Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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Japans Firmen büßen für Inselstreit

Boykott in China: Absatz von Toyota und Mazda bricht nach politischen Spannungen ein.

Im Lexus-Autohaus an Pekings nördlicher Ausfallstraße herrscht gähnende Leere. Obwohl die Chinesen diese Woche Nationalferien haben und die Besichtigung von Neuwagen für wohlhabende Hauptstädter eine beliebte Freizeitbeschäftigung ist, zeigen sie an den japanischen Luxuskarossen aus dem Hause Toyota nur wenig Interesse. „Die Politik macht uns das Geschäft kaputt“, sagt ein sichtlich frustrierter Händler. „Niemand will derzeit mit einem japanischen Auto gesehen werden.“…

Bernhard Bartsch | 06. Oktober 2012 um 14:42 Uhr

 

Spitze Steine im chinesischen Meer

Der Streit um eine Inselgruppe im Ostchinesischen Meer führt zu Demonstrationen. Angst vor wirtschaftlichen Einbußen soll Tokio zum Einlenken zwingen.

Das Sushi-Restaurant Kurazen hat geschlossen. Über dem Eingang hat der Besitzer eine chinesische Flagge aufgehängt und darunter ein rotes Banner mit der Aufschrift: „Die Diaoyu-Inseln gehören China“. So will er offensichtlich verhindern, dass die Demonstranten, die eine Straße weiter vor Pekings japanischer Botschaft protestieren, ihre Wut auch gegen sein Lokal richten. Für den dritten Tag in Folge belagern am Sonntag Hunderte Chinesen die japanische Gesandtschaft, um im Streit um die von beiden Ländern beanspruchte Inselgruppe Druck auszuüben. Die Polizei hat einen ganzen Straßenzug abgesperrt, auf dem die Demonstranten mit ihren Transparenten auf- und abmarschieren…

Bernhard Bartsch | 17. September 2012 um 03:00 Uhr

 

Politisches Speeddating

Deutschland und China üben mit einer gemeinsamen Kabinettssitzung den Schulterschluss. Trotzdem ist das Verhältnis schwierig.

Zum Nachtisch gibt es „Tomatensaft mit Sahne“. So steht es auf dem Menü, das die Köche in Pekings Großer Halle des Volkes für die Teilnehmer der zweiten deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen zusammengestellt haben. Tomatensaft mit Sahne? Das klingt nach einem kulinarischen Missverständnis, entstanden bei dem Versuch, ein Dessert zu servieren, das Deutschen und Chinesen gleichermaßen schmeckt. Die Küchendiplomatie passt gut zu dem politischen Potpourri, mit dem Berlin und Peking am Donnerstag ihre Partnerschaft zu untermauern versuchen…

Bernhard Bartsch | 31. August 2012 um 13:28 Uhr

 

Großes Welttheater

Deutschland und China demonstrieren zelebrieren ihr Sonderverhältnis. Schön und gut. Aber protokollarischer Pomp ist kein Ersatz für klare Positionen.

In einer Partnerschaft muss man Zugeständnisse machen. Das gilt im Privaten wie in der Diplomatie. Angela Merkel hat deshalb für ihren chinesischen Amtskollegen Wen Jiabao den Terminkalender der Berliner Politik durcheinandergeworfen. Ausgerechnet zum Beginn des heißen Herbstes, der letzten Chance der schwarz-gelben Koalition, noch ein paar vorzeigbare Erfolge für die Bundestagswahl zu schaffen, macht das Kabinett erst einmal einen Betriebsausflug. Mit sieben ihrer 15 Minister reist Merkel nach Peking zu einer zweiten Runde der deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen…

Bernhard Bartsch | 30. August 2012 um 13:30 Uhr

 

Keine Zeit für Herrn Mo

Kanzlerin Merkel reist zu deutsch-chinesischen Konsultationen nach China – kurz bevor dort die Führungselite abtritt. Im Vordergrund stehen Wirtschaftsthemen.

Mo Shaoping ist diesmal von Kanzlerin Angela Merkel gar nicht erst eingeladen worden. Ihren letzten Versuch, den Anwalt des inhaftierten Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo zu treffen, dürfte sie in schlechter Erinnerung haben. Die Harmonie der deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen, zu denen Merkel mit einer große Delegation am Mittwoch aufbricht, soll nicht gestört werden. Anfang Februar war die Kanzlerin noch anders gestimmt. Da hatte sie den 54-jährigen Bürgerrechtler Mo am Rande ihres Pekingbesuchs zu einem vertraulichen Gespräch in die deutsche Botschaft bitten lassen…

Bernhard Bartsch | 29. August 2012 um 13:32 Uhr

 

Chinakorrespondenten bitten Merkel um Hilfe

Deutsche Pressevertreter fordern von Bundeskanzlerin Einsatz für Pressefreiheit in China. Repressionen gegen internationale Journalisten nehmen zu.

Weltoffen, modern und rechtsstaatlich– so möchte China im Ausland wahrgenommen werden. Doch die Wahrheit sieht häufig düsterer aus, und auch internationale Journalisten, von denen sich Peking eigentlich die Vermittlung eines positiven Chinabildes erhofft, werden regelmäßig Opfer von Repressalien. Deutsche Chinakorrespondenten haben Bundeskanzlerin Angela Merkel nun in einem offenen Brief aufgefordert, sich bei ihrem chinesischen Amtskollegen Wen Jiabao für mehr Pressefreiheit einzusetzen. Merkel wird am Mittwoch zusammen mit einem großen Teil ihres Kabinetts zu den zweiten deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen nach Peking reisen…

Bernhard Bartsch | 27. August 2012 um 03:23 Uhr

 

China probt Vermittlerrolle

Peking empfängt syrische Gesandte und sucht Kontakte zur Opposition.

Im Syrienkonflikt richtet sich die Aufmerksamkeit wieder einmal auf China, das sich als eines der letzten einflussreichen Länder noch nicht von Präsident Baschar al-Assad abgewandt hat. Am Dienstag reiste eine Beraterin Assads, Buthaina Schaaban, nach Peking, um sich mit Außenminister Yang Jiechi zu treffen. Über den genauen Zeitpunkt und Inhalt der Gespräche wurde zunächst nichts bekannt. Allerdings erklärte China am Vorabend von Schaabans Ankunft, dass man in naher Zukunft auch erneut Vertreter der syrischen Opposition einzuladen gedenke…

Bernhard Bartsch | 14. August 2012 um 09:46 Uhr

 

Opportunistische Großmacht

Strategie China sieht seine Rolle zunehmend als Gegenspieler des Westens.

Es ist das rituelle Klagelied der transatlantischen Beziehungen: die Amerikaner, beschweren sich die Europäer, interessieren sich nicht mehr so recht für den Alten Kontinent, sondern schenken ihre Aufmerksamkeit zunehmend dem pazifischen Raum. Dabei richten die europäischen Regierungen ihre Augen nicht weniger nach Asien – allen voran Deutschland, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel mit ihrem jüngsten Chinabesuch erneut demonstriert…

Bernhard Bartsch | 04. Februar 2012 um 03:46 Uhr

 

Miss Europa

Angela Merkel reist nach China, doch ihre Gastgeber interessieren sich weniger für die deutsche Kanzlerin als für die europäische Chefsaniererin.

Die Chinesische Akademie für Sozialwissenschaften ist beileibe kein Repräsentationsbau. Der staatliche Thinktank, der landesweit über 3000 Forscher beschäftigt, firmiert in einer angegrauten Büroburg mit niedrigen Decken, dunklen Korridoren und muffigem Interieur. Mag Chinas Weltmachtehrgeiz auch noch so bunte Blüten treiben – seinen Vordenkern verordnet das System demonstrative Bodenständigkeit. Die glanzlose Denkerschmiede ist die erste Station, die Angela Merkel am Donnerstag bei ihrem fünften Chinabesuch als Kanzlerin ansteuert, und ihre Gesprächspartner machen ihr schnell deutlich, welche Erwartungen man in der Volksrepublik an sie hat…

Bernhard Bartsch | 02. Februar 2012 um 17:56 Uhr

 

Partnerschaft mit Vorbehalten

Bei ihrem Besuch in China hat Angela Merkal auch unangenehme Themen auf der Agenda. Ob Menschenrechte oder Außenpolitik – China ist ein schwieriger Partner.

Bundeskanzlerin Angela Merkel reist nach China. Am Donnerstag trifft sie zu politischen Gesprächen in Peking ein und reist am Freitag weiter in die südchinesische Metropole Guangzhou, wo vor allem wirtschaftliche Fragen auf dem Programm stehen. Offiziell bezeichnen Deutschland und China einander als Partner. Im Juni 2011 hielten die beiden Regierungen in Berlin erstmals eine gemeinsame Kabinettssitzung ab – ein Symbol für die guten Beziehungen. Doch in Wirklichkeit ist das Verhältnis kompliziert…

Bernhard Bartsch | 02. Februar 2012 um 01:36 Uhr

 

Chinesischer Spagat

Nach dem Attentatsversuch wollen die USA den Druck auf den Iran erhöhen. Das geht nur mit chinesischer Unterstützung – doch Peking spielt sein eigenes Spiel.

Was haben alle Rüpelregime dieser Welt gemeinsam, Iran und Nordkorea, Pakistan und Burma, Syrien und Sudan? Die Antwort: Alle pflegen beste Kontakte nach China. Die Volksrepublik nutzt regelmäßig ihren politischen Einfluss als Vetomacht im Uno-Sicherheitsrat, um ihre Verbündeten vor harten Sanktionen und internationaler Isolation zu bewahren. Auch beim Ringen um eine Reaktion auf die angeblich in Teheran geplanten Anschläge in den USA spielt Peking deshalb eine Schlüsselrolle…

Bernhard Bartsch | 13. Oktober 2011 um 12:47 Uhr

 

Die chinesische Herausforderung

Chinas Aufstieg stellt die Vormachtstellung des Westens in Frage. Doch wie stark die Chinesen künftig unser Leben beeinflussen können, liegt vor allem an uns selbst.

Im Winter 1907 erhielt der britische Außenminister Edward Grey zwei Strategiepapiere für den Umgang mit dem erstarkenden Deutschland. Das eine warnte vor den deutschen Großmachtambitionen, das andere setzte auf gutnachbarschaftliche Beziehungen. Die gegensätzlichen Standpunkte wurden einige Monate lang diskutiert und dann beide als „geheim“ abgeheftet. Sieben Jahre später brach der erste Weltkrieg aus. Der englische Strategiestreit steht als Lehrstück am Ende des neuen Buches des ehemaligen US-Außenministers Henry Kissinger, das die Welt auf die Umwälzungen im globalen Mächtegleichgewicht einschwören soll und folgerichtig den Titel „China“ trägt…

Bernhard Bartsch | 27. Juni 2011 um 02:35 Uhr

 

„Chinas Unruhepotential ist nicht zu unterschätzen“

Politikwissenschaftler Zheng Yongnian über Chinas Repressionen, Pekings außenpolitischen Kollisionskurs und die Sinnlosigkeit von Konfuzius-Instituten.

Bernhard Bartsch: Professor Zheng, China geht derzeit so hart gegen Regimekritiker vor wie seit vielen Jahren nicht mehr. Der Künstler Ai Weiwei ist seit über einem Monat verschwunden, hunderte unangepasste Intellektuelle wurden verschleppt oder bedroht. Was steckt hinter dieser Kampagne?

Zheng Yongnian: Die Volksaufstände in Nordafrika und im Nahen Osten schüren in der Kommunistischen Partei Ängste, dass es auch in China zu Unruhen kommen könnte. In der Regierung sind die Erinnerungen an die Studentenproteste von 1989, gegen die sie sich nur mit brutaler Gewalt zu wehren wusste, noch präsent genug, dass der Parteispitze diesmal jedes Mittel recht ist, um eine neue Demokratiebewegung zu verhindern…

Bernhard Bartsch | 17. Mai 2011 um 06:20 Uhr

 

Kim der Zahme

Nordkoreas Diktator signalisiert dem ehemaligen US-Präsidenten Carter Gesprächsbereitschaft.

Im Streit um Nordkoreas umstrittenes Atomwaffenprogramm hat Pjöngjang die Bereitschaft zu Verhandlungen signalisiert – ohne damit jedoch auch den Willen zu politischen Zugeständnissen zu verbinden. Wie der frühere US-Präsident Jimmy Carter nach einer Reise in das isolierte Land erklärte, habe Diktator Kim Jong Il ihm eine Botschaft an die Regierung Südkoreas mitgeben lassen…

Bernhard Bartsch | 28. April 2011 um 08:02 Uhr

 

Von Aufklärung keine Spur

Die „Kunst der Aufklärung“ im Pekinger Nationalmuseum sollte ein Zeichen deutsch-chinesischer Freundschaft werden. Nun ist sie ein diplomatischer Problemfall.

Wer aufgeklärt werden will, muss Zeit mitbringen. Anderthalb Stunden stehen die Besucher an diesem Morgen Schlange, um in Pekings Nationalmuseum zu gelangen. Beim Warten können sie über den Platz des Himmlischen Friedens schauen. Am Eingang herrschen Sicherheitsvorkehrungen wie am Flughafen. Der Eintritt ist kostenlos. Die Ausstellung, deretwegen die Massen anstehen, ist keineswegs die „Kunst der Aufklärung“…

Bernhard Bartsch | 20. April 2011 um 09:01 Uhr