Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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Die Milliarden-Dollar-Damen

Selbst ist die Frau: Jede zweite Selfmade-Milliardärin kommt aus China.

Vor einigen Jahren hatte Zhang Xin noch Zeit – aber da war sie auch gerade mal Millionärin. “Schauen Sie doch einmal aus dem Fenster: alles grau, alles groß, alles gleich”, sagte sie damals bei einem Gespräch in ihrem Büro, einem schlicht eingerichteten Provisorium im obersten Stock ihres ersten eigenen Hochhauses…

Bernhard Bartsch | 12. März 2010 um 04:07 Uhr

 

“Wer schweigt, wird Teil des Systems”

Der Künstler Ai Weiwei über Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller, seinen Rechtsstreit mit der chinesischen Regierung und Kunst in Zeiten des Internets.

Frage: Herr Ai, Sie werden beim Literaturfest lit.Cologne mit Herta Müller über “Politik und Kunst” diskutieren. Haben Sie schon einmal etwas von ihr gelesen?

Ai Weiwei: Ich habe zwei Bücher und ihre Nobelpreisrede gelesen – aber nur, weil ich sie treffen werde. Ich bin kein guter Leser und habe kaum Vergleichsmöglichkeiten. Trotzdem finde ihre Werke einzigartig und habe großen Respekt davor, wie hartnäckig und leidenschaftlich sie ihre Themen behandelt…

Bernhard Bartsch | 10. März 2010 um 15:05 Uhr

 

Gipfel der Selbstbewussten

Guido Westerwelle spricht in Peking über Menschenrechte und Internetfreiheit. Doch China reagiert auf klare Worte auch diesmal mit verbalen Ausweichmanövern.

So unterschiedlich kann Selbstbewusstsein aussehen: Guido Westerwelle, Deutschlands Außenminister auf Antrittsreise, gibt sich im Pekinger Staatsgästehaus Diaoyutai besonders aufmerksam. Fast übereifrig sucht er Blickkontakt zu seinem Amtskollegen Yang Jiechi. Chinas Chefdiplomat zeigt wenig Interesse an den Annäherungsversuchen. Lustlos rezitiert er seine vorbereiteten Statements. Doch gerade Yangs Desinteresse strotzt vor Selbstvertrauen: Wer so mächtig ist wie China, braucht seine Bedeutung nicht zu zeigen…

Bernhard Bartsch | 16. Januar 2010 um 08:37 Uhr

 

Die Chefin der Virusjäger

WHO-Generalsekretärin Margaret Chan hat bereits als Hongkonger Gesundheitschefin gegen Seuchen gekämpft – mit gemischten Ergebnissen.

Margaret Chan ist in Sachen Seuchenbekämpfung keine Anfängerin. Die 62-jährige Generalsekretärin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die den Kampf gegen die Schweinegrippe als Chefsache betreut, verdankt ihr Amt maßgeblich ihren persönlichen Erfahrungen im Umgang mit lebensgefährlichen Viren. Als Direktorin der Hongkonger Gesundheitsbehörde stand die promovierte Ärztin gleich zweimal vor der Aufgabe, eine potenzielle Pandemie zu verhindern…

Bernhard Bartsch | 29. April 2009 um 01:26 Uhr

 

Flirt mit fatalen Folgen

Peking und Taipeh nähern sich weiter an. Die Taiwanesen zahlen dafür einen hohen Preis: Die wirtschaftliche Zusammenarbeit kostet sie ihre politische Selbständigkeit.

Chiang Pin Kung schaut sich gerne selber ins Gesicht. An den Wänden seines Büros in einem Hochhaus in Taipeh hängen gleich mehrere Ölporträts. Daneben Fotos von den wichtigsten Handschlägen seiner Karriere, darunter einer mit Chinas Staatspräsident Hu Jintao. Auf seine Bildersammlung ist der 76-Jährige offenbar so stolz, dass er sie auf Briefmarken hat drucken lassen, um sie Gästen mit feierlicher Geste zu schenken…

Bernhard Bartsch | 25. April 2009 um 03:29 Uhr

 

“Demokratie passt auch nach China”

Der damalige Studentenführer Wu’er Kaixi erzählt, was Chinas Jugend im Frühsommer 1989 auf die Straße trieb, wie die Bewegung bis heute nachwirkt und warum er Chinesen für besonders demokratietauglich hält.

Wuer Kaixi (Copyright: Martin Gottske)Frage: Herr Wu’er, vor 20 Jahren begannen die Studentendemonstrationen, die am 4. Juni 1989 in einem Blutbad endeten. Wenn man sich vor Augen hält, wie sehr sich China seitdem verändert hat, könnte einem der zeitliche Abstand noch viel größer vorkommen. Ist es Zeit, das Thema den Historikern zu überlassen?

Wu’er: Dass wir uns hier in Taipei gegenübersitzen und nicht in Peking sagt doch bereits alles: Ich und andere Studentenführer können noch immer nicht in unsere Heimat zurück. Meine Eltern dürfen auch nicht ausreisen…

Bernhard Bartsch | 22. April 2009 um 02:46 Uhr

 

Mit PS aus der Krise?

Porsche feiert in Shanghai die Weltpremiere seines „Panamera“. Mit der neuen Baureihe wollen die Zuffenhausener jährlich bis zu 20.000 Autos mehr verkaufen.

Symbole können tückisch sein. Das mussten am Sonntagabend die Marketingstrategen von Porsche erleben: Für die Weltpremiere der neuen Modellreihe Panamera hatten die Zuffenhausener in den 94. Stock des Shanghai World Financial Center geladen. Der Blick über das Lichtermeer der 20-Millionen-Metropole sollte den Gästen Porsches künftiges Wachstumspotential vor Augen führen. Doch ein Unwetter verdarb die Inszenierung und verwandelte den Funkelteppich in einen trüben Sumpf…

Bernhard Bartsch | 20. April 2009 um 06:16 Uhr

 

Licht am Ende des Tunnels

China verbucht historischen Wirtschaftseinbruch. Doch Pekings Konjunkturpaket zeigt langsam Wirkung.

Die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt sieht sich auf dem Weg der Besserung – auch wenn von Genesung noch keine Rede sein kann. Im ersten Quartal verbuchte China zwar mit 6,1 Prozent das langsamste Wachstum seit dem Beginn der Veröffentlichung von Vierteljahreszahlen im Jahr 1992. Doch obwohl das Land damit nach dem vierten Quartal 2008 (6,3 Prozent) zum zweiten Mal deutlich unter der magischen Acht-Prozent-Markte lag, die Peking als Minimalwachstum für die Sicherung der sozialen Stabilität bezeichnet, glauben Chinas Ökonomen seit einigen Wochen ein Ende der konjunkturellen Talfahrt ausgemacht zu haben…

Bernhard Bartsch | 17. April 2009 um 02:11 Uhr

 

In Chinas Goldgrube

Mao in GoldKein Land fördert mehr Gold als China. Doch auch in der Volksrepublik bekommen die Goldgräber vom Reichtum nur wenig ab. Ein Besuch in der Minenstadt Zhaoyuan.

Wenn Feng Jinmin seine Visitenkarte verteilt, erntet er ein bewunderndes Nicken. «Die Leute zeigen auf meinen Vornamen und sagen, meine Eltern hätten wohl gewusst, was aus mir werden würde», erzählt der 43-Jährige. «Aber was soll einer mit meinem Namen anderes tun, als in einer Goldmine zu arbeiten?» sagt Feng Jinmin und lacht. «Jin» heisst Gold, «min» klug…

Bernhard Bartsch | 10. April 2009 um 08:58 Uhr

 

Ungleiche Nachbarn

Japan rutscht tiefer in die Rezession, während China erste Anzeichen einer Wende sieht.

Die Wirtschaftsmächte Ostasiens senden in der Krise unterschiedliche Konjunktursignale. Japan, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, versinkt immer tiefer in der Rezession. China, die Nummer drei der globalen Wirtschaftsrangliste und damit knapp vor Deutschland, sieht dagegen Anzeichen für ein Ende des Abschwungs und mutet sich sogar schon eine Erhöhung der Benzinpreise zu…

Bernhard Bartsch | 26. März 2009 um 03:03 Uhr

 

China bläst zum Angriff auf den Dollar

Peking fordert globale Leitwährung unter IWF-Aufsicht – und hebt damit einen Kernvorschlag des Uno-Reformkonzepts auf die G20-Agenda.

Bisher bemühte sich China bei internationalen Gipfeltreffen um die Rolle der stillen, freundlichen Riesen, doch kurz vor der Londoner Krisenrunde Anfang April zeigt die Volksrepublik, dass sie nicht nur groß, sondern auch stark ist. Mitten in den letzten Vorbereitungen der G20-Regierungschefs bläst Peking zum Angriff auf den US-Dollar. In einem Essay forderte Zentralbankchef Zhou Xiaochuan, die Weltwirtschaft dürfe nicht länger an der amerikanischen Währung hängen und plädierte stattdessen für die Einführung einer globalen Leitwährung unter Aufsicht des Internationalen Währungsfonds (IWF)…

Bernhard Bartsch | 25. März 2009 um 02:58 Uhr

 

“China schafft Werte für die Zukunft”

Der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz über einen asiatischen Weg aus der Kreditklemme, eine neue globale Reservewährung, Deutschland als Vorbild und den Spaß an der Jahrhundertkrise.

Joseph StiglitzHand aufs Herz, Professor Stiglitz: Genießen Sie die Krise?

(Stiglitz lacht laut und lange)…

Für einen Ökonomen ist eine Jahrhundertrezession doch ein Ereignis, das man in seinem Leben einmal mitbekommen möchte.

In gewisser Weise haben Sie schon Recht, intellektuell ist das sehr spannend. Ärzte wollen schließlich auch besondere Krankheiten zu Gesicht bekommen – nicht weil sie sich freuen, dass es Patienten schlecht geht, sondern weil man daran Theorien überprüfen kann…

Bernhard Bartsch | 23. März 2009 um 02:10 Uhr

 

Dalai Lama: Tibeter leben in der Hölle

Zum 50. Jubiläum des Lhasaaufstands wirft der Dalai Lama China vor, den Tibetern das Leben zur „Hölle auf Erden“ gemacht zu haben. Peking bezeichnet das als „Lüge“.

50 Jahre nach dem Aufstand zehntausender Tibeter gegen die chinesische Obrigkeit haben der Dalai Lama und Chinas Regierung einander schwere Vorwürfe gemacht. Das buddhistische Religionsoberhaupt hielt Peking in einer ungewöhnlich scharfen Worten vor, das Leben der Tibeter zur „Hölle auf Erden“ gemacht zu haben…

Bernhard Bartsch | 11. März 2009 um 00:59 Uhr

 

Chinas Nordosten trocknet aus

Wasserknappheit bedroht Ernte und Trinkwasserversorgung. An der Dürre ist nicht nur die Natur Schuld, sondern auch der Mensch.

In China bedroht eine Dürre die Wasserversorgung für rund vier Millionen Menschen und mindestens 100.000 Quadratkilometer Ackerland. Das entspricht in etwa der Bevölkerung Berlins und der Fläche Portugals. Die Pekinger Regierung erklärte am Donnerstag mehrere Landesteile zu Notstandsgebieten…

Bernhard Bartsch | 06. Februar 2009 um 01:03 Uhr

 

Man lebt nur zweimal

Wie ist das Leben nach dem Tod? Ganz ähnlich wie das davor, glaubt man in China.

Der Fortschritt lässt sich nicht aufhalten. Auch nicht vom Tod. Zumindest glauben das offenbar viele Chinesen. Denn warum sollten sie sonst ihre Ahnen mit neuen Errungenschaften versorgen, die zu ihren Lebzeiten gar nicht existierten: mit Computern und Handys, mit Digitalkameras und Kreditkarten, mit Vitaminpräparaten und Potenzpillen?…

Bernhard Bartsch | 05. Februar 2009 um 03:02 Uhr