Weiche Worte, harte Haltung
China schickt erstmals seinen Außenminister zur Münchner Sicherheitskonferenz.
Diplomaten und Offiziere sind meist Menschen mit Manieren. So werden sie höflich applaudieren, wenn Chinas Außenminister Yang Jiechi heute die Auftaktrede der Münchner Sicherheitskonferenz hält – auch wenn viele Zuhörer die Volksrepublik bei zentralen globalen Konflikten bislang eher als Teil des Problems als der Lösung sehen…
Chuzpe statt Change
Chimerica muss warten: Peking will keinen Schulterschluss mit Washington – und beschert Obama eine der größten Pleiten seines ersten Präsidentschaftsjahres.
„No, you can’t“ – das ist die Botschaft, die Barack Obama kurz vor Ende seines ersten Präsidentschaftsjahres aus China erhalten hat. Bei den Klimaschutzverhandlungen in Kopenhagen bescherte Peking dem international gefeierten Politsuperstar eine seiner schmerzlichsten Pleiten: Nicht nur verweigerte Chinas Premier Wen Jiabao Obama den erhofften Minimalkompromiss und zeigte dem sogenannten „mächtigsten Mann der Welt“ die engen Grenzen seines Handlungsspielraums auf…
Gipfel der Selbstbewussten
Guido Westerwelle spricht in Peking über Menschenrechte und Internetfreiheit. Doch China reagiert auf klare Worte auch diesmal mit verbalen Ausweichmanövern.
So unterschiedlich kann Selbstbewusstsein aussehen: Guido Westerwelle, Deutschlands Außenminister auf Antrittsreise, gibt sich im Pekinger Staatsgästehaus Diaoyutai besonders aufmerksam. Fast übereifrig sucht er Blickkontakt zu seinem Amtskollegen Yang Jiechi. Chinas Chefdiplomat zeigt wenig Interesse an den Annäherungsversuchen. Lustlos rezitiert er seine vorbereiteten Statements. Doch gerade Yangs Desinteresse strotzt vor Selbstvertrauen: Wer so mächtig ist wie China, braucht seine Bedeutung nicht zu zeigen…
Maulkorb für Journalisten
Wie Pekings Protokoll bei Staatsbesuchen heikle Fragen verhindert.
Wenn der neue Außenminister Guido Westerwelle am Freitag zu seinem Antrittsbesuch in der chinesischen Hauptstadt eintrifft, bekommt er es gleich mit den Besonderheiten des chinesischen Protokolls zu tun. Der FDP-Politiker darf zwar nach dem Gespräch mit seinem Amtskollegen Yang Jiechi gemeinsam mit ihm vor die Presse treten – doch Fragen von Journalisten haben sich die Machthaber in Peking verbeten…
Neue Tonart, altes Lied
Barack Obama will in Peking das Vertrauen in die USA wiederherstellen. Dabei versucht China selbst, sich als Leitmacht zu etablieren.
“Gehe kein Bündnis ein, solange du nicht die Motive deines Nachbarn kennst”, schrieb vor 2500 Jahren der chinesische Stratege Sunzi in seiner “Kunst des Krieges”. Wie viele Lehrsätze des berühmten Militärphilosophen ist auch dieser gleichermaßen banal wie genial. Wer wäre so verrückt, sich mit einem undurchschaubaren Partner zu verbünden, mag man fragen – nur um dann zu erkennen, dass derartige Allianzen die normalste Sache der Welt sind…
Clinton gibt in Peking die Realpolitikerin
Wirtschaft und Klimaschutz dominieren ersten Chinabesuch der neuen US-Außenministerin. Menschenrechte sollen die Beziehung nicht mehr belasten.
US-Aussenministerin Hillary Clinton hat in Peking für einen neuen Pragmatismus in den amerikanisch-chinesischen Beziehungen plädiert. Bei ihrem Antrittsbesuch rückte sie die gemeinsame Bewältigung der Wirtschaftskrise sowie Fortschritte im Klimaschutz in den Vordergrund. Meinungsverschiedenheiten bei den Menschenrechten, der Tibetfrage oder im Taiwan-Konflikt sollen das Verhältnis künftig nicht mehr belasten…
China spielt den Anwalt der Dritten Welt
Die Volksrepublik China will die Führungsmacht der Entwicklungsländer werden. Noch setzt Peking im Umgang mit dem Westen auf eine zurückhaltende Diplomatie.
Chinas Präsident Hu Jintao ist beim G-20-Gipfel in Washington die heimliche Hauptperson. Kein Land verkörpert besser, wie sehr die Globalisierung die Welt schon verändert hat, und keine Regierung hat derzeit eine klarere Vorstellung davon, wo in der Krise ihre sprichwörtliche Chance liegen könnte…