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Streit um Afrika

China wehrt sich gegen die deutsche Kritik an seiner Afrikapolitik.

Trägt China eine Mitschuld an der Hungersnot in Afrika? Der Vorwurf des Afrika-Beauftragten der Bundesregierung Günter Nooke (CDU), umfangreiche Landkäufe chinesischer Firmen in afrikanischen Ländern beraubten die lokale Bevölkerung vielerorts ihrer Lebensgrundlage, hat in der Volksrepublik heftige Proteste hervorgerufen. Chinesische Medien werfen Nooke Heuchelei vor und bezeichnen die Äußerungen als teil einer grundsätzlichen westlichen Chinafeindlichkeit.

„China hat nie große Mengen Land in Afrika gekauft“, widersprach Außenamtssprecher Ma Zhaoxu. Im Gegenteil habe China afrikanische Länder mit Lebensmittelhilfe unterstützt, zehn agrarwirtschaftliche Demonstrationszentren gebaut und fast tausend Experten entsandt, um den Afrikanern zu helfen, ihre Ernten zu sichern. Chinas Leitmedium, die Nachrichtenagentur Xinhua, führte mehrere afrikanische Fachleute ins Feld, um Nookes Position zu widerlegen. „Oberflächlich“ nannte etwa Munene Macharia von der United States International University in Nairobi die Aussagen. „Es ist etwas unseriös, wenn ein deutscher Offizieller behauptet, die Chinesen seien für die Dürre am Horn von Afrika verantwortlich.“

Chinas Reaktionen sind nicht überraschend. Das Land versucht seit langem, die westliche Kritik an seiner Afrika-Politik zu zerstreuen. Nicht nur chinesische Landkäufe sind umstritten, sondern auch die Art und Weise, wie Peking sich Zugang zu Öl und anderen Rohstoffen verschafft. Im Gegenzug zu exklusiven Förderrechten hat China zehntausende Arbeiter in afrikanische Länder geschickt, um dort Straßen, Eisenbahnlinien, Kraftwerke, Mobilfunknetze oder Hafenanlagen zu bauen. Dabei kooperiert China auch mit Regimen, die vom Westen wegen verheerender Menschenrechtsverletzungen geächtet werden.

Die „Global Times“, eine Tochterpublikation des Parteiblatt „Volkszeitung“, reagierte auf Nookes Äußerungen mit einem Leitartikel mit dem Titel: „Afrikas gestohlenes Land ist in westlicher Hand“. Mit seiner „Verunglimpfung der chinesischen Rolle in Afrika“ folge Nooke Politikern wie US-Außenministerin Hillary Clinton und dem britischen Premier David Cameron. „Dabei hat der Westen in dieser Angelegenheit keineswegs saubere Hände.“ Mit Verweis auf einen „Bericht eines westlichen Instituts“ wirft die Global Times westlichen Nationen vor, 15 Prozent des landwirtschaftlich nutzbaren Landes in Afrika gekauft zu haben, vor allem für die Herstellung von Biotreibstoff. „Afrika ist von Natur aus kein Kontinent von Hungersnöten”, schreibt die Zeitung. „Westlicher Landraub hat den Afrikaner wenig Ressourcen gelassen.” Um welche Studie es sich handeln soll, schreibt das Blatt nicht (Eine Studie der Umweltorganisation „Friends of the Earth“ aus dem vergangenen Jahr geht davon aus, dass rund 5 Millionen Hektar in Afrika für die Produktion von Biotreibstoff verwendet werden, davon rund eine Million Hektar von einer chinesischen Firma.). Zumindest die Kritik an Biotreibstoffen dürften allerdings auch im Westen viele teilen. „Westliche Nationen haben mit dieser Industrie große Profite erwirtschaftet, während Afrika nur begrenzte Pachtgebühren und niedrige Löhne bekommen hat“, schreibt das Blatt. „Der Westen weiß, dass er auf Kosten anderer profitiert, aber auf der Suche nach einem Sündenbock, weist er mit dem Finger auf China.”

Begleitet wurde das Meinungsstück von einer Karikatur, in der ein korpulenter westlicher Bonze mit Zylinderhut und abweisender Mine in einem üppigen Getreidefeld steht, vor dem ein mageres schwarzes Männchen schüchtern bettelt.

Bernhard Bartsch | 04. August 2011 um 13:25 Uhr

 

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