Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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“Näher an Nordkorea”

Der chinesische Aktivist Tan Zuoren muss für fünf Jahre ins Gefängnis, weil er nach dem Erdbeben von Sichuan den Tod von tausenden Schülern untersuchte.

„Mein Rechtsverständnis unterscheidet sich von dem des Gerichts und der Richter. Ich bin unschuldig, aber für die Interessen meines Volk gehe ich bereitwillig ins Gefängnis.“ Mit diesen Worten soll der chinesische Bürgerrechtsaktivist Tan Zuoren am Dienstag die fünfjährige Haftstrafe kommentiert haben, zu der er in zweiter Instanz verurteilt worden ist. Der 55-jährige hatte nach dem verheerenden Erdbeben in Sichuan im Mai 2008 den Tod von tausenden Schulkindern untersucht…

Bernhard Bartsch | 09. Februar 2010 um 18:19 Uhr

 

Supermacht auf Probe

Chinas Aufstieg stellt die politische Dominanz des Westens in Frage. Trotzdem ist es für Nachrufe auf die demokratische Leitkultur noch zu früh.

“Unauffällig auftreten und niemals die Führung übernehmen.” So lautete die außenpolitische Strategie, die Deng Xiaoping seinem Land um 1980 verschrieb. Chinas Reformpatriarch war damals weit über siebzig und lange genug Revolutionär; er kannte die Gefahren übereifriger Neuanfänge…

Bernhard Bartsch | 18. Januar 2010 um 04:47 Uhr

 

Signal der Härte

Chinas Justiz verurteilt den Bürgerrechtler Liu Xiaobo zu elf Jahren Haft – eine Demonstration der Unerbittlichkeit.

“China hat viele Gesetze, aber keine Rechtsstaatlichkeit”, lautet einer der Sätze, den der Pekinger Literaturprofessor Liu Xiaobo im vergangenen Herbst in seiner “Charta 08″ formulierte. Das Demokratie-Manifest sollte Chinas Intellektuelle aufrütteln und eine Debatte über politische Reformen ins Leben rufen. Zur Strafe lässt die Kommunistische Partei den 53-jährigen Querdenker nun gnadenlos spüren, wie recht er mit seinem Vorwurf hat: In einem Schnellverfahren wurde Liu wegen “Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt” zu elf Jahren Haft verurteilt…

Bernhard Bartsch | 25. Dezember 2009 um 18:36 Uhr

 

Wettstreit der Worte

Die Buchmesse ist ein Laborversuch zur chinesischen Meinungsfreiheit.

Vor 2500 Jahren forderte der Philosoph Konfuzius Chinas Herrscher auf, die Dinge beim Namen zu nennen. “Wenn die Bezeichnungen nicht stimmen, spiegelt die Sprache nicht mehr die wahren Umstände wider”, mahnte der Weise. Wo sich Begriffe von ihren Bedeutungen trennen und in leerem Gerede auflösen, drohten die Kultur zu zerfallen, die Regierung ihre Macht zu verlieren und das Volk im Chaos zu versinken. “Der Edle redet deshalb so, dass seine Sprache Sinn macht”, schloss der Nationaldenker. Chinas Mächtige erinnern sich bis heute an seinen Rat – und hüten sich meist davor, ihn zu befolgen…

Bernhard Bartsch | 13. Oktober 2009 um 04:55 Uhr

 

Wo Äpfel noch Birnen sind

Die Volksrepublik China feiert ihren 60. Jahrestag ihrer Gründung. Das heißt, eigentlich feiert die Kommunistische Partei 60 Jahre Herrschaft. Doch das ist einerlei.

Ein Herrschaftsjubiläum ist kein Legitimationsbeweis. Dieser Satz ist eigentlich banal, folgt er doch der Binsenweisheit: Äpfel sind keine Birnen. Dennoch dürfte derzeit wohl keine chinesische Zeitung diesen Satz drucken. Denn Chinas Kommunistische Partei serviert ihrem Volk derzeit ein politisches Apfel-Birnen-Kompott…

Bernhard Bartsch | 01. Oktober 2009 um 23:45 Uhr

 

“Mao war ein Mensch mit Fehlern”

Mao-Darsteller Tang Guoqiang über Chinas jüngsten Propagandastreifen, Demokratie mit chinesischen Eigenschaften und den Nachruhm des Großen Vorsitzenden.

Tang_Guoqiang_4Herr Tang, seit 13 Jahren sind Sie fast täglich im chinesischen Fernsehen in der Rolle von Mao Zedong zu sehen. Was Ihre Landsleute heute über Mao wissen und denken, geht also maßgeblich auf ihre Darstellung zurück. Wie viel haben denn die Filmfigur und der reelle Mao mit einander zu tun?

Unsere Filme beruhen auf historischen Studien und bilden die Geschichte so ab, wie sie stattgefunden hat. Man kann daraus lernen – deshalb werden sie selbst an den Parteischulen als Lehrmittel eingesetzt…

Bernhard Bartsch | 01. Oktober 2009 um 22:31 Uhr

 

Massaker an der Meinungsfreiheit

Chinas Sicherheitsbehörden verbieten dem Dichter Liao Yiwu, zur Buchmesse nach Deutschland zu fahren.

Wir erleben ein Massaker in diesem Land der Utopien. Der Regierungschef braucht sich nur zu erkälten, und schon müssen die Massen mit ihm niesen.” So beginnt das Gedicht “Massaker”, in dem der chinesische Dichter Liao Yiwu im Juni 1989 seinem Entsetzen über das Blutbad auf dem Platz des Himmlischen Friedens Luft machte…

Bernhard Bartsch | 24. September 2009 um 17:31 Uhr

 

Buchmessekonferenz droht zu platzen

Kritische Autorin Dai Qing erhält Visum für Deutschland. Da die Frankfurter Buchmesse sie von der Rednerliste gestrichen hat, will sie nun im Publikum sitzen.

Die Vorbereitungskonferenz zu Chinas Gastlandauftritt bei der Frankfurter Buchmesse droht zu platzen. Die kritische Schriftstellerin Dai Qing, deren Teilnahme Peking um jeden Preis verhindern will, hat am Donnerstag von der deutschen Botschaft in Peking doch noch ein Visum erhalten. Das bestätigte Dai. Dabei hatte sich die Buchmesse Anfang der Woche auf Druck des chinesischen Gastlandkomitees entschieden, die Einladung der Investigativ- und Umweltjournalistin, die in der Volksrepublik Veröffentlichungsverbot hat, nicht weiter zu verfolgen…

Bernhard Bartsch | 10. September 2009 um 12:51 Uhr

 

Wenn Japan Demokratie wagt

Japans Wähler haben ihrer neuen Regierung ein starkes Reformmandat erteilt. Doch in Sachen Strukturwandel ist die Wirtschaftsmacht noch ein Anfänger.

Den Zahlen nach zu urteilen, lässt Japans Wahlergebnis keine Fragen offen. Eine überwältigende Mehrheit der Wähler hat am Sonntag für die Demokratische Partei (DPJ) gestimmt und den Liberaldemokraten (LDP), die das Land 54 Jahre lang fast ununterbrochen regiert haben, deutlich das Misstrauen ausgesprochen. Das Resultat gibt dem designierten Premierminister Yukio Hatoyama ein starkes Mandat für die Reformen, die er im Wahlkampf versprochen hat…

Bernhard Bartsch | 30. August 2009 um 17:03 Uhr

 

Klonpartei auf Siegkurs

Japans Politik steht erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg vor einem echten Machtwechsel. Einen Systemwechsel bedeutet das aber noch lange nicht.

Was man in der Not nicht alles tut: Mit einem abenteuerlichen Aufruf versucht Japans regierende Liberaldemokratische Partei (LDP) ihre zu erwartende Niederlage bei den Wahlen am kommenden Sonntag im letzten Moment zu verhindern. „Die Situation ist hart, die bösen Wellen der Demokratischen Partei greifen Tokio an“, warnte Finanzminister Kaoru Yosano diese Woche bei einer Wahlkampfveranstaltung. „Wenn das so weiter geht, besteht das Risiko einer Ein-Partei-Despotie.“…

Bernhard Bartsch | 27. August 2009 um 02:43 Uhr

 

Das Duell der Enkel

Japans Spitzenkandidaten führen einen Generationen alten Familienwettstreit fort: Schon ihre Großväter rivalisierten um das Amt des Premierministers.

Japans Parlamentswahl am kommenden Sonntag ist ein Familienduell: Beide Spitzenkandidaten entstammen alten Politikerklans, die seit Generationen rivalisieren und nach dem Zweiten Weltkrieg schon einmal erbittert um das Amt des Premierministers stritten. Allen Prognosen zufolge dürfte der Sieger von damals auch diesmal gewinnen…

Bernhard Bartsch | 26. August 2009 um 02:20 Uhr

 

Ein Leben für die Demokratie

Südkoreas ehemaliger Präsident Kim Dae-jung war eine Ikone der asiatischen Demokratiebewegung. Nun ist der Friedensnobelpreisträger gestorben.

Er kämpfte ein Leben lang für die Demokratie – und musste am Ende damit leben, dass ausgerechnet die Demokratie ihm seinen größten Erfolg verdarb: Der ehemalige südkoreanische Präsident und Friedensnobelpreisträger Kim Dae-jung ist am Dienstag in Seoul im Alter von 83 Jahren gestorben. Kim, der das Land von 1998 bis 2003 regierte, war zuvor jahrzehntelang eine Galionsfigur im Kampf gegen Südkoreas Militärdiktatur gewesen…

Bernhard Bartsch | 18. August 2009 um 02:48 Uhr

 

Der Ritterschlag

Der Künstler Ai Weiwei entlarvt mit klugen Aktionen den chinesischen Unrechtsstaat. Nun wurde er erstmals selbst von einem Polizisten geschlagen.

Ai Weiwei sieht nicht aus wie jemand, mit dem man sich auf eine Prügelei einlassen will. Man traut dem 52-Jährigen beinahe zu, dass er die tonnenschweren Skulpturen, auf denen sein Ruf als einer der bedeutendsten chinesischen Gegenwartskünstler beruht, ganz alleine stemmen kann. Aber dann diese Augen!…

Bernhard Bartsch | 17. August 2009 um 02:27 Uhr

 

Eine Welt, eine Träumerei

Vor einem Jahr begannen in Peking die Olympischen Spiele. Während Chinas Regierung den Mythos am Leben zu erhalten versucht, wollen ihre Kritiker ihn zerstören.

HuanhuanRekorde sind zum Brechen da. Ein Jahr nach den Olympischen Spielen von Peking, dem größten Sportfest aller Zeiten, strebt Chinas Regierung nach dem nächsten athletischen Superlativ: Auf die Riesenshow des Spitzensports soll die weltweit größte Breitensportbewegung folgen. Der 8. August, das Jubiläum der Olympiaeröffnung, soll in der Volksrepublik künftig als „Nationaler Fitnesstag“ an die Spiele erinnern – und der Kommunistischen Partei ermöglichen, den Olympiamythos weiter zu instrumentalisieren. Pekings Kritiker wollen den Tag dagegen nutzen, um der Welt in Gedächtnis zu rufen, dass viele Hoffnungen – etwa Fortschritte in Sachen Menschenrechte, Demokratie oder Pressefreiheit – enttäuscht wurden…

Bernhard Bartsch | 08. August 2009 um 00:08 Uhr

 

Ein Gott für alle Fälle

Der Dalai Lama ist eine Jahrhundertpersönlichkeit. Alle großen Themen unserer Zeit spiegeln sich in ihm wider. Porträt einer globalen Projektionsfläche.

Dalai LamaVor einigen Wochen servierte der Dalai Lama in einem US-amerikanischen Obdachlosenheim das Mittagessen. Es gab Pasta mit Pesto und dazu eine Kostprobe, warum der 74-jährige Mönch einer der beliebtesten Menschen des Planeten ist. “Wissen Sie, ich bin auch heimatlos”, scherzte er in die Runde der Penner und lachte dabei so herzlich und mitreißend, dass selbst diejenigen einstimmten, die weder sein holpriges Englisch noch die Anspielung auf sein Exil verstanden hatten. In der Regel sind derartige Suppenküchentermine das Spielfeld von Politikern im Wahlkampf oder Promis bei der Imagesanierung. Doch das tibetische Religionsoberhaupt absolviert sie mit der gleichen Ernsthaftigkeit. Seit fünf Jahrzehnten ist sein Leben eine einzige Öffentlichkeitskampagne für sich und seine Sache: die politische oder zumindest kulturelle Freiheit der Tibeter…

Bernhard Bartsch | 31. Juli 2009 um 00:43 Uhr