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Spektakel der Superlative

Die größte Weltausstellung aller Zeiten ist zuende: 72,5 Millionen Menschen besuchten die Veranstaltungen. Die Chinesen planen bereits die nächste Expo.

Das Schlangestehen hat ein Ende: Am Sonntag hat in Shanghai die größte Weltausstellung aller Zeiten ihre Tore geschlossen. 72,5 Millionen Menschen besuchten in den vergangenen sechs Monaten die Expo, die damit einen Rekord als größte Massenveranstaltung aller Zeiten aufgestellt haben dürfte. „Sie haben viele Rekorde erreicht“, sagte Vicente Gonzalez Loscertales, Generalsekretär der zuständigen Internationalen Organisation für Ausstellungswesen (B.I.E.). „Eine Rekordzahl von Teilnehmern, eine Rekordzahl von Besuchern – und sie haben das bislang größte Expo-Gelände gebaut.“ 189 Länder und 57 internationale Organisationen präsentierten sich in Shanghai, neben zahlreichen Unternehmen, Städten und Regionen.

An den beliebtesten Pavillons stellten sich die Besucher bis zu neun Stunden lang an. Zwei bis drei Stunden galten bei dieser Expo bereits als zügiger Durchlauf. Trotz der langen Wartezeiten sprachen Veranstalter wie Pavillon Betreiber von einer überwiegend positiven Resonanz. „Die Shanghaier Weltausstellung hat große Wirkung entfaltet, weil es das Debüt der Veranstaltung in einem Entwicklungsland ist“, urteilte die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. „Sie hilft, wirtschaftliche und kulturelle Innovationen zu Fördern, bildet eine Brücke zu den entwickelten Nationen und unterstützt den globalen Wiederaufschwung.“ Die ausländischen Teilnehmer sahen die Expo in erster Linie als Imagewerbung für ihre Länder, Unternehmen und Produkte, für die China ein zunehmend wichtiger Markt ist.

97 Prozent der Besucher kamen aus China, der überwiegende Teil davon Touristen. Allerdings war die Expo auch Anziehungspunkt für Tausende Fachveranstaltungen. Unternehmen nutzten die Gelegenheit für Mitarbeiter- oder Kundenkonferenzen. Auch für Politiker aller Ebenen war die Weltausstellung ein willkommener Anlass, nach China zu reisen. Die VIP-Bereiche der Pavillons seien fast vollständig ausgebucht gewesen, berichten die Vertreter von Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die chinesischen Veranstalter hatten mit dem Motto „Bessere Stadt, besseres Leben“ vor allem Umweltthemen in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt.

Kritiker bemängelten allerdings, dass die Expo weder umweltfreundlich noch nachhaltig sei. Die Veranstaltung produzierte täglich allein 180 Tonnen Müll und verbrauchte gewaltige Mengen Energie. Und wie nach jeder Weltausstellung stellt sich nun die Frage, was mit den aufwändigen Pavillonbauten passieren soll. Außer einer Mehrzweckhalle und dem chinesischen Pavillon, dessen Ausstellung auch über die Expo hinaus zu sehen sein soll, müssen alle anderen Gebäude abgerissen werden. Einige Häuser waren absichtlich so konzipiert, dass sie sich ab- und wieder aufbauen lassen. So soll etwa der norwegische Pavillon in einem Industriepark in Chongqing neu errichtet werden und der luxemburgische in Wuhan in ein Museum umgewandelt werden. Der Bambuspavillon der deutschen Imagekampagne „Deutschland und China Gemeinsam in Bewegung“ wird künftig ein Messegelände in Hangzhou zieren. Auch Spanien, Singapur, Schweden, Belgien und Korea haben für ihre Bauten Kunden gefunden.

Zu den Nutzungsplänen für das fünf Quadratkilometer große Gelände hat sich die Stadtregierung bisher bedeckt gehalten. Fest steht nur, dass ein Teil in einen Park umgewandelt werden soll und im Rest öffentliche Gebäude und Geschäftshäuser entstehen sollen. Angesichts der hohen Shanghaier Grundstückspreise und der exzellenten Lage im Zentrum der Metropole dürfte der Verkauf von Nutzungsrechten Milliarden in die Stadtkasse spülen – womöglich sogar mehr, als die Ausrichtung der Weltausstellung gekostet hat. Shanghai soll in die Expo einen zweistelligen Milliarden-Dollar-Betrag investiert haben. Einem Bericht der „China Daily“ zufolge soll die Weltausstellung der Tourismusindustrie der Stadt Einnahmen in Höhe von zwölf Millionen Dollar beschert haben.

Dass sich die Expo für die Chinesen gelohnt hat, zeigt auch die Ankündigung, das Spektakel in nicht allzu ferner Zukunft wiederholen zu wollen. „Wir sind guter Dinge, dass China eine weitere Weltausstellung veranstalten wird“, sagte Expo-Chef Wan Jifei, „wahrscheinlich im Jahr 2025.“

Bernhard Bartsch | 31. Oktober 2010 um 05:20 Uhr

 

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