Der Zug fährt jetzt ab
Deutsche Bahntechnikhersteller hoffen auf das Chinageschäft. Doch die Chinesen wollen selbst Züge exportieren und werden zu ernstzunehmenden Konkurrenten.
China plant einen gewaltigen Ausbau seines Schienennetzes – und die Bahntechnikhersteller in Deutschland rechnen sich Chancen für neue Großaufträge aus. Mit Siemens Mobility und Bombardier Transportation haben zwei der weltgrößten Branchenunternehmen ihren Sitz in Deutschland…
Genug geschwitzt
Mit Streiks und Selbsttötungen erzwingen Chinas Fabrikangestellte höhere Löhne – denn die jungen Wanderarbeiter wollen besser leben als ihre Eltern.
Liu Zhiyi wurde ausgewählt, weil er einer von ihnen war: Mitte zwanzig, eine gute Ausbildung in der Tasche und große Pläne im Kopf. Niemand konnte Verdacht schöpfen, als er sich im April als Fabrikarbeiter bei Foxconn bewarb, einer südchinesischen Computerfabrik, die unter anderem Apples iPhone produziert. Es ist jene Foxconn, die unlängst wegen einer Serie von Selbsttötungen in die Schlagzeilen geraten war. “Jeden Tag kommen tausende junge Leute, um eine Stelle zu finden und Träumen hinterherzujagen, die sie nie verwirklichen können”, schrieb Liu, als er nach 28 Tagen an seinen eigentlichen Arbeitsplatz zurückkehrte: in die Redaktion der “Nanfang Zhoumo”…
Kommunistische Stiefbrüder
China gilt als Nordkoreas einziger Verbündeter. Doch die sozialistische Brudertreue ist erfüllt von Misstrauen.
Nordkorea und China seien wie „Lippen und Zähne“, beschrieb einst Mao Zedong die Beziehung der kommunistischen Bruderstaaten. Heute scheint es jedoch eher, als beiße sich China mit den Zähnen auf die Lippen: So sehr beide Länder auch nach außen ihre Freundschaft beschwören, so sehr ist das Verhältnis von wachsendem Misstrauen geprägt.
“China hat keinen Hebel, nur einen Hammer”
Nordkorea-Spezialist Andrei Lankov über Pekings Einfluss in Pjöngjang und Szenarien für einen Regimewechsel.
Bernhard Bartsch: Professor Lankov, die Lage auf der koreanischen Halbinsel spitzt sich zu. China gilt als das einzige Land, das auf Pjöngjang Druck ausüben könnte.
Andrei Lankov: Der Einfluss ist gering. Niemand hat einen Hebel, mit dem sich die nordkoreanische Politik in die eine oder andere Richtung steuern ließe, nicht einmal die Chinesen. Allerdings haben sie so etwas wie einen Hammer: Wenn sie den Handel und ihre finanzielle Unterstützung für Nordkorea kappen würden, wäre das für Kim Jong Il ein existenzieller Schlag. Aber im Moment ist noch nicht absehbar, dass die Chinesen ihren Hammer hervorholen würden…
Dalai Lama zwitschert mit Chinesen
Tibetisches Religionsoberhaupt spricht per Twitter mit Chinas Internetgemeinde über Demokratie, Reinkarnation und die Kommunistische Partei.
Das Internet macht’s möglich: Der Dalai Lama hat sich erstmals direkt mit Chinesen in der Volksrepublik unterhalten – in einem Onlinechat. Eine Stunde lang beantwortete der im Exil lebende tibetische Religionsführer am Freitagabend Fragen chinesischer Internetbenutzer über Demokratie, Reinkarnation und die Kommunistische Partei…
Dreist gewinnt
Warum Nordkorea es sich erlauben kann, südkoreanische Schiffe zu versenken.
Militärische Aufklärungsberichte sind stets mit Vorsicht zu genießen. Doch im Fall des Untergangs der südkoreanischen Korvette „Cheonan“ gibt es wenig Grund, an Seouls Untersuchungsergebnissen zu zweifeln: 46 Matrosen sind Opfer eines nordkoreanischen Torpedoangriffs geworden. Warum die unvermittelte Provokation?
Die Rache der Verlierer
An chinesischen Schulen hat es in zwei Monaten sechs Amokläufe gegeben. Nun rätselt das Land, was hinter der plötzlichen Gewaltbereitschaft steckt.
Der Polizist will gesehen werden. Demonstrativ marschiert der Beamte in der blauen Uniform vor dem Xinyuanli-Kindergarten im Pekinger Stadtteil Chaoyang auf und ab. “Wir haben jetzt von morgens bis abends Polizeischutz”, erklärt eine Erzieherin den Eltern, die an diesem Abend vor dem Tor auf ihre Kinder warten. “Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen.” Ein wenig Misstrauen liegt dennoch in der Luft…
Kims Kaffeesatz
Nach Kim Jong-ils China-Reise ist Nordkoreas Zukunft so ungewiss wie vorher. Doch Pekings politischer Rückendeckung kann sich der Diktator weiterhin sicher sein.
Sehr lang war es ein schlecht gehütetes Geheimnis, nun ist es offiziell: Nordkoreas Diktator Kim Jong-il hat diese Woche die Volksrepublik China bereist. Kurz nachdem der Sonderzug des “Geliebten Führers” gestern wieder die nordkoreanische Grenze überquert hatte, berichtete Chinas Nachrichtenagentur Xinhua von der Visite. Über den Zweck von Kims Reise und den Inhalt seiner Treffen mit Chinas Führung herrscht jedoch weiterhin Rätselraten…
Das schmutzige Geheimnis der Expo
Die Schanghaier Weltausstellung will zum Vorbild für Umweltschutz werden. Die Weltausstellung verursacht aber selbst Unmengen von Abfall.
«Bessere Stadt, besseres Leben», lautet das Motto der Schanghaier Weltausstellung. Sie soll ein Vorbild an Umweltfreundlichkeit werden, doch sie hat ein schmutziges Geheimnis: Die Expo produziert selbst Unmengen Müll. Durchschnittlich 280 Gramm Abfall dürfte jeder Besucher hinterlassen, erwarten die Organisatoren…
Freund Frech
Han Han ist Rennfahrer und Blogger, und bei Chinas Studenten ist er Kult. Er spottet über alles, was der Partei heilig ist.
Der Star mag Steaks. “Wer sein Fleisch nicht schafft, kann es mir geben”, sagt Han Han kauend und grinst auffordernd in die Runde, worauf seine junge Assistentin prompt erklärt, eigentlich ohnehin nicht hungrig zu sein. Es ist Mittagszeit, und Chinas berühmtester Rennfahrer wartet seit Stunden im Garagentrakt der Schanghaier Formel-1-Strecke auf sein Fahrzeug. Der Autotransporter steht im Stau. Würde vor der Tür nicht ein Pulk junger Mädchen lauern, könnte er jetzt mit seinen Teamkollegen auf dem Parkplatz Fußball spielen, aber so geht er nur ab und zu nach draußen, um eine neue Ladung Kuscheltiere und Bastelarbeiten entgegenzunehmen. “Ist das nicht süß?”, sagt er…
Die letzte Expo
Wer braucht im Zeitalter der Globalisierung noch eine Weltausstellung? Niemand. In Shanghai findet das 159 Jahre alte Konzept ein glorreiches Ende.
Am 14. April 1900 eröffnete Frankreichs Staatspräsident Émile Loubet die Pariser Weltausstellung. Es war bereits die fünfte „Exposition Universelle“ an der Seine und sie sollte noch spektakulärer werden als die Länderschau von 1889, anlässlich der sich die Stadt den Eiffel-Turm geschenkt hatte…
Rummelplatz der Globalisierung
Am 1. Mai beginnt in Schanghai die größte Weltausstellung aller Zeiten. Sie ist ein Spiel nationale Klischees, Identitäten und Wunschbilder.
Bei den Rumänen übt ein Blasorchester, die Holländer arrangieren Keramikschafe. Japan simuliert einen Feueralarm, in Marokko werden Türen geschnitzt, pakistanische Teppichhändler packen ihre Waren aus. Die Kasachen probieren traditionelle Trachten an, die Österreicher putzen Fliesen und die Schweizer erklären chinesischen Kellnern, was ein Rösti ist. Zwei Tage vor der Eröffnung geht es auf dem Gelände der Schanghaier Weltausstellung zu wie auf einem Zirkusplatz kurz vor der ersten Vorstellung…
Vorschusslorbeeren für Chinas Autobauer
Chinesische Automarken wollen sich aus dem Schatten der internationalen Konkurrenz lösen – doch die Details ihrer Expansionsstrategien bleiben im Dunkeln.
Sie heißen Dongfeng und Changfeng, Gleagle und Englon, Lifan und Zotye, Besturn und Landwind: Chinas Automarken, deren Namen außerhalb der Volksrepublik bisher nur Brancheninsider kennen, wollen zu Global Playern werden. Auf der am Freitag eröffneten Pekinger Automesse präsentieren sie sich nun so selbstbewusst wie nie zuvor…
Der Absturz des Aufsteigers
Chinas ehemals reichster Mann steht wegen Korruption vor Gericht.
Vom Tellerwäscher zum Millionär und zurück: Huang Guangyu galt als prototypischer chinesischer Aufsteiger – bis er auf ebenso charakteristische Weise abstürzte. Der Gründer der Elektromarktkette Gome, der ehemals als Chinas reichster Mann galt, steht seit gestern in Peking vor Gericht und muss damit rechnen, wegen Insiderhandels, Bestechung und anderer illegaler Geschäftspraktiken den Rest seines Lebens in Haft zu verbringen…
“Die Globalisierung verändert sich – und das ist gut so”
Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz über den globalen Reformstau, das Ende der Dominanz des Westens und die neue Weltmacht China.
Bernhard Bartsch: Professor Stiglitz, ist die Krise vorbei oder nur unter einem Haufen Geld vergraben?
Joseph Stiglitz: Die Krise ist noch nicht vorbei. Wir stehen zwar nicht mehr direkt am Abgrund, aber es gibt noch eine Menge Probleme. In den USA haben wir immer mehr Zwangsvollstreckungen, zunehmende Schwierigkeiten auf dem Markt für Gewerbeimmobilien und große Finanzsorgen in den Staaten und Kommunen. In Europa erleben wir gerade die Griechenlandkrise und müssen befürchten, dass Ähnliches noch in anderen Ländern passieren könnte…