufrieden und stolz darauf
Katsuaki Watanabe, 66, führte Toyota an die Spitze der internationalen Autoindustrie – und von dort in die Krise.
„Mein Charakter neigt zur Aggressivität, und ich mag ihn so“, sagte Katsuaki Watanabe 2005 in einem Interview. Da war der Manager gerade Vorstandsvorsitzender von Toyota geworden und konnte davon ausgehen, dass Japans größter Autokonzern unter seiner Führung zur weltweiten Nummer eins aufsteigen würde. Trotzdem sang Watanabe das Hohelied der Unzufriedenheit.
China braucht Obamas Erfolg
Peking fordert eine schnelle Reform des US-Finanzsystems – und wird dafür womöglich mitbezahlen
“Change” in Washington – darauf hofft auch China. Da der Wirtschaftseinbruch in den USA auch Chinas Wachstum nach unten zieht, fordert Peking von Barack Obama eine schnelle Wiederbelebung der Konjunktur und eine grundlegende Reform des Finanzsystems. Vordergründig decken sich die Erwartungen mit den Vorhaben des neuen Präsidenten, doch im Detail steckt reichlich Konfliktstoff.
“Chinas Entwicklungsmodell hat fundamentale Probleme”
Wirtschaftshistoriker Wu Xiaobo über 30 Jahre chinesische Reformpolitik, fernöstlichen Unternehmergeist und die Lehren aus der Finanzkrise.
Frage: Herr Wu, vor genau dreißig Jahren hat China sich der Marktwirtschaft geöffnet. Pünktlich zum Jubiläum steckt der Kapitalismus in einer tiefen Krise, und die Volksrepublik mitten drin. Schlägt jetzt die Stunde der Planwirtschaftsnostalgiker?
Erfolgskonzern Toyota macht erstmals Verlust
Der erfolgsverwöhnte Autobauer Toyota erwartet im bis Ende März laufenden Geschäftsjahr 2008 zum ersten Mal rote Zahlen. Der Konzern leidet unter einem weltweiten Absatzrückgang und dem starken Yen.
Der japanische Automobilhersteller Toyota erwartet für das laufende Geschäftsjahr 2008 den ersten operativen Verlust in der Unternehmensgeschichte…
Rette sich, wer kann
Die Finanzkrise kostet Millionen chinesischer Arbeiter ihren Job. Pekings Konjunkturprogramm soll sie auffangen, könnte aber manche Probleme noch verschärfen.
Am Ende wählte Shi Hailin die Flucht, was zumindest für seine Sicherheit womöglich die richtige Entscheidung war. Der Besitzer der Keramikfabrik Yekui in der südchinesischen Provinz Guangdong mit der Hauptstadt Guangzhou schuldete seinen Arbeitern zwei Monate Gehalt…