Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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Endstation Shanghai

Einst wurde der Transrapid als Verkehrsmittel der Zukunft gefeiert. Heute ist er in China nur noch eine zweitklassige Touristenattraktion.

Hier? „Ja, hier“, sagt der Taxifahrer und stößt die Tür auf. Bis zum Bahnhof Longyang will er nicht fahren. „Dort finde ich keine Passagiere“, entschuldigt er sich. Der Fahrgast soll also bitte an der Kreuzung davor aussteigen. Tatsächlich ist der Taxistand vor der Station abgesperrt, die Anwohner spielen dort jetzt Federball. So weit ist es also gekommen mit Deutschlands einstigem Zug der Zukunft. Longyang ist die Endhaltestelle des Transrapid, der seit zehn Jahren in Schanghai fährt…

Bernhard Bartsch | 02. Februar 2013 um 07:51 Uhr

 

Risse in der koreanischen Mauer

In Seoul studiert man die Erfahrungen aus der deutsch-deutschen Vereinigung. Und hofft doch, dass man die Lektionen nicht allzu schnell brauchen wird.

An diesem Mittwoch wird Kim Seung Chul wieder über Deutschland sprechen. „Liebe Zuhörer, heute ist der 22. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung“ – so oder so ähnlich wird er in seiner Nachrichtensendung anfangen zu erzählen, wie es dazu kam, dass aus einem sozialistischen und einem kapitalistischen System ein gemeinsamer Staat wurde. Er wird viel Gutes über die Deutschen sagen, über die vereinte Wirtschaftskraft und eine junge Generation, die sich gar nicht mehr daran erinnern kann, dass ihr Land einmal geteilt war. Zwar ist Kim Seung Chul noch nie in Deutschland gewesen, aber trotzdem wünscht er sich, dass sich seine Landsleute an den Deutschen ein Vorbild nehmen…

Bernhard Bartsch | 03. Oktober 2012 um 08:18 Uhr

 

Sag zum Abschied leise Airbus

Angela Merkel profiliert sich in China als Anwältin deutscher Wirtschaftsinteressen.

Im Ausland kommt die Deutsche Bahn scheinbar pünktlich. Jeden Tag werden in Leipzig 44 Waggons mit Autobauteilen beladen und auf die Reise in die 11 000 Kilometer entfernte nordchinesische Industriestadt Shenyang geschickt, um im BMW-Werk zu fertigen Fahrzeugen montiert zu werden. „Früher wurden die Komponenten per Schiff transportiert, was 46 Tage dauerte“, sagt Bahn-Chef Rüdiger Grube. „Mit dem Zug schaffen wir das jetzt in 23 Tagen.“ Es könnte aber noch viel schneller gehen, in 14 Tagen, aber dafür müssten die chinesischen Behörden die Züge schneller abfertigen und den bürokratischen Aufwand mit 14 unterschiedlichen Frachtbriefen vereinfachen. Ob man da nicht etwas machen könne, fragt Grube. Der Bahn-Chef ist einer von acht deutschen Managern, die Chinas Premier Wen Jiabao ihre Sorgen vortragen…

Bernhard Bartsch | 01. September 2012 um 13:19 Uhr

 

Politisches Speeddating

Deutschland und China üben mit einer gemeinsamen Kabinettssitzung den Schulterschluss. Trotzdem ist das Verhältnis schwierig.

Zum Nachtisch gibt es „Tomatensaft mit Sahne“. So steht es auf dem Menü, das die Köche in Pekings Großer Halle des Volkes für die Teilnehmer der zweiten deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen zusammengestellt haben. Tomatensaft mit Sahne? Das klingt nach einem kulinarischen Missverständnis, entstanden bei dem Versuch, ein Dessert zu servieren, das Deutschen und Chinesen gleichermaßen schmeckt. Die Küchendiplomatie passt gut zu dem politischen Potpourri, mit dem Berlin und Peking am Donnerstag ihre Partnerschaft zu untermauern versuchen…

Bernhard Bartsch | 31. August 2012 um 13:28 Uhr

 

Großes Welttheater

Deutschland und China demonstrieren zelebrieren ihr Sonderverhältnis. Schön und gut. Aber protokollarischer Pomp ist kein Ersatz für klare Positionen.

In einer Partnerschaft muss man Zugeständnisse machen. Das gilt im Privaten wie in der Diplomatie. Angela Merkel hat deshalb für ihren chinesischen Amtskollegen Wen Jiabao den Terminkalender der Berliner Politik durcheinandergeworfen. Ausgerechnet zum Beginn des heißen Herbstes, der letzten Chance der schwarz-gelben Koalition, noch ein paar vorzeigbare Erfolge für die Bundestagswahl zu schaffen, macht das Kabinett erst einmal einen Betriebsausflug. Mit sieben ihrer 15 Minister reist Merkel nach Peking zu einer zweiten Runde der deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen…

Bernhard Bartsch | 30. August 2012 um 13:30 Uhr

 

Keine Zeit für Herrn Mo

Kanzlerin Merkel reist zu deutsch-chinesischen Konsultationen nach China – kurz bevor dort die Führungselite abtritt. Im Vordergrund stehen Wirtschaftsthemen.

Mo Shaoping ist diesmal von Kanzlerin Angela Merkel gar nicht erst eingeladen worden. Ihren letzten Versuch, den Anwalt des inhaftierten Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo zu treffen, dürfte sie in schlechter Erinnerung haben. Die Harmonie der deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen, zu denen Merkel mit einer große Delegation am Mittwoch aufbricht, soll nicht gestört werden. Anfang Februar war die Kanzlerin noch anders gestimmt. Da hatte sie den 54-jährigen Bürgerrechtler Mo am Rande ihres Pekingbesuchs zu einem vertraulichen Gespräch in die deutsche Botschaft bitten lassen…

Bernhard Bartsch | 29. August 2012 um 13:32 Uhr

 

Chinakorrespondenten bitten Merkel um Hilfe

Deutsche Pressevertreter fordern von Bundeskanzlerin Einsatz für Pressefreiheit in China. Repressionen gegen internationale Journalisten nehmen zu.

Weltoffen, modern und rechtsstaatlich– so möchte China im Ausland wahrgenommen werden. Doch die Wahrheit sieht häufig düsterer aus, und auch internationale Journalisten, von denen sich Peking eigentlich die Vermittlung eines positiven Chinabildes erhofft, werden regelmäßig Opfer von Repressalien. Deutsche Chinakorrespondenten haben Bundeskanzlerin Angela Merkel nun in einem offenen Brief aufgefordert, sich bei ihrem chinesischen Amtskollegen Wen Jiabao für mehr Pressefreiheit einzusetzen. Merkel wird am Mittwoch zusammen mit einem großen Teil ihres Kabinetts zu den zweiten deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen nach Peking reisen…

Bernhard Bartsch | 27. August 2012 um 03:23 Uhr

 

Im Land der Tugenden

Fast eine Millionen Chinesen besuchen jährlich Deutschland, auf der Suche nach Porsche, Bier und Würstchen.

Als politischer Vordenker hat Karl Marx schon lange ausgedient, aber die Kapitalisten brauchen ihn trotzdem noch. Sein Geburtshaus in Trier ist ein lukrativer Besuchermagnet, vor allem für Touristen aus China. In chinesischen Reisebüchern wird das Marx-Haus als einer der Höhepunkte einer Deutschlandreise empfohlen. Bei Europareisen (Motto: „8 Länder in 8 Tagen“) gehört Trier sogar oft zu den zwei oder drei Sehenswürdigkeiten, für die bei der deutschen Etappe Zeit ist. 3,8 Millionen Chinesen flogen 2011 als Touristen nach Europa, knapp ein Viertel kam auch nach Deutschland. Wenn der Trend anhält, dürften 2012 erstmals mehr als eine Million chinesische Urlauber „Deguo“, das „Land der Tugenden“, wie Chinesen Deutschland nennen, besuchen…

Bernhard Bartsch | 09. Juli 2012 um 10:08 Uhr

 

„Die Polizei darf bei mir einziehen“

Ai Weiwei hofft, Ende des Jahres als Gastprofessor in Berlin antreten zu können. Im Interview spricht er über das Leben nach seiner Festnahme, neue Formen des Protests und den Dokumentarfilm „Never Sorry“, der nächste Woche in die deutschen Kinos kommt.

Ai Weiwei lebt idyllisch. Im Garten seines Wohnstudios im Norden Pekings sprießen Bambus und Kiefern. Dichtes Efeu rankt die Hauswände empor. Ein Dutzend Katzen und mehrere Hunde tollen über den Rasen. Ai Weiwei sitzt in der Morgensonne und isst Kirschen. Die Kerne landen in einem gläsernen Aschenbecher, der die Form des Pekinger Olympiastadions hat. Ein Spucknapf mit hohem Symbolwert: Vor zehn Jahren wurde Ai durch seine Mitarbeit am Design des sogenannten „Vogelnests“ weltberühmt und zu einem der bestverkauften chinesischen Künstler. Doch noch vor den Olympischen Spielen 2008 distanzierte er sich von dem Projekt, weil er das Sportfest als geschmacklose Machtdemonstration der Kommunistischen Partei sah. Seitdem gilt er als Chinas prominentester und mutigster Regimekritiker…

Bernhard Bartsch | 04. Juni 2012 um 09:53 Uhr

 

E-Mobil von Daimler-Partner explodiert

Bei einem Unfall ist ein Elektroauto des chinesischen Herstellers BYD explodiert. Die Batterietechnologie steckt auch in einer Gemeinschaftsentwicklung mit Daimler.

Chinas ehrgeizigen Plänen, als erstes Land in großem Maßstab Elektroautos auf die Straße zu bringen, droht ein schwerer Rückschlag. Nachdem am Wochenende ein batteriebetriebenes Taxi des chinesischen Herstellers BYD bei einem Zusammenstoß explodierte, ist in der Volksrepublik eine Diskussion über die Sicherheit von E-Mobilen entbrannt. Der Unfall, bei dem drei Menschen ums Leben kamen, beschädigt das Vertrauen in die junge Technologie und bringt neben Chinas Elektroauto-Pionier BYD auch Daimler in Bedrängnis. Die Stuttgarter hatten Ende April ihr gemeinsam mit BYD entwickeltes Elektrofahrzeug Denza vorgestellt, in dem wohl die gleiche chinesische Batterietechnik eingesetzt werden soll wie in dem Unglückswagen…

Bernhard Bartsch | 28. Mai 2012 um 14:27 Uhr

 

Bad Vilbels langer Marsch

Bad Vilbel verhandelt über die größte chinesische Investition in Deutschland: 700 Millionen Euro. Haben die Stadtoberen tatsächlich einen dicken Fisch an der Angel oder fallen sie auf windige Machenschaften herein?

Das hessische Bad Vilbel verhandelt seit Wochen ohne transparente Informationen für die Öffentlichkeit über das mit Abstand größte chinesische Investitionsprojekt in Deutschland. Der potenzielle Hauptinvestor erklärte der Frankfurter Rundschau, er plane, in Bad Vilbel für 700 Millionen Euro ein chinesisches Handelszentrum zu bauen. „Eine Absichtserklärung haben wir Ende April unterschrieben“, sagte Lu Changqing, Vorstandschef des Pekinger Mischkonzerns Zhongqi Investment Group. „Einen formellen Vertrag werden wir Ende Juni unterzeichnen.“ Im Gewerbegebiet Quellenpark, das sich in städtischem Besitz befindet, solle auf einer Fläche von 200 000 Quadratmeter ein Großhandel für chinesische Waren entstehen…

Bernhard Bartsch | 24. Mai 2012 um 08:16 Uhr

 

Exportmarkt Nummer eins

China ist für deutsche Unternehmen schon längst zum Schlüsselmarkt geworden.

Um Deutschlands erfolgreichste Messe zu besuchen, müsste Chinas Premier Wen Jiabao nicht unbedingt nach Hannover reisen. Es könnte auch eine Fahrt nach Schanghai reichen. Erfolg ist schließlich Definitionssache – und je nach Sichtweise ist nicht die weltgrößte Technologiemesse, die Wen am Sonntagabend gemeinsam mit Kanlzerin Angela Merkel in Hannover eröffnet hat, das herausragendste deutsche Messeprojekt, sondern das „Schanghaier New International Exibition Center“, ein deutsch-chinesisches Gemeinschaftsunternehmen, das unter deutscher Führung innerhalb weniger Jahre zum best ausgelasteten Ausstellungsort der Welt geworden ist…

Bernhard Bartsch | 22. April 2012 um 22:16 Uhr

 

Opportunistische Großmacht

Strategie China sieht seine Rolle zunehmend als Gegenspieler des Westens.

Es ist das rituelle Klagelied der transatlantischen Beziehungen: die Amerikaner, beschweren sich die Europäer, interessieren sich nicht mehr so recht für den Alten Kontinent, sondern schenken ihre Aufmerksamkeit zunehmend dem pazifischen Raum. Dabei richten die europäischen Regierungen ihre Augen nicht weniger nach Asien – allen voran Deutschland, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel mit ihrem jüngsten Chinabesuch erneut demonstriert…

Bernhard Bartsch | 04. Februar 2012 um 03:46 Uhr

 

China zensiert Merkels Termine

China verhindert ein Treffen mit dem Anwalt von Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo – und demonstriert damit das Ausmaß seiner Menschenrechtsprobleme.

Es sollte ein vertrauliches Gespräch werden, geführt in kleinster Runde in einem abhörsicheren Raum der deutschen Botschaft in Peking. Von einem der mutigsten chinesischen Anwälte und einem der kritischsten Journalisten will Bundeskanzlerin Angela Merkel sich am späten Donnerstagabend erklären lassen, wie es in China um die Menschenrechte steht. Wenige Stunden zuvor hat ihr Premierminister Wen Jiabao versichert, dass die Situation immer besser werde: Noch nie hätten die Chinesen mehr Wohlstand, höhere Bildung und größere Rechtssicherheit genossen. Passt das zusammen mit Nachrichten über eine verschärfte Verfolgung von Kritikern, rigide Zensur der Medien und brutale Unterdrückung von Protesten?…

Bernhard Bartsch | 03. Februar 2012 um 15:42 Uhr

 

Miss Europa

Angela Merkel reist nach China, doch ihre Gastgeber interessieren sich weniger für die deutsche Kanzlerin als für die europäische Chefsaniererin.

Die Chinesische Akademie für Sozialwissenschaften ist beileibe kein Repräsentationsbau. Der staatliche Thinktank, der landesweit über 3000 Forscher beschäftigt, firmiert in einer angegrauten Büroburg mit niedrigen Decken, dunklen Korridoren und muffigem Interieur. Mag Chinas Weltmachtehrgeiz auch noch so bunte Blüten treiben – seinen Vordenkern verordnet das System demonstrative Bodenständigkeit. Die glanzlose Denkerschmiede ist die erste Station, die Angela Merkel am Donnerstag bei ihrem fünften Chinabesuch als Kanzlerin ansteuert, und ihre Gesprächspartner machen ihr schnell deutlich, welche Erwartungen man in der Volksrepublik an sie hat…

Bernhard Bartsch | 02. Februar 2012 um 17:56 Uhr