Bernhard Bartsch

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Strafpunkte für Spucker

Die chinesische Stadt Guangzhou will unkultiviertes Verhalten hart bestrafen – bis hin zum Verlust der Wohnung.

Die Chinesen sind ein großes Kulturvolk – nur benehmen sie sich nicht immer so: Spucken ist in der Volksrepublik so weit verbreitet, dass die Unsitte zu den festen Bestandteilen des weltweiten Chinabilds gehört. Weil den Chinesen ihr unappetitlich beflecktes Image peinlich ist und das öffentliche Rachenputzen die Ausbreitung gefährlicher Krankheiten beschleunigt, versucht die Regierung immer wieder, mit Kampagnen die gute Kinderstube zu ersetzen. Die jüngste Initiative haben nun die Stadtväter des südchinesischen Guangzhou gestartet: Spucker müssen mit harten Strafen rechnen – bis zum Verlust ihrer Wohnung.

Wie aus einem Gesetzesentwurf auf der Internetseite des Büros für Landressourcen und Management hervorgeht, soll unkultiviertes Verhalten künftig mit einem Eintrag in ein städtisches Sündenregister geahndet werden. Wer auf die Straße spuckt, erhält drei Strafpunkte, ebenso wer falsch parkt, Zigarettenstummel wegwirft, an Hauswände pinkelt oder an einem öffentlichen Zaun seine Wäsche aufhängt. Wie hoch die damit verbundenen Geldbußen sein sollen, ist noch offen, aber zumindest die Höchststrafe ist bereits formuliert: Bewohner von öffentlich subventionierten Gebäuden, die sich als renitente Wiederholungstäter erweisen und innerhalb von zwei Jahren 20 Punkte ansammeln, könnten das Dach über ihrem Kopf verlieren. Mit dem System hofft man, eine „zivilisierte, hygienische, sichere und harmonische Umgebung zu schaffen“.

Bevor das Gesetz in Kraft tritt, soll noch die Öffentlichkeit nach ihrer Meinung zu dem Entwurf befragt werden. Nach den Erfahrungen in anderen Städten zu urteilen, sind die Erfolgsaussichten allerdings gering. So wurden 2003 in Peking, als die Lungenkrankheit Sars die Hauptstadt lahmlegte, schon einmal Strafzettel für Spucker verteilt. Doch kaum war die Krise überwunden, verschwanden die Hygienewächter und die Kleckse auf der Straße tauchten wieder auf. Zu den Olympischen Spielen 2008 schickte die Pekinger Regierung Benimmpolizisten auf die Straße, doch ihre Bemühungen beschränkten sich ausschließlich auf die Touristenattraktionen und Sportstätten. Im Rest der Stadt kamen die Spucker ungeschoren davon. Zwar behaupten chinesische Medien, die Maßnahmen hätten zu einer Verbesserung der Hauptstadthygiene geführt, doch belegen lässt sich das nicht, und die Alltagserfahrung vieler Pekinger spricht eher dagegen. Allen Strafen zum Trotz.

Bernhard Bartsch | 08. Januar 2010 um 10:08 Uhr

 

2 Kommentare

  1. Kulturschock kompakt #3 – This is 廣州市 calling  ⁄  Ein FSJ beim DAAD – Made in China™

    24. Januar 2010 um 17:13

    […] ist das übrigens auch vielen Chinesen selber peinlich, weshalb man in Guangzhou sogar bald seine Wohnung deswegen verlieren kann. Vor den Asian Games (diesen November) wird das Volk auf Reinlichkeit konditioniert. Dann ist […]

  2. Kulturschock kompakt #3 | This is 廣州市 calling

    01. November 2010 um 23:33

    […] ist das übrigens auch vielen Chinesen selber peinlich, weshalb man in Guangzhou sogar bald seine Wohnung deswegen verlieren kann. Vor den Asian Games (diesen November) wird das Volk auf Reinlichkeit konditioniert. Dann ist […]