Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

RSS Home | Archiv | ImpressumKontakt

Freund Frech

Han Han ist Rennfahrer und Blogger, und bei Chinas Studenten ist er Kult. Er spottet über alles, was der Partei heilig ist.

Der Star mag Steaks. “Wer sein Fleisch nicht schafft, kann es mir geben”, sagt Han Han kauend und grinst auffordernd in die Runde, worauf seine junge Assistentin prompt erklärt, eigentlich ohnehin nicht hungrig zu sein. Es ist Mittagszeit, und Chinas berühmtester Rennfahrer wartet seit Stunden im Garagentrakt der Schanghaier Formel-1-Strecke auf sein Fahrzeug. Der Autotransporter steht im Stau. Würde vor der Tür nicht ein Pulk junger Mädchen lauern, könnte er jetzt mit seinen Teamkollegen auf dem Parkplatz Fußball spielen, aber so geht er nur ab und zu nach draußen, um eine neue Ladung Kuscheltiere und Bastelarbeiten entgegenzunehmen. “Ist das nicht süß?”, sagt er…

Bernhard Bartsch | 03. Mai 2010 um 06:04 Uhr

 

Die letzte Expo

Wer braucht im Zeitalter der Globalisierung noch eine Weltausstellung? Niemand. In Shanghai findet das 159 Jahre alte Konzept ein glorreiches Ende.

Am 14. April 1900 eröffnete Frankreichs Staatspräsident Émile Loubet die Pariser Weltausstellung. Es war bereits die fünfte „Exposition Universelle“ an der Seine und sie sollte noch spektakulärer werden als die Länderschau von 1889, anlässlich der sich die Stadt den Eiffel-Turm geschenkt hatte…

Bernhard Bartsch | 30. April 2010 um 07:29 Uhr

 

Rummelplatz der Globalisierung

Am 1. Mai beginnt in Schanghai die größte Weltausstellung aller Zeiten. Sie ist ein Spiel nationale Klischees, Identitäten und Wunschbilder.

Bei den Rumänen übt ein Blasorchester, die Holländer arrangieren Keramikschafe. Japan simuliert einen Feueralarm, in Marokko werden Türen geschnitzt, pakistanische Teppichhändler packen ihre Waren aus. Die Kasachen probieren traditionelle Trachten an, die Österreicher putzen Fliesen und die Schweizer erklären chinesischen Kellnern, was ein Rösti ist. Zwei Tage vor der Eröffnung geht es auf dem Gelände der Schanghaier Weltausstellung zu wie auf einem Zirkusplatz kurz vor der ersten Vorstellung…

Bernhard Bartsch | 29. April 2010 um 07:12 Uhr

 

Vorschusslorbeeren für Chinas Autobauer

Chinesische Automarken wollen sich aus dem Schatten der internationalen Konkurrenz lösen – doch die Details ihrer Expansionsstrategien bleiben im Dunkeln.

Sie heißen Dongfeng und Changfeng, Gleagle und Englon, Lifan und Zotye, Besturn und Landwind: Chinas Automarken, deren Namen außerhalb der Volksrepublik bisher nur Brancheninsider kennen, wollen zu Global Playern werden. Auf der am Freitag eröffneten Pekinger Automesse präsentieren sie sich nun so selbstbewusst wie nie zuvor…

Bernhard Bartsch | 23. April 2010 um 15:39 Uhr

 

Der Absturz des Aufsteigers

Chinas ehemals reichster Mann steht wegen Korruption vor Gericht.

Vom Tellerwäscher zum Millionär und zurück: Huang Guangyu galt als prototypischer chinesischer Aufsteiger – bis er auf ebenso charakteristische Weise abstürzte. Der Gründer der Elektromarktkette Gome, der ehemals als Chinas reichster Mann galt, steht seit gestern in Peking vor Gericht und muss damit rechnen, wegen Insiderhandels, Bestechung und anderer illegaler Geschäftspraktiken den Rest seines Lebens in Haft zu verbringen…

Bernhard Bartsch | 22. April 2010 um 23:53 Uhr

 

“Die Globalisierung verändert sich – und das ist gut so”

Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz über den globalen Reformstau, das Ende der Dominanz des Westens und die neue Weltmacht China.

Bernhard Bartsch: Professor Stiglitz, ist die Krise vorbei oder nur unter einem Haufen Geld vergraben?

Joseph Stiglitz: Die Krise ist noch nicht vorbei. Wir stehen zwar nicht mehr direkt am Abgrund, aber es gibt noch eine Menge Probleme. In den USA haben wir immer mehr Zwangsvollstreckungen, zunehmende Schwierigkeiten auf dem Markt für Gewerbeimmobilien und große Finanzsorgen in den Staaten und Kommunen. In Europa erleben wir gerade die Griechenlandkrise und müssen befürchten, dass Ähnliches noch in anderen Ländern passieren könnte…

Bernhard Bartsch | 19. April 2010 um 00:50 Uhr

 

Der Fluch der Tofu-Schulen

Beim Erdbeben in Nordwestchina sind erneut hunderte Kinder in Schulgebäuden umgekommen. Doch der Propagandaapparat ist auf die Katastrophe gut vorbereitet.

Am Tag nach dem Erdbeben in der nordwestchinesischen Provinz Qinghai wird allmählich das Ausmaß der Zerstörung sichtbar. „Es gibt immer mehr Verletzte und Tote“, beschreibt der Mitarbeiter einer tibetischen Hilfsorganisation am Telefon die verzweifelte Lage. 34 Kinderleichen und 27 Verletzte seien bereits aus den Trümmern einer Internatsschule geborgen worden, die er in den vergangenen Jahren mit aufgebaut habe…

Bernhard Bartsch | 15. April 2010 um 17:49 Uhr

 

China kauft kanadischen Ölsand

Staatskonzern Sinopec übernimmt Anteile am Syncrude-Projekt – und zahlt mehr als erwartet.

China steht vor einem weiteren großen Rohstoff-Deal: Der staatliche Ölkonzern Sinopec will 4,65 Milliarden Dollar ins Ölsand-Geschäft in Kanada investieren. Die Chinesen werden dem amerikanischen Ölkonzern ConocoPhillips seinen Neun-Prozent-Anteil an dem Syncrude-Projekt im Bundesstaat Alberta abkaufen…

Bernhard Bartsch | 13. April 2010 um 18:00 Uhr

 

“Chinesen sind es gewohnt, die besten zu sein”

Der Pekinger Regierungsberater Yan Xuetong über die chinesisch-amerikanische Rivalität, konfuzianische Außenpolitik und Chinas Supermachtstatus.

Bernhard Bartsch: Professor Yan, trotz des gespannten Verhältnisses zwischen China und den USA reist Präsident Hu Jintao zum Atomsicherheitsgipfel nach Washington. Hat Peking dem amerikanischen Druck nachgegeben?

Yan Xuetong: Nein, die Initiative kam aus dem Weißen Haus. Obama hat kürzlich auf eigene Anregung ausführlich mit dem neuen chinesischen Botschafter getroffen. Auf dieses Gespräch hat China sehr positiv reagiert…

Bernhard Bartsch | 09. April 2010 um 03:14 Uhr

 

Korrekt korrupt

China spielt Pressefreiheit: Mit einer Kampagne gegen bestechliche Journalisten wollen die Staatsmedien ihr Image aufpolieren.

Um die Glaubwürdigkeit der chinesischen Medien steht es nicht zum Besten. Wann immer sich Journalisten an politisch sensible Themen wagen, ist der Zensor zur Stelle und „harmonisiert“, wie es im Propagandachinesisch heißt. Die Wirklichkeitskosmetik ist kein Geheimnis, doch um von den großen Verzerrungen der Pressefreiheit abzulenken, werden kleine Verfehlungen umso härter bestraft…

Bernhard Bartsch | 08. April 2010 um 17:05 Uhr

 

Image-Havarie

Da der vor Australien auf Grund gelaufene Frachter aus China stammt, droht dem Land nun schwerer Image-Schaden.

Die Umweltkatastrophe am australischen Barrier-Reef ist „Made in China“. Der Frachter „Shen Neng 1“, der am Sonntag mit 65.000 Tonnen Kohle und rund 975 Tonnen Öl an Bord weit abseits der Schifffahrtsstrasse auf Grund gelaufen war, gehört der südchinesischen Shenzhen Energy Group, einer Tochterfirma der staatlichen China Ocean Shipping Company, kurz Cosco. Dem Konzern – und seinem Besitzer, der Volksrepublik China – droht damit ein Image-Desaster…

Bernhard Bartsch | 05. April 2010 um 15:38 Uhr

 

Das Wunder von Wangjialing

115 verschüttete Kohlekumpel überlebten eine Woche. Peking startet nationale Kampagne für Arbeitsplatzsicherheit – doch Kritiker sind skeptisch.

Sie überlebten sieben Tage lang in totaler Dunkelheit, litten an Unterkühlung, Austrocknung und Ausschlägen: Eine Woche nach dem Wassereinbruch in einer chinesischen Kohlegrube sind 115 Bergbauarbeiter gerettet worden, 38 werden noch vermisst…

Bernhard Bartsch | 05. April 2010 um 15:35 Uhr

 

Diplomatische Dehnübungen

Die USA und China bemühen sich um eine Besserung ihres Verhältnisses. Dafür könnte Peking seinen Widerstand gegen Iran-Sanktionen aufgeben.

Keine Antwort ist auch eine Antwort – aber welche? Eine Stunde lang stellte sich der iranische Atomunterhändler Said Dschalili am Freitagnachmittag in Peking der internationalen Presse, doch zu der entscheidenden Frage sagte er nichts: Gibt Chinas Regierung ihren Widerstand gegen westliche Sanktionsforderungen auf? „Wir haben gute Beziehungen“, wich Dschalili ein ums andere Mal aus…

Bernhard Bartsch | 02. April 2010 um 15:44 Uhr

 

Das Netz lebt

Der Suchmaschinenriese Google hat China verlassen. Doch der Druck der chinesischen Internetgemeinde auf die Regierung wird dadurch kaum geringer.

Am Abend des 25. September 2007 traf sich Han Feng, ein ranghoher Beamter der staatlichen Tabak-Monopolverwaltung, mit seiner Geliebten. „Sie heiratet am 29. und wollte für eine letzte Nummer vorbeikommen“, vermerkte Han in seinem Tagebuch. „Sie ist einfach zu heiß! Wir haben es um Mitternacht gemacht und dann noch einmal am Morgen.“ Es war nicht das Ende der Affäre…

Bernhard Bartsch | 30. März 2010 um 04:24 Uhr

 

Viele Meinungen, ein Weg

Chinas Nationaler Volkskongress endet mit Warnungen an alle, die Pekings Politik in Frage stellen: den Westen, Google und die Querdenker im eigenen Land.

Die Partei hat immer Recht – selbst wenn sie nicht immer einer Meinung ist. So könnte das Fazit des Nationalen Volkskongresses lauten, dessen Jahrestagung am Sonntag in Peking zu Ende gegangen ist. Zehn Tage lang konferierte Chinas 3000-köpfiges Kulissenparlament über die neuesten Richtlinien der Parteiführung und billigte sie schließlich mit sozialistischen 97 Prozent. „Wir müssen immer voller Zuversicht sein“, kommentierte Premier Wen Jiabao den bestellten Vertrauensbeweis…

Bernhard Bartsch | 14. März 2010 um 16:32 Uhr