Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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Alles ohne Abwrackprämie

Die Krise macht China zum Schlachtfeld um die Zukunft der Autoindustrie. Bei der Shanghaier Automesse buhlen die Hersteller um ihren letzten Wachstumsmarkt.

Wer Kevin Wale reden hört, könnte gauben, der Chinachef des US-Autokonzerns General Motors lese keine Zeitung. Während seine Vorgesetzten in Detroit Insolvenzpläne schmieden, müssen, verbreitet Wale auf der anderen Seite des Globus rosige Zukunftsvisionen: Die chinesische Nachfrage nach Buicks und Chevys sei so hoch, dass GM mindestens noch ein neues Werk bauen müsse, glaubt Wale…

Bernhard Bartsch | 21. April 2009 um 01:39 Uhr

 

Mit PS aus der Krise?

Porsche feiert in Shanghai die Weltpremiere seines „Panamera“. Mit der neuen Baureihe wollen die Zuffenhausener jährlich bis zu 20.000 Autos mehr verkaufen.

Symbole können tückisch sein. Das mussten am Sonntagabend die Marketingstrategen von Porsche erleben: Für die Weltpremiere der neuen Modellreihe Panamera hatten die Zuffenhausener in den 94. Stock des Shanghai World Financial Center geladen. Der Blick über das Lichtermeer der 20-Millionen-Metropole sollte den Gästen Porsches künftiges Wachstumspotential vor Augen führen. Doch ein Unwetter verdarb die Inszenierung und verwandelte den Funkelteppich in einen trüben Sumpf…

Bernhard Bartsch | 20. April 2009 um 06:16 Uhr

 

Besuch eines Handlungsreisenden

Chinas Premier Wen Jiabao kam mit einer großen Wirtschaftsdelegation nach Deutschland. Seine Botschaft: Chinaengagement ist Krisenbewältigung.

Wie in den alten Zeiten: Chinas Premier Wen Jiabao machte auf seiner Europareise am Donnerstag in Berlin Halt und hatte mehr als hundert chinesische Topmanager dabei. Das erinnerte an Visiten der späten 90er Jahre, als Chinas Politiker als Handlungsreisende verkehrten und mit westlichen Amtskollegen ausgiebige Unterschriftenzeremonien absolvierten…

Bernhard Bartsch | 30. Januar 2009 um 02:08 Uhr

 

Prinz Toyoda wird König Toyota

Toyotas Gründerenkel Akio Toyoda rückt an die Spitze des weltgrößten Autokonzerns – ein ungemütlicher Posten

Beruf, Hobby und Familie sind für Akio Toyoda eins: Alles dreht sich um Autos – und überall strebt der 52-Jährige an die Spitze. Im Juni wird er dort ankommen. Dann soll Toyoda, der 2007 beim 24-Stunden-Rennen in einem von ihm selbst mitentwickelten Toyota Lexus vier Stunden lang über den Nürburgring raste, die Führung des Konzerns übernehmen, den sein Großvater vor 75 Jahren als Ableger der elterlichen Webstuhlfirma gründete und der bis heute in leicht abgewandelter Form den Namen der Familie trägt.

Bernhard Bartsch | 21. Januar 2009 um 17:32 Uhr

 

Chinesisches Schwabenland

In der ostchinesischen Provinzstadt Taicang haben sich fast hundert deutsche Firmen angesiedelt. Sie fertigen Dübel, Stoßdämpfer, Kugellager, Staubsaugerdüsen und vieles mehr. Denn wer seinen Markt nicht der chinesischen Konkurrenz überlassen will, muss ihr im eigenen Land begegnen.

Das Erste, was in Daniel Mützelburgs Büro auffällt, ist das Poster hinter seinem Schreibtisch. Eine Übung von Fallschirmspringern im Abendrot, dazu der Slogan “Fallschirmjäger – Glück ab! “. “Ein Kindheitstraum”, sagt Mützelburg und lacht. “Als ich damals den Einberufungsbescheid bekam, bin ich zum Kreiswehrersatzamt gegangen und habe gesagt: Lasst mich zu den Fallschirmjägern, oder ich verweigere.” Das rote Barett neben seinem Kalender verrät den Ausgang der Geschichte.

Bernhard Bartsch | 01. April 2008 um 04:22 Uhr

 

Kommt doch!

Chinesische Konzerne wollen den Weltmarkt erobern. Im Westen fürchtet man sich sehr. Das ist ein wenig übertrieben.

Wenn man Andreas Bode warnt, dass die Chinesen kommen, dass sie bald alles schneller, billiger und besser machen werden als wir Deutschen, dass sie unsere Autos bauen, unsere Arbeitsplätze vernichten und unsere Unternehmen kaufen werden, dann lächelt er nur müde. „Die Chinesen kommen? Darauf warte ich schon seit Monaten.“

Bernhard Bartsch | 01. Dezember 2005 um 05:45 Uhr

 

Der Motor der Gesellschaft

Chinas neue Mittelschicht steht unter Druck. Sie soll ihr Leben verbessern. Und dabei den Fortschritt des gesamten Landes vorantreiben.

Eines Abends – im Fernsehen lief gerade eine Musikparade – fiel Su Huas Mutter ins Koma. Plötzlich und unvermittelt, wie es bei älteren Menschen mitunter vorkommen kann, sackte sie in sich zusammen. Panisch schleppten Su Hua und ihr Vater die 62-Jährige zum Fahrstuhl, ins nächste Taxi und rasten zum Krankenhaus, wo sie an lebenserhaltende Kabel, Schläuche und Kanülen angeschlossen wurde. Keine Ahnung, was wird, sagten die Ärzte…

Bernhard Bartsch | 01. Oktober 2005 um 05:56 Uhr

 

Trainingslager China

Den beinharten Wettbewerb im Reich der Mitte überleben nur die fittesten Firmen. Kolonialismus, mal umgekehrt.

Es ist Sonntag, und Peter Legner ist mal wieder mächtig stolz auf seine Mannschaft. In seiner Werkhalle herrscht reger Betrieb. „Überstunden und Wochenendschichten machen meine Mitarbeiter ohne zu murren“, sagt er. „Man kann von den Chinesen viel lernen, vor allem Zähigkeit.“

Bernhard Bartsch | 01. März 2005 um 06:01 Uhr

 

China – Drache oder Dino?

Aus einem Dinosaurier-Ei schlüpft ein Drache. Er ist kräftig und geschickt genug, um allein zu überleben. Doch er leidet an Durchblutungsstörungen und einem schwachen Rückgrat.

In ihren Träumen stehen viele Chinesen mit dem Rücken zum Peace Hotel. Gegenüber von Schanghais kolonialer Uferpromenade, dem Bund, erhebt sich, was wahlweise „Paris des Ostens“, „New York Chinas“, „Stadt der Zukunft“ oder einfach „Der Wahnsinn“ heißt: das Neubauviertel Pudong – Stolz, Schaufenster und Visitenkarte des Reichs der Mitte.

Bernhard Bartsch | 01. Mai 2003 um 06:58 Uhr