Tritt auf die Kreditbremse
Peking zieht in der Geldpolitik die Zügel an und schaltet vom Krisenmodus zurück in den Kampf gegen eine Überhitzung der Konjunktur.
Als im Herbst 2008 die Finanzkrise über die Welt hineinbrach, befand sich China mitten im Dauerkampf gegen die Überhitzung der Konjunktur. 16 Monate und einen globalen Jahrhunderteinbruch später machen Pekings Wirtschaftslenker nun dort weiter, wo sie aufgehört haben…
China wächst – aber wohin?
Chinesisches BIP legte 2009 um 8,7 Prozent zu. Doch ein Teil der staatlichen Konjunkturspritzen fließt in neue Spekulationsblasen.
James Chanos lebt davon, gegen den Trend zu denken. Vor neun Jahren hat der amerikanische Hedgefonds-Manager ein Vermögen verdient, als er zum richtigen Zeitpunkt auf einen Kursverfall der Aktie des Energiekonzerns Enron wettete. Seitdem wird seinen Prognosen in Investorenkreisen Gewicht beigemessen, weshalb es für ein gewisses Aufsehen sorgte, als Chanos kürzlich über den Absturz der chinesischen Wirtschaft orakelte. Der Immobilienmarkt sei völlig überhitzt, sagt Chanos, und die Volksrepublik sei deshalb “wie Dubai mal tausend – oder schlimmer”…
Die Knoblauchblase
Knoblauch ist in China zum heißen Spekulationsobjekt geworden – dank Finanzkrise und Schweinegrippe.
Frau Wens Imbiss am Tuanjiehu, dem “Solidaritäts-Teich” in der Pekinger Oststadt, ist eine beliebte Adresse für rustikale Hausmannskost. Nachbarn, die selbst keine Zeit zum Kochen haben, können sich dort für wenig Geld den Magen füllen. Auf den Tischen stehen verschmierte Töpfe mit Koriander und Chili, Sojasoße und Essig. Bis vor kurzem gehörten auch gestampfter Knoblauch und eingelegte Zehen zum Selbstbedienungssortiment. Aber die gibt es inzwischen nur noch auf Nachfrage und in kleinen Mengen…
Gekühlte Geldströme
Asiens Regierungen wollen mit Kapitalverkehrskontrollen den Zufluss von „hot money“ eindämmen. Denn die wirtschaftliche Erholung gibt auch neuen Blasen Nahrung.
Geld ist nicht gleich Geld – schon gar nicht nach der großen Kapitalvernichtung der Finanzkrise. Denn mit der Stabilisierung der Weltwirtschaft geht auch die Entstehung von sogenanntem “hot money” einher, hochspekulativen Anlagen, die derzeit unter anderem mit Wetten auf staatliche Konjunkturbemühungen hohe Gewinne erzielen und so neuen Blasen Nahrung geben…
Teurer Triumph
Am 15. September 2008 bricht die US-Investmentbank Lehman Brothers zusammen. Ein Jahr später ruhen die Hoffnungen auf China als globaler Konjunkturmotor.
Kann China den Rest der Welt aus der Krise ziehen? Seitdem die Volksrepublik als erste große Wirtschaftsmacht wieder auf Wachstumskurs eingeschwenkt ist, sind die Erwartungen gewaltig – und die Ängste. Denn das fernöstliche Land gilt vielen als einziger Gewinner des globalen Finanzmarktkollaps und des anschließenden Konjunktureinbruchs…
China greift den Dollar an
Regierung erarbeitet Pläne, um Yuan als Währung für den Welthandel zu etablieren.
China verschärft seine Angriffe auf die Vorherrschaft des US-Dollars: Eine Regierungskommission erarbeitet derzeit Konzepte, wie der Yuan als Währung für den Welthandel durchgesetzt werden kann. Einem Bericht der in Hongkong erscheinenden South China Morning Post zufolge wird die Taskforce von Vizepremier Wang Qishan und dem stellvertretenden Zentralbankgouverneur Hu Xiaolian geleitet…
Verkohlte Aktien
Chinas Leitindex ist im August um 20 Prozent gefallen. Doch was an der Wallstreet Panik auslösen würde, macht die Chinesen nur leicht nervös.
Chinesen sehen das Börsengeschehen seit jeher sportlich. „Chao gupiao“ nennen sie ihre Aktiengeschäfte, was wörtlich „Wertpapiere braten“ heißt. Das Vorbild ist die Wok-Küche: Zutaten ins heiße Fett werfen, kurz wenden – fertig. Dass dabei gelegentlich etwas anbrennt, gilt als lästig, aber unvermeidlich. Nun sind in China wieder einmal die Aktien verkohlt…
Kommando zurück
Durch die Finanzkrise verloren Millionen chinesischer Wanderarbeiter plötzlich ihren Job. Nun sollen sie ebenso plötzlich in die Fabriken zurückkehren.
Zhang Quanshou sucht wieder Angestellte. “Kommt zurück: Im Perlflussdelta mangelt es an Wanderarbeitern”, lauteten die Schlagzeilen, mit denen die Zeitungen kürzlich über die jüngste Geschäftsreise von Chinas berühmtestem Jobvermittler berichteten. “Vor vier Monaten gab es keine Jobs, jetzt gibt es keine Arbeiter”, erklärt der als “Wanderarbeiterkommandant” bekannte Zhang…
Chinas Geld soll teurer werden
Chinas Wirtschaft wächst wieder – dank hoher Staatsausgaben. Doch nun ist über das weitere Vorgehen ein Richtungsstreit ausgebrochen.
Peking. Chinas Kampf gegen die Finanzkrise gilt als Erfolgsmodell: Dank gewaltiger Staatsausgaben scheint sich die Volksrepublik als erstes großes Land wieder auf Wachstumskurs zu befinden. Doch über das weitere Vorgehen ist nun ein Richtungsstreit ausgebrochen: Soll die Regierung ihre Unternehmen weiterhin mit billigem Geld unterstützen oder ist es nun an der Zeit, die Kreditschraube wieder anzuziehen?…
China boomt mit Flower-Power
Chinas Wirtschaft wächst im zweiten Quartal um 7,9 Prozent – und stellt das Land erneut vor die Frage, ob jedes Wachstums gutes Wachstum ist.
Die Zeichen der wirtschaftlichen Erholung kann man in China am Straßenrand pflücken. Tausende Kilometer Blumenrabatten legten Arbeitertrupps in den vergangenen Monaten entlang den Verkehrsadern an. Von den Innenstädten pflanzten sie sich allmählich ins Umland, und inzwischen blühen selbst an wenig befahrenen Bergstraßen Stiefmütterchen und Bouganvillen. Die Begrünungskommandos sind Teil des umgerechnet 460 Milliarden Euro schweren Konjunkturprogramms, mit dem die Regierung ihr Volk beschäftigt hält, während in den Fabriken Flaute herrscht…
Der Fluch der vielen Dollars
China besitzt Währungsreserven von 2,13 Billionen Dollar – und weiß nicht, wohin mit dem Geld.
Es ist das Jahr der großen Zahlen – und in China sind es nicht die Schulden, die auf Rekordniveau steigen, sondern die Ersparnisse. Zum ersten Mal weisen die Chinesen mehr als zwei Billionen Dollar Devisenreserven aus, erklärte die Zentralbank gestern. Im ersten Halbjahr stiegen sie um 185,6 Milliarden Dollar auf 2,13 Billionen Dollar (1,52 Billionen Euro) und sind damit mit weitem Abstand die größten der Welt. Die Summe entspricht in etwa zwei Drittel der chinesischen oder deutschen Wirtschaftsjahresleistung…
China wächst – und zwar am liebsten allein
Weltbank traut China 2009 ein Wachstum von 7,2 Prozent. Doch die Erholung ist teilweise mit Protektionismus erkauft – und deshalb womöglich nicht nachhaltig.
China ist wieder auf Wachstumskurs – und versucht die wirtschaftliche Erholung mit protektionistischen Maßnahmen im eigenen Land zu halten. Bei der Vorstellung ihres Quartalsberichts für die drittgrößte Volkswirtschaft hob die Weltbank am Donnerstag ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr auf 7,2 Prozent. Gleichzeitig kritisierte sie jedoch Berichte, wonach die Pekinger Zentralregierung untere Verwaltungsebenen aufgefordert haben soll, bei öffentlichen Aufträgen chinesische Produkte und Dienstleistungen zu bevorzugen…
Buntes Bild
Chinas Industrieproduktion legt zu, doch der Handel bricht ein. Belastet wird Chinas Exportindustrie auch vom Kollaps des Einzelhandelskonzerns Arcandor.
Die chinesische Wirtschaft bietet derzeit ein „buntes Bild“. So beschreibt Liu Mingkang, Chinas oberster Bankenregulator und einer der einflussreichsten Pekinger Konjunktursteuerer, die jüngsten Entwicklungen in der drittgrößten Volkswirtschaft. Im Mai zogen die Industrieproduktion und die Investitionen überraschend stark an, während gleichzeitig der Handel ebenso überraschend stark einbrach…
Joe und der Vertrauensstreik
Die internationale Bankenvereinigung IIF warnt in Peking vor überregulierten Finanzmärkten. Am liebsten will die Branche sich weiter selbst kontrollieren.
Eigentlich war die Pressekonferenz für Josef Ackermann nicht schlecht gelaufen. Eine Stunde lang hatte der Deutsche-Bank-Chef zusammen mit den anderen Vorständen des von ihm geführten Branchenverbands IIF (Institute of International Finance) ungestört über die aktuelle Wirtschaftslage und seine Wünsche an die Politik sprechen können. Aber die letzte Frage hätte er wohl besser nicht mehr zugelassen…
Konjunkturelle Tiefebene
Chinas Wirtschaft sendet widersprüchliche Signale. Zwar scheint die Volksrepublik die Talsohle erreicht haben, doch ein Aufschwung ist noch nicht in Sicht.
Keine Wirtschaftsmetapher wird derzeit so häufig verwendet wie die „Talsohle“. Das Bild suggeriert, hinter dem Tiefpunkt werde bald der nächste Anstieg beginnen. Doch Analogien sind keine Gesetzmäßigkeiten, und im Fall Chinas legen die Konjunkturdaten nahe, dass sich die Talsohle auch zur Tiefebene ausdehnen kann…