Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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Opportunistische Großmacht

Strategie China sieht seine Rolle zunehmend als Gegenspieler des Westens.

Es ist das rituelle Klagelied der transatlantischen Beziehungen: die Amerikaner, beschweren sich die Europäer, interessieren sich nicht mehr so recht für den Alten Kontinent, sondern schenken ihre Aufmerksamkeit zunehmend dem pazifischen Raum. Dabei richten die europäischen Regierungen ihre Augen nicht weniger nach Asien – allen voran Deutschland, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel mit ihrem jüngsten Chinabesuch erneut demonstriert…

Bernhard Bartsch | 04. Februar 2012 um 03:46 Uhr

 

China zensiert Merkels Termine

China verhindert ein Treffen mit dem Anwalt von Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo – und demonstriert damit das Ausmaß seiner Menschenrechtsprobleme.

Es sollte ein vertrauliches Gespräch werden, geführt in kleinster Runde in einem abhörsicheren Raum der deutschen Botschaft in Peking. Von einem der mutigsten chinesischen Anwälte und einem der kritischsten Journalisten will Bundeskanzlerin Angela Merkel sich am späten Donnerstagabend erklären lassen, wie es in China um die Menschenrechte steht. Wenige Stunden zuvor hat ihr Premierminister Wen Jiabao versichert, dass die Situation immer besser werde: Noch nie hätten die Chinesen mehr Wohlstand, höhere Bildung und größere Rechtssicherheit genossen. Passt das zusammen mit Nachrichten über eine verschärfte Verfolgung von Kritikern, rigide Zensur der Medien und brutale Unterdrückung von Protesten?…

Bernhard Bartsch | 03. Februar 2012 um 15:42 Uhr

 

Miss Europa

Angela Merkel reist nach China, doch ihre Gastgeber interessieren sich weniger für die deutsche Kanzlerin als für die europäische Chefsaniererin.

Die Chinesische Akademie für Sozialwissenschaften ist beileibe kein Repräsentationsbau. Der staatliche Thinktank, der landesweit über 3000 Forscher beschäftigt, firmiert in einer angegrauten Büroburg mit niedrigen Decken, dunklen Korridoren und muffigem Interieur. Mag Chinas Weltmachtehrgeiz auch noch so bunte Blüten treiben – seinen Vordenkern verordnet das System demonstrative Bodenständigkeit. Die glanzlose Denkerschmiede ist die erste Station, die Angela Merkel am Donnerstag bei ihrem fünften Chinabesuch als Kanzlerin ansteuert, und ihre Gesprächspartner machen ihr schnell deutlich, welche Erwartungen man in der Volksrepublik an sie hat…

Bernhard Bartsch | 02. Februar 2012 um 17:56 Uhr

 

Partnerschaft mit Vorbehalten

Bei ihrem Besuch in China hat Angela Merkal auch unangenehme Themen auf der Agenda. Ob Menschenrechte oder Außenpolitik – China ist ein schwieriger Partner.

Bundeskanzlerin Angela Merkel reist nach China. Am Donnerstag trifft sie zu politischen Gesprächen in Peking ein und reist am Freitag weiter in die südchinesische Metropole Guangzhou, wo vor allem wirtschaftliche Fragen auf dem Programm stehen. Offiziell bezeichnen Deutschland und China einander als Partner. Im Juni 2011 hielten die beiden Regierungen in Berlin erstmals eine gemeinsame Kabinettssitzung ab – ein Symbol für die guten Beziehungen. Doch in Wirklichkeit ist das Verhältnis kompliziert…

Bernhard Bartsch | 02. Februar 2012 um 01:36 Uhr

 

Die Bauern stören nur

Für eine chinesisch-deutsche Musterstadt bei Qingdao sollen 14 Dörfer umgesiedelt werden. Deren Bewohner hoffen auf Merkels Hilfe.

„Treibt den Bau des chinesisch-deutschen Ökoparks zügig voran“, steht auf dem Schild am Eingang von Shanwangxi, einem Dorf nahe der chinesischen Hafenstadt Qingdao. „Vorantreiben“ heißt für die Bewohner genau genommen: ihre Heimat aufgeben. Denn Shanwangxi ist eine von 14 Ortschaften, die einer Vision chinesischer und deutscher Wirtschaftspolitiker weichen sollen. Wo heute kleine Gehöfte stehen, soll in den kommenden Jahren eine zehn Quadratkilometer große Musterstadt für umweltfreundliche Lebensweise und zukunftsträchtige Industrien gebaut werden. Es ist das ehrgeizigste Kooperationsprojekt in der Geschichte der deutsch-chinesischen Beziehungen. Und die Bauern der Region erscheinen den Planern dabei offenbar als lästiges Hindernis, das es möglichst schnell und diskret aus dem Weg zu räumen gilt…

Bernhard Bartsch | 01. Februar 2012 um 09:47 Uhr

 

“Europa hat die japanische Krankheit”

Ökonom Richard Koo über das Wesen der Schuldenkrise, die Rettung des Euro und deutsche Luxusprobleme.

Bernhard Bartsch: Herr Koo, Europas Regierungschefs suchen einen Ausweg aus der Eurokrise. Können die Rettungspläne die Probleme lösen, oder verschlimmern sie die Lage nur?

Richard Koo: Ich fürchte, dass sich in Europa viele nicht bewusst sind, mit welchen Problemen sie es eigentlich genau zu tun haben. Dabei ist die Antwort meiner Meinung nach klar: Europa und auch die USA haben sich die japanische Krankheit eingefangen.

Japan hat nach dem großen Einbruch von Anfang der 1990er nie wieder zu seiner alten Dynamik zurückgefunden. Droht jetzt auch Europa ein “verlorenes Jahrzehnt”?…

Bernhard Bartsch | 10. Dezember 2011 um 03:56 Uhr

 

Grüner Werbegag

China und Deutschland planen einen Öko-Park. Aber was daran „öko“ sein soll, ist noch unklar und der Nutzen höchst zweifelhaft.

Öko zieht immer, mag sich Chinas Wirtschaftsminister Chen Deming gedacht haben, als er seinem deutschen Amtskollegen Rainer Brüderle (FDP) vor zwei Jahren die Gründung eines gemeinsamen Umweltparks vorschlug. China hat gewaltige ökologische Probleme und Deutschland moderne Umwelttechnologie – wie sollte ein Kooperationsprojekt da keine Win-win-Lösung sein? Brüderle gefiel die Idee, und die beiden Minister gaben ihren Beamten Marschbefehle…

Bernhard Bartsch | 06. Dezember 2011 um 12:20 Uhr

 

Galaktische Immobilie

China arbeitet am Aufbau einer eigenen Weltraumstation – und hat zum ersten Mal einen deutschen Satelliten ins All befördert.

China liebt Prestigeprojekte und baut sich nun auch im All eine Vorzeige-Immobilie. Das chinesische Raumschiff „Shenzhou 8“ transportierte das zweite Modul für Chinas geplante Weltraumstation „Tiangong“ („Himmelspalast“) in den Orbit. Sollte es gelingen, die Komponente erfolgreich an ein Erstes, Ende September in die Erdumlaufbahn geschossenes Teil anzudocken, hätte die Volksrepublik eine Schlüsseltechnik zum Aufbau einer eigenen bemannten Allstation gemeistert…

Bernhard Bartsch | 02. November 2011 um 07:55 Uhr

 

Seltene Erden – jetzt noch seltener

Die Welt braucht sie, China hat sie: Seltene Erden, benötigt für den Bau von Smartphones, Elektromotoren oder Windrädern. Nun drosselt Peking die Produktion.

Was wäre wohl los, wenn die Opec-Staaten morgen bekannt gäben, dass sie die Ölförderung für einen Monat aussetzen, um damit den Preis in die Höhe zu treiben? Die Folgen wären wohl kaum weniger dramatisch als die der beiden Ölkrisen in den 1970er Jahren, welche die Industriestaaten in die Rezession drückten und die Angst ums Öl zur globalen Dauersorge machten. Zu den langfristigen Auswirkungen gehörten ein Umdenken in der Stromwirtschaft, aber auch ressourcenmotivierte Kriege. Ganz ähnlich ist die Politik, die China derzeit bei den Seltenen Erden verfolgt…

Bernhard Bartsch | 19. Oktober 2011 um 12:37 Uhr

 

Putin drückt aufs Gas

Beim Geld fängt die Freundschaft erst an: Die Rivalen Russland und China ringen um ein Erdgas-Abkommen, das auch Europas Versorgung beeinflussen könnte.

Nordasien rückt ins Zentrum des weltweiten Wettlaufs um Ressourcen. Unmittelbar bevor Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstag in der Mongolei einen großen Rohstoffabkommen festzurren will, stehen auch die großen Nachbarn China und Russland offenbar vor einer Vereinbarung über langfristige Erdgas-Lieferungen…

Bernhard Bartsch | 12. Oktober 2011 um 13:01 Uhr

 

Zweifelhafte Ehre

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist für den obskuren Konfuzius-Preis nominiert – wegen ihrer Verdienste um den Frieden in Europa.

Die Euro-Rettung wird teuer, aber vielleicht verdient Angela Merkel bald etwas dazu: Wegen ihrer “Verdienste um den Frieden in Europa” ist die deutsche Bundeskanzlerin für den chinesischen Konfuzius-Preis nominiert, der mit 100 000 Yuan dotiert ist, immerhin 11 300 Euro. Das macht zwar noch keinen Rettungsschirm, aber auch kleine Spenden können helfen, und bei Börsenhändlern stehen chinesische Vertrauensbeweise für die europäische Gemeinschaftswährung ohnehin hoch im Kurs…

Bernhard Bartsch | 20. September 2011 um 02:38 Uhr

 

“Dieser Dialog ist Geldverschwendung”

Im Interview kritisiert Anwaltslegende Zhang Sizhi Deutschlands Ergebenheit gegenüber China und sieht dort noch lange keinen Rechtsstaat.

Chinas Rechtssystem produziert derzeit Negativschlagzeilen in Serie. Dutzende Bürgerrechtler und Regimekritiker wurden in den vergangenen Monaten von der Polizei bedroht, verschleppt oder gefoltert. Viele wurden zu hohen Haftstrafen verurteilt. Prominentestes Opfer ist der Künstler und Blogger Ai Weiwei, der 81 Tage ohne Anklage festgehalten wurde. Die Frau des inhaftierten Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo ist seit der Ehrung im vergangenen Jahr verschwunden. Neben chinesischen Aktivisten klagen auch ausländische Unternehmen über Chinas politisch dominierte Justiz, etwa wenn die Behörden sich weigern, effektiv gegen Patentrechtsverletzungen vorzugehen. Die Kommunistische Partei behauptet dennoch beharrlich, in ihrem Land gehe es streng nach Recht und Gesetz zu…

Bernhard Bartsch | 17. September 2011 um 08:13 Uhr

 

Streit um Afrika

China wehrt sich gegen die deutsche Kritik an seiner Afrikapolitik.

Trägt China eine Mitschuld an der Hungersnot in Afrika? Der Vorwurf des Afrika-Beauftragten der Bundesregierung Günter Nooke (CDU), umfangreiche Landkäufe chinesischer Firmen in afrikanischen Ländern beraubten die lokale Bevölkerung vielerorts ihrer Lebensgrundlage, hat in der Volksrepublik heftige Proteste hervorgerufen. Chinesische Medien werfen Nooke Heuchelei vor und bezeichnen die Äußerungen als teil einer grundsätzlichen westlichen Chinafeindlichkeit…

Bernhard Bartsch | 04. August 2011 um 13:25 Uhr

 

Steinwurf aus dem Glashaus

Ein Lokalpolitiker aus Xiamen bereist Deutschland und beklagt die Internetzensur. Das macht ihn im Netz berühmt.

Die Deutschen können einem leidtun. Technisch veraltet und politisch in ideologischer Gefangenschaft. Jeder Chinese sollte froh sein, dass er nicht in Deutschland geboren wurde. Das ist zumindest die Sicht des chinesischen Provinzpolitikers Zang Jiebin. Damit versuchte er seine Landsleute davon zu überzeugen, dass sie in der Volksrepublik demokratische Rechte und Freiheiten genießen, von denen die Menschen im Westen nur träumen können…

Bernhard Bartsch | 11. Juli 2011 um 03:57 Uhr

 

Die chinesische Herausforderung

Chinas Aufstieg stellt die Vormachtstellung des Westens in Frage. Doch wie stark die Chinesen künftig unser Leben beeinflussen können, liegt vor allem an uns selbst.

Im Winter 1907 erhielt der britische Außenminister Edward Grey zwei Strategiepapiere für den Umgang mit dem erstarkenden Deutschland. Das eine warnte vor den deutschen Großmachtambitionen, das andere setzte auf gutnachbarschaftliche Beziehungen. Die gegensätzlichen Standpunkte wurden einige Monate lang diskutiert und dann beide als „geheim“ abgeheftet. Sieben Jahre später brach der erste Weltkrieg aus. Der englische Strategiestreit steht als Lehrstück am Ende des neuen Buches des ehemaligen US-Außenministers Henry Kissinger, das die Welt auf die Umwälzungen im globalen Mächtegleichgewicht einschwören soll und folgerichtig den Titel „China“ trägt…

Bernhard Bartsch | 27. Juni 2011 um 02:35 Uhr