Ende eines Schurkenstaats
Die USA wollen Nordkorea von ihrer Terrorliste streichen. Dabei hält Kim Jong-il unbeirrt an seinen Atomwaffen fest.
Nordkoreas Diktator Kim Jong Il wird gesellschaftsfähig. Übereinstimmenden Meldungen zufolge will die US-Regierung sein erzkommunistisches Land noch diesen Monat von der Liste der Schurkenstaaten streichen. Einen entsprechenden Deal soll US-Chefunterhändler Christopher Hill in Pjöngjang ausgehandelt haben…
“Nordkorea wird seine Atomwaffen niemals aufgeben”
Nordkorea-Experte Andrei Lankov über Pjöngjangs Erpressungskünste, den Schulbuchamerikaner John McCain und Kim Jong-il als fürsorglichen Familienvater.
Nordkorea hat jüngst den Wiederaufbau des Atomreaktors Yongbyon angekündigt. Für den Nordkorea-Experten Andrei Lankov von der Kookmin-Universität in Seoul ist das Teil eines langerprobten Erpressungsmusters. Im Interview erklärt er, warum Pjöngjang weiterhin an seinen Atomwaffen festhalten wird.
Was kommt nach Kim?
Nach den Berichten über eine schwere Erkrankung von Nordkoreas Führer Kim Jong Il wird über seine Nachfolge spekuliert. Möglich scheint alles, denn bekannt ist fast nichts.
Wer kommt nach Kim Jong Il? Seitdem Nordkoreas Diktator am Dienstag bei den Feiern zum 60.Gründungstag der Demokratischen Volksrepublik fehlte, wodurch Geheimdienstberichte über eine schwere Krankheit indirekt bestätigt scheinen, wird weltweit über seine Nachfolge spekuliert. Von der Frage, wer in Pjongjang die Fäden in der Hand hält, wenn der «Geliebte Führer» stirbt oder regierungsunfähig wird, hängt viel ab.
Ein Diktator verschwindet
Nordkoreas “Geliebter Führer” Kim Jong-Il ist abgetaucht. Geheimdienste halten den Tyrannen für todkrank, Koreakenner trauen dem Diktator auch eine Finte zu.
Wo steckt Kim Jong-Il? Nachdem der Diktator am Montag den pompösen Feierlichkeiten zum 60. Gründungsjubiläum der Demokratischen Volksrepublik Korea ferngeblieben ist, rätselt die Welt über den Gesundheitszustand des Mannes, der sein Land seit Jahrzehnten in Isolation und bitterer Armut hält. Südkoreas Geheimdienst will erfahren haben, der 66-Jährige sei schwer erkrankt – und womöglich bereits tot.
Scharfe Töne
Einige Monate lang schien es, als wolle Nordkorea sich öffnen. Doch nun schwenkt Pjöngjang auf seinen alten Konfrontationskurs zurück.
Nordkorea poltert wieder. Nachdem das weitgehend isolierte erzkommunistische Regime in den vergangenen Monaten Signale einer vorsichtigen Öffnung gesendet hatte, zeigte es nun, dass seine Strategie der fortwährenden Provokation noch lange nicht der Vergangenheit angehört. Mit drastischen Formulierungen griff die staatliche Nachrichtenagentur KCNA Südkoreas seit Februar amtierenden Präsidenten Lee Myung Bak an. Lee sei ein „Verräter“ und „Kriecher“ vor den USA.
Pjöngjanger Zierapfelblüte
Die Botschaft in Peking ist Nordkoreas wichtigste diplomatische Vertretung – und der größte wirtschaftliche Außenposten.
Nordkoreaner verstehen etwas von gutem Essen. “Wir servieren hier die Schätze unseres Landes”, erklärt Kellnerin Lee, während sie in ihrer weißen Tracht, die aussieht wie ein bunt bestickter Hochzeitstraum, durch die Tischreihen gleitet. “Nordkoreanisches Fleisch, nordkoreanischer Fisch, nordkoreanisches Gemüse – etwas Frischeres und Köstlicheres gibt es nicht auf der Welt.”
Der Knalleffekt
Seine Drohungen wurden oft als Gerede abgetan. Nun hat Kim Yong Il gezeigt, dass gerade ein Unberechenbarer sehr ernst genommen werden muss.
Sein Leben lang war er nur der Sohn, Erbe und Nachfolger seines Vaters Kim Il Sung, des großen Revolutionärs, eine schlechte Kopie des Originals, ein fader zweiter Aufguss. Die Weltpresse nannte ihn einen Außerirdischen, Irren oder Banditen. Er war der schräge Vogel im Kabinett der internationalen Politik. Spätestens seit gestern Morgen, 10 Uhr 36, ist Kim Yong Il nun ein Tyrann von eigenen Gnaden.