Joe und der Vertrauensstreik
Die internationale Bankenvereinigung IIF warnt in Peking vor überregulierten Finanzmärkten. Am liebsten will die Branche sich weiter selbst kontrollieren.
Eigentlich war die Pressekonferenz für Josef Ackermann nicht schlecht gelaufen. Eine Stunde lang hatte der Deutsche-Bank-Chef zusammen mit den anderen Vorständen des von ihm geführten Branchenverbands IIF (Institute of International Finance) ungestört über die aktuelle Wirtschaftslage und seine Wünsche an die Politik sprechen können. Aber die letzte Frage hätte er wohl besser nicht mehr zugelassen…
Konjunkturelle Tiefebene
Chinas Wirtschaft sendet widersprüchliche Signale. Zwar scheint die Volksrepublik die Talsohle erreicht haben, doch ein Aufschwung ist noch nicht in Sicht.
Keine Wirtschaftsmetapher wird derzeit so häufig verwendet wie die „Talsohle“. Das Bild suggeriert, hinter dem Tiefpunkt werde bald der nächste Anstieg beginnen. Doch Analogien sind keine Gesetzmäßigkeiten, und im Fall Chinas legen die Konjunkturdaten nahe, dass sich die Talsohle auch zur Tiefebene ausdehnen kann…
Toyota sieht rot
Toyota hat den ersten operativen Jahresverlust seiner Geschichte eingefahren. Und der weltgrößte Autobauer befürchtet, dass das Schlimmste noch vor ihm liegt.
Toyota galt jahrzehntelang als krisensicher, doch der aktuelle globale Konjunktureinbruch ist selbst für den japanischen Musterkonzern ein paar Nummern zu groß. Gestern musste Unternehmenschef Katsuaki Watanabe deshalb tun, wozu in der mehr als 70-jährigen Firmengeschichte bisher kein Vorstandsvorsitzender gezwungen war: Er vermeldete einen operativen Jahresverlust…
Alles ohne Abwrackprämie
Die Krise macht China zum Schlachtfeld um die Zukunft der Autoindustrie. Bei der Shanghaier Automesse buhlen die Hersteller um ihren letzten Wachstumsmarkt.
Wer Kevin Wale reden hört, könnte gauben, der Chinachef des US-Autokonzerns General Motors lese keine Zeitung. Während seine Vorgesetzten in Detroit Insolvenzpläne schmieden, müssen, verbreitet Wale auf der anderen Seite des Globus rosige Zukunftsvisionen: Die chinesische Nachfrage nach Buicks und Chevys sei so hoch, dass GM mindestens noch ein neues Werk bauen müsse, glaubt Wale…
Mit PS aus der Krise?
Porsche feiert in Shanghai die Weltpremiere seines „Panamera“. Mit der neuen Baureihe wollen die Zuffenhausener jährlich bis zu 20.000 Autos mehr verkaufen.
Symbole können tückisch sein. Das mussten am Sonntagabend die Marketingstrategen von Porsche erleben: Für die Weltpremiere der neuen Modellreihe Panamera hatten die Zuffenhausener in den 94. Stock des Shanghai World Financial Center geladen. Der Blick über das Lichtermeer der 20-Millionen-Metropole sollte den Gästen Porsches künftiges Wachstumspotential vor Augen führen. Doch ein Unwetter verdarb die Inszenierung und verwandelte den Funkelteppich in einen trüben Sumpf…
Licht am Ende des Tunnels
China verbucht historischen Wirtschaftseinbruch. Doch Pekings Konjunkturpaket zeigt langsam Wirkung.
Die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt sieht sich auf dem Weg der Besserung – auch wenn von Genesung noch keine Rede sein kann. Im ersten Quartal verbuchte China zwar mit 6,1 Prozent das langsamste Wachstum seit dem Beginn der Veröffentlichung von Vierteljahreszahlen im Jahr 1992. Doch obwohl das Land damit nach dem vierten Quartal 2008 (6,3 Prozent) zum zweiten Mal deutlich unter der magischen Acht-Prozent-Markte lag, die Peking als Minimalwachstum für die Sicherung der sozialen Stabilität bezeichnet, glauben Chinas Ökonomen seit einigen Wochen ein Ende der konjunkturellen Talfahrt ausgemacht zu haben…
Chinas unmoralisches Angebot
Peking nutzt die Krise, um mit Investitionen seinen Einfluss auszuweiten. Zu den Profiteuren gehören auch die Diktatoren in Birma.
Als die thailändischen Demonstranten am Wochenende das südostasiatische Gipfeltreffen im Badeort Pattaya platzen ließen, blamierten sie nicht nur ihre eigene Regierung, sondern vermasselten auch Chinas Premierminister einen politischen Coup. Denn eigentlich hatte Pekings Regierungschef Wen Jiabao seinen Amtskollegen ein milliardenschweres Unterstützungsprogramm für die Bewältigung der Wirtschaftskrise ankündigen und sich damit die größte Schlagzeile über die Zusammenkunft sichern wollen…
In Chinas Goldgrube
Kein Land fördert mehr Gold als China. Doch auch in der Volksrepublik bekommen die Goldgräber vom Reichtum nur wenig ab. Ein Besuch in der Minenstadt Zhaoyuan.
Wenn Feng Jinmin seine Visitenkarte verteilt, erntet er ein bewunderndes Nicken. «Die Leute zeigen auf meinen Vornamen und sagen, meine Eltern hätten wohl gewusst, was aus mir werden würde», erzählt der 43-Jährige. «Aber was soll einer mit meinem Namen anderes tun, als in einer Goldmine zu arbeiten?» sagt Feng Jinmin und lacht. «Jin» heisst Gold, «min» klug…
Ungleiche Nachbarn
Japan rutscht tiefer in die Rezession, während China erste Anzeichen einer Wende sieht.
Die Wirtschaftsmächte Ostasiens senden in der Krise unterschiedliche Konjunktursignale. Japan, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, versinkt immer tiefer in der Rezession. China, die Nummer drei der globalen Wirtschaftsrangliste und damit knapp vor Deutschland, sieht dagegen Anzeichen für ein Ende des Abschwungs und mutet sich sogar schon eine Erhöhung der Benzinpreise zu…
China bläst zum Angriff auf den Dollar
Peking fordert globale Leitwährung unter IWF-Aufsicht – und hebt damit einen Kernvorschlag des Uno-Reformkonzepts auf die G20-Agenda.
Bisher bemühte sich China bei internationalen Gipfeltreffen um die Rolle der stillen, freundlichen Riesen, doch kurz vor der Londoner Krisenrunde Anfang April zeigt die Volksrepublik, dass sie nicht nur groß, sondern auch stark ist. Mitten in den letzten Vorbereitungen der G20-Regierungschefs bläst Peking zum Angriff auf den US-Dollar. In einem Essay forderte Zentralbankchef Zhou Xiaochuan, die Weltwirtschaft dürfe nicht länger an der amerikanischen Währung hängen und plädierte stattdessen für die Einführung einer globalen Leitwährung unter Aufsicht des Internationalen Währungsfonds (IWF)…
“China schafft Werte für die Zukunft”
Der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz über einen asiatischen Weg aus der Kreditklemme, eine neue globale Reservewährung, Deutschland als Vorbild und den Spaß an der Jahrhundertkrise.
Hand aufs Herz, Professor Stiglitz: Genießen Sie die Krise?
(Stiglitz lacht laut und lange)…
Für einen Ökonomen ist eine Jahrhundertrezession doch ein Ereignis, das man in seinem Leben einmal mitbekommen möchte.
In gewisser Weise haben Sie schon Recht, intellektuell ist das sehr spannend. Ärzte wollen schließlich auch besondere Krankheiten zu Gesicht bekommen – nicht weil sie sich freuen, dass es Patienten schlecht geht, sondern weil man daran Theorien überprüfen kann…
China bangt und hofft
Gemischte Wirtschaftssignale aus China: Handel bricht dramatisch ein, doch Pekings Konjunkturpaket zeigt allmählich Wirkung.
Chinas Wirtschaft schwankt zwischen Krisenstimmung und der Hoffnung auf baldige Erholung. Bei den jüngsten Konjunkturdaten mischen sich bedrückende und ermunternde Signale. Einerseits ist der Handel der nach Berechnungen Pekings drittgrößten Volkswirtschaft im Februar dramatisch eingebrochen, andererseits scheinen steigende Investitionen darauf hinzuweisen, dass Pekings Konjunkturpaket allmählich Wirkung entfaltet…
Japan ist vorerst keine Exportnation mehr
Handelsbilanz im Januar erstmals seit 13 Jahren negativ. Nikkei fällt auf 26-Jahres-Tief.
Die Finanzkrise hat Japans Handelsbilanz das Vorzeichen umgekehrt: Die große Exportnation ist seit Anfang des Jahres ein Nettoimporteur. Aufgrund der dramatisch gefallenen Nachfrage nach „Made in Japan“ lag der Wert der Einfuhren im Januar erstmals seit 13 Jahren über dem der Ausfuhren…
Rascheln gegen die Krise
Chinas Premier schürt beim Nationalen Volkskongress Optimismus: Auch im Krisenjahr 2009 erwartet die Regierung ein Wirtschaftswachstum von acht Prozent.
Sitzen bleiben, still sein, mitlesen und Notizen machen – so lautete die Anweisung, die Chinas Führung ihren 3000 Parlamentariern am Donnerstag mit auf den Weg in Pekings Große Halle des Volkes gegeben hatte. Im Krisenjahr soll der Nationale Volkskongress, Chinas Kulissenlegislative, einen besonders fleißigen Eindruck machen…
Clinton gibt in Peking die Realpolitikerin
Wirtschaft und Klimaschutz dominieren ersten Chinabesuch der neuen US-Außenministerin. Menschenrechte sollen die Beziehung nicht mehr belasten.
US-Aussenministerin Hillary Clinton hat in Peking für einen neuen Pragmatismus in den amerikanisch-chinesischen Beziehungen plädiert. Bei ihrem Antrittsbesuch rückte sie die gemeinsame Bewältigung der Wirtschaftskrise sowie Fortschritte im Klimaschutz in den Vordergrund. Meinungsverschiedenheiten bei den Menschenrechten, der Tibetfrage oder im Taiwan-Konflikt sollen das Verhältnis künftig nicht mehr belasten…