Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

RSS Home | Archiv | ImpressumKontakt

Ein gefühlter Sieg

Die USA und Europa versinken in Schuldenkrisen, China boomt. Die Chinesen geniessen den Triumph – aber können sie sich für diesen Sieg etwas kaufen?

Ist China der Gewinner der Krise in den USA und Europa? Wäre die Nachrichtenlandschaft ein reales Abbild der Wirklichkeit, müsste es wohl so sein. Die gegenwärtigen Turbulenzen «könnten der Wendepunkt für den Transfer der globalen Macht von den USA zu ihrem grossen Rivalen China sein», glaubt der britische «Guardian». In Deutschland beschwört «Die Zeit» den Zeitenwechsel mit dem Titel «Geldmacht wird Weltmacht». Die «Bild» fragt: «Kaufen uns die Chinesen jetzt auf?», während die «TAZ» Chinas Aufstieg ihrerseits für ausgemachte Sache hält, weil «der ferne Osten einen Plan hat. Der Westen hat ihn nicht.» Die Fixierung auf China verrät mehr über den Westen als über die künftige Rolle der Volksrepublik oder gar eine neue Weltordnung…

Bernhard Bartsch | 14. August 2011 um 12:02 Uhr

 

Einigkeit geht über Recht und Freiheit

Mit der Verhaftung Ai Weiweis scheinen lokale Kader die Parteispitze blamiert zu haben. Der Fall zeigt die Grenzen von Pekings Kontrolle über den Staatsapparat.

Können einzelne Lokalkader Chinas Image in der Welt ruinieren? Im Fall der Verhaftung des Künstlers Ai Weiwei scheint genau das passiert zu sein. Anders als bisher allgemein angenommen sei Ais Festnahme am 3. April nicht von der Führung der Kommunistischen Partei angeordnet worden, sondern habe diese völlig unvorbereitet getroffen, erklärten zwei gut informierte Parteiquellen. „Die Verhaftung war die Entscheidung der Beamten des Pekinger Stadtteils, in dem Ai Weiwei sein Studio hat…

Bernhard Bartsch | 11. August 2011 um 15:19 Uhr

 

Intransparente Weltmacht

Inmitten der Turbulenzen in den USA und Europa erscheint China als globaler Stabilitätsanker. Dabei kämpft auch die Volksrepublik mit strukturellen Problemen.

Wer nicht akut gefährdet ist, gilt derzeit als stabil. Angesichts der Turbulenzen in den USA und Europa erscheint China deshalb wie ein Fels in der Brandung. Mit Devisenreserven von über drei Billionen US-Dollar wirkt die Volksrepublik finanziell unerschütterlich. Wie Wirtschaft weist weiterhin boomende Wachstumszahlen auf: Im zweiten Quartal stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 9,5 Prozent. Und dass China die letzte Krise dank eines gewaltigen Stimuluspakets besser und schneller überstand als alle anderen großen Volkswirtschaften, scheint Gewissheit zu verleihen, dass Peking auch einem neuerlichen Absturz der Weltwirtschaft gewachsen wäre. Doch die öffentliche Wahrnehmung im Westen sagt mehr über die eigenen Sorgen als über die chinesische Realität…

Bernhard Bartsch | 09. August 2011 um 06:25 Uhr

 

Sieben Tage Bitternis

Viele chinesische Eltern schicken ihre Kinder in den Sommerferien in Militärcamps. Sie sollen leiden lernen.

Die Ohrfeige erträgt der Knabe mit Fassung. Keuchend hat er sich über das Klettergerüst gequält, sein Camouflage-T-Shirt klebt ihm am Körper. Im Schatten sind dreißig Grad und hier in der Sonne noch mehr. „Nächstes Mal geht das schneller“, blafft ihn der Soldat an, haut ihm eine runter und wendet sich dem nächsten zu. Der Teenager stellt sich ohne Protest zu seinen Kameraden. Das ist der Ernst des Lebens. Deshalb sind sie hier…

Bernhard Bartsch | 08. August 2011 um 16:23 Uhr

 

China wackelt am Dollar

Peking nutzt die Krise der USA, um die Rolle des US-Dollars als globale Leitwährung erneut in Frage zu stellen.

China nutzt die Zweifel an der Kreditwürdigkeit der USA, um die Debatte um die Rolle des US-Dollars als globale Leitwährung neu anzufachen. Die Nachrichtenagentur Xinhua, das Leitmedium des staatlichen Medienapparats, forderte in einem Meinungsstück, es müsse über eine „neue, stabile und sichere Leitwährung“ nachgedacht werden…

Bernhard Bartsch | 07. August 2011 um 16:23 Uhr

 

Murdochs Tarantel

Wendi Deng wurde von ihren Landsleuten verachtet – bis sie ihren Gatten verteidigte.

Kann es wahre Liebe zwischen alten Männern und jungen Frauen geben? Eher nicht, glaubt man in China, wo die Wertvorstellungen noch immer traditionell sind und generationenübergreifende Beziehungen als anrüchig gelten. Auch die Ehe zwischen dem 80-jährigen Medientycoon Rupert Murdoch und seiner 38 Jahre jüngeren chinesischen Frau Wendi Deng galt als Liaison zwischen lüsternen Altmännerfantasien und konsumgeilen Mädchenträumen – bis ein beherzter Schlag eine andere Lesart anbot…

Bernhard Bartsch | 05. August 2011 um 13:21 Uhr

 

Streit um Afrika

China wehrt sich gegen die deutsche Kritik an seiner Afrikapolitik.

Trägt China eine Mitschuld an der Hungersnot in Afrika? Der Vorwurf des Afrika-Beauftragten der Bundesregierung Günter Nooke (CDU), umfangreiche Landkäufe chinesischer Firmen in afrikanischen Ländern beraubten die lokale Bevölkerung vielerorts ihrer Lebensgrundlage, hat in der Volksrepublik heftige Proteste hervorgerufen. Chinesische Medien werfen Nooke Heuchelei vor und bezeichnen die Äußerungen als teil einer grundsätzlichen westlichen Chinafeindlichkeit…

Bernhard Bartsch | 04. August 2011 um 13:25 Uhr

 

Xinjiang: Wer terrorisiert wen?

Schuldzuweisungen nach den Anschlägen in Xinjiang: Die repressiven Massnahmen der chinesischen Führung verstärken die Wut der muslimischen Uiguren.

Nach den jüngsten Unruhen in der westchinesischen Provinz Xinjiang, Heimat der muslimischen Uiguren, schieben sich die Pekinger Regierung und Exil-Uiguren gegenseitig die Verantwortung zu. Am Wochenende waren in der Stadt Kashgar bei zwei Anschlägen insgesamt 14 Zivilisten getötet und rund 30 verletzt worden, wie die offizielle Nachrichtenagentur Xinhua berichtet; sieben mutmassliche Angreifer wurden von der Polizei getötet. Lokale Behörden erklärten, die Anschläge seien von muslimischen Extremisten verübt worden, die im benachbarten Pakistan von einer militanten uigurischen Unabhängigkeitsgruppierung ausgebildet worden seien…

Bernhard Bartsch | 02. August 2011 um 13:22 Uhr

 

Zwischen Nervosität und Triumph

Genüsslich verfolgt China das Ringen der USA um seine Schuldengrenze. Peking ist Washingtons größter Gläubiger – und politisch der mächtigste Konkurrent.

Eine kleine Weltkugel versucht panisch einer Lawine davonzulaufen, auf der „US-Schulden“ steht. Die Karikatur aus der China Daily gehört noch zu den verhaltendsten Kommentaren, welche derzeit aus Peking Richtung Washington geschickt werden. Andere werfen der Supermacht offen vor, gegenüber der Welt gefährlich, unverantwortlich und rücksichtslos zu handeln.
Mit einer Mischung aus Nervosität und Triumph verfolgen die Medien der Volksrepublik das politische Ringen um eine Anhebung der Schuldengrenze…

Bernhard Bartsch | 01. August 2011 um 04:09 Uhr

 

“Opa Wen” gegen den “Großen Bruder Bahn”

Chinas Bevölkerung reagiert wütend auf das Zugunglück von Zhejiang. Der Zorn zeigt das geringe Vertrauen in die Institutionen des Staates.

Das Zugunglück in der südchinesischen Provinz Zhejiang, bei dem am vergangenen Samstag 39 Personen ihr Leben verloren und fast 200 verletzt wurden, ist in der Volksrepublik zu einem Politikum erster Klasse geworden. Familien von Opfern, Internetbenutzer und sogar offizielle Medien zürnen öffentlich über die Arroganz von «Tie lao da», dem «Grossen Bruder Bahn», wie das skandalträchtige Eisenbahnministerium im Volksmund genannt wird. Ministerpräsident Wen Jiabao versuchte am Donnerstag mit einem sorgfältig inszenierten Besuch am Unglücksort und bei Betroffenen, das Vertrauen in die Institutionen des Staates aufrechtzuerhalten…

Bernhard Bartsch | 28. Juli 2011 um 04:13 Uhr

 

Abendessen ohne Gäste

Pekings Behörden hindern Bürgerrechtler an einem Gespräch mit dem Menschenrechtsbeauftragtem der Bundesregierung.

China möchte im Ausland nicht mehr wegen seiner Menschenrechtsverletzungen kritisiert werden, doch ausgerechnet dem Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung, Markus Löning (FDP), demonstrierte Peking nun, wie unangepasste Intellektuelle in der Volksrepublik derzeit mundtot gemacht werden. Aus Anlass von Lönings Chinareise hatte der deutsche Botschafter in Peking gestern eine Gruppe von Juristen und Journalisten zu einem informellen Abendessen in seine Residenz eingeladen…

Bernhard Bartsch | 22. Juli 2011 um 03:30 Uhr

 

Bordeaux auf ex

Winzer in aller Welt sehen China als Absatzmarkt für ihre Weine – oder bekommen Angebote, ihre Weinberge an chinesische Investoren zu verkaufen.

Die Herren stecken ihre Nasen tief in ihre Rotweingläser, schnüffeln einen Moment und kippen den Inhalt dann ex hinunter. „Bu cuo“, raunzt einer – nicht schlecht. Während er sich mit den Stäbchen noch ein Stück Fleisch von der Drehplatte angelt und andere an ihren Zigaretten ziehen, gießt ein beflissener Kellner aus einer Kristallkaraffe nach. Es folgt das nächste Glas und das übernächste, bis einer den Vorschlag macht, doch endlich die Karaoke-Maschine anzulassen…

Bernhard Bartsch | 21. Juli 2011 um 15:53 Uhr

 

Die verheimlichte Katastrophe

Ein Ölteppich, halb so groß wie Schleswig-Holstein, treibt durchs Gelbe Meer. Unternehmen und Behörden verschwiegen den Unfall – bis das Öl die Küste erreichte.

“Penglai ist ein Ort für die Götter”, schwärmen die Chinesen von der ostchinesischen Küstenstadt in der Provinz Shandong. Sie rühmen ihr mildes Klima, das malerische Gelbe Meer und den frischen Fisch. Doch neuerdings haben Chinesen bei dem Namen Penglai eine andere Assoziation: “Wer in Penglai Meeresfrüchte brät, braucht kein Öl mehr in die Pfanne zu tun”, machte ein schwarzhumoriger chinesischer Blogger seinem Ärger über Chinas jüngste Umweltkatastrophe Luft. In dem Ölfeld Penglai 19-3 läuft seit sechs Wochen Öl ins Meer…

Bernhard Bartsch | 20. Juli 2011 um 04:11 Uhr

 

Herr Guan teilt aus

Eine chinesische Ratingagentur zweifelt an der Kreditwürdigkeit der USA: ein PR-Gag oder ein Signal, dass Washingtons größter Gläubiger das Vertrauen verliert?

Die Ratingagentur Dagong Global Credit Rating ist alles andere als ein Global Player. Doch seitdem das Pekinger Bewertungshaus Zweifel an der Kreditwürdigkeit der USA geäußert hat, kann sich Firmenchef Guan Jianzhong vor Interviewanfragen kaum retten. Wenn sich die Haushaltslage der USA nicht bald verbessere, “werden wir die US-Anleihen definitiv herabstufen”, gab Guan mehrfach zu Protokoll…

Bernhard Bartsch | 15. Juli 2011 um 11:17 Uhr

 

Drü Chünüsün…

Ist es rassistisch, ein chinesisches Kindermädchen „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“ hören zu lassen?

Ist “Drei Chinesen mit dem Kontrabass” ein rassistisches Lied? Die Frage durchzuckte mich kürzlich beim Nachhausekommen. Unser chinesisches Kindermädchen hatte eine deutsche CD eingelegt, mir tönte “Dri Chinisin mit dim Kintribiss” entgegen. “Nur gut, dass sie kein Deutsch versteht”, dachte ich. Dri Chinisin, dro Chonoson, drü Chünüsün – ist das nicht genauso politisch unkorrekt, als würde man eine schwarze Nanny mit “Zehn kleine Negerlein” beschallen?…

Bernhard Bartsch | 15. Juli 2011 um 03:24 Uhr